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117 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein autobiographischer Erfahrungsbericht
Joan Didion ist noch nicht sehr vielen Lesern bekannt, doch da dieses Buch eine riesige Erfolgsgeschichte hinter sich hat, wird es für sie der Durchbruch im deutschsprachigen Raum sein. Die Autorin ist unter anderem Mitherausgeberin der „Vogue“ und hat große Reportagen geschrieben. Dies Buch ist ein autobiographischer Erfahrungsbericht; er...
Veröffentlicht am 3. Dezember 2006 von Carl-heinrich Bock

versus
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen anstrengend und intellektuell
Ich hatte mich von den positiven Bewertungen verleiten lassen die individuelle und eindrucksvolle Auseinandersetzung mit dem Trauern um den geliebten Ehemann zu lesen.

Anlass war für mich meine eigenen Vor- und Rückschritte und das Erleben der langdauernden Trauer zu reflektieren (Tod meines Vaters).
Natürlich ist jedes Trauern individuell...
Veröffentlicht am 19. Oktober 2011 von Astrid_Hannover


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117 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein autobiographischer Erfahrungsbericht, 3. Dezember 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Joan Didion ist noch nicht sehr vielen Lesern bekannt, doch da dieses Buch eine riesige Erfolgsgeschichte hinter sich hat, wird es für sie der Durchbruch im deutschsprachigen Raum sein. Die Autorin ist unter anderem Mitherausgeberin der „Vogue“ und hat große Reportagen geschrieben. Dies Buch ist ein autobiographischer Erfahrungsbericht; er beschreibt ein Jahr, „Das Jahr des magischen Denkens“ und das ist das Jahr, das mit dem Tod ihres Ehemannes John Dunne beginnt. Er stirbt am Abend des 30. Dezember 2003 ganz unvermittelt am Esstisch an einem Herzstillstand, in einer absolut prekären Situation, denn gleichzeitig kämpft ihre einzige Tochter Quintana auf der Intensivstation eines New Yorker Krankenhauses um ihr Leben. Das Ehepaar kommt eigentlich gerade aus dem Krankenhaus zurück, der Mann setzt sich hin und stirbt.

Und nun schreibt Joan Didion was das alles in ihr ausgelöst hat. Wir erleben nun, wie diese hoch intelligente, äußerst analytische Frau, eine „amerikanische Intellektuelle reinsten Wassers“, völlig die Kontrolle verloren hat, über das was ihr widerfahren ist. Sie steht unter Schock, versucht alles aufzuarbeiten, sieht die Krankenberichte durch, schreibt in welche Abgründe sie fällt, was das Verlassen in ihr alles auslöst. Und obwohl sie dabei eigentlich ständig über Gefühle, Empfindlichkeiten und Seelenregung redet, hat sie doch keine „Stimme des Herzens“. Sie versucht das alles in einer ganz analytischen Art und Weise zu tun, versucht die technokratisch optimale Lösung zu finden. Eine Steigerung erfährt das ganze dadurch, weil im „Jahr des Magischen Denkens“ der Gesundheitszustand der Tochter immer schlechter wird, sie schließlich auch stirbt. Und man merkt die ganze Zeit aus welchem ungeheueren Leid sie so verfährt, wie intelligent und kühl dieses Buch doch letztlich ist, denn sie versucht auch im Scheitern noch die Kontrolle zu bewahren.

Was ist eigentlich das Geheimnis dieses Textes, der gleichzeitig verschiedenste Menschen, ohne jeglichen negativen Einwand so berührt hat? Es ist einerseits ein Trauerbuch, denn Joan Didion hat einen geliebten Menschen verloren. Das Geheimnis liegt darin, dass wir es hier zu tun haben mit einer Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von Gefühlswallung und Reflexion, also von Empfindung und Analyse. Es ist diese Mischung die so fasziniert. Auf der einen Seite, versucht sie die Trauer zu rationalisieren, also auch einen gewissen Sinn darin zu finden und den Verstand zu bemühen, mit der Trauer umzugehen. Wir haben eine Analytikerin Joan Didion, die die trauernde Joan Didion analysiert. Sie ist beides, Betroffene und Expertin, und bleibt dabei, obwohl es wahnsinnig intim ist, immer auf Distanz.

Es ist aber nicht nur ein Buch über die Trauer, sondern es ist auch ein großes Buch über die Ehe und die Liebe. Sie waren das amerikanische Glamourpaar, das wirklich vierzig Jahre glücklich miteinander lebte. Beide haben geschrieben und jeder war der erste Leser des anderen. Sie haben alles gemeinsam miteinander gemacht, haben viel geredet. Einmal heißt es: „ Das Haus war immer erfüllt vom Klang unserer Stimmen“. Wenn sie ihre Ehe beschreibt, dann erfüllt das die wagemutigsten Vorstellungen einer symbiotischen Liebesbeziehung.

Und darüber hinaus hat das Buch vielleicht auch den Charakter eines kulturgeschichtlichen Dokuments, über die westliche Art der Trauer. Denn diese Frauenfigur trauert allein, zurückgezogen, isoliert, halb krank, oft depressiv, immer in der Nähe zum Pathologischen. Es ist ein „versatzstückartiges Überleben“. Man fragt sich, wie viel Kälte müssen wir haben, um überleben zu können? Da kommen dem Leser Gegenbilder von anderen Trauerkulturen ins Gedächtnis, nämlich Klageweiber, offene Särge, schreiende Menschen, also laute und öffentliche Trauer. An einer Stelle des Buches führt die Autorin Gedankengänge von Emily Post an. Diese Autorin hat noch in einer Zeit geschrieben, in der die Trauer nicht versteckt wurde. Joan Didion zeigt auf, wie wir den Tod tabuisiert haben, wie wir ihn aus unserer Gesellschaft herauskatapultiert haben, aus unseren Familien herausgenommen haben, es andern Institutionen überlassen haben. Das sie das aufzeigt und zurückholt, auch darin liegt der Erfolg dieses Buches.

Es ist eine brillant, bewegende Studie über die Trauer, absolut hinreißend geschrieben. Eines der besten Bücher seit langer Zeit, von solcher Sogkraft, dass man es, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen kann. Nach der Lektüre braucht man lange Zeit, um alles Gelesene zu verdauen. Was für ein Glück, dass dieses Buch geschrieben wurde.
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75 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trauer um den verstorbenen Geliebten, 22. September 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Joan Didion Das Jahr Magischen Denkens Claassen Verlag

ISBN: 3546004051

In diesem so fein geschriebenen Buch verarbeitet Joan Didion den plötzlichen Tod ihres Mannes.

Joan war vierzig Jahre mit dem Schriftsteller John G. Dunne verheiratet, als er am 30. Dezember 2003 an einem akuten Herzinfarkt verstarb.

Die gemeinsame Tochter Quintana, erst 39 jährig, lag zum Todeszeitpunkt des Vaters nach einem septischen Schock infolge einer Lungenentzündung schon einige Wochen auf der Intensivstation eines New Yorker Krankenhauses und kämpfte um ihr Leben.

In einer scharfen und sezierenden Beobachtungsweise beschreibt Joan ihr Verhalten im ersten Jahr nach Johns Tod.

Dabei kommen ihr Erinnerungen an ihr gemeinsames Leben, an Freunde, Reisen, ihre verschiedenen Domizile und Lebensgewohnheiten.

Joan hatte eine intensive und sehr innige Beziehung zu John, da sie beide als erfolgreiche Schriftsteller arbeiteten und zu ihren Lebzeiten fast nie längere Zeit getrennt waren. Sie haben jede Zeit und jede geschriebene Zeile mit einander geteilt.

Das Jahr magischen Denkens ist ein von ihr genau reflektiertes Verhalten über die Zeit nach und vor dem Tod.

Dass sie lange die Realität nicht wahrhaben wollte, auch glaubte, den Tod ungeschehen zu machen, wenn sie seine Hinterlassenschaften nicht berührte oder gar entfernte.

Sie mag nicht auf bekannten Strassen und Pfaden fahren oder gehen und sie vermeidet alles, was die Todesrealität manifest werden lassen kann.

Sie ist eine intelligente und wissende, aber auch zarte und empfindsame Frau. Umso erstaunter zeigt sie sich selbst über ihre magischen Denkweisen, mit denen sie den Tod verleugnen möchte.

Ungewöhnlich ist dieser sensible Erfahrungsbericht, der ohne je selbstmitleidig oder gar rührselig zu sein, die Empfindungen einer feinsinnigen Seele aufzeigt.

Sie hat mit diesem Buch sicher ihre Trauer zu verarbeiten versucht. Am Ende bleibt die Gewissheit, dass der Verlust einer so sehr geliebten Person, mit der man in gemeinsamer langer Zeit durch Höhen und Tiefen gegangen ist, nie zu verwinden sein wird.

Sie beschreibt ihr Weiterleben auf einer neuen Ebene, in der die verstorbene Person für immer einen Platz haben wird.

Über das eigentlich Trauergeschehen hinaus vermittelt der Bericht Einblicke in eine amerikanische Schriftstellerehe und ihr Umfeld.

Es ist ein tief anrührendes, weises, kluges und ehrliches Buch.

Wem dieses Thema am Herzen liegt, dem wird Joan Didion viel zu sagen haben.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen traurig und weise - sehr empfehlenswert, 31. Dezember 2006
Die Geschichte über das Trauerjahr nach dem Tod des Ehemanns und die gleichzeitige schwere Krankheit der einzigen Tochter ist zwar erschütternd, aber trotzdem nicht deprimierend. Ein weises Buch, ehrlich, manchmal lustig, oft traurig. Die Übersetzung ins Deutsche ist gut gelungen, schöne Sprache. Ich habe das Buch kaum noch aus der Hand gelegt, weil es mich so gefesselt hat. Wer selbst schon einmal getrauert hat, wundert sich über die passende Beschreibung, wie es sich anfühlt, einen großen Verlust zu erleben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswert aus der Sicht einer Betroffenen, 23. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
Den bisherigen Rezensionen mag ich in inhaltlicher, biographischer, kultureller und literarischer Hinsicht nichts hinzufügen; dazu ist in bemerkenswerter Bandbreite geschrieben worden.

Wenn dies Trauernde lesen: Ihnen möchte ich die Lektüre dieses Buches nahe legen.
Obzwar in ganz anderer Lebenssituation befindlich, so sprach mir die Autorin aus dem Herzen über die eigene Gefühlslage, das erlebte "Ver-rückt-Sein", den irrealen gesellschaftlichen Kontext in den frau sich gestellt sieht...

@ Sozialtherapeut "Paul" :
Bookmoth hat fein analysiert warum er dieses Buch nicht empfiehlt.
Von einem Rezensenten mit Namen "Sozialtherapeut" hätte ich mehr Einfühlungsvermögen vorausgesetzt. Beiden sehe ich nach, dass sie diese Situation offensichtlich nicht kennen: Wenn der Lebensmensch, die Zunkunft wegbricht.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Alphabet der Trauer, 10. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
"Das Jahr magischen Denkens" von Joan Didion ist schon ein beeindruckendes Buch. In immer wieder neuen Ansätzen und Anläufen versucht darin die Autorin den plötzlichen Tod ihres Mannes, mit dem sie eine 40-jährige Ehe verbindet, zu verarbeiten. Didion ist eine genaue Beobachterin ihrer selbst und errichtet hierbei erzählend eine Grammatik des Schmerzes und des Verlustes. Alle Einzelheiten sind ihr wichtig: der genaue Wortlaut der Ärzte, wann welche Wörter gefallen sind, die akribische Ermittlung der Todesminute, Störungen ihrer Wahrnehmung, Verhaltensauffälligkeiten ihrer Reaktionen. In immer neuen Strudeln versinkt sie in die Tiefen der Erinnerungen. Orte ihres gemeinsamen Lebens werden zu Gefahrenzonen, die sie in den unendlichen Strudel ziehen können. Didion untersucht den körperlichen Schmerz, den das Fehlen des Partners bereitet, sie taucht ab in die vielschichtigen Dimensionen von Schuld und Verantwortung, Zufall und Glück.
Im selben Jahr, in der der Autorin dieses schlimme Schicksal widerfährt, erkrankt ihre einzige Tochter schwer an einer Lungenentzündung mit anschließendem Hirnödem und liegt wochenlang auf der Intensivstation und mehrere Tage im Koma.
Didion hat diesen Versuch über die Trauer "Das Jahr magischen Denkens" genannt, weil in diesem Jahr für sie das rationale Denken aussetzte. In vielerlei Hinsicht ging ihr Denken mit einem Mal andere Wege, sie verlor sich in abergläubische Zustände und metaphysische Erkenntnisse.
Didion erzählt von einer tiefen, eigentlich unvermittelbaren Erfahrung. Diejenigen Leser, die einen eigenen Verlust verarbeiten, werden sich in vielem wiederfinden.

Thomas Reuter
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen anstrengend und intellektuell, 19. Oktober 2011
Von 
Astrid_Hannover (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
Ich hatte mich von den positiven Bewertungen verleiten lassen die individuelle und eindrucksvolle Auseinandersetzung mit dem Trauern um den geliebten Ehemann zu lesen.

Anlass war für mich meine eigenen Vor- und Rückschritte und das Erleben der langdauernden Trauer zu reflektieren (Tod meines Vaters).
Natürlich ist jedes Trauern individuell und ich hatte kein "Handbuch", sondern eine persönliche Beschreibung erwartet.

Die eigentliche tagebuchähnliche Geschichte der Ehe und der schwerkranken Tochter (die dann auch noch stirbt) ist in anderen Bewertungen schon ausführlich wiedergegeben, daher verzichte ich auf Wiederholung.

Das erste Viertel des Buches hatte durchaus bewegende Schilderungen, die durch Redundanz dem Leser auch eindringlich verdeutlicht werden. "Man setzt sich zum Abendessen, und das Leben, das man kennt, hört auf" ist ein oft wiederholter Satz, der sehr gut die Situation beim unerwarteten Todesfall (hier beim Abendessen) trifft.
Durchaus anschaulich und lesenwert.

Dann beginnt für einen Großteil des Buches, was ich als "akademisches-intellektuelles Trauern" bezeichnen möchte. Es werden nicht eigene Gedanken und Gefühle wiedergegeben, sondern es werden immer wieder Zitate bekannter Persönlichkeiten eingestreut bzw. sie beruft sich auf "das war wie XY da und da beschrieb".
Ich fand dies sehr anstrengend, da es ablenkt und eher an ein Sachbuch/Analyse erinnert. Außerdem brachte es mich aus dem Lesen heraus statt mich im Fluss zu halten.
Das Buch wirkte in weiten Teilen dadurch sehr nüchtern und nicht persönlich.

Hinzu kommt zum Tod des Mannes noch die tragische Erkrankung und der Tod der Tochter. Wäre es ein Roman oder Film, hätte ich hier deutlich Punkte abgezogen wegen "überzogen und unrealistisch und lenkt vom Hauptstrang ab".
Ein schwerer Schlag und so passiert, macht für mich das Buch aber nicht lesenswerter oder wertvoller.
Sorry, es mag geschmacklos klingen, aber dies ist eine Buchrezension.
Ich war oft versucht es wegzulegen und musste mich sehr durch das Buch kämpfen.

Die letzten Seiten enthalten dann wieder mehr persönliche und berührende Beschreibungen.
Auch wenn es durch plötzlich größere Sprünge wirkt als wollte nun schnell zum Ende kommen.

FAZIT:
Wer in Philosophie und zeitgenössischer amerikanischer Literatur bewandert ist und Spaß an intellektueller Schlacht hat, wird wahrscheinlich mehr Freude daran haben.
Wer wie ich ein Buch über einen emotionalen Trauerprozess erwartet, wird sich vermutlich auch schwer tun.
Daher von mir nur 3 Sterne für "kann man sich durchkämpfen, muss aber nicht sein".
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und dann - vorbei!, 23. April 2012
Von 
Bücherwurm (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
Es ist sicherlich kein einfaches Werk, das Didion ihren Lesern vorsetzt. Sowohl vom charakterlichen Schreibstil ist es ein sehr anspruchsvolles Buch, aber auch von der Story an sich. Ihre (erwachsene) Tochter liegt im Koma und als die geknickten Eltern nach Hause fahren und Abendessen, bricht der Ehemann völlig überraschend tot zusammen. John Gregory Dunne. Ein Regisseur, Journalist, Literaturkritiker. Er steckt mitten in den Vorbereitungen zum Film "Aus nächster Nähe." Seine Ehefrau Joan Didion (selbst Buchautorin und Journalistin) ist geschockt. Sie ruft in Trance die Rettung, erlebt alles durch einen Schleier. Im Krankenhaus hört sie, wie der gerufene Pfarrer sagt: "Sie ist stark." Die Todesnachricht trifft sie trotzdem "unvermutet".
Sie nennt das Trauerjahr "Das Jahr magischen Denkens", denn anstatt sich "nur" mit diesem Verlust zu beschäftigten, erwacht zwar die Tochter aus dem Koma, um danach aber nochmals schwer zu erkranken, wovon sie sich zwar nochmals erholt, aber diese 2te Krankheit, nimmt die Mutter völlig in Beschlag. Sie hat kaum Zeit, den tragischen Verlust, ihres Partners, ihres Gönners, ihres "Ohres", ihres "Auges" zu verarbeiten. 40 Jahre Ehe in einem Augenblick verloren.
In kurzen stilistisch, ausdrucksstarken Sätzen, gibt sie dem Leser weiter, wie sie jene Nacht am 30.12.2003 erlebt hat. Sie erzählt emotionslos den Ablauf des Todes, tonlos das Begräbnis 3 Monate später und schmerzerfüllt über das Fehlen des Mannes, des Freundes, des Förderers, des Vaters.

Fazit: Auf 251 Seiten wird in eindrucksvoller Manier erzählt, wie Tod und Trauer einem Menschen beschäftigen, vor allem wenn noch so eine geballte Aufgabe vor ihm steht: die schwere Erkrankung der Tochter. Didion nimmt den Leser an die Hand einer Trauer, die oft sehr schmerzvoll, dann wieder kraftvoll, dann wieder kämpfend und trotzig und dann wieder ausdruckslos erscheint, so dass der Leser oftmals die Gefühle von ihr richtig spürt. Es ist auch ein Werk, das ich frischtrauernden Personen ans Herz legen kann; denn die unbeugsame Kraft und Intensität von Didion diese beiden Dramen zu verarbeiten ist gewaltig!
Lesenswert!
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert mit Einspruch, 3. April 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
Die Kritik ist einmütig herausragend und auch die Rezensenten hier sind sich einig und verneigen sich. Ich halte das Buch für lesenswert, würde es weiterempfehlen, sehe aber auch einige Schwächen.

Auf eine Inhaltsangabe will ich verzichten.

Ich hätte das Orginal lesen sollen, dann hätte ich mich über deb Begriff "Selbstmord", den die Übersetzerin unglücklicherweise benutzt, nicht ärgern müssen. Der Bruder des verstorbenen Ehemannes, so erfährt der Leser, habe sich das Leben genommen. Selbsttötung hat nichts mit Mord zu tun. Bliebe auch noch die Möglichkeit von Suizid zu sprechen. Solche Feinheiten haben schon ihren Sinn.

Es gruselt mich fast, wenn die Übersetzerin von "die Psychodynamiken" schreibt. Dieser vermeintliche Plural macht keinen Sinn. Die Psychodynamik eines Phänomens bezieht in aller Regel verschiedene Faktoren ein. Es bleibt trotzdem "die Psychodynamik".

Mein Lieblingssatz in diesem Buch lautet "Man setzt sich zum Abendessen, und das Leben, das man kennt, hört auf". Aber warum diese Redundanz? Warum muss die Autorin wortwörtlich bestimmte Einsichten wiederholen? Gut, es prägt sich besser ein. Aber hat es sonst noch einen Grund jenseits der Didaktik? Mich machen Wiederholungen eher ungeduldig.

Sätze wie dieser "Was Paramount in diesem Traum machte, eröffnet eine andere Diskussion, hier nicht relevant." irritieren mich, warum deutet sie was an, was sie selbst als irrelevant bezeichnet?

Die Autorin hat eine große Vorliebe für Klammern. Das kann man tun, ich hätte mir gewünscht, sie hätte darauf verzichtet, handelt es sich doch letztendlich um einen literarischen Text.

Einer der Rezensenten hier schrieb, dass hier Abgründe beleuchtet werden. Ich konnte keine Abgründe erkennen. Hier wird der Zustand einer Trauernden sorgsam auf der Verhaltensebene und auf der kognitiven Ebene beschrieben. Die Gefühlsebene blieb seltsam blass. Die Autorin intellektualisiert und rationalisiert. Das ganze wird mit Befunden aus der psychologischen und psychiatrischen Forschung untermauert. Nichts wirklich neues, aber interessant zusammengefügt. Wie gesagt, lesenswert. Aber berührt hat es mich nicht wirklich.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erfahrung mit Trauerbewältigung, glaubwürdig, 28. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
Am Abend des 30. Dezember 2003, während Joan Didion gerade das Abendessen richtete, starb ihr Mann vor ihren Augen an einem Herzinfarkt. Sie waren 40 Jahre verheiratet und nur bei ganz wenigen Gelegenheiten getrennt gewesen. Beide Schriftsteller, hatten sie beide zu Hause gearbeitet, häufig gemeinsam Drehbücher überarbeitet. Sie waren einander jeweils der erste Leser und Kritiker.

Nach außen nimmt Joan Didion die Nachricht vom Tod ihres Mannes gefasst auf; "sie ist hart im Nehmen". Doch ihre Welt ist mit einem Schlag zerbrochen.

Ihr Verstand weiß, dass John tot ist. Und obwohl sie eine ausgesprochen reflektierte Frau ist, alles analytisch durchleuchtet, kann sie diese Nachricht innerlich dennoch nicht akzeptieren. Sie liest, "Information ist Kontrolle", liest Bücher über Trauer, über Verlust und Leid, und findet in diesen Ratgebern doch nichts, was sie selbst betrifft. Nur ein Benimmbuch aus den zwanziger Jahren mit sachlich-praktischen Anleitungen, wie man einem Trauerhaushalt beistehen könne, findet ihre Zustimmung.

Immer und immer wieder stellt sie die Chronologie der Ereignisse zusammen; wie sie aus dem Krankenhaus, in dem ihre einzige Tochter mit septischem Schock liegt, nach Hause gekommen waren. Wie sie Feuer angemacht hatten, das Essen richtete, wie John mit ihr sprach und dann plötzlich nicht mehr. Immer wieder erinnert sie sich auch an einzelne Kommentare, die er in den letzten Monaten an sie richtete; dass er nach Paris fliegen wolle, weil er nicht wisse, ob er sonst in seinem Leben noch einmal dahin komme.

Während dieser ersten Zeit der Trauer liegt ihre Tochter im Krankenhaus. Immer wieder fragt sie nach dem Vater, erfährt von seinem Tod, um sich am nächsten Tag nicht daran zu erinnern. Nach einer kurzen Phase der Besserung muss sie erneut operiert werden; kurz vor dem Erscheinen dieses Buches stirbt auch sie, ihr Tod ist allerdings nicht mehr ins Buch aufgenommen.

Wer nun aufgrund dieser erschütternden Vorstellung annimmt, "Das Jahr magischen Denkens" wäre ein sentimentales, von Selbstmitleid getränktes Werk, irrt gewaltig. Und gerade diese Abwesenheit von rührseligen Momenten macht dieses Abschiedsdokument umso berührender. Man liest hier, wie ein Mensch versucht, mit seinem Verstand die Gefühle Leid, Verlust und Trauer zu verstehen und damit zu kontrollieren.

Zwischenzeitlich kamen mir, gerade auch weil mich dieses schonungslos ehrliche Buch unheimlich berührt und beschäftigt hat, auch Gedanken wie "darf man seine Trauer so öffentlich machen? Ist es ethisch vertretbar, mit dem eigenen Verlust ein Geschäft zu machen?" - und ganz konnte ich diese Frage für mich bislang auch noch nicht beantworten. Andererseits war die Familie Didion/Dunne von Anfang an an ein öffentliches Leben gewöhnt; Familienfotos wurden regelmäßig veröffentlicht, ihr Leben spielt sich unter Beobachtung ab.

Didion beschreibt, wie sie gegen das Selbstmitleid ankämpft. Wie diese Trauer wirklich eine körperliche Krankheit ist. Ihr Buch ist auch ein Plädoyer dafür, Tod und Trauer wieder mehr im sozialen Leben stattfinden zu lassen.

"Das Jahr magischen Denkens" erzählt von einer Ehe, die glücklich und symbiotisch, aber sicher nicht glatt und unproblematisch war. Didion erzählt auch von den Unstimmigkeiten, vom Schweigen zwischen ihnen - es sind diese Zeichen eines Bestrebens, nichts zu verklären, nichts zu idealisieren, nur weil er tot ist, die für mich den Verlust noch ungeheuerlicher spürbar haben werden lassen.

Dieses Buch hat mich sehr berührt - und ich empfehle es aus ganzem Herzen weiter.
Das Jahr magischen Denkens
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht so eindrucksvoll, 6. September 2009
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr magischen Denkens (Taschenbuch)
DIE WELT schwärmt über dieses Buch von Joan Didion: "Jeder ihrer Sätze ist kostbar.". Der Rezensent in der FAZ klagt: "Es bricht uns das Herz". Bin ich ein empfindungsloser Mensch, wenn ich gestehe: Mir nicht? Warum nicht?

Frau Didion geht gewissermaßen analytisch, klinisch an ihren großen Verlust heran. Erst 9 Monate nach dem Tod ihres Mannes und Schriftsteller-Kollegen und nach der schweren Krankheit ihrer Tochter, (die übrigens kurz nach Erscheinen des Buches ebenfalls starb), machte sie sich an die Verarbeitung dieser Erfahrungen. Das tut sie in erster Linie als Journalistin: Sie hat ausgiebig recherchiert und alle Informationen über Trauer, Leid oder die Krankheitsgeschichten ihres Mannes und ihrer Tochter beisammen. Sie ist auch im Stande, sich in ihren Reaktionen während der vergangenen Zeit nach dem Tod und nach der Krankheit distanziert zu beschreiben und zu analysieren. Dadurch lernt man einiges darüber, was in einem sensiblen Menschen vor sich geht, der nach fast 40jähriger Ehe und vertrauter Zusammenarbeit mit einem geliebten Menschen versucht, mit diesem Verlust fertig zu werden.

Mein Einwand: Dies bleibt zu sehr klinische Analyse und scheut davor zurück, emotionale Blößen zu zeigen. Man merkt letztlich zu wenig von der wirklichen Erschütterung und der Verstörung, die zwar auch benannt, aber zu selten stilistisch vermittelt werden. Manchmal erinnert ihr Stil ein wenig an Max Frischs tagebuchähnliche Romane, wir haben bei Frisch aber eine Verwandlung des Persönlichen und Faktischen ins Imaginative, Emotionale, Allgemeine. Bei Frau Didion bleibt die Schilderung zu sehr im Faktischen, Individuellen. Sie erkennt selbst, warum sie sich so an die Fakten klammert: "Information heißt Kontrolle" (107), und so wird ihr minutiöses Selbstprotokoll, die emsige Recherche auch zum Selbstzweck, zum Singen im Wald, um wieder die Kontrolle über ihr Leben zu bekommen.

Das ist durchaus verständlich und nicht uninteressant, geht aber gedanklich wenig über das hinaus, was man in psychologischen und journalistischen Darstellungen auch lesen kann. Bei ihr wird noch so etwas wie Anklage spürbar. Aber da ihr religiöser Trost oder Ähnliches versagt ist, bleibt es eine ratlose Anklage, ein zielloses Pathos. Oder es ist die hilflose Empörung darüber, dass in ihrem erfüllten, abwechslungsreichen, auch öffentlich bedeutsamen Leben plötzlich ein solcher Schicksalsschlag einbrechen konnte. Sie beschreibt akribisch ihr Verhalten und das ihrer Verwandten und Freunde, und immer wieder gerät sie in den "Strudel" ihrer Erinnerungen, wobei eine Fülle von Details und Namen ausgebreitet werden, die für sie subjektiv wichtig sein mochten, indem sie ihr Halt und Orientierung gaben, die mir als fern stehendem Leser allerdings wenig bedeuten. Weiterhin gibt es eine Beschreibung ihrer Verunsicherung, ihrer Schuldgefühle (die sie aber auf Grund genauer Rekonstruktion des Krankheitsverlaufs allmählich in den Griff bekommt), und nach einem Jahr die Meldung von einer allmählichen Lösung von dem Gestorbenen, den sie in dem Jahr ihres "magischen Denkens" gewissermaßen am Leben zu erhalten versuchte.

Nur andeutungsweise und kurz gibt sie gegen Ende einmal zu verstehen, dass es tiefer liegende Probleme zwischen ihr und ihrem Mann gab. Immer wieder in ihrem gemeinsamen Leben kam er auf ein bekanntes Ehepaar, Joe und Gertrude, zu sprechen: "Er hatte Joe und Gertrude Black sein wollen. Auch ich hatte das gewollt. Wir hatten es nicht geschafft. 'Verplempern' ...., war es das, was wir gemacht hatten?" (207). Vielleicht war ihr Zwang zur penetranten Selbstbeobachtung bei ihm genau so ausgebildet gewesen wie bei ihr, er starb allein in seinem Arbeitszimmer: "Wir hätten zusammensein sollen. Nicht unbedingt in einem Seminarraum..., aber zusammen." (208). Sicher, Schuldgefühle, aber man könnte sich vorstellen, dass der Tod des Lebensgefährten bei der Schriftstellerin auch zu tieferen Selbsterforschungen hätte führen können.
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