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TOP 500 REZENSENTam 23. März 2013
Die Rezension bezieht sich auf die englische Originalausgabe, aber trifft auf die deutsche ebenso zu.

Michael J. Sandels neues Buch führt uns vor Augen, wie sich im Verlauf der letzten zwei bis drei Jahrzehnte Marktdenken mehr oder weniger unbemerkt immer neue Bereiche unseres Zusammenlebens durchdrungen hat, die bis dahin von ethischen und moralischen Kriterien reguliert wurden.

Im Gegensatz zu seinem Standardwerk "Justice", in dem er es seinen Lesern überlässt, sich ihre eigenen Meinungen zu den jeweiligen Fragen zu bilden, bezieht er hier in beinahe nostalgischer Weise Stellung.

Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Zum einen werden die erworbenen materiellen oder immateriellen Güter in ihrem Wert beschädigt, wenn sie mit einem Preisetikett versehen werden. Deshalb kann man keine Nobelpreise und Doktortitel kaufen, letztere zumindest nicht offiziell. In eine ähnliche Richtung gehen auch die zitierten Untersuchungen, die zeigen, dass Gemeinsinn und Leistungsbereitschaft erstaunlicherweise zurückgehen, wenn sie durch monetäre Incentives beeinflusst werden.

Zum anderen werden vermeintlich freiwillig handelnde Personen durch die finanzielle Vergütung ausgebeutet und ihrer Würde beraubt. Das gilt nicht nur für den indischen Bauern, der seine Niere verkauft, um seine Tochter verheiraten zu können, sondern auch für Alte oder Kranke, die ihre Lebensversicherung gegen einen Teil der Versicherungssumme an Investoren abtreten, die anschließend darauf hoffen, das sie möglichst bald ins Gras beißen. Ein Geschäft ist ohnehin immer dann moralisch fragwürdig, wenn eine Partei aus einer Notlage heraus handelt.

Natürlich sind nicht alle Beispiele so eindeutig verwerflich. Fast Tracks in Vergnügungsparks und teure Krankenversicherungen, mit denen man jeweils lange Wartezeiten vermeiden kann, sowie VIP-Logen in Sportstadien entwürdigen weder Sache noch Person, sondern tragen allenfalls dazu bei, dass sich einzelne Gesellschaftsschichten noch weiter voneinander entfernen. Sandel ordnet dem gemeinsamen Warten in der Schlange und im Wartezimmer durchaus einen gesellschaftsbildenden Nutzen zu, ebenso wie dem Gemeinschaftserlebnis in der Sportarena, wo Arm und Reich ihren Verein früher Seite an Seite unterstützt haben. Im Verlauf des Buchs kommt Sandel aber immer wieder zu den gleichen Schlussfolgerungen, was mit der Zeit etwas ermüdend ist. "Justice" war da abwechslungsreicher und überraschender.

Einen großen (für europäische Leser zu großen) Teil widmet Sandel der Kommerzialisierung seines geliebten Baseballspiels, durch die der sportliche Reiz erheblich reduziert wurde. Und last, but not least beklagt er, wie Werbung den Menschen auf inzwischen kaum noch zu ertragende Weise verfolgt, nicht nur beim Sport, wo Stadien heute die erstaunlichsten Namen tragen und Getränke oder Frikadellen die Leistungen der Akteure "präsentieren", sondern immer und überall, so dass man nicht einmal mehr ungestört pinkeln kann.
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am 24. November 2012
Sandels Buch ist eine systematisch angelegte Sammlung und Reflexion von Beispielen, die sich alle auf dieselbe Frage beziehen: Wo liegen die moralischen Grenzen unserer Marktwirtschaft?

Jeder weiß: echte Freunde kann man nicht kaufen und Richter, die diesen Namen verdienen, lassen sich nicht bestechen. Aber nicht immer ist die Antwort so leicht und so eindeutig zu begründen: Ist es anrüchig, wenn hochverschuldete Kommunen den Namen von U-Bahn-Stationen oder öffentlichen Parks für viel Geld verkaufen? Was ist falsch daran, kostenlose Kreuzfahrten für Senioren zu finanzieren, die bereit sind, an Bord eine Lebensversicherung zu beantragen? Oder: Warum sollten Äpfel keine Werbe-Aufkleber tragen?
Zugrunde liegt dieser philosophischen Zusammenstellung die nahezu überall erfahrbare These, „dass wir auf dem Weg in eine Gesellschaft sind, in der alles käuflich ist“ (15). Und an der grundsätzlichen Einstellung, Märkte seien das beste Mittel zur Beförderung des Gemeinwohls (Bill Clinton, Tony Blair), habe auch die Finanzkrise von 2008 wenig geändert.

Ursachen für die inflationäre Ökonomisierung unseres Lebens sieht Sandel weniger in menschlicher Gier als vielmehr in der „Ausdehnung der Märkte und ihrer Wertvorstellungen in Lebensbereiche, in die sie nicht gehören“ (13), etwa Schulen, Gefängnisse oder medizinische Einrichtungen. Moralisch bedenklich ist dies im Wesentlichen aus 2 Gründen: Ungleichheit und Korruption.

Plastische Beispiele für mangelnde Gerechtigkeit präsentiert Sandel in den Kapiteln „Privilegien“ (1.), etwa käufliche Überholspuren bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen, und „Anreize und Belohungen“ (2.), wie den Verkauf von Hochschulzulassungen. Hier sind Marktentscheidungen nicht frei, sondern von unfairen Voraussetzungen, z.B. extreme Armut, abhängig. Fälle von Korruption werden dann aufgerollt in den Kapiteln „Wie Märkte die Moral verdrängen“ (3.), etwa beim Organhandel, auf dem Markt für Adoptivbabys oder in der Prostitution, „Das Geschäft mit dem Tod“ (4.), profitable Wetten auf terroristische Anschläge oder das Ableben schwerkranker Prominenter, sowie „Sponsoring und Werbung“ (5.), auf die Stirn tätowierte Firmen-Logos, McDonald’s-Anzeigen auf Polizeiautos oder exklusive Verträge mit Getränkefirmen an öffentlichen Stränden.

In all‘ diesen Korrumpierungen wird die hohe moralische Bedeutung öffentlicher Güter durch Kommerzialisierung stark verändert und die Würde von Bereichen wie Familie, Freundschaft, Sex, Gesundheit, Bildung, Natur, Sport und Bürgerrechte herabgesetzt.

Man muss wahrlich kein Marxist sein, um die marktkritische Absicht dieses aktuellen und ganz leicht geschriebenen Buches zu unterstützen. Denn letztlich geht es darin um die uns alle betreffende Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen.

Dr. Ulrich Müller (Berlin)
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am 9. Januar 2013
Ein herausragendes Buch. Um die Kritik einiger anderer Rezensenten aufzugreifen: Gerade wegen des eingängigen Stils, der stringenten Gedankenführung und der wiederkehrenden Begründungsmuster ist dieses Buch wertvoll. Einen Mangel an Interpretationstiefe konnte ich nicht erkennen. Vielmehr empfand ich es als sehr angenehm, dass es Sandel dem geneigten Leser überlässt, sich seine eigene Überzeugung zu bilden, an statt eine bestimmte Ansicht als das einzig Wahre zu postulieren. An Stelle sich an der eigenen Intellekualität und Sprachgewalt zu berauschen, was man manchen Philosophen zu Recht vorwerfen kann, ist dem Autor ein Werk mit hoher Praxisrelevanz gelungen. Aus seinen Ausführungen lassen sich stichhaltige Argumente entnehmen, um Positionen überzeugender zu vertreten, von denen man vor der Lektüre mehrheitlich nur dem Bauchgefühl nach wusste, dass sie richtig (im Sinne von verantwortungsbewusst) sind.
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am 10. Dezember 2012
Was man für Geld nicht kaufen kann. Moral, Ethik oder konkreter Freundschaft etc.
Sandel geht dieser Frage nach und zeigt anhand vordergründig harmloser Beispiele, das sowohl Diskriminierung als auch der Ungerchtigkeit durch die freie kapitalistische Maktwirtschaft begünstigt werden und mehr und mehr einzug finden.
Sandel schreibt sehr anschaulich, gut verständlich aber trotzdem anspruchsvoll.
304 Seiten hat das Buch und mit 20€ auch kein günstiger Schmöker. Im Detail:
Die ersten 200 Seiten lesen sich sehr gut. Die Beispiele sind nicht neu, der interessierte Leser bekommt hier Bekanntes interessant zusammengestellt und interpretiert. Aufgrund der begrenzten Beispiele, hätte man diesen Teil jedoch auch gut um 20% kürzen können. Nichtsdestotrotz: Sehr lesenswert.
Dann folgt ein Bruch: Sandel palavert über Baseball und Fankultur und verliert den Faden. Auch der Abschluß, das Thema Werbung und Sponsoring paßt nur schwerlich in den Rahmen. Insgesamt 50 Seiten, die man sich hätte sparen können und die langweilen. Danach 50 Seiten Glossar, Anhang, Literatur: Für wissenschaftliches Arbeiten unabdingbar; hier macht es wie das gesamte Werk den Eindruck als ob Sandel den guten Inhalt weiter strecken und strecken und strecken will.
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am 31. Dezember 2012
Das Buch wird dem Titel nicht gerecht. Wohl thematisiert Sandel Themen wie das Setzen finanzieller Anreize für das Lesen von Büchern bei Schülern oder das Sponsoring von Lehrmitteln für Schulen. Am Rande abgehandelt wird der Organ- Afoptivkind- und Leihmütterhandel. Sehr prominent ist das Thema Sponsoring und Merchandising im Amerikanischen Baseball, das den Autor sichtlich bewegt. Beim Phänomen der VIP-Lounges entdeckt der Autor doch tasächlich auch eine undemokratische Tendenz zur Aufteilung der Gesellschaft in soziale Gruppen, die in komplett getrennten Sphären leben.
Aufffällig ist, was im Buch alles nicht angesprochen wird:
Das Thema Gesundheitswesen, und was es für eine Gesellschaft heisst, in der der Markt das Problem schafft, dass eine schwere Krankheit bei der Mehrzahl der Bürger zur Wahl zwischen Ruin der Familie oder Tod führt. Oder was es bedeutet, wenn ein chronisch unterfinanziertes staatliches Schulwesen dazu führt, dass gute Bildung nur noch im Markt gegen sehr viel Geld zu haben ist. Was im Buch auch nur kurz andiskutiert wird, ist das ganz neue aber gefährliche Thema, dass auch die Kriegsführung zur marktgängigen Dienstleistung geworden ist und eine Armee einfach gemietet werden kann. Heute noch von Staaten, in Zukunft vielleicht auch direkt von Financiers und Hedgefonds, die das Einkaufen eines Kriegs als interessante Investition betrachten.
Das Buch ist im schlechtesten Sinne "trivial". Das Geld dafür ist als Spende bei einer sozialen Institution besser angelegt.
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am 21. Januar 2013
Habe dieses Buch meinem Mann zum Geburtstag geschenk. Jetzt sitzen wir abend oft zusammen und diskutieren die Themen des Buches. Sandler schreibt nichts, was man nicht selbst schon mal irgendwie gedacht hat, aber er entfaltet hier eine umfängliche Theorie, untermauert sie mit anschaulichen Beispielen und wechselt zwischen Theorie und Beispielen hin und her. Für mich am erhellendsten: was wir als moralisch oder unmoralisch erleben, kann sich von Fall zu Fall ganz schnell ändern. Die große Frage nach Moral und Ethik wird von allen Seiten diskutiert, bis man sein Verständnis von den Begrifflichkeiten selbst in Frage stellt.
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"Wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der alles käuflich ist? Oder gibt es gewisse moralische und staatsbürgerliche Werte, die von den Märkten nicht gewürdigt werden – und die man für Geld nicht kaufen kann?" so beendet Sandel auf Seite 250 sein Werk. Eigentlich wäre das eine Frage für seine Einführung.

Sandel will mit seinem Buch die These, dass der Markt alles regeln könne, zu mindestens relativieren und in einigen Themenbereichen auch klar verneinen. Das Buch ist eine reichhaltige Quelle mit zahlreichen empirischen Belegen, dass man tatsächlich nicht alles für Geld kaufen können sollte!

Im einführenden Kapitel entfaltet er das Spannungsfeld zwischen Markt und Moral und fordert, die Rolle der Märkte neu zu denken. Dies führt er in fünf Themenfeldern aus:
1. Privilegien
Z.B. warum die fast lane bei Check-in-Warteschlangen vielleicht noch o.k. sein mag, der Zugang zum Hausarzt durch Bezahlung im Vorfeld wohl kaum.
2. Anreize und Belohnungen
Hätten Sie gedacht, dass es das Überleben einer gefährdeten Tierart sicherstellen kann, z.B. ein geschütztes Schwarzes Nashorn mit einer Lizenz zu schießen?
3. Wie Märkte die Moral verdrängen
Eine feine Ausdifferenzierung u.a. zwischen Geschenken, Geschenkgutscheinen, Geldgutscheinen und Geldgeschenken.
4. Das Geschäft mit dem Tod
Lebensversicherungen und der Sekundärmarkt für Lebensversicherung als Wetten auf den Tod.
5. Sponsoring und Werbung
Von Namensrechte für Spielplätze über die Penetranz der Werbung bis hin zu tätowierten Firmenlogos auf der Stirn.

Was Sandel leider nicht liefert, sind eindeutige Antworten. Er regt durch die Fülle des Materials zum Selbstdenken an. Und das hat bekanntlich noch nie geschadet.
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am 14. November 2012
In seinem Buch „Was man für Geld nicht kaufen kann: Die moralischen Grenzen des Marktes“ stellt der Autor dem Leser zahlreiche provokante Fragen bezüglich ethischer Konflikte die durch Geld und die Möglichkeit nahezu alles (egal ob legal oder auf dem Schwarzmarkt) kaufen zu können ausgelöst werden.
Anhand von Fragen wie „Darf ein Staat Söldner verpflichten, um Kriege zu führen?“, Spende von Organen gegen Bezahlung oder bezüglich des Emissionshandels regt er den Leser dazu an, auch einmal selbst über solche Dinge nachzudenken und zu urteilen. Das ist auch die Größte Stärke dieses Buches: „Der Leser beginnt, sein Hirn einzuschalten und bestimmte Dinge zu hinterfragen“ (zumindest war das bei mir so).

Dadurch kritisiert er das Prinzip der Märkte, bei denen mit gewissen finanziellen Mitteln scheinbar alles möglich ist (z.B. ein Schwarzes Nashorn zu schießen für 150000$). Er meint, dass sich der Markt diesbezüglich nicht von allein zügeln wird, sondern dass es die Menschen sind, die allein mit ihrem Verhalten den Markt bestimmen könnten.

Inhaltlich handelt er dabei eine Vielzahl von Themen ab: „Privilegien“, „Anreize und Belohnungen“, „Wie Märkte die Moral verdrängen“, „Das Geschäft mit dem Tod“, „Sponsoring und Werbung“.

Für die Ausführung seiner Themen nutzt er stets Beispiele, die real existieren. Insgesamt betrachtet ist Sandels Buch eindeutig lesenswert (und dank einer guten Sprache auch gut zu lesen). Die Fragen sollten jedoch die Leser für sich selbst beantworten. Der Autor selbst kann dabei nur eine Hilfestellung geben.
Fazit: 4,5 Sterne
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am 23. November 2012
Waren sie für eine lange Zeit auf das Gebiet des wirtschaftlichen Handelns beschränkt, haben sich im Zeitalter des Internets, der Globalisierung und der Allverfügbarkeit der menschlichen Arbeitskraft die Regeln und die Gesetze des sogenannten Marktes auf fast alle Lebensbereiche ausgeweitet, Sie haben Bereiche infiltriert und besetzt, die eigentlich außerhalb des Konsums und des Strebens nach Mehrwert liegen sollten. Zum Beispiel in der Medizin, in der Kunst, im Sport, in der Erziehung und immer mehr auch im Bereich der Familie und der Partnerschaft zwischen Menschen.

Immer mehr Menschen halten das für unerträglich, sehen sich aber meistens außerstande, sich wirkungsvoll und nachhaltig gegen solche Tendenzen zu wehren und ihre Selbständigkeit und auch die Autonomie ihrer moralischen Urteilskraft zu bewahren. Die westlichen Demokratien haben sich von Marktwirtschaften zu regelrechten Marktgesellschaften verwandelt, in der nur zählt, was einen Preis hat, bewertbar und (ver)käuflich ist.

Bedroht sind dadurch nicht nur zahllose zivilisatorische Errungenschaften, sondern auch die moralischen Grenzen haben sich bedenklich verschoben. Wie, so fragt der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel, der 2008 in einem bemerkenswerten Buch bei Berlin University Press ein „Plädoyer gegen die Perfektion“ hielt und über die Ethik im Zeitalter der genetischen Technik nachdachte, können wir all das, „was man für Geld nicht kaufen kann“ bewahren und dem Markt die moralischen Grenzen setzen, die nötig sind, soll unsere Humanität und Menschenwürde nicht vor die Hunde gehen.

In insgesamt fünf Kapiteln versucht er das mit vielen Beispielen zu beschreiben:

* Privilegien
* Anreize und Belohnungen
* Wie Märkte die Moral verdrängen
* Das Geschäft mit dem Tod
* Sponsoring und Werbung

Und er entdeckt die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft als Quelle: „In einer Zeit zunehmender Ungleichheit läuft die allumfassende Kommerzialisierung des Lebens darauf hinaus, dass Arme und Reiche zunehmend getrennte Leben führen. Wir arbeiten und kaufen und spielen an verschiedenen Orten. Unsere Kinder besuchen verschiedene Schulen, unsere Lebenswelten schotten sich voneinander ab. Das dient weder der Demokratie noch unserer Lebensqualität. Demokratie erfordert keine vollkommene Gleichheit, aber sie erfordert, dass Bürger an einer gemeinsamen Lebenswelt teilhaben. Es kommt darauf an, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und Sozialstatus miteinander in Kontakt kommen und im Alltag auch einmal zusammenstoßen. Denn nur so lernen wir, wie wir unsere Unterschiede aushandeln und wie wir gemeinsam dem Gemeinwohl dienen können.
Am Ende läuft die Frage nach den Märkten also auf die Frage hinaus, wie wir zusammen leben wollen. Wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der alles käuflich ist? Oder gibt es gewisse moralische und staatsbürgerliche Werte, die von den Märkten nicht gewürdigt werden – und die man für Geld nicht kaufen kann?“

Hoffentlich, meint ein von dem Buch sehr skeptisch gemachter Rezensent.
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am 23. April 2013
So interessant und kurzweilig es war, dieses Buch zu lesen - mir fehlt der positive Entwurf, das schlüssige Gegenkonzept, das ich von einem Harvard-Professor und Moralphilosophen erwartet hatte. Vielleicht ist es sehr deutsch, die geistesgeschichtliche Einordnung und Bewertung zu wollen. Aber die auf 250 Seiten gescholtene "Marktdenke" ist in sich auf den ersten Blick plausibel und funktioniert vergleichsweise geräuschlos (abgesehen von den immer wieder kehrenden Krisen). Wie andere Wertvorstellungen (z.B. Nietzsche) mag sie mir persönlich unangenehm sein, aber das sind Positionen, die sich gegeneinander argumentativ nicht auflösen lassen. Wer an die "Kraft der Märkte" glaubt, wird von diesem Buch nicht eines anderen belehrt; wer Märkte immer schon bedrohlich fand, wird in seiner Neurose bestätigt, erhält aber keine Rezepte zur Therapie.

Das Buch liefert jede Menge Gesprächsstoff für Familienabende und Treffen im Freundeskreis. Am Ende bietet es aber keine Handhabe, um gesellschaftliche Entwicklungen objektiv (oder objektivierend) zu bewerten. Die zwei Kernaussagen, die ich mir aus dem Buch gebildet habe: Früher war alles besser (weil weniger kommerziell) und: Geld verdirbt den Charakter. Das hätte mir meine Oma auch sagen können.
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