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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen epochale Sachbuchliteratur
"Nicht zuletzt Optimismus hat die Erde zu dem werden lassen, was sie heute ist: glanzvoll, elend und ' überfordert. Um das zu sehen, brauchen nur einmal die rosarot und grau gefärbten Brillen beiseitegelegt zu werden. Dann wird sichtbar, dass der Mensch ihr im Laufe seiner Geschichte schier unmögliches abgerungen und sie dabei an den Rand dessen gebracht...
Veröffentlicht am 7. April 2010 von sinnfrei.Blogger

versus
70 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fundierte Kritik an der Wachstumsideologie mit vielen blinden Flecken
Meinhard Miegel zieht eine pessimistische Bilanz des Zustands der Gesellschaft. Wachstum und Wohlstand, die Paradigmen unserer sozialen Marktwirtschaft, werden einer ausführlichen und kritischen Prüfung unterzogen. Er kommt zu dem Schluß, dass unser Wohlstand weit niedriger zu bewerten ist als gemein hin angenommen und dies gerade wegen unserer Fixiertheit...
Veröffentlicht am 10. Juni 2010 von flu


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70 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fundierte Kritik an der Wachstumsideologie mit vielen blinden Flecken, 10. Juni 2010
Meinhard Miegel zieht eine pessimistische Bilanz des Zustands der Gesellschaft. Wachstum und Wohlstand, die Paradigmen unserer sozialen Marktwirtschaft, werden einer ausführlichen und kritischen Prüfung unterzogen. Er kommt zu dem Schluß, dass unser Wohlstand weit niedriger zu bewerten ist als gemein hin angenommen und dies gerade wegen unserer Fixiertheit auf das ewige Wachstum. Das Wachstum hat durch die nicht mehr umkehrbare Zerstörung sämtlicher Arten von Ressourcen inzwischen einen negativen Einfluß auf unseren Wohlstand. Die Folgen führen unseren Staat geradewegs in den finanziellen Notstand. Meinhard Miegel rechnet mit dem unmittelbar bevorstehenden Crash unserer Umverteilungssysteme.

Nur durch eine Rückbesinnung auf Werte wie Handeln nach ethisches Grundsätzen, Übernahme von Verantwortung als Privatperson und zukünftig auch wieder als Familienverband kann der Verfall des Wohlstandes zwar nicht mehr umgekehrt aber doch zumindest gemildert werden. Der Verzicht aller Beteiligten auf sicher geglaubte Pfründe ist dabei unumgänglich.

So weit so gut und nachzulesen in vielen begeisterten Rezensionen hier bei Amazon. Warum aber nur drei Sterne? Das Buch macht keine gute Laune, was aber weniger am stark pessimistischen Grundtenor liegt, als vielmehr daran, dass zu viele wichtige Aspekte einfach ausgeblendet werden:

Der Sozialstaat wird in erster Linie als Kostenfaktor betrachtet, der jeden Bürger im Durchschnitt 9.000 Euro im Jahr kostet (S.201). Punkt. Kaum ein Wort davon, was mit diesem "Sozialaufwand" eigentlich gemeint ist. Kein Wort davon, dass zum Sozialstaat auch beispielsweise der medizinische Fortschritt gehört, der die Lebenserwartung mehr als verdoppelt hat und Krankheiten wie selbst Krebs sogar immer besser heilbar macht. Kein differenzierter Blick auf das Gesundheitssystem in dem es neben den Patienten auch Profiteure wie die Pharmaindustrie, einige wenige Ärzte oder die kassenärztlichen Vereinigungen gibt. Kein Wort darüber, was hier mehr Effizienz und eine Neuausrichtung auf den Nutzen für die Menschen als Patienten (und nicht nur als Gewerbetreibende) für Wohlstand und Wachstum erzeugen könnte.

Kein Wort über das Wachstum bei regenerativen Energien, welches durch höhere Energiekosten sicher nicht gebremst werden wird. Kein Wort über neue Werkstoffe, über neue Technologien, die die klassische Ressourcenabhängigkeit immer weiter entspannen werden. Keine posiven Aspekte beim Wachstum, die es aber zweifelsohne gibt.

Es ist keine zwingende Eigenschaft des Wachstums, dass es sich irgendwann in ein Wuchern verwandeln und schließlich in der Katastrophe enden muss. Wachstum kann sich positiv wandeln. Zum Problem wird Wachstum insbesondere dann, wenn es zu den Zwecken einiger weniger und zum Nachteil der Mehrheit betreiben wird. Das Gesundheitssytem als Teil des Sozialstaats ist ein exzellentes Beispiel dafür. Ein weiteres Beispiel ist die Globalisierung. Während der freie Handel in Europa den EU-Mitgliedern überwiegend nutzt, führt ein freier Welthandel in Afrika zu Terrorregimen, Ausbeutung und Unterdrückung. In einem Fall wird ein Wachstum im Interesse aller gefördert, im anderen die Katastrophe durch die gnadenlose Ausbeutung für die Interessen einiger weniger Individuen betrieben.

Noch so ein blinder Fleck: Meinhard Miegel nimmt die Wohlhabenden aus der Schusslinie. Wenn man ihr Vermögen auf die gesamte Weltbevölkerung aufteile, bleibe ein verschwindender Betrag für jeden einzelnen. Außerdem zeige die Krise gerade, dass das Eigentum der Wohlhabenden sinke. Folglich sei Reichtum kein Problem. Hier begeht er einen schweren volkswirtschaftlichen Denkfehler, denn die Guthaben der einen sind auch immer die Verpflichtungen der anderen. So funktionieren weltweit die Geldsysteme nun mal. Die Schulden hält Meinhard Miegel sehr wohl für ein Problem und zwar zurecht, noch dazu werden sie in der Krise nicht weniger.

Die Staatsschulden sind dabei noch nicht mal das Schlimmste, denn die Unternehmen in Deutschland sind mehr als doppelt so hoch verschuldet wie die öffentliche Hand. Die Zinsen zahlt der Privathaushalt. Seine eigenen sowieso, die des Staates über die Steuern und die der Unternehmen über die Verbraucherpreise, denn den Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als die Zinsenverpflichtungen in die Produktpreise mit einfließen zu lassen. Auch hier kann man einen Durchschnitt berechnen, den jeder Deutsche jedes Jahr an Zinsen zahlt: 9.500 Euro (Quelle: Helmut-Creutz.de). Das ist sogar mehr als uns der Sozialstaat nach der Logik von Meinhard Miegel kostet.

Natürlich bekommt der Privathaushalt auch Zinszahlungen für seine Ersparnisse und zwar hier ebenfalls: 9.500 Euro. Blöderweise sind diese Zinsen aber nicht sehr gleichmäßig verteilt. Wer bekommt schon 9.500 Euro Zinsen im Jahr? Tatsächlich sind 80% der Deutschen Nettozinszahler, 10% bekommen soviel wie sie zahlen und die verbleibenden 10% sind Nettoempfänger. Folglich wird durch die Verschuldung von den ärmsten 80% der Bevölkerung zu den reichsten 10% umverteilt. Tendenz steigend (Quelle: Helmut-Creutz.de). Man sollte sie nicht zu Alleinschuldigen erklären, aber man sollte die Wohlhabenden auch nicht pauschal von Kritik ausnehmen: Gerade hier findet besonders ungesundes und schädliches Wachstum statt. Schon in Deutschland sieht der Istzustand deprimierend aus. Mit welchem Superlativ man jetzt die Verhältnisse in einem Entwicklungsland beschreiben könnte, tja, da muss ich passen.

Diese dramatischen Zustände sind der Grund dafür, warum es mit Meinhard Miegels Appellen zu mehr Verantwortung und ethischem Handeln nicht getan sein wird. Schulden, Guthaben und Zinsen sind ein zentraler Bestandteil der weltweiten Währungssysteme. Sie sind ethisch anerkannt und werden von keinem vernünftigen und einflussreichen Menschen in Frage gestellt. Lediglich das Christentum kannte mal ein Zinsverbot und der Islam kennt es heute noch. In diesen beiden uralten Wertesystemen ist die Weisheit gespeichert, das jedes Geldsystem, in dem Zinsen eine zentrale Rolle spielten, der Menschheit früher oder später um die Ohren geflogen ist. Eine Rückbesinnung auf echte Werte wird im Kollaps und danach tröstlich sein. Rechtzeitiges und beherztes Eingreifen könnte aber auch die schnöden materiellen Werte retten und eine demokratischere Verteilung könnte vor Existenzängsten und nackter Angst ums Überleben schützen.

Also: Wohlstand und Wachstum zu hinterfragen sind ein guter Ansatz und das leistet Meinhard Miegels Buch in vorbildlicher Weise. Jedoch muss insbesondere der Wachstumsaspekt differenzierter betrachtet werden. Die Gründe für erstrebenswertes auf der einen und schädliches Wachstum auf der anderen Seite sind der Schlüssel. Die Menschheit in ihrer überwiegenden Mehrheit muss man nicht über Ethik und Verantwortung belehren. Mal ehrlich: Was werden gut gemeinte Appelle hier ausrichten? "Pflichtlektüre für Politiker!!!" (Jaja, is' scho' recht...)

Aber: Wie wär's den damit, den Menschen zur Abwechslung mal die Möglichkeit zur Übernahme von echter Verantwortung zu geben? Es gibt noch genügend Strukturen, die demokratisiert werden sprich in die Verantwortung aller überführt werden könnten: Unternehmen, Geldsysteme, Parteien, Staaten - alle die, die heute von entartetem Wachstum profitieren. Wohlgemerkt: Die Verantwortung muss sozialisiert werden, nicht in erster Linie die materiellen Werte. Mehr Verantwortung und weniger ohnmächtig im Hamsterrad kann auch ein Heilmittel für die "unmündige", "gedopte", "hilflose" und "überforderte Gesellschaft" sein. Hier wäre noch Potential für 300 Seiten gewesen - ein prima Thema für ein Denkwerk Zukunft.
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151 von 179 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Neoliberalismus pur!, 17. Mai 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich kann die durchweg positiven Bewertungen der anderen Rezensenten nur bedingt nachvollziehen. Die Kritiklosigkeit mit der dieses Werk bedacht wird, weckt beinahe schon den Verdacht, dass hier Freunde der FAZ oder der Springer WELT ein "objektives" Urteil abgaben.
Zunächst zum Positiven: das Buch liest sich gut und flüssig - die erste Hälfte des Buches würde ich sogar mit 4 Sternen bewerten. Hr. Miegel fasst schlüssig und kompakt zusammen, dass Wachstum inzwischen den Status einer Ideologie bekommen hat ... ja, es hat inzwischen im Kapitalismus (dieses "Unwort" vermeidet der Autor fast durchweg - er spricht hier vom "Westen" oder von den "frühindustrialisierten Ländern") Züge des "Metaphysisch-Religiösen" angenommen und bedarf als solche keiner rationalen Begründungen mehr.
Brilliant arbeitet der Autor heraus, dass es sich lohne, "der Frage nachzugehen, warum die Völker der frühindustrialisierten und zunehmend weiterer Länder so konseqent auf massenhaften Konsum ausgerichtet sind, selbst, wenn sie dadurch ihre Lebensgrundlagen beeinträchtigen oder sogar zerstören."
Im weiteren Verlauf des Buches, je mehr man gespannt auf den Punkt wartet, in dem der Autor eine Lösung aus dem Dilemma andeutet, wird allmählich klar, in welche Richtung dieses Buch gedacht ist:
"Künftig werden sich Eltern ihrem Nachwuchs auch dann fürsorglich zuwenden müssen, wenn Eltern- und Erziehungsgeld gekürzt werden; die gute Versorgung Pflegebedürftiger muss auch bei geringerem Pflegegeld gewährleistet bleiben; Erzieherinnen müssen die ihnen anvertrauten Kinder, Ärzte ihre Patienten auch ohne Einkommenserhöhungen optimal betreuen."
Andererseits:
"Anders ist die Lage eines Managers, der für eine Weile ein vorhandenes Unternehmen mehr oder minder erfolgreich führt. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll und muss angemessen honoriert werden." ...
Er verteilt Seitenhiebe auf das bedingungslose Grundeinkommen ebenso pauschal und unseriös (ja, "ideologisch" - obwohl er eingangs des Buches genau dieser Ideologie abzuschwören scheint) wie auf die gerechtere Umverteilung, wie es in Deutschland derzeit nur von den Linken angemahnt wird.
Es geht ihm darum - und darüber gibt es zum Ende des Buches keinerlei Zweifel mehr - dass die Arbeitenden mehr arbeiten und weniger dafür verlangen: mehrere Jobs sollen normal werden, das Arbeiten über das Alter von 67 Jahren ebenfalls ...
Während er auf der einen Seite gut erkennt, dass es andere Dinge sind, die die Menschen glücklich machen, als materieller Wohlstand und dabei auch die Schlüsselrolle der Bildung hervorhebt, schreibt er doch im gleichen Atemzug: "Gebildete sind doppelt reich. Nicht nur fällt es ihnen dank ihrer Bildung oft leichter als ungebildeten materielle Güter zu erwerben. Zusätzlich haben sie immaterielle Wohlstandsquellen, die ihrem Leben Sinn und Inhalt geben." Im gleichen Sinne sind die Ungebildeten natürlich doppelt arm. D.h. die "materiellen Güter" spielen für den Autor nach wie vor die tragende Rolle - und sind anstrebenswert. Eine grundlegende Wende im Wertesystem, wie sie die erste Hälfte des Buches zwingend nahelegt und weswegen ich mir das Buch überhaupt gekauft habe, kann ich nirgendwo erkennen - im Gegenteil: Es kann für ihn nicht angehen, dass, wie seiner Meinung nach derzeit in Deutschland praktiziert, immer mehr verarmende "Leistungsträger" den ihnen zustehenden Wohlstand den "Sozialschnorrern" in ihre sozialen Hängematten werfen ... Es ist teilweise ekelerregend die zweite Hälfte des Buches zu lesen.

Zusammenfassend muss ich sagen, so gut wie das Buch begann, so wütend hat es mich am Ende gemacht. Da der Autor auch Sprecher des neoliberalen Bürgerkonvents ist, betrachte ich das Buch nicht als "Ausrutscher" oder als unzureichend durchdacht, sondern ganz klar als ein Propaganda-Buch der Neoliberalen, wie es perfider kaum geschrieben werden kann.
Daher nur einen Stern von mir (Minuspunkte gibt es ja leider nicht).
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unterschlägt den eigentlichen Grund für den Wachstumszwang, 25. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Exit: Wohlstand ohne Wachstum (Taschenbuch)
Die Quintessenz des Buches ganz kurz zusammengefasst:
Die Menschen sind mit ihrem unstillbaren Verlangen nach Mehr Schuld am Wachstumszwang. Wo früher Vaterlandsliebe und Religion den Menschen einen Sinn gegeben haben, ist heute an deren Stelle die Götze der Wohlstandsmehrung getreten. Dies führt zu einem Raubbau an Resourcen, die schon bald erschöpft sein werden. Außerdem zerstört diese Art des Wirtschaftens unsere Lebensgrundlage. Infolge der knappen werdenden Rohstoffe werden in naher Zukunft die Preise steigen. Der gewohnte Lebensstandard läßt sich dann nicht mehr halten. Gewohnte abhängige Arbeitsverhältnisse werden seltener, stattdessen müssen sich die Menschen verstärkt selbst eine eigene Existenz aufbauen. Es wird auch ganz normal sein, mehrere Jobs zu haben, die sich immer mehr mit der Freizeit verzahnen. Außerdem wird man darüber nachdenken müssen, das Alter für den Eintritt in die Rente nach oben zu schieben.

Der Sozialstaat wird aufgrund knapper werdender Mittel seine Wohltätigkeiten zurückfahren. Die Menschen werden viele Leistungen unentgeltlich selbst erbringen müssen (z.B. in der Pflege, Kultur...). Auch werden freiwillige finanzielle Zuwendungen der Bürger unabdingbar sein, damit das gesellschaftliche Leben nicht zusammenbricht. Die damit verbundene höhere Eigenverantwortung wird uns dann als gestiegener Wohlstand verkauft.

Ok, wohin die Reise gehen soll, ist klar: Die Menschen sind selbst Schuld an der Misere und werden in Zukunft mehr und länger arbeiten müssen für weniger Lohn.

Ein dickes ABER von mir:
Sicher ist eigentlich jeder bemüht, seine wirtschaftliche Situation ständig zu verbessern, trägt so durch seine Nachfrage zum Wachstum bei. Ihm aber die Alleinschuld zuzuweisen, ist eine böswillige und unverschämte Verdrehung der Tatsachen. Wie sieht denn die Realität aus in den frühindustrialisierten Ländern?

Supermärkte und Warenhäuser sind vollgestopft mit Waren. Alles gibt es im Überfluß. An so gut wie keiner Ware herrscht irgendein Mangel (zumindest was die Angebotsseite betrifft). Dafür wird man aber zu beinahe jeder Zeit und an jedem Ort von Werbung belästigt. Jede Woche 5cm Prospekte als Zeitungsbeilage, 90% alle weltweit versandten Email sind angeblich Spam-Emails, also Werbung. Im Internet gibt es persönlich zugeschnittene Werbung. Die Programme von Funk und Fernsehen sind durchseucht von Werbung, die einen ganz erheblichen Anteil der Sendezeit ausmachen. Bei den privaten Fernsehanstalten ist dies bereits ein Viertel bis ein Drittel. Diese privaten Fernsehanstalten sowie milliardenschwere Internetgiganten, wie Google, Yahoo, Facebook können fast ausschließlich von Werbung leben. Firmen geben Milliarden aus, um herauszufinden, wie Werbung noch effektiver werden kann. Jede Bank, mit der ich einmal etwas zu tun hatte, schickt mir regelmäßig Kreditangebote z.B. für eine neue Küche, ein neues Auto oder eine Reise. Also für Konsum.

Auf die (vorläufige) Spitze wurde das vor 2008 in den USA getrieben, als sogar völlig Mittellosen ohne festes Einkommen Immobilien-Kredite ausgeschwatzt wurden. Als dann die Immobilienpreise zunächst weiter stiegen, traten die Banken an diese Leute heran und legten ihnen nahe, die durch die gestiegenen Immobilienwert höhere Absicherung zu nutzen, den Kredit auszuweiten, und das so "gewonnene" Geld für Konsum auszugeben. Das Ende ist bekannt.

Sieht so eine Wirtschaft aus, die von der Konsumentenseite getrieben wird? Wohl kaum. Der Wachstumszwang kommt eindeutig von der Angebotsseite, also von Herstellern und Händlern. Die Konsumenten sind dabei nur Erfüllungsgehilfen, die mit immer weiter steigendem Werbeaufwand dazu gebracht werden müssen, ihrer Pflicht zum Konsumieren nachzukommen. Nach dem Motto: "Konsumiert, stellt keine Fragen und denkt nicht nach".

Was aber treibt die Wirtschaft dann dazu an, immer weiter zu wachsen zu müssen, wenn es nicht so sehr die Konsumenten sind? Antworten darauf liefert das Buch natürlich nicht, da es ja nicht einmal diese Tatsache anerkennt.

Dabei ist die Antwort ganz einfach: Es ist Kapital und seine Eigenschaft, sich von alleine zu vermehren. Das tut es z.B. in Form von Zinsen, Dividenden, Investment-Geschäften usw. Diesem Wachstum sind von Geld-System her keine Grenzen gesetzt. D.h. Kapital fließt immer stärker dorthin, wo bereits Kapital ist. Je größer der Haufen, desto schneller fließt es nach. Das scheint alles völlig selbstverständlich, und kaum jemand fragt sich, wo das nachfließende Kapital überhaupt herkommt. Die Antwort ist ein wenig ernüchternd: Es muss von Fleißigen erwirtschaftet werden, die für ihr Geld noch arbeiten müssen.

Wenn jetzt die Rendite des Kapitals höher ist als die Wachstumsrate der Wirtschaft, bleibt aber für die Fleißigen immer weniger übrig. D.h. entweder sinkt deren materieller Wohlstand oder sie müssen mehr arbeiten - oder beides. Diesen Effekt spüren bereits heute immer mehr Menschen. Er führt schnurstracks zur Verelendung immer größerer Bevölkerungsteile.

Soll verhindert werden, dass es diesen Menschen immer schlechter geht, ist die Wirtschaft gezwungen, so stark zu wachsen, wie das Kapital rentiert.

Das ist nicht links, das ist nicht rot, das ist einfache Mathematik. Auf Youtube gibt ein paar erhellende Videos zu dem Thema, z.B. "Der Fehler in unserem Geldsystem - einfach erklärt", die Geschichte von Robert, der im Lotto den Jackpot gewonnen hat, und sich nun Gedanken macht, wo denn die Zinsen herkommen sollen, von denen er in Zukunft leben will.

Konsequenz: Wohlstand ohne Wachstumszwang kann auf lange Sicht überhaupt nur funktionieren, wenn Rendite auf Kapital abgeschafft wird. D.h. keine Zinsen auf Vermögen, auch keine Zinsen mehr für Kredit, keine Dividenden, keine Erträge mehr durch Investment-Geschäfte.

Das sich Kapital vermehrt, ist übrigens kein Naturgesetz, sondern wurde von Menschen so etabliert. Es gibt durchaus alternative Konzepte zum verzinsten Schuldgeldsystem, die keinen Wachstumszwang eingebaut haben und trotzdem Wohlstand für alle ermöglichen. Wie gut diese funktionieren, ist ungewiß. Gewiß ist aber, dass ein verzinstes Schuldgeldsystem, wie wir es haben, noch niemals länger als drei, vier Generationen überdauert hat, ohne einen Reset in Form von Währungsreform, Hyperinflation, Enteignungen oder Krieg.

Also sollte man über eine Alternative nachdenken dürfen.

Das Buch trägt also nicht viel zur Aufklärung bei, es nennt auch keinen echten Ausweg aus dem Wachstumszwang. Es scheint vielmehr, es will die Fleißigen schon mal auf die härteren Zeiten einstimmen, die auf sie zukommen werden. Der eigentliche Grund für den Wachstumszwang, das uferlose Anwachsen von Kapital in Händen immer weniger, wird nicht erwähnt, braucht also auch nicht gerechtfertigt oder gar in Frage gestellt zu werden. Somit trägt das Buch mit dazu bei, dass sich die Vermögenden dieser Welt noch ein paar weitere Jährchen über leistungsfreie Zuwächse freuen können, während die Fleißigen immer tiefer ins Elend getrieben werden. Das ist offensichtlich das Ziel dieses Buches.

Ich bin erstaunt, wie viele positive Bewertungen dieses Buch erhalten hat, und wie gering das Wissen um diese Zusammenhänge bei den Rezensenten ist.

Von mir gibt es für dieses Buch nur einen Stern.

Und dieser Meinhard Miegel ist auch noch Sachverständiger der Bundestags Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität".... Wundert Euch also nicht, wenn es nachher wirklich so kommt, wie in dem Buch beschrieben.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen epochale Sachbuchliteratur, 7. April 2010
"Nicht zuletzt Optimismus hat die Erde zu dem werden lassen, was sie heute ist: glanzvoll, elend und ' überfordert. Um das zu sehen, brauchen nur einmal die rosarot und grau gefärbten Brillen beiseitegelegt zu werden. Dann wird sichtbar, dass der Mensch ihr im Laufe seiner Geschichte schier unmögliches abgerungen und sie dabei an den Rand dessen gebracht hat, was sie zu geben vermag.'"
aus: Meinhard Miegel, EXIT: Wohlstand ohne Wachstum, Berlin 2010, S. 246

Der Wachstumswahn muss ein Ende finden, sonst sind die Folgen nicht zu fassen, jedenfalls werden sie, machen wir so weiter, die Menschheit, insbesondere die Armen in der sog. 'dritten Welt' an den Rand der Vernichtung führen.
So ließe sich das 247-seiten starke Manifest für eine moderne, entmaterialisierte Respiritualisierung als Form der modernen Askese, die gänzlich bereichernd wahrgenommen wird, zusammenfassen.
Miegel skizziert dabei die Geschichte und Mechanik der frühindustrialisierten Länder, vornehmlich in Europa und zeigt insbesondere mit kunstvollen und spannenden Zahlenspielen die Zerstörungskraft des momentanen Wirtschaftens. In einem zweiten Teil entwirft er dann eine Utopie, eine Vision, ein Konzept einer überlebensfähigen Gesellschaft. Diese sei darauf angewiesen aus der abhängigen Beschäftigung zu entkommen, bürgerliches Engagement besser immateriell zu honorieren und am wichtigsten, weniger und bewusster zu konsumieren.

Es mag bisweilen düster wirken, doch ist dieses bemerkenswerte Werk keine bloße kulturpessimistische Trittbrettfahrerei. Vielmehr liegt Miegel viel daran, wachzurütteln, aufzuzeigen; er will Denkanstöße geben, die interessant, ja notwendig sind. Dabei bedient er sich einer sehr gelungenen Form, dass die Sprache hierbei bisweilen ins Lakonische, ja fast schroff Wirkende abdriftet, erhöht eher die Lesefreude, als dass es den Eindruck schmälert. Die Argumentation ist schlüssig und in seiner schonungslosen Analytik beschämend für all diejenigen, die dem Konsum gänzlich unbedacht frönen, ohne ihr Handeln einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Der unheimliche, kaum fassbare Wahn der frühindustrialisierten Länder für immer mehr Wachstum diese unsere Erde auszubeuten, einen irreversiblen Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen fortzusetzen, nur um ihre gigantische und primitive Geldhonorierungsmaschinerie zu befeuern wird schonungslos enthüllt. Die Kurzsichtigkeit, die Miegel immer wieder feststellt, lässt den geneigten Leser erschaudern. Wie kann das nur sein, dass ein Großteil der frühindustrialisierten Gesellschaften nicht zu sehen scheint oder es nicht sehen will, wie dumm und entwürdigend sie nicht nur mit der Natur, sondern vor allem mit sich selbst umgehen?
Denn, und das bemerkt der Autor des öfteren, ist es nicht unfassbar, dass der Mensch, dieses hochentwickelte Lebewesen, das so ungeheure Möglichkeiten hat, sich mit bedrucktem Papier abspeisen lässt, dass Wachstumsraten und hohe Zahlen in Form des BIP ihn vollkommen seine natürlichen Begabungen vergessen lässt?
Das Zukunftsprogramm, das Miegel entwirft ist ebenfalls sehr schlüssig präsentiert, auch wenn er den enormen Aufwand, den ein solcher Paradigmenwechsel fordert, meiner Meinung nach zu stark vernachlässigt. Das diskreditiert das aufhellende Zukunftsbild als Papiertiger am Reißbrett.
Dennoch bleibt dieses Buch absolut lesenswert, es ist ein Muss für jeden, der gehaltvoll über Tag und Teller hinausgehend über Nachhaltigkeit und soziale Zukunft reden will.
Eindrucksvoll: Der Autor gerät nicht in eine Polemik, er bleibt ausgewogen und sachlich und gerade dadurch demaskiert er vor allem die Regierungspolitik als reaktionär. Ganz sachlich ohne auswendig gelernte Phrasen.
Ein bedeutendes Plädoyer für einen Schlussstrich unter die Ex-und-Hopp-Mentalität, das 'we-were-born-to-shop'-Dogma.
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68 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswert, 8. März 2010
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für mich ein außergewöhnliches Buch. Kaum eine Facette der In-Einflussnahme auf jede erdenkbare Lebenslage die hier nicht beleuchtet wurde. Zudem erschließt sich dem Leser eine Klarheit der Problematik, die zwar jedem irgendwie bewusst ist, deren Bedeutung und Tragweite unterschätzt und vor allem nicht öffentlich, in der notwendigen Deutlichkeit diskutiert wird.

Es wäre ein Gebot der Stunde, dass Politiker aller Couleur endlich die Wahrheit ins Volk bringen und nicht blanke Polemik und Verschleierungstaktik zugunsten der eigenen Partei betreiben.

Herr Miegel stärkt mich durch die in diesem Buch behandelter Themen in der Hoffnung, dass sich erst durch Änderung unseres Wertesystems, ein grundlegender Wechsel möglich werden wird. Ich schreibe "wird", da es keine Option zu der Entwicklung gibt, sie wird schlicht und ergreifend eintreten. Somit also kein Grund sämtliche Erscheinungen rund um das Thema Wirtschaftskrise rein negativ zu belegen.
Dieses Buch verstehe ich zunächst als Kritik am Wertesystem der Gesellschaft und danach als Kritik an der betriebenen Politik des Verschweigens. In diesem Rahmen bleibt zu erwähnen, dass nach Ende des zweiten Weltkriegs für Deutschland/Österreich eine neue Kultur gefunden werden musste, die Maximierung des Wohlstands zu Gunsten des wirtschaftlichen Wachstums und zu Lasten des menschlichen Wertesystems - sie viel auf fruchtbaren Boden.
Grundlegende oder bedeutungsvolle Aussagen werden meist im großen, keinesfalls zu kurz geratenen Anhang durch Quellenangaben o.ä. belegt.
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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Du suchst eine neue Welt-/Werteordnung ..., 18. März 2010
... dann lese dieses Buch. Miegel hat immer schon Augen geöffnet (denen, die Unbequemes an sich ranlassen wollen), diese ist der absolute Höhepunkt. Ich teile das Buch in 3 Teile:
1. Mit gnadenlosen Fakten (die in der ersten Hälfte des Buches durchaus erschlagen)seziert er zunächst das Konzept der Wachstumsgesellschaft und seiner dahinter stehenden Wertesystematik. Er betrachtet die Kernaussage "die Weltresourcen sind begrenzt" aus immer wieder neuen Blickwinkeln. Er verdeutlicht an zahllosen Beispielen - gerade auch mit Bezug auf jüngste Ereignisse - das schizophrene Verhalten der Menschen, dass dem des saufenden, hurenden, rauchenden, fressenden Lebemanns ähnelt, der - aberwitzig realitätsfern - immer glaubt, es gehe schon gut aus.
2. Er zeigt viele Wertealternativen und deren Umsetzungs auf - damit dürfte er vielen Leistungsträger der Gesellschaft aus der Seele sprechen (ich habe mich immer wieder gefreut, dass viele meiner Gedanken in diesem Buch adressiert wurden).
3. Anregungen für eigenes Verhalten: nach Lesen des Buches fällt es mir nicht schwer, den geplanten Neukauf eines Fernsehers nicht zu tätitgen, mich im lokalen Umfeld menschlich zu engagieren.
Ich werde dieses Buch mindestens 10 anderen empfehlen ...
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als Aufklärung, 16. März 2010
Für mich ist dieses Buch mehr als bemerkenswert.

Es sollte für jede politische Debatte als Messkriterium heran gezogen werden. Vermutlich würden diese Debatten dann schlicht nicht mehr stattfinden.

Aber neben seiner aufklärenden Qualität ist dieses Werk für mich ein sehr einfühlsames Plädoyer für unseren geschundenen Planeten, das mich wirklich berührt hat. Herr Professor Miegel zeigt durch seine Worte, dass er nicht nur ein großartiger Soziologe, sondern vor Allem ein Mensch ist, in dessen Brust ein großes Herz schlägt.

Und dieses Buch macht einmal mehr klar, dass es nicht die Politik ist, die Veränderungen herbeiführen muss - dass sie das nicht kann, zeigt sie jeden Tag - sondern jeder einzelne, allen voran ich.

Also mehr als empfehlenswert!
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50 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nein, ich finde dieses Buch nicht gelungen, 3. Juni 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nein, ich finde dieses Buch nicht gelungen. Ich habe es mir aufgrund positiver Pressemitteilungen gekauft und schnell gelesen und es hat mich schnell enttäuscht. Warum?
Meinhard Miegel haut dem Leser auf den ersten 140 Seiten Fakten um die Ohren, dass es nur so kracht. Zwei Quellenangaben pro Seite sind der Durchschnitt und der Autor hämmert einem eine Zahl nach der anderen hinein - ich kann mir das zum einen nicht merken und zum anderen würde ich einen guten inhaltlichen Plot bevorzugen. Der Autor spricht dabei den Leser wie ein etwas unerzogenes, vielleicht pubertierendes Kind an, schon mit dem Intellekt gesegnet die Standpauke analytisch zu verarbeiten, aber eben noch etwas unreif und noch nicht mit der Fähigkeit gesegnet, die langfristigen Folgen seines Tuns einzuschätzen. Das mag zwar in vielen Fällen stimmen, aber in dieser unheimlichen Verdichtung aller Schieflagen dieser Welt auf ein paar dutzend Seiten hinterläßt es doch etwas den Eindruck einer Standpauke vor unmündigen Kindern. Etwas mehr Demut und die Erkenntnis, genauso in diesem System verwoben zu sein wie der Leser und genausoviele Tonnen CO2 selbst hinausgeblasen zu haben in 3 Jahrzehnten Institutsleiterlebens, würde dem Stil des Werkens eigentlich gut bekommen.
Inhaltlich stimme ich Miegel in vielen seiner Thesen zu - in einer jedoch definitiv nicht. Miegel leitet die Unmöglichkeit eines weiteren Wachstums unter anderem aus der Endlichkeit der Ressourcen dieser Erde ab und der historischen Ausbeutung aller Schätze, die sich jetzt eben zu Ende neigen und daher muss sich auch das Wachstum verlangsamen. Das ist Club of Rome aus den 70ern und da sind wir heute einfach weiter, das ist nicht state of the Art der wissenschaftlichen Diskussion. Die Herausforderung vor der wir stehen ist ja gerade die Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch und wie das gehen kann zeigt uns v.Weizsäcker in seinem lesenswerten Buch Faktor5.
Was mir wirklich fehlt ist ein mutiger, vielleicht radikaler, frischer Lösungsvorschlag. Ich lese mich doch nicht durch dutzende Seiten Fakten einer epochalen globalen apokalyptischen Problembeschreibung, um dann keine tragfähige Lösung präsentiert zu bekommen. Das hat mich etwas enttäuscht ehrlichgesagt. Was ist denn mit den Herausforderungen, in den nächsten 40 Jahren auf einen 90% Anteil regenerativer Energien zu kommen? Was ist mit der Verdopplung der Autos von 900 Mio heute auf 1.8 Mrd in 20 Jahren. Ist da nicht Wachstumspotenzial im faktor5schen Sinne drin?. Müssen wir nicht jedes Gebäude in Deutschland in den nächsten 30 Jahren energetisch sanieren? Nein - ich glaube, dass 1 oder 2, in manchem Jahr vielleicht 3% Wachstum langfristig locker drin sein werden, wenn wir uns von der Idee lösen, dass das weiterhin mit einem steigenden Ressourcenverbrauch einhergeht. Das Buch hinterläßt den Leser etwas ratlos mit ein paar flauen Tips, wie wir uns dran gewöhnen werden, künftig mit weniger auszukommen. Ja mei - das ist mir zu wenig.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum mehr Wachstum unseren Wohlstand nicht "mehrt, sondern verzehrt", 16. März 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Vielleicht wird man in zehn oder zwanzig Jahren dieses Buch des Wissenschaftlers, Publizisten und Beraters Meinhard Miegel einmal als den Beginn einer Debatte und Entwicklung bezeichnen, die eine Wende herbeigeführt hat, eine dringend notwendige Wende von einem alten zu einem neuen Denkschema und gesellschaftlichen Paradigma.

Lange Zeit galt die Gleichsetzung von Wachstum und Wohlstand als die Garantie für die bestmögliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Sie wurde geradezu wie ein Glaubenssatz gehandelt und wer diesen in Frage stellte, wie etwa einige Wissenschaftler schon in den siebziger Jahren im Zuge der beginnenden ökologischen Debatte, war bald ausgegrenzt.
Doch die Situation des Planeten, der Klimawandel und die Finanzkrise haben die alten Glaubenssätze dermaßen erschüttert, dass bis in die bisherigen Kreise der Wachstumsideologen hinein begonnen wird, von einer Entwicklungsstrategie unserer Gesellschaft zu sprechen, die einen qualitativen Wohlstand ohne Wachstum verspricht.

Meinhard Miegel, einer der renommiertesten Sozialwissenschaftler unseres Landes, zeigt in diesem Buch die "Exit" - Strategien auf, nachdem er überzeugend beschrieben hat, warum mehr Wachstum unseren Wohlstand nicht "mehrt, sondern verzehrt". Ein gesamtgesellschaftlicher Bewusstseinswandel ist notwendig, auf den sich aber auch der einzelne Bürger schon langsam einstellen kann.

Je eher die Individuen in ihrem eigenen Lebensumfeld und Alltag der Qualität vor der Quantität den Vorzug geben, je eher sie sich nicht nur abfinden mit einer nötigen Entwicklung, sondern sie selbst mit gestallten über ihre Arbeit, ihren Konsum und ihr Freizeitverhalten, desto schneller wird sich ein dringend nötiger Paradigmenwechsel auch von unten durchsetzen und nicht nur durch ebenso nötige politische Entscheidungen von oben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Rechnung ohne Wirt, 13. Februar 2014
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Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Exit: Wohlstand ohne Wachstum (Taschenbuch)
Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Dieses Sprichwort kennt wohl jeder, jedoch ziehen die wenigsten daraus die notwendigen Konsequenzen. Die explosionsartige Zunahme von Brot und anderen Gütern hat dieses Wissen nicht selten verschüttet. Meinhard Miegel stellt die These auf, daß Wohlstand auch ohne Wachstum möglich ist. In Zeiten der Wirtschaftskrise klingt der Gedanke interessant genug, allgemeines Interesse zu wecken. Woher rührt der „Wachstumswahn“? Den Grund sieht der Autor sicherlich zu recht an den – im Vergleich zu vergangenen Zeiten bzw. anderen Regionen der Erde – überhohen materiellen Bedürfnissen. Braucht man wirklich Flugreisen in exotische Gegenden der Welt, um sich im Urlaub zu erholen? Ist es tatsächlich notwendig, alle zwei Jahre eine neues TV-Gerät, ein Mobiltelefon, einen Computer zu kaufen, nur um immer auf dem aktuellen Stand des technologischen Fortschritts zu sein? Sicher, da ist dem Autor zuzustimmen, weniger wäre mehr, nur hapert es mit der Umsetzung von Miegels Ideen an der entscheidenden Stelle, nämlich beim Menschen, der sich und seinen Wohlstand an dem mißt, was er sich für Geld kaufen kann. Wozu denn der Streit um Hartz IV, warum der alljährliche Reigen um Lohnerhöhungen, wieso die Sorgen von Arbeitnehmern, von ihrer zukünftigen Rente nicht mehr leben zu können? Und selbst wenn wir alle unsere Ansprüche herunterschraubten und auch tatsächlich mit weniger glücklicher wären, was sagen wir den Armen, die unseren Wohlstand sehen und ebenso leben wollen? Letztlich übersieht Miegel eines: Die Probleme der Welt – Bevölkerungsexplosion, Ressourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, Klimaveränderung – können wir (wenn überhaupt) nur mit einem enormen Aufwand an Geld in den Griff bekommen. Dieses Geld muß erwirtschaftet werden, denn darauf zu hoffen, daß die Reichen freiwillig ihrer "Verarmung" zustimmen, ist naiv. Deshalb brauchen wir Wachstum. Mit einem Umdenken der Menschen allein ist es nicht getan.
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Exit: Wohlstand ohne Wachstum
Exit: Wohlstand ohne Wachstum von Meinhard Miegel (Taschenbuch - 10. Juni 2011)
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