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174 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschied von liebgewordenen Illusionen
Seit über vierzig Jahren leben Deutsche und Türken zusammen in der Bundesrepublik, immer noch teilen sie die gleichen Illusionen und wissen fast nichts übereinander.

Schon in den Sechzigern wurde diese Erwartung der Deutschen: 'Die kommen für ein paar Jahre und dann gehen sie wieder' von den Türken geteilt. Auch wenn diese Erwartungen...
Veröffentlicht am 13. November 2007 von H. P. Roentgen

versus
53 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Autorin ist selbst ein Beispiel fehlender, bestenfalls mangelhafter Integration - sie scheitert am eigenen Anspruch
Dieses Buch ist eine einzige Enttäuschung!

Es ist noch nicht einmal zur Hälfte gelesen, doch reicht es schon für ein ernüchtertes Zwischenfazit.

Das Buch ist in einem ordentlichen Deutsch geschrieben (ich hoffe zugunsten der Autorin, daß diese Schriftsprache tatsächlich von ihr stammt), und sie übte und wohl auch...
Vor 14 Monaten von Dr. Ansgar Matthes veröffentlicht


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174 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschied von liebgewordenen Illusionen, 13. November 2007
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
Seit über vierzig Jahren leben Deutsche und Türken zusammen in der Bundesrepublik, immer noch teilen sie die gleichen Illusionen und wissen fast nichts übereinander.

Schon in den Sechzigern wurde diese Erwartung der Deutschen: 'Die kommen für ein paar Jahre und dann gehen sie wieder' von den Türken geteilt. Auch wenn diese Erwartungen absurd waren. Deutschland wurde für viele zur Heimat, aber niemand wollte das wahrhaben. Selbst die Autorin Seyran Ates, die 38 ihrer 44 Jahre in Deutschland gelebt hat, wird immer wieder gefragt, ob sie im Sommer 'wieder in ihre Heimat' fährt.

Schließlich haben wir Multi-Kulti, jeder lebt in seiner Kultur, wir müssen uns nicht miteinander beschäftigen und können uns trotzdem gut fühlen. Wir sind tolerant. Ein prima Idee, eine bequeme Idee. Wie die meisten bequemen Ideen hat sie nur einen Haken: Sie funktioniert nicht.

Seyran Ates hatte Glück. Sie kam nicht in eine Ausländerklasse, sondern in eine mit deutschen Kindern, was zur Folge hatte, dass sie Deutsch lernte, aufs Gymnasium ging und Jura studierte. Seitdem hat sie sich als Anwältin für Migrantinnen engagiert und damit geriet sie ins Spannungsfeld von Fundamentalisten, Konservativen und denen, die weiterhin von der bequemen Idee 'Multi-Kulti' träumen wollten.

Seyran Ates träumt nicht, sie kennt die Szene, sowohl die der Politik wie die der Migranten. Und in diesem Buch schildert sie sie. Die Situation der muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland, die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte und der erwachende Fundamentalismus. Daneben die Politikszene, in der es viele gibt, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass die schulische Situation in vielen Bezirken immer katastrophaler wird, dass Islam von außen betrachtet, vielleicht exotisch und bunt wirkt, doch leider für viele Frauen verheerende Auswirkungen hat. Besser, nicht darüber sprechen, das schürt Fremdenfeindlichkeit, meinen viele rot-grüne Multi-Kultis und erst recht meinen das muslimische Fundamentalisten. Daneben all die Politiker, die mit islamischen Verbänden mauscheln, die sich als Vertreter der Türken ausgeben, obwohl nicht einmal 10% derer Mitglieder sind.

Als in den Siebzigern die ersten Frauenhäuser in Deutschland gegründet wurden, als die Vergewaltigung in der Ehe strafbar werden sollte, kamen die gleichen Einwände, nur damals von den deutschen Konservativen.

Aber wer nicht darüber redet, kann nichts dagegen tun, macht sich mitschuldig. Seltsam, dass viele, die 1968 an die Öffentlichkeit holten, was bis dahin verschwiegen wurde, nun selbst dem Verschweigen das Wort reden. Wir sind die Spießer, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt hatten, könnte man den bekannten Sponti-Spruch aus dieser Zeit abwandeln.

Aber das Buch will nicht lamentieren. Es will aufklären und es will Wege aus dem Dilemma aufzeigen. Denn wer gegen die Gewalt in Migrantenfamilien angehen will, muss dasselbe tun, was schon in den Siebzigern getan wurde, um Gewalt in deutschen Familien zu verhindern. Aufklärung statt Nicht-Drüber-Reden, Frauenhäuser unterstützen, statt die Mittel zu kürzen und vor allem: Sicherstellen, dass die Frauen überhaupt Deutsch sprechen, erfahren können, was ihre Rechte sind. Deshalb unterstützt Ates den Vorschlag, dass bei dem Familiennachzug Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachgewiesen werden müssen.

Was ebenfalls in der Diskussion untergeht: Die Probleme werden in der Türkei selbst längst offen diskutiert, die Zeitung Hürriyet hat eine Hotline eingerichtet und in der Türkei begegneten mir vor zwei Jahren lauter Plakate, die sich ganz offensichtlich mit diesem Thema auseinandersetzten.

Die Auswanderer in die USA wussten, dass sie damit eine neue Heimat suchten. Die amerikanische Staatsbürgerschaft wird feierlich übergeben. Das stärkt die Zugehörigkeit. Nichts davon gibt es in Deutschland.

Ates betont auch, wie wichtig Bildung und Spracherwerb ist, wie sehr aber oft konservative türkische Gruppen in Tateinheit mit Grünen sich dagegen zur Wehr setzen. Dass damit Jugendliche heranwachsen, die sich 'irgendwie' einer idealisierten Türkei zugehörig fühlen, gleichzeitig aber übersehen, dass gerade in der Türkei jemandem, der gut Deutsch und Türkisch spricht, alle Türen offen stehen, denen aber, die weder die eine noch die andere Sprache richtig beherrschen, gar nichts.

Das Buch zeigt nicht nur die Probleme der Integration, sondern auch Möglichkeiten, sie zu anzugehen. Und es zeigt, wie wichtig Zivilcourage sind, wie wichtig aber auch, sich von geliebten Scheuklappen zu lösen, die morsch und unbrauchbar geworden sind. Dass vieles von dem, was wir heute schätzen, in der Folge dessen, was '68' genannt wird, erst erkämpft wurde, das sollten wir nicht vergessen.

Ich gehöre noch einer Generation an, die in Schulen gingen, in denen Protestanten und Katholiken auf dem Pausenhof mittels einer Mauere strikt getrennt wurden. Ich weiß, was religiöser Fundamentalismus anrichten kann, wie wichtig die strikte Trennung von Staat und Religion ist. Denn die Alternative ist - vor allem für die Frauen - furchtbar.

Und wir müssen uns klarmachen, dass bequeme Lösungen leider oft auch falsche Lösungen sind. Deshalb empfehle ich dieses Buch jedem. Weil es nicht nur, wie so manche Internetseite, dem Islam alle Schuld in die Schuhe schiebt und feststellt: Der Islam ist nicht reformierbar, um dann den Bürgerkrieg herbeizureden. Sondern weil es Auswege zeigt und auch, wie wichtig es ist, aufeinander zu zugehen, ohne Angst, aber auch ohne falsche Toleranz.

(C) Hans Peter Roentgen
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44 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuorientierung - oder persönliche Abrechnung?, 16. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
Einig sein werden sich die meisten sicher darin, dass eine im eigentlichen Sinne kritische Auseinandersetzung mit den lange Zeit gegenüber Kritik immunisierten Migrationsthemen, notwendig ist. Der Sache nur dienlich kann es da sein, wenn eine Frau mit eigenem Migrationshintergrund die Stimme ergreift; denn es entschärft auch die Tabuisierung des Themas.

Seyran Ates beschreibt ein kulturelles Chaos, einen Flickenteppich, der keine Regeln mehr hat, der Patchwork ist, Beliebigkeit darstellt. Dort maximale Freizügigkeit, sexuelle Permissivität und Toleranz gegenüber Zwangsverheiratungen und auf der anderen Seite Duldung migrationsimmaneneter Repressionen. Sie macht die negativen Seiten an dieser Form gedankenloser Verwahrlosung deutlich, die im Gefolge von Doktrin und Ideologie in Kauf genommen wurde.

Die Autorin weiss dabei, wovon sie spricht: Mit 17 Jahren entfloh Seyran Ates aus ihrem Elternhaus der Unterdrückung. Bei einem Attentat auf einen Kreuzberger Frauenladen, in dem sie arbeitete, um ihr Jurastudium zu finanzieren, wurde sie lebensgefährlich verletzt und benötigte 6 Jahre zur Rekonvaleszenz. Heute setzt sie sich als Anwältin für Frauen ein, die eingesperrt, misshandelt oder zwangsverheiratet werden.

Das sorgt für Anschaulichkeit, trägt aber die Gefahr in sich zu einer persönlichen Abrechnung zu werden. Aber die Wertungen der Autorinnen brauchen nicht immer uebernommen zu werden. Mitdenken und in den Diskurs eintreten ist bei der Lektüre möglich... lesenswert
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53 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein argumentativ starkes Buch von einer mutigen Frau, 24. Dezember 2007
Von 
Susanne Maria Schmidt (Rosheim, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
Mehr aus Langeweile aufgrund einer Flugverspätung habe ich dieses Buch gekauft und konnte schon nach den ersten 20 Seiten nicht mehr aufhören zu lesen. Dieses Buch ist trotz der hohen emotionalen Bedeutung der Themen ein sachliches Werk, das argumentativ sehr stark ist. Dem zentralen Leitsatz, dass kulturelle Unterschiedlichkeit nur auf der Basis der uneingeschränkten Anerkennung demokratischer Werte positiv für die Gesellschaft wirken kann, ist machtvoll und richtig.
Dass im 21. Jahrhundert jemand Personenschutz für den Vortrag dieser Urargumente der Aufklärung benötigt, zeigt, dass die von Frau Ates beschriebenen Probleme viel tiefer gehen als sich das viele Intelektuelle eingestehen wollen. Sie zwingt den Leser sich damit zu beschäftigen und trifft - ohne Polemik und ihre sachliche Ebene zu verlassen - den Leser auch auf der emotionalen und Beziehungsebene. Und dort sind die tiefsten Hindernisse für ein produktives Zusammenleben: Mangelnde Anerkennung von Werten, mangelnde Anerkennung von kulturellen Besonderheiten, die diese Werte nicht in Frage stellen. Ein großer und wichtiger Text für Europa im 21. Jahrhundert von einer sehr mutigen Frau.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitte lesen!, 4. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum (Taschenbuch)
Frau Seyran Ates führt in brillianter Weise in das Denken und das Lebensumfeld der islamischen Migranten (Türken und Kurden) in Europa ein. Es hat mir die Augen dafür geöffnet, wie in sich selbst verfahren die Situation der Menschen in diesen Parallelgesellschaften ist und auch, wie dringend nötig vor allem diejenigen, die dem hilflos ausgeliefert sind und am meisten unter häuslicher Gewalt zu leiden haben - Mädchen und Frauen - aktive Hilfe der einheimischen Mehrheitsbevölkerung nötig haben, um aus diesem einzementierten Kreis entkommen zu können. Es ist wohl so, daß kaum jemand wirklich weiß, wie die türkischen, arabischen oder kurdischen Migranten leben, was innerhalb Ihrer abgeschotteten Gesellschaft mitten in Europa für uns Unfaßbares vorgeht. Aber eben das Wegsehen, das Nicht-zu-Hilfe-Kommen, das Nicht-Öffentlich-Ansprechen-(Dürfen), wenn jemand aus diesen Kreisen geschlagen, angegriffen oder sonstwie seiner Rechte - wie wir sie verstehen - beraubt oder gar aus "Ehrengründen" getötet wird, verschlimmert die Situation in Europa noch mehr. Das Buch zeigt klar auf, daß wir - das Volk wie auch die Regierung und die Exekutive - die Pflicht haben, einem unseren Gesetzen und den Menschenrechten zuwiderlaufenden Betragen klar und kompromißlos Einhalt zu gebieten.
Leider wird durch falsches Verstehen(wollen) und falsche Toleranz ("ist halt in deren Kultur/Religion so, daß geschlagen und gemordet wird, ...") sowie - leider durchaus berechtigter - Angst, einerseits von den politisch korrekten Multikulti-Gutmenschen als Rassit oder Schlimmeres angeprangert und in manchen Fällen auch gerichtlich oder öffentlich "exekutiert" oder anderseits von den immer aggressiveren, vornehmlich männlichen Migranten durchaus auch tätlich angegriffen zu werden, lieber weggesehen als eingeschritten und geholfen. So wird es jedoch nie was werden und jeder weitere Zuwanderer oder "Import" (Bräute aus der Heimat) wird dieses archaische System in den Parallelgesellschaften ungehindert weiter vergrößern und durch die folgenden Kinder auch in die nächsten Generationen weitertragen - bis zur absehbaren Entladung der aufgestauten Wut auf beiden Seiten. Es gibt aber keine religiöse oder kulturelle Rechtfertigung von Gewalt!

Ebenso, wie Politik und Polizei die Pflicht haben, unmißverständlich und kompromißlos die Einhaltung der Gesetze und somit der öffentlichen Ordnung sicherzustellen und jene Subjekte, die diese Gesetze und europäischen Werte fortwährend untergraben, nicht zu dulden sind, müssen auch jene Menschen, die hier in Europa eine neue Heimat finden wollen, von uns aktiv in das Leben in Europa hineingeführt werden. Dies heißt auch allen (Frauen und Männern) verständlich zu machen, daß die hier geltenden Normen und Werte zu befolgen und nicht eigenmächtig durch die mitgebrachte, rückständige patriarchalische Lebensweise ersetzt werden kann, wo die Frau eher ein Gegenstand denn ein gleichwertiger Mitmensch ist.

Frauen haben das Recht, ihr Leben selbst zu bestimmen, ihren Lebenspartner selbst auszuwählen und ihre Meinung offen und frei zu sagen - man muß sie dies auch lehren und sie dazu hinführen. Kinder, so muß auch jedem klar gemacht werden, haben in der heutigen Zeit nur dann bessere Chancen, wenn sie die Sprache des jeweiligen Landes gut sprechen, lesen und schreiben können sowie wenn sie eine möglichst gute Bildung haben. Ungebildete Schulabbrecher werden in Zukunft wenige gebraucht werden und sind auch keineswegs "cool". Dies ist den Menschen schon in den Integrationskursen klar zu vermitteln.

Ich wünsche mir, daß eine sehr breite Schicht dieses Buch liest.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschied von Illusionen, 4. Dezember 2008
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum (Taschenbuch)
Seit über vierzig Jahren leben Deutsche und Türken zusammen in der Bundesrepublik, immer noch teilen sie die gleichen Illusionen und wissen fast nichts übereinander.

Schon in den Sechzigern wurde diese Erwartung der Deutschen: "Die kommen für ein paar Jahre und dann gehen sie wieder" von den Türken geteilt. Auch wenn diese Erwartungen absurd waren. Deutschland wurde für viele zur Heimat, aber niemand wollte das wahrhaben. Selbst die Autorin Seyran Ates, die 38 ihrer 44 Jahre in Deutschland gelebt hat, wird immer wieder gefragt, ob sie im Sommer "wieder in ihre Heimat" fährt.

Schließlich haben wir Multi-Kulti, jeder lebt in seiner Kultur, wir müssen uns nicht miteinander beschäftigen und können uns trotzdem gut fühlen. Wir sind tolerant. Ein prima Idee, eine bequeme Idee. Wie die meisten bequemen Ideen hat sie nur einen Haken: Sie funktioniert nicht.

Seyran Ates hatte Glück. Sie kam nicht in eine Ausländerklasse, sondern in eine mit deutschen Kindern, was zur Folge hatte, dass sie Deutsch lernte, aufs Gymnasium ging und Jura studierte. Seitdem hat sie sich als Anwältin für Migrantinnen engagiert und damit geriet sie ins Spannungsfeld von Fundamentalisten, Konservativen und denen, die weiterhin von der bequemen Idee "Multi-Kulti" träumen wollten.

Seyran Ates träumt nicht, sie kennt die Szene, sowohl die der Politik wie die der Migranten. Und in diesem Buch schildert sie sie. Die Situation der muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland, die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte und der erwachende Fundamentalismus. Daneben die Politikszene, in der es viele gibt, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass die schulische Situation in vielen Bezirken immer katastrophaler wird, dass Islam von außen betrachtet, vielleicht exotisch und bunt wirkt, doch leider für viele Frauen verheerende Auswirkungen hat. Besser, nicht darüber sprechen, das schürt Fremdenfeindlichkeit, meinen viele rot-grüne Multi-Kultis und erst recht meinen das muslimische Fundamentalisten. Daneben all die Politiker, die mit islamischen Verbänden mauscheln, die sich als Vertreter der Türken ausgeben, obwohl nicht einmal 10% derer Mitglieder sind.

Als in den Siebzigern die ersten Frauenhäuser in Deutschland gegründet wurden, als die Vergewaltigung in der Ehe strafbar werden sollte, kamen die gleichen Einwände, nur damals von den deutschen Konservativen.

Aber wer nicht darüber redet, kann nichts dagegen tun, macht sich mitschuldig. Seltsam, dass viele, die 1968 an die Öffentlichkeit holten, was bis dahin verschwiegen wurde, nun selbst dem Verschweigen das Wort reden. Wir sind die Spießer, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt hatten, könnte man den bekannten Sponti-Spruch aus dieser Zeit abwandeln.

Aber das Buch will nicht lamentieren. Es will aufklären und es will Wege aus dem Dilemma aufzeigen. Denn wer gegen die Gewalt in Migrantenfamilien angehen will, muss dasselbe tun, was schon in den Siebzigern getan wurde, um Gewalt in deutschen Familien zu verhindern. Aufklärung statt Nicht-Drüber-Reden, Frauenhäuser unterstützen, statt die Mittel zu kürzen und vor allem: Sicherstellen, dass die Frauen überhaupt Deutsch sprechen, erfahren können, was ihre Rechte sind. Deshalb unterstützt Ates den Vorschlag, dass bei dem Familiennachzug Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachgewiesen werden müssen.

Was ebenfalls in der Diskussion untergeht: Die Probleme werden in der Türkei selbst längst offen diskutiert, die Zeitung Hürriyet hat eine Hotline eingerichtet und in der Türkei begegneten mir vor zwei Jahren lauter Plakate, die sich ganz offensichtlich mit diesem Thema auseinandersetzten.

Die Auswanderer in die USA wussten, dass sie damit eine neue Heimat suchten. Die amerikanische Staatsbürgerschaft wird feierlich übergeben. Das stärkt die Zugehörigkeit. Nichts davon gibt es in Deutschland.

Ates betont auch, wie wichtig Bildung und Spracherwerb ist, wie sehr aber oft konservative türkische Gruppen in Tateinheit mit Grünen sich dagegen zur Wehr setzen. Dass damit Jugendliche heranwachsen, die sich - irgendwie - einer idealisierten Türkei zugehörig fühlen, gleichzeitig aber übersehen, dass gerade in der Türkei jemandem, der gut Deutsch und Türkisch spricht, alle Türen offen stehen, denen aber, die weder die eine noch die andere Sprache richtig beherrschen, gar nichts.

Das Buch zeigt nicht nur die Probleme der Integration, sondern auch Möglichkeiten, sie zu anzugehen. Und es zeigt, wie wichtig Zivilcourage sind, wie wichtig aber auch, sich von geliebten Scheuklappen zu lösen, die morsch und unbrauchbar geworden sind. Dass vieles von dem, was wir heute schätzen, in der Folge dessen, was "68" genannt wird, erst erkämpft wurde, das sollten wir nicht vergessen.

Ich gehöre noch einer Generation an, die in Schulen gingen, in denen Protestanten und Katholiken auf dem Pausenhof mittels einer Mauere strikt getrennt wurden. Ich weiß, was religiöser Fundamentalismus anrichten kann, wie wichtig die strikte Trennung von Staat und Religion ist. Denn die Alternative ist - vor allem für die Frauen - furchtbar.

Und wir müssen uns klarmachen, dass bequeme Lösungen leider oft auch falsche Lösungen sind. Deshalb empfehle ich dieses Buch jedem. Weil es nicht nur, wie so manche Internetseite, dem Islam alle Schuld in die Schuhe schiebt und feststellt: Der Islam ist nicht reformierbar, um dann den Bürgerkrieg herbeizureden. Sondern weil es Auswege zeigt und auch, wie wichtig es ist, aufeinander zu zugehen, ohne Angst, aber auch ohne falsche Toleranz.

(C) Hans Peter Roentgen
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufschlussreich, ernüchternd, mittelfristig aber wohl leider zu optimistisch., 20. Mai 2012
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
Seyran Ates gebührt zunächst einmal großer Respekt. Wer ein solches Buch schreibt, bringt sich in ernsthafte Lebensgefahr. Allein dieser Fakt belegt, dass wir ein dickes gesellschaftliches Problem haben. Nun, gesellschaftliche Probleme haben wir zur Genüge, könnte man richtig bemerken, nur wird kaum ein zweites derartig tabuisiert und bei kaum einem weiteren bringt man sich in ernste Gefahr, wenn man es öffentlich benennt und darüber publizistisch nachdenkt - und sei es auch nur die Gefahr von Gesinnungs-Perfektionisten politisch in eine Ecke gedrängt zu werden, in die man ganz bestimmt nicht gehört. Frei nach der Devise: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Mit ihrem Buch "Der Multikulti-Irrtum" liefert die Autorin viele Fakten, die mir wie wohl den meisten, so nicht geläufig waren. Daß Multikultur nicht funktionieren kann - solange man darunter versteht: man lasse einfach alles ohne Integrations-Vorgaben zusammenfließen und jeder kann machen was er will, das wird schon irgendwie gut gehen, weil sich ja alle bis zum Umfallen tolerieren - bedarf keiner wirklich hellen Beleuchtung im Oberstübchen. Von diesen Fehlern im System musste mich Seyran Ates nicht erst überzeugen. Es ist auch nicht der Kern des Buches, weil Sie wohl zu Recht davon ausging, dass die Leser sich der Schieflage in der Integrations-Politik (die ja faktisch kaum stattfindet) bewusst sind. Es ist mir ohnehin schon unbegreiflich, dass es je politisch Verantwortliche gab, die ernstlich glaubten, dass einseitig gelebte Toleranz nicht zwangsläufig zu Konflikten führt. Wer dies nun heute allerdings immer noch ideologisch umnachtet zur Maxime erhebt, wo die Fehlentwicklungen inzwischen vielerorts offen zutage treten, sollte dringend auf seine Zurechnungsfähigkeit überprüft werden. Das hat inzwischen nichts mehr mit Meinung zu tun, sondern ist gemeingefährlicher, menschenverachtender Unsinn.

Im Kern des Buches steht eine wesentliche Erkenntnis, die wir zu begreifen haben, auch wenn sie uns nicht gefällt: Der Islam ist, so wie er ist, solange er durch die Scharia politisiert wird, mit dem Grundgesetz und der europäischen Verfassung nicht vereinbar!
Die Aussage dieser 270 Seiten umfassenden Schrift nur auf diese Essenz zu verkürzen, würde selbstverständlich zu kurz greifen. Ates arbeitet gründlich analytisch und mit empirischen Fakten, nichts wirkt aus der Luft gegriffen oder einfach dahergesagt um irgendein Vorurteil zu bedienen. Und sie geht mit beiden Seiten hart ins Gericht. Sowohl mit uns Urdeutschen, die an einer krankhaften Fehldefinition des Toleranz-Begriffs leiden, wie auch mit muslimischen Einwanderern und deren Nachkommen, die sich in einer Parallel-Gesellschaft unter voller Nutzung der rechtstaatlichen Vorteile abschotten. Wichtig dabei hervorzuheben scheint mir, dass dieses Multikulti-Desaster kein speziell deutsches Problem ist, sondern in fast allen Ländern Europas gärt. Nur speziell in Deutschland hat ein ideologisches Gutmenschentum eine Definition von Toleranz etabliert, die mittlerweile gefährlich und abgesehen davon grundsätzlich reichlich dumm ist.

Es geht ausdrücklich nicht darum, alle Muslime und den Islam, in seiner unerschöpflichen unterschiedlichen Auslegbarkeit, zu dämonisieren oder gar aus Europa zu verbannen. Dann wären wir in der Tat nicht sehr viel besser, als dieser kleinwüchsige Österreicher mit lächerlichem Stutzbart, der mit wirrem Blick und wild gestikulierend unserem Volk einredete, dass gewisse Volksgruppen per se verachtungswürdig seien - sowie all jene, die ihm das willfährig abnahmen.

Aber es geht sehr wohl darum ganz unmissverständlich und unverrückbar zu unseren Werten, zu unserer toleranten, auf Menschenrechten basierenden säkularisierten Welt, zu unserem Grundgesetz, zur europäischen Verfassung, letztlich zu allen geltenden Gesetzen (die im Gegensatz zur Scharia in einer Demokratie änderbar, erweiterbar, aktualisierbar sind!) und vor allem zur Freiheit eines jeden einzelnen zu stehen und das Bekenntnis dazu von jedem einzufordern, der hier mit uns leben will. Der, so er sich dazu bekennt, auch herzlich willkommen ist! Und das gilt zweifellos für sehr viele Muslime.

Wer aber nur die Vorteile unseres Systems nutzt (wobei >ausnutzt< die angebrachtere Vokabel wäre), ansonsten aber unserer Gesellschaft mit Verachtung begegnet und sich abschottet oder gar danach trachtet sein, mit unserem nicht in Einklang zu bringendes, Weltbild zu installieren, hat kein Recht sich hinter dem verbrieften Recht der Religionsfreiheit zu verschanzen und wir nicht die Pflicht das hinzunehmen.
Einige Beispiele die Seyran Ates im Buch anführt sind schlicht haarsträubend, was zum Teil inzwischen an europäischen, vornehmlich deutschen, Gerichten für Urteile unter Zitierungen von Koran-Suren gesprochen werden. Sei es aus politischer Hilflosigkeit, ideologischer Vernebelung oder bestürzender Ahnungslosigkeit.

Wir müssen begreifen, dass für die Religionsfreiheit genauso gilt, was für jede Freiheit unbedingte Gültigkeit hat und haben muß: Die Freiheit des einen endet exakt da, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt! Anders ist kein Staat zu machen!
Zur juristischen Bewertung von Zwangsheirat, Ehrenmord und häuslicher Gewalt etc., hat die Religiosität des Täters keinerlei Relevanz! Es gelten ausschließlich die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland, wie für jeden Atheisten, Christen, Juden, Buddhisten oder sonst wie Gläubigen. Warum tun wir uns in der Praxis damit so schwer?
Was beißt denn bitte eine deutsche Richterin, wenn Sie in der Ablehnung einer Härtefall-Entscheidung, um eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres durchzusetzen, ausführt, dass die Begründung häuslicher Gewalt durch den Ehemann nicht genüge, da der Frau bei Ehe-Schließung hätte klar sein müssen, dass es nach den Gesetzmäßigkeiten der Scharia dem Mann zusteht seine Frau zu züchtigen! Eine deutsche Richterin! Ist die Frau noch zu retten? Derlei Beispiele gibt es zuhauf, etliche führt die Autorin mit Quellenangabe an. Es ist ein Irrsinn, menschenverachtend und bar jeder Vernunft.

Vor dieser eklatanten Schieflage, ist es für mich einigermaßen verwunderlich, dass ein Bundespräsident (Wulff), der als Kunde seiner bestürzenden Ahnungslosigkeit Sätze wie: >Der Islam gehört zu Deutschland< fabulierte, nicht schon allein deswegen aus dem Amt gejagt wurde.
Es geht gar nicht darum ob Muslime in Deutschland frei leben können. Selbstverständlich können sie das und selbstverständlich gehören Sie dazu. Aber der Islam ist eine Religion und die, verehrter Bundespräsident a.D., hat politisch keinerlei Relevanz. Es ist absolut unnötig das irgendwie hervorzuheben. In einem freien Land, wie der Bundesrepublik gehören auch BigMac-Wettesser dazu und auch Tandem-Fahrer und Wellensittich-Besitzer, Menschen die bei Amazon einkaufen, Christen und Bordell-Besucher und auch Menschen die in Villen befreundeter Millionäre Urlaub machen. All das spielt genau solange keine Rolle, solange ich nicht gegen geltende Gesetze verstoße! Also kein Grund es hervorzuheben und ihm so den Anstrich des Besonderen zu geben und die unglückliche Falschauslegung von Toleranz weiter zu unterstützen!

Frau Ates sehr ambitionierte Vorschläge an die deutsche, letztlich an die europäische Gesellschaft (denn wie oben erwähnt, gilt alles ähnlich auch in Frankreich, Großbritannien, Österreich...), leuchten ein und überzeugen.
Integration heißt auch, dass wir einen in vierter Generation in Deutschland lebenden Menschen nicht behandeln dürfen, wie jemanden der für zwei Wochen hier Urlaub macht. Sprich freundlich, aber dennoch distanziert. Und es bedeutet auch, dass wir mit nur einem Maßstab zu messen haben. Gleichheit bedeut auch und gerade Gleichheit in der Verantwortung für die Gesellschaft, für das Allgemeinwohl und vor dem Gesetz. Wer in Deutschland seine Tochter nicht zur Schule gehen lässt, Ehen "arrangiert", Gewalt in welcher Form auch immer ausübt, macht sich strafbar - Punkt.
Wenn jemand zur Ausübung seiner Religion meint, er müsse seine Frau schlagen oder seinen schwulen Sohn drangsalieren, wird er entweder mit der Judikative in Deutschland massiven Ärger bekommen oder muß, wenn er von der Richtigkeit seines Tuns religiös überzeugt ist, in ein Land gehen, wo er das so handhaben kann. Derer gibt es ja leider noch zur Genüge. Die Religionsfreiheit jedenfalls deckt das nicht ab! Und in Behörden wird selbstverständlich die Landessprache gesprochen! Wenn jemand kein Deutsch sprechen mag, und diese Freiheit hat natürlich jeder, kann er auch nicht dauerhaft in dem Land leben, wo dies nun mal die Landessprache ist. Das traurige daran ist, all das sind im Grunde völlige Selbstverständlichkeiten, was die Debatte so absurd macht.

Die Ausführungen der Autorin zur Säkularisierbarkeit des Islam, besser die faktische Außerkraftsetzung der Scharia, erscheinen mir allerdings einigermaßen naiv, mindestens aber mittelfristig zu optimistisch und binnen weniger Jahrzehnte kaum erreichbar. Eine Einschätzung hier steht mir aber nicht zu, ich bin kein Islam-Experte.
Letztlich spielt es für die Integration von Muslimen in Europa, welcher der zahlreichen Strömungen des Islam auch immer sie nun angehören, auch nur eine untergeordnete Rolle. Solange wir dazu bereit sind, jeden mit offenen Armen willkommen zu heißen, der mit uns unsere Werte in Frieden und Freiheit leben möchte, der teilhaben möchte an unserer Gesellschaft und sich einbringt, der die Pluralität in Europa als Gewinn begreift und nicht anderen sein Weltbild aufnötigt, der verinnerlicht hat, dass Toleranz nur auf absoluter Gegenseitigkeit basiert.
Und wir aber ebenfalls bereit sind, jeden in die Schranken zu weisen, der all das meint mit Füßen treten zu können, für sich aber die Freiheit der eignen Entfaltung bis hin zu Gesetzesbrüchen und eklatanten Menschenrechtsverletzungen gewahrt wissen will, der nur toleriert werden will, selbst aber nicht bereit ist zu tolerieren.

Den Weg der Säkularisierung des Islam müssen die Muslime alleine gehen. Auch die Aufklärung des christlichen Europa fand nicht durch dritte von außen statt, sondern in Europa, durch Europäer, über einen sehr sehr langen Zeitraum.

Seyran Ates hat mit "Der Multikulti-Irrtum" ein wichtiges, aufschlussreiches und unbedingt lesenswertes Buch vorgelegt, was auf jeder Seite die gebotene Sachlichkeit aufweist und einen großen Beitrag für den nötigen, längst überfälligen und viel zu langsam in Bewegung kommenden öffentlichen Diskurs leistet. Daß gerade Menschen wie Sie, die personifizierte Belege sind für das Gelingen von Integration, sich so massiv einbringen, ist von unschätzbarem Wert, um eben zu verhindern, dass die Debatte an braune Stammtische entgleitet.

Einziger Kritikpunkt bleibt, dass Ates etliche Seiten des Buches dafür aufwendet, Lösungsansätze für die Reformierbarkeit des Islam und somit überhaupt erst möglicher Integration streng gläubiger Muslime in westliche Staaten aufzuzeigen, die meines Erachtens, so schön sie sich auch lesen, nur in der Theorie funktionieren und daher streckenweise ein wenig naiv anmuten, oder mindestens zu optimistisch, leider.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein mutiges Buch, 3. Mai 2009
Von 
PST "A Reader from Germany" (Eislingen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum (Taschenbuch)
Schonunglos beschreibt Frau Ates die großteils misslungene Integration der Immigranten in Deutschland, und erläutert die Gründe hierfür. Ihre Beispiele beziehen sich i.a. auf Deutsch-Türken, und hier besonders auf deren Verhältnis zu Frauen und zur Sexualität. Dies ist verständlich, da Frau Ates aus genau diesem Millieu stammt, und gläubige Muslime offenbar schwerer zu integrieren sind als z.B. gläubige Katholiken.

Frau Ates geht mit den "Multikulti Fanatikern der linken Szene schonungslos ins Gericht - mit überzeugenden Argumenten: Ihre Schuld am Misslingen sei groß!

Kein Tabuwort ist für Frau Ates die "Leitkultur": Darunter versteht sie eine Kultur, die auf der Akzeptanz der deutschen Verfassung und der darin enthaltenen Werte beruht. Fundametalistische Muslime haben offenbar damit größte Schwierigkeiten - insbesondere mit der Gleichberechtigung der Geschlechter, und religiöser Toleranz.

Sie plädiert für einen modernen Islam, der sich wohl vom heutigen Islam ähnlich unterschieden soll, wie sich das moderne nach-aufklärerische Chirstentum vom mittelalterlichen Christentum unterscheidet.

Ein kleines Minus ist eher stilistischer Art: Frau Ates ist (noch) keine Authorin, die schrieben kann wie ein von Krockov oder ein Joachim Fest. Es liest sich stellenweise etwas holprig.

Insgesamt extrem lesenswert für jeden Deutschen (egal welchen Hintergrundes!), der sich für die Zunkunft Europas interessiert - und der keine islamische Republik Europa wünscht.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das sollte Pflichtlektüre werden, 4. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
vor allem für Politiker ...

Ich bin von Seyran Ates' klarer Sprache und eindeutiger Stellungnahme beeindruckt. Ihre Darstellungen sind ausgewogen, ihre Meinung fundiert und praxiserfahren, bei ihr wird nicht schwarz-weiß-gemalt und über einen Kamm geschoren.

Ich habe Seyran Ates bei einer Diskussionsveranstaltung in meiner Heimatstadt erlebt, bei der die Zeit leider fast nur für die Problemdarstellung reichte. Ihre Lösungsvorschläge kamen in der anschließenden lebhaften Diskussion nur ansatzweise zur Sprache.
Deshalb wollte ich unbedingt ihr Buch lesen. Hier gibt es sehr viele vernünftige Vorschläge für die Lösung der vielschichtigen Problematik und deshalb sollte dieses Buch jedem Abgeordneten in die "Schultüte" gesteckt werden.

Nur eines bedrückt mich sehr - da mag man zu Frau Ates und ihren Ansichten stehen wie man will -: dass sie öffentliche Auftritte nur mit Polizeischutz wahrnehmen kann, dass ihr Leben bedroht wird und sie zu einem Leben in Anonymität gezwungen ist, nur weil sie ihre Meinung sagt!
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lebendiger, informativer und interessanter Einblick, 5. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können (Gebundene Ausgabe)
Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates ist bekannt als engagierte Kritikerin der Zustände in türkischen und kurdischen Parallelgesellschaften in Deutschland; als Kritikerin von Ehrenmorden, Zwangsverheiratungen, ehelichen Vergewaltigungen, Verschleppungen von Frauen und Kindern und der schier allgegenwärtigen körperlichen Gewalt innerhalb muslimischer Zuwanderungsfamilien. Sie hat vor Gericht unzählige Opfer solcher Praktiken, meist Frauen, vertreten. Entsprechend häufig ist sie Angriffen bis hin zum Mordanschlag, Drohungen und Verleumdungen ausgesetzt.

In ihrem vorliegenden Buch setzt sie sich mit den genannten Missständen auseinander, wobei die Situation muslimischer Frauen im Mittelpunkt steht. Sie führt die Probleme zurück auf

- patriarchalisch-autoritäre Familienstrukturen die vom Herrschaftsanspruch des Patriarchen ausgehen, den dieser auch mit Gewalt durchsetzen darf, ja beinahe muss,

- den sozialen Druck, der von der Großfamilie, aber auch vom türkischen Milieu insgesamt ausgeht und die Einhaltung traditioneller Normen erzwingt,

- einen ihrer Meinung nach falsch verstandenen, in jedem Falle aber unzeitgemäßen Islam,

- den geringen Bildungsstand der meisten Türken in Deutschland,

- einen mittelalterlich anmutenden Jungfräulichkeitskult, der muslimische Männer geradezu verpflichtet, ihre Frauen, Töchter und Schwestern wegzusperren, zu kontrollieren oder ihnen zumindest das Kopftuch aufzuzwingen und

- eine auf die Spitze getriebene "Mannesehre", die von der Unterdrückung der Frau abhängt und sich in ihr äußert.

Sie behauptet natürlich nicht, dass es in allen Familien so zugeht: Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen; immerhin lassen die vorhandenen Daten den Schluss zu, dass die obige Beschreibung auf mindestens ein Drittel des Milieus zutrifft, und das dürfte noch optimistisch geschätzt sein.

Dabei zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Verfestigung dieser Parallelgesellschaften. Ates kritisiert vehement die Bereitschaft der deutschen Gesellschaft, insbesondere der Behörden und Gerichte, solche Missstände hinzunehmen oder aus falsch verstandener kulturrelativistischer Toleranz zu verharmlosen. (Multikulti-Ideologen sind ihre Lieblingsfeinde, daher der Titel des Buches).

Sie behauptet allerdings auch, der Rückzug in die Parallelgesellschaft sei nicht nur der Gleichgültigkeit der deutschen Gesellschaft anzulasten, sondern auch ihrem Mangel an Bereitschaft, Menschen ausländischer Herkunft, speziell Moslems, überhaupt als Teil der deutschen Gesellschaft zu akzeptieren ("Wann kehren Sie in ihre Heimat zurück?"). Deutschland müsse sich bewusst als Einwanderungsland begreifen.

Sie plädiert dafür, dass Migranten sich an dem orientieren, was sie die "europäische Leitkultur" nennt - sprich an Menschenrechten, Demokratie, Toleranz, Gleichberechtigung der Geschlechter, Trennung von Politik und Religion. Und dafür, dass der deutsche Staat alle Register zieht, um sowohl mit gesetzlichem Zwang (einschließlich des Kopftuchverbotes) als auch mit umfassenden Hilfsangeboten von Lehrern, Sozialarbeitern, Beratungsstellen und so weiter die Respektierung dieser Normen zu erzwingen.

Von muslimischen Migranten sei zu verlangen, ihren Islam zu reformieren, ihn zeitgemäß in einem rein spirituellen Sinne zu leben und speziell diejenigen islamischen Normen über Bord zu werfen, die mit der Demokratie unvereinbar seien. Es komme für sie darauf an, eine "transkulturelle Identität" zu entwickeln - also gleichermaßen Europäer wie türkische Muslime zu sein, wobei von der islamischen Identität eben die illiberalen und gewalttätigen Züge abzuziehen seien, wohingegen es gelte, die türkische beziehungsweise kurdische Muttersprache zu pflegen.

Was Ates' Buch so wohltuend macht, ist der ungeschminkte Blick auf die Realität muslimischer Parallelgesellschaften in Deutschland, deren Schattenseiten weder relativiert noch romantisiert werden, und überzeugend ist ihr Plädoyer dafür, Menschenrechte nicht unter Kulturvorbehalt zu stellen. Ihre Perspektive ist die einer Einwandererin, die selber die zweifellos schwierige Integration in die deutsche Gesellschaft gemeistert hat, ohne sich von ihren kulturellen Wurzeln abzuschneiden, und die andere türkische Immigranten auffordert, denselben Weg zu gehen: deutsche und türkische Identitätsanteile nicht im Sinne eines Entweder-oder, sondern eines Sowohl-als-auch zu begreifen.

Dabei schließt sie allerdings sehr von sich auf Andere:

Sie stellt nicht die Frage, ob ihr eigener stark säkularisierter und spiritualisierter, man könnte auch sagen: verwässerter Islam für die Masse der hiesigen Muslime überhaupt eine realistische Option sein kann. Sie legt großen Wert darauf, nicht etwa eine Deutsche, sondern eine Deutschländerin" zu sein, erörtert aber nicht die Probleme, die für einen Nationalstaat wie Deutschland daraus resultieren könnten, wenn Millionen von türkischstämmigen Staatsbürgern sich nicht zur deutschen Nation rechnen. Die Deutschen sollen sich als Einwanderungsgesellschaft verstehen - ob sie das überhaupt wollen, scheint belanglos. Die von Ateº postulierte transkulturelle" Identität mag für Intellektuelle attraktiv sein; ob sie eine Option für Massen ist, darf bezweifelt werden.

Fazit: Auch wenn man nicht den Eindruck hat, dass sie die Tiefe der Problematik wirklich durchschaut, so liefert ihr Buch doch einen lebendigen, informativen und interessanten Einblick in die vielzitierten Parallelgesellschaften, der die Lektüre ihres Buches unbedingt lohnt.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ates gebührt Respekt. Unser Land braucht mutige Menschen wie sie., 1. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Multikulti-Irrtum (Taschenbuch)
Menschen wie Seyran Ates sind für diese Gesellschaft sehr wertvoll und man möchte wünschen, dass sie viele Nachfolgerinnen bekommt. Freiheit erfordert Mut.

Der Druck auf die Frauen aus dem islamischen Kulturkreis wächst aber immer noch. Es gibt zu viele Politiker die aus falsch verstandener Toleranz und Feigheit die Unterdrückung der Frauen im Islam tolerieren. Damit aber macht man es den Muslimas schwer, die selbstbestimmt und frei leben und diese Unterdrückung aufgeben wollen.
Leider aber sieht man eher immer mehr Kopftücher und sogar Burkas in den Städten Europas.

Ates darf diese Wahrheit sagen, denn niemand kann ihr Rassismus vorwerfen. Das unterscheidet sie von Leuten wie Sarazin, der sich auch getraut hat, gesellschaftliche Tatsachen auszusprechen. (Grotesk genug, dass er ausgerechnet von Krämer kritisiert wurde, obwohl ja gerade das Judentum von den fundamentalen Islamisten bedroht wird) Hier sieht man mal wieder, wie sehr die Gutmenschen in unserem Land jedes Augenmaß für die objektiven Zustände unserer Gesellschaft verloren haben.

Man möchte Ates zurufen 'weiter so, wir stehen hinter dir." Unser Staat muss dafür sorgen, dass sie in Sicherheit leben kann und nicht etwa deutsche Islamisten irgendwann das Gewaltmonopol an sich reissen.

Von mutigen Menschen wie Ates kann es in Deutschland gar nicht genug geben.
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Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können
Der Multikulti-Irrtum - Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können von Seyran Ates (Gebundene Ausgabe - Oktober 2007)
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