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am 30. Juli 2013
Jeder Leser, der Gottfried Wagners "autobiographische Aufzeichnungen" gelesen hat, kennt seine Agenda. Die Wagner-Familie (angefangen mit Richard Wagner) ist schlecht und niederträchtig. Als glänzende Ausnahme sticht (unter den Lebenden) eigentlich nur der Autor (Gottfried) selbst heraus. Diesem Duktus ist auch "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" verschrieben. Dabei hätte das neueste Gottfried-Produkt (eigentlich) ein durchaus gutes Buch werden können.

Denn Gottfried Wagner geht diesmal sehr viel systematischer, wissenschaftlicher (und weniger assoziativ) zu Werke als bei seinem ersten Erguss. Sein Quellenverzeichnis ist umfangreich und akkurat; die Buchstruktur ist logisch-chronologisch; die Erzählweise ist kurzweilig, allgemeinverständlich und zugänglich.

Nur leider nimmt sich der Autor selbst den Wind aus den Segeln, indem er zum unglaubwürdigen Rundumschlag ausholt. Gottfried Wagner hat ein großes Huhn zu rupfen, und im Übereifer des Gefechts wirft er seinem Urgroßvater einfach alles vor, was man an moralischer Verfehlung und Verderbtheit ersinnen kann. Und hierbei feuert Gottfried Wagner so viele (unkontrollierte) Schimpfwort-Salven ab, dass der Leser nicht umhin kommt, an der akademischen Seriosität zu zweifeln (und zu schmunzeln).

Richard Wagner war ein "charakterloser Opportunist" (S. 120), ein "egozentrischer Autodidakt" (S. 23), ein "autodidaktischer Dilettant" (S. 109). Er war "chauvinistisch-reaktionär" (S. 77) und ein "hemmungsloser Manipulator" (S. 177). Der "hochstaplerische Außenseiter" (S. 120) hatte eine "radikal antisemitisch-frauenfeindliche Weltanschauung" (S. 272). Richard Wagner war ein "hemmungsloser Scharlatan, Zocker, Schnorrer und Intrigant" (S. 269). Und natürlich war er ein "Rassenantisemit" (S. 151).

Gottfried Wagner hätte gut daran getan, sich auf diesen letzten Punkt zu konzentrieren (und zu beschränken). Denn während Richard Wagners vermeintliche Frauenfeindlichkeit, seine Manipulationsversuche und seine Nekrophilie geradezu "herbeiargumentiert" werden müssen, gibt es für seinen Antisemitismus unrühmliche, erschreckende Zeugnisse. Folglich ist Gottfried Wagners Kapitel über Richards Judenhass auch der (mit einigem Abstand) gelungenste Textabschnitt seiner Wagner-Abrechnung. Zwar gibt es schon unzählige Bücher zu diesem Thema. Aber Gottfried Wagners Betrachtungen heben sich vom Gros dieser Veröffentlichungen ab, weil sein Stil (ob beabsichtigt oder nicht) umgangssprachlicher und publikumswirksamer ist. Auch wenn Gottfried Wagner wenig Neues bringt, vermag er (mit seiner saloppen Stilebene) sicher mehr Leser zu erreichen als (z.B.) Paul Lawrence Rose.

Da ist es wirklich schade, dass Gottfried Wagner auf den restlichen Seiten ganz tollpatschige Kapriolen schlägt. In seinem Bemühen, ein möglichst dunkles, hässliches Wagner-Porträt zu zeichnen, versteigt sich Gottfried Wagner in unbegründete, merkwürdige Behauptungen und fragwürdige Unterstellungen.

Der belesene Richard Wagner interessierte sich eigentlich gar nicht für den Gegenstand seiner Lektüre. "Es ging ihm nicht um die systematische Durchdringung [...] einer Theorie; das Lesen diente ihm vielmehr als Karrieremittel" (S. 25). Zu "keiner Zeit entwickelte er eigene seriöse politische, philosophische oder theologische Anschauungen" (S. 109). Hinter den "aufgeblasenen und verquasten Formulierungen Wagners tut sich [...] zumeist nur gähnende Leere auf" (S. 26). Der "Ekel [...] an sich selbst, gesteigert zur Nekrophilie, ist der rote Faden, der sich durch Wagners Leben zieht" (S. 137). Und wer "in seinen Bannkreis geriet, den nutzte Wagner hemmungslos aus" (S. 198). Das sind Behauptungen, die sich schwer beweisen (oder halten) lassen.

Aber Gottfried Wagner begibt sich vollends aufs Glatteis, wenn er mit der Qualität (oder dem Wesen) der Wagnerschen Bühnenwerke ins Gericht geht. Warum der fliegende Holländer "der arische Ahasver der Weltmeere" (S. 141) ist, wird nicht großartig erklärt oder begründet. Und der "Ring des Nibelungen" besteht eigentlich nur aus "Rassismus, Frauenverachtung und Lebensverneinung" (S. 190). Mit dem "Ring" präsentiert Richard Wagner "das monströse Denkmal seiner eigenen Nekrophilie" (S. 142).

Richard Wagner konnte, so sagt Gottfried Wagner, angesichts seiner "maßlosen Ansprüche nur scheitern" (S. 177). Als Dichter war er jedenfalls kaum zu gebrauchen. Von seinen Stabreimdichtungen geht eine "unfreiwillige Komik" (S. 28) aus. In seinen Dramen "ergießt sich Wagners Wortschwall immer wieder mehr oder weniger sinnfrei" (S. 29). Er war ein "bestenfalls mittelmäßiger Librettist mit einem Hang zu Umständlichkeit und Schwulst" (S. 177). Als Poet blieb Wagner "nur Dilettant" (S. 28). Wie brüchig das argumentative Eis ist, auf dem sich Gottfried Wagner hier austobt, ist evident und selbsterklärend.

"Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" hätte ein gutes (oder passables) Buch werden können. Aber jeder Keim eines guten, berechtigten Kritik-Ansatzes wird in der blind-unsachlichen Abrechnungswut Gottfried Wagners erstickt. Wenn Gottfried Wagner etwas mehr Objektivität walten ließe (statt seinem Uropa Inkompetenz und "lebensfeindliches Denken" [S. 270] auf allen erdenklichen Gebieten zu unterstellen), genösse sein Buch erheblich mehr Glaubwürdigkeit.
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Vorneweg: das erste Wagner/Bayreuth-Buch von Gottfried Wagner, "Wer nicht mit dem Wolf heult", war besser, da persönlicher. Damals versuchte Wagner, das Thema Bayreuth an seiner eigenen Biographie abzuarbeiten und aufzuzeigen - nun macht er das anhand der Biographie von Richard Wagner. Die negativen, dunklen Punkte im Schnelldurchlauf: dies überzeugt nur in Teilen!

Zusätzlich kann sich der interessierte Leser noch die Frage stellen, ob Gottfried dieses Buch (in dieser Form) auch hätte schreiben können / wollen, wenn 2008 nicht seine beiden "Schwestern" die Festspielleitung bekommen hätten, sondern Gerard Mortier + Nike Wagner (die sich parallel ebenso darum beworben hatten). Ich glaube nicht......

Biographisch geht es durch das Leben des Komponisten, stets die Abgründe und dunklen Seiten betreffend, am Schluss des Buches dann noch speziell die "Bayreuther Festspiele". "Richard Wagner - Ein Minenfeld" liest sich kurzweilig, selbst wenn der Leser mit Vielem darin nicht einverstanden ist. Warum sollte es nicht möglich sein, Richard Wagners Leben von seiner Kunst, sprich Musik, abzutrennen? Eine schlüßige Antwort darauf bleibt Gottfried Wagner schuldig. Es wird sich ohnehin jeder seine eigene ausgewogene Meinung bilden, da Menschen ohne Wagner-Vorwissen vermutlich nicht zu diesem Titel greifen werden.

Nicht alles, was Gottfried Wagner möchte, kann man Richard Wagner anlasten: z.B., dass Wagners früher Förderer Meyerbeer heute (fast) in Vergessenheit geraten ist. Außerdem stimmt das - so ganz - ohnehin nicht, ein Teil von Meyerbeers Opern wird regelmäßig aufgeführt und in den letzten Jahren sind etliche Live-Mitschnitte davon erschienen.

Fazit: ein gut lesbares "Minenfeld", wenn der Leser Vorwissen mitbringt.

( J. Fromholzer )
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am 27. Oktober 2013
Nekrophilie beschreibt den Hang zum Sex mit Toten.
Dass Gottfried seinen Urahnen Richard Wagner der Nikrophelie bezichtigt ohne einen Beleg dafür aufzuzeigen, bringt den Schwachsinn dieses Buches auf den Punkt.

Der Autor verdreht die Tatsachen, erweitert Zitate mit den Wörtern "jüdisch" und "rassenantisemitisch", auch wenn sie im Original gar nicht vorkommen, etc.

Außerdem erklärt er dem staunenden Leser, dass Wagners Parsifal als "Arier" gedacht sei und die Aufgabe habe, "gegen die Weltherraschaft der Juden" anzukämpfen. (Liest sich, als sei der Autor irgendeiner provokanten Regie-Interpretation aufgesessen und hätte sie mit der Originaloper verwechselt.)

Komplett überrascht wird man auch damit, dass laut Gottfried Wagner die Wotan-Figur im Ring des Nibelungen angeblich ein Arier ist, der sich zum Ziel setzt, die Juden (laut Gottfried dargestellt als Nachtalben) "auszurotten".
Aber damit nicht genug: Gottfried läßt den Leser denken, Richard Wagner würde Wotans Tun gutheißen. Jeder, der auch nur die Inhaltsangabe vom Ring des Nibelungen liest, weiß, dass in dem Stück Wotan der schlimme Verbrecher ist. Deshalb sorgt Richard Wagner dafür, dass Brünnhilde diesen Wotan am Ende der Götterdämmerung anklagt.

Also von den Inhalten des Richard-Wagner-Werkes hat Gottfried entweder keine Ahnung oder nicht das Zeug dazu, sie zu verstehen.

Tja, und die Musik?
Gottfried Wagner empört sich darüber, dass Richard-Wagner-Musik so beschaffen ist, dass sie von den Nazis gemocht wurde.
Die Musik hat also Schuld, dass die Nazis sie genommen haben. Laut Gottfried hat Richard Wagner sogar selbst Schuld daran, dass der Walkürenritt als Hintergrundmusik für Propagandafilme benutzt wurde. Warum? Im Buch steht, weil Richard Wagner den Ausschnitt des Walkürenritts zu Lebzeiten schon als Orchesterstück für Konzerte angeboten hatte.
Gottfried äußert sich noch weitaus absurder über die Vorspiele des Lohengrin, des Tristan und der Meistersinger, die seiner Meinung nach allesamt bewußt von Richard Wagner als Droge komponiert wurden, damit dem Opernhörer der angeblich "antisemitische" und vor allem "frauenfeindliche" Inhalt der nachfolgenden Oper nicht mehr auffällt. (Welch Geistes Zustand muss man haben, um so einen Quatsch zu Papier zu bringen?)

Gut an dem Buch sind die Quellenangaben der Zitate. Wenn man die Originale nachliest, kann man schnell sehen, wie Gottfried sie geradezu dreist aus ihren Kontexten reißt, um seinem fanatischen Verwandtschaftshass Material zu geben.
Und da, wo er keine Zitate findet, behauptet er einfach, dass es sie gäbe, man sie aber leider nicht finden könne. So geschehen, wenn es um Siegfried Wagner geht, dem er unbedingt schlimmsten Antisemitismus anheften will, auch wenn er, Gottfried, zugeben muss, dass alle bekannten Quellen das Gegenteil belegen.

Möglich, dass vieles von dem, was der Wagner-Urenkel über die jetzt lebenden Wagner-Mitglieder schreibt, stimmt, aber glauben kann man ihm aufgrund der erschreckend vielen Fehler im Biographie- und Werkteil leider nicht.

Fazit:
Eine Schmähschrift in der Tradition des widerlichen Eduard Hanslick, den Gottfried Wagner natürlich als "bedeutenden Kritiker" erwähnt.
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am 4. Juni 2013
Gottfried Wagner deckt viele interessante Fakten auf, die aber durch ebensoviele Gegenargumente in Frage gestellt werden koennen. Einer Loesung, wie man mit der Problematik umgehen soll, bleibt das Buch aber schuldig und gerade das waere nun in einer Zeit, wo viele von Vergangenheitsbewaeltigung sprechen, aber kein Weg fuer das wie gezeigt waere interessant. Ansonsten beschraenkt sich das Buch auf die negativen Seiten Richard Wagners. Wenn es denn eine Abrechnung mit dem Familienclan sein soll, so ist sie gelungen.
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am 25. Oktober 2013
Mit Gottfried Wagners Buch haben wir im Wagner-Huldigungsjahr 2013 die Chance, ein kritisches Buch über den Komponisten zu lesen, delikaterweise von einem Nachfahren. Natürlich macht es den Autor Gottfried Wagner angreifbar, dass sich sein Buch mitunter wie eine Abrechnung sowohl mit dem Urgroßvater als auch mit seiner Familie liest. Aber kann man es ihm verübeln?
Die zum großen Teil haarsträubenden Originaltexte und Äußerungen Richard Wagners verleiten ja geradezu zu einer polemischen, vielleicht sogar wütenden Gegenreaktion. Gottfried Wagners Ausführungen sind dementsprechend deutlich und schonungslos, allerdings selten polemisch, sondern gut recherchiert und durchweg der erforderlichen wissenschaftlichen Sachlichkeit verpflichtet. In seinen Belegen führt er zahlreiche namhafte Musikwissenschaftler und Historiker an – bspw. Joachim Fest, Jens Malte Fischer, Eva Rieger oder Hartmut Zelinsky –, die wie er kritische Wagner-Forschung betreiben – gegen die Arroganz und Ignoranz Bayreuths sowie ungezählter Wagnerianer, darunter bedeutender Musikgrößen. Mit Gottfried Wagner fordern viele der Autoren die längst überfällige, kritische Aufarbeitung dieses problematischen Komponisten und seines Werkes in breiter Öffentlichkeit. Ich kann mich dem nur anschließen.
Wie wird Wagner nicht in diesem Jahr unverdrossen geehrt und gefeiert! Aber – so fragt Gottfried Wagner mit Recht – „ist er es wirklich würdig, mit Beethoven und Goethe in eine Reihe gestellt zu werden?“ (S. 269)

Das Phänomen Richard Wagner ist aktuell, die Hingabe und das Dahinschmelzen angesichts seiner Musik ungebrochen. Dabei übersieht man (nicht selten bewusst), dass Wagner ein Blender und Verführer war, wie es in der Welt der klassischen Musik wahrscheinlich keinen zweiten gab. Man übersieht bereitwillig, dass sein reaktionäres Gedankengut – seine Lebensverneinung, sein völkisches Denken, sein wahnhafter, fanatischer Antisemitismus, seine Frauenverachtung – eine direkte Linie zur nationalsozialistischen Ideologie bildet und als der ideengeschichtliche Nährboden für Hitlers Rassen- und Vernichtungsantisemitismus bezeichnet werden kann. Damit nicht genug, ignoriert man bis heute – gerne mit dem absurden Hinweis, Mensch und Werk müssten getrennt betrachtet werden – den bei genauem Hinsehen überdeutlichen Einfluss der weltanschaulichen Ideen des Komponisten auf die zweifelhaften Botschaften und die Tod-und-Erlösungs-Ästhetik seiner Bühnenwerke. Man übersieht – bzw. überhört – geflissentlich seine allesamt selbst verfassten und nicht selten bis zur Lächerlichkeit unsäglichen Texte. Man ignoriert, dass Wagners negativer, selbstsüchtiger Charakter sich in seiner von Heuchelei und Intrigen zerfressenen Familie fortgesetzt hat und bis heute die Bayreuther Festspiele in unrühmlichem Licht erscheinen lässt, jedenfalls für alle wachen und kritisch denkenden Musikinteressierten.
Bemerkenswert sind Gottfried Wagners Schluss-Kapitel über die braune Vergangenheit des Wagner-Clans, die sich auch noch nach dem Krieg fortspann und nie wirklich aufgearbeitet wurde. So gingen alte Nazi-Größen bei Winifred Wagner bis in die 70er Jahre ein und aus, oder die Büsten von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker wurden in Bayreuth bedenkenlos ausgestellt (S. 256f.).

Wagners Musik ist zweifellos überwältigend, betörend und gut gemacht. Wer würde das bestreiten, der sich ein wenig in der Materie auskennt. Wagner vermag es in genialischer Art, sein Publikum mit seiner schmachtend-sehnsuchtsvollen Melodik, seiner lange unaufgelösten und sich fortspinnenden Harmonik, seiner Instrumentationskunst, seiner bestechenden und sich allzu oft „einhämmernden“ Rhythmik, seiner Theatralik und Bombastik in seinen Bann zu ziehen.
Man muss sich jedoch fragen, was „gute Musik“ ausmacht. Da reicht sicher nicht eine sinnlich-schöne Melodie oder Akkordverbindung. Gute textgebundene Musik, die Inhalte und Botschaften transportiert, wie das Wagners Opern tun, muss ideologisch einwandfrei sein. Dies kann man, das hat Gottfried Wagner überzeugend nachgewiesen, Werken wie dem „Ring“ oder Parsifal nicht bescheinigen, im Gegenteil. Bei Licht und mit Verstand betrachtet, sind die Botschaften der meisten, v. a. der „großen“ Bühnenwerke Wagners von geradezu unbehaglich lebensverneinender Natur und propagieren stets Erlösung im Tod oder jedenfalls nach Tod und Vernichtung.
Interessanterweise sind es die zuvor als böse und lebensunwert gezeichneten Charaktere – oder eben die Frauenfiguren –, die entweder von den heldenhaften „Erlösern“ besiegt und überwunden werden oder gemeinsam mit ihnen untergehen. Aus diesem unmodernen mythischen Ideensumpf symbolische Befreiungsakte für das Musikdrama oder gar die Menschheit im Allgemeinen herausdeuten zu wollen, ist schon reichlich abenteuerlich.

Es geht aber nicht darum, Wagners Verdienste um die musikgeschichtliche Weiterentwicklung der Oper und die Idee des Musikdramas, etwa durch die Leitmotivtechnik, zu schmälern. Wichtig ist, dass seine Geniehaftigkeit – die er sich selbst zwanghaft zuschrieb – nicht überschätzt wird, dass zum einen die Grenzen des Leitmotivischen wahrgenommen werden, etwa wenn einzelne Motive das musikalische Geschehen so unentwegt und penetrant dominieren, wie bspw. die Tristan-Akkorde und –motive im Verlauf des Werkes, dass das ursprünglich Originelle sich selbst ad absurdum führt. Zum anderen darf nicht übersehen werden, wie sehr sich Wagner – auch als Komponist – auf Kosten anderer profiliert hat (Meyerbeer, Mendelssohn, Liszt). Auch dies hat Gottfried Wagner überzeugend dargelegt.

Es kann letztlich nicht schaden kritisch zu beobachten, was diese Musik mit einem macht. Dann wird man vielleicht – statt sich einlullen und manipulieren zu lassen – mit wachsender Beunruhigung feststellen, wie geschickt und gefährlich Wagners Musik germanisch-deutschtümelnde Mythen und Texte, zweifelhaftes männliches Heldentum und weibliche Opferrollen, groteske Unter- und Übermenschen-Figuren sowie Todessehnsucht und apokalyptische Untergangsszenarien dem willigen Hörer gnadenlos unterjubelt, und zwar stundenlang, mit dieser raffinierten Mischung aus „Brutalität und Verzärtelung der Sinne“, wie Nietzsche schon feststellte (G. Wagner, S. 210). Statt dem „Meister“ wie früher blind zu folgen gilt es heute, Wagner sehenden Auges wahrzunehmen. Das wäre schon ein guter Vorsatz für das ausgehende Wagnerjahr.
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am 24. April 2013
"Jetzt wagnerts wieder! Niemand soll ihm entkommen. Nicht im Jahr seines zweihundertsten Geburtstags." So schreibt Urenkel Gottfried gegen Ende seines Buches. Er selbst fühlte sich wohl daran gebunden; denn auch er entkommt seinem "Über-Urgroßvater" scheinbar nicht! Richard Wagner wird von ihm fast für jede schlechte menschliche Eigenschaft verantwortlich gemacht, die sich nur denken läßt.
Nun hatte der Mensch Richard Wagner im 19. Jahrhundert gewiss eine Reihe schlechter Eigenschaften. Da er permanent unter Geldnot litt, was nicht zuletzt an der mangelnden Bezahlung für seine musikalischen Werke lag, mit denen sich derweil andere eine goldene Nase verdienten, schnorrte er bei Freunden.
Der Antisemitismus war nicht seine Erfindung, aber er hat ihn Zeit seines Lebens immer wieder in ziemlich geschmackvoller Weise zur Erklärung seiner und anderer Probleme benutzt.
Er hatte ein altmodisches Frauenbild und war aufgrund seiner schwierigen Lebensgeschichte auf Leiden und Erlösung programmiert.
All das sei zugestanden!
Aber der Versuch, in der Musik Wagners und in seinen Operntexten all das auch und unmissverständlich vorzufinden, ist und bleibt lächerlich!
Man kann vieles so deuten (wenn man boshaft genug ist), muss es aber keineswegs!
Dazu ist genügend gesagt und geschrieben worden.
Wer sich wirklich über Wagners schillernde Person, sein Leben und Werk umfassend informieren will, dem sei Joachim Köhlers große Biografie "Der letzte der Titanen" empfohlen. Leider ist sie vergriffen und scheint im Jubiläumsjahr auch nicht neu aufgelegt zu werden.
Gottfried Wagner ist ein durch seine Familiengeschichte zutiefst verletzter Mensch. Ich kann verstehen, dass er alles, was mit "Wagner" und "Bayreuth" zu tun hat, aus tiefstem Herzen hasst.
Aber dies immer wieder neu zu formulieren und es gleichsam als objektive Erkenntnis aller Welt anzutragen, halte ich für unangebracht.
Bei einer Sache aber gebe ich ihm Recht: bei der Forderung nach rückhaltloser Aufklärung der Festspielgeschichte im Dritten Reich. Hier gibt es noch viel zu tun.
Und die Büsten von Arno Breker im Festspielpark sind und bleiben ebenfalls ein Ärgernis.
Doch um das festzustellen, hätte ein Feuilleton-Beitrag auch gereicht.
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Ich schreibe diese Rezension aus der Perspektive, die Thomas Mann einmal mit "enthusiastische Ambivalenz" geprägt hat.
Richard Wagners ideologische Vorstellungen würde ich knapp zusammengefaßt, als typischer Zeitgeist mit Weltverbesserungsidealismus unter dem Manko eines nicht geeinigten Deutschtums charakterisieren. Wobei die Ausgangsposition eines Verfalls, genauso wie die Idealvorstellungen aus der Antike sowie die nebulöse Erlösungsmanie, Wunschpojektionen waren. Die schwarmgeistig, romantisch phantastenreiche, wagnerianische Wahrnehmungsperspektive, rekrutierte daraus, auch ein mit mehr oder weniger philosophischem Impetus angereichertes Gebräu, das nur insofern problematisch wurde, als der Komponist eine psychopathologische, antisemitische Haltung ausbildete. Trotzdem haben seine Werke, in Verbindung selbst mit teils kruder Ideologie, eine realpäsente Geneigtheit, die auch heute noch bemerkenswert aktuell ist. Jedes großes Kunstwerk weist insofern auch über die Zeit hinaus, in der es geschaffen wurde.

Aus dieser Ausgangslage nun eine zentrale Geistesverwandscheit mit der Naziideologie zu zimmern, ist bei dem Autor mehr eigene Bedürfnishaltung, als Faktenlage bei seriöser Bewertung.

Jede Ideologie birgt in sich die Geneigtheit zur Eliminierung der Andersdenkenden, da war Wagner keine Ausnahme wie auch die sozialistischen Ideen generell in der Praxis. Wenn schon der Gedanke die Tat ist, laufen viele Gedankenmörder durch die Weltgeschichte, die hoch in Ehren gehalten werden. Und ob dieser Gedanke bei Wagner vorhanden war, ist schlicht rein spekulativ trotz der seiner verbal brutalen Ausfälle, für die er immer gut war.

Gottfried Wagners Kernthesen sind im Wesentlichen:

Jede Form der reaktionären Gedankenwelt Richard Wagners in die Moderne zu überführen, sei Verfälschung.
Die Interpretationen aus allen wissenschafltichen Disziplinen seien indiskutabel und aufgesetzt.
Ausschließlich die Bewertungen von Hartmut Zelinsky und Epigonen, die Wagner zum Vorhenker von Ausschwitz geschrieben haben, seien angemessen.
Richard Wagner sei durch die Autoren der Bayreuther Blätter und durch Cosima nicht verfälscht worden, sondern angemessen umgesetzt.

Damit stellt er sich gegen bedeutende Wissenschaftler, indem er nur behauptet. Mit Zitaten kann man aus Wagner jede Richtung herauskitzeln, derer man bedarf. Insofern ist das scheinwissenschaftlich, was er abliefert.

Weiterhin unterstellt er der Familie generell ein Verheimlichen, Vertuschen, Manipulieren und Halbherzigkeit. Insofern der typische Familienzwist. Man kann sich allerdings hier des Eindrucks nicht erwehren, daß er damit nicht so gänzlich falsch liegt.

Eine solche Agressionsstau-Einlassung läßt dann auch die sachliche Basis vermissen, auf der eine vernünftige Auseinandersetzung möglich wäre.
Alles was nicht auf Gottfrieds Linie ist, wird diskreditiert, als Verharmloser, Verleugner, Verfälscher gebrandmarkt. Ein egomanischer Zug, der auch bei Richard Wagner Platz griff.

Süffisant könnte man das als die typische "Kommunikations-Wagnerei" bezeichnen.

So wie sich Richard Wagner ein Feinbild in den Juden schuf, so agiert Gottfried Wagner ideologisch nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Richard Wagner als zentralen, entscheidenden Bannerträger des Antisemitismus, des Nationalsozialismus, zu dekorieren, ist schlicht Geschichtsklitterung.

Gottfried platziert alles auf einem "der Hölle Rache" Plateau, er simplifiziert erbarmungslos und erschreckend. Ein bißchen Lady Macbeth, obwohl ihn keine Schuld trifft. Er projiziert sich ständig in eine Rolle, aus der er sich persönlich rechtfertigen müßte dafür, daß der Verbrecher Hitler Wagner Verehrer war und sich Teile der Familie mit ihm gemein gemacht haben.

Letzlich bleibt der schale Beigeschmack eines Schlagabtausches mit einem psychopathologischen Antisemiten wie Richard Wagner und Gottfried Wagner, der aus scheinbar ähnlicher Persönlichkeitsstruktur in retrospektiver Manier alle Fakten so frisiert, daß sie passend scheinen.
Ínsofern ist dieses Buch in den wesentlichen Bereichen pure Agitation und die zustimmende Rezension, die ich gelesen habe, zeigt, daß hier wieder ein Brandsatz gelegt wird und keine angemessene, seriöse Betrachtung als Beurteilungsbasis vorhanden ist. Insofern wird dieses Buch ungeteilte Zustimmung finden bei dem "gesunden Volksempfinden", das es immer schon gewußt haben will. Das ist eine echte Gefahr. So wird über weitere Generationen Einseitigkeit, Ideologie und Fehlfokussierung verbreitet. Wer dem Phämomen Richard Wagner eindimensional begegnen will, muß scheitern.

Gottfried Wagner liefert hier mehr ein eigenes Selbstporträt, als das es um die Sache an sich ginge. Deshalb für das bemerkenswerte und aufschlußreiche Selbstporträt des Autoren noch - 2 - Sterne. Mit der Sache Richard Wagner hat das Buch in seiner "Hinrichtungsmentalität" wenig zu tun.
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am 24. Mai 2013
Wer etwas über Richard Wagner erfahren will, sollte seine Musik hören und sie sich erklären lassen, da gibt es viele gute Bücher, CD's etc.
Wer etwas über die Person Richard Wagner wissen will bzw. über seine Familie, auch da gibt es andere tolle Bücher, angefangen bei George Bernard Shaw's Wagnerbrevier.
Dieses Buch ist eine totale Verschwendung. Ein unzufriedener Mensch mit leider bekanntem Namen bzw. Familienstammbaum versucht vergeblich mit den Leuten abzurechnen, die er für sein Unglück verantwortlich macht. Er sollte mal über eine gute Therapie nachdenken, um seine ach so schwere Kindheit aufzuarbeiten. Vielleicht geht es ihm dann besser.
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am 24. Februar 2014
Ich halte das Buch für einen sehr gelungenen Beitrag zum (vergangenen) Wagner-Jahr.

Gottfried Wagner gelingt es, die Triebfedern und den tieferen Gehalt Wagnerscher Opern zu entschlüsseln, was sicher teils zu kontroversen Ergebnissen führt. Sicher ersetzt das Buch keine einzelnen Opern-Inhaltszusammenfassungen oder musikwissenschaftlichen Analysen, doch da ist der Büchermarkt ja ohnehin gut gefüllt. Vielmehr geht es darum, die verdrängten Seiten von Wagners kompositorischem und textlichem Schaffen darzustellen und auf den Punkt zu bringen, die allzu gerne im Rausch der Musik verwischen.

Ebenso geht es um die Persönlichkeit R. Wagners, deren Widersprüchlichkeit ja längst in allen Biographien Einzug gehalten hat. Es werden die dunklen Seiten der Persönlichkeit Richard Wagner herausgearbeitet und gezeigt, dass die Verehrung Wagners durch die Nazis nicht bloß ein historischer Zufall war, sondern tieferliegende Gründe hat. Auch dies ist natürlich nicht unbedingt ein neuer Gedanke, es gelingt aber eine gute zusammenfassende, wenn auch stellenweise überspitzte Darstellung.

Eine unbedingt empfehlenswerte Lektüre, allerdings eher für den fortgeschrittenen Wagnerianer mit Kenntnis des Wagnerschen Œuvres!
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am 6. Oktober 2014
Ich habe mit großem Interesse Gottfried Wagners Biographie über seinen Urgroßvater gelesen und freute mich, dass ich endlich, nach den vielen Artikeln und Rezensionen, die ich im ‘Wagnerjahr’ über Richard Wagner las, ein Buch vor mir hatte, das rücksichtslos (in positivem Sinn) Dinge beim Namen nannte und in Beziehung setzte, die andere Autoren nicht etwa vergessen hätten oder nicht wissen könnten, sondern einfach übergingen oder nur sachte andeuteten, um ja nicht von der ‘Wagnermafia’ geächtet, angefeindet oder abgekanzelt zu werden. Und dass dies von einem Familienmitglied geschieht, wie heißt es so schön: Blut ist dicker als Wasser, ist umso erstaunlicher. Das zeigt Gottfried Wagners, wie es grundsätzlich für eine solche Arbeit über Richard notwendig ist, kritische Distanz. So ist die von Gottfried vorgelegt Biographie eine fundierte Arbeit, die nicht, aus welchen Gründen auch immer, geschichtsglättend beschönigt, sondern durch die Faktenlage nach vorne öffnet und zu neuem, auch wissenschaftlichem Arbeiten über Wagner Anlass geben könnte und sollte. Aber ich mache mir keine falschen Hoffnungen, auch die vermeintlichen ‘Wissenschaftler’, die sich an Wagner versuchen, aber nicht nur an ihm, sind Büttel eines geschichtlichen Mainstreams, in dem sich Geschichtswissenschaft oftmals immer wieder selbst clont, als dass sie neue, andere, für die Zukunft kreative Wege beschreitet.
Was mir an Richard Wagners Leben, so in Gottfried Wagners Veröffentlichung beschrieben, auffiel und darum verwundern mich immer diese ikonographisch-biografischen Beschreibungen über Richard Wagner: was war das doch für ein Mensch!! Neben all seiner Genialität, die ihm zugegebener Maßen zu eigen war, auch wenn ich als 'Laie' nicht in Ansätzen beurteilen will, was war neu in seiner Musik, was war nur von anderen entlehnt, verändert, lediglich in neue, in andere Zusammenhänge gestellt….? Nutzte er nicht aus egomanem Eigeninteresse Menschen scham- und rücksichtslos aus, selbst den Ehemann seiner Geliebten? Wechselte er seine politischen Ansichten nicht je nach der Finanzkraft des jeweils Herrschenden und Geldgebers? Sein Umgang mit Frauen? Wo sind die Feministinnen? Auch sie besuchen voller Freude die Bayreuther Aufführungen, weil es chic ist. Sein Antisemitismus, wo, wenn nicht in Gottfrieds Wagners Biographie, ist er deutlichst benannt? Und trotzdem, selbst Kirchenleute sind ihm unkritisch und blind verfallen, obwohl seinen Werken sicherlich religiöse Inhalte nicht abzuschreiben sind, aber christliche sind es nicht, im Gegenteil. Er benutzt, so wie er Menschen benutzte, so wie er seine Geldgeber benutzte, so wie er Frauen benutzte, selbst Menschen jüdischen Glaubens, auch religiös-christliche Inhalte und baut sie in seine germanisch-heidnische Welt ein, die einer Selbsterlösung und damit einem Neuheidentum frönt. Ja, auch das, die Selbsterlösung, scheint Zeitgeist zu sein. Die dramatischen Inszenierungen seiner Opern machen deutlich, wo und wie er sich in seiner Welt versteht: als Held, als Messias, als Gott. Er macht aus dem Te Deum ein Me Wagnerium. Abscheulich der Gedanken, dass Theodor Herzl den Zweiten Zionistenkongress mit Wagners Tannhäuser-Ouvertüre eröffnen lies, diese gar als Nationalhymne eines zu gründenden ‘Judenstaates’ wissen wollte.
Eins zum Schluss: Die Biographie Wagners, so wie Gottfried sie beschreibt, stellt sich in weiten Teilen dar wie eine Blaupause der Biographie Hitlers. Hitler war ein eifriger und gelehriger Schüler von so manchen Großen/Kleinen in Geschichte und Gegenwart. Nichts eigenes war ihm Teil, außer: seine Radikalität, der pathologische Willen zu Zerstörung (auch hier im letzteren Richard Wagner ähnlich). Wagner gehört an exponierte Stelle seiner Lebenslehrer.
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