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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Anbruch eines neuen goldenen Zeitalters?, 26. Dezember 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rückkehr Asiens: Das Ende der westlichen Dominanz (Gebundene Ausgabe)
Das Zeitalter der westlichen Dominanz geht zu Ende, nachdem ich immer mehr asiatische Staaten zu regional und teils auch global bedeutenden Wirtschaftsmächten entwickeln. Und die asiatischen Mittelstandsgesellschaften beginnen zu erkennen, dass sie von der Globalisierung am meisten profitiert haben und dieser wirtschaftliche Bedeutungszuwachs auch in politische Macht umgemünzt werden kann. Kishore Mahbubani empfiehlt dem "Westen", diese Entwicklung zu begrüßen und sich nicht in teuren, am Ende sogar kontraproduktiven Isolationismus zu flüchten. Freihandel und Globalisierung, die in unseren Breitengraden negativ besetzt sind, gelten in einem anderen, demografisch und wirtschaftlich erheblich gewichtigeren Teil unserer Welt als Inbegriff des Aufschwungs, der Asien wieder dorthin zurückführt, wo es vor dem goldenen Zeitalter des Westens, welches stark an den Kolonialismus gebunden ist, war.

"Die Rückkehr Asiens" bezeugt diesen Aufschwung eines ganzen Kontinents und einer Region, die von westlicher Presse "noch" viel zu wenig beachtet wird, auch wenn sie längst auf dem Weg ist, Europa und den USA die Show zu stehlen. Dabei offenbart der in Singapur unterrichtende Professor für Politikwissenschaften, dem Leser eine oft auch irritierend andere Perspektive und Weltsicht, die einen deutlich vor Augen führt, wie blind man doch gewesen ist, wie wenig man doch verstanden hat, dass eine Münze immer zwei Seiten und man fast ausschließlich die westliche betrachtet hat. Mahbubanis großer Verdienst dabei, er eröffnet dem Leser nicht nur vielleiht kontroversiell andere Sichtweisen, sondern erklärt ihm diese auch.

Eckpunkt der Argumentation von Mahbubanis Theorien ist, dass die Wiederkehr Asiens als Global Player vor allem Vorteile für die Weltgemeinschaft bringen kann, was unter wiederholten Verweis auf mustergültige Entwicklungen in Indien und Singapur, schlussendlich doch auch nur Konzepten folgt, die man vom Westen gelernt hat, hierzulande aber nie in dieser Intensität angewandt wurden. Die asiatische Renaissance fußt demnach auf europäischen Idealen und Ideen, die zu einer gerechteren Verteilung von Vermögen und Macht führen, während zugleich die Zahl der Armen sinkt und ganzen Bevölkerungsschichten, wie in Indien Zugang zu Bildung, Arbeitsmärkten und politischer Mitbestimmung eröffnet. Meritokratie, die Herrschaft der Verdienten, der Fähigsten ist in diesem Zusammenhang eines jener "westlichen" Ideale, die Eingang in asiatisches Denken gefunden haben und jahrhundertelange Schicksalsergebenheit in Frage stellen. Gerade die Philippinen, deren politische Elite (75% aller Politiker entstammen politisch aktiven Familien) fähige Persönlichkeiten aus dem Mittelstand eher ins Abseits geraten lässt, erntet jedoch angesichts der erfolgreichen Reformen in China und Singapur vom Autor massive Kritik. Während in China etwa die staatliche Führung immer wieder verjüngt wird, hat Singapur eine zukunftsweisende Verwaltungsreform unternommen, die Spitzenbeamten auch Spitzengehälter bietet, um die wirklich besten Bewerber gewinnen zu können, die sich sonst ähnlich gut bezahlte Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft gesucht hätten.

Man bedenke auch das menschliche Potential, die human ressources, die Asien besitzt und einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem langsam überalternden Europa bedeuten. Studierten indische und chinesische Austauschstudenten einst an westlichen Unis, verlieren die amerikanischen, britischen und französischen Kaderschmieden jedoch immer mehr an Bedeutung, sind doch schon viele der einstigen Emigranten in ihre Heimatländer zurückgekehrt, um die sich dort offenbarenden Chancen für Unternehmer zu nutzen, von der eine "wettbewerbsorientierte Zukunftsregion Europa" bisher nur träumt. Nicht zu vergessen, die schier unglaubliche Größe der asiatischen Märkte, die um ein vielfaches rasanter wachsen als europäische oder amerikanische Pendants. Mit staatlicher Förderung, Arbeitskräften die erheblich günstiger sind als anderenorts und bisher unerschlossenen Märkten, ein Grund mehr, mit dem im Westen erlangten Wissen in der Heimat sich selbst und seine Ziele zu verwirklichen.

Mit Asiens Rückkehr wird die Welt ein Stück sicherer, friedlicher und kommt universellen Zielen wie der Bekämpfung der Armut ein erhebliches Stück näher, denn auch asiatische Zivilgesellschaften sind daran interessiert, ihren Wohlstand zu behalten und das wird in hohen Maße von einer internationalen Kooperation abhängen. Amerikas Umgang mit der UNO wird dann nicht mehr möglich sein, die militärische Supermacht wird sich mäßigen müssen, doch es könnte einfacher werden, internationale Koalitionen für den Einsatz in Krisenregionen zu gründen und von einer US-dominierten Weltpolitik, zu einer gemeinschaftlicheren Variante zu wechseln.

Kishore Mahbubani gibt nämlich zu bedenken (S. 67): "Als die jungen Leute die Dörfer verließen, um in Nike-Schuhfabriken zu arbeiten, hatten Haushalte, die daran gewöhnt waren, mit einem Jahreseinkommen von 467 US-Dollar ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, plötzlich 4300 US-Dollar zur Verfügung. Deshalb gibt es in China keine Antiglobalisierungsbewegung. Für die jungen Chinesen, die in ihnen arbeiteten, waren die Nike-Fabriken, die die Globalisierungsgegner der WTO-Tagung in Seattle im Jahr 1999 so vehement verurteilten, ein Ort der Befreiung. Zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte konnten sich bäuerliche Chinesen vorstellen, aus der elenden Plackerei des Landlebens auszubrechen. Für den menschlichen Geist ist nichts befreiender als die Erkenntnis, dass es eine Hoffnung gibt."
Ähnliches geschah auch im Europa des 19. Jahrhunderts, als im Zuge der industriellen Revolution die letzten Reste des Feudalismus allmählich hinweg gefegt wurden und sich ein Bürgertum zu formieren begann, dass die Demokratisierung des Staates und einen Bruch mit den überkommenen Traditionen zu fordern begann, das Ergebnis ist nach Umstürzen und Kriegen ein seit 60 Jahren relativ kriegsfreies und prosperierendes Europa, sowie ein weitgehend geeintes Nordamerika. Die Globalisierung hat jene Entwicklungen lediglich auch in anderen Staaten als den "westlichen" möglich gemacht.

Natürlich kann man die Argumentation des Autors in Frage stellen und das ist auch gewollt, er bittet den Leser darum, die Dinge nachzuprüfen und sich selbst ein Bild zu machen, wohl wissend dass nur dogmatische Sichtweisen aufgebrochen oder zumindest etwas aufgeweicht werden können. Das fängt bereits mit dem "Westen" selbst an. Viele mögen einwenden, diesen gäbe es nicht, denn hauptsächlich seien damit die eng miteinander verbündeten USA und Großbritannien gemeint, aber auch wenn Europa und Nordamerika in bestimmten Fragen oft zerstritten sind, auf globaler Ebene unterwerfen sich oft genug dem Primat der Vereinigten Staaten und handeln als Einheit. Als bestes sichtbares Beispiel für diese Einheit gilt dem Autor der NATO-Einsatz in Afghanistan, an dem sich verschiedene westliche Nationen beteiligt haben, selbst wenn sie nicht Mitglied des Militärbündnisses sind.

Der Blick auf das 21. Jahrhundert sollte daher nicht von Ängsten geprägt sein, sondern der Hoffnung und dem Vertrauen in eine neue Morgendämmerung der menschlichen Zivilisation, denn Asiens Aufstieg/Rückkehr ist ein wichtiger Schritt zu einer stabilen Weltgemeinschaft, die fähiger erscheint eine gerechte Welt entstehen zu lassen und Ideale wie die Menschenrechte, Demokratie und Meritokratie umzusetzen. Dazu braucht es aber ein Entgegenkommen des Westens, denn dieser kann in Trauer um seinen Bedeutungsverlust als Hegemonialmacht viele der Entwicklungen blockieren, die nötig wären um eine neue Weltordnung entstehen zu lassen. Es spricht vielleicht der ehemalige UN-Botschafter aus Kishore Mahbubani wenn er etwa fordert, dass die EU sicht im Weltsicherheitsrat auf einen Sitz beschränken sollte, anstatt mit Großbritannien und Frankreich gleich zweimal vertreten zu sein, denn die Bundesstaaten der USA beharren ja auch nicht darauf jeweils mit einem Sitz vertreten zu sein.

Dass Mahbubani zu den "provokantesten Intellektuellen Asiens" gehört, zeigt ich auch daran, dass er die Rolle der USA sehr viel anders sieht, als manch antiamerikanisch beeinflusste Kollegen (S. 93): "Mit ihrer überwältigenden Militärmacht (vielleicht der größten in der Geschichte) hätten sie problemlos mehrere Länder angreifen und besetzen können, falls diese nicht anders gefügig gemacht werden konnten. Stattdessen benutzten sie ihre militärische Stärke seit 1945 dazu, eine Weltordnung aufrechtzuerhalten, die sowohl sie selbst als auch die übrige Welt ' insbesondere Ostasien ' in die Lage versetzte, zu wachsen und zu Wohlstand zu gelangen."
Dem zuzustimmen fiele schwer, wenn der Autor nicht erkennen würde, warum diese Militärmaschinerie die meiste Zeit über jedoch nicht eingesetzt wird (S. 118): "Die meiste Zeit über wird die amerikanische Militärmacht kam eingesetzt. Es gibt tief verankerte, wirkungsvolle kulturelle und institutionelle Hemmnisse für ihren Einsatz."
Dazu gehören vor allem die politischen Begleitumstände, dass US-Präsidenten nur 2 Amtsperioden verbleiben können und Kriege meist viel Geld kosten, dass die Verschuldung massiv in die Höhe treiben kann und in Wirtschaftskrisen umso teurer zu stehen kommen. Angesichts der Truppenmoral und Leistungsfähigkeit der GIs ließe sich daher eher behaupten, dass die USA parallel zum Irak zwar ein anderes theokratisches Regime angreifen könnten, dieses aber nicht der Iran, sondern eher der Vatikan sein sollte.

Die militärische und unvergleichbare Übermacht der USA hat jedoch für Asien eine ganz besondere Bedeutung, denn der (S. 118) "wirkliche Grund dafür, warum die meisten internationalen Wasserstraßen sicher und offen bleiben ' und den riesigen Anstieg des weltweiten Handels, den wir miterleben, ermöglichen -, ist die Tatsache, dass die US-Marine als letztes Mittel bereitsteht, um ihren Offenhaltung zu erzwingen. Ohne ihre weltweite Präsenz wäre unsere Welt weniger geordnet." Das trifft isolationistisch veranlagte Demilitarisierer wie Noam Chomsky natürlich hart, könnte der "US-Imperialismus" am Ende doch noch ein Nutzen für den Weltfrieden haben, auch wenn man sich immer wieder das Recht herausnimmt Regierungen einzusetzen und zu stürzen, wenn es den Interessen des Staates dient.

Ein kontroverses Buch also, dessen Achillesferse jedoch das Unverständnis gegenüber den westlichen Zukunftsängsten ist. Kishore Mahbubani betont immer wieder, dass er diese nicht verstehen kann, aber was ist so kompliziert an der Furcht davor hinter Asien zurückzufallen und "ärmer" zu werden, denn Outsourcing und Globalisierung kosten westliche Arbeitnehmer anscheinend ihre Arbeitsplätze, was zu einer wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung und einem bedeutenden Zulauf zu populistischen Parteien führt. Es fehlt die Frage, was Asiens Aufstieg den Westen wirklich kostet, ob die neue goldene Ära im Reich der aufgehenden Sonne, nicht zur dunklen Postmoderne des Abendlandes wird. Könnte er diese so beantworten, dass alle Zweifel ausgeräumt werden, die Furcht wäre fortan unbegründet. Genauso problematisch erscheint aus der westlichen Perspektive die einseitige Darstellung von Praktiken von Unternehmen wie Nike & Co. deren Handeln fast als Sozialarbeit dargestellt wird.

Fazit:
Ein überragendes und kontroverses Traktat über den wirtschaftlichen Aufschwung und politischen Anspruch Asiens.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert!, 20. April 2009
Von 
C. Koch (Karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rückkehr Asiens: Das Ende der westlichen Dominanz (Gebundene Ausgabe)
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für weltpolitische oder soziale Themen interessiert. Kishore Mahbubani beleuchtet eindrucksvoll, wie die westliche Politik in der restlichen Welt wahrgenommen wird und beleuchtet kritisch das Verhalten der Industrienationen.

Auf fesselnde und dennoch sachlich-informative Art schildert er die Ängste des Westens vor dem aufstrebenden Asiens, zeigt aber auch die Chancen auf, die aus dieser Entwicklung resultieren.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber jedem halbwegs interessierten kann ich den Kauf nur empfehlen.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wirklich gutes Buch, sehr zu empfehlen!, 27. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Rückkehr Asiens: Das Ende der westlichen Dominanz (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch sollte jeder politisch interessierte Mensch der "westlichen Welt" lesen. In meinen Augen das beste Buch über den Aufstieg Asien, welches derzeit erhältlich ist. Ich habe es in einer Woche im Urlaub durchgelesen und fand es durchweg sehr gut recherchiert und gut geschrieben. Konnte es quasi nicht mehr aus der Hand legen. Ein absoluter Kauftipp!
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Die Rückkehr Asiens: Das Ende der westlichen Dominanz
Die Rückkehr Asiens: Das Ende der westlichen Dominanz von Kishore Mahbubani (Gebundene Ausgabe - 12. November 2008)
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