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48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk zum Thema
Nachher ist man immer schlauer, speziell in Sachen Geschichtsschreibung. wie erfrischend dieses Thema für den interessierten Leser jedoch sein kann, zeigt Jörg Friedrich in 14/18.

Das Buch beginnt mit der detaillierten Analyse der Ausgangsposition der Europäischen Mächte sowie der USA am Vorabend des 1. Weltkrieges. Entgegen der...
Vor 3 Monaten von Ax315 veröffentlicht

versus
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesenswert aber zeitweise anstrengend
Jörg Friedrich gehört zu den von mir besonders geschätzten Historikern.
Unter Einsatz seines breiten und fundierten Wissens verleiht er dem in Deutschland durch unermüdliche Medienarbeit anerzogenem Mainstream einer vermeintlich politisch korrekten Geschichtsschreibung einen erweiternden Blickwinkel..

Dies gilt auch für das Buch...
Vor 1 Monat von kurt webersinke veröffentlicht


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48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk zum Thema, 30. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Nachher ist man immer schlauer, speziell in Sachen Geschichtsschreibung. wie erfrischend dieses Thema für den interessierten Leser jedoch sein kann, zeigt Jörg Friedrich in 14/18.

Das Buch beginnt mit der detaillierten Analyse der Ausgangsposition der Europäischen Mächte sowie der USA am Vorabend des 1. Weltkrieges. Entgegen der vorherrschenden Meinung, dass der Krieg durch Jahrzehntelanges Wettrüsten und imperialistischer Muskelspiele unvermeidlich war, stellt Friedrich fest, dass niemand diesen Krieg wirklich wollte, auch nicht das Deutsche Reich.

Dem Versagen der europäischen Diplomatie nach dem Attentat auf den K.u.K. Thronfolger Ferdinand und den fatalen Automatismen der gegenseitigen Mobilmachungen wird im Buch sehr viel Platz eingeräumt. Friedrich räumt hier mit dem Mythos des "Blankoschecks" an Österreich-Ungarn auf. Ebenso wird das Bild eines kriegsgeilen Kaiser Wilhelms II. widerlegt, dessen Pickelhauben die wehrlosen Nachbarn überfallen. Der Autor besitzt hier interessante Einsichten in die diplomatische Korrespondenz aller Entscheider. Franzosen und Russen hier sicherlich in forscheren Rollen als viele Werke der deutschen post-1945 Geschichtsschreibung uns Glauben schenken möchten. Am Ende entwickelte die "Julikrise" eine Eigendynamik, die zum Krieg führte. 100 Jahre Abstand erlauben Friedrich eine sehr präzise Analyse.

Belgien wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Die entfesselte Dynamik des Einmarsches in Belgien (Schlieffenplan) führte zum Weltkrieg. Das fehlende Feingefühl der Deutschen in der Kommunikation mit anderen Nationen sowie der Genius der angelsächsischen PR im Kapitalisieren dieser Fehler wird z.B. im Kapitel "Propaganda" beschrieben.

Den sogenannten "was wäre wenn" Szenarien wird viel Platz eingeräumt, diese machen das Buch einzigartig. Was wäre passiert wenn Deutschland Elsass-Lothringen abgetreten hätte und dafür im Osten neue Gebiete gewonnen hätte? Einsichten in damals geheime Dokumente zeigen was möglich war. Was wäre passiert, wenn schon vor den letzten grossen deutschen Offensiven 1918 ein Verständigungsfrieden erreicht worden wäre? Was, wenn Russland 1914 nach Budapest respektive Danzig/Berlin durchgebrochen wäre usw..

Dem Leben der normalen Soldaten wird in diesem Buch ebenso Platz eingeräumt.
Ein Kapitel handelt über die neue Artillerie, ein anderes vom Sanitätswesen. Dies macht das Elend auf den Schlachtfeldern und das industrielle Töten greifbarer, verständlicher.

Das Grosse Ganze steht bei Friedrichs 14/18 stets im Vordergrund. Die Schlachten von Verdun, der Somme, die Brussilow Offensive 1916 oder auch Gallipoli werden nur angeschnitten und in ihren strategischen Folgen analysiert. Die Schlacht an der Marne und Tannenberg sowie die Deutschen Offensiven 1918 hingegen en Detail behandelt (Marschbefehle an XYZtes Korps etc)

Das Buch spart nicht an Bewunderung vor den militärischen Leistungen Deutschlands ("das stärkste Heer der Welt")
Seiner These nach ist es in den Krieg hineingezogen worden. Es wurde jedoch Opfer seines eigenen Erfolgs, denn dieser trug zur Unmöglichkeit eines Verständigungsfriedens bei, da man solch einen Frieden (Status quo ohne Elass z.B.) im Kontext besetzter Gebiete und grosser deutscher militärischer Erfolge (Serbien, Nordfrankreich&Belgien besetzt, Russland bezwungen) der eigenen Heimatfront nicht verkaufen konnte - und vor allem nicht wollte. Die wechselnden Stimmungen während des Kriegsjahre sind kaum zu überschätzen, je mehr Opfer, desto mehr sollte der Frieden als Dividende einbringen.

Auf Rolle der USA als (unfreiwilligem) Hauptprofiteur der europäischen Katastrophe wird detailliert eingegangen. Die Entente Mächte verschuldeten sich im Laufe des Krieges massiv beim grossen Bruder. Dieser half mit Krediten, Munition und Lebensmitteln, die Allierten am Leben zu halten.

Auf Versailles selber wird kaum eingegangen, mehr dafür auf die entscheidenden Wochen bis zum Waffenstillstand sowie die Jahre nach dem Frieden.

Stil:

Das Buch ist mit seinen 1000 Seiten recht umfangreich, gerät jedoch durch die lebendige Sprache Friedrichs selten langatmig. Die oft knackigen und sehr ehrlichen Sätze der damaligen Entscheider sind aus deren Memoiren entnommen. Französische und einige englische Zitate werden öfters im Original belassen und wirken daher sehr prägnant. Oft vorkommende Ausrufezeichen untermalen Friedrichs Stil.
Die Kapitel sind überwiegend chronologisch gegliedert und nach Themen unterteilt (Ostfront, Belgien, Propaganda, USA etc..).

Fazit:

Für Freunde der Historie ein lesenswertes Buch, Neulinge in diesem Thema werden diese 1000 Seiten erschlagen. Nicht als Einstieg in das Thema geeignet! 14/18 ist gut recherchiert (die zahlreichen Quellen hinten anstatt im Text zu finden).

Friedrich ermöglicht seinen Lesern eine neue Sicht auf die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, ohne Scheu vor dem allgegenwärtigen Zwang der Political/Historical Correctness. Mit neuen Einsichten wird es wohl seinen Beitrag zu einem neuen Geschichtsverständnis ohne Scheuklappen leisten, 100 Jahre danach.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 14/18 Der Weg nach Versailles, 24. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich das Werk von Christopher Clark und jenes von Jörn Leonhard gelesen hatte, habe ich mich an die Lektüre von Jörg Friedrich’s 14/18 gemacht. Positiv empfunden habe ich die Trennung der Kriegshandlungen in Westen und Osten. Dies erleichtert das Verständnis. Ich habe auch viele neue Fakten, besonders aus dem militärischen Bereich zur Kenntnis genommen. Das Werk von Friedrich hat mir eine sehr interessante Ergänzung und Abrundung der schon erworbenen Kenntnisse gebracht. Gefallen hat mit auch sein flüssiger Schreibstil und seine persönlichen - oft lustigen bis zynischen - Anmerkungen. Friedrich’s Werk steht ebenbürtig neben den beiden anderen zitierten Werken und ist deshalb auch ein sehr lesenswerter Beitrag zur Geschichte des 1. Weltkriegs. Bravo! Für historisch Interessierte ein sehr Interessante Lektüre. Negativ ist das Lektorat zu beurteilen: viele Trenn- und Schreibfehler, sinnentstellende Verdrehungen, Fehler in den französischen Zitaten und bei den Ortsnamen. Schade!
Yves Sohrmann
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33 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Sieger schreibt die Geschichte....., 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Als ich im Focus über das neue Buch von Jörg Friedlich las, setzte ich mich noch nachts an das Notebook und bestellte mir die Ausgabe über Amazon. Wie immer prompte und schnellste Lieferung.

Bereits meine Großeltern erzählten uns als kleine Buben von der Zeit damals und den Berichten ihrer Eltern. Ein Urgroßvater war z.B. Ordonnanzoffizier (Oberst) beim Kaiser Franz-Joseph im K.U.K. Heer, andere dienten im preußischen Heer. Wenn ich heute die Puzzle aus den Erzählungen meiner Groß- und Urgroßeltern mit den neuesten geschichtlichen Erkenntnissen zusammensetze, muß man sich auf jeden Fall kritisch fragen, ob das "Diktat von Versailles" nicht eine unrechtmäßige Bürde mit der Alleinschuld Deutschlands am 1. Weltkrieg und so den Keim noch größeren Übels darstellte. Auf jeden Fall hab ich das Buch kaum eine Sekunde aus den Händen gelegt und ich gebe zu, wie mich dieses "alte Thema" heute mehr denn je fesselt. Es mag 100 Jahre her sein aber viele Dinge erscheinen im einem neuen Licht.
Um mit den Worten meines Großvaters zu schließen..."...die Sieger schreiben die Geschichte...".
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anregend, 5. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Warum es heute immer über tausend Seiten sein müssen, weiß ich nicht. Weniger wäre mehr, und trotzdem ist das Buch empfehlenswert. Es zeigt die Offenheit von Geschichte, und daß es auch ganz anders hätte kommen können. Außerdem werden viele Kriegsschauplätze in den Focus gerückt, die sonst gerne übersehen werden.
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33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der brutale Untergang der Alten Welt, 15. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Friedrich macht da weiter , wo das "Schlafwandler " Buch aufhört. So wird der unnötige Untergang unserer guten alten Zeit ,der Epoche des globalen Bildungsbürgertums ,in den Schützengräben an der Somme und in Galizien ( Ukraine !) auch zu einer Warnung für unsere Tage: Auch 1914 galt ein Krieg als völlig unwahrscheinlich...
Spannend geschrieben und auch für militärisch Ungebildete interessant erzählt.
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43 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen J. Friedrich der Provokateur fasziniert!, 8. Mai 2014
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Auch in seinem neuen Buch enttäuscht Jörg Friedrich mich nicht. Er gilt als der Krawallmacher unter den Historikern und das alles nur, weil er Fragen stellt, die so vor ihm noch niemand gestellt hat.

Der Autor schreibt packend, der Lesefluss wird nicht andauernd von Hinweisen und Quellen unterbrochen, die erscheinen gut sortiert im Anhang.

Was mich für Friedrich einnimmt, ist seine Gabe, provokante Fragen zu stellen. Zweifellos überspitzt er auch und scheint gelegentlich nahe am rechten Rand zu stehen, an dem er sicher nicht verortet werden kann.

Eindrücklich, beinah in romanhafter Form, schildert der Autor den I. Weltkrieg. Er stellt das Deutsche Reich als ein Land in seiner schönsten Blüte vor und fragt dann unverblümt, wie es sein konnte, dass Deutschland dann nach 1918 der große Buh-Mann war. Äußerst spannend seine Bewertungen, warum der Krieg vier Jahre lang dauern musste, obwohl er schon nach einem Jahr hätte beendet werden müssen, waren die Kriegstaktiken beider Seiten doch längst fehlgeschlagen.

Mit Erschrecken lese ich, wie der Historiker gerade in dieser Frage ausführt, dass der Krieg vor 100 Jahren immer mehr zu einem Krieg der Ideologien wurde. Nach dem Motto der Gute haut dem Bösen eins auf die Mütze, hat sich dieser Krieg nach einem Jahr verselbstständigt. Erschrocken über Friedrichs Einlassungen bin ich besonders deshalb, weil ich mich während des Lesens fragte: Beschreibt er den I. Weltkrieg oder den gegenwärtigen Konflikt in der Ukraine? Für mich zeigen sich hier deutliche Parallelen!

Jörg Friedrich wird mit diesem Buch einmal mehr die Historikerzunft spalten, aber damit zugleich neuen Schwung in eine alte Debatte bringt. Mich begeistert der Autor vor allem deshalb, weil er sich nicht scheut, provokante Thesen und Fragen zu stellen!
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausufernd, doch voller bislang wenig bekannter Informationen, 11. Mai 2014
Von 
J. Raach (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Friedrichs Schlachbeschreibungen ufern teilweise aus, verlieren sich zu sehr in Einzelheiten, doch kehrt er immer wieder zurück zu klugen Bewertungen der Vorgänge. Auch gelingt es Friedrich, die Schrecken des Krieges erschütternd zu schildern und bislang wenig bekannte Informationen zu vermitteln (dass z. B. die Verluste im Osten größer waren als an der Westfront, ist wenig bekannt). Auch die beiden Karten zum Frontverlauf im Osten und Westen in den Umschlagseiten sind eine wichtige Orientierung (allerdings ist dabei bei der territorialen Zuordnung Krakaus zu Russland ein Fehler unterlaufen, Krakau gehörte zur K.u.K. Monarchie). Bei der Findigkeit des Autors, die er ja mit den "Brandstätten" bewiesen hat, hätten schließlich Abbildungen im Text die Anschaulichkeit der Schilderungen sicher sehr gut ergänzt
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesenswert aber zeitweise anstrengend, 10. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Jörg Friedrich gehört zu den von mir besonders geschätzten Historikern.
Unter Einsatz seines breiten und fundierten Wissens verleiht er dem in Deutschland durch unermüdliche Medienarbeit anerzogenem Mainstream einer vermeintlich politisch korrekten Geschichtsschreibung einen erweiternden Blickwinkel..

Dies gilt auch für das Buch 14/18. Kompliment!

Was Herr Friedrich verbal so treffend, so befreiend vorträgt, spiegelt sich leider nicht immer in der Schriftform des Buches. Viel Wissen voraussetzend, macht es dem Leser der Satzbau zusätzlich schwer „Anschluß“ zu halten.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß das Buch noch schnell vor Juni 2014 fertig werden mußte und die Texte 1:1 aus einem Diktat des Autors übernommen wurden.

Schade, daß man sich die lesenswerten Inhalte des Buches so schwer „erarbeiten“ muß.
Schade auch, daß so manche Schlachtenschilderung episch ausfällt, ohne dem Nichthistoriker wirklich tiefere Einblicke in die Zusammenhänge des Geschehens zu vermitteln.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein beschwerlicher und zäher "Weg nach Versailles", 24. August 2014
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Jörg Friedrichs Buch muss sich nicht nur mit seinem großen Bestsellerwerk "Der Brand" messen lassen, sondern auch mit den zahlreichen aktuellen Überblicksdarstellungen zum Ersten Weltkrieg. Leider enttäuscht der Autor hierbei weitgehend, da dieser sich zu sehr in militärstrategischen Erwägungen verstrickt. Gewiss: Diese Schwerpunktsetzung kann an sich noch nicht als Manko angesehen werden, schließlich haben derartige Darstellungen durchaus ihre Berechtigung. Was vielmehr ins Gewicht fällt, ist Friedrichs Form der Darlegung, welche es kaum schafft, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Stattdessen zieht er zur Erklärung immer wieder zeitgenössische Sichtweisen, oft in Form von indirekten Zitaten heran, die dann aber teilweise unkommentiert beziehungsweise ohne weitere inhaltliche Einbettung eingeflochten werden. Der Leser trifft somit immer wieder auf den zeitgenössischen Politik- und Militärjargon, der zwar authentisch sein mag, insgesamt aber wenig dazu beiträgt, das große Ganze zu überblicken. Wer zumindest auf ein einordnendes Vorwort oder eine Einleitung hofft, wird ebenfalls enttäuscht, weil beides schlicht und ergreifend fehlt. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Karten zu Beginn und am Ende des Buches nur einen sehr groben Überblick vermitteln, welche keinesfalls den Nachvollzug der kleinschrittig geschilderten Militäroperationen ermöglichen. Auch die vier ergänzenden Karten im Anhang sind hier nur wenig geeignet. Ganz abgesehen von der antiquierten Gestaltung.

Als schwierig erweist sich auch Friedrichs Sprache, da dieser immer wieder mit Anspielungen, sprachlichen Finten, kryptischen Verklausulierungen und hochkomplexen Sprachgebilden arbeitet, wodurch der Text auf Dauer recht zähflüssig zu lesen ist.

"Der Kriegseintritt Englands und Frankreichs, der durch nichts geboten als durch das Ansinnen, Deutschland in die Schranken zu verweisen, ein von den Linien nicht gestützter Versuch, dieser von keiner Selbstverteidigung erzwungene freie Entschluß war neben dem totalen Negativresultat belastet mit einer Totenzahl, die Ende 1915 die Einwohnerzahl Elsaß-Lothringens erreichte. Wir entsinnen uns des heftigen Ringens in beiden Nationen um den Sinn des Losmarschierens, wie es, nebenbei, in Deutschland nirgends auftrat. Auch diese Nation stand ja keineswegs unter Verteidigungszwang. Doch so wie die Würfel gefallen waren, ließ das Ergebnis sich nach innen darstellen."

Stärken zeigt der Autor vor allem, wenn er versucht, die Szenerie atmosphärisch zu schildern. Auch das kurze Kapitel "Das Geschoss" ist in dieser Form einzigartig. Denn losgelöst von militärischen Operationen und Ereignissen entfaltet hier Friedrichs bildhafte Sprache voller Schnörkel und Assoziationen eine ganz eigene Wirkung.

"Der Durchschuß, eigentlich eine Verlängerung des Stichs mit der blanken Waffe, wechselt in einen industriellen Trennprozess. Der Eintritt in den versiegelten Raum trennt den Leib automatisch vom Leben. Die Herstellung geschlossener Todesräume möchte man die innere Tendenz des industrialisierten Krieges nennen, wenn er nicht gleichzeitig Sorge trüge, die Räume in irgendwelchen Schutzkapseln passierbar zu machen, denn jede Kriegspartei ist Angreifer und Verteidiger in einem. Als Angreifer macht sie die Waffenwirkung total, als Verteidiger relativ"

Trotzdem reicht dies alles nicht aus, um wirklich zu überzeugen. Denn "14/18 - Der Weg nach Versailles" liefert insgesamt zu wenig Erklärungen und leistet damit kaum einen Beitrag den Ersten Weltkrieges besser zu verstehen. Oder anders gesagt: Für den Leser ist der Weg nach Versailles bei diesem Buch beschwerlich und zäh.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur zu empfehlen !, 29. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: 14/18: Der Weg nach Versailles (Gebundene Ausgabe)
Weshalb denken viele Menschen mit Gähnen an den Geschichtsunterricht in der Schule zurück?

M.E. nach mag es dafür drei Gründe geben:

1.) den Stumpfsinn des Schülers - da kämpfen selbst Götter vergebens

2.) die Verwurzelung des jungen Menschen im hier und jetzt, daher die Unfähigkeit sich für die Zustände vor seiner
Geburt zu interessieren, die bei reiferen Menschen in Interesse für Geschichte umschlägt

3.) die Unfähigkeit des Lehrers, der Zahlen und Fakten aneinanderreiht (Joachim Fernau hat solche Geschichtsbrösler
mit Briefmarkensammlern verglichen)

Zu letzteren zählen weder Fernau, noch Clarke und auch nicht Herr Friedrich; ihre Zahlen und Fakten haben sie bis in jedes Detail studiert und wie es sich für echte Historiker gehört, dienen die ihnen nur als Grundlage, um geschichtliches Denken zu vermitteln; so wie ein Musiker ja nicht damit zufrieden sein kann, daß er die Tonleitern rauf und runter spielen kann, sondern erst richtig in Fahrt kommt, wenn er mittels Kompositions- und Harmonielehre der Menschheit herrliche Musikwerke zu schenken vermag.

Da hier zuweilen Friedrichs Stil als "anstrengend" o.ä. bezeichnet wird, gebe ich mal eine Kostprobe, damit der interessierte Leser in spe sich selbst ausschnittsweise ein Bild machen kann, ob er damit zurechtkommen möchte; Friedrich schreibt kristallin, schillernd, so wie Lyonel Feininger gemalt hat, man sollte langsam lesen, weil zu viel Intelligenz, Gehirnschmalz und ausgesprochene und unausgesprochene Verweise zum Selberdenken in den Sätzen stecken, aber bitteschön, hier das Ende des ersten Kapitels (wobei ich das ganz willkürlich gewählt habe, weil ich dort gerade angelangt bin):

"Der erste Schuß zog nicht sogleich den zweiten nach sich, im Gegenteil. Dazwischen verstrich die Zeit, genug, die Stichflamme zu löschen, die Gemüter abzukühlen, die Säbelrassler heute zu beschwichtigen, morgen zu verwarnen, die Hilflosen zu decken, bis der Zustand einkehrt, daß es sich nicht mehr lohnt zu schießen. Eben dies Konzertieren hatte die europäische Diplomatie erlernt, dazu war sie da. Gut zureden, Reibungen schmieren, Verzicht versüßen, Triumph begrenzen, Ungleichgewichte ausgleichen, Gewalt isolieren. Den Militaristen, die selbstverständlich ihre Talente zur Anwendung bringen wollten, wurde das Risiko vorgeführt: Die Geschäftswelt dünkte ein Weltkrieg 1914 undenkbar. Handel, Kredit, Märkte, Roh- und Fertigprodukte, alles sei international engstens miteinander so verzahnt, daß von Großwaffengängen keiner mehr Gewinn zu erwarten habe.
Das Kapital setzte sich im globalisierten Kapitalismus nicht durch, das europäische Konzert spielte vor tauben Ohren, die Generalstäbe spürten ihre Stunde nahen. Nach ausweglos vertaner Zeit sagten sie der Politik, daß nur noch die Wahl bestehe zwischen Loslegen und Überrolltwerden. Wie am Appelquai in Sarajewo schaltete der verfahrene Wagen auf Rückwärtsgang und stand exakt vor den Schützen, die die Finger am Abzug hatten,.
Wenn es soweit ist, regiert der Reflex."
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14/18: Der Weg nach Versailles
14/18: Der Weg nach Versailles von Jörg Friedrich (Gebundene Ausgabe - 9. Mai 2014)
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