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am 26. September 2003
In ihrem Buch untersuchen die beiden Autoren eine vielzitierte und in der modernen deutschen Geschichtsschreibung weit verbreitete Grundannahme der deutschen Entwicklung in den letzten zwei Jahrhunderten. Ausgehend von der Schulbuchthese des deutschen Sonderweges, setzen es sich Eley und Blackbourn zum Ziel diesen Mythos zu entzaubern. Gegenstand ihrer Kritik ist der unter deutschen Historikern tief verwurzelte Glaube einer besonderen (abweichenden) Entwicklung Deutschlands seit den Ereignissen um 1848/1849. Demnach sei das Scheitern oder gar völlige Fehlen der bürgerlichen Revolution ursächlich für die politische Entwicklung Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert.
Die wesentlichen Thesen der beiden (ursprünglich englischsprachigen) Autoren lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1. Es hat im Deutschland des 19. Jahrhunderts trotz allem eine erfolgreiche bürgerliche Revolution gegeben. Die Auffassung einer bürgerlichen Revolution in der die Bourgeoisie in einem Klassenkampf "ihr" Interesse einer liberalen Demokratie durchsetzt, ist ein Mythos. Der Verlauf der Veränderungen zwischen den sechziger und den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts sei als die deutsche Version der bürgerlichen Revolution zu betrachten.
2. Es ist falsch die Bourgeoisie als einen gemeinsam handelnden Körper zu sehen. Es kann nur verschiedene Richtungen innerhalb der Bourgeoisie geben. Im Kaiserreich ist sie weder als schwach noch als unreif anzusehen, da die bürgerlichen Interessen auch auf andere Weise denn mit liberalen politischen Mitteln verfolgt werden können.
3. Es muss die Frage aufgebrochen werden, unter welchen Bedingungen sich eine bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft reproduzieren konnte und wie ein liberales politisches System geschaffen werden konnte. Die politische Rückständigkeit Deutschlands (im Sinne einer parlamentarischen Demokratie) ist eher auf die besonderen Verhältnisse der Industrie als auf angeblich weiterlebende Ideologien zurückzuführen. Eine ausgemachte Diskrepanz zwischen ökonomischer Entwicklung und politischer Rückständigkeit kann durchaus vorhanden sein, da man keine logische Verbindung zwischen einer kapitalistischen Gesellschaft und einer liberalen demokratischen Ordnung vermuten darf.
4. Eine Kontinuität zwischen dem 19. Jahrhundert und den dreißiger Jahren anzunehmen, ist übertrieben. Vor allem das Kaiserreich müsse unter seinen eigenen Bedingungen betrachtet werden. Der Ursprung dieser Zwänge (der schwachen, sich anbiedernden Bourgeoisie) liegt mehr in den spezifischen Zügen der Politik Bismarcks und seiner Nachfolger. Einen wesentlichen Einfluss einer vorindustriellen Elite und deren autoritären Traditionen auszumachen, ist abwegig.

Rückblickend muss man vermuten, dass das Buch kurz nach Erscheinen wohl eine "Revolution" in der neueren und neuesten deutschen Geschichtsschreibung darstellte. Nicht nur dass beide Autoren die nahezu ganze deutsche Geschichtswissenschaft und ihre Vertreter angriffen, nein sie stellten sogleich ihre eigenen ebenfalls diskussionswürdigen Theorien auf. So ist festzustellen, dass die Thesen beider Autoren durch eine stark angloamerikanische Sichtweise geprägt sind, was jedoch keinesfalls negativ auffällt. Im Gegenteil, im Nachhinein wirken die Theorien (v.a. Eleys) geradezu erfrischend, sind sie doch weniger historisch vorbelastet als die ihrer deutschen Kollegen und das ist auch der Pluspunkt an diesem Buch: Blackbourn und Eley sind wohl die einzigen Kommentatoren deutscher Geschichte, die sich, was ihre Sozialisation angeht, als halbwegs neutral bezeichnen können.
Jedoch ist auch ihr Buch nicht vor Kritik gefeilt. Eley muss man vorwerfen, dass er seine Kritik an der deutschen Geschichtswissenschaft als zu einseitig präsentiert. Auf seine Theorie der bürgerlichen Revolution kommt er erst, nachdem er die Grundannahmen der deutschen Sonderwegstheorie allen deutschen Wissenschaftlern zu Eigen macht und wenig differenziert. Auch übt er sich vor allem zu Beginn mehr in Kritik an ihren Thesen als eigene Antworten zu präsentieren. Erst nach vielzähligen Wiederholungen "wie es denn nun nicht gewesen", offenbart er schließlich seine Antworten warum die bürgerliche Revolution im 19. Jahrhundert eben doch erfolgreich gewesen sei. Dies geschieht aber dann dermaßen fachspezifisch und zum Teil abschweifend, dass der ungeübte Leser Mühe hat, die Ausführungen Eleys nachzuvollziehen.
Trotzdem ist es Eley zu Gute zu halten, dass er seine Sichtweise der bürgerliche Revolution konsequent weiterentwickelt und so neue Denkanstöße für die moderne Geschichtsforschung geben konnte.
NACHTRAG: Dieser Sammelband aus dem Jahre 1980 ist heutzutage so gut wie nicht mehr aufzutreiben. Außer in Universitätsbibliotheken ist dieser Titel höchstens noch in Antiquariaten zu finden.
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