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112 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Der notorische Störenfried,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Es ist Herbst. Wie fast jedes Jahr im letzten Jahrzehnt legt Peter Scholl-Latour Zeugnis seiner Jahresreisen ab. Während 2005 die USA, 2006 Russland dran waren, so schien es, wäre dieses Jahr China an der Reihe. Weit gefehlt. Von allen Gegenden der Welt bringt der mittlerweile 83 - jährige Weltreisende und letzte Welterklärer" (Spiegel) seine Erfahrungen mit ein. Der Titel des Buches: Zwischen den Fronten. Erlebte Weltgeschichte."Der Titel lässt vermuten, dass es sich um das neue Buch um eine Biographie handeln könnte. Auch liest sich das Inhaltsverzeichnis so, als wenn ein alternder Autor Zeugnis ablegt von den vielen Schlachten, Stürzen, Krisen und Kriegen, die er miterlebt hat. Doch mitnichten. Schon auf der ersten Seite schreibt Scholl-Latour, dass er erst daran denke, sich an die Biographie zu machen, wenn ihn das Alter ans Bett fesselt. Auklärer und Kritiker Vielmehr wird er auch weiterhin die Welt bereisen und hinterher mit erhobenen Zeigefinger warnen. Auch im vorliegenden Werk kritisiert der ehemalige Journalist und französische Fallschirmjäger die üblichen Verdächtigen: Nicht nur die Deutschen samt Bundeswehrführung, Politik und Öffentlichkeit, sondern die gesamte westliche Welt. So schreibt er über den Afghanistaneinsatz.Doch Scholl-Latour kritisiert, um aufzuklären. Er legt scheinbar der gesamten Welt einen Spiegel vor, er hinterfragt auch dort, wo es weh tut und bisweilen nicht die political correctness gebietet. Persona non grata Aber Scholl-Latour weiß um seine Person, der Persona non grata. Er sieht sich selbst als notorischen Störenfried", der zu Fernsehdiskussionen eingeladen wird. Auffallend: Im Gegensatz zu seinen beiden letzten Büchern Russland im Zangengriff" und Weltmacht im Treibsand" poltert er weniger stark gegen die Etablierten der Welt. Fast entschuldigend schreibt er: In diesem Sinne mache ich mich an eine Veröffentlichung, an einen Essay", der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und bewusst auf die individuelle Beurteilung ausgerichtet ist." Denn noch in Russland im Zangengriff" drohte er schelmisch, dass alte Herren nichts mehr zu verlieren hätten. Sein Buch gliedert sich in vier Kapitel: USA, Mittlerer Osten, Fernost und die Achse Deutschland/Frankreich. Natürlich gibt er den Irakkrieg verloren - wie in den Vorgängerbüchern auch: In Bagdad ist mehr zu Schaden gekommen als eine verfehlte militärische Planung oder eine politische Utopie. Die hehre Idee einer aus freien Wahlen hervorgegangenen Volksvertretung, das Kernprinzip unserer Demokratie, ist dort vor die Hunde gegangen." Der brodelnde Orient Im nächsten Schritt geht er auf den Orient und den internationalen Terrorismus ein. Er kritisiert, dass immer wieder von einer Bekämpfung des Terrorismus gesprochen wird, obwohl dieser eine Methode des Kampfes" sei und er als ...greifbarer Gegner gar nicht identifiziert werden" könne. Zudem erteilt er eine Absage an die Türkei hinsichtlich einer Aufnahme in die Europäische Union - Kultur und Größe des Landes am Bosporus würden dem zuwiderlaufen. Außerdem befinde sich der Staat in einer Re-Islamisierung. Weltmacht China Die aufstrebende Weltmacht China lobt er und relativiert die Geschehnisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Den USA gibt er in einer potentiellen Auseinsandersetzung mit dem Reich der Mitte keine Chance: Wer in Vietnam zum wenig rühmlichen Rückzug durch die Zwerge" von Hanoi gezwungen wurde, sollte jede Absicht aufgeben, gegen eine Milliarde Chinesen und die unermesslichen Weiten ihrer Volksrepublik militärisch vorzugehen." Deutsch-Französische Achse Den Schlussakkord setzt das Kapitel über die deutsch-französische Achse. Scholl-Latour, der Deutsch-Franzose, sieht Deutschlands Zukunft im engen Schulterschluss mit dem linksrheinischen Nachbarn. Dies betrifft besonders die Außen- und Sicherheitspolitik. Interessant: Atomwaffen für Deutschland und Einsatz präemptive Schläge im Notfall - allein oder im Zusammenwirken mit der grande nation. Sprachliche Schoten und Kabinettstückchen bietet auch dieses Buch wieder. Er vergleicht japanische Offiziere mit gestiefelten Katern, Fidel Castro lässt er als Don Quichotte gegen Windmühlen anrennen und Selbstmordattentäter sind für ihn mörderische Todesengel". Kurzum: Fans von Scholl-Latour werden das Buch verschlingen und Kritiker haben wieder etwas zu meckern. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Weltgeschichte eines Weltbürgers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Peter Scholl-Latour unternimmt in seinem neuesten Buch eine Tour de Force entlang jener verborgenen politischen, ökonomischen, religiösen und ethnischen Kraftlinien, die die geopolitischen Entscheidungen der Machtzentren in weit höherem Maße beeinflussen, als diese oft zuzugeben bereit sind.Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. Besonders die deutsche Politik, aber auch die deutsche Medienlandschaft erscheinen unter seinem Blick in keinem günstigen Licht - bestenfalls provinziell. Scholl-Latour verfolgt die Verschiebung des geschichtsmächtigen Fokus innerhalb der letzten fünfzig Jahre in Verbindung mit einem "Erlöschen des Willens europäischer Selbstbehauptung" mit Sorge. Er vertraut der Verlässlichkeit kultureller Gemeinschaft und gemeinsamer geopolitischer Interessen weit mehr als der zweifelhaften Sicherheit einer ausufernden Europäischen Union. Peter Scholl-Latour rechnet mit dem Ernstfall. Atombomben in den Händen so genannter "Schurkenstaaten", Terrorismus auch in Deutschland, deutsche Frontstellung in den verschiedensten Krisengebieten der Welt, auch mit den USA divergierende Interessen hinsichtlich einer globalen Energie-, aber auch Sicherheitspolitik. Aufkommt die gespenstische Vision einer an den harten Realitäten vorbeimanövrierenden deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Den Schrecken einer nuklearen Proliferation, den Anforderungen asymmetrischer Kriegsführung, der Tatsache eines weltweit erstarkenden islamischen Galubens- und Lebensgemeinschaft, die ihre Identität zunehmend in der aggressiven Ablehnung westlicher Werte formuliert, lassen sich mit "Klimaschutz und moralisierendem Zureden", so Scholl-Latour, sicher nicht adäquat begegnen. Er plädiert denn auch für ein auch militärisch starkes Kern-Europa, dass vor allem Deutschland und Frankreich zu einer Atommacht vereint, die den Zustand militärischer Selbstkastration und die Abhängigkeit von Amerika zu Geschichte werden ließe. Scholl-Latour schließt seine Sammlung Essays mit der vernünftigen Botschaft des alten de Gaulles, eine "Ehe" Deutschland und Frankreichs zu befürworten, wenn das Schicksal es so wolle. Sonst drohe Europa der Rückfall in die Bedeutungslosigkeit wie zu Zeiten Alexanders, als von Europa als "Wälder jenseits des Fensters" der Weltgeschichte die Rede war. Sascha Löschner Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Augenöffnende Lektüre,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Wer auf hohem Niveau interessant und sachlich fundiert, kompetent und unterhaltsam, uneitel belehrend und lebendig unterrichtet werden möchte über die globalen Zusammenhänge in Politik und Strategie rund um den Erdball, der greife zu diesem Buch. Der Autor nimmt den Leser mit auf die vielen Reisen, die ihn als Journalist und Zeitgenossen in einer Lebensspanne von mehr als 60 Jahren (zum Teil mehrmals) in alle Länder der Welt und zu Begegnungen mit erstaunlich vielen relevanten Politikern und Zeitkritikern geführt haben. Dabei zeigt sich, dass er ein waches Gespür hatte für sich anbahnende Krisen, so dass er immer wieder zur rechten Zeit am rechten Ort war. Mit wachem Blick registriert er Phänomene, die er als Anzeichen zukünftiger Entwicklungen zu deuten weiß, zumal er aus verblüffend-umfassendem kulturell-religiösem Hintergundwissen Motivationen wahrzunehmen vermag, die sich vielen anderen Beobachtern nicht erschließen, die gleichwohl aber das heutige und künftige Zeitgeschehen nachhaltiger mitbestimmen, als vielen einleuchten will. Man muss dem Autor beipflichten: "Die schnöde materielle Profitgier der Globalisierungsgemeinde unserer Tage koinzidiert und überschneidet sich mit der Wiedergeburt ehrwürdiger, immer noch furchterregender Mythen aus fernster Verganganheit" (S. 199). Und man erkennt: Erst ein tieferes Eintauchen in das kulturell-religiöse Gedächtnis der Völker und die bessere Kenntnis des in ihm auch angelegten Konfliktpotentials ermöglicht ein angemesseneres Verstehen der Gegenwart und der in ihr sich anbahnenden Zukunft.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Muss für Scholl-Latour-Kenner,
Von cmann "cmann" (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
"Zwischen den Fronten" liefert einen gleichsam umfassenden als auch kompakten Überblick über die die Weltgeschichte entscheidenden Brennpunkte der Erde. Wer Scholl-Latour kennt, dem bietet sich mit diesem Werk eine einmalige Chance, sich auf eine spannende (Lese-)Reise zu all den in seinen bisher erschienenen Druckwerken behandelten Krisenherden zu begeben. Neulinge jedoch werden sich etwas schwer tun, weil sie unmittelbar nicht auf die Informationen der vergangenen Bücher zurückgreifen können.Von Werk zu Werk artikuliert Scholl-Latour auch dem ihm eigenen pragmatischen Zugang zu den Dingen stärker. Dies offbart sich etwa, wenn er den Tod von 1000 Menschen im Zuge der Niederschlagung der Revolte am Platz des Himmlischen Friedens mit dem Hinweis relativiert, dass andernfalls China ein Bürgerkrieg mit Opferzahlen in Millionenhöhe gedroht hätte. Gutmenschen werden nicht nur an dieser Stelle des Buches verzweifeln. Und wenn Scholl-Latour das Schicksal von Eisbären am Nordpol dem Kampf um die Energie-Ressourcen der Erde gegenüberstellt, wird jeder Klimaschützer protestieren. Mit "Zwischen den Fronten" mahnt der Autor eine realistische Betrachtung der Weltgeschehnisse ein, um letztendlich unsere Wertvorstellungen vor dem Niedergang zu bewahren. Dies wird nicht von allen so verstanden. Scholl-Latour nimmt dabei jedoch wie gewohnt keine Rücksicht auf political correctness. Das Werk ist ein Muss für Scholl-Latour-Kenner. Neulinge sollten zunächst auf eines seiner bisherigen Bücher zurückgreifen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Ein Buch, das viele Leser überfordern wird. So oder so...,
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Taschenbuch)
Auf den thematischen Inhalt werde ich hier nicht weiter eingehen. Dazu gibt es bereits viele Rezensionen im Rahmen der gebundenen Ausgabe. Wichtiger scheint mir hier etwas zum didaktischen Anspruch/nicht-Anspruch dieses - weit gefächerten - Buches zu schreiben.Für mich stellt sich die Frage: Wem/für wen hat PSL dieses Buch geschrieben und für wen ist es geeignet? Seine Fans werden auch dieses Buch schätzen, nur neue Leser wird er schwer gewinnen. Wer hier eine Summary des Weltgeschehens erwartet, wird zwar fündig, nur leider - nicht zum ersten mal - gelingt es PSL nicht, den klassischen interessierten Leser zu erreichen, der eben nicht bereits über umfangreiche Detailkentnisse aus der "Szene" verfügt. Dass ist deshalb sehr schade, da die Weitergabe seines immensen Wissens eine gute Sache wäre. Schon die Tatsache, dass das Buch auf den hinteren 10! Seiten über ein Personenregister verfügt, in dem alphabetisch die im Buch genannten Persönlichkeiten mit der Nennung der relevanten Seiten auftauchen, erstaunt. Das ist gut, denkt man! Schade nur, das dieses Verzeichnis ca. 500! Namen aufzählt. Unnötig zu erwähnen, dass diese im Buchtext i.d.R. gerade einmal genannt werden können. Dieses Phänomen, Namen, Orte und fremdsprachige Zitate in einer immensen Vielzahl zu gebrauchen, diese aber nur selten zu erläutern, macht auch dieses Buch für nicht-PSL-kenner zur Tortur. Vor allem die nicht nachvollziehbaren Kriterien, wann es ein Begriff - egal ob Ort, Person oder was auch immer - verdient hat, dem Leser nähergebracht zu werden, verschließt sich mir vollständig. Dazu zwei Beispiele aus den ersten beiden Seiten des ersten Kapitels, die dies verdeutlichen sollen Zitat Seite 9: "Die Route führt über Dallas - Schauplatz der Ermordung John F. Kennedys und einer Fernsehserie, die ein weltweites Fernsehpublikum erfreute - zu dem Städtchen Waco, das wegen der religiösen Unduldsamkeit seiner Einwohner einen zweifelhaften Ruf genießt". Zitat Seite 10: "Heute hat sich die schmerzliche Erkenntnis durchgesetzt, dass der Begriff 'usuliya', den der Prediger Sayyed Qutb vor seiner Hinrichtung durch den ägyptischenrais Gamal Abdel Nasser auf die gesamte 'Umma' von Senegal bis Indonesien projizierte, einer Vielzahl von wahren 'mu`minin' nicht nur die kultischen Riten vorschreibt, sondern auch ihr sittliches Verhalten in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens." Was haben wir jetzt gelernt? Es gibt viel wissenwertes in diesem Buch, dass mich veranlasst, 3 Punkte zu geben. 5 Punkte wären problemlos möglich gewesen, wenn mann nicht den Eindruck gewinnen würde, dass bei PSL aufgrund seiner Kentnisse der Welt eine gewisse "Weltfremdheit" aufkommt. Irgendwann ist man so schlau, das der Kreis derer, die einen verstehen, sehr sehr klein werden kann. Aber genau diesem Phänomen entgegen zu wirken, zeichnet einen guten Sachbuch-Autor aus. Fazit: Über einen von mir wargenommenen gewissen Altersstarrsinn und politische Neigungen des Autors kann ein augfgeklärter Leser sicherlich selbst urteilen und damit umgehen. Auch dazu gibt es bereits in anderen Rezensionen geeignete Hinweise. Was hier aber vertan wird, ist die Chance, einem breiten Publikum Wissen zu vermtteln. So werden Seiten mit Fotos gefüllt, die kaum einen informativen Charakter haben. Viel hilfreicher wären geografische Skizzen oder Stammbaumstrukturen, die dem Leser helfen, die vielen Verpflechtungen und Begriffe zuzuordnen. Eigentlich Schade. Schließlich sollte die verständliche Wissensweitergabe die Aufgabe eines guten Sachbuches sein, oder? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Meinungseinzelgänger zwischen allen Stühlen,
Von Thomas Reuter (Düsseldorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Taschenbuch)
Peter Scholl-Latour lässt sich nicht festlegen. Vollkommen passend betitelt er daher seine Rückschau "Zwischen den Fronten. Erlebte Weltgeschichte". Vermutlich verleitet ihn seine sagenhafte Kenntnis der Weltpolitik und der Krisenregionen auf dieser Welt dazu zwischen allen Stühlen Platz zu nehmen, denn er kennt niemals nur die Perspektive der einen Seite, sondern immer auch den Blick von der anderen aus persönlicher Erfahrung. Seit sechs Jahrzehnten nunmehr ist dieser Mann pausenlos im Einsatz wo immer es auf diesem Planeten brennt. Dabei sammelt sich ein Erfahrungsschatz an, der seines Gleichen sucht. Freilich wären die Politiker gut beraten, auf eine so kenntnisreiche Stimme zu hören, was aber leider in den meisten Fällen unmöglich erscheint, weil die Meinungen, die Peter Scholl-Latour vertritt in kein Parteiprogramm und in kein politisches Schema hineinpassen wollen. Bei Peter Scholl-Latour findet sich sowohl Anerkennung für den Diktator Mao wie Kritik an Bush junior, sowohl Kritik am Einsatz in Afghanistan wie auch die Forderung nach größeren Souveränität Europas gegenüber Amerika. Scholl-Latour betrachtet die Dinge von einer anderen Warte aus. Die Wahrnehmung seines Blickes beruht auf jahrzehntelanger empirischer Arbeit vor Ort. Welche kurzlebige Politikermeinung könnte da schon mithalten. Nur eine Autorität wie Scholl-Latour kann es wagen, mit Amerika derartig hart ins Gericht zu gehen und zugleich die chinesische Niederwerfung auf dem Platz des Himmlischen Friedens anzuerkennen, da bei einer Ausweitung der Proteste der Fall dieses Riesenreiches ins Chaos zu befürchten gewesen wäre, was noch zu ganz anderen Verlusten geführt hätte. In ebendieser Weise desavouiert er Gorbatschow als Auflöser des Sowjet-Imperiums. Allerdings wird in diesem Zug auch in keinster Weise anerkannt, dass dies die Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung darstellte.Im vorliegenden Band vollführt Scholl-Latour einen Rundumschlag in vier großen Kapiteln von der Ranch des ehemaligen Präsidenten im texanischen Amerika über die muslimische Welt hin nach China und schließlich zurück nach Europa. Stets verbindet er dabei die Erfahrungen aus seinem Leben in diesen Teilen der Welt mit der heutigen Entwicklung. Besonders interessant erscheint mir dabei auch die Auseinandersetzung mit Europa, dem Algerienkonflikt Frankreichs (der eingebettet ist in einen allgemeinen Abgesang auf die imperialen Bestrebungen) und die Sonderrolle Frankreichs und Deutschlands innerhalb Europas, insbesondere die Rolle de Gaulles, dem Scholl-Latour mit seiner Abkehr von der Nato in den 60er Jahren hohe Achtung zollt. Scholl-Latours Gedanken zur Ausweitung Europas, vor allem zum EU-Beitritt der Türkei würde man allerdings von Seiten der Politik größere Beachtung wünschen, denn die kulturelle, historische, ökonomische und geo-politische Absurdität dieses Beitritts wird doch hier in aller Schärfe vorgeführt. Die Lektüre Scholl-Latours schützt auch vor falschem Patriotismus. Deutsch-Sein ist für diesen Kosmopoliten, der selber eine Wohnung in Paris und Süd-Frankreich hat, nichts Besonderes. Mit gewissem Stolz verkündet der Autor, dass er sich "von deutscher Innen- und Koalitionspolitik ein ganzes Leben lang fernzuhalten gesucht habe" und er beklagt das Niveau, auf welchem dort debatiert würde. Das Ende des Berichtes ist einer gewissen melancholischen Betrachtung der Zeitgeschichte gewidmet, die sich ein 85-jähriger Mann, der viel gesehen hat, sich durchaus leisten kann. Thomas Reuter Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Zeitgeschichte mit fundiertem Wissen spannend erzählt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Taschenbuch)
Vorsicht Suchtgefahr !Zeitgeschichtlich Interessierte sollten, bevor sie das Buch aufschlagen, Kaffee oder Tee, etwas Essbares, Zigaretten? usw. griffbereit haben, denn man richte sich darauf ein, dass es vor dem Ende nicht mehr wegelegt werden kann. So ist es mir (hellwacher 72-jähriger Zeitzeuge) ergangen. Mit kultivierter Sprache spannend erzählte eigene Erlebnisse und Beobachtungen des Autors stellen jeden Krimi in den Schatten. Selten habe ich mit so viel Genuss dazu gelernt. Ohne Einschränkung sehr zu empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Absolut empfehlenswerter Rundblick von PSL,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Taschenbuch)
Wer gerne Bücher von PSL liest, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Er wendet sich in einem hochinformativen und aktuellen Rundblick dem arabisch-persischen Raum, China, Russland, den USA sowie der deutschen und französischen Außenpolitik zu und spart auch nicht mit Kritik an überkommenen Denk- und Verhaltensmuster westlicher politischer Entscheidungsträger. Trotz der Gestaltung des Buches als Rundblick geht PSL wie gewohnt in die Tiefe und schildert eindringlich auch historische und religiöse Hintergründe, die auf die Politik von heute wirken. Absolut empfehlenswert. In der Bewertung der aktuellen politischen Situation scharfsichtig wie immer, wird PSL mit zunehmenden Alter scheinbar auch ein immer besserer Chronist - liest sich wirklich hervorragend.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Übliche Weitsicht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Taschenbuch)
Wie in seinen anderen Büchern zeigt PSL auch hier, daß er wie kaum ein anderer die Welt versteht. Allerdings wird sein Hang zum Abschweifen mit zunehmendem Alter größer.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Er kann noch immer!,
Von jerry lewis "hp" (rhein-main) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Herr Scholl-Latour beweist einmal mehr seine Fähigkeit die Komplexität des momentanen Weltgeschehens in einem Buch zusammen fassen. Man muss sagen, dass er in der Qualität nicht mehr an frühere Werke wie Lügen im Heiligen Land oder Koloss auf tönernen Füßen herankommt. Dennoch versteht er es die Welt zu erklären, wie kein Anderer.Trotz seines mittlerweile hohen Alters ist Scholl-Latour aktiv gewesen und hat den Nahen-Osten, die USA und Fernost selbst besucht und interpretiert seine Erkenntnisse in gewohnten Stil. Als Einziges ist ihm vorzuhalten, dass viele Zitate aus alten Werken auftauchen und als treuer Leser erkennt man das sofort. Doch dem alten Weltenbummler sei das vergeben. Wer Scholl-Latours Zukunftsvorhersage mit einem Schuß Selbstbiografie kennenlernen will, der kann hier getrost zugreifen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Zwischen den Fronten: Erlebte Weltgeschichte von Peter Scholl-Latour (Taschenbuch - 9. Oktober 2008)
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