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Kundenrezensionen

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am 14. November 2014
Shlomo Sand hat ein Buch vorgelegt, an dem sich nicht nur die Geister scheiden, sondern dass auch noch eine sehr gute Hilfe ist, um dem Antisemitismus ein für allemal den Boden zu entziehen.

Juden sind Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (!!), wie auch die Christen und die Moslems, und es steht niemandem zu, sie einfach zu Angehörigen einer besonderen Rasse oder zu Mitgliedern eines Volkes bzw. einer Nation zu machen.
Indem die bürokratischen Kommunisten in der Sowjetunion "jüdisch" zu einer Nationalität erhoben, leisteten sie dem Bestreben der Nationalsozialisten in Deutschland Vorschub, die Angehörigen der in ihrem Land lebenden jüdischen Religionsgemeinschaft aus der deutschen Nation auszugrenzen. Was letztlich mit deren körperlicher Vernichtung endete.
Der Staat Israel tut gut daran, die von Shlomo Sand vorgelegten Belege nicht einfach zu ignorieren. Soll Israel eine Zukunft haben, müssen seine staatsrechtlichen Grundlagen einer sehr sorgfältigen Prüfung und unbedingt einer Überarbeitung unterzogen werden.
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Es ist gut, dass ausgerechnet ein Jude dieses Buch geschrieben hat. Alles andere wäre um des Themas Willen nicht gut gewesen. Um so mehr bewundere ich den Mut des Historikers Shlomo Sand für seine klaren Aussagen und Analysen.

"Während Jerusalem in den fünf Büchern Mose überhaupt nicht erwähnt wird, taucht das Land Kanaan bereits im Buch Genesis mehrfach auf und dient fortan als Ziel, Schauplatz, Geschenk, Erbe, erwählter Ort und vieles mehr." (93)

Bleibt die alles entscheidende Frage: Was ist Israel also? Der Autor hat den großen Vorteil seit Jahrzehnten in Israel zu leben. Auch wenn das Buch zunächst den Eindruck macht, als würde es sich um ein wissenschaftliches Werk in trockenem Intellektuellendeutsch handeln, liest es sich schnell und außerodentlich leicht, weil der Autor oft große religiöse oder politische Sachverhalte an eigenem Erleben oder dem seiner Familie beschreibt. Immer wieder beeindruckt Sand mit Hinweisen darauf, dass Israel nicht so einfach als das angestammte Land der Juden bezeichnet werden kann.

"Bereits auf dem Berge Sinai, unmittelbar nach Aushändigung der Zehn Gebote, verspricht Jahwe, wie gesagt, die autochthone Bevölkerung des Landes zu vertreiben, um Platz für seine auserwählte Gefolgschaft zu schaffen." (97)

Dieser Art der Beweisführung folgen noch viele Beispiele. Aber der Autor fürchtet sich nicht auch die politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte genau ins Visier zu nehmen und stellt den politisch Verantwortlichen des Staates Israel kein gutes Zeugnis aus. Vielmehr macht der Historiker den Politikern den Vorwurf seit Jahrzehnten nur mit ihrem Gerede von der nationalen Verteidigung Israels staatlichen Zusammenhalt zu beschwören. Auch mit den Zionisten geht er hart vor Gericht.

Bleibt die Frage, was will Shlomo Sand mit seinem Buch? In aller Deutlichkeit sagt er, dass er gern in seiner Universität in Tel Aviv arbeitet: "...sie ist mir lieb und teuer." (141) Er glaubt auch nicht, "... dass es den Nachkommen der palästinensichen Flüchtlingen jemals vergönnt sein wird, in Scharen in ihre Heimatorte ihrer Eltern oder Großeltern zurückzukehren."

Am Schluß dieses Buches habe ich den Eindruck, dass Shlomo Sand nur sehr wenig Hoffnung auf Veränderungen in seinem Land hat. Er spricht zwar deutlich von der Verantwortung des Staates Israel für die heimatlos gewordenen Palästinenser, aber Hoffnung auf den politischen Willen der israelischen Politiker heute sieht anders aus.

Ein höchst interessantes Buch, an dem sich die Geister scheiden werden!
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am 8. April 2015
Shlomo Sand ist für Interessierte der Nahostproblematik unverzichtbare Lektüre. Hier wird mit den Mythen über Israel aufgeräumt und deutlich dargestellt, wie abwegig die Begründungen waren, mit deren Hilfe man den Palästinensern ihre Heimat geraubt und ein ganzes Volk unter den Augen der Weltgemeinschaft vertrieben hat und es bis heute terrorisiert.
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am 16. Dezember 2012
Es ist die leichte, elegante Sprache für ein schweres Thema, die von Beginn an für Schlomo Sands Buch "Die Erfindung des Landes Israel" einnimmt. Und es ist die Empathie des israelischen Historikers, die seinen brillanten Verstand zu Erkenntnissen führt, die der Mehrheit seiner Mitbürger bisher verschlossen bleibt. Ganz am Anfang des Buchs erinnert sich der Autor an seinen ersten Auslandsaufenthalt: Als junger Soldat überschritt er im Juni 1967 die israelisch-jordanische Grenze, eine Grenze, die seine Kameraden nicht sehen wollten: Für sie waren auch die Jerusalemer Berge das Land Israel. Auch verfolgt ihn die Erinnerung an einen alten, gefangen genommenen Palästinenser, der vor seinen Kameraden mit brennenden Zigaretten gefoltert wurde, um irgendein Geständnis zu erzwingen. Der Sohn polnischer Eltern, die mit Glück den Nazis entkommen waren, liebt sein Land. Und gerade dieser Liebe wegen sorgt er sich über die Entwicklung Israels zu einem "kolonialistischen, ethnozentristischen und segregierenden" Staat.

Zur ideologischen Rechtfertigung eines Groß-Israels muss in der offiziellen Propaganda die Bibel herhalten. Obwohl die Bibel, wie andere Glaubens-Schriften auch, kaum als wissenschaftliches Werk einzuschätzen ist. Doch weil die heilige Schrift inzwischen zu einem Reiseführer in das historische Israel geworden ist, setzt sich Sand mit den darin enthaltenen geopolitischen Behauptungen auseinander und findet das von Gott dem Moses versprochene Land Kanaan: Nicht nur, dass Kanaan vor dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten bereits von anderen Völkern bewohnt war, auch das heute als "ungeteilte Hauptstadt Israels" apostrophierte Jerusalem lag dort eben nicht. Selbst das "Land Israel" taucht im 5. Buch Mose, einem westlichen Teil des Talmud nirgends nicht auf. Mit einem Zitat des bekannten National-Wissenschaftlers Jehuda Elitzur markiert Schlomo Sand dessen zitierten Standpunkt als pure Agitation: "Israel war Israel, auch viel Jahre nach seinem Auszug ins Exil, und dieses Land blieb das Land Israel auch als unbewohnte Wüstenei." Anlässlich solch kruder Theorien fragt Sand ironisch, ob man sich auch für die indianischen Ansprüche auf Manhattan, einschließlich einer Vertreibung aller dort lebenden Weißen und Schwarzen einsetzen solle.

So wie Sand sich mit guten Argumenten über die sonderbare Bibel-Exegese des offiziellen Israels lustig macht, so giesst er bitteren Spott über den Anspruch eines "jüdischen Volkes" aus: "Nicht von ungefähr ähneln die jemenitischen Juden so sehr den jemenitischen Muslimen . . . ebenso wie die äthiopischen Juden ihren afrikanischen Nachbarn." Mit solchen Beispielen führt der Historiker das Judentum auf das zurück was es ist: Eine Religion. Auch die israelischen Gebietsansprüche konterkariert er mit Fakten: Zur Zeit der Balfour-Deklaration von 1917 (die noch heute zur den Gründungsakten Israels zählt weil dort eine "Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" gefordert wurde) lebten in Palästina "annähernd 700.000 Araber . . . und weniger als 60.000 Juden. (In Großbritannien selbst lebten zum selben Zeitpunkt rund 250.000 Juden)" schreibt der Autor. Und er weist nach, dass im Schreiben des britischen Außenminister sowohl der Versuch steckte, die jüdische Flüchtlingsbewegung nach den Pogromen in Russland von einer Emigration nach England abzuhalten, als auch eine lange, puritanische Glaubens-Erzählung von der Bedeutung der hebräischen Wurzeln des Christentums zu finden ist, die keineswegs den konkreten Juden galt sondern dem fiktiven heiligen Land.

Sands Buch argumentiert blendend mit dem großen jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, den er zu Recht "als einen der ersten Deutschen" betrachtet, weil der zu einer Zeit "als die meisten Untertanen der deutschen Könige und Fürsten des Hochdeutschen noch nicht mächtig waren" seine Werke in eben dieser Sprache schöpfte. Es war Mendelssohn, der dem Versuch früher Antisemiten, die Juden außer Landes zu jagen und ihnen Palästina als Territorium zuzuweisen, energisch widersprach. Und so sind in Sands kluger Arbeit die kaisertreuen deutschen Juden ebenso zu finden wie die Zertrümmerung der gefälligen Kibuz-Romantik: Araber konnten unter keinen Umständen Mitglieder dieser Agrarkommunen werden und wenn Töchter der Kibbuzim "den Wunsch hegten, mit Palästina-Israelis zusammenzuleben", mussten sie das Kollektiv verlassen.

Neben einer Fülle von wissenschaftlichem Material findet sich in "Die Erfindung des Landes Israel" auch eine anrührende historische Betrachtung des einst arabischen Dorfes Al-Scheich Muwanni, das sich früher dort befand wo heute die Universität Tel Aviv ist, an der Sand lehrt. Die Bewohner dieses Ortes lebten mit ihren jüdischen Nachbarn in Frieden, bis zu jenem Tag, als sie mit einem gezielten Terrorakt jüdischer Kräfte zum Verlassen ihres Dorfes gezwungen wurden. Es ist ein zynischer Scherz der Geschichte, dass sich heute auf dem Gebiet des einst palästinensischen Dorfes auch die Sammlung von 300.000 "jüdischen" DNA-Proben befindet, "da der genetischen Genealogie besondere Bedeutung für das jüdische Volk zukommt." Nur wenige Jahrzehnte nach der Erfindung der Nürnberger Rassegesetzen werden im "Museum des jüdischen Volkes" Belege für die Existenz der "jüdischen Rasse" archiviert.
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Shlomo Sands Buch "Die Erfindung des Landes Israel. Mythos und Wahrheit" ist ein hochpolitisches und engagiertes Werk. Der Autor argumentiert sowohl stringent als auch leidenschaftlich, ohne zu pauschalisieren, zu verurteilen oder polemisch zu werden. Im Gegenteil, er will eine differenzierte und sachliche Debatte. Er will von Mythen befreien und aufklären.

Seine These, dass das Land Israel eine Erfindung des Zionismus sei, die weder aus der Geschichte noch aus der Theologie fundiert begründet werden kann, soll nicht das Existenzrecht Israels in Frage stellen, sondern den radikalen Kräften in Israel den Wind aus den Segeln nehmen. Es geht Sand darum, historische Realitäten anzuerkennen, wie sie der Staat Israel auch eine ist, um überhaupt möglich zu machen, zu einem friedlichen Miteinander im nahen Osten zu kommen.

Sand zeigt auf eindrucksvolle Art, wie sich Diskurse verändern, wie relativ junge Ideologien einen sachlichen Blick auf die Geschichte ganzer Jahrtausende verstellen können. Diesen Blick versucht Sand wieder zu ermöglichen. Der Leser wird vielleicht nicht allen Thesen zustimmen, aber der Versuch als Ganzes ist auf überzeugende Art und Weise gelungen. Die Lektüre ist allen Interessierten zu empfehlen.
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am 20. Juni 2015
Für Zeitgenossen, die die Religion ihrer Väter und Vorväter hinter sich gelassen haben und auf dem Boden der Ideen der Aufklärung stehen, ist die Legitimation Israels zumindest aus ethischer Sicht sehr zweifelhaft, abgesehen davon, dass die Bibel kein Grundbuch ist.
Sand äußert sich in diesem Zusammenhang der "ethnischen" Säuberungen betreffend:
"Den Familien der Flüchtlinge [...] hätten auf jeden Fall das Menschenrecht gewährt werden müssen, nach dem Ende der Kämpfe in ihre Häuser zurückzukehren." S. 284
Eine Gegenposition zu Sand in dieser Frage nahm z.B. der polnischstämmige deutsche Publizist Henryk M. Broder in "Der ewige Antisemit" ein, wo er meinte, die Israel benachbarten Araber hätten sich am Beispiel Deutschlands orientieren sollen, welches ja die deutschen Ostflüchtlinge gut integriert hätte, statt sie jahrzehntelang in Flüchtlingslagern zu halten.
Sands beide Bücher "Die Erfindung des jüdischen Volkes" und "Die Erfindung des Landes Israel" bieten ein außergewöhnlich gute Zusammenfassung über die Mythen um die Geschichte der Juden und es Staates Israel, allerdings nur für Menschen, die nicht glauben, dass das Alte Testament ein Geschichtsbuch sei.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. September 2014
Grundsätzlich finde ich es mutig und auch nötig, dass sich jemand mit dem Tabu-Thema Israel-Konflikt so detailiert beschäftigt. Shlomo Sand stellt viele Thesen über Israel in Frage und widerlegt diese anhand von geschichtlichen Dokumenten, dem klaren Menschenverstand oder der Bibel.

Ich hatte mich aufgrund des Klappentextes und der durchgängig positiven Rezensionen auf das Buch gefreut, da ich sehr interessiert am Nahostkonflikt bin und auf Anregungen gehofft habe, die in eine ganz andere Richtung gehen als die gängige Literatur. Leider hat mir das Buch nicht gefallen, was zu 90% am Schreibstil liegt. Es ist unnötig kompliziert geschrieben, viele verschachtelte Sätze, Fußnoten, Wiederholungen...Ich finde es wichtig, dass man als guter Autor auch komplizierte Sachverhalte einfach erklärt. Es hätte schon gut getan, wenn der Autor kürzere Sätze verwendet hätte, aber so hatte ich das Gefühl, ich lese eine wissenschaftliche Dissertation und kein Buch.

Wem das egal ist, der wird in dem Buch sehr gut recherchierte Inhalte finden und interessante Deutungen zu diversen - in unseren Köpfen ja fast schon zementierte - (Halb)wahrheiten. Wer sich, wie ich, einen Überblick über den Nahostkonflikt verschaffen und ein Buch lesen möchte, das persönliche Eindrücke und sachliche, gut beschriebene, Tatsachen unterhaltsam aufbereitet, ist hier an der falschen Stelle.
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am 31. Oktober 2012
Es gibt Tabus in Deutschland. Wer sie bricht, begibt sich auf Glatteis. Eines heißt überspitzt geschrieben: Israel hat immer Recht. Dabei ist das zionistische Israel gemeint. Wer gegen die Politik der jeweils amtierenden Regierung dort ist, wird stante pede als Antisemit verunglimpft. Besser kann man ein schlechtes Gewissen nicht dokumentieren. Die Massenmorde an Juden durch die Deutschen aus der Zeit des Hitlerfaschismus haben nur äußerst mittelbar etwas mit dem heutigen Israel zu tun. Das Buch des israelischen Historikers Shlomo Sand erfrischt und bricht ein Tabu. Das gibt vielen denkenden Menschen ein zusätzliches Argument in die Hand, weil er noch einmal den Unterschied verdeutlicht und erklärt, der zwischen Judentum und Zionismus besteht. Es gibt eine Unzahl von Juden, die keine Zionisten sind. Es gibt in Deutschland und anderen Staaten lebende Juden, die niemals Israel auch nur als Touristen besuchen wollen. Dem Verlag sei gedankt für den Mut, dieses Buch auf den deutschen Markt zu bringen!
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am 12. April 2016
Shlomo Sand ist auch in Israel selbst kein Unbekannter. Er ist ein Historiker von Rang und Namen, der sich nicht scheut, auch unbequeme Tatsachen auszusprechen. Das hat ihm in Israel nicht nur Freunde eingebracht. Ich kann das Buch, selbstverständlich nicht isoliert, allen raten es unvoreingenommen,aber kritisch zu lesen.
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am 1. Januar 2013
„Ein jüdisches Volk gibt es nicht“, mit dieser These sorgte Shlomo Sand, Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv, 2011 für Furore. Das Buch wurde zum Bestseller. In Israel wurde Sand heftig angefeindet, was nicht sonderlich verwundert, hatte er doch nichts weniger getan als die Behauptung aufgestellt, es gebe kein „jüdisches Volk“, ergo auch keine „jüdische Nation“; beides verwies er ins Reich der Legenden.

Eine ähnlich provokante These vertritt der Autor in seinem jüngsten Buch: Auch das Land Israel (Eretz Israel) sei ein Mythos; es gebe kein historisches Anrecht der Juden auf das Heilige Land, so Sand. Sollten also beide Legenden als Israels Raison d’être entfallen, bliebe dann nur noch der Kolonialismus übrig? Dieser wäre aber keine zukunftsträchtige Rechtfertigung für die Existenz des Staates Israel.

In fünf Kapiteln legt der Autor dar, warum es kein „Land Israel“ gibt. Dafür taucht er ausschweifend auf den ersten 200 Seiten in die Geschichte der Nationalismusforschung ein, bevor er überhaupt erst im vierten Kapitel „Zionismus gegen Judentum: Die Eroberung des ‚ethnischen‘ Raums“ Rabbiner zitiert, die sich gegen eine Rückkehr ins „Heilige Land“ aussprechen.

Jesaja Horowitz lehrte in Prag und galt als einer der größten Rabbiner des 17. Jahrhunderts. 1621, nach dem Tode seiner Frau und des für das jüdische Jahr 5408 prognostizierten Weltendes, übersiedelte er nach Jerusalem; nach einen kurzen Aufenthalt in Safed, starb er 1628 in Tiberias. Er wird gerne von vielen zionistischen Historikern als „Kronzeuge“ für die Rückkehrsehnsucht zitiert. Die große Mehrheit seiner Glaubensbrüder folgte jedoch nicht seinem Schritt. Ja, er riet allen anderen davon ab, da das Land nicht „den Kindern Israels“ gehöre und ihre „Existenz dort gefährdet und schutzlos sei“. Dieses Land sei kein Ort, um „ein normales jüdisches Leben zu führen. Denn das Land sei auf keinen Fall dazu bestimmt, als Hort und Zufluchtsort für Verfolgte und Bedrückte zu dienen.“ Für Horowitz markierte die Übersiedelung ins „Heilige Land“ nicht den Beginn der Erlösung, sondern das genaue Gegenteil, schreibt der Autor.

Shlomo Sands wirkliche Motivation ist die Offenlegung einer zionistischen Verwechselung zwischen dem Konzept „Eretz Israel“ (Das Land Israel) nach dem jüdischen Gesetz der Halacha und einem talmudischen Konzept für einen Ort unter jüdischer Souveränität und der Sehnsucht nach einem Ort „Eretz Israel“. Dem Judentum ist so etwas wie ein „Heimatland“ nicht bekannt. Unter Berufung auf Philon von Alexandria schreibt der Autor, dass die Mehrheit der Juden seiner Zeit weder Jerusalem noch Judäa als ihr „Heimatland“ betrachteten, weil sie dort nicht geboren waren. Während Christen in großer Zahl ins „Heilige Land“ aufbrachen, schienen Juden nach mittelalterlichen und modernen Reiseführer eher „Eretz Israel“ gemieden und einen Bogen um es gemacht zu haben, wie es A. B. Yehoshua formuliert hat.

Sand sieht im frühen Zionismus durchaus auch positive Elemente wie zum Beispiel bei der Integration der Holocaust-Überlebenden, den arabischen Juden und dem Aufbau des Landes. Für verhängnisvoll hält er jedoch den Sieg im Juni-Krieg von 1967, dem eine messianische Dimension beigemessen worden ist. Daraus entwickelte sich ein expansiver religiös-verbrämter Nationalismus. Seither bestimmt die „Groß-Israel-Ideologie“ maßgeblich das Handeln der politischen Elite Israels, die die Waffenstillstandlinie von 1949 wider die Weltmeinung nicht anerkennt. Die Kolonisierung des besetzten palästinensischen Landes sieht Sand als eine strategische Landnahme, die durch den „terroristischen“ Widerstand legitimiert werde.

Es gibt einen Widerspruch in Sands Ausführungen und seinen diversen öffentlichen Statements. So bescheinigt er den heutigen Juden, keine wirkliche Ethnie zu sein, erklärt aber gleichzeitig in Interviews, dass „es eine Affinität unter den Juden aus aller Welt“ gebe. Dies mache aber noch kein Volk aus. Sand fühle sich enger mit einem arabischen Kollegen an der Universität verbunden, als mit einem eingewanderten Juden aus den USA. Es gebe keine Volkskultur der Juden in aller Welt. „Es gibt aber die gemeinsame Religion.“

Sand betonte auch, dass das Recht der Juden auf das Land Israel von der Legitimität des Staates unberührt bleibe. Er tritt für einen „Staat aller seiner Bürger“ ein und wünsche sich eine „Republik Israel“. Was wohl die national gesinnten Palästinenser zu einem solchen bi-nationalen Staat Israel sagen werden?

Dr. Ludwig Watzal arbeitet als Journalist und Redakteur in Bonn.
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