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Der Pianist: Mein wunderbares Überleben
Format: TaschenbuchÄndern
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57 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. November 2003
Das Buch von W. Szpilman habe ich erst nach dem Film gelesen, wobei ich diesen anfänglich "mir nicht antun wollte". Erzählungen einer Freundin klangen so unglaublich grausam, das ich mir nicht vorstellen konnte, mit den Bildern dieses Films klar zu kommen. Da ich schon so viel über die Judenverfolgung und -vernichtung gelesen, gesehen und besprochen hatte, war ich auch davon überzeugt, bei diesem Teil der deutschen Geschichte "nichts Neues wissen zu müssen" - letztlich in dem Film erleben zu müssen. Nachdem mein Mann die DVD zu dem dokumentarischen Buch gekauft hatte, schaute ich mir erst einmal die Begleit-DVD mit den Interviews und Szenenausschnitten an. Etliche Aussagen von Roman Polanski als Regisseur mit dem Hintergrund seiner eigenen Familientragödie haben mich jedoch so fasziniert und letztlich ermuntert - um das so auszudrücken - mir den Film selbst anzuschauen.
Natürlich wird in den Worten von W. Szpilman authentischer und mit eignenen inneren Bildern drastischer erzählt bzw. individuell hautnah vermittelt, wieviel Unsagbares er durchgemacht hat. Ich kann eigentlich bis jetzt nicht die Tragweite begreifen, wie ein Mensch dieses Elend und vor allem das Bewußtsein überleben konnte, dass die ganze Familie in Auschwitz umgekommen ist - nur er eben nicht. Nach Aussagen von <3.Reich-Genozid-Fachleuten> haben es die Überlebenden deshalb schwer, ihr Leben annehmen zu können, weil sie nicht wissen, wie sie damit fertig werden sollen, als z.B. einzige aus der ganzen Familie überlebt zu haben. Aber W. Szpliman überlebt und fängt neu an, durch seine Musik zu leben. Aber wie im Vorwort nachlesbar, spricht er letztlich kaum über seine persönlich erlebte Tragödie und den Tod seiner "Liebsten". Auch das beweist mal wieder, wie wichtig unser Verdrängungsmechanismus ist, um unbeschreiblich Grausames über-l e b e n zu können. Das Zeugnis seines Buches ist eine Lektüre, die vor allem in Schulen Eingang haben sollte. Weil das noch eine der Chancen sein kann, dass junge, heranwachsende und leicht manipulierbare Menschen über die W a h r h e i t der Judenverfolgung durch Menschen dieser Zeit erfahren.
Das Buch ist absolut für mich lesenswert.
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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. November 2002
Der Autor beschreibt die Zeit vom Überfall der Deutschen auf Polen bis zum Einmarsch der Sowjettruppen. Eine sehr eindringliche Schilderung der Lebensumstände in Warschau, speziell im Ghetto. In einer einfachen, klaren Sprache gelingt es dem Autor, ohne Pathos, Leidenschaft und viel Emotionen, das Bild des Grauens zu zeichnen, die Hoffnungslosigkeit und Resignation darzustellen und auch verständlich zu machen, warum sich die Geschichte so und nicht anders entwickelt hat.
Sehr beeindruckend sind auch die kurzen Aufzeichnungen des deutschen Hauptmanns im Anhang, der dazu beigetragen hat, W. Szpilman zu retten. Darin zeigt sich, dass die Unmenschlichkeit zwar erkannt, aber nicht verhindert werden kann.
Ein sehr gelungenes Werk, dass der Kommentare von W. Biermann nicht bedurft hätte, im Gegenteil, dessen Anmerkungen trüben den Eindruck etwas und setzten die Wertung herab. Unverständlich was sich der Verlag dabei gedacht hat. Szpilmans Werk erzeugt durch die ihm eigene Schilderungsform beim Leser die entsprechende Stimmung und den entsprechenden Klang, Biermanns Kommentare dagegen wirken wie ein plattes Geplärre, das disonant die Stimmung zerstört. Musste sich da jemand umbedingt in den Vordergrund drängen? Schade.
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36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Oktober 2002
Dieses Buch hat mich um den Schlaf gebracht. Ich habe Abends angefangen es zu lesen und konnte nicht aufhören. Es erzählt vom Überleben eines Pianisten während des Krieges in Warschau.
Die Sprache ist sehr zurückhaltend und kühl. Gleichzeitig schafft der Author seine Geschichte sehr plastisch zu erzählen. Geschrieben kurz nach dem Kriege liefert dieses Buch eine Reihe von Beobachtungen, die sonst selten in anderen Berichten zu finden sind. Kein wunder, daß Roman Polanski dieses Buch jetzt verfilmt hat. Ich habe eben eine CD mit Klavieraufnahmen von Szpielman bei Amazon gefunden. Auf der CD spielt der Pianist auch eine Nocturne von Chopin, das Stück, daß er vor einem Deutschen Offizier gespielt hat, um das Leben zu retten. Diese Szene ist im Buch sehr bewegend beschrieben und zeugt von einer tiefen Humanität des Deutschen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juli 2008
'Das wunderbare Überleben ' Warschauer Erinnerungen 1939-1945', auch erschienen unter dem Titel 'Der Pianist'.
Wladyslaw Szpilman ist ein aufstrebender junger Pianist im eleganten Warschau der 30er Jahre, als die Nazis einmarschieren.
Als Juden sind er und seine Familie schon bald dem Terror ausgesetzt. Sie müssen mehrfach umziehen, vom kleinen Ghetto ins große Ghetto und landen schließlich alle auf dem gefürchteten Umschlagplatz, von dem aus die Züge nach Treblinka fahren.
Seine Familie: Eltern, zwei Schwestern, ein Bruder, landen in den Waggons, er wird im letzten Augenblick von der jüdischen Polizei aus dem panischen Tumult gezogen.
Seine Familie sieht er nie wieder. Er ist jetzt ein Illegaler, muß sein Leben als Versteckter fristen.
Mehrere Monate, insgesamt Jahre, erlebt er in völliger Einsamkeit, ist oft monatelang ohne jegliche menschliche Ansprache, bekommt manchmal vierzehn Tage lang hintereinander nichts zu essen, muß von einem Versteck ins andere flüchten, sieht durch sein Fenster in einem abgebrannten Dachboden den Aufstand des Warschauer Ghettos und den Warschauer Aufstand, lebt schließlich ein einer vollkommen verlassenen, zerbombten und ausgebrannten Stadt, einer Geisterstadt, inmitten von Ruinen.
Schließlich wird er von einem deutschen Offizier, Wilm Hosenfeld, entdeckt, und dieser Offizier hilft ihm noch die letzten Wochen, bevor die Nazis sich zurückziehen müssen und selbst in russische Lager verbracht werden, mit Lebensmitteln und einem Mantel.
Nachdem ich zuerst den Film 'Der Pianist' von Roman Polanski gesehen habe, habe ich mir gleich im Anschluß dieses Buch gekauft.
Beide, sowohl der Film als auch dieses Buch, lohnen sich auf ihre Weise.
Polanskis Film ist wesentlich beklemmender und bedrückender als dieses Buch. Der Film ist streckenweise so grausam, daß er nicht für zarte Gemüter geeignet ist.
Während man bei den Nazi-Grausamkeiten im Film kaum hinschauen kann, werden sie im Buch eher beiläufig erwähnt.
Die schreckliche Szene zum Beispiel, bei der ein Nazi-Sadist Juden aus einer Reihe heraustreten läßt, ihnen befiehlt, sich mit dem Gesicht auf den Boden zu legen und ihnen dann in den Hinterkopf schießt, wird im Buch mit nur einem Satz erwähnt.
Viel stärker kommt in Szpilmans Buch die unglaubliche Einsamkeit heraus, die er als Versteckter und Verfolgter erlitten hat.
Er konnte niemandem trauen. Lebte anderthalb Jahre in einem Zimmer, bekam Gelbsucht vor Hunger, konnte manchmal nicht mehr aufstehen, weil er zu geschwächt war, sprach einmal nach vier Monaten das erste Mal wieder mit einem Menschen und erschrak über die eigene Stimme, wäre einige Male in der brennenden Stadt beinahe erstickt oder verbrannt.
Die Geschichte seines Überlebens ist wirklich eine wunderbare. Und fast so unglaublich, daß sie tatsächlich nach einer Verfilmung schrie. Die Anzahl der Glücksfälle, die ihn gerettet haben, ist kaum noch zählbar. Aber nicht nur Glück hat ihn gerettet, auch sein eiserner Überlebenswille.
Wladyslaw Szpilman ist 2000 mit 89 Jahren gestorben. Sein Buch erschien in Polen bereits unmittelbar nach dem Krieg (1946). 1998 erschien es erst in Deutschland. Der Film wurde 2001 gedreht.
Der Anhang des Buches enthält Tagebucheinträge des deutschen Offiziers Wilm Hosenfeld, der darin schon 1942 aufs Schärfste die Nazi-Methoden verurteilt und dessen Worte für sich sprechen.
Über den anhängenden Essay von Wolf Biermann breite ich mal den Mantel des Schweigens. Was diese Entgleisung am Endes des Buches soll, ist mir ein Rätsel. Ein paar Hintergrundinformationen über Wilm Hosenfeld hätten vollkommen gereicht.
Insgesamt läßt sich das Buch flüssig lesen. Wäre Wladyslaw Szpilman nicht Pianist geworden, hätte er wahrscheinlich auch Schriftsteller werden können. Ich würde das Buch jederzeit noch einmal lesen.
Es ist einerseits sehr spannend und andererseits sehr distanziert geschrieben, obwohl, oder weil, Wladyslaw Szpilman es direkt nach den Geschehnissen aufgezeichnet hat.
Die Zurückhaltung, die er seiner eigenen Geschichte angedeihen läßt, wendet er auch auf andere an. Er ist niemals voyeuristisch, was das Leiden seiner Mitmenschen angeht. So wird zum Beispiel eine mit ihm befreundete jüdische Familie auseinander gerissen: die Eltern werden zum Leben bestimmt, der kleine Junge wird für den Umschlagplatz, für die Züge nach Treblinka bestimmt. Wladyslaw Szpilman schreibt: Ich werde Ihnen nicht die Verzweiflung seiner Eltern schildern.
Eine Verzweiflung, die in den Tagen viele Eltern teilten.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Oktober 2004
Als ich den Film gesehen habe war ich sprachlos, als ich das Buch las aufgewühlt. Es ist kein Einzelschicksal,welches Szpilmann in den Jahren der Barbarei erlebt, aber es ist einschneidend und ergreifend. Etwas nüchtern und meines Erachtens mit Abstand geschrieben, beachtet man die Zeit in der es geschrieben wurde versteht man warum. Es ist ein verzweifeltes Niederschreiben von kürzlich erlebten. Ein verzweifelter Kampf um das Vergessen, ein Kampf um das nackte Überleben welches wir in unserer heilen Welt nicht nachvollziehen können, auch nicht möchten aber dennoch zu wenig darum wissen....und Unwissen macht vergessen.
U.Müller
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Februar 2010
Wladiszlaw Szpilman ist polnischer Jude. Er verdient sich als Pianist des polnischen Rundfunks seinen Lebensunterhalt. Gutgläubig wie er ist, macht er sich im September 1939 wenig Gedanken über seine Zukunft, als sich die Deutschen anschicken Polen zu überfallen. Glaubt er doch der polnischen Propaganda, alles unter Kontrolle zu haben. Ebenso gutgläubig hegt er dann auch keine Zweifel, als die Nationalsozialisten nach der Besetzung Polens, der einheimischen Bevölkerung und explizit auch den Juden, Sicherheit zu sichern. Schon bald erkennt er, wie verlässlich diese Zusicherungen sind. In Warschau beobachtet er auf offener Straße Polizeiaktionen, Verschleppungen und Morde an Unschuldigen. Als er sich, gemeinsam mit seinem Vater und seinen Bruder bei einem Freund verspätet und auf dem Heimweg während der Ausgangssperre von einer deutschen Polizeieinheit aufgegriffen wird, erwartet er nur noch erschossen zu werden. Doch er erfährt unerwartet Gnade. Wie er, sein Vater und sein Bruder ist auch der Polizeikommandant Musiker. Entgegen der eindeutigen Befehlslage der Nationalsozialisten, kommen Vater und Söhne frei. Hier beginnt Wladek Szpilmans "wunderbare Rettung" durch die Zeit der deutschen Besatzung in Polen. Wie ein roter Faden ziehen sich Rettungen aus schier aussichtslosen Situationen durch die Zeit der Besatzung. Mit Geschick, seinem Bekanntheitsgrad, den richtigen Kontakten sowie einem zuverlässigen Instinkt, überlebt der Pianist das Warschauer Ghetto und entgeht als einziger seiner Familie der Deportation nach Treblinka. Verwahrlost, hungernd aber nie ohne Hoffnung, verbringt er Jahre in konspirativen Unterkünften, Ruinen und nicht zuletzt in unmittelbarer Nähe der Wehrmacht. Seine Lebensenergie gewinnt er aus der sich ankündigenden Niederlage der Deutschen Wehrmacht und der Rettung durch alliierten Truppen. Als Szpilman nach Panzerbeschuss seinen Unterschlupf aufgeben muss, wird er auf der Suche nach einem neuen Versteck von einem Hauptmann der Wehrmacht aufgespürt. Alles scheint verloren. Das Wunder aber setzt sich fort'

Sicher gibt es bewegendere Schilderungen über Leid, Verfolgung und (Über)Leben im Dritten Reich. Szpilman hat dieses Buch noch "heiß" unmittelbar nach dem Krieg, geschrieben. Die Exaktheit seiner Schilderungen waren ihm wichtiger als deren Ausschmückung. Nackte Prosa und literarische Knappheit verstärken auf diese Weise die Authentizität des Erlebten.

Die im Anhang abgedruckten Tagebucheintragungen des deutschen Wehrmachthauptmanns Wilm Hosenfeld machen dieses Buch noch wertvoller. Hosenfeld versteckt Szpilman und versorgt ihn mit Lebensmitteln. In seinen Notizen zeigt er sich beschämt über die Verbrechen der Deutschen Wehrmachtsoldaten in Polen und die grundlose, bestialische Ermordung der Juden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Juli 2008
'Das wunderbare Überleben ' Warschauer Erinnerungen 1939-1945', auch erschienen unter dem Titel 'Der Pianist'.
Wladyslaw Szpilman ist ein aufstrebender junger Pianist im eleganten Warschau der 30er Jahre, als die Nazis einmarschieren.
Als Juden sind er und seine Familie schon bald dem Terror ausgesetzt. Sie müssen mehrfach umziehen, vom kleinen Ghetto ins große Ghetto und landen schließlich alle auf dem gefürchteten Umschlagplatz, von dem aus die Züge nach Treblinka fahren.
Seine Familie: Eltern, zwei Schwestern, ein Bruder, landen in den Waggons, er wird im letzten Augenblick von der jüdischen Polizei aus dem panischen Tumult gezogen.
Seine Familie sieht er nie wieder. Er ist jetzt ein Illegaler, muß sein Leben als Versteckter fristen.
Mehrere Monate, insgesamt Jahre, erlebt er in völliger Einsamkeit, ist oft monatelang ohne jegliche menschliche Ansprache, bekommt manchmal vierzehn Tage lang hintereinander nichts zu essen, muß von einem Versteck ins andere flüchten, sieht durch sein Fenster in einem abgebrannten Dachboden den Aufstand des Warschauer Ghettos und den Warschauer Aufstand, lebt schließlich ein einer vollkommen verlassenen, zerbombten und ausgebrannten Stadt, einer Geisterstadt, inmitten von Ruinen.
Schließlich wird er von einem deutschen Offizier, Wilm Hosenfeld, entdeckt, und dieser Offizier hilft ihm noch die letzten Wochen, bevor die Nazis sich zurückziehen müssen und selbst in russische Lager verbracht werden, mit Lebensmitteln und einem Mantel.
Nachdem ich zuerst den Film 'Der Pianist' von Roman Polanski gesehen habe, habe ich mir gleich im Anschluß dieses Buch gekauft.
Beide, sowohl der Film als auch dieses Buch, lohnen sich auf ihre Weise.
Polanskis Film ist wesentlich beklemmender und bedrückender als dieses Buch. Der Film ist streckenweise so grausam, daß er nicht für zarte Gemüter geeignet ist.
Während man bei den Nazi-Grausamkeiten im Film kaum hinschauen kann, werden sie im Buch eher beiläufig erwähnt.
Die schreckliche Szene zum Beispiel, bei der ein Nazi-Sadist Juden aus einer Reihe heraustreten läßt, ihnen befiehlt, sich mit dem Gesicht auf den Boden zu legen und ihnen dann in den Hinterkopf schießt, wird im Buch mit nur einem Satz erwähnt.
Viel stärker kommt in Szpilmans Buch die unglaubliche Einsamkeit heraus, die er als Versteckter und Verfolgter erlitten hat.
Er konnte niemandem trauen. Lebte anderthalb Jahre in einem Zimmer, bekam Gelbsucht vor Hunger, konnte manchmal nicht mehr aufstehen, weil er zu geschwächt war, sprach einmal nach vier Monaten das erste Mal wieder mit einem Menschen und erschrak über die eigene Stimme, wäre einige Male in der brennenden Stadt beinahe erstickt oder verbrannt.
Die Geschichte seines Überlebens ist wirklich eine wunderbare. Und fast so unglaublich, daß sie tatsächlich nach einer Verfilmung schrie. Die Anzahl der Glücksfälle, die ihn gerettet haben, ist kaum noch zählbar. Aber nicht nur Glück hat ihn gerettet, auch sein eiserner Überlebenswille.
Wladyslaw Szpilman ist 2000 mit 89 Jahren gestorben. Sein Buch erschien in Polen bereits unmittelbar nach dem Krieg (1946). 1998 erschien es erst in Deutschland. Der Film wurde 2001 gedreht.
Der Anhang des Buches enthält Tagebucheinträge des deutschen Offiziers Wilm Hosenfeld, der darin schon 1942 aufs Schärfste die Nazi-Methoden verurteilt und dessen Worte für sich sprechen.
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Es ist einerseits sehr spannend und andererseits sehr distanziert geschrieben, obwohl, oder weil, Wladyslaw Szpilman es direkt nach den Geschehnissen aufgezeichnet hat.
Die Zurückhaltung, die er seiner eigenen Geschichte angedeihen läßt, wendet er auch auf andere an. Er ist niemals voyeuristisch, was das Leiden seiner Mitmenschen angeht. So wird zum Beispiel eine mit ihm befreundete jüdische Familie auseinander gerissen: die Eltern werden zum Leben bestimmt, der kleine Junge wird für den Umschlagplatz, für die Züge nach Treblinka bestimmt. Wladyslaw Szpilman schreibt: Ich werde Ihnen nicht die Verzweiflung seiner Eltern schildern.
Eine Verzweiflung, die in den Tagen viele Eltern teilten.
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am 25. Februar 2013
Wladyslaw Szpilman, von allen Wladek genannt, erzählt in seinem biografischen Roman
von der Verfolgung und Vernichtung seiner ganzen Familie und seinen Kampf ums nackte Überleben.

Zu Beginn des Buches lebt Wladek bereits im Warschauer Ghetto,
und sieht sich und seinen Mitmenschen täglichen Qualen ausgesetzt.
Die Familie hält zusammen, so gut es geht, bis alle sich auf dem sogenannten
Umschlagplatz eizufinden haben, von dem aus der Abtransport in die Konzentrationslager
stattfindet.
Mit Hilfe kann Wladek fliehen, muss aber seine Famile zurücklassen.
Immer wieder trifft er auf Menschen, die ihm helfen wollen,
doch die Angst des Entdecktwerdens ist sein ständiger
Begleiter.
Er erfährt viel Leid und Schmerz, er wird krank und kann sich ohne
Hilfe kaum noch selbst versorgen - und wieder gibt es bekannte Seelen,
die sich aufopfernd um ihn kümmern.
Bis Wladek wieder auf sich allein gestellt ist - und er wird entdeckt...

Eine herzzerreißende Geschichte über einen wunderbaren Menschen,
der immer weiter kämpfte und nie aufgab und seine Ziele stets verfolgte.
Dieses Buch ist voller Liebe, Trauer und wortgewandter Dichtkunst.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 11. März 2010
Es gibt so viele Zeugen dessen, was den Juden angetan wurde. Hier berichtet ein jüdischer Pianist aus Warschau, wie er inmitten des untergehenden Warschauer Ghettos durch viele unglaubliche Zufälle sein Leben als einziger seiner gesamten Familie retten kann, zuletzt durch die selbstlose Mithilfe des deutschen Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld, der als einer der wenigen seiner Landsleute klar Partei ergreift gegen das durch die Deutschen begangene Unrecht. Die Ausschnitte seiner als Feldpost an die Seinen daheim gesandten und sehr regime-kritischen Tagebuch-Aufzeichnungen im Anschluß an Szpilmans Bericht sind ein wohltuendes Zeugnis der Kraft des Glaubens, der diesen Katholik viele weitere Menschen um Warschau retten ließ, bevor er selbst in einem russischen Kriegsgefangenenlager 1951 den Tod fand. - Ich finde dieses Buch sehr wichtig in einer Zeit der verblassenden Erinnerungen und aussterbenden direkten Zeitzeugen des Massenmordes an den Juden. (11.03.10)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. September 2012
Dieses ist ein typisches Buch,das man nicht aus der Hand legen kann,wenn man es erst einmal begonnen hat zu lesen.
Es ist sehr leicht verständlich und nachvollziehbar geschrieben.
Aber auffallend emotionslos.Wobei wir uns natürlich alle denken können warum.
Für mich war es nicht weiter schlimm,das der Autor so sachlich seine Geschichte erzählt,denn die Emotionen und das eigene Kopfschütteln und Buch kurz weglegen,um das gelesene zu verdauen bzw. darüber nachzudenken,das kommt von ganz allein.

Sehr interessant für mich war,über das Buch im Gegensatz zum Film mehr über Wladyzlaws Gedanken und Einstellungen zu den Dingen zu erfahren.
Den Film habe ich mir schon 2 Mal angesehen und jetzt erst das Buch dazu gelesen.Und es war wunderbar.Eine Ergänzung...die die Geschichte abrundet.

Eine persönliche Tragödie gepaart mit selbsterlebter höchst spannender Geschichte des 2. Weltkrieges.
So einige Untaten der Deutschen,die hier beschrieben wurden,kannte ich aus Dokumentationen oder Filmen noch nicht.
Während des lesens habe ich umso mehr genossen,das ich in meinem gemütlichen Bett liege,etwas leckeres knabbern kann,es warm habe und ich angstfrei und sicher bin.Das wurde mir ständig bewußt und das ist ein verdammt gutes Gefühl...
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