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am 12. Dezember 2009
Schon in seinem letzten Buch "Der Weg in den neuen kalten Krieg" hat sich der mittlerweile 85 -jährige Peter Scholl-Latour als ein brillanter Analyst gegenwärtiger politischer Verhältnisse erwiesen.

In dem vorliegenden Buch "Die Angst des weißen Mannes" nimmt der erfahrene Journalist und Weltenkenner die Tatsache, das ein aus Kenia stammender Schwarzer zum amerikanischen Präsident gewählt worden ist, als Einstieg für eine über 400 Seiten lang und an unzähligen Beispielen exemplifizierte These, dass nach über 500 Jahren die Erfolgsgeschichte des weißen Mannes und seiner vor allem durch Europa geprägten Kultur an ihr Ende gekommen ist.

Zum Teil über Jahrhunderte durch den Westen kolonialisiert und kulturell geprägt ( bzw. entfremdet, je nach Sichtweise) wenden sich schon seit längerer Zeit die meisten Ländern in Afrika, in Asien und Lateinamerika wieder ihren eigenen Wurzeln, Stärken und Traditionen zu. Das geschieht meistens nicht nach den Maßstäben europäischer Aufklärung und Demokratie.

Die Welt ist in einem Wandel begriffen, wie sie ihn schon lange nicht mehr erlebt hat. Für den aufgeklärten "weißen Mann" wird das auch in Zukunft noch eine Menge von Kränkungen bereithalten. Die diversen Kriege, die "der Westen" in den letzten 10 Jahren geführt hat ( aktuell in Afghanistan), zeigen , wie verzweifelt und dennoch vergeblich er sich dagegen wehrt.

Wer in dieser Debatte und Entwicklung sich nicht nur mit den verkürzten Nachrichten des Fernsehens begnügen will, wer einen Überblick sich verschaffen möchte über die Dimensionen, in denen die Welt sich verändert und ein völlig neues Paradigma von Politik heraufscheint, der sollte zu diesem dicken Buch greifen, das sich liest wie eine gute Sammlung von Reportagen. Auf viele ältere aus seiner Sammlung hat Peter Scholl-Latour auch bei diesem Buch wieder zurückgegriffen, was aber seiner Aktualität keinen Abbruch tut.
22 Kommentare23 von 24 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Will man sich eine klare Vision zukünftiger weltpolitischer Umwälzungen verschaffen darf man seinen Blick nicht bloß auf den Boden unter den eigenen Füßen beschränken. Europa oder besser gesagt die Europäische Union ist zu sehr in nationalen Divergenzen gefangen, um durch Einigkeit jenen Anspruch zu rechtfertigen den man mit der Forderung von den USA als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden gestellt hat. Welchen Faktor man auch als den ausschlaggebenden benennen möchte, sei es die überhastete Osterweiterung, wie sie Peter Scholl-Latour nennt, die Aufnahme neutraler Staaten oder generell Großbritanniens Beteiligung, Brüssel wird als globales Machtzentrum in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum ernst genommen werden können. Die Geschichte lehrt uns und das ist auch der rote Faden den man in Peter Scholl-Latours "Die Angst des weißen Mannes" wahrnehmen kann, dass immer dann wenn sich Europas Großmächte anstatt des ehrgeizigen Wettbewerbs um globale Bedeutung in kleinlichen kontinentalen Streitereien verschleißten, der Einfluss des Okzidents als Ganzes zu schwinden begann, ein Prozess der im 21. Jahrhundert zur machtpolitischen Abdankung des selbigen führen dürfte.

Trotzdem hat Peter Scholl-Latour als einst starker Befürworter der Annäherung Frankreichs an Deutschlands kein Klagelied angestimmt, sondern ist dem Ruf der Ferne gefolgt, dorthin wo sich die weltpolitische Entwicklung der nächsten Jahre entscheiden wird - Zentral- und Südostasien. Regionen also wo der Abgesang des weißen Mannes schon längst zur Realität geworden ist und US-amerikanischer bereits dem chinesischen Einfluss weicht. Doch auch Gegenden die aufgrund ihres Rohstoffreichtums und insbesonders im Falle Südostasiens auch der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung politisch schwer an Gewicht gewinnen werden, während in Europa Überalterung und ein schwaches Wirtschaftswachstum als Zukunftsperspektive dominieren und ein Absinken in der wirtschaftlichen wie politischen Bedeutung geradezu vorprogrammiert ist. Zentralasien wiederum zeichnet sich vor allem dadurch aus unter Scheindemokratien ehemals kommunistischer Funktionäre Korruption und organisierter Kriminalität Tür und Tor zu öffnen, während der Boden umso fruchtbarer für ein Aufkeimen neuer islamistischer Bewegungen wird. Die Zukunft des "Westens" liegt wohl dort wo sie sich mit der einheimischen Kultur vermischt und etwas neues hervorgebracht hat, wie die letzte Station von Scholl-Latours Reise eindrucksvoll bezeugt - Brasilien als europäischster der aufstrebenden BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China).

"Die Angst des weißen Mannes" verspricht schon aufgrund des Titels vielleicht etwas anderes als das Buch ist, es ist kein pathetischer Rundumschlag, keine exaltierte Panikmache und keine ideologisch motivierte Erbauungslektüre für wen auch immer, denn es ist ein Reisebericht. Ein Bericht über eine Reise durch jene Regionen in denen sich kommende Krisen bereits abzeichnen und doch soviel ungewiss ist, dass sich Peter Scholl-Latour auch weitgehend des Versuchs entzieht explizite Szenarien aufzuzeichnen. Seinen teils romantisierenden Stil und die Ausdrucksweise kann man dabei schon einmal kritisieren, doch in einem Reisebericht ist es durchaus erlaubt die Attraktivität von Inselbewohnerinnen zu beschreiben und Anekdoten zu erzählen. Nicht vergessen darf man jedoch dass Scholl-Latour jahrzehntelange Erfahrung als Korrespondent und Reisender aufzuweisen hat, an die kaum ein anderer heranzukommen vermag. Diesem Erfahrungsschatz mag auch die Abgeklärtheit Scholl-Latours entspringen, der sich auch hin und wieder in Fragen äußert wie (S. 368) "ob in diesen exotischen Regionen der Welt der aufgeklärte Despotismus der von den Amerikanern stets wiederholten Forderung nach 'Nation building' nicht besser entspricht als die Vorspiegelung eines Vielparteiensystems, dessen Wahlergebnisse ohnehin schamlos gefälscht würden."

Als jemand der Peter Scholl-Latours Arbeit zuvor nicht kannte, kann ich durchaus verstehen warum und woran sich manche seiner Kritiker ärgern, doch hinter den Oberflächlichkeiten verbirgt sich doch die oft unangenehme Wahrheit, wie im Fall Barack Obamas dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Scholl-Latours Sympathien für die als Nation vergleichsweise jungen USA anderenseits auch allgemein gering. Stattdessen konzentriert er sich gerade im Raum Südostasiens auf die Rolle eines anderen fast schon exotischen Verbündeten der USA, den Fünften Kontinent, Australien. Durch die Aussagen eines australischen Offiziers eröffnet Scholl-Latour eine sehr ungewohnte Perspektive.

Fazit:
In der Formulierung als Reisbericht natürlich subjektiv, doch mit einem scharfem Blick für das Wesentliche.
0Kommentar59 von 65 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 13. Januar 2011
Was vom Titel her als Abgesang auf "den weißen Mann", sprich die westliche Welt, verfasst wurde, liest sich über weite Strecken wie ein Vermächtnis des Peter Scholl-Latour. Dieser streitbare Journalist und Kriegskorespondent berichtet über die Länder und Regionen, die einst Teil der großen Kolonialreiche Portugals, Spaniens und Englands waren, sowie die Satelliten-Staaten der ehemaligen UDSSR. Nicht ganz so präsent, aber immer noch Bestandteil des Ausführungen, sind die einstigen Besitzungen Deutschlands, Hollands und Belgien.

Dabei erlauben die gut 400 Seiten allerdings meist nur ein Streifen der lokalen Begebenheiten und das Eintauchen in fremde Kulturkreise verbleibt meist oberflächlich und beschränkt auf das Gespräch mit einzelnen Personen höherer Führungsebene.

Deutlich werden dabei 2 Unterschiede zu den letzten Werken Scholl-Latours: die Enttäuschung über die Unfähigkeit Europas, mit den geänderten weltpolitischen Anforderungen (militärisch wie gesellschaftlich) klar zu kommen und eine Rückbesinnung auf die Stäken der USA und eine sanftere Beurteilung der oftmals als imperialistisch bezeichneten Politik dieses Vielvölkerstaats. Ganz generell ist der Ton sanfter, fast verzeihend geworden. Und trotzdem mischt sich Kritik an die Form der Islamisierung, die zahlreiche Staaten erfasst hat, genau so wie an die fehlende Strategie, wie die freien Nationen damit umzugehen gedenken. Auch die Politik Chinas wird kritischer als in Vorgängerwerken beleuchtet und das das Wort sanft wird dem erwachendem asiatischen Riesen nicht länger vorneweg gestellt.

"Die Angst des Weißen Mannes" bietet weit weniger Punkte, an denen sich der politisch interessierte Leser reiben wird. Trotz allem Pessimismus, den man vom Autor aus vorangegangenen Büchern gewohnt ist, kommen auch positive Entwicklungen wie jene in Brasilien zur Sprache und gleichzeitig werden gefährliche Entwicklungen wie weltweit zunehmender Islamismus und Totalitarismus offen angesprochen, ohne die Schuld dafür stets den westlichen Mächten zuzuschieben. Am Ende überwiegt das Gefühl, wohl das abschließende Buch Peter Scholl-Latours in Händen zu halten und so mischt sich Zufriedenheit über das Gelesene mit der Trauer, dass diese Stimme verstummen könnte.
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am 19. Januar 2010
Das Buch liefert einen hervorragenden Eindruck davon, wie vor allem im letzten Jahrhundert, aber in Einzelfällen auch wesentlich weiter zurückliegend, der Einfluss und die Gestaltungskraft des "Weissen Mannes" im Westpazifischen Raum, in China und in Zentralasien sich ausgebreitet hat. Die Schilderung der heute weit zurückliegenden Vorgänge gibt einen Einblick, wessen Interessen und mit welchen Mitteln diese verfolgt wurden.
Der Titel "Die Angst des Weissen Mannes - ein Abgesang" nimmt eher auf den immer mehr schwindenden Einfluß westlicher Stärke und Kultur in diesem Raum Bezug. Schlussfolgerungen aus den geschilderten Ereignissen zu ziehen, bleibt erfreulicherweise, wie immer bei diesem Autor, dem Leser überlassen.

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, wie spannend Bücher von Peter Scholl-Latour zu lesen sind. Die erzählende Berichterstattung, die ohne Wertung und Wichtigtuerei auskommt, steht in einem erfreulichen Gegensatz zu einem Alltagsjournalismus, der ohne Effekthascherei und maßlose Arroganz nicht mehr auszukommen scheint.
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Peter Scholl-Latour ist zweifelsohne einer der ausgewiesensten Kenner der internationalen Politik. Seit über einem halben Jahrhundert bereist er die Schauplätze der Weltkrisen, hat Kriege begleitet und Katastrophen analysiert. Seine Schwerpunkte bildeten Indochina und die islamische Welt und die machtpolitischen Querverbindungen dieser Konfliktherde brachten ihn immer wieder in Regionen, deren Existenz den meisten Empfängern seiner Analysen zuvor kaum bekannt war. Sein internationales Netzwerk geht über die gängigen Verbindungen der offiziellen Diplomatie weit hinaus und seine Botschaften waren immer dazu geeignet, heftige Dispute auszulösen. Sie passen schlichtweg nicht in das oft ersehnte Schema von Gut und Böse, den einen galt er oft als hoffnungsloser Reaktionär und anderen wiederum als allwissende Kassandra. Im Alter von 84 Jahren unternahm er erneut eine weltumspannende Reise und stellte sie unter die Leitfrage, inwieweit die Zeit des weißen Mannes mit seinen Imperien und seinen kulturell hegemonialen Einflüssen, die über Portugal, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien bis zu den USA gingen, zur Neige geht.

Angelehnt an den portugiesischen Dichter Luís Vaz de Camóes, der den Niedergang der lusitanischen Epoche begleitete, teilt er seine Reise in acht Cantos auf, die seine Reisestationen untergliedern. Scholl-Latour beginnt seine Erkundung in Ost-Timor und sie geht über Bali, Ozeanien, Java, die Philippinen, China und Kasachstan bis nach Kirgistan, wo sie endet. Wie in allen publizierten Berichten arbeitet er auch hier mit Querverweisen, die teils Jahrzehnte zurückgreifen und seinem schier unerschöpflichen Fundus an historischen Aufzeichnungen entspringen. Wer sich einlässt auf diese Art der assoziativen und historisch interpolierenden Analyse, die durch Fakten wie durch persönliche Erlebnisse durchsetzt ist, der wird reich belohnt.

Die einst strahlende imperiale Größe eines Kulturkreises, der seit Alexander dem Großen und dem Imperium Romanum, über die Seefahrernationen bis zur Neuen Welt in Form der USA den Globus beherrschte, hat sich laut Scholl-Latour verflüchtigt mit der jeweiligen Profanisierung der Eliten und Ideale. Die weltweite technische Reproduzierbarkeit der Instrumente und Verfahren haben das ihre dazu beigetragen, dass die unikate Qualität der imperialen Zentren ausfaserte und ihre Aura verlor. Mit der Degeneration der hegemonialen Eliten ging nicht selten die Emanzipation der peripheren Nationen einher und es wuchsen neue Zentren politischer Dominanz, die in kurzer Zeit auf der Weltbühne erschienen und für Verblüffung sorgten. Scholl-Latours Zorn richtet sich gegen den intellektuellen Müßiggang derer, die in der westlichen Hemisphäre das Sagen haben und er verfällt zuweilen in jene Melancholie, die ein Abgesang mit sich bringt. Die Stärke des Buches liegt - wie immer - in der unerschöpflichen, nahezu enzyklopädischen Reichhaltigkeit von Verweisen auf geopolitische Interdependenzen. Seine Kritik an der Profanisierung westlicher Politik ist nicht neu, sie dokumentiert allerdings auch ihr fürchterliches Ausmaß angesichts der globalen Machtverschiebungen.
0Kommentar20 von 24 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 21. Dezember 2009
Scholl-Latour lädt in seinem neuen Buch wieder zu einem Ausflug in die Weltpolitik ein. Hierbei lässt er wie gewohnt den Leser an seiner langjährigen Erfahrung als Auslandsjournalist teilnehmen. Indem er die verschiedenen Schauplätze über die Jahrzehnte und Jahrhunderte vergleicht, kommt er zu interessanten Schlussfolgerungen welche über den Horizont so mancher Politiker gehen. Persönliche Anekdoten verleihen dem Buch zudem eine spezielle Note.

Schwerpunkt ist diesmal der kontinuielriche Niedergang des weissen Mannes. Die ehemaligen Kolonialreiche haben so ihre Dominanz verloren und riskieren, aufgrund ihres demographischen Rückgangs, von einer Völkerwanderung überrollt zu werden. Neben dem demographischen Verlust sieht man des weiteren eine religiöse Dekadenz der Industrienationen, welche mit der religiösen Tiefgläubigkeit der Schwellenländer kontrastiert. Wirtschaftlich scheint der weisse Mann ebenfalls das Zepter abzugeben. China und andere aufsteigende Länder stehen bereit für die Wachablösung.

Die Berichte in diesem Buch fokussieren sich auf den ostasiatisch-pazifischen Raum (Osttimor, Indonesien, Ozeanien, Philippinen, China) sowie auf die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan und Kirgistan. Eines des Leitthemen ist dabei die ehemalige Kolonialmacht Portugal, anhand welcher der kontinuierliche Niedergang analysiert wird.

Das Buch erlaubt dem Leser sich eine unabhängige Meinung von den Vorgängen in der Weltpolitik zu bilden, und befreit ihn so aus dem Schussfeld der Medien, wo verschiedene Ereignisse hochgespielt, andere wiederum unbeachtet bleiben. Ein Muss für alle Scholl-Latour-Fans.
0Kommentar6 von 7 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Will man sich eine klare Vision zukünftiger weltpolitischer Umwälzungen verschaffen darf man seinen Blick nicht bloß auf den Boden unter den eigenen Füßen beschränken. Europa oder besser gesagt die Europäische Union ist zu sehr in nationalen Divergenzen gefangen, um durch Einigkeit jenen Anspruch zu rechtfertigen den man mit der Forderung von den USA als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden gestellt hat. Welchen Faktor man auch als den ausschlaggebenden benennen möchte, sei es die überhastete Osterweiterung, wie sie Peter Scholl-Latour nennt, die Aufnahme neutraler Staaten oder generell Großbritanniens Beteiligung, Brüssel wird als globales Machtzentrum in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum ernst genommen werden können. Die Geschichte lehrt uns und das ist auch der rote Faden den man in Peter Scholl-Latours "Die Angst des weißen Mannes" wahrnehmen kann, dass immer dann wenn sich Europas Großmächte anstatt des ehrgeizigen Wettbewerbs um globale Bedeutung in kleinlichen kontinentalen Streitereien verschleißten, der Einfluss des Okzidents als Ganzes zu schwinden begann, ein Prozess der im 21. Jahrhundert zur machtpolitischen Abdankung des selbigen führen dürfte.

Trotzdem hat Peter Scholl-Latour als einst starker Befürworter der Annäherung Frankreichs an Deutschlands kein Klagelied angestimmt, sondern ist dem Ruf der Ferne gefolgt, dorthin wo sich die weltpolitische Entwicklung der nächsten Jahre entscheiden wird - Zentral- und Südostasien. Regionen also wo der Abgesang des weißen Mannes schon längst zur Realität geworden ist und US-amerikanischer bereits dem chinesischen Einfluss weicht. Doch auch Gegenden die aufgrund ihres Rohstoffreichtums und insbesonders im Falle Südostasiens auch der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung politisch schwer an Gewicht gewinnen werden, während in Europa Überalterung und ein schwaches Wirtschaftswachstum als Zukunftsperspektive dominieren und ein Absinken in der wirtschaftlichen wie politischen Bedeutung geradezu vorprogrammiert ist. Zentralasien wiederum zeichnet sich vor allem dadurch aus unter Scheindemokratien ehemals kommunistischer Funktionäre Korruption und organisierter Kriminalität Tür und Tor zu öffnen, während der Boden umso fruchtbarer für ein Aufkeimen neuer islamistischer Bewegungen wird. Die Zukunft des "Westens" liegt wohl dort wo sie sich mit der einheimischen Kultur vermischt und etwas neues hervorgebracht hat, wie die letzte Station von Scholl-Latours Reise eindrucksvoll bezeugt - Brasilien als europäischster der aufstrebenden BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China).

"Die Angst des weißen Mannes" verspricht schon aufgrund des Titels vielleicht etwas anderes als das Buch ist, es ist kein pathetischer Rundumschlag, keine exaltierte Panikmache und keine ideologisch motivierte Erbauungslektüre für wen auch immer, denn es ist ein Reisebericht. Ein Bericht über eine Reise durch jene Regionen in denen sich kommende Krisen bereits abzeichnen und doch soviel ungewiss ist, dass sich Peter Scholl-Latour auch weitgehend des Versuchs entzieht explizite Szenarien aufzuzeichnen. Seinen teils romantisierenden Stil und die Ausdrucksweise kann man dabei schon einmal kritisieren, doch in einem Reisebericht ist es durchaus erlaubt die Attraktivität von Inselbewohnerinnen zu beschreiben und Anekdoten zu erzählen. Nicht vergessen darf man jedoch dass Scholl-Latour jahrzehntelange Erfahrung als Korrespondent und Reisender aufzuweisen hat, an die kaum ein anderer heranzukommen vermag. Diesem Erfahrungsschatz mag auch die Abgeklärtheit Scholl-Latours entspringen, der sich auch hin und wieder in Fragen äußert wie (S. 368) "ob in diesen exotischen Regionen der Welt der aufgeklärte Despotismus der von den Amerikanern stets wiederholten Forderung nach 'Nation building' nicht besser entspricht als die Vorspiegelung eines Vielparteiensystems, dessen Wahlergebnisse ohnehin schamlos gefälscht würden."

Als jemand der Peter Scholl-Latours Arbeit zuvor nicht kannte, kann ich durchaus verstehen warum und woran sich manche seiner Kritiker ärgern, doch hinter den Oberflächlichkeiten verbirgt sich doch die oft unangenehme Wahrheit, wie im Fall Barack Obamas dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Scholl-Latours Sympathien für die als Nation vergleichsweise jungen USA anderenseits auch allgemein gering. Stattdessen konzentriert er sich gerade im Raum Südostasiens auf die Rolle eines anderen fast schon exotischen Verbündeten der USA, den Fünften Kontinent, Australien. Durch die Aussagen eines australischen Offiziers eröffnet Scholl-Latour eine sehr ungewohnte Perspektive.

Fazit:
In der Formulierung als Reisbericht natürlich subjektiv, doch mit einem scharfem Blick für das Wesentliche.
0Kommentar10 von 12 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Peter Scholl-Latour ist zweifelsohne einer der ausgewiesensten Kenner der internationalen Politik. Seit über einem halben Jahrhundert bereist er die Schauplätze der Weltkrisen, hat Kriege begleitet und Katastrophen analysiert. Seine Schwerpunkte bildeten Indochina und die islamische Welt und die machtpolitischen Querverbindungen dieser Konfliktherde brachten ihn immer wieder in Regionen, deren Existenz den meisten Empfängern seiner Analysen zuvor kaum bekannt war. Sein internationales Netzwerk geht über die gängigen Verbindungen der offiziellen Diplomatie weit hinaus und seine Botschaften waren immer dazu geeignet, heftige Dispute auszulösen. Sie passen schlichtweg nicht in das oft ersehnte Schema von Gut und Böse, den einen galt er oft als hoffnungsloser Reaktionär und anderen wiederum als allwissende Kassandra. Im Alter von 84 Jahren unternahm er erneut eine weltumspannende Reise und stellte sie unter die Leitfrage, inwieweit die Zeit des weißen Mannes mit seinen Imperien und seinen kulturell hegemonialen Einflüssen, die über Portugal, Spanien, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien bis zu den USA gingen, zur Neige geht.

Angelehnt an den portugiesischen Dichter Luís Vaz de Camóes, der den Niedergang der lusitanischen Epoche begleitete, teilt er seine Reise in acht Cantos auf, die seine Reisestationen untergliedern. Scholl-Latour beginnt seine Erkundung in Ost-Timor und sie geht über Bali, Ozeanien, Java, die Philippinen, China und Kasachstan bis nach Kirgistan, wo sie endet. Wie in allen publizierten Berichten arbeitet er auch hier mit Querverweisen, die teils Jahrzehnte zurückgreifen und seinem schier unerschöpflichen Fundus an historischen Aufzeichnungen entspringen. Wer sich einlässt auf diese Art der assoziativen und historisch interpolierenden Analyse, die durch Fakten wie durch persönliche Erlebnisse durchsetzt ist, der wird reich belohnt.

Die einst strahlende imperiale Größe eines Kulturkreises, der seit Alexander dem Großen und dem Imperium Romanum, über die Seefahrernationen bis zur Neuen Welt in Form der USA den Globus beherrschte, hat sich laut Scholl-Latour verflüchtigt mit der jeweiligen Profanisierung der Eliten und Ideale. Die weltweite technische Reproduzierbarkeit der Instrumente und Verfahren haben das ihre dazu beigetragen, dass die unikate Qualität der imperialen Zentren ausfaserte und ihre Aura verlor. Mit der Degeneration der hegemonialen Eliten ging nicht selten die Emanzipation der peripheren Nationen einher und es wuchsen neue Zentren politischer Dominanz, die in kurzer Zeit auf der Weltbühne erschienen und für Verblüffung sorgten. Scholl-Latours Zorn richtet sich gegen den intellektuellen Müßiggang derer, die in der westlichen Hemisphäre das Sagen haben und er verfällt zuweilen in jene Melancholie, die ein Abgesang mit sich bringt. Die Stärke des Buches liegt - wie immer - in der unerschöpflichen, nahezu enzyklopädischen Reichhaltigkeit von Verweisen auf geopolitische Interdependenzen. Seine Kritik an der Profanisierung westlicher Politik ist nicht neu, sie dokumentiert allerdings auch ihr fürchterliches Ausmaß angesichts der globalen Machtverschiebungen.
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am 14. April 2011
Der Rückblick auf die Kollonialzeit ist sehr gelungen aber auch etwas unkritisch. Das liegt sicher am Autor selbst, der dieser Zeit durch eigenes Erleben noch immer verbunden ist. Der Ausblick in die Zukunft für unser "weißes" Europa eher erschreckend aber durchaus realistisch. Das Buch ist wie immer spannend und die Analysen entsprechen oft nicht der political correctness auf die bei der restlichen Deutschen Journalie immer großen Wert gelegt wird. Durch seine umfangreichen Recherchen und immer wieder auch den Blick zurück in die Geschichte liefert der Autor in bewährter Qualität ein sehr gutes Buch ab, dass natürlich auch kritische Stellen enthält...aber man muss als Leser ja nicht immer der Meinung des Autors sein...neue Perspektiven tun meiner Meinung nach immer gut und Provokation ist besser als der immer gleiche Mainstream. Man wünscht sich das auch Deutsche Politiker diese Sichtweisen zumindest zur Kenntnis nehmen bevor sie mehr oder weniger "Schlaues" von sich geben.
Das Fazit des Buches und der Autor hat schon in früheren Büchern darauf hingewiesen...die Supermacht des 21. Jahrhunderts heißt China und die politische, militärische und wirtschaftliche Macht wird sich auf die BRIC Länder verschieben wobei Russland hier eher den Verlierer geben wird.
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"Die verbündeten Staaten der Atlantischen Allianz sind weit davon entfernt, die Emanzipation der afghanischen Frau so konsequent durchzusetzten , wie das den Sowjets im Verbund mit den kommunistischen lokalen Parteien gelungen ist."
(Dr. Peter Scholl-Latour, S. 387)

Im März 2008 hat der "Doyen des deutschen Auslandsjournalismus" (Focus 4/2008) nach dem Besuch des buddhistischen Königreiches Bhutan mit der "República Democrática de Timor-Leste" auch den letzten der 192. Mitgliedsstaaten der United Nations einen Besuch abgestattet. Seine geographische "Sammler-Marotte", wie er sie selbst in Abwandlung des cäsarischen Credo aus dem Bello Gallico nennt, fand damit ihren (vorläufigen?) Abschluss.....

Die 1975 von Portugal in die Unabhängigkeit entlassene Kolonie, wurde nur neun Tage später von Indonesien annektiert. Um die in einem 1999 durchgeführten Referendum erneut erklärte Unabhängigkeit zu sichern, entsandten die UNO unter australischer Führung die Friedenstruppe INTERFET. Das endgültig am 20. Mai 2002 unabhängig gewordene Osttimor stellt Ausgangs- und Endpunkt der Betrachtungen Dr. Scholl-Latours in "Die Angst des weißen Mannes" dar.....

....dessen Abgesang er - nach einem Präludium - in acht Kapitel und einen Epilog unterteilt. Hierbei bedient er sich der exklusiven Sprache der "Lusitanier", wie er die antiken Vorfahren der Portugiesen nennt, indem er sie als Cantos, von "primeiro bis oitavo" bezeichnet. Angefangen bei Heinrich dem Seefahrer (1394 - 1460) beschreibt er die Geschichte der ersten und einst mächtigsten Kolonialmacht, die im Jahre 1974 auch als letzte ihre Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen sollte. In seinem "Canto primeiro" bezeichnet der mittlerweile 85 Jährige Ost-Timor als "Portugals letzten Gesang". Daneben zeichnet er auch die Geschichte der zweiten "europäischen Randnation", den Niederlanden, die die Portugiesen vielerorts beerbten. So auch in Indonesien, dass heute ein islamischer 180 Millionen Staat ist, in dem der 44. Präsident der USA, Obama, aufwuchs. Die Großmacht Brasilien ist für Scholl-Latour die "Revanche Portugals". In Salvador da Bahia schließt sich der historische Kreis, den dort war mit Cabral der erste Portugiese an Land gegangen, der auch als erster die Insel Timor betreten hatte. Scholl-Latour sieht in Brasilien die Entstehung der neuen Menschheit, die Perspektive einer globalen Entwicklung, die das biologische Ende des "weißen Mannes" habe. Sieben Jahrzehnte nach dem NS-Rassenwahn sieht er darin die logische Veränderung unserer Spezies, die mit den kühnen Navigatoren der Lusiaden begann und in Brasilien, der gewichtigen Tochter Portugals bereits zur Realität wurde. Der Autor weist darauf hin, dass in Lateinamerika die Kinder ein und derselben Familie völlig unterschiedliche, gar konträre "Rassenmerkmale" aufweisen können und sich niemand an den vielfältigen Hautschattierungen stört !

.....daneben beschreibt er die Reconquista der einstigen mexikanischen Gebiete der USA, die auch durch einen Zaun nicht aufzuhalten ist. Auch China revanchiert sich, als wirtschaftlicher und zunehmend militärischer Tiger, an den den einstigen Imperialmächten. Ein Treppenwitz , sicherlich nicht nur für Scholl-Latour, ist, dass die Berliner Große Koalition der "amerikanischen Zumutung", aus Guantanamo entlassene Uiguren aufzunehmen, eine Absage erteilte und die Islamisten aus Xinjiang schließlich auf Palau strandeten. Die Pazifikinsel gehörte zwischen 1900 bis 1914 zum Wilhelminischen Kaiserreich!

Neben der Illusion vom "nation building", der "amerikanisch-australischen Menschheitsbeglücker" die seit Bagdad und Kabul zum "failed state" geworden ist, thematisiert Scholl-Latour, wie bereits in seinem "Der Weg in einen neuen Kalten Krieg" (2008) erneut auch den Kampf gegen den (islamistischen) Terrorismus, den er als einen "assymetrischen Krieg" bezeichnet. Bereits im klassischen Griechenland hat der pauschale Begriff "Demokratie" alles andere als den Idealzustand menschlichen Zusammenlebens definiert. In den islamischen, einst sowjetischen Staaten Zentralasiens sieht er eine türkisch-mongolische Wiedergeburt. Er beschreibt die Unterschiede zwischen den Aborigines Australiens und den Maori, die sich in der neuseeländischen Gesellschaft etabliert haben. Auch fehlen weder Tibet, Indochinakrieg, Molukken, Neu-Guinea, Nekrophagie, Algerien, Südsee, Taleban, John Maynard Keynes und und und.....

......auf knapp 450 Seiten wird der Leser mit mannigfaltige Fakten, Aspekten und oftmals bereits bewahrheitete Folgerungen (!) aus der Kolonial- und übrigen Weltgeschichte, sowie aus mehr als einem halben Jahrhundert von Scholl-Latours Journalistenleben auf spannende Weise unterhalten und informiert. Zwei Fotostrecken bieten beeindruckende Farbfotos, Zeichnungen und Gemälde, u. a. das Bild "The Germans to the Front" und das Foto "Abschied Großbritanniens aus Hongkong". Insgesamt vier farbige Landkarten sorgen für eine geographische Visualisierung der Geschichte. Den Abschluss bildet ein beeindruckendes Personenregister, zu dem auch etliche Zeitgenossen gehören, die Scholl-Latour persönlich kennen lernen durfte.

5 Amazonsterne und die Hoffnung, dass noch weitere, dieser einzigartigen Bücher folgen werden!
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