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Kundenrezensionen

106
4,1 von 5 Sternen
Solaris
Format: TaschenbuchÄndern
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85 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. August 2006
Im Zentrum von Lems Roman "Solaris" steht der gleichnamige, von einem vermutlich intelligenten Ozean bedeckte Planet, der sich seit Jahrzehnten der Erforschung widersetzt. Kris Kelvin, ein Psychologe und Erzähler der Geschichte, findet bei seinem Eintreffen auf der Station die Mannschaft, die mit schmerzhaften Erinnerungen und verdrängten Bildern ihres Unbewussten konfrontiert wird, in entsprechend desolater Verfassung vor. Auch Kelvin hat nach kurzer Zeit Erscheinungen in Form seiner Geliebten Harey, die sich vor Jahren das Leben nahm, als er sie verlassen wollte. Obwohl er die Künstlichkeit dieser "Harey" erkennt, empfindet Kelvin etwas für sie und versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, die letztlich genauso wenig Erfolg hat wie der Versuch, in Kontakt mit dem Ozean zu treten.

Lems zu recht weltberühmter Roman ist heute quasi ein Synonym für Science Fiction und stellt die Möglichkeiten dieser Literaturgattung eindrucksvoll unter Beweis. Philosophisches Kernstück ist die Frage, wie der Mensch mit Dingen umgeht, die zu begreifen er nicht im Stande ist bzw. die sich seinem Verständnis bewusst entziehen. Die Reaktionen, von denen berichtet wird, reichen von Flucht über Rückführung auf vermeintlich Bekanntes bis zum Versuch der Vernichtung. Interessanterweise scheint diese Fragestellung einigen Interpreten entgangen zu sein: Wenn etwa Theweleit unter dem Ozean eine Metapher "weiblicher Sexualität" verstanden wissen will und darüber Rückschlüsse über den Autor zieht, folgt er genau dem Muster, dass einige der Forscher in Bezug auf den geheimnisvollen Planeten praktizierten. Der psychologisierende Versuch, dass Fremde auf Allbekanntes zu reduzieren, schlägt jedoch fehl und offenbart etwas über den Interpreten, weniger über den Gegenstand.

In ihren Versuchen, ein nicht begreifbares Gegenüber zu verstehen, wird die Mannschaft auf sich selbst zurück geworfen. In diesem Punkt befördert die Handlung eine doppelte Reflexion: Der in seinen Phänomenen unverständliche Ozean konfrontiert die Menschen mit einzelnen Aspekten ihres Selbst, die ihnen ebenso rätselhaft bleiben. Der Versuch, im Ozean ein in irgend einer Weise dem Menschen ähnelndes Wesen zu erkennen und zu begreifen, verkehrt sich hier ins Gegenteil: Der Mensch spiegelt sich im Ozean und findet das in sich selbst liegende Unverständliche.

Das Buch enthält selbstverständlich noch andere Aspekte und erschöpft sich nicht in einer einzelnen Lesweise. Sowohl Tarkowski als auch Soderbergh verfilmten die Geschichte und zeigten dabei unterschiedliche schwerpunktmäßige Gewichtungen. Die Filme können die Lektüre daher auch nicht ersetzen; sie sind aber insofern interessant, als sie einem verschiedene Arten der Interpretation aufzeigen, die man mit der eigenen Wahrnehmung vergleichen kann. Das Werk ist, obgleich alles andere als langweilig geschrieben, sicher keine leichte Unterhaltung, nebenbei bewältigt werden kann, doch die Auseinandersetzung lohnt sich in jedem Fall.
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40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. November 2005
Allen Kinogängern sei es vorweg gesagt: weder Soderberghs Verfilmung von 2002 noch die Tarkowskijs von 1970 schaffen es, das Buch zu bewältigen. (Tarkowskij gelang immerhin noch eine eigenständige und sehenswerte Bearbeitung des Themas.) Das Buch entspricht in seinem Aufbau einem Theaterstück. Es lebt ganz von den Personen und ihren Monologen und Dialogen. Die Schwierigkeit des Menschen, Unbekanntes zu interpretieren und die Unlösbarkeit mancher Rätsel hinzunehmen, ist das eigentliche Thema des Buches. Wer lieber Abenteuer und Action in der Science Fiction sucht, sollte die Finger davon lassen.
Stanislaw Lem ist eine detaillierte und vielschichtige Parabel gelungen; eine Parabel darüber, dass der Mensch immerfort nach Wissen strebt und Neues erkundet, sich aber niemals sicher sein kann, dass er auch v e r s t e h t , was er findet. Selbst der Wissenschaftler schafft es nie, objektiv zu sein; seine unbewussten Sehnsüchte und psychischen Wunden mischen sich immer in seine Interpretation mit ein.
Das Buch bietet keine „Auflösung" der Rätsel (zum Glück!); der Planet Solaris bleibt mysteriös. Die Forscher in der Raumstation haben statt dessen etwas über sich selbst erfahren; über ihre eigenen Grenzen, über die Grenzen der Wissenschaft und über die nötige Ethik des Wissenschaftlers.
Fazit: ein spannender psychologischer Roman, der nachdenklich macht und auch einige unbequeme Fragen aufwirft (z.B.: kann man in einer unmenschlichen Situation noch nach den erlernten „menschlichen" Normen handeln?).
Ich lege das Buch vor allem Naturwissenschaftlern und Theologen ans Herz.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. April 2012
ZUR ÜBERSETZUNG:
Mir fielen schon die vielen gedeichselten Wortwendungen und etwas kuriosen Stilblüten auf. Auch der manchmal ein wenig seltsame Satzbau. Ich führte das bei der Lektüre von "Solaris" auf den Versuch der Übersetzerin, Irmgard Zimmermann-Göllheim, zurück, ein altmodisches Polnisch ganz besonders präzise zu übertragen. Wäre das nicht der Fall, läge eine fehlerhafte deutsche Version vor, müsste eine Neuübersetzung erfolgen.

Die zum Teil abgehackten Dialoge sind eindeutig ein Stilmittel von Stanislaw Lem, um Ratlosigkeit, Entsetzen, Angst und die Verzweiflung der Sprechenden auszudrücken. Dass Lem auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet, hat den gleichen Grund. Die Sätze der Protagonisten erschallen wie von weit her, wie unter Wasser vernommen. Hilflosigkeit ausdrückende Gespräche, wie von einem tiefen Ozean begraben...

INHALT / THEMA / HANDLUNG / STIL
Einige Rezensenten in diesem Amazon-Forum haben anscheinend das Kernthema von "Solaris" nicht richtig erfasst. In dem Roman geht es nicht um eine Liebesgeschichte, einen Thriller à la "Alien", eine Space Opera für die Fans von Star Trek, Star Wars, Heinlein & Co. Elemente davon sind durchaus enthalten, besonders die bizarre Liebesgeschichte und die bedrohliche Atmosphäre von James Camerons Kinoklassiker. Doch das Kernthema von "Solaris" ist ein anderes.

Es geht um den gallertartigen Ozean, der einen Planeten umschließt, der um zwei unterschiedliche Sonnen kreist. Die Gallerte könnte eine Art Organismus sein, eine völlig fremdartige Lebensform, deren Funktionen seit vielen Jahrzehnten beobachtet werden. Die Funktionen sind Gegenstand der wildesten, aber auch der wissenschaftlich seriösesten Spekulationen. Das brodelnde Plasma-Meer und die Vermutungen der Menschen darüber, darum geht es in "Solaris".

Ist der Ozean einfach nur eine auf die Physik reagierende Masse? Oder ein intelligentes Lebewesen, welches mit seinen aus dem Schaum des Meeres geborenen Formen allerhöchste Mathematik interpretiert? Oder eine Art Gott? Eine verhinderte Gottheit, die auf dem Weg zur handelnden Superkreatur stecken geblieben ist? Die farbigen Spekulationen darüber füllen die Romanseiten von "Solaris" aus.

In dieses Kernthema integriert ist die Geschichte um die drei Besatzungsmitglieder der Solaris-Station. Und ihres Neuzugangs von der Erde. Vier unterschiedliche Charaktere, einer davon schon zu Beginn der Handlung verstorben (Selbstmord, also nur noch in der Rückschau dabei). Jene vier Solaris-Forscher haben vier 'Gäste' zu Besuch. Zu ihren 'Gästen' haben die Forscher, so weit Stanislaw Lem uns daran teilhaben lässt, traurig-romantisch-abstruse Beziehungen. Die müssen sie auch haben. Man wird sie nämlich nicht los...

Immer wieder beschreibt Lem den Ozean im Schein der beiden Sonnen. Er entwickelt dabei eine Sprachgewalt (durch Frau Zimmermann-Göllheim gebremst oder gefördert?), die außerordentlich beeindruckend ist. Dann kommen wieder Passagen, in denen der neue Mann auf der Solaris-Station von den vielen Interpretationen über die Beschaffenheit des (vielleicht) lebenden Meeres liest. Diese Bilder des Ozeans und seiner ihm entsteigenden Gebilde und die Bibliotheks-Passagen, wie das so manche Rezensenten hier sehen, als Beiwerk abzutun, ist eine Fehleinschätzung des Romans.

Der 'Gast' des Neuzugangs der Station, Kelvin, ist eine Frau. Seine Geliebte, die vor zehn Jahren Selbstmord begangen hat. Sie kann demnach unmöglich echt sein, entpricht aber trotzdem bis zu den Grübchen im Gesicht und der intimsten Mimikry der verstorbenen Liebsten. Sie loszuwerden, ist Kelvin, genauso wie allen anderen Solaris-Forschern, zuerst eine Verpflichtung, da er sie für eine Manipulation des den Planeten einnehmenden Plasmas hält. Später bekommt er Skrupel...

Aber sind die 'Gäste' wirklich der Versuch einer Manipulation? Wenn man sie, wie auch immer (meist mit akuter Gewalt), losgeworden ist, kehren sie zurück, sobald der Gastgeber geschlafen hat. Könnte es sich um eine Art Kontaktaufnahme handeln? Oder eine Überwachung der Menschen auf dem Planeten Solaris? Bei ihrer Rückkehr können sich die 'Gäste' nicht daran erinnern, dass man sich von ihnen trennen wollte (auf Trennungen reagieren sie sowieso außerordentlich allergisch...). Es kommt, wie es kommen muss. Kelvin verliebt sich in seinen 'Gast'.

Über die 'Gäste' der anderen Solaris-Forscher erfahren wir nicht viel. Einer könnte ein Kind sein. Skurril ist der 'Besucher' des Verstorbenen, Gibarian. Gibarians Erscheinung bleibt, bis auf einige Streifzüge durch die Station, beim Leichnam seines Gastgebers in der Kühlkammer. Keine Farbige aus den USA oder Zentralafrika, sondern eine archaische Schwarze, wie man sie von alten afrikanischen Skulpturen her kennt, starkhüftig und vollbusig und nackt; von Lem politisch unkorrekt, aber treffend als Negerin umschrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass Gibarian ein Farbiger gewesen ist. Warum also ist ihm diese animalische Erscheinung so wichtig gewesen wie Kelvin seine durch Selbstmord ums Leben gekommene Geliebte? Meines Erachtens haben wir es hier mit einem Beispiel des berühmt-berüchtigten Lem'schen Humors zu tun.

Die Solaris und ihr einziger Ureinwohner. Ist ein Kontakt zu ihm möglich? Ein Kontakt mit einer Daseinsform, deren Fremdartigkeit sie zur Projektionsfläche der geballten menschlichen Fantasie und Wissenschaft macht, ohne dass etwas Entschlüsselndes dabei herauskäme. Eine Kommunikation mit dem vollkommen Unbekannten? Ein Informationsaustausch mit Gott? Formal lässt Stanislaw Lem die Frage offen, aber nach dem Lesen des Buches steht fest, dass Menschen bei der Begegnung mit etwas, das ihren Horizont übersteigt, immer nur sich selbst vorfinden, ihrer eigenen Spiegelung begegnen.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. August 2001
Mit "Solaris" hat Stanislaw Lem ein düsteres Science-Fiction-Scenario entworfen, dass nicht nur in Genre-Kreisen als Meisterwerk gilt: Eine Raumstation schwebt im Orbit eines Planeten und untersucht die dort ansässige Lebensform, die als eine Art Meer grosse Teile des Planeten umspannt. Doch anders als in Büchern mit ähnlichem Thema, die vom Zusammentreffen von Menschen und fremden Lebensformen handeln, scheitert die Menschheit hier schon an der Kontaktaufnahme, da die Verschiedenheit der beiden Spezies eine Kommunikation unmöglich zu machen scheint. - Diese Sichtweise macht Lem's Buch für mich äusserst interessant und ist somit eine wohltuende Abwechselung zu der romatisierenden Art und Weise in der der "first contact" sonst behandelt wird. Darüber hinaus ist das Buch intelligent und hervorragend geschrieben, so dass das Lesen schon aufgrund von Lem's Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit eine Freude ist. Wer sich für das Thema interessiert, sollte vielleicht auch mal Lem's "Der Unbesigbare" lesen oder einen Blick in die "Ender-Reihe" von Orson Scott Card werfen..
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
..sind auf fremden Planeten in anderen Galaxien möglich. In diesem Klassiker der Science-Fiction geht es nicht um den typischen Marsmenschen, sondern um die philosophische Frage nach dem Leben überhaupt.

Irgendwann in der Zukunft: Der Psychologe Kris bricht zum Solaris auf. Solaris ist ein Planet, der großteilig von einer Art lebendigem Ozean bedeckt ist. Hier auf der Forschungsstation treten offenbar eigenartige Phänomene auf. Angekommen, wird er merkwürdig empfangen und sieht sich bald selbst mit Besuchern konfrontiert, die seinem Unterbewußtsein entsprungen zu sein scheinen..

Solaris ist wirkliche Science-Fiction und nicht nur Weltraumabenteuer, da hier tatsächlich ein fiktiver wissenschaftlicher Diskurs skizziert wird, der nämlich der Solarisitk. Lem hat hier sehr gelungen die Frage nach Sinn oder gar Unsinn von Wissenschaft aufgeworfen.

Ich fand am Anfang die Übersetzung etwas hölzern, aber sie verleiht dem Buch einen eigenen Charme, wenn man sich daran gewöhnt hat. Die Dialoge wirken etwas ungelenk, aber dadurch auch letztenendes wieder authentisch. Die Beschreibung der Phänomene auf Solaris ist für meinen Geschmack manchmal etwas zu ausführlich geraten, andererseits gehts es hier auch um das Vorbild der "Wissenschaftlichkeit".

Die Frage, ob sich alles im Universum mit menschlichen Maßstäben greifbar machen lässt, steht ganz klar im Mittelpunkt und regt auch über das Buch hinaus zum Nachdenken an.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juni 2012
Leider war es mir nicht vergönnt den Roman vor der Tarkowski Verfilmung zu lesen.Weicht dieser in Tarkowskis Film und seiner Persönlichen Interpretation doch deutlich ab.Autor Lem schafft es gekonnt den Leser mit einer Mischung aus Philosophischem Diskurs und alltäglicher Arbeit von Wissenschaftlern zu fesseln.Zeigt er doch eindrucksvoll mit seinem beschriebenen Phänomen des Ozeanes unter der Station Solaris,die Beziehung vom Sein und Bewusstsein.Das Reproduzieren von Gedanken und Wünschen in Materielle Form.Der Wechsel zwischen zwischen den Träumen des Kelvin seinen Ängsten und den Experimenten auf der Basis sorgt für den nötigen Kontrast.

Den allmählich beginnenden Wahnsinn des Hauptprotagonisten und der 2 übrigen Wissenschaftler auf der Station.Lem gelingt es wie keinem zweiten den Menschen an die Grenzen seiner Begabung und seines Verstehens zu bringen.Die Konfrontation mit dem Unbekanntem,dass keinem Irdischen Physikalischem Gesetz zu unterliegen scheint.

Zugegebenermaßen ist die Deutsche Übersetzung an gewissen Abschnitten etwas altbacken und schwer verständlich.In Anbetracht der Erzählstruktur kann man diesen Umstand jedoch leicht tolerieren.Sicher stellt Solaris keine Lektüre für zwischen durch dar,dennoch bietet der Roman,insofern man sich den Roten Faden der Handlung bewusst macht, ein Spannendes und zum weiter denkendes Buch dar.Ein Klassiker des Sciene Fiction wenn nicht gar der Klassiker.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Solaris ist ein fantastischer Roman. Den Begriff Science-Fiction" hat Stanis³aw Lem für seine Bücher stets abgelehnt, da er sie allein nach literarischen Maßstäben beurteilt sehen wollte. Die Geschichte kreist im Wesentlichen um eine Frage: Wie würde sich der Mensch verhalten, wenn er mit einer Lebensform konfrontiert wäre, die sich seinen gewohnten Wahrnehmungs- und Beurteilungskriterien vollständig entzieht - und die doch eindeutige Zeichen von Intelligenz aufweist? Die Atmosphäre in der Forschungsstation auf dem fernen Planeten Solaris ist beklemmend, der drohende Wahnsinn mit Händen zu greifen; ohne billige Effekte gelingt es Lem, die Handlung voranzutreiben und trotzdem immer wieder, wie nebenbei, philosophische Aspekte aufzugreifen. Souverän vermeidet er es außerdem, sich allzu sehr auf eines der klassischen Genres festzulegen - das Buch lässt sich weder der Science-Fiction noch dem Thriller eindeutig zuordnen und ist ebenso eine Liebesgeschichte wie ein philosophischer Roman. Bei Lem gibt es keine Technikbegeisterung ohne die zugehörige Skepsis, keinen Fortschritt ohne Pessimismus, keine Menschlichkeit ohne deren ständige Bedrohung. Dank der spannenden Story und der philosophischen Fragen, die der Roman aufwirft, ist er nach wie vor sehr lesenswert.
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89 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. März 2008
Mag auch der Inhalt des Buches zu Recht als Klassiker gelten: sprachlich ist jedenfalls die deutsche Fassung geradezu unterträglich. Durchweg finden sich merkwürdige Satzstellungen ("Ich blieb stehen wie angewurzelt."), schiefe Übersetzungen ("- Nichts. - sagte er und klapperte schnell mit den Liddeckeln." - gemeint sind Augenlider, mit denen hier 'geklappert' wird; "Ich wartete einigemal zehn Sekunden Stille ab..."; "Sie war von rückwärts beleuchtet."; "Harey fand sich auch ein Buch."), die falsche Verwendung von Verben ("Wo der Korridor umbog, wandte sie sich seitwärts..."), Rechtschreibfehler ("Reagentien" statt 'Reagenzien'), Substantivierungen ("...ich fühlte noch die weiche Tastempfindung in den Fingerspitzen verfließen."; "Kann eine solche Vorspiegelung einen solchen Grad von Wahrhaftigkeit erreichen?"), orthographische Inkonsistenz (S. 31: "Eine Zeit lang roch..."; S. 49: "Eine Zeitlang aßen wir...") u.s.w. Es entsteht oft der Eindruck, als habe die Übersetzerin nur die Kompaktausgabe eines Sprachlexikons zur Hand genommen und dabei Wort für Wort übersetzt ("...einer fast _unausgesetzt_ von Nebelstreifen überlagerten wogenden Wüste") und keinerlei Sprachgefühl gehabt, so dass Sätze entstehen wie: "Die Reihe kam an Berichte über die bereits durchgeführten Experimente." Von einer 'Übersetzung' kann man da wirklich kaum noch sprechen! Und diese Mängel muss man nicht erst mühsam suchen, das Buch strotzt nur so davon. Es ist mir ein Rätsel, wie man das Buch angesichts dieser Unzulänglichkeiten noch als 'gut' bezeichnen kann. Das geht wohl nur mit einem Höchstmaß an sprachlicher Leidensfähigkeit.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 10. April 2012
Der Psychologe Kris Kelvin wurde auf eine Raumstation um Solaris, einen Planeten mit einem aus gallertartiger Masse bestehenden Ozean, versetzt, denn auf der Station passieren seltsame Dinge. Der Stationsleiter Dr. Gibarian ist verstorben, der Kybernetiker Snaut ist verstört und verängstigt, und Dr. Sartorius verbarrikadiert sich meistens im Labor. Die Probleme auf der Station scheinen begonnen zu haben, nachdem Dr. Sartorius das Solarismeer bestrahlt hat. Seitdem tauchen auf der Station sogenannte Gäste auf, die in Kelvins Fall die Gestalt seiner Ex-Freundin Harey annehmen, die sich mit 19 umbrachte. Der Planet erschafft auf Grundlage der Erinnerungen der Stationsbewohner diese Gäste, die sie mit den Schatten der eigenen Vergangenheit konfrontieren. Kelvin ist hin- und hergerissen. Harey ist harmlos, sie will aber ständig in Kelvins Nähe sein, sonst dreht sie durch. Kelvin beginnt mit ihr zu experimentieren, denn wenn ein Gast stirbt, dann kehrt er zurück, ohne sich zu erinnern, was passiert ist. Langsam verschwimmen für Kelvin die Grenzen zwischen Realität und diesen Traumgebilden. Harey wird für ihn immer menschlicher, wird zur echten Harey, die er liebte.

Dieses 127 min MDR Hörspiel in zwei Teilen (Der Planet (1. Teil), Der Ozean (2. Teil)) aus dem Jahr 2006 von Peter Rothin basiert auf dem gleichnamigen Roman des polnischen Autors Stanislaw Lem (1921-2006). Die Geschichte dürfte wohl am bekanntesten in ihrer Verfilmung von Steven Soderbergh mit George Clooeny als Kelvin sein.
Dieses Hörspiel ist weniger ein Sci-Fi, als ein mystisch philosophisches Hörspiel. Kris Kelvin versucht erst rational zu erfassen und zu untersuchen, was oder wer die Gäste sind. Mehr und mehr jedoch, fühlt er sich Harley oder Solaris oder wer oder was auch immer sie sein mag, verbunden. Er will sie nicht mehr zerstören oder vernichten, er will sie verstehen, sie kontaktieren und nicht mehr hinterfragen. In diesem Hörspiel erzählt Kelvin die Ereignisse einem Untersuchungsausschuss, der letztendlich aber auch zu keinem Schluss kommt. Solaris ist, was es ist. Egal was oder wer Kelvins Gast war, er beginnt sie/es um ihrer selbst willen zu lieben, über alle Grenzen hinweg. Vielleicht ist das auch die Botschaft dieses Hörspiels oder des Romans, Liebe ist selbstlos und grenzenlos und hat viele verschiedene Formen, die man weder verstehen, noch begreifen kann. Das Universum ist voller Wunder, die man nicht verstehen kann oder muss. Es reicht, wenn sie sind.
Ein wunderbares Hörspiel. Akustisch minimalistisch aber doch sehr passend umgesetzt mit sehr guten Sprechern, die ihre Rollen und Emotionen ausspielen und nicht ihren Text vorlesen. Ein Radiohörspiel der Extraklasse, das regelmäßig auf den staatlichen Sendern im Programm auftaucht.

Kris Kelvin: Oliver Stokowski
Harey: Maria Simon
Snaut: Bernhard Schütz
Doktor Sartorius: Hans Peter Hallwachs
Doktor Gibarian: Hilmar Eichhorn
Bertand: Thomas Rühmann
Messenger: Hans-Jürgen Hürrig
Junge: Klaus Hahn
Modar: Markus Scheumann
Doktor Girth: Lena Stolze
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. November 2008
Trotz der zugegebenermaßen teils erschreckend schwachen Übersetzung, die andere Rezensenten bereits angeführt haben, ist dieses wohl bekannteste Werk des polnischen Autors Stanislaw Lem heute ein Klassiker - aber nicht nur der Science Fiction, das wäre eindeutig zu kurz gegriffen, sondern auch der Philosophie und Psychologie.

Wer bereits andere Bücher des Schriftstellers kennt, wird über das verkrampfte Deutsch des Buches sicherlich hinwegsehen können und sich am eigenwilligen Stil des Autors erfreuen. Die Schreibweise von Lem ist teilweise derart realistisch und (pseudo-) wissenschaftlich angelegt, dass man ab und an versucht ist, sich zu versichern, ob das Wort "Roman" überhaupt irgendwo auf dem Umschlag steht. Er zitiert oft aus seinen (fiktiven) Quellen und skizziert dabei ein in sich stimmiges Bild der 100jährigen Erforschung eines fremden Planeten und der verschiedenen "wissenschaftlichen Schulen", die dieses Forschen hervorgebracht hat. Diese Richtungen, die sich teils völlig widersprechen, haben eigentlich nur eines gemeinsam: den Mangel an "wirklichen" Erkenntnissen über den vermutlich intelligenten Ozean. Dabei wimmelt es von Namen und Quellenangaben, die aber seltsamerweise zu keiner Zeit störend wirken, sondern den Leser tief in dieses Universum eintauchen lassen. Dieser Stil ist den mir bekannten Werken von Lem gemein und zeichnet schon für sich genommen einen außergewöhnlichen Autor aus. Ähnliches habe ich bisher nur bei Frank Herbert ("Ein Cyborg fällt aus") gesehen, wenngleich sich Lem vergleichsweise angenehmer liest. Die technischen Seiten mancher Zukunftsromane findet man in "Solaris" so gut wie gar nicht - wie es die Menschen schaffen, den Weltraum zu durchqueren bleibt beispielsweise völlig offen. Auch politische Fragen, die in vielen Geschichten dieser Art eine Rolle spielen, bleiben außen vor. Dafür werden während der Erforschung des völlig fremden Lebewesens tiefe Einblicke in die menschliche Psychologie und Philosophie geboten. Neueinsteiger dürften sich damit eventuell schwer tun, allerdings ist die Eingewöhnungsphase erstaunlich kurz. "Leichte" Science-Fiction-Lektüre sieht dennoch anders aus und somit ist klar, dass Lem'sche Bücher sicher nicht jedermanns Sache sind.

Wer eine actionorientierte Handlung mit Kämpfen, Laserstrahlen usw. erwartet, ist bei Lem sowieso an der falschen Adresse. Die Geschichte lebt von den ruhigen Nuancen, ist deshalb aber nicht weniger spannend. Wobei man bei aller Liebe zu Klassikern des Genres dennoch einen Kritikpunkt anführen kann: das Ende wirkt, als ob dem Autor einfach das Papier ausgegangen wäre, das Buch schließt einfach im Nirgendwo. Ein offener Schluss an sich ist ja kein Problem, aber die Art und Weise wie das hier gemacht wurde, widerlegt den behutsamen und gründlichen Aufbau des Werkes und ist für mich Grund genug, einen Stern abzuziehen.
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