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100 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kraft der Evolution
Natürlich kann man darüber streiten, ob ein solches Buch noch notwendig ist. Scheint doch die Evolutionstheorie zumindest in Europa allgemein anerkannt zu sein. Sieht man sich allerdings die im Anhang dieses Buches angeführten Statistiken an, sollte man sich diesbezüglich nicht zu sicher sein. Demnach wird die Aussage Die Menschen, wie wir sie heute...
Veröffentlicht am 22. Dezember 2010 von karin1910

versus
48 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwieriger Spagat
Ich habe zuerst "Der Gotteswahn" gelesen und fand es brilliant. Bei diesem Buch tat ich mich schwerer.
Dawkins hat grundsätzlich das Problem, einerseits interessante Lektüre für Interessenten der Evolution schreiben zu wollen, für welche die Evolution eine Tatsache ist (eine Tatsache, an der kein frei denkender Mensch den geringsten Zweifel haben...
Veröffentlicht am 4. Dezember 2010 von Traveller


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20 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wo die Argumentation hakt, 5. September 2012
Eine Anmerkung vorab: in dem zweiten Kommentar gehe ich auf den ersten Kommentar ein - nichts Ungewöhnliches eigentlich. Dass der Kommentar mittlerweile nicht mehr automatisch angezeigt wird sondern angeklickt werden muss, demonstriert, dass es, um das Prädikat "wissenschaftlich" zu erhalten, nicht genügt, ein bestimmtes Vorgehen zu beherrschen, man muss auch zu den richtigen Ergebnissen kommen. Das ist unter Hobbywissenschaftlern leider nicht anders als an der Universität. Das aber nur am Rande, die eigentliche Besprechung beginnt ab jetzt.

Nicht jeder kann sich mit Logik, Wissenschaftstheorie auskennen, ausgeprägte analytische Fähigkeiten haben und sich gleichzeitig fachlich gut auskennen. Aber bevor man andere der Lüge bezichtigt, sollte man schon wissen, was man tut: man unterstellt nämlich die wissentliche Falschdarstellung aus boshafter Absicht. Alle drei Kennzeichen müssen mindestens gegeben sein, und ob Dawkins das wirklich unterstellt weiß ich nicht, aber faktisch versucht er den Nachweis noch nicht einmal.

Ich werde mich in dieser Rezension mit den Hauptaussagen seiner Kapitel auseinandersetzen und dann auf die Punkte eingehen, die er übergeht (hoffentlich ohne Wissen und boshafte Absichten).

1. Die Hauptschwäche seines Buches besteht darin, dass ihm offenbar nicht klar ist, was überhaupt ein Argument für oder gegen die Evolution wäre. Außerdem ist ihm nicht klar, welche Position die Kritiker oder Skeptiker der Evolutionstheorie einnehmen. Stattdessen argumentiert er zu gefühlten 70% dafür, dass es natürliche Zuchtauswahl gibt, also Lebewesen sich unter natürlichen Bedingungen verändern. Und genau das bestreitet heute auch kein Kreationist! Er widerlegt eine Position, die es zu den Zeiten Darwins noch gab, als Theologen annahmen, dass die Arten unveränderlich seien - was ihnen schon deswegen hätte überspannt vorkommen können, weil es die Zucht durch Menschen fast so lange gab, wie den Menschen selbst, auf jeden Fall aber deutlich länger als die Evolutionstheorie. Seine Beispiele dafür, wie man durch künstliche Zucht das Aussehen von Organismen verändern kann, sind daher überflüssig und irgendwie auch naiv.

2. Besonders deutlich wird seine Schwäche als analytischer Geist, wenn er Beispiele dafür aufzeigt, wie gut Organe des einen Lebewesens zu denen eines anderen Lebewesens passen, weil das ebenfalls auch Kreationisten nicht bestreiten. Leider nehmen auch diese Beispiele, die wirklich niemandem etwas bringen, einen relativ breiten Raum ein. Stattdessen muss er, wenn er für die Evolution argumentieren will, dafür argumentieren, dass es eine Entwicklung gab, nicht dafür, dass das Ergbnis funktioniert. Aber wie gesagt: auch dort, wo er Entwicklungen zeigt, die wir beobachten können, bringt er keine Beispiele, die von Kreationisten geleugnet werden. Moderne Kreationisten gehen vielmehr davon aus, dass Gott bestimmte "Grundtypen" geschaffen habe, aus denen sich alle heutigen Lebewesen entwickelt hätten. Ich vermute, dass Dawkins die Entwicklung des Kreationismus seit den Tagen Darwins nicht mehr verfolgt hat. Natürlich kann er Kreationismus für so blöd halten, dass eine Auseinandersetzung sich für ihn nicht lohnt. Aber wenn man öffentlich dagegen argumentieren will, sollte man vielleicht doch die Mühe machen, überhaupt mal nachzuschauen, was dort eigentlich vertreten wird...

Anmerkung zu dem Vorwurf, die Grundtypenlehre sei "Metaphysik"(In dem zweiten Kommentar diskutiere ich übrigens sämtliche Einwände auf den ersten kritischen Kommentar): Die Grundtypenlehre ist recht einfach falsifizierbar: der Stammbaum der Evolution müsste keineswegs vollständig sein, aber es dürften nicht regelmäßig Tiergruppen ohne Vorstufen darin auftreten. Diesen Befund kann man nicht einfach damit erklären, dass eben noch nicht genug Fossilien gefunden wurden. Das Phänomen der sog. „Leitfossilien“ funktioniert doch nur deswegen, weil man dort regelmäßig mit dem plötzlichen Auftauchen einer Tierart konfrontiert wird (wie gesagt: regelmäßig!), ohne dass der Übergang aus einer anderen Tierart nachvollzogen werden könnte. Eine bessere Erklärung ist die Entstehung der Fossilfolge als schlichte Ausbreitung anhand der Nahrungskette, der Ausbreitungsgeschwindigkeit etc...die Beute muss immer vor dem Jäger da sein. Umgekehrt kann es durchaus so sein, dass ein Beutetier schon seine Abwehrwaffen gegen einen Jäger aufweist, auch wenn der Jäger noch nicht den Ort erreicht hat. Es ist aber nicht logisch, wenn es diese Verteidigung schon geben soll bevor es den Jäger überhaupt gibt!
Nicht falsifizierbar ist tatsächlich der Glaube, dass Gott die Welt und das Leben erschaffen hat, das ist tatsächlich ein Glaubenssatz. Allerdings ist auch der Glaube, dass sich alles von selbst entwickelt hat, ein Glaubenssatz. Denn der Versuch, Leben aus nichtbelebter Materie entstehen zu lassen, ist bislang reine Metaphysik, wenn man nicht sogar sagen kann, dass er gründlich widerlegt ist. Aber wie sollte ein Glaubenssatz widerlegt werden?

3. Interessanter wird sein Kapitel, in dem er sich mit dem Vorwurf der "fehlenden Bindeglieder" auseinandersetzt. Sein Gegenargument sind Funde von Tieren, die sich in Lücken einordnen ließen und die Kritiker nur dazu veranlasst haben zu sagen, dass ja jetzt zwei Lücken entstanden seien. Dawkins stellt hier die Funde so dar, als gebe es eben eine Reihe von Fossilien, die allein durch die angeblich geringe Menge der Funde nicht wirklich nahtlos sein kann, ohne dass ihr deswegen "Lücken" vorgeworfen werden müssten. Was er verschweigt ist aber der unangenehme Umstand, dass die Fossilien einer Tierart oft eben doch plötzlich auftauchen und dann ganz viele dieser Tiere gefunden werden, während man ansonsten immer Tiere einer anderen Tierart gefunden hat. Erwarten würde man das sicher nicht, wenn man von einer stufenlosen Evolution ausgeht. Die Beobachtung, dass alle Tierarten irgendwo wie aus dem Nichts auftauchen und dann zwar einer Veränderung unterliegen, aber durchaus zu Gruppen zusammen gefasst wer den könnnen, ermöglich es, die verschiedenen Fossilien mit Namen zu versehen, weil eben nicht jeder Fund sich irgendwo auf der Entwicklungsskala einordnen lässt. Dawkins hält verständlicherweise nicht viel von den Ordnungsfragen der Biologie, bei denen man sich mühsam um die richtige Zuordnung bemüht, weil für ihn ohnehin jedes Lebewesen nur ein Durchgangsstadium darstellt oder doch gefälligst darstellen sollte. Die Tatsache, dass Taxonomie grundsätzlich funktioniert - auch bei Fossilien - zeigt, dass es diese kontinuierliche Entwicklung in vielen Fällen eben nicht gab (Biologiestudenten empfehle ich, die Stammbäume, die man in den Vorlesungen vorlegt, mal kritisch darauf hin zu lesen, wo die Linien durchgezogen sind - d.h. welche Linien man durch FUnde bestätigen konnte - und welche gestrichelt sind - wo man also noch keine Funde hat, aber hofft, welche zu finden. Wenn man die gestrichelten Linien entfernt, erhält man ziemlich genau das, was Kreationisten vertreten!).

4. Dem Übergang vom Wasser auf das Land widmet er ein eigenes Kapitel und hält den Übergang für "gut dokumentiert". Die Fossilien, die er anführt, besitzen entweder Flossen oder Beine - aber keine Übergangsformen. Die Beine sollen sich unter Wasser entwickelt haben, damit die Tiere damit auf dem krautigen Boden laufen und fressen konnten - so wie Nilpferde das heute tun. Wenn man Beine hat, wie z.B. die Nilpferde, hat man kaum eine andere Möglichkeit, als sie zu benutzen, wenn man sich am Boden eines Gewässers fortbewegen möchte. Einen Vorteil bringen sie rein aquatisch lebenden Tieren aber nicht. Fossilien, die einen Übergang von der Flosse zum rein aquatisch benutzten Fuß aufweisen, gibt es nicht. Wie der Übergang in der Theorie aussehen sollte, ist mehr als unklar.
Das Hauptproblem bei der Theorie vom Landgang besteht nämlich darin zu zeigen, weshalb die ersten Schritte einen Vorteil gebracht haben sollen. Es genügt nicht zu zeigen, dass das fertige Ergebnis, also der bereits vollzogene Landgang, die Erschließung neuer Nahrungsquellen oder den Schutz vor Feinden bedeutet - das wäre intelligent Design. Denn Evolution geschieht immer blind und muss in jedem einzelnen Schritt eine Verbesserung oder wenigstens keine spürbare Verschlechterung bringen. Wenn Fische aber anfangen, sich tendenziell zu dicht ans Ufer zu begeben, ist das nicht gerade ein Vorteil. In modernen Darstellungen des Landganges erhöht man daher den Druck auf die armen frühen Wasserbewohner erheblich, indem man ihnen einfach eine Welt andichtet, in der das Wasser periodisch verschwindet. Unter solchen extremen Bedingungen sollten sich dann tatsächlich diejenigen eher behaupten können, die an Land gerade so überleben. Aber auch hier wird es immer unwahrscheinlicher, je genauer man hinsieht: welchen Rhythmus soll man denn annehmen, um einen Fisch über mehrere Stufen zum Landbewohner zu züchten? Angenommen, ein Züchter hat genug Zeit und wissenschaftliches Interesse, um diesen Zweig der Evolution eben doch einmal nach zu spielen, dann müsste er sich ja genau diese Frage stellen. Trocknet er die Pfütze ganz aus, sterben ihm die Fische. Trocknet er sie nicht aus, überleben vor allem diejenigen, die in der Lage sind, sich den knapper werdenden Lebensraum zu erschließen, d.h. die Zucht würde die Fische zu besseren Kämpfern machen, oder zu sparsameren Futterverwertern, zu Hungerkünstlern oder dergleichen, aber nicht zu Landgängern. Der Züchter könnte überlegen, die Pfütze täglich ein paar Minuten trocken zu legen, und die Zeiten über die Jahre hinweg langsam zu erhöhen, um diejenigen Fische zur Fortpflanzung zu bringen, die am besten die Luft anhalten können oder den Luftsauerstoff am besten nutzen könnten. Davon abgesehen, dass so eine Umgebung mehr als künstlich vorgestellt ist, würde auch in so einem Umfeld nicht der kecke Landkriecher bevorzugt sondern derjenige, der mit dem Sauerstoff vor Ort am besten haushalten kann. Wer sich von der Wasserstelle fortbewegt ohne die Fähigkeit zur Orientierung zu haben, macht sogar einen Rückschritt, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis er den Weg in ein weiteres Gewässer nicht findet. Der Landgang erfordert also nicht nur die Fähigkeit, sich an Land zu bewegen, sich an den Stoffwechsel an Land anzupassen, sondern auch, sich an Land zu orientieren - und zwar schon in der ersten Generation von Landgängern! Und genau das ist ein Problem, dass bei der intensiven Beschäftigung mit der Evolution immer wieder auftaucht: wenn man sich nicht damit zufrieden gibt, vermeintliche Entwicklungsschritte zu zeigen, sondern eine Kette von Evolutionstendenzen sucht, über die der eine Zustand in den anderen überführt wird (und nur das wäre ein Modell für Evolution!), stößt man selbst bei scheinbar harmlosen Beispielen auf unüberwindliche Schwierigkeiten, die dazu führen, dass durchaus auch einige Nicht-Christen nicht von der Evolution überzeugt sind. Da viele Biologen von Argumentation allerdings nicht viel verstehen, was man ihnen auch nicht vorwerfen kann, weil es nicht zu ihrer Ausbildung gehört, werden solche Begründungsmuster immer weiter wiederholt.

4. Die Entwicklung des Menschen ist für Dawkins ebenfalls durch beliebig viele Zwischenstufen bis zurück zu den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und rezenten Affen zu verfolgen. Er bringt einige Beispiele von Skeletten, deren Gehirnvolumen sehr unterschiedlich groß sind. Leider erwähnt er nicht, dass die Gehirngröße allein kein gutes Maß für die Intelligenz ist (Männer haben ein deutlich größeres Gerhirnvolumen als Frauen, und kleine Kinder haben ein kleineres Gehirn als große Affen und können trotzdem reden und ein erheblich komplexeres Verhaltensmuster zeigen). Wenn man überhaupt einen Unterschied zwischen Menschen und Tieren machen könnte, wäre es der aufrechte Gang. Und gerade an dieser heiklen Stelle gibt Dawkins zu, dass dieser Übergang leider nicht durch Fossilien belegt ist. Da er wie gesagt nicht gerade ein Meister der Argumentation ist, fällt ihm selbst offenbar nicht auf, was er da wirklich zugibt...

5. Die Abschnitte über die Verwandschaftsverhältnisse bringen ihm wenig, weil auch in der Vorstellung von einem Schöpfer gemeinsame Baupläne des Lebens angenommen werden. Die Beschäftigung nimmt allerdings wieder viel Raum ein und soll hier einfach übersprungen werden.

6. Sehr heikel ist hingegen die Argumentation gegen "intelligentes Design". Dawkins versucht zu begründen, weshalb ein intelligenter Designer anders vorgegangen wäre und dass man die Organismen besser durch das stückweise ver- und nachbessern durch schrittweise Evolution erklären kann als durch kluge Planung. Beispiele bringt er leider nicht viele, auch wenn das gerade ein Punkt wäre, der wirklich gut als Argument gegen intelligentes Design funktionieren würde! Ein Beispiel ist das Auge, das rückseitig belichtet wird und daher nach Dawkins Einschätzung völlig fehlkonstruiert ist. Tatsächlich werden auch Kamerasensoren durchaus auch rückseitig belichtet, wovon Dawkins ganz offensichtlich noch nie etwas gehört hat. Ein anderes Beispiel, auf das er wieder ellenlang Platz verschwendet, ist der rückläufige Kehlkopfnerv, der bei der Giraffe einen riesigen Umweg nehmen muss, weil er bei den früheren Vorläufern genau auf diesem Weg die kürzeste Verbindung markiert haben soll. Durch die Entwicklung des langen Halses musst der Nerv allerdings immer länger werden. Soweit das Argument. Genau genommen lautet das Argument: der Nerv hätte, um eine kürzere und damit effektivere Verbindung herstellen zu können, erst durch die Evolution durchtrennt und anschließend wieder zusammen gesetzt werden müssen. Und genau das wäre, so Dawkins, ein "zu hoher Preis" gewesen. Nette Formulierung, tatsächlich wäre es unmöglich, weil er kaum ernsthaft behaupten würde, dass die Durchtrennung eines Nervs einen Vorteil bedeutet, nur weil der spätere Neuuverlauf einen Vorteil brächte. Genau das aber sagt er nicht, und mit gutem Grund. Tatsächlich gibt es nämlich genau solche Beispiele in der Natur, in denen ein Nerv oder Sehnen tatsächlich einen neuen Weg genommen haben. Dawkins bewegt sich daher mit diesem Beispiel auf schwierigem Gebiet: wenn er sagt, dass könne nicht passieren, kommen Kreationisten mit genau den Beispielen, in denen es aber hätte passieren müssen, wenn man eine Evolution annimmt (ein Beispiel wären die Nerven, die durch unsere Wirbelsäule gehen, weil hier sogar ein Loch entstanden sein muss, während sich die Nerven trennen - was leider zur Querschnittslähmung geführt hätte - und sich in den folgenden Generatioen wieder zusammenschließen. Im Tunnel durch sämtliche Wirbel versteht sich). Wenn er sagt, es ist durchaus möglich, dann legt er den Gedanken nahe, dass dieser Weg des Nervs bei der Giraffe möglicherweise doch letztlich ideal ist. Daher formuliert er vorsichtig mit den "vermutlich zu hohen Kosten in diesem Fall" o.ä. Genau diese Kosten hätte er aber überschlagen müssen, um überhaupt ein Argument an der Hand zu haben. Tatsächlich verliert er sich in Erlebnisschilderungen, wie er bei der Obduktion einer Giraffe anwesend war etc...

7. Ein weiteres Experiment ist der Versuch, Bakterienstämme durch eine beschleunigte Evolution dazu zu bringen, den Citronensäure-Zyklus zu erlernen. Tatsächlich konnten die Bakterien das auch vorher, haben dieses Verfahren aber nur unter Sauerstoffausschluss durchgeführt. Die simulierten Millionen Jahre an Entwicklung haben also tatsächlich nur dazu geführt, dass Bakterien durch eine Mutation verlernt haben, den Citronennsäure-Zyklus nur unter den unter natürlichen Bedingungen sinnvoll einzusetzen, weil das Experiment diesen "Fehler" durch seine Anordnung begünstigt - so wie es auch im Experiment möglich ist, Hunde mit Atemnot zu züchten. Leider weist Dawkins auf den entscheidenden Umstand, dass die Bakterien zu der Umwandlung schon vorher in der Lage waren, gar nicht hin und verkauft das Ergebnis als Makroevolution. Ansonsten ist in den Millionen Jahren außer einer Vergrößerung der Bakterien nichts Erkennbares passiert.

8. In den letzten Kapiteln bemüht er noch das Theodizee-Argument. Auch hier ist ihm offenbar nicht geläufig, dass es sich um eine philosophische Auseinandersetzung handelt, und damit um ein philosophisches Gottesbild. Im Christentum gibt es keine perfekte Welt, sondern eine gefallene Schöpfung, für die er unfreiwillig unzählige Beispiele sucht.

Anmerkung zu dem Kommentar: Doch, das Argument ist rein von philosophischem Interesse. Wie du weißt, besteht seine Grundform aus den zwei widersprüchlichen Aussagen über Gott, dass er allmächtig und „allgütig“ ist (ich setze diese Bezeichnung in Anführungszeichen, weil sie in der Theologie nicht relevant ist und m.W. nur in dem Kontext dieses Argumentes verwendet wird). Da er beide Eigenschaften nicht gleichzeitig haben kann, kann es ihn nicht geben. Tatsächlich gibt es diese Form der Allgüte in der Bibel überhaupt nicht. Dort erschafft Gott Menschen zum Tag des Gerichtes und straft selbstverständlichh auch in diesem Leben und keineswegs nur in der Zukunft. Es geht nicht darum, ob dir das Gottesbild gefällt, aber ein Theodizeeproblem existiert faktisch nicht in der Bibel. Was man aber widerlegen kann ist das philosophische Konzept von der besten aller möglichen Welten und einem entsprechenden weltlichen Gottesbild.

9. Worauf er verständlicherweise überhaupt nicht eingeht ist das Problem der "irreduziblen Komplexität". Nicht nur in wenigen Ausnahmefällen sondern in allen Organen bedingen sich mehrere Entwicklungsschritt immer gleichzeitig, um überhaupt sinnvoll sein zu können. Anhänger der Evolution versuchen zu zeigen, welchen Nutzen die einzelnen Zwischenschritte gehabt haben könnten oder sagen einfach, dass man ja nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass unter den damaligen Entwicklungen nicht vielleicht ein Nutzen bestanden habe. Aber so einfach geht das nicht. Denn wie ich schon gesagt habe, muss man innerhalb der Evolution auch konsequent ziellos argumentieren: wenn ein Vogel Federn hat, kann er sich damit neue ökologische Nischen erschließen. Die Frage ist nur: welchen Nutzen haben Vorformen von Federn? Das Problem ist nicht, dass wir den Nutzen nicht kennen, sondern - so paradox das klingt - gerade die Tatsache DASS wir den Nutzen kennen. Vorformen wären beispielsweise stachelige Hülsen, die als Waffe gegen Räuber geschützt hätten (ähnlich dem Igel). Nur würde die natürliche Zuchtwahl gerade diejenigen Tiere begünstigen, bei denen dieser Nutzen am besten erreicht wird - sie würde nicht nach dem zukünftigen Ziel schielen, und schon mal die Bauweise in Richtung Flugfeder abwandeln! Wenn es Vorformen gegeben hätte, die besser vor Kälte und Wasser schützen als Fell, dann können wir anhand der Pinguine sehen, wohin die Entwicklung gegangen wäre. Und wenn sie vor Wärme und Wind schützen sollten, sehen wir das Ergebnis beim Strauß oder anderen Laufvögeln. Es ist völlig egal, welchen Zwischennutzen man annimmt, immer kann man gerade anhand des Zwischennutzens die weitere Entwicklung sicher vorhersagen, und genau deswegen ist die Evolutionstheorie in der Biologie so ein wichtiges Alltagswerkzeug! Ironischerweise ist sie gerade dort gut, wo es um die Prognose kurzfristiger Anpassungen geht. Sie ist aber gerade dort schlecht, wo sie die Entstehung neuer Organe oder komplexer Wechselspiele in der Natur erklären soll, also dort, wo es wirklich um eine Höherentwicklung geht.
Das Problem der irreduziblen Komplexität kann Dawkins nicht unbekannt sein. Auf den Haupteinwand aber in diesem Buch noch nicht einmal einzugehen, zeigt allerdings, dass seine Zielgruppe Leser sind, die sich weder von Evolutionstheorie noch von Kreationismus besonders viel verstehen.

Der einzige Punkt, an dem er ein wirkliches Problem des Kreationismus aufzeigt, ist die Zeitmessung. Hier haben Kreationisten zwar auf Fehlerquellen und unbewiesene Annahmen aufmerksam gemacht (was an anderer Stelle in der Wissenschaft auch begrüßt und als wissenschaftliche Leistung gewürdigt würde), aber sie haben keine eigenen physikalischen Verfahren zur Zeitmessung entwickelt.
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15 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Naturwissenschaft ist anders ..., 1. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat (Taschenbuch)
Der Autor steht ganz in der Tradition seiner fundamentalistischen Gegner:

1) Naturwissenschaften stellen prinzipiell nur falsifizierbare Theorien auf (s. Wissenschaftstheorie, Karl Popper). Die Evolutionstheorie als Theorem bezeichnen ist in höchstem Maße unredlich.
2) Der Leser soll nicht überzeugt sondern überredet werden. Statt kompakter Darstellung der Argumente für die Evolutionstheorie sowie die Widerlegung der Einwände der Kreationisten, muss man sich durch endlose Seiten mit leerem Gerede quälen.
3) Menschen sind dumm, nur weil sie andere Schlüsse aus Fakten ziehen. Diese Haltung sollte spätestens mit der Aufklärung überwunden sein.

Die Evolutionstheorie wird heute durch Erkenntnisse der modernen Genforschung vorangetrieben, nicht durch moderne Sophisten.
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11 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Paradigma-Wechsel fällig, 18. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat (Taschenbuch)
Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Fanatismus Dawkins seit Jahren auf alle eindrischt, die nichts oder nicht viel vom Darwinismus bzw. Neodarwinismus halten. Und das sind längst hunderte, wenn nicht tausende ernsthafter Wissenschaftler (irgendwo las ich mal, dass es etwa 30 Argumente gegen den Darwinismus gebe, die von dessen Vertretern nicht stichhaltig widerlegt werden können). Für Dawkins sind das jedoch einfach nur Dummköpfe.

Wenn man sich mal ansieht, wie alte Paradigmen, wie sie etwa von der Schulmedizin, der Psychologie, der Astronomie/Kosmologie, der Physik oder von der neoklassischen Wirtschaftstheorie (um nur einige zu nennen!) vertreten werden oder wurden, über Bord gehen bzw. längst über Bord gegangen sind, fragt man sich, wann dieser krude Darwinismus, wie ihn Dawkins vertritt, fällig ist.

Hat nicht schon Thomas Kuhn in seinem berühmten Buch "The Structure of Scientific Revolutions" beschrieben, wie sich die Vertreter alter Paradigmen aller Tricks bedienen, um sie am Leben zu erhalten? Man muss nur mal nachlesen, welche Handstände die Vertreter des geozentrischen Weltbildes machten, um zu beweisen, dass die Erde doch im Mittelpunkt des Universums steht. Für mich reiht sich Dawkins hier nahtlos ein, etwa mit seiner Argumentation gegen die "irreducible complexity".

Bemerkenswert finde ich auch, dass sich Dawkins der Diskussion mit dem Biogenetiker Stephen Meyer, Autor von "The Signature in the Cell", entzieht, der Etliches gegen den Darwinismus vorzubringen hat. Dawkins schrille Argumentation: Indem man mit solchen Leute diskutiere, werte man sie nur auf! Hey Dawkins, das ist einfach sauschwach. Meyer geht übrigens auch ausführlich auf die perfiden Argumente gegen Intelligent Design ein, die komplett unwissenschaftlich sind. Dawkins ist da ganz vorne mit dabei.

Also: Das Buch ist nur der x-te Aufguss der alten Dawkins-Show, die wirklich nicht "The Greatest Show on Earth" (so einer seiner orig. Buch-Titel) ist, sondern eher an "getretener Quark wird breit, nicht stark" erinnert.

Empfehle übrigens dringend das Buch des Biologen Rupert Sheldrake "The Science Delusion", das hochintelligente Gegenstück zu Dawkins "The God Delusion". Wer Sheldrake dazu sprechen hören will, kann das hier tun: [...]
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3 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Evolutionstheorie? Glaube ich nicht dran., 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat (Taschenbuch)
Es gibt nur eine Sache, die überflüssiger und sinnloser ist als diese oder jene Religion. Bücher, die nichts eigenes behaupten, sondern sich lediglich gegen die Behauptungen dieser oder jener Religion stellen.

All die Autoren solcher Bücher verstehen einfach nicht, dass jeder Mensch etwas braucht, woran er glauben kann. Will man die Menschen davon abbringen, einem falschen Glauben anzuhängen, dann muss man ihnen schon einen besseren Glauben anbieten. So ist auch der Versuch, die Menschen zum Glauben an die Wissenschaft (Betonung auf GLAUBEN) bzw. an die Wissenschaftler zu bringen, eben nichts anderes als ein Versuch, einen Glauben gegen einen anderen auszutauschen.

Und wenn man nichts anbietet, sondern nur alles andere madig zu reden versucht, was "auf dem Markt ist", dann bewirkt man nichts oder aber man ist ein Heuchler und Betrüger, der nur so tut, als würde er keinen Ersatz-Glauben anbieten und propagieren - der einem dann nichts anderes als eine weitere Religion als vermeintliche "wissenschaftliche Tatsache" unterzujubeln versucht. Denn überhaupt an gar nichts glauben, das können Menschen nun mal nicht. Zerstört man den Glauben eines Menschen, braucht dieser sofort Ersatz. Es ist wie in der Werbung - man weckt zuerst ein Bedürfnis, und dann bietet man die Befriedigung dieses Bedürfnisses an...

Die Evolutionstheorie ist übrigens auch nichts anderes als eine Religion. Eine, die den Zufall, das Nichts, das Chaos zum Gott erhebt... wer's glaubt...

Hitschens, Dawkins und so viele andere vermeintliche Atheisten sind gar keine Atheisten, sondern Propagandisten der Religion, der sie selbst anhängen. Wenn Religion die Welt vergiftet, dann tun sie nichts anderes, als ein Ersatzgift zu vermarkten.
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21 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Dawkins-Wahn, 16. Januar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat (Taschenbuch)
Wir bekommen hier eine ganz lange Version einer ganz alten Geschichte. Darwin war ein Wissenschaftler des 19ten Jahrhunderts.

Ohne Zweifel hat er bahnbrechende Entdeckungen gemacht und ebensolche Theorien aufgestellt, das sei ihm unbenommen. Er hat ein neues Verständnis vom biologischen Leben und der Anpassung aller Lebewesen an die äußeren Gegebenheiten geschaffen. Vielen Dank auch dafür.

Warum aber will man diese Leistung nun als Beweis verwenden, dass es keinen Gott und keine Schöpfung gibt?

Das Universum wurde von Darwin nicht gebastelt, die Unendlichkeit ebenso wenig.

Die unfassbare Komplexität allen Lebens und der Welt drumherum kann Darwin auch nicht mal ansatzweise erklären, geschweige denn wo das alles herkommen soll.

Auch wenn sich der gute Herr Dawkins noch so auf den Kopf stellt, ihm ist dies genauso schleierhaft.

Mit dem Geständnis aber würde er keine Bücher verkaufen und Millionen verdienen.
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40 von 255 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das übliche Getöse, 26. November 2010
Von 
Roman Nies (Helibrunna) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der Autor hat es offenbar nötig. Immer wieder Bücher zum gleichen Thema. Und jedes Mal schreibt er das Gleiche. So ist es halt, wenn man immer gegen die Unverbesserlichen angehen muss. Und jedes Mal wiederholt er seine Argumente, die dadurch nicht besser werden. Und bessere Argumente als die alten hat er auch nicht. Sie nutzen sich ab. Der polemische Stil des Autors verbessert sie auch nicht. Immerhin steigert er seine Unversöhnlichkeit gegenüber denen, die seinen Büchern nichts Hilfreiches abgewinnen können, bis zum Exzess.
Aber, auch wenn er die verbale Axt schwingt, es bleibt dabei, die Annahme, dass es einen Schöpfergott gibt, bietet ein plausible Erklärung für die unvorstellbare Komplexität, für das höchst sinnhafte Ineinandergreifen kosmischer, biologischer und physikalischer Phänomene und darüber hinaus auch für das geistige Vermögen des Menschen, für sein kulturelles Schaffen, für die geschichtliche Entwicklung. Die Annahme hat außerdem den Vorteil, dass sie einfach ist, während Dawkins Welterklärungsversuche immer wieder durch neue Zusatztheorien in Ermangelung überzeugender Erklärungen erweitert werden müssen. Die Annahme, dass es einen Gott gibt, der das Leben sinnvoll geschaffen hat, bietet auch eine Erklärung für die Klarheit der Gesetzmäßigkeiten, für die erstaunliche Schönheit des Lebens, für die Tatsache der Freude, für die Fähigkeit des Menschen, sich über seine bloße physische Existenz hinaus zu artikulieren, zu kommunizieren und zu handeln. Die Annahme, dass es einen Gott gibt, erklärt auch die Fähigkeit des Menschen, nach Gott zu fragen und sein Bedürfnis, ihn zu suchen. Und sogar sein Widerwille ihn über sich zu akzeptieren.
Auf all die elementaren Fragen des Lebens haben die Naturwissenschaften keine schlüssige Antwort. Dawkins auch nicht. Was stand am Anfang des Lebens? Woher kommt die unermessliche Informationsfülle, auf der alle Existenz beruht? Was ist Leben überhaupt? Wie erklärt sich das bislang kaum verstandene Zusammenspiel kosmischer, biologischer, physikalischer, chemischer und unzähliger anderer Faktoren, welche das Leben ermöglichen? Gott ist da kein Lückenbüßer sondern ein vernünftiger Denkansatz.
Vielleicht steht ja Dawkins böse Annahme über den beklagenswerten Geisteszustand eines Großteils der Menschen - das sind diejenigen, die an einen Schöpfergott glauben - in einem ursächlichen Zusammenhang mit der bösen Annahme, dass es in der Natur nur um den gnadenlosen Kampf ums Überleben geht, worin der Tod eine evolutionsfördernde Funktion hat, und wo das Leiden der Schöpfung bei der Selektion eine entscheidende, um nicht zu sagen "heilsame" Rolle spielt.
Was bietet Dawkins dagegen? Lediglich keine Ahnung wie alles begann. Das sagte er wörtlich im Interview in dem Film "Expelled". Zur Frage über den Ursprung des Lebens, gibt er zu: "Wir wissen es nicht." Wen kann er wohl mit "wir" gemeint haben? Spricht Dawkins für alle Menschen?
Die Ungebildetheit des Normalbürgers dürfte ihn nicht zu sehr jucken. Aber dass so viele Wissenschaftler, Akademiker, Intellektuelle Zweifel an der Evolutionstheorie haben, das verträgt er nicht.
Diese intellektuell redlichen Leute fragen sich: Wie kann eine solche Ökologie des Lebens entstanden sein? Woher kommt die gewaltige Energie im Kosmos und auf der Erde? Wie erklärt sich die Fähigkeit des Menschen zur Transzendenz, wenn alles doch nur eine Summe chemischer Bestandteile ist? Wie erklären sich die Fähigkeit zu zweifeln, zu wissen, Kreativität, Liebe, Schönheit? Warum kann der Mensch über sich selbst reflektieren? Warum kann ein Mensch vergeben und verzeihen und leugnen? Dawkins hat keine Antworten. Die von ihm gescholtenen, "kranken", "geistig minderbemittelten" Theisten und Christen sehr wohl. Und ihnen genügt ihre Antwort. Bei allem was sie in der Natur entdecken, staunen sie nur noch mehr über das Genie des Schöpfers. Es waren nicht Atheisten, die die herausragenden Entdeckungen in den Naturwissenschaften gemacht haben. Anscheinend vermögen "Geisteskranke" sehr wertvolles zu leisten.
Das Buch ist im typischen Dawkins Stil geschrieben: Kompromisslos, intolerant und dogmatisch. Es hat aber auch etwas von einem Schwanengesang. "Evolution ist eine Tatsache. Vernünftige Zweifel, geistig gesunde, begründete, intelligente Zweifel gibt es nicht." Aber er weiß sehr wohl, dass das nicht stimmt. Und dass es nicht stimmt ärgert ihn, und diesem Ärger gibt er hier mal wieder Ausdruck. Man muss da Nachsicht üben, auch wenn Dawkins proklamiert, dass es Schwachsinn sei an einen Gott zu glauben. Man muss ihm danken für diese klaren Aussagen. Ein Heuchler ist er nicht, der Dawkins. Jeder weiß, wo er dran ist mit ihm. Das ist gut. Gottesglaube brandmarkt er als "Erscheinungsform von Unwissenheit und Vorurteil". Wer seiner Argumentation nicht zu folgen bereit ist, kann froh sein, dass der Autor nicht darüber zu bestimmen hat, wo der Leser den Rest seines Lebens verbringen darf. Wer die Evolution leugnet, ist nämlich nach Dawkins ein Geschichtsleugner.
Sein Kampf gegen Ignoranz und Dummheit der Schöpfungsgläubigen ist seiner Meinung nach vergleichbar mit dem Kampf gegen die Bösartigkeit der Holocaustleugner. Ein Vergleich der kein günstiges Licht auf den Autor wirft!
Natürlich gibt es viele, denen Dawkins aus dem Herzen spricht. Aber Spötter von der Art von Dawkins hat es schon immer gegeben. Sie sind in der Welt im Allgemeinen schnell vergessen, weil sie keinen produktiven Beitrag zur Kultur des Fortschritts leisten.
Die Tatsache der Umstrittenheit der Evolutionstheorie kann auch Dawkins nicht aus der Welt schaffen, schon gar nicht mit bloß sprachlichen Mitteln, denn wissenschaftliche Argumente hat er für seine Behauptungen nicht. Es genügt eben nicht die Komplexität des Lebens nur mit Mechanik zu erklären. Das ist schlicht primitiv und hat mit intellektueller Hochleistung oder gebildeter Gelehrsamkeit wahrlich nichts zu tun, wenn man die Banalisierung ins Unermessliche steigert und das Nichts aus dem Nichts solange potenziert, bis unzufällig der Wunschgedanke der Entstehung eines geistigen Wesens aufgekommen ist.
Dawkins Buch ist zu schlicht, um wirklich provozieren zu können. Es ist plump, getösig, polternd, hochtrabend, schreierisch, zänkisch und vor allem ist es uninspiriert und geistlos. Gemäß dem Programm des Survival of the Fittest hat die Essenz des Buchs kaum die Qualität sich lange behaupten zu können.
Anders verhält es sich möglicherweise mit dem Autor. Der treibt seine Zweifel an der Schöpfung durch einen Geist, der intelligenter ist als er, auf eine Spitze, auf der es nicht mehr weiter geht, außer nach unten. Und tatsächlich scheinen manche Formulierungen den Keim eines Umdenkens anzudeuten. So wenn er sagt, dass manches als die Signatur eines Designers gewertet werden könnte. Das ist doch zu komisch! Wenn eine fremde extraterrestrische Zivilisation das Leben auf die Erde brachte, weil die Gefäße des Lebendigen zu offensichtlich Maschinen gleichen, die einen Konstrukteur nahelegen, dann gibt man indirekt zu, dass die Evolution doch nicht alles erklärt. Die Frage eines Schöpfers wird nur in die Weiten des Weltraums verlagert. Und die sind dem Denker auch nicht weiter entfernt als unser Vorgarten. Ein so überzeugter Atheist wie Dawkins nährt den Verdacht, dass er nur darauf wartet widerlegt zu werden.
Übrigens stimmt nicht, dass Kreationisten die Evolution im Sinne einer Entwicklung innerhalb leugnen. Sie anerkennen eine phänotypische Variabilität aufgrund genotypischer Potenzen. Diese hilft den Lebewesen sich bei veränderten Umweltveränderungen an die neue Umgebung anzupassen. Doch dazu sind genetische Voraussetzungen gegeben, die weder vom Zufall noch durch Wahrscheinlichkeiten gesteuert sind. Die genetischen Veränderungsmöglichkeiten sind erblich vorgegeben, weshalb eine Höherentwicklung im Sinne des Darwinismus nicht möglich, aber auch nicht notwendig ist. Erbliche und phänotypische Veränderungen vollziehen sich innerhalb festgelegter Grenzen. Wer das bezweifeln möchte, muss die Tatsachen der Vererbungsforschung ignorieren. Man kann nicht sagen, dass Dawkins diese Tatsachen ausreichend würdigt. Sein Buch ist all denen zu empfehlen, die die Argumente der Gegner der Schöpfungswissenschaft kennenlernen möchten und sich nicht scheuen davon abgeschreckt zu werden. Fairerweise muss man aber sagen, dass es sachlichere Bücher von Evolutionisten gibt, die eine lohnenswertere Lektüre sein können.
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14 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wie dumm, 26. März 2012
Schon der Titel ist billige Gehässigkeit!
Lange bevor Darwin und Co. auf den Plan traten, haben sich Schöpfungs-Mythen (das wäre das richtige Wort) durch alle Völker und alle Zeiten hindurch gezogen.
Selbst wenn wir heute wissen, was Evolution bedeutet, nimmt das der "Schöpfung" das Wunderbare? Und wer oder was hat denn die Evolution in Gang gesetzt?

Solche Leute wie Dawkins sind genauso überflüssig wie Lenin oder Pol Pot - eine fixe Idee in ihrem Leben und nun reiten sie bis zu ihrem Tode darauf herum.
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23 von 265 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen EIGENARTIG..., 13. April 2011
Von 
...daß der Mensch sich seinen Schöpfer solange wegerklären muss...bis er persönlich vor ihm stehen wird und Rechenschaft von ihm gefordert wird. Folgerichtig lesen auch fast nur Menschen dieses Buch hier, die sowieso die Hauptaussage unterfüttert sehen wollen.
"Der Narr sagt: Es ist kein Gott." die Bibel.
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Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat
Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat von Richard Dawkins (Taschenbuch - 13. Januar 2012)
EUR 12,99
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