Kundenrezensionen

27
3,9 von 5 Sternen
Mir selber seltsam fremd: Russland 1941-44
Format: TaschenbuchÄndern
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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. März 2005
So ganz kann ich die Reaktionen der anderen Rezensenten hiern nicht verstehen.
Reese schildert, wie er aus seinem geregelten Leben gerissen und in den Horror des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront gezogen wird. Reese beschreibt sehr detailliert, wenn auch ewtas blumig, da gebe ich den anderen Lesern Recht, wie er vom friedensliebenden Denker zum primitiven Abbild eines Menschen wird, nur darauf bedacht zu überleben.
Teilweise erscheint das Werk etwas lücken- oder sprunghaft, was daran liegt, dass Reeses Tagebuch als Vorlage für das Manuskript diente. Der Autor stellt hier die Erbarmungslosigkeit des Krieges dar und hält die inneren Veränderungen eines Menschen, der täglich dem Tod gegenüber steht, fest.
Für Leser, die interessante oder gar "spannende" Kriegsgeschichten erwarten, sicher ungeeignet. Für diejenigen, die sich für die Veränderungen im Seelenleben eines jungen Menschen während des Krieges interessiern empfehlenswert.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. April 2010
Das Buch ist ausgezeichnet. Der Schrecken und die Grausamkeit des Krieges wird durch das Zeugnis des Autors deutlich. Er schildert sein Leben und seine Gedanken im Rahmen von Texten aus seinem Tagebuch. Das Buch ist empfehlenswert. Insbesondere sollte es von jungen Leuten gelesen werden, die auch heute noch der Ansicht sind als Soldat die Welt zu ändern und nicht Ihre Funktion als Rädchen im Machtgefüge Anderer erkennen.
Die aktuellen Aktivitäten der deutschen Armee sind nach der Lektüre dieses Buches noch schwieriger nachzuvollziehen.
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wir sind ja nun wieder eine Nation, die Kriege - wenn auch in Anführungszeichen - führt. Im Klartext heißt dies, dass wir Soldatinnen und Soldaten in Situationen der permanenten Angst, Gefahr und schleichenden Entmenschlichung schicken, die weit jenseits der Alltagserfahrung von uns Normalbürgern liegen. Und dann kommen diese Menschen wieder zurück in den Schoß einer für sie wohl extrem fremd gewordenen, seltsam behüteten und gegen die wahren Schrecken der Welt (noch) abgeschotteten Spielzeugeisenbahnwelt. Eine Luxuswelt, in der sich Feuilletonisten wochenlang über die frühreifen literatischen Ergüsse einer Berliner Plagiatorin oder irgendwelche Feuchtgebiete ereifern können. Offenbar geht es uns in unserem Narrenparadies so gut wie keiner Generation zuvor. Noch.

Wer jedenfalls erahnen will, was psychologisch in den Menschen vorgehen mag, die für uns in die inneren Höllenkreise unseres Planeten ziehen und im Wortsinne ihren Kopf hinhalten, sollte dieses dunkle Meisterwerk deutscher Literatur lesen. Willy Peter Reese beschreibt als Soldat im zweiten Weltkrieg, wie er im Gemetzel des Russlandfeldzugs "sich selber seltsam fremd wird". Am Schluss hält er die Spielzeugwelt der Heimat, nach der er sich in Schlamm und Blutbad doch so sehnt, kaum noch aus. Er muss zurück in die Kriegshölle wie ein Trinker zur Flasche, wie ein Junky zum nächsten Druck. Er braucht den ultimativen Todeskick.

Äußerst belesen, hoch gebildet und zweifellos ein literarisches Genie, beobachtet Reese seine eigene Veränderung zum Krieger, poetisch, sezierend und zugleich ohne naive moralische Wertung. Er wird zu einem, der "im Verfall seiner eigenen Seele wohnt" - und: "Gespenster schienen auch wir". Das Ventil der gespenstisch verrohten Männer: "Wir... stürzten uns wie Todgeweihte in den Rausch ... ließen eine gefangene Russin Nackttänze aufführen und bestrichen ihre Brüste mit Stiefelfett...". Das unvollendete Romanfragment endet mit Sätzen, die Reese während seines letzten Heimaturlaubs tippte: "Pause. Urlaub in der Heimat. Heimkehr, Heimkehr! Der Krieg ging weiter. Ich wanderte wieder aus. Ich liebte das Leben". Danach zog Willy Peter Reese wieder in den Todesraum Osten und verschwand irgendwo in irgendeiner Schlacht, wie so viele.

Reeses literarisches Vermächtnis ist ein großes, lehrreiches, wichtiges Buch über das, was Krieg aus Soldaten macht. Ich kann es allen, die wie ich als behütete Friedens- und Wohlstandskinder aufgewachsen sind und diesen schwarzen Spiegel des Menschseins schauen wollen, nur empfehlen. Allerdings sollte man sich innerlich warm anziehen, wenn man sich auf dieses Buch einlässt. Das hier ist kein Spiel mehr.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Januar 2013
Willy Reese schafft all das Absurde des Krieges in Worte zu fassen. Seine Schilderungen haben mich zutiefst beeindruckt, weil er eben nicht auf die ganze Brutalität eingeht, sondern man im Zeitraffer den Verfall seines Geistes miterlebt. Es geht unter die Haut. Dass der Autor den Krieg nicht überlebt, sondern das Buch einfach abbricht, macht es nur noch authentischer...
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. März 2013
Ein packendes, bewegendes, literarisch ansprechendes Buch! Die Erlebnisse und Gedanken von Willy Peter Reese könnten auch als Quelle für den vor kurzem ausgestrahlten Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" gedient haben. Zumindest war mir nach der Lektüre dieses Buches das Verhalten und die fortschreitende Verrohung der in diesem Film gezeigten Wehrmachtsoldaten nicht "seltsam fremd", wie es mir ohne die Lektüre diese Buches sicher gewesen wäre, sondern auf bedrückende Weise seltsam vertraut. Sehr traurig, dass dieses große literarische Talent, Willy Peter Reese, den Krieg nicht überlebte!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Dezember 2009
Habe das Buch mit großer Spannung gelesen. Die Gefühle werden authentisch beschrieben und sind nicht durch den Filter verändert worden, der gerade in Deutschland die Kriegserlebnisse in ein bestimmtes Bewertungsschema presst.

Schockiert hat mich allerdings die philosophische Überhöhung, wenn zum Beispiel nur lakonisch gesagt wird "die Frauen schrien, das Dorf brannte" und dann ausführlich der Sternenhimmel beschrieben wird. Naturerlebnisse als Ersatz für Menschlichkeit.

Aber auch aus diesem Aspekt ein sehr hilfreiches Buch und seltenes Dokument für die seelische Verarbeitung der Kriegsgeschehnisse.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Oktober 2013
Das man bei dem hier,von Willy Reese geschilderten Kriegshorror,überhaupt noch in der Lage ist einen zusammenhängenden Satz zu denken,gar niederzuschreiben,verdient meine Anerkennung.
Es ist nicht nur ein Satz dabei herausgekommen,sondern wirklich ein aufrüttelndes Buch,welches uns den Wahnsinn dieses Krieges noch einmal äußerst anschaulich vor Augen führt.
Jedem der bei den Wörtern, Krieg und Schlachtengetümmel,dieses unbestimmbare,glorifizierende Leuchten in die Augen fährt,sei dieses Buch empfohlen um den Krieg so zu erleben wie er in Wirklichkeit ist,unbeschreiblich bestialisch!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Februar 2007
Der einfache Soldat Willy Peter Reese verwendet seine umfangreichen Aufzeichnungen vom Rußlandfeldzug, um etwas zu schaffen, von dem er selber nicht weiß, was es werden soll: einfaches Tagebuch, Anklage an die "Kriegsführenden", Tatsachenberichte, Bild seiner Stimmungen...?

Das scheint mir auch eine große Schwäche des Buches zu sein:

Die Verfremdung der Ereignisse bzw. deren Ersatz durch seine Empfindungen, die die Unmittelbarkeit der Unmenschlichkeit abzuschwächen scheint. Andererseits ist die offensichtliche Unvollständigkeit dieser Arbeit (er selber schreibt viele Nächte an der Front und wird seit August '44 vermißt) umso beeindruckender, als dadurch nur der unmittelbare Informationsstand unbeeindruckt von Retrospektive

und Interpretation dargestellt sein kann. Und dennoch enthält dieses Buch soviel Weitsicht und Einsicht, wovon nach dem Krieg so viele in D. so wenig gehabt haben wollen...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Natürlich drängt sich bei diesem Buch sofort Ernst Jüngers Kriegstagebuch auf. Beide Bücher haben viele Parallelen aber auch viele Unterschiede. Natürlich ist der 1.Weltkrieg nicht mit dem zweiten zu vergleichen. Aber beide Protagonisten waren im selben Alter und beide wollten Schriftsteller werden. Jünger hat es geschafft, Reese naturgemäß nicht, weil er gefallen ist. Alter Berufsziel und Bildungsniveau waren aber wohl das Einzige, das den beiden gemeinsam war. Parallelitäten ergeben sich bei beiden, indem sie Fatalisten gegenüber dem allgegenwärtigen Tod wurden, aber das wurden wohl viele Soldaten.
Reeses Skripte sind rührend naiv, aber die Realität des Krieges lehrt ihn Sachlichkeit. Diese brutale Naivität eines kaum 20-Jährigen, der nichts bechönigt und verschweigt, der quasi seine Seele offenbar, dieser Zauber wird leider fast völlig zerstört durch die Erklärungswut des Herausgebers Schmitz. Wie sagte schon Altbundeskanzler Helmut Schmidt: Die Brutalität des Krieges kann nur der verstehen, der dabei war. Er war dabei. Der Herausgeber nicht. Eigentlich möchte ich 2 Bewertungen abgeben 5 Sterne für das Tagebuch eines Abiturienten und 1 Stern für den Herausgeber. Ich entscheide mich für den höheren Wert, denn Reese kann nichts für die Verflüssigung seiner Aufzeichnungen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. März 2013
Großartig und unvergesslicher Bericht,sehr anschaulich und wert einer umfangreicheren Bekanntmachung.
Im Film "Unsere Mütter unsere Väter" einige Male erwähnt,doch unerreicht.
Willi Peter Reeses Werke müssten weitere Dokumente zeitigen

"Mir selber seltsam fremd" Tagebuchartiger Bericht von W.P.Reese

Den Internationalen Lesern sehr zu empfehlen
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