Kundenrezensionen


74 Rezensionen
5 Sterne:
 (34)
4 Sterne:
 (18)
3 Sterne:
 (12)
2 Sterne:
 (5)
1 Sterne:
 (5)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


74 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniestreich
Im Zentrum von Lems Roman "Solaris" steht der gleichnamige, von einem vermutlich intelligenten Ozean bedeckte Planet, der sich seit Jahrzehnten der Erforschung widersetzt. Kris Kelvin, ein Psychologe und Erzähler der Geschichte, findet bei seinem Eintreffen auf der Station die Mannschaft, die mit schmerzhaften Erinnerungen und verdrängten Bildern ihres...
Veröffentlicht am 12. August 2006 von Andreas Reich

versus
82 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliche Übersetzung
Mag auch der Inhalt des Buches zu Recht als Klassiker gelten: sprachlich ist jedenfalls die deutsche Fassung geradezu unterträglich. Durchweg finden sich merkwürdige Satzstellungen ("Ich blieb stehen wie angewurzelt."), schiefe Übersetzungen ("- Nichts. - sagte er und klapperte schnell mit den Liddeckeln." - gemeint sind Augenlider, mit denen hier...
Veröffentlicht am 31. März 2008 von B. Stemmer


‹ Zurück | 1 28 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

74 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniestreich, 12. August 2006
Von 
Andreas Reich (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Im Zentrum von Lems Roman "Solaris" steht der gleichnamige, von einem vermutlich intelligenten Ozean bedeckte Planet, der sich seit Jahrzehnten der Erforschung widersetzt. Kris Kelvin, ein Psychologe und Erzähler der Geschichte, findet bei seinem Eintreffen auf der Station die Mannschaft, die mit schmerzhaften Erinnerungen und verdrängten Bildern ihres Unbewussten konfrontiert wird, in entsprechend desolater Verfassung vor. Auch Kelvin hat nach kurzer Zeit Erscheinungen in Form seiner Geliebten Harey, die sich vor Jahren das Leben nahm, als er sie verlassen wollte. Obwohl er die Künstlichkeit dieser "Harey" erkennt, empfindet Kelvin etwas für sie und versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, die letztlich genauso wenig Erfolg hat wie der Versuch, in Kontakt mit dem Ozean zu treten.

Lems zu recht weltberühmter Roman ist heute quasi ein Synonym für Science Fiction und stellt die Möglichkeiten dieser Literaturgattung eindrucksvoll unter Beweis. Philosophisches Kernstück ist die Frage, wie der Mensch mit Dingen umgeht, die zu begreifen er nicht im Stande ist bzw. die sich seinem Verständnis bewusst entziehen. Die Reaktionen, von denen berichtet wird, reichen von Flucht über Rückführung auf vermeintlich Bekanntes bis zum Versuch der Vernichtung. Interessanterweise scheint diese Fragestellung einigen Interpreten entgangen zu sein: Wenn etwa Theweleit unter dem Ozean eine Metapher "weiblicher Sexualität" verstanden wissen will und darüber Rückschlüsse über den Autor zieht, folgt er genau dem Muster, dass einige der Forscher in Bezug auf den geheimnisvollen Planeten praktizierten. Der psychologisierende Versuch, dass Fremde auf Allbekanntes zu reduzieren, schlägt jedoch fehl und offenbart etwas über den Interpreten, weniger über den Gegenstand.

In ihren Versuchen, ein nicht begreifbares Gegenüber zu verstehen, wird die Mannschaft auf sich selbst zurück geworfen. In diesem Punkt befördert die Handlung eine doppelte Reflexion: Der in seinen Phänomenen unverständliche Ozean konfrontiert die Menschen mit einzelnen Aspekten ihres Selbst, die ihnen ebenso rätselhaft bleiben. Der Versuch, im Ozean ein in irgend einer Weise dem Menschen ähnelndes Wesen zu erkennen und zu begreifen, verkehrt sich hier ins Gegenteil: Der Mensch spiegelt sich im Ozean und findet das in sich selbst liegende Unverständliche.

Das Buch enthält selbstverständlich noch andere Aspekte und erschöpft sich nicht in einer einzelnen Lesweise. Sowohl Tarkowski als auch Soderbergh verfilmten die Geschichte und zeigten dabei unterschiedliche schwerpunktmäßige Gewichtungen. Die Filme können die Lektüre daher auch nicht ersetzen; sie sind aber insofern interessant, als sie einem verschiedene Arten der Interpretation aufzeigen, die man mit der eigenen Wahrnehmung vergleichen kann. Das Werk ist, obgleich alles andere als langweilig geschrieben, sicher keine leichte Unterhaltung, nebenbei bewältigt werden kann, doch die Auseinandersetzung lohnt sich in jedem Fall.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Science Fiction als Kammerspiel, 3. November 2005
Allen Kinogängern sei es vorweg gesagt: weder Soderberghs Verfilmung von 2002 noch die Tarkowskijs von 1970 schaffen es, das Buch zu bewältigen. (Tarkowskij gelang immerhin noch eine eigenständige und sehenswerte Bearbeitung des Themas.) Das Buch entspricht in seinem Aufbau einem Theaterstück. Es lebt ganz von den Personen und ihren Monologen und Dialogen. Die Schwierigkeit des Menschen, Unbekanntes zu interpretieren und die Unlösbarkeit mancher Rätsel hinzunehmen, ist das eigentliche Thema des Buches. Wer lieber Abenteuer und Action in der Science Fiction sucht, sollte die Finger davon lassen.
Stanislaw Lem ist eine detaillierte und vielschichtige Parabel gelungen; eine Parabel darüber, dass der Mensch immerfort nach Wissen strebt und Neues erkundet, sich aber niemals sicher sein kann, dass er auch v e r s t e h t , was er findet. Selbst der Wissenschaftler schafft es nie, objektiv zu sein; seine unbewussten Sehnsüchte und psychischen Wunden mischen sich immer in seine Interpretation mit ein.
Das Buch bietet keine „Auflösung" der Rätsel (zum Glück!); der Planet Solaris bleibt mysteriös. Die Forscher in der Raumstation haben statt dessen etwas über sich selbst erfahren; über ihre eigenen Grenzen, über die Grenzen der Wissenschaft und über die nötige Ethik des Wissenschaftlers.
Fazit: ein spannender psychologischer Roman, der nachdenklich macht und auch einige unbequeme Fragen aufwirft (z.B.: kann man in einer unmenschlichen Situation noch nach den erlernten „menschlichen" Normen handeln?).
Ich lege das Buch vor allem Naturwissenschaftlern und Theologen ans Herz.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz andere Arten von Leben.., 2. Februar 2007
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
..sind auf fremden Planeten in anderen Galaxien möglich. In diesem Klassiker der Science-Fiction geht es nicht um den typischen Marsmenschen, sondern um die philosophische Frage nach dem Leben überhaupt.

Irgendwann in der Zukunft: Der Psychologe Kris bricht zum Solaris auf. Solaris ist ein Planet, der großteilig von einer Art lebendigem Ozean bedeckt ist. Hier auf der Forschungsstation treten offenbar eigenartige Phänomene auf. Angekommen, wird er merkwürdig empfangen und sieht sich bald selbst mit Besuchern konfrontiert, die seinem Unterbewußtsein entsprungen zu sein scheinen..

Solaris ist wirkliche Science-Fiction und nicht nur Weltraumabenteuer, da hier tatsächlich ein fiktiver wissenschaftlicher Diskurs skizziert wird, der nämlich der Solarisitk. Lem hat hier sehr gelungen die Frage nach Sinn oder gar Unsinn von Wissenschaft aufgeworfen.

Ich fand am Anfang die Übersetzung etwas hölzern, aber sie verleiht dem Buch einen eigenen Charme, wenn man sich daran gewöhnt hat. Die Dialoge wirken etwas ungelenk, aber dadurch auch letztenendes wieder authentisch. Die Beschreibung der Phänomene auf Solaris ist für meinen Geschmack manchmal etwas zu ausführlich geraten, andererseits gehts es hier auch um das Vorbild der "Wissenschaftlichkeit".

Die Frage, ob sich alles im Universum mit menschlichen Maßstäben greifbar machen lässt, steht ganz klar im Mittelpunkt und regt auch über das Buch hinaus zum Nachdenken an.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen tiefgründiger Si-Fi-Roman, 5. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Dieser Roman ist wesentlich gehaltvoller, als es in den anderen Rezensionen den Eindruck macht: so sind beispielsweise die Menschenkopien keinesfalls "zufällige Reaktionen" des Ozeans und auch die Vorgeschichte von Kelvin kann der Leser sich im Laufe der Geschichte zur Genüge erschließen aus dem was dieser denkt und tut. Am Anfang richtig spannend, vertieft der Roman sich zunehmend in seine Kernthesen zum menschlichen Dilemma, das auch anhand der ausführlich beschriebenen Wissenschaftsgeschichte zum Ozean offenbar wird, aufgelockert von Lem-typischen, wunderschönen Beschreibungen des Fremden, die hier nicht langatmig sind, wie in "Fiasko", sondern wohldosiert den Spannungsbogen halten, so daß trotz der gedanklichen Fülle ein abwechslungsreiches, gut lesbares Buch entstanden ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


82 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliche Übersetzung, 31. März 2008
Von 
B. Stemmer (Lübeck) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Mag auch der Inhalt des Buches zu Recht als Klassiker gelten: sprachlich ist jedenfalls die deutsche Fassung geradezu unterträglich. Durchweg finden sich merkwürdige Satzstellungen ("Ich blieb stehen wie angewurzelt."), schiefe Übersetzungen ("- Nichts. - sagte er und klapperte schnell mit den Liddeckeln." - gemeint sind Augenlider, mit denen hier 'geklappert' wird; "Ich wartete einigemal zehn Sekunden Stille ab..."; "Sie war von rückwärts beleuchtet."; "Harey fand sich auch ein Buch."), die falsche Verwendung von Verben ("Wo der Korridor umbog, wandte sie sich seitwärts..."), Rechtschreibfehler ("Reagentien" statt 'Reagenzien'), Substantivierungen ("...ich fühlte noch die weiche Tastempfindung in den Fingerspitzen verfließen."; "Kann eine solche Vorspiegelung einen solchen Grad von Wahrhaftigkeit erreichen?"), orthographische Inkonsistenz (S. 31: "Eine Zeit lang roch..."; S. 49: "Eine Zeitlang aßen wir...") u.s.w. Es entsteht oft der Eindruck, als habe die Übersetzerin nur die Kompaktausgabe eines Sprachlexikons zur Hand genommen und dabei Wort für Wort übersetzt ("...einer fast _unausgesetzt_ von Nebelstreifen überlagerten wogenden Wüste") und keinerlei Sprachgefühl gehabt, so dass Sätze entstehen wie: "Die Reihe kam an Berichte über die bereits durchgeführten Experimente." Von einer 'Übersetzung' kann man da wirklich kaum noch sprechen! Und diese Mängel muss man nicht erst mühsam suchen, das Buch strotzt nur so davon. Es ist mir ein Rätsel, wie man das Buch angesichts dieser Unzulänglichkeiten noch als 'gut' bezeichnen kann. Das geht wohl nur mit einem Höchstmaß an sprachlicher Leidensfähigkeit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was haben Menschen und Meere sich zu sagen?, 29. August 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Sondereinband)
Mit "Solaris" hat Stanislaw Lem ein düsteres Science-Fiction-Scenario entworfen, dass nicht nur in Genre-Kreisen als Meisterwerk gilt: Eine Raumstation schwebt im Orbit eines Planeten und untersucht die dort ansässige Lebensform, die als eine Art Meer grosse Teile des Planeten umspannt. Doch anders als in Büchern mit ähnlichem Thema, die vom Zusammentreffen von Menschen und fremden Lebensformen handeln, scheitert die Menschheit hier schon an der Kontaktaufnahme, da die Verschiedenheit der beiden Spezies eine Kommunikation unmöglich zu machen scheint. - Diese Sichtweise macht Lem's Buch für mich äusserst interessant und ist somit eine wohltuende Abwechselung zu der romatisierenden Art und Weise in der der "first contact" sonst behandelt wird. Darüber hinaus ist das Buch intelligent und hervorragend geschrieben, so dass das Lesen schon aufgrund von Lem's Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit eine Freude ist. Wer sich für das Thema interessiert, sollte vielleicht auch mal Lem's "Der Unbesigbare" lesen oder einen Blick in die "Ender-Reihe" von Orson Scott Card werfen..
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen LEM, 15. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Solaris: Roman (Taschenbuch)
Sagenhaft schlechte Übersetzung!
Eine unverständlcheStoff-Ignoranz des Korrektorats bzw. des Verlagslektorats.
Waren die beiden Verantwortlichen schlaftrunken oder der deutschen Sprache nicht mächtig?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast ein mit Gebrechen behafteter Gott, 8. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
ZUR ÜBERSETZUNG:
Mir fielen schon die vielen gedeichselten Wortwendungen und etwas kuriosen Stilblüten auf. Auch der manchmal ein wenig seltsame Satzbau. Ich führte das bei der Lektüre von "Solaris" auf den Versuch der Übersetzerin, Irmgard Zimmermann-Göllheim, zurück, ein altmodisches Polnisch ganz besonders präzise zu übertragen. Wäre das nicht der Fall, läge eine fehlerhafte deutsche Version vor, müsste eine Neuübersetzung erfolgen.

Die zum Teil abgehackten Dialoge sind eindeutig ein Stilmittel von Stanislaw Lem, um Ratlosigkeit, Entsetzen, Angst und die Verzweiflung der Sprechenden auszudrücken. Dass Lem auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet, hat den gleichen Grund. Die Sätze der Protagonisten erschallen wie von weit her, wie unter Wasser vernommen. Hilflosigkeit ausdrückende Gespräche, wie von einem tiefen Ozean begraben...

INHALT / THEMA / HANDLUNG / STIL
Einige Rezensenten in diesem Amazon-Forum haben anscheinend das Kernthema von "Solaris" nicht richtig erfasst. In dem Roman geht es nicht um eine Liebesgeschichte, einen Thriller à la "Alien", eine Space Opera für die Fans von Star Trek, Star Wars, Heinlein & Co. Elemente davon sind durchaus enthalten, besonders die bizarre Liebesgeschichte und die bedrohliche Atmosphäre von James Camerons Kinoklassiker. Doch das Kernthema von "Solaris" ist ein anderes.

Es geht um den gallertartigen Ozean, der einen Planeten umschließt, der um zwei unterschiedliche Sonnen kreist. Die Gallerte könnte eine Art Organismus sein, eine völlig fremdartige Lebensform, deren Funktionen seit vielen Jahrzehnten beobachtet werden. Die Funktionen sind Gegenstand der wildesten, aber auch der wissenschaftlich seriösesten Spekulationen. Das brodelnde Plasma-Meer und die Vermutungen der Menschen darüber, darum geht es in "Solaris".

Ist der Ozean einfach nur eine auf die Physik reagierende Masse? Oder ein intelligentes Lebewesen, welches mit seinen aus dem Schaum des Meeres geborenen Formen allerhöchste Mathematik interpretiert? Oder eine Art Gott? Eine verhinderte Gottheit, die auf dem Weg zur handelnden Superkreatur stecken geblieben ist? Die farbigen Spekulationen darüber füllen die Romanseiten von "Solaris" aus.

In dieses Kernthema integriert ist die Geschichte um die drei Besatzungsmitglieder der Solaris-Station. Und ihres Neuzugangs von der Erde. Vier unterschiedliche Charaktere, einer davon schon zu Beginn der Handlung verstorben (Selbstmord, also nur noch in der Rückschau dabei). Jene vier Solaris-Forscher haben vier 'Gäste' zu Besuch. Zu ihren 'Gästen' haben die Forscher, so weit Stanislaw Lem uns daran teilhaben lässt, traurig-romantisch-abstruse Beziehungen. Die müssen sie auch haben. Man wird sie nämlich nicht los...

Immer wieder beschreibt Lem den Ozean im Schein der beiden Sonnen. Er entwickelt dabei eine Sprachgewalt (durch Frau Zimmermann-Göllheim gebremst oder gefördert?), die außerordentlich beeindruckend ist. Dann kommen wieder Passagen, in denen der neue Mann auf der Solaris-Station von den vielen Interpretationen über die Beschaffenheit des (vielleicht) lebenden Meeres liest. Diese Bilder des Ozeans und seiner ihm entsteigenden Gebilde und die Bibliotheks-Passagen, wie das so manche Rezensenten hier sehen, als Beiwerk abzutun, ist eine Fehleinschätzung des Romans.

Der 'Gast' des Neuzugangs der Station, Kelvin, ist eine Frau. Seine Geliebte, die vor zehn Jahren Selbstmord begangen hat. Sie kann demnach unmöglich echt sein, entpricht aber trotzdem bis zu den Grübchen im Gesicht und der intimsten Mimikry der verstorbenen Liebsten. Sie loszuwerden, ist Kelvin, genauso wie allen anderen Solaris-Forschern, zuerst eine Verpflichtung, da er sie für eine Manipulation des den Planeten einnehmenden Plasmas hält. Später bekommt er Skrupel...

Aber sind die 'Gäste' wirklich der Versuch einer Manipulation? Wenn man sie, wie auch immer (meist mit akuter Gewalt), losgeworden ist, kehren sie zurück, sobald der Gastgeber geschlafen hat. Könnte es sich um eine Art Kontaktaufnahme handeln? Oder eine Überwachung der Menschen auf dem Planeten Solaris? Bei ihrer Rückkehr können sich die 'Gäste' nicht daran erinnern, dass man sich von ihnen trennen wollte (auf Trennungen reagieren sie sowieso außerordentlich allergisch...). Es kommt, wie es kommen muss. Kelvin verliebt sich in seinen 'Gast'.

Über die 'Gäste' der anderen Solaris-Forscher erfahren wir nicht viel. Einer könnte ein Kind sein. Skurril ist der 'Besucher' des Verstorbenen, Gibarian. Gibarians Erscheinung bleibt, bis auf einige Streifzüge durch die Station, beim Leichnam seines Gastgebers in der Kühlkammer. Keine Farbige aus den USA oder Zentralafrika, sondern eine archaische Schwarze, wie man sie von alten afrikanischen Skulpturen her kennt, starkhüftig und vollbusig und nackt; von Lem politisch unkorrekt, aber treffend als Negerin umschrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass Gibarian ein Farbiger gewesen ist. Warum also ist ihm diese animalische Erscheinung so wichtig gewesen wie Kelvin seine durch Selbstmord ums Leben gekommene Geliebte? Meines Erachtens haben wir es hier mit einem Beispiel des berühmt-berüchtigten Lem'schen Humors zu tun.

Die Solaris und ihr einziger Ureinwohner. Ist ein Kontakt zu ihm möglich? Ein Kontakt mit einer Daseinsform, deren Fremdartigkeit sie zur Projektionsfläche der geballten menschlichen Fantasie und Wissenschaft macht, ohne dass etwas Entschlüsselndes dabei herauskäme. Eine Kommunikation mit dem vollkommen Unbekannten? Ein Informationsaustausch mit Gott? Formal lässt Stanislaw Lem die Frage offen, aber nach dem Lesen des Buches steht fest, dass Menschen bei der Begegnung mit etwas, das ihren Horizont übersteigt, immer nur sich selbst vorfinden, ihrer eigenen Spiegelung begegnen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Übersetzung machts, 5. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Solaris: Roman (Taschenbuch)
Es gibt zwei deutsche Übersetzungen von Solaris. Die eine - "ostdeutsche" von Kurt Kelm, erschinen beim DDR-Verlag Volk und Welt. Die andere ist die hier vorliegende von Irmtraud Zimmermann-Göllheim.

Die Kelmsche Übersetzung geht mir runter wie Öl, diese hier wirkt moderner, ist aber etwas holperich. Möglicherweise ist dies auch Geschmacksache.

Ich ziehe die Volk-und-Welt-Übersetzung vor.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Konfrontation mit dem Anderen, 30. Juli 2010
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris: Roman (Taschenbuch)
Solaris ist ein fantastischer Roman. Den Begriff Science-Fiction" hat Stanis³aw Lem für seine Bücher stets abgelehnt, da er sie allein nach literarischen Maßstäben beurteilt sehen wollte. Die Geschichte kreist im Wesentlichen um eine Frage: Wie würde sich der Mensch verhalten, wenn er mit einer Lebensform konfrontiert wäre, die sich seinen gewohnten Wahrnehmungs- und Beurteilungskriterien vollständig entzieht - und die doch eindeutige Zeichen von Intelligenz aufweist? Die Atmosphäre in der Forschungsstation auf dem fernen Planeten Solaris ist beklemmend, der drohende Wahnsinn mit Händen zu greifen; ohne billige Effekte gelingt es Lem, die Handlung voranzutreiben und trotzdem immer wieder, wie nebenbei, philosophische Aspekte aufzugreifen. Souverän vermeidet er es außerdem, sich allzu sehr auf eines der klassischen Genres festzulegen - das Buch lässt sich weder der Science-Fiction noch dem Thriller eindeutig zuordnen und ist ebenso eine Liebesgeschichte wie ein philosophischer Roman. Bei Lem gibt es keine Technikbegeisterung ohne die zugehörige Skepsis, keinen Fortschritt ohne Pessimismus, keine Menschlichkeit ohne deren ständige Bedrohung. Dank der spannenden Story und der philosophischen Fragen, die der Roman aufwirft, ist er nach wie vor sehr lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 28 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Solaris
Solaris von Stanislaw Lem (Taschenbuch - 13. März 2006)
EUR 8,95
Gewöhnlich versandfertig in 6 bis 10 Tagen.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen