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4.0 von 5 Sternen Firmin - Ein Rattenleben
Zuerst mal zum Erscheinungsbild des Buches: Ein originell erscheinendes Cover, ein Rough-Cut, der wie angenagt aussieht und sich sehr passend zum Roman einfügt und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Die Aufmachung ist sehr gut gelungen.

Zum Buch:
Firmin wird in den 1960er Jahren als 13. Kind der Ratte Flo in einem Buchladen geboren, der sich in...
Veröffentlicht am 18. August 2008 von Kerstin Junglen

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schöner Gedanke, unzureichende Umsetzung
Firmin ist eine Leseratte - eine lesende Ratte. Geboren und aufgewachsen im Keller einer Buchhandlung wird sein Leben von Anfang an von Wörtern, Sätzen, Buchstaben bestimmt. Und so wundert es nicht, dass Firmin sich lieber an Menschen und ihre Lebensweisen hält als an das Leben, das eine Ratte führen sollte'
Man sollte meinen, dass ein Buch...
Veröffentlicht am 5. Februar 2011 von lesezimmerchen


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Firmin - Ein Rattenleben, 18. August 2008
Von 
Kerstin Junglen (Flörsheim/Main, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Zuerst mal zum Erscheinungsbild des Buches: Ein originell erscheinendes Cover, ein Rough-Cut, der wie angenagt aussieht und sich sehr passend zum Roman einfügt und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Die Aufmachung ist sehr gut gelungen.

Zum Buch:
Firmin wird in den 1960er Jahren als 13. Kind der Ratte Flo in einem Buchladen geboren, der sich in einem amerikanischen Großstadtviertel befindet. Bereits als Kind hat er es schwer, sich gegen seine Geschwister durchzusetzen. Er beginnt Bücher zu fressen, da er sonst keine andere Nahrung bekommt/findet und später fängt er an sie zu lesen, und das durch alle Sparten durch.

Als seine Mutter und nacheinander auch die Geschwister ihre eigenen Wege gehen, bleibt Firmin in der Buchhandlung zurück und diese wird sein neues Zuhause. Er ist auf der Suche nach Freundschaft, oft einsam und allein. Als er sich dem Besitzer des Buchladens zu erkennen gibt, wird er bitter enttäuscht. Auch seine nächsten Versuche mit Menschen in Kontakt zu treten, bleiben erfolglos. Als er endlich einen Kameraden findet, ist dies leider nicht von langer Dauer.

So wie Firmin in einer Art trostlosen, einsamen Situation steckt, so geht es auch dem ganzen Viertel, das bald zum Abriss freigegeben werden soll.

Mein Eindruck:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen! Ich war ab der ersten Seite ein Fan von Firmin und habe mit ihm mitgelitten und mitgelacht. Eine sympathische Ratte, die auch noch gebildet ist, aber leider nicht ohne Probleme mit der menschlichen Rasse in Kontakt treten kann, wobei er diese so gerne als Freunde und Kameraden hätte. Das Ende ist kein Happy-End und das ist auch gut so, es hätte jedweden Sinn des Buches verfälscht. Ich kann das Buch auf jeden Fall nur weiterempfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles Buch!!!, 15. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Wunderschön.........
....und allen, die nach Glennkill und Tartufo (das Trüffelschwein Leonardo) keine "Tierbücher" mehr mögen sei gesagt - FIRMIN ist ganz anders!
Wenn man im Keller eine Buchhandlung als 13. in einem Wurf geboren wird, die Geschwister alle stärker, schneller und mutiger sind und die Mama eine Alkoholikerin ist - dann hat man es nicht leicht! Wenn das Nest aus Papierfetzen besteht und dann die Bücher auch irgendwann zur Nahrung werden, dann möchte man schon mal gerne im nächsten Leben ein Mensch sein und das ist Firmins größter Wunsch!
Dieses Buch fesselt, wenn man als Leser soviel Fantasie hat, sich in Firmins Leben hinein zu versetzen.
Er bemerkt, dass er lesen kann, er hängt sich an den Chef der Buchhandlung, von dem er aber bitter enttäuscht wird, er liest die Klassiker rauf und runter und sucht den passenden ersten Satz für sein eigenes Buch! Er findet dann endlich einen Menschen, der sich um ihn kümmert und das Leben könnte so schön sein, wenn das Leben auf der Straße nicht so gefährlich wäre, wenn sein geliebtes Viertel nicht abgerissen und wenn sein Mensch nicht plötzlich sterben würde. Dieses Buch ist grandios geschrieben; wenn Firmin der Poet über das Leben philosophiert, geht mir das Herz auf!

Hat wirklich viel Spaß gemacht.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Firmin - die philosophierende Leseratte, 17. August 2008
Von 
Andrea Koßmann "Kossis Welt" (Marl, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Von Anfang an ist das Leben der kleinen Ratte Firmin alles andere als ein Zuckerschlecken. Als 13. Kind seiner Mam hat er es nicht leicht, sich beim Milchtrinken gegen seine 12 Geschwister durchzusetzen. Seine Mam kann ihm nicht viel von der Welt da draußen beibringen, da ihre Lieblingsbeschäftigung der Suche nach Alkohol gilt. Dennoch wird Firmin irgendwie groß und das nicht allein dadurch, weil seine Mam ihm Buchseiten zu fressen gibt, wenn sie keine andere Nahrung findet. Der Rattenfamilie kommt es in dem Fall sehr zugute, dass sie direkt unter einer Buchhandlung leben und somit genug Futter vorhanden ist.

Doch nach und nach löst sich die Familie auf. Die Geschwister werde flügge und auch die Mutter von Firmin geht ihren eigenen Weg und so muss er sich alleine durchs Leben kämpfen. Er beobachtet die Menschen um ihn rum, studiert und analysiert sie gerade zu. Dabei vergisst er aber nie, in Bücher abzutauchen. Schon lange frisst er die Buchseiten nicht mehr auf, sondern liest sie nur noch. Die weltbekanntesten Bücher sind für ihn keine fremden Länder mehr und er bewegt sich sehr sicher auf dem Weg der Literatur.

Sein vermeintlich bester Freund wird der Buchladenbesitzer Norman, den Firmin während der Geschäftszeiten fast jede Minute im Auge behält und versucht, ihn und sein Handeln zu deuten. Eines Tages schauen sie sich sogar Auge in Auge an. Bis Firmin merkt, dass Norman ihn ja auch sehen kann, ist es schon fast zu spät, denn Norman möchte natürlich keine Ratte im Laden haben und versucht, der Plage" auf den Grund zu gehen.

In einer sehr einfachen Schreibweise führt uns der Autor durch die Geschichte der Literatur und lässt uns immer wieder kleine Einblicke in die ganz großen Bücher dieser Welt geben. Die Aufmachung des Buches ist eine ganz Besondere. Dachte ich anfangs noch, es würde sich versehentlich um ein Mängelexemplar handeln, so informierte ich mich im Internet und fand heraus, dass die fisselige" Schnittkante des Buches gewollt ist. So passt sie wunderbar zu dem restlichen, sehr antiken Look des Buches. Wenn man die Geschichte von Firmin kennt, wird man erkennen, dass es eine grandiose Idee ist, das Buch genau SO zu gestalten. Fast könnte man meinen, die Ratte sei zu Besuch" gewesen und hätte sich einen kleinen Leckerbissen gegönnt. Vor allem ist es eine sehr außergewöhnliche Idee, die mir bisher noch nie bei einem Buch unter die Augen gekommen ist".

Obwohl der Schreibstil von Savage sehr einfach ist, so kann man dennoch auch sehr gut zwischen den Zeilen lesen und erkennen, dass er persönlich Bücher lieben muss. Die Leidenschaft und Hintergründigkeit die hinter manchen Sätzen steckt, sticht nicht direkt ins Auge, sondern wird von einem leicht philosophischen Hauch berührt. Von daher könnte ich mir gut vorstellen, dass dieses Buch polarisieren wird. Entweder man liebt es, oder man findet es langweilig. Die eigene Einstellung zu Büchern und Menschen wird sicher auch wichtig sein, um in dieses Erstlingswerk des Autors abzutauchen.

Auch kann ich mich des Verdachtes nicht erwehren, dass es sich bei der Ratte Firmin um eines der eigenen Ichs des Autors handelt. Obwohl das Leben einer Ratte geschildert wird, so erleben wir dieses doch sehr menschlich und nachvollziehbar. Von absoluter Schüchternheit bis hin zu wagemutigen Annäherungsversuchen, über die Liebe zu Büchern bis hin zum Verlassenwerden von liebgewonnen Menschen durchleben wir mit Firmin Höhen und Tiefen, die auch in dem eigenen Leben des Autors Vorrang hätten haben können. Wahrscheinlich werde ich nie erfahren, wie viel Sam Savage letztendlich in Firmin steckt, aber ich kann zumindest sagen, dass ich ein kleiner Teil seines Rattenlebens" geworden bin und das letztendlich nicht nur, weil auch ich eine Leseratte und Menschenbeobachterin bin, wie sie im Buche steht.
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38 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tierisches Genie!, 15. August 2008
Von 
Verena M.E. (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Tierisches Genie!
Eine Ratte, geboren im Keller einer Buchhandlung aber keineswegs eine Hausratte....
Eine Leseratte.
Durch und durch hingerissen von Literatur, fängt er an die Welt durch Bücher kennen zu lernen und sich zu erklären.

Ereignisse verbindet er mit Aussprüchen seiner Bücher, die er erst anknabberte und dann, als es ihm zu schade um dieselbigen wurde, nur noch mit den Augen verschlang.

Eine Sucht und ein Drang entwickeln sich. Nachts verschlingt er die Klassiker und tagsüber sitzt er auf seinem Aussichtspunkt und beobachtet das geschäftliche Treiben in der Buchhandlung. [Dieser] diente [ihm] als Fenster zur Menschenwelt,[sein] erstes Fenster".

Er wird älter und plötzlich stehen die Bücher in Konkurrenz mit dem Nachtleben und den Hübschen" im Rialto". Doch nie nimmt er Abstand von seiner geschriebenen Welt.

Er träumt sich hinein in die Geschichten, fängt selbst an zu dichten und zu träumen.

Doch was soll er anfangen mit seinem Wissen? Mit einer simplen und äußerst niedlichen Botschaft in Zeichensprache begibt er sich auf die Suche nach Verständnis und Erwiderung.

Verjagt und geschlagen, hungrig und kraftlos wird er aufgelesen... von einem Schriftsteller.

Mit diesem und den Abenteuern welche die kleine Ratte Firmin mit ihm erlebt endet nach rund 200 Seiten die Geschichte.

Der Schreibstil Sam Savage lädt das ganze Buch über zum Schmunzeln und Auflachen ein. Ihm gelangt es eine äußerst sympathische, lesewütige Ratte zu kreieren die den Leser selber in ihren Bann zieht. Selbstkritisch, ironisch, charmant und sehr witzig beschreibt der Rattenjunge sein Leben aus dem Zeitfenster" und klappt sein Fernrohr aus.

An vielen Stellen wird der Rezipient direkt angesprochen, in einer offenen und kritischen Weise mit der Firmin sich und sein Leben eigenständig in Witze packt und dabei dennoch Stoff zum Nachdenken und vereinzelt auch zum traurig-sein" bietet.

Etwas kritisch habe ich das jähe Ende anzumerken. Als ich umblätterte war ich davon überzeugt die Geschichte müsste noch weiter gehen. Die lag vielleicht auch an meiner Begeisterung gegenüber dem Buch selber. Ich wollte noch mehr Firmin". Dennoch ist das offene Ende sehr gut gewählt. Es endet auf typisch firminer" Art.

Die Aufmachung des Buches passt perfekt. Die ausgefransten Seiten und auch die Gestaltung des Umschlages lassen sofort wieder an den Keller der Buchhandlung und an den Geruch alter Bücher denken.

Mit dem vorne anzutreffenden Gedicht konnte ich erst einmal nichts anfangen. Nach der Lektüre jedoch, erkennt man die Parallelen zu Firmin, und damit ist der Rück- bzw. Vorbezug wieder gegeben.

Das Buch ist äußerst lesenwert, vor allem für wahre Bücherratten. Die häufigen Bezüge zur Weltliteratur, bekannten Schriftstellern und ihren Werken erfordert dennoch das Wissen eines erfahrenen Lesers um alle Witze und Parodien zu verstehen, was mir Gott sei Dank meistens gelang.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eine Leseratte erzählt, 12. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Taschenbuch)
Firmin wird als letzter eines aus 13 kleinen Ratten bestehenden Wurfes geboren und muss sich von Anfang an schon durchboxen. Sei es, um eine Zitze bei seiner Mam zu erwischen oder sich gegen seine Geschwister durchzusetzen. Um nicht zu verhungern, fängt er an, Teile des Nestes zu fressen. Und das besteht aus zerrissenen Buchseiten. Firmin merkt, dass verschiedene Buchseiten unterschiedlich schmecken und macht sich an die Erkundung seiner Umgebung, einem riesigen Buchladen. Und so lernt Firmin lesen. Nichts ist vor im sicher. Aber seine größte Liebe gilt den Menschen. Und diesen nähert er sich Schritt für Schritt.

Der Klappentext verspricht einen Roman, der sich um das Leben einer Ratte dreht, die Bücher ' im wahrsten Sinne des Wortes ' zum Fressen gern hat.
Und er hält dies auch. Jedoch nicht in witziger, sondern in philosophisch-nachdenklicher Form.

Erzählt wird aus der Sicht von Firmin, der sich mehr und mehr zu den Menschen hingezogen fühlt und sich auch teilweise wie einer verhalten möchte.

Seine zweite große Liebe neben dem Entdecken des Menschseins sind wohl die Bücher. Unzählige verschlingt er in seinem kurzen Leben. Von Charles Dickens über Jane Austen bis hin zu Fachbüchern aus dem Bereich der Medizin, Bergbau und anderen für ihn relevanten Themen.
Selbst die Gebärdensprache bringt er sich zu kleinen Teilen bei.

Die Geschichte Firmins lässt sich in relativ kurzer Zeit lesen, doch macht dies auch Spaß. Denn was ist interessanter, als eine bibliophile Ratte durch ihr Leben zu begleiten?

Eigentlich kennt man es ja, dass gerade sehr philosophisch angehauchte Romane sehr anstrengend zu lesen sind, doch ist hier der Gegenteil der Fall. In einem flüssig zu lesenden Schreibstil wird man durch die Klassiker der Literatur geführt und auch durch Firmins Rattenleben.

Interessanterweise hat es mich sehr berührt zu lesen, wie sich der Autor vorstellt, wie sich eine Ratte verhält, was sie denkt und vor allem wie sie versucht, Anschluss an einen Menschen zu finden.

Die leisen Untertöne, die manchmal zwischen den Zeilen herauszuhören bzw. zu lesen sind, sind fein und vermitteln eine unterschwellige Botschaft. Welche, muss selbst herausgefunden werden.

Fazit:
Eine kleine, aber feine Geschichte.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schöner Gedanke, unzureichende Umsetzung, 5. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Taschenbuch)
Firmin ist eine Leseratte - eine lesende Ratte. Geboren und aufgewachsen im Keller einer Buchhandlung wird sein Leben von Anfang an von Wörtern, Sätzen, Buchstaben bestimmt. Und so wundert es nicht, dass Firmin sich lieber an Menschen und ihre Lebensweisen hält als an das Leben, das eine Ratte führen sollte'
Man sollte meinen, dass ein Buch über Bücher und das Lesen denjenigen, die viel und gerne lesen, per se gefällt. Leider war das in diesem Fall nicht so.
Ich empfand die Erzählweise als zäh, die Einwürfe Firmins an den Leser unterbrechen seine Berichte nur kurz, immer wieder rutscht er in lange Monologe, verschlungene Gedankengänge ab. Ein wenig liest sich das Buch so, als würde einem ein Betrunkener sein Leben erzählen: Verworren und sprunghaft, immer wieder werden spätere Ereignisse vorweg genommen, bevor es in der Geschichte weiter geht, immer wieder stellt Firmin sich selber rhetorische Fragen, denkt über das Leben und Lesen als Solches nach, bevor er wieder zu einem Bericht seines Lebens übergeht.
Ja, dieses Buch regt zum Nachdenken an. Firmin tut einem ob seines armseligen Lebens leid, man denkt über viele der angesprochenen Themen nach, ordnet sie vielleicht in seinen eigenen Erfahrungen neu an.
Nichtsdestotrotz kann Firmin weitere Sympathien leider nicht sammeln, vielleicht auch, weil mit der Figur einer sehr von sich selbst überzeugten Ratte keine Identifikation möglich ist.

Es handelt sich hier um ein intelligentes Buch. Eines, in dem immer wieder deutlich wird, wieviel mehr als nur Buchstaben in Büchern steckt. Und wieviel mehr als nur Handlungen in einem Leben steckt. Aber eben auch eines, das sich zäh liest und dementsprechend wenig Vergnügen mit sich bringt.
Letztendlich muss jeder selber entscheiden, ob und wie sehr er sich auf dieses Buch einlassen möchte ' mich persönlich konnte es leider nicht in seinen Bann ziehen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Volltreffer, 15. August 2008
Von 
Stephanie Philipp "stephi0187" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist für mich in jeglicher Hinsicht etwas besonderes.

Zum einen gefällt mir die Aufmachung außerordentlich gut. Der Rough Cut, den ich hier zum ersten Mal überhaupt gesehen habe, passt perfekt zum Inhalt des Buches und hat mein Lesevergnügen durchaus positiv beeinflusst.

Außerdem finde ich das Titelbild sehr bezeichnend für die Handlung. Es hat es mir sehr erleichtert, eine bildhafte Vorstellung von Firmin zu erlangen und meine Sympathie für ihn eigentlich bereits vor dem Lesen geweckt.

Auch der Inhalt hat mich überzeugt. Da wäre zunächst der ungewöhnliche aber grandiose Einstieg. Diese ganzen Zitate sind eine tolle Einführung, auch wenn Firmin das nicht so sieht und dann lieber noch einmal von vorne anfängt, was ich sehr niedlich finde.

Ja und dann die Geschichte selbst...immer wenn man denkt es geht nicht mehr schlimmer, ging es garantiert noch eine Stufe weiter runter für Firmin.

Er wird geboren als kleinstes und schwächstes Kind unter 13 Geschwistern. Die Mutter ist dem Alkohol nicht abgeneigt und kümmert sich nur sehr sporadisch um ihre Kinder. Firmin kann sich gegen seine Geschwister kräftemäßig nicht behaupten und befindet sich somit von klein auf im Kampf ums überleben.

Durch eben diesen Kampf entdeckt er schließlich seine Liebe zu Büchern, die in dem Keller, in dem er lebt, reichlich vorhanden sind und wird noch mehr zum Außenseiter der Familie. Als diese sich zerstreut, bleibt er als einziger in dem Haus zurück und lebt fortan zwischen den Büchern der Buchhandlung, die sich über dem Keller befindet.

Er identifiziert sich immer weiter mit dem Betreiber des Ladens und verliert nach und nach den Bezug zu seinen Artgenossen.

Vom Pech verfolgt stirbt Firmin mehrmals fast, weil er in den Menschen seine 'Freunde' sieht. Er geht einfach fälschlicherweise davon aus, dass sie ihn genauso mögen würden, wie er sie mag, aber der Durchschnittsmensch ist wohl eher weniger gut auf Ratten zu sprechen.

Seine Wünsche und Träume werden des Öfteren enttäuscht, aber Firmin lernt auch nicht wirklich daraus.

Aus dieser Naivität resultiert wohl auch das traurige Ende der Geschichte, wobei das letzte Kapitel für mich doch ziemlich verwirrend war.

Obwohl der Inhalt an sich nicht wirklich spektakulär ist, schafft es Sam Savage doch, mich als Leser zu fesseln. Zum einen möchte ich natürlich wissen, wie sich Firmin aus der ein oder anderen schwierigen Situation herausmanövriert, andererseits verliert er sich immer wieder in Tagträumen, die die Handlung spannender und interessanter machen.

Hinzu kommt, dass mir Firmin bereits ziemlich schnell sehr sympathisch war, so dass ich doch sehr häufig Mitleid mit dem kleinen Kerl hatte. Teilweise habe ich beim Lesen regelrecht vermenschlicht, da er durch seine Äußerungen schon auch zeigt, dass er sehr gescheit ist.

Damit bin ich dann auch schon bei der Sprache. Hier bekommt man als Leser eine gute Mischung aus gehobenem Ausdruck und umgangssprachlichen Formulierungen geboten, was das Geschehen in meinen Augen auflockert. Es zeigt sich, dass Firmin einerseits gebildet ist, eben weil er so viel liest, andererseits aber auch geprägt ist von dem Geschehen auf der Straße. Denn obwohl er das Leben "draußen" nicht mag, ist er gezwungen, gelegentlich daran teilzunehmen, weil er sich Nahrung suchen muss.

Alles in allem ist 'Firmin ' Ein Rattenleben' für mich ein sehr schönes, sehr gut gelungenes Buch, was es durchaus auch wert ist, irgendwann noch einmal gelesen zu werden. Ich bin auf der ganzen Linie begeistert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Idee!, 9. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Taschenbuch)
"Vertrauen Sie mir, ich weiß was ich tue. Lesen Sie dieses Buch." Denis Scheck in Druckfrisch

Wegen dieses Zitates habe ich mir das Buch gekauft, denn von Denis Scheck halte ich viel. "Firmin - Ein Rattenleben" handelt von einer Ratte, die in einem Bostoner Buchladen lebt. Firmin ist der Schwächste in seinem Wurd und bekommt deshalb auch am wenigsten Nahrung ab. So fängt er an, Buchseiten zu fressen. Irgendwann entdeckt er den wahren Wert der Bücher und dass sie eigentlich nicht zum essen da sind, sondern zum Lesen. Er entwickelt sich zu einer richtigen Leseratte. Firmin liest aber nicht nur, sondern er erzählt dem Leser auch seine Geschichte, die von dem Buchladen und seinem Besitzer handelt, in der er und seine Familie wohnen, aber auch von den Menschen in Boston.

Sam Savage ist eine wunderbare Geschichte über einen Außenseiter gelungen. Firmin ist keine normale Ratte, er ist sehr intelligent und belesen und würde am liebsten ein Mensch sein. Wenn er sich sich selber vorstellt, hat er immer das Aussehen eines Menschen. So versucht er auch, Freundschaft zu Menschen zu schließen, jedoch sehen ihn die meisten nur als Ungeziefer an. Immer wieder bringt Firmin Inhalte von Büchern, die er gelesen hat in seine Erzählungen ein. Dies ist für einen belesenen Leser auf jeden Fall sehr interessant, man beginnt fast schon Firmin dafür zu bewundern. Zeitweise macht man sich Gedanken, ob Ratten nicht wirklich so intelligent sein könnten, dass man ihnen Unrecht damit tut, sie als "dreckig" zu bezeichnen. Sam Savages Roman bringt einen zum Nachdenken und stimmt einen auch manchmal traurig. Er ist keineswegs flach, sondern tiefgründig. Allerdings war er mir mit seinen 200 Seiten zu kurz, da hätte man noch mehr draus machen können, schade! Aber trotzdem ist Firmin ein tolles Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Außenseitern und traurigen Geschichten, 5. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Gebundene Ausgabe)
Firmin wird in einen stinkenden, raufenden, unansehlichen Wurf von dreizehn Ratten geboren. Seine Mutter ist schwer alkoholabhängig und auch sonst nicht gerade die vorbildlichste Erzieherin. Da Firmin zu schwach ist, um sich mit seinen Geschwistern um eine der acht Zitzen zu streiten, sieht er sich schnell nach anderen Nahrungsquellen um. Die ist schnell gefunden: Das Nest aus Papierschnipseln einer verschmähten Enzyklopädie ist schnell angeknabbert, bald verspeist, und ergibt einen schwer verdaulichen, aber dennoch lebensrettenten Brei an Firmins Gaumen. Und da Firmin und seine Geschwister im Keller des Buchladens Pembroke Books das Licht der Welt erblickt haben, muss er sich fortan keine Sorgen mehr um weiteren Nachschub machen. Bald aber muss Firmin einsehen, dass ihm der Papierbrei viel zu schwer im Magen liegt. Und noch etwas fällt ihm auf: Er kann plötzlich lesen, was da auf den Seiten steht, die er anknabbert! Er muss das Verständnis für all die durcheinander gewürfelten Buchstaben zwar nicht mit der Muttermilch aufgesogen, so aber mit dem Papierbrei aufgenommen haben. Und so fängt der ganze Schlamassel wohl an: Ganz untypisch für seine Artgenossen zieht Firmin es vor, in der Buchhandlung zu bleiben, und er scheut die nächtlichen Ausflüge in das verwinkelte Boston. Nur wenn ihm sein Magen gar keine Ruhe mehr lässt, wagt er einen Ausflug ins Rialto - das Kino, in dem immer ein paar Essensreste der Besucher zu finden sind. Bald pendelt Firmin zwischen den Bücherregalen und Kinosesseln - stets auf der Suche nach Nahrung, Büchern und Filmen.

Schnell avanciert er zum klassischen Außenseiter: Er passt nicht in die Welt der Ratten. Aber eben auch nicht in die der Menschen, die ihn als hässliches Ungeziefer empfinden. Da hilft es auch nicht, dass Firmin Kraft des Ausdrucks in seinen Augen versucht seine Harmlosigkeit zu demonstrieren. Der Ladenbesitzer des Pembroke Books wirft ihn hochkantig heraus. Und auch im Park gelingt es Firmin nicht, mittels Gebärdensprache Kontakt zu den Menschen aufzunehmen. Was ihm bleibt ist die Träumerei. Die Flucht in all die Geschichten, die er mit Begeisterung liest und so sehr liebt. Und so verwundert es auch nicht, dass der ganze Roman gespickt ist mit Verweisen auf all die großen Helden der Literatur.

Dabei ist das Buch gar keine Abenteuergeschichte. Und auch keine durch und durch schöne Erzählung. Firmin läutet seine Memoiren denn auch mit dem Zitat der "traurigsten Geschichte, die jemals erzählt wurde" ein. Ein melancholischer Unterton schwingt in den Schilderungen dieser Leseratte inmitten eines dem Verfall anheim gegebenen Bostoner Stadtteils immer mit. Und zumindest zwischen den Zeilen auch der Stolz eines kleinen Persönchens, das doch irgendwie ein bisschen stolz auf seine Einzigartigkeit ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Außen Top, innen Flop..., 13. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Firmin - Ein Rattenleben (Taschenbuch)
Die Ratte Firmin wird als 13. des Wurfes in einer Bostoner Buchhandlung geboren. Er ist der kleinste von allen und ein
Schwächling. Er bekommt nicht genügend Milch und in seiner Not fängt er an, die Bücher anzuknabbern.
Schon bald findet er Gefallen an dem Geschmack, doch auch das, was er da verschlingt, beginnt ihn zu interessieren. So fängt Firmin an zu lesen. Er wird viel intelligenter als alle anderen Ratten und fühlt sich mehr zu den Menschen hingezogen. Seine Kommunikationsversuche mit dem Buchhändler Norman und einigen Passanten enden fast tragisch, doch dann lernt er einen
erfolglosen Schriftsteller kennen, der über der Buchhandlung lebt. Dieser ist wie Firmin ein Außenseiter. Glückliche und auch weniger glückliche Momente erlebt die Ratte, bevor alles dem Ende zu geht. Denn der Scollay Square, der
Heruntergekommene rattenverseuchte Stadtteil, in dem die Buchhandlung liegt, soll abgerissen werden.

Außen top, innen flop? Das Beste am Buch ist tatsächlich die Gestaltung des Covers mit "angenagten" Ecken. Doch so schlecht ist "Firmin - Ein Rattenleben" nicht, denn das Buch liest sich gut und flüssig, ein Schmunzeln bleibt teilweise nicht aus,
und auch die Sprache ist sehr schön. Der geschichtliche Hintergrund rund um den sterbenden Scollay Square, der in Boston
wirklich bis etwa 1950 existiert hat, wird interessant und bildlich beschrieben. Die Geschichte über eine lesende Ratte ist eine tolle Idee - deren Umsetzung überzeugt leider nicht komplett. Firmin ist ein egozentrischer, fast gebrochener
Charakter, der im falschen Körper steckt und dessen Melancholie belastet. Sein verzweifelter Versuch, Mensch zu
sein, macht ihn nicht menschlich- auch dann nicht, wenn er sich nachts im Kino Pornos ansieht. Firmin schmeißt mit Fremdwörtern um sich und formt wohlklingende Sätze, da er ja belesen ist und selbst davon träumt, Schriftsteller zu
sein. Dabei verschwimmen jedoch Traum und Realität. Wer sich mit dem Begriff "Leseratte" identifiziert, identifiziert sich
noch lange nicht mit Firmin.
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Firmin - Ein Rattenleben
Firmin - Ein Rattenleben von Sam Savage (Gebundene Ausgabe - 1. August 2008)
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