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Schweigen tut weh: Eine deutsche Familiengeschichte
Format: TaschenbuchÄndern
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90 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. April 2007
Alexandra Senfft beschreibt die Lebensgeschichte ihrer 1933 geborenen Mutter Erika. Das prägende Ereignis in deren Jugend war die Hinrichtung des Vaters Hanns Ludin im Jahr 1947. Er war während des Kriegs Vertreter der Naziregierung in der Slowakai und wurde wegen seiner Beteiligung an der Deportation von 70.000 Juden verurteilt. Die in der Familie verdrängte Schuldfrage ist für die Autorin Dreh- und Angelpunkt für die spätere Entwicklung und die Probleme ihrer Mutter. Erika ist eine intelligente, vielschichtige und widersprüchliche Frau. Nach der durch die Kriegsereignisse wechselvollen Jugend wird sie mit viel Energie und glücklichen Umständen zu einem geachteten Mitglied der bürgerlich-linksintellektuellen Kreise in Hamburg. Sie durchlebt aber auch schreckliche Niederlagen wie ihre gescheiterte Ehe, problematische Beziehungen und schließlich Alkoholsucht, bis sie 1997 an den tragischen Folgen eines Unfalls stirbt. Zeit ihres Lebens reibt sich Erika an ihrer Mutter Erla, die unumstößlich das positive Bild ihres Mannes als "guter Nazis" aufrecht hält.

Angesichts der komplizierten Persönlichkeit und der Schicksalsschläge, die Erika durchlebt hat, ist für mich letztlich nicht nachvollziehbar, ob das grausame Ende des Vaters tatsächlich so eine zentrale Bedeutung hatte. Das Thema des Buches betrifft aber hautnah alle nach dem Krieg Geborenen, die mit der Frage konfrontiert sind, wie die Eltern und Großeltern sich während der Nazizeit verhalten haben. Hanns Ludin war ohne Zweifel schuldig, aber er war weder einer der führenden Verantwortlichen des Regimes, noch hat er sich persönlich die Hände mit Blut befleckt. Viele andere, die ähnlich große Verantwortung hatten, sind später ungeschoren davon gekommen. So gesehen hatte Ludin Pech gehabt. Sein gewaltsamer Tod hat seinen Angehörigen und Nachkommen das Verschweigen und Verdrängen nicht so leicht gemacht wie anderen Familien. Das Buch kann viele anregen, sich kritisch mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Fasziniert hat mich insbesondere die lebendige und präzise Schilderung des Milieus und der Lebensumstände in der Nachkriegszeit. Aus heutiger Sicht wirken diese Jahre stockkonservativ, bieder und langweilig. Hinter der bürgerlichen Fassade gibt es aber zumindest in den Intellektuellen-Kreisen, in denen sich Erika bewegt, radikale Brüche mit den Lebensgewohnheiten der Vergangenheit, persönliche Befreiungsschläge, sexuelle Freizügigkeit und Alkohol- und Zigarettenorgien. Ich kann sehr gut die Feststellung der Autorin nachvollziehen, wie normal unser eigenes Familienleben doch heute verläuft verglichen mit dieser wilden Vergangenheit.

Ein interessanter Aspekt ist auch, dass sich Erikas Leben aus einer Vielzahl von Briefen, aus denen die Autorin zitiert, dokumentiert ist. Fast täglich gingen diese Briefe zwischen den Familienmitgliedern hin und her. Eine Biographie über ein Mitglied unserer heutigen Generation dürfte sehr viel schwerer sein, da angesichts von Telefon und Internet es kaum so viele schriftliche Zeugnisse geben wird. Die Autorin schreibt so, als sei sie immer dabei gewesen und kenne die innersten Gedanken ihrer Hauptpersonen. Das macht das Buch lebendig, für mich aber manchmal zu wenig distanziert. Das ist Geschmacksache. In jedem Fall ist es eine ungeheuer anregende Lektüre.
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44 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Oktober 2007
Dieses Buch hat mich auf ganz besondere und sehr nachhaltige Weise berührt. Die Autorin wurde mir während des Lesens beinahe zur Freundin und obwohl ich etwas jünger bin als sie und (nach allem, was ich weiß) keine Großeltern mit aktiver Nazi-Vergangenheit hatte, entstand bei mir dennoch das Gefühl, als könnte ich die meisten ihrer Schilderungen persönlich nachvollziehen. Dies mag zum einen an ihrem versierten Schreibstil liegen, aber sicher auch, und das ist aus meiner Sicht sehr viel entscheidender, ihrer authentischen Art, sich mit ihrer Familiengeschichte inkl. der für sie persönlich daraus resultierenden Verletzlichkeit, Dünnhäutigkeit und Verzweiflung (bis hin zur Autoaggression) genauso wie der daraus gewachsenen Stärke sowie dem Mut, dieses Buch zu schreiben, auseinanderzusetzen.
"Schweigen tut weh" kann uns allen dabei helfen, wertvolle Aufklärung in Bezug auf die oftmals brutalen Konsequenzen des Schweigens zu kriegerischen oder auch anderen schwerwiegenden Handlungen auf die (vermeintlich nur) indirekt Betroffenen, v.a. die Kinder und Kindeskinder der Handelnden, zu leisten.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. August 2012
Auch mich hat das Buch sehr angerührt. Von dem Großvater der Autorin, Hanns Ludin, hatte ich bereits Reportagen gesehen - ebenso hatte ich die Dokumentation ihres Onkels, Malte Ludin, im Fernsehen gesehen. Schon damals dachte ich: wie mutig, sich dem Familienthema "Schuld" des Dritten Reiches zu nähern. Als Enkelin von Hanns Ludin zurrt die Autorin das Thema aus Sicht und Leben der Frauen der Familie auf, hier besonders ihrer Großmutter, die mit sechs Kindern nach dem Tod ihres Mannes das dann kommende Leben wuppen musste. Eines der sechs Kinder, Erika, die Älteste der Familie und gleichzeitig Mutter der Autorin, steht im Vordergrund. Alexandra Senfft schildert dank zahlreicher Briefe aus dem Fundus ihrer Mutter lebendig und detailliert das Leben dieser Frau. Die Autorin verschweigt nichts, sie öffnet sich mutig allen Geschehnissen, stellt zwischendurch Fragen, die sie nicht mehr beantwortet bekommt. Zum einen ist das Buch für mich wieder ein Zeugnis, dass alle Menschen ihre eigene Wahrnehmung und eigene Wahrheit in sich haben; zum anderen schildert es detailliert, wie in dieser Familie das Leben in der so genannten Nachkriegszeit verlaufen ist.
Es wird in dieser Familie nicht über das Wesentliche gesprochen! Man ist froh, dass Erika hormonelle Probleme hat. Denn Erika ist "anders". Niemand steht Erika zur Seite, als sie immerzu von Hunger geplagt wird und dank zusätzlicher Essenspakete von Muttern diesen stillen kann, aber gleichzeitig natürlich immer dicker wird (zu dieser Zeit hält sie sich in einem Internat auf). Wie viel Schutz hat dieses damals junge Mädchen bereits in ihrer Teenagerzeit benötigt und niemanden gehabt, der sie verstand??? Letztlich zieht sich diese Schutzlosigkeit, das Unverständnis in der Familie gegenüber Erika, durch ihr Leben. Spätere Therapien bringen nicht mehr den erhofften und gewünschten Erfolg.
Nicht über das Wesentliche sprechen! Das hat mich an diesem Buch besonders angerührt und auch betroffen gemacht. Und die Autorin macht Mut, achtsam und aufmerksam zu werden, zu sein, zu bleiben, im "Kleinen", also in der Familie. Und sie ermutigt auch, mögliche "Familiengeheimnisse" gleich welcher Art zu thematisieren. Denn dazu gehört Mut. Denn im Zweifel verspielt man den Halt und Zusammenhalt (und deren Liebe) genau dieser Ursprungsfamilie, die ihre eigenen Regeln irgendwann einmal aufgestellt hat. Und ein weiteres Fazit für mich aus diesem Buch: Erst über wirklich erlebte Trauer kann auch Trauer für und um andere entstehen. Wenn nur der Kopf beteiligt ist, dann reicht das nicht aus. Wissen ist das eine - fühlen und nachfühlen und mitfühlen und zeitweilig damit vielleicht auch den Boden unter den Füßen, den eigenen Halt, nicht mehr zu spüren, das andere. Und auch wenn ich mich wiederhole: dazu braucht es Mut. Wir Menschen sollten mutiger werden.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. November 2010
Alexandra Senffts Buch "Schweigen tut weh" beschreibt den Umgang einer Familie, zu welcher die Autorin selbst gehört, mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Großvaters. Sie arbeitet die Verdrängungen Ihrer Mutter und Großmutter auf und beschreibt Ihren eigenen Umgang damit, sowie Ihre Jungendzeit auf dem Internat Salem. Das Buch ist atemberaubend und sehr einbindend geschrieben und entführt, vor allem durch die genauen Beschreibungen von Orten und Situationen, nahezu in die Vergangenheit.
Es ist sehr an all diejenigen zu empfehlen, welche sich mit der Verarbeitung von Nationalsozialismus innerhalb von Familien beschäftigen wollen und realistische Einblicke in Verdrängung und Emotionen erwarten, denn diese sind hier wunderbar nachzuvollziehen.
Im Großen und Ganzen ein sehr gut gelungenes Buch, über jene Zeit, die mit den gehenden Generationen allmählich zu verschwinden droht.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Februar 2011
Das Buch gibt wertvolle Hinweise und Rückschlüsse für unsere Zeit und die Menschen, die mit dem Schicksal des Krieges - in der einen oder der anderen Form - zu tun hatten. Die feinsinnige und sensible Art der Autorin auf die Personen ihrer Familie einzugehen, weckt sanft die Eigenschaft ebenfalls umsichtiger mit Bewertungen und Beurteilungen umzugehen. Mich hat das Buch an vielen Stellen nachdenklich und sensibler gemacht. Auch bietet das Buch weitergehende Literatur an, für diejenigen denen es auch darum geht, zu kommunizieren und nicht zu schweigen.
Ein wertvolles, lesenswertes Buch, das nicht immer einfach ist, da es einiges abverlangt, u.a. Depressionsresistenz.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Juli 2013
Die Aufarbeitung der Person H. Ludin und seiner Verbrechen, die er während der NS-Zeit begangen hat, ist eine sehr schwierige und belastende Arbeit. Die Enkelin hat sich dieser Aufgabe gestellt und sie bravourös zu Papier gebracht. Sie hat es verstanden, dem Leser die Belastungen und Traumatisierungen der Familienmitlglieder bis in die Enkelgeneration intensiv nahe zu bringen.
Nach wie vor ein schweres Thema und leider haben sich zu viele Betroffene bis heute geweigert, ihre Geschichten aufzuarbeiten.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. März 2015
Schweigen tut weh.... Wichtiges Buch, gerne gelesen, zu empfehlen.
Schweigen tut weh.... Wichtiges Buch, gerne gelesen, zu empfehlen.
Schweigen tut weh.... Wichtiges Buch, gerne gelesen, zu empfehlen.
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0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Januar 2012
Heftig, traurig, brutal und doch ehrlich... Gewiss kein Buch für das "zu Bett gehen" aber ein Buch, welches man sich zu Herzen nehmen und Lesen sollte.
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1 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. März 2014
Kann keinen Roman schreiben. Zumutung, einen Roman zu schreiben. Will keinen Roman schreiben. Werde keinen Roman schreiben. Es muss genügen, dass ich zufrieden bin.
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