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am 15. Oktober 2010
Zuerst eine Warnung: Finger weg von diesem Buch, wenn für Dich Affären ein moralisches Tabu sind. Und Finger weg, wenn Du gerade zutiefst verletzt bist, weil Dein Partner fremdgegangen ist. (Dann warte vielleicht ein paar Wochen.)

Um davon profitieren zu können, braucht man die Kraft, Uneindeutigkeiten zu ertragen. Und eine gewisse emotionale Ruhe und Selbstsicherheit (die gerade mitten in einer Affäre tief erschüttert sein kann). Unter dieser Voraussetzung ist es das Klügste, was ich je zu diesem Thema gelesen habe.

Clements Grundprämisse: Es gibt kein Schwarz und Weiß. Die Liebeswelt ist vielschichtiger, widersprüchlicher und dadurch auch viel lebendiger, als wir es gerne hätten in unserer Sehnsucht nach Eindeutigkeit. Und dieser Lebendigkeit (die auch Schmerz bedeuten kann) gilt es sich in Würde und in Verantwortung für das eigene Tun zu stellen.

Clement wendet sich gegen einfache Wahrheiten jeglicher Couleur:
"Affären sind moralisch verwerflich und dürfen gar nicht vorkommen."
"Affären sind immer ein Symptom einer gestörten Beziehung (und dadurch eben auch entschuldbar)."
"Affären sind harmlos und können eine Beziehung sogar beleben."

Dagegen setzt er: Affären sind in der Welt, und werden aller Voraussicht nach in der Welt bleiben. Sie passieren nicht zufällig, sondern haben Gründe. Die müssen aber nicht unbedingt in einer unglücklichen Beziehung liegen (oft ist das Beziehungsunglück mehr die Folge als die Ursache). Alle Beteiligten haben Gefühle, und alle Gefühle sind berechtigt: die Liebe und Sehnsucht der Fremdgehenden und Geliebten, die Schuldgefühle und Ambivalenz der Fremdgehenden, die Eifersucht und Verletztheit der betroffenen Hauptpartner.
Außerdem gibt es in einer solchen Situation jede Menge "Macht des Faktischen". Sachzwänge, die nicht immer schön sind, aber mit denen man sich als Rahmenbedingung auseinanderzusetzen hat. Zum Beispiel: Es gibt zwischen den Beteiligten ein Machtgefälle (wer mehr liebt, oder weniger weiß, ist in der schwächeren Position). Oder: eine etablierte Partnerschaft errichtet durch Kinder, Finanzen, gemeinsame Freunde etc. starke faktische Bindungen, ganz unabhängig von Gefühlen. Oder: fast alle Lügen fliegen irgendwann auf.

Und nun gilt es mit diesen konfligierenden Gefühlen und Sachzwängen möglichst weise umzugehen. Dabei muss man sich bewusst sein, dass jede Entscheidung (jede! auch die Entscheidung für Treue!) ihren Preis hat, für den einen oder anderen der Beteiligten. Und sich fragen, ob man bereit ist, diesen Preis zu zahlen (oder einem anderen zuzumuten).

Für die Navigation in diesem Dschungel gibt es eine Vielzahl von Vorschlägen. Alle drei Perspektiven (Fremdgeher/in, betroffener Partner, Geliebte/r) werden berücksichtigt. Besonders ausführlich wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie viel Ehrlichkeit und wie viel Lüge man sich und dem Partner zumutet (bzw. von ihm verlangt).

Clements Moral ist eine "Moral der Konsequenzen", und die gilt für alle drei Beteiligten: Überlege Dir, was Du selbst willst und brauchst, worum es Dir überhaupt geht. Überlege Dir, was ein anderer will und braucht, was Dein Tun ihm zufügt und welche Verantwortung Du für ihn hast. Wäge das gegeneinander ab. Und dann handle danach, stehe dazu, und ertrage auch die Reaktionen des anderen.
Das kann zum Beispiel heißen, als betroffener Partner darauf zu verzichten, alles wissen zu wollen. Oder als Geliebte/r zu entscheiden, ob man mit der Rolle als "Nummer Zwei" zufrieden ist. Oder als Fremdgeher darüber nachzudenken, worum es eigentlich geht: tatsächlich um eine Beziehungsalternative? Oder nur um das "Andere" auf dem "Hintergrund" einer bestehenden Beziehung? Und was heißt das für mein Verhalten gegenüber meinem Partner?

Das Ganze ist präzise, verständlich und empathisch geschrieben, klar gegliedert, wird mit (wenigen, leicht lesbaren) statistischen Informationen und mit vielen Fallgeschichten illustriert.

Sehr weise, und der Komplexität des tatsächlichen Geschehens sehr angemessen. Nur zwei Dinge konnte ich persönlich nicht ganz unterschreiben: Die Annahme, dass der betroffene Partner in der Regel "wissen will", während der Fremdgeher meist "verschweigen will". Und das unbedingte Plädoyer für ein "Bekenntnis statt Geständnis" (Steh dazu, was Du getan hast, mach Dich nicht klein, flehe nicht um Verzeihung.) Clements Begründung dafür ist ehrenwert: der/die Fremdgehende, meint er, entlastet sich auf diese Weise, übernimmt nicht die Verantwortung für sein Tun und belastet den Partner auch noch mit der Herausforderung, verzeihen zu müssen. Klingt plausibel, stimmt aber nicht ganz zusammen mit der sonstigen Annahme, dass es eine große Vielfalt verschiedener Menschen, Konstellationen und Gefühle gibt und kein Rezept für alle passt (im Gegenteil geht es darum, genau wahrzunehmen, was geschieht.)

Ich persönlich hatte als "Fremdgeherin" mit einem Partner zu tun, der nicht wissen wollte. Und wenn schon wissen, dann wollte er wenigstens auch hören, dass ich zerknirscht bin. Ich habe ihn, ganz im Clement'schen Sinne, aus einem Gefühl der Fairness heraus informiert. Er sollte sich dazu verhalten können. Was ich nicht vorausgesehen hatte: Noch mehr als über die Affäre selbst war er darüber verletzt, dass ich ihm auch dieses Wissen zumutete. Und noch mehr als über das Wissen war er verletzt, dass ich nicht zerknirscht war. Er hätte gerne verziehen. Das hätte für ihn das Gleichgewicht, sein Selbstwertgefühl wieder hergestellt.

Auch das gibt es. Auch das ist menschlich.

Etwas mehr hätte ich außerdem gerne gelesen über die Situation "Fremdgehen in einer Familie mit Kindern". Denn hier kommen noch ganz andere Beteiligte mit eigenen (Schutz-)Bedürfnissen und Interessen ins Spiel.

Ansonsten: fünf Sterne.
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am 23. Mai 2014
Aufgrund des Titels hatte ich mir mehr von dem Buch versprochen. Zuerst das Positive: Das Buch ist flüssig und gut verständlich geschrieben. Manches fand ich auch durchaus interessant und informativ, etwa die Analyse, was Betrogene an der Affäre schmerzt. Oder was den Ehe- bzw. Beziehungskontrakt ausmacht. Es sind Ansatzpunkte, sich damit auseinanderzusetzen. Auch die (relativ kurze) Analyse der Geliebtenposition ist informativ.
Aber: Wie andere hier schon schrieben: Die Position und damit auch die Perspektive des Buches ist sehr einseitig. Der Autor vertritt die These, dass die Partner in einer Beziehung nicht alle Bedürfnisse des anderen erfüllen können - und es deshalb normal (und mehr oder weniger offen so vertreten) auch legitim ist, sich dies außerhalb der Beziehung zu holen - auch heimlich.
Und dass jede Beziehung im Zeitablauf zur spannungslosen "Monogamie-Falle" wird, aus denen Affären ein natürlicher und legitimer Ausweg sind.

Das Buch ist daher im wesentlichen für Menschen geschrieben, die beiderseits ein relativ lockeres Verhältnis zur Treue haben und - am besten beide - Nebenbeziehungen pflegen. Dafür führt der Autor einige Beispiele an. Aber brauchen diese Menschen ein solches Buch? Vielleicht zur theoretischen Untermauerung ihres Beziehungsmodells?

Für Menschen, die auf Treue und Exklusivität in einer Beziehung Wert legen und nach Entdecken einer Affäre Hilfe und Anleitung für die Einordnung und gemeinsame Aufarbeitung brauchen, finde ich das Buch wenig hilfreich. Die Gefühle und Schmerzpunkte des Betrogenen werden in dem Buch recht ausfühlich analysiert aber letztlich doch so dargestellt, dass "man es nicht persönlich nehmen"und sich letztlich nicht so anstellen sollte. Ich empfand viele Passagen auch als augenzwinkernde Kumpanei des Autors mit den Fremdgehenden, etwa die Unterscheidung zwischen Verschweigen, passivem Lügen (etwas Bestehendes Abstreiten, was nach Auffassung des Autors eigentlich keine Lüge im eigentlichen Sinn darstellt) und der aktiven Lüge (ohne dies näher auszuführen). Oder den Regeln für respektvolles Lügen durch den Fremdgehenden - denn Lügen gehören nun einmal zu einer Affäre dazu. Der Betrogene soll am besten durch respektvolles Wegsehen dem fremdgehenden Partner den nötigen Freiraum gönnen. Denn diese/r meint es ja nicht böse, sondern erfüllt sich halt nur seine natürlichen Bedüfnisse.

Während also die Befindlichkeit des/der Betrogenen recht ausführlich analysiert und zwar anerkannt aber als wenig zielführend dargestellt wird, wird das Fremdgehen als Erfüllung natürlicher und legitimer Bedürfnisse gesehen. Diese Bedürfnisse werden noch nicht einmal im Ansatz analysiert und die Befindlichkeit des Fremdgehenden hinterfragt. (Außer: Der Fremdgehende hat ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Dauerpartner - da müsse er aber am besten mit klarkommen und wissen was er/sie wolle. Kein Ansatz, einmal zu hinterfragen, was denn zur Affäre geführt hat. Was dem Fremdgehenden denn fehlen könnte und ggf. wie dies in der Hauptbeziehung evtl. wieder hergestellt werden könne. Dafür der Tipp für Fremdgehende, in der Hauptbeziehung nur ja keine auffällige Verhaltensänderung zu zeigen und das, was man in der Affäre lebt bzw. für sich entdeckt hat, nicht in die Beziehung einzubringen. Der/die Betrogene erfährt dies doch sehr oft, hat sich selbst vielleicht genau das gewünscht und wurde abgewiesen. Es hätte zumindest des Hinweises bedurft, dass die Betrogenen genau dies als besonders verletzend empfinden.

Schließlich die "Moral der Konsequenzen": Ja, auch Treue hat ihren Preis. Dieser wird ausführlich thematisiert. Der Preis und die Konsequenzen einer Affäre kommen praktisch nicht vor, außer bei Affärendreiecken in derselben Firma oder im Freundes- oder gar Familienkreis von denen der Autor aufgrund der Vielfachen Verletzungsebenen mehr oder weniger eindeutig abrät.

Außerdem fehlen wirkliche Lösungsansätze, wie eine Beziehung nach einer entdeckten Affäre evtl. wieder in die Spur gebracht werden könnte (außer natürlich: der Betrogene akzeptiert die Affäre und sieht diskret weg, sucht sich am besten selbst eine Nebenbeziehung). Dies ist wohl auch aufgrund der einseitigen Position des Autors auch schwer möglich. Fremdgehende soll zu dem stehen was sie getan haben, Entschuldigungen sind unangebracht, weil sie die Betrogenen in eine überlegene Position bringen und die Partner nicht mehr auf Augenhöhe agieren. Diese Ratschläge sind meiner Meinung nach "nicht zielführend".

Fazit: Für Menschen, die ohnehin wenig Wert auf Exklusivität in der Beziehung legen, sicher interessant. Für alle anderen wenig hilfreich und aufgrund seiner Einseitigkeit nicht sehr tiefgehend in der Darstellung der Gesamtproblematik. Es gibt deutlich bessere uns seriösere Bücher zu diesem Thema, die alle Beteiligten ernst nehmen und wirklich hilfreiche Lösungsansätze aufzeigen. Ich nennen hier beispielhaft die Bücher von Jellouschek und Marshall.

Der Untertitel "Vom richtigen Umgang mit Affären" ist daher auch vermessen. Er müsste ergänzt werden: Für Fremdgehende und solche, dies es werden wollen.
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am 14. Januar 2010
Für Menschen, die eine Außenbeziehung haben oder für Menschen, die die Rolle der/des Geliebten innehaben, ist dieses Buch gut geeignet, um die eigene Position zu reflektieren, vorhandene Schuldgefühle abzubauen und sowohl einen Überblick über die Ursachen wie auch über die möglichen Umgehensweisen mit der Situation zu erhalten.

Wenig geeignet ist das Buch meines Erachtens für den Partner/die Partnerin desjenigen, der die Außenbeziehung hat. Zumindest bei mir wurden ständig so viele Schmerzpunkte berührt, dass ich die Lektüre immer wieder unterbrechen musste, weil das Weiterlesen zu schmerzhaft war. Der erlebte Schmerz des betroffenen Partners (ich nenne es ungern "Betrogene/r", weil moralische Wertungen nicht das sind, worum es geht) wird vom Autor zwar kurz in seinen verschiedenen Varianten analytisch beschrieben, aber was mir persönlich in diesem Zusammenhang gefehlt hat, war ein gewisses Maß an Empathie für die Heftigkeit des Schmerzes.

Wenn dann noch als "richtiger Umgang" mit der Affäre des Partners nahegelegt wird, zum Beispiel einfach 'respektvoll wegzusehen' - in völliger Ignoranz des entstehenden Schmerzes und der Auswirkungen, die eine hinzukommende dritte Person für das Paarsystem hat - stelle ich an meiner Reaktion beim Lesen fest, dass dies, zumindest für mich, ein Umgang mit der Situation wäre, der den damit verbundenen Emotionen in keinster Weise gerecht wird und reine Verdrängung wäre.

Wo für mich das Maß beim Lesen endgültig voll war, war an der Stelle, wo der Autor betroffenen Partner/-innen nahelegt zu überlegen, wie man mit der möglichen nächsten Affäre des Partners (also der Affäre, die als nächstes nach der bereits geschehenen Affäre kommt) so umgeht, dass die Affäre mein Leben sogar BEREICHERT (!) anstatt es zu belasten.

Zumindest aus meiner Sicht ist ein solcher permissiver Umgang mit Affären das Aus jeglicher partnerschaftlicher Intimität und echten Einlassens aufeinander. Zweifellos muss jedes Paar für sich selbst entscheiden, ob Innigkeit und tiefe emotionale Verbundenheit die Grundlage seiner Partnerschaft sein soll oder ob die Verbindung eher freundschaftlich-distanzierten Charakters sein soll. In letzterem Fall ist ein entspannter und toleranter Umgang mit Affären ganz sicher nicht sonderlich schwer zu bewerkstelligen. Für Menschen, deren Glückserfahrungen sich in der Partnerschaft hingegen nicht zuletzt auf Einzigartigkeit, Nicht-Austauschbarkeit, Hingabe und eine tiefe Herzensverbindung begründen, dürfte das gelassene Tolerieren ständig neuer Affären des Partners einer wirklich erfüllten Partnerschaft jedoch im Wege stehen.

Mein Fazit:
Ein tolles Buch für Menschen, die mit dem Thema Untreue locker und entspannt umgehen wollen.
Ein schmerzhaftes Buch für Menschen, die Wert auf Tiefe in der Partnerschaft legen.
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am 27. September 2009
Dieses Buch war die beste Empfehlung, die ich von meinem Psychotherapeuten erhalten habe! Wenn es auch für eine Rettung meiner Ehe viel zu spät ist, hilft es mir bei der (nach wie vor laufenden) Bewältigung der Trennung dennoch weiter. Über weite Strecken hatte ich den Eindruck, der Autor beschreibt die Situation meines Noch-Ehemannes und mir, die wir in den quälenden 15 Monaten nach seiner Entdeckung meiner Affäre durchlebt haben. Wir haben tatsächlich zu fast 100 % alles falsch gemacht, was man falsch machen kann! Einzig meine intuitive Gegenwehr gegen das Preisgeben sexueller Details war richtig. Der Autor hat mir meine damaligen Bedenken bestätigt, dass dies in keiner Weise weiterhilft, weder meinem betrogenen Ehemann noch mir. Im Gegenteil entstehen dadurch nur noch mehr Bilder im Kopf, die eine Aufarbeitung weiter erschweren.

Dem Autor ist es gelungen, "die Affäre" aus der Sicht aller drei Beteiligten zu beleuchten, ohne Anklagen und Schuldzuweisungen. Überhaupt wird die Schuldfrage als nicht zielführend entlarvt. Dabei gibt es keinen "Persilschein" für den Partner, der fremd gegangen ist, aber Erklärungen, die plausibel sind. Insbesondere die Tatsache, dass sich in seiner praktischen Tätigkeit herausgestellt hat, dass es nicht immer einen Grund geben muss, dass es auch in intakten Ehen zu einer Affäre kommen kann, fand ich interessant. Genau damit hatte ich nämlich das größte Problem. Zumindest bei der ersten oberflächlichen Betrachtung konnte ich keinen Grund finden, warum ich mich nach 17 glücklichen Jahren aus der scheinbar vollkommenen, perfekten Beziehung heraus hatte erobern lassen. Wir waren in unseren aber auch in den Augen Anderer DAS ideale Paar. In den Gesprächen mit dem Therapeuten haben sich dann zwar doch einige Ecken heraus gestellt, die das scheinbar perfekte Bild unserer Ehe angekratzt haben. Trotzdem fand ich die Schilderungen auch für meine eigene Geschichte hilfreich.

Angenehm ist die Art und Weise, wie der Autor schreibt. Weder ein Sachbuch von einem Fachidioten noch der zu erwartende erhobene Zeigefinger. Das Buch beschreibt in verständlicher Form die Dreiecksbeziehung anhand der Erlebnisse seiner Klienten. Am konkreten Beispiel werden die Rückschlüsse gezogen, die das Geschehen erklären.

Vielleicht hätte es bei rechtzeitiger Lektüre dieses lehrreichen Buches tatsächlich eine Chance für einen Neuanfang gegeben ... zumindest wenn nicht nur ich sondern auch der Betrogene es gelesen hätte. Nun, über ein Jahr nach seinem Abschied aus der Ehe, ist es in jedem Fall zu spät. Die letzten 40 Seiten habe ich daher mehr überflogen, weil sie für meine Situation nicht mehr von Bedeutung waren bzw. sind. Allen Betroffenen kann ich nur raten, sich zum Lesen zu überwinden, es erhöht die Aussichten, eine langjährige Beziehung vor dem Untergang zu bewahren. Wenn die Partner sich dann noch zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe überwinden können, bleibt ihnen der Gang zum Scheidungsanwalt womöglich erspart. Schaden kann es auf keinen Fall ...
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am 17. Oktober 2011
Der Heidelberger Paar- und Sexualtherapeuth Ulrich Clement plädiert in seiner Publikation "für eine neue Form der Partnerschaft, in der sexuelle Treue nicht mehr im Mittelpunkt steht". Allein dieser Satz dürfte vielen Paaren Schweißperlen auf die Stirn treiben, galt und gilt die körperliche Treue innerhalb einer monogamen Partnerschaft doch bis heute als Idealvorstellung einer festen Beziehung.

Clement beleuchtet das Dilemma der vorherrschenden Monogamie und beschreibt eindringlich die Schwierigkeiten, die viele Paare mit diesem starren Beziehungsmodell haben. Seiner Auffassung nach hat es Affären immer gegeben, und es wird sie auch immer geben. Die Frage ist nur, wie man mit diesem weitverbreiteten Phänomen umgeht, das bis heute einer weitgehenden Tabuisierung unterliegt. Clement bestreitet, dass ein Seitensprung oder eine Affäre automatisch das Ende einer Beziehung bedeuten muss. Er plädiert stattdessen für den richtigen Umgang mit Affären, wie der Untertitel des Buches bereits zum Ausdruck bringt.

Vielen Paaren wird es sicherlich schwerfallen, den Schrecken einer Affäre zu begrüßen, wie Clement vorschlägt. Er stellt für untreue Partner, Betrogene und Geliebte jeweils zehn Regeln auf und schlägt zum Beispiel vor, dem Partner eine Affäre durchaus zu verschweigen, sofern dieses Wissen nur zu einer Kränkung führen würde. Außerdem ermahnt er den "Fremdgeher", gegenüber dem festen Partner stets Respekt zu bewahren und loyal zu sein.

Clement hat mit seinem Buch ein heisses Eisen angefasst, das er vorurteilsfrei zur Diskussion stellt. Seiner Meinung nach ist Monogamie nicht für alle Paare die ideale Beziehungsform. Er plädiert dafür, dass sich jedes Paar selbstverantwortlich mit seiner Beziehung auseinandersetzt und dabei das sensible Thema Seitensprung und Affäre nicht ausklammert.

Mir persönlich hat das Buch den einen oder anderen wichtigen Denkanstoß gegeben. Es ist sachlich, aber dennoch engagiert geschrieben. Kritisieren möchte ich lediglich, dass sich an zwei oder drei Stellen sarkastische Untertöne eingeschlichen haben, die der Thematik nicht angemessen sind. Ansonsten kann ich diese von zahlreichen Erfahrungen geprägte Publikation durchaus empfehlen.
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am 21. Mai 2011
Aus aktuellem Anlass habe ich mir dieses Buch gekauft um mir einen groben Überblick über Möglichkeiten aus der Krise zu verschaffen. Der Autor gibt mit Sicherheit gute Erläuterungen warum ein Partner möglicherweise fremdgeht und beleuchtet in äußerst neutraler Weise alle Perspektiven, sowohl des Betrügenden, des Betrogenen und der eigentlichen Affäre. Auch wird in diesem Buch beschrieben wie die Zusammenhänge von der Idee des Fremdgehens, über das 'in die Tat umsetzen' bis hin zu der Phase der Aufdeckung für die Parteien verlaufen und erklärt diese ausführlich. Es werden Einsichten in aller Art von unterschiedlichen Beziehungen und deren Problematik gegeben womit man seine Situation vergleichen könnte.

Allerdings bin ich mit den Thesen des Autors nur zu 75% einverstanden. Spätestens bei seinem Vorschlag in einer dreier- oder vierer- Konstellation zu leben und die eigentliche Untreue weiter zu führen endet meine Vorstellung von dem was ich als sinnvolle Lösung des Konfliktes betrachte. Gleiches gilt für die Ratschläge wie Lügen des Betrügenden "sinnvoll" zu gestalten sind. Ich hatte mir von diesem Buch gerade aufgrund der vielen positiven Beurteilungen mehr erhofft. Gerade was den aktiven Weg aus der Krise anbelangt, sei es allein oder mit seinem ehemaligen Partner, fehlt mir persönlich hier die für mich entscheidende Komponente des Buches und stellt sich als 'zu dünn' dar.
Eine Chance für die Liebe zu zweit ist dieses Buch nicht, allerdings ein Wegweiser mit fortwährender Untreue ohne Affären Aufgabe zu leben.

Wer an, so wie es sich in dem Buch liest, vermeintlich veralteten traditionellen Werten wie Monogamie und einer zweier Beziehungen glaubt sollte zu einem anderen Werk greifen.
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am 22. April 2009
Dieses Buch könnte der neue Klassiker zum Thema Affären werden. Steht alles drin, was dazu gehört: das Vertrauensdilemma, das Problem der Loyalitäten, Eifersucht, die gängigen Beziehungsmythen und vieles mehr.
Und obwohl das Buch so klug ist und von einem Prof. Dr. geschrieben wurde, kann man es lesen, verstehen und auch noch Spaß dabei haben (wenn man nicht gerade eine Affäre bearbeitet).
Im Unterschied zu vielen anderen Büchern über Affären schwingt Clement weder die Keule der Moral, noch die der psychologischen Störungen.
Ebenfalls sehr sympathisch: Clement schlachtet doch tatsächlich die heilige Kuh der Systemiker - die Allparteilichkeit. Er bekennt sich zur Existenz eines richtigen Umgangs mit Affären, er bezieht Position und hält ein Plädoyer für eine Form der Partnerschaft, in der sexuelle Treue nicht im Mittelpunkt steht. Mutig, weil es nicht der gängigen Moral entspricht, auch nicht der vieler Psychologen und Paartherapeuten.

Bei allem Lob - es bleibt ein Buch. Es hilft nicht, wenn man mit einer Flasche Wein am Küchentisch sitzt und Tränen vergießt, weil der Partner gerade ausgezogen ist. Auch nicht bei der Frage von wem eigentlich die Spermaflecken im heimischen Ehebett sind.
Was am Besten mit all den heftigen Gefühlen während einer Affäre geschehen soll, wie die vielen Denkanstöße in Taten umgesetzt werden, das bleibt offen. Zum Glück, sonst wäre es wie all die anderen Rezepte-Ratgeber-Bücher.

Ich habe das Buch gelesen als Ehemann, Fremdgeher, Betrogener, Liebhaber, Paartherapeut: jedes Mal 5 Sterne!
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am 27. Mai 2009
Ulrich Clement beschreibt in seinem Buch aus systemischer Sicht sehr praxisnah und bisweilen gegen gängige Moralvorstellungen, dass es in der für ein Paar schwierigen Situation, wenn einer der Partner fremd geht, unterschiedliche Lösungen geben kann. Er setzt sich mit dem relativ weit verbreiteten Thema sexueller Untreue jenseits billiger Hollywood-Klischees auseinander. Dabei gelingt es ihm in seiner lehrreichen und anspruchsvollen Auseinandersetzung mit diesem Thema zugleich Fachleute wie auch vor allem interessierte Betroffene anzusprechen.
Da er die Auseinandersetzung mit dem Thema fremd gehen auf kurzweilige Weise darzustellen vermag ' nicht zuletzt tragen die zahlreichen, plastischen Falldarstellungen dazu bei ' darf man mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Buch trotz der fundierten theoretischen Reflexionen leicht und bisweilen geradezu spannend zu lesen ist.
Dieser Titel ist aber auch ein Ratgeber im besten Sinne. Clement liefert dabei keine Patentrezepte oder Musterlösungen, sondern er regt alle möglichen Beteiligten an, konstruktiv mit der Affäre umzugehen. Alle Beteiligten sind Teil des Konflikts, aber auch Teil der Lösung des Problems.
Sehr hilfreich sind die am Ende des Buches aufgeführten Regeln für untreue Partner, für Betrogene und für Geliebte.
Das Buch ist nicht zuletzt deshalb hilfreich, weil es auf glaubhafte Weise eine optimistische Perspektive für den Umgang mit einer äußerst schwierigen Situation in einer Partnerschaft eröffnet.
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am 8. Dezember 2013
Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass es Fremdgehen gibt. Dieses Buch zeigt Wege, wie man damit umgehen kann : etwa gibt es eine Anleitung zum eleganten Lügen und diskreten Wegschauen. Für Erleuchtete ist es vielleicht zu empfehlen. Aber mir kommt es wie eine selbstgefällige Rechtfertigung vor, die außer Acht lässt, wie erschütternd sich ein Vertrauensbruch auf langjährige Beziehungen auswirken kann und die Intimität des Paares nachhaltig stören kann. Selbst wenn man zu Beziehungsbeginn einen offenen Umgang mit Außenbeziehungen vereinbaren würde, zeigt die Praxis, dass wenige wirklich dazu in der Lage sind.
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am 11. April 2009
Das Leben ist kein gradliniger Weg zum Gipfel sondern Serpentinen zeichnen den Weg. Prof. Clement ist ein Künstler der Serpentinen, ein kluger Kopf, der ohne zu gr. moralische Bedenken in seinem systemischen Denken eine faszinierende Betrachtung auf das häufige Phänomen von Affairen wirft. Das Buch ist eine Pflichtlektüre für alle Betrogenen, aktiv oder passiv Fremdgehenden, Geliebten sowie alle die sich mit dem Thema Liebe auseinandersetzen und dabei einen realistischen und lebendigen Blick auf die Wirklichkeit nicht scheuen. Sehr praxisnah, ressourcen- und ergebnisorientiert mit viele Fallbeispielen und Hinweisen die zum Nachdenken und Ausprobieren anregen. Klasse Buch!
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