Kundenrezensionen


9 Rezensionen
5 Sterne:
 (4)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wer" war Preußen?
Wenig erinnert in Deutschland heute noch an Preußen. Dennoch ist die Frage unstreitig, daß der ehemals größte deutsche Flächenstaat mit seinem kulturellen, politischen und geistigen Erbe das spätere Deutschland entscheidend geprägt hat. Schwieriger wird es dann schon bei der Beurteilung des Erbes. War es das liberale,...
Am 28. August 1999 veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Allen Ernstes Preußens Gloria?
Es ist eindeutig "Preußens Gloria", was hier intoniert wird. Preußische Tugenden täten wieder gut. Das Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 sah das noch anders: "Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört."

1980:...
Vor 1 Monat von Serenus Zeitblom veröffentlicht


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wer" war Preußen?, 28. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Broschiert)
Wenig erinnert in Deutschland heute noch an Preußen. Dennoch ist die Frage unstreitig, daß der ehemals größte deutsche Flächenstaat mit seinem kulturellen, politischen und geistigen Erbe das spätere Deutschland entscheidend geprägt hat. Schwieriger wird es dann schon bei der Beurteilung des Erbes. War es das liberale, bürgerliche und tolerante Preußen, das Maßstäbe für die weitere Entwicklung Deutschlands setzte, oder prägten gar die autoritären, reaktionären und militärischen Züge des preußischen Staates die kommende Politik? Die Gratwanderung zwischen diesen Extremen steht im Hintergrund, wenn der kürzlich verstobene Sebastian Haffner und Wolfgang Venohr versuchen, sich "der" preußischen Identität zu nähern. Der Ansatz, den sie dabei wählen, ist eher ungewöhnlich: Nicht die Betrachtung bestimmter preußischer Epochen, Kriege, Reformen oder Ereignisse haben sie sich vorgenommen, sondern die Beschreibung der Lebensläufe prominenter Preußen aus Monarchie, Politik, Militär und Literatur, die in dieser Bandbreite einen Eindruck von preußischer Vielfalt geben sollen. Zu diesem Kreis gehören unter anderem Friedrich II. und sein Vater, der "Soldatenkönig", genauso wie Helmuth von Moltke, Friedrich Engels und Erich Ludendorff, aber auch Theodor Fontane und Ernst Niekisch. Menschen, die gemeinsam hatten, daß sie "Preußen" waren, bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere. Der guten Benutzbarkeit des Taschenbuches kommt entgegen, daß jeder Biographie sowohl ein historisches Portrait als auch eine kurze Aufstellung der wichtigsten Lebensdaten vorangestellt ist. Die Neuauflage dieses Klassikers kann einen wichtigen Einstieg in die preußische Geschichte geben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plutarch hätte seine Freude!, 28. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Wenn sich zwei so profunde Preußenkenner wie Sebastian Haffner und Wolfgang Venohr mit der preußischen Geschichte beschäftigen, kann nur ein höchst anspruchsvolles Werk herauskommen. Frei nach dem Motto: Menschen machen Geschichte porträtieren die beiden Autoren zwölf unterschiedliche Persönlichkeiten. Auch die negativen Eigenschaften der jeweiligen Personen werden nicht verschwiegen. Plutarch hätte seine Freude über dieses gelungene Werk. Der tiefe Respekt vor den preußischen Tugenden und dem "suum cuique",des alten Preußen das jedem Untertanen "das Seine" zu geben, bereit war, ist klar erkennbar. Mit dem Vorurteil über das " kriegslüsterne Preußen" räumen die beiden Autoren gründlich auf. Eine Kernaussage des Buches ist: Preußen war militärisch, sogar ein wenig revolutionär, aber nie kriegslüstern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Buch, aber die Auswahl ist mir zuweilen zu subjektiv, 26. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Das vorliegende Buch gehört sicherlich zu den besten Darstellungen über Preußen neben Sebastian Haffners: "Preußen ohne Legende", Hans-Joachim Schoeps "Preußen" und Marion Gräfin Dönhoffs: "Preußen" und Christian Graf Krockows: "Preußen: eine Bilanz". Allen Autoren ist gemeinsam, dass sie die Tugenden Preußens - die Rechtsstaatlichkeit, die religiöse Toleranz, die Tapferkeit und Ehrbarkeit herausstellen und die These vom "Preußischen Militarismus" ablehnen. Venohr macht in der Einleitung deutlich, dass insbesondere Hitler und der Nationalsozialismus in ihrer Intention anti-preußisch gewesen sind. Nicht umsonst gehörten die bekannteste Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 namhaften preußischen Familien an, die für die oben skiziierten preußischen Werte kämpften. Einer von ihnen, Henning von Tresckow, wird in dem Band von Venohr eindrucksvoll portraitiert. Von ihm stammen auch die Portraits des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen. Zu beiden Königen hat Venohr ausführliche Standardbiographien verfasst. Hier wird - und darin liegt der Wert des Buches - ein erster Einblick geboten, sehr gut für Erstinformation für Schüler und Interessierte.
Die biographische Herangehensweise, die auch Ohff in seinem Werk: "Preußens Könige" oder in dem von Frank-Lothar Kroll herausgegebenen Sammelband: "Preußens Herrscher" gewählt haben, klammert gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte aus, da auf die persönlichen Charaktereigenschaften der portraitierten Personen fokussiert wird. Die einzelnen Portraits sind jedoch sehr lesenswert, insbesondere die Portraits über Bismarck und Fontane von Haffner oder die Portraits der Militärs Gneisenau und Moltkes. Im Gegensatz zu den eben erwähnten Buchtiteln: "Preußens Herrscher" bzw. "Preußens Könige" werden hier jedoch nicht nur die Monarchen und Staatsoberhäupter Preußens in Kurzportraits dargestellt, sondern Personen, die für die Entwicklung Preußens maßgebend und prägend waren, was sich an den Portraits Moltkes, Bismarcks, Tresckows und Fontanes zeigt. Was mich allerdings wundert, ist die Subjektivität der Auswahl. Waurm etwa werden Friedrich Engels oder Ernst Niekisch in diese Sammlung aufgenommen, jedoch nicht der zutiefst preußische Wilhelm I., der - in seltener prophetischer Gabe - in der Reichsgründung vom 18. Januar 1871 - 170 Jahre nach der Gründung des Königtums durch Friedrich I. 1701 - den Untergang Preußens und sein Aufgehen in ein von ihm nicht gewolltes "Deutsches Reich" korrekt vorausgesehen hat? So interessant der Berater Wilhelms II., Philipp zu Eulenburg, gewesen sein mag: ist nicht die preußische Königin Luise, sind nicht Scharnhorst und der Freiherr von Stein für Preußens Entwicklung bedeutender als Eulenburg?
Es sind genau diese Aspekte, die mich zögern lassen, dem Buch, welches an sich sehr gut geschrieben ist und deren Autoren nicht nur ausgewiesene Fachkenner sind, sondern die (seltene) Gabe haben, historische Fakten spannend und plastisch zu schildern, die höchste Punktzahl zu geben.
Dennoch: als Ersteinführung am ehesten vergleichbar mit Ohffs: "Preußens Könige" oder Gordon A. Craigs: "Das Ende Preußens" (auch hier werden acht wichtige preußische Persönlichkeiten portraitiert, wobei Craig die Vorgehensweise wählt, jeweils zwei Personen in einer Art Duographie direkt miteinander zu vergleichen: Stein und Marwitz, Bettina von Arnim und Bismarck, Theodor Fontane und Wilhem II., Otto Braun und Konrad Adenauer)und insgesamt trotz der oben gemachten Einschränkungen, was die subjektive Auswahl der Portraits angeht, auch heute noch äußerst lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein guter Überblick..., 22. August 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
..., dass ist es, was dieses Buch sein will. Nicht mehr und nicht weniger. Und diese Funktion erfüllt es wirklich gut. Für Schüler, Studenten und interessierte Laien ist es sicher ein guter Einstieg in die Thematik großer preußischer Persönlichkeiten, wobei die meisten Biographien so um die 20 Seiten einnehmen.

Über die Auswahl der beschriebenen Personen mag man streiten. Mir fehlen in diesem Buch Namen wie von Stein, von Hardenberg oder Clausewitz, aber auch die vorhandenen Protargonisten sind wichtig und interessant. Man könnte sicher noch einen zweiten Teil herausgeben und würde nochmal 12 große preußische Persönlichkeiten finden.

Allerdings finden die Autoren , vor allem Venohr, nach der Hälfte des Buches nicht mehr die Zeit, zu erläutern, warum bestimmt Persönlichkeiten eben "preußische" waren. Haffner sagt selbst in Kapitel zu Friedrich Engels, Geburt mache keinen Preußen aus einem, sondern der Charakter, aber in zwei oder drei Kapiteln fehlt eine Legitimation als "preußsiche" Persönlichkeit. Besonders im Ludendorff-Kapitel fehlt ein Verweis darauf, was diesen General denn nun besonders preußisch macht. Es ist meiner Meinung nach auch das schlechteste Kapitel des Buches, da es Ludendorff nur als General zeigt und nicht als Politiker. Venohr sagt selbst, der Politiker Ludendorff sei unwichtig und lässt die Jahre von 1919 bis 1937 komplett aus seiner Biographie heraus. Ich empfinde das als zu gekürzt.

Insgesamt wirken die Kapitel Haffners runder als die Venohrs. Letzterer stellt Friedrich den Zweiten als, überspitzt gesagt, macht- und einflussversessen dar und lässt außer Acht, dass Friedrich oftmals mit sicher harderte, auf dem Thron sitzen zu müssen und dies u.a. auch als Last empfand.

Haffners Artikel sind darüber hinaus kritischer, er stellt oft die Zwiespältigkeit der Persönlichkeit heraus und macht deutlich, dass auch diese großen Persönlichkeiten Fehler hatten und fehlbar waren und sicher oft auch umstritten bis heute.

Venohr zeigt zwar auch Schwächen auf, relativiert diese aber oft direkt danach. Dabei kommen die Beschriebenen teilweise zu gut weg und ihr Werk wird zu unkritisch betrachtet.

Aber trotz dieser relativ kleinen Schöheitsfehler erfüllt das Buch seinen Zweck sehr gut. Zwei renomierte Preußenkenner haben ein gutes Werk für Einsteiger herausgebracht, wobei mir Haffner in der Betrachtung als auch vom Schreibstil her näher liegt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3.0 von 5 Sternen Allen Ernstes Preußens Gloria?, 12. Juli 2014
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Es ist eindeutig "Preußens Gloria", was hier intoniert wird. Preußische Tugenden täten wieder gut. Das Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 sah das noch anders: "Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört."

1980: Preußen wird in Ost und West gerade wieder chic. Geschichte mag von den sozialen Spannungen hie wie dort ablenken.
Wolfgang Venohr darf die Einleitung der "Preußischen Profile" schreiben und über Friedrich II., Gneisenau, Moltke, Ludendorff, Henning v. Tresckow. Raimund Pretzel alias Sebastian Haffner textet über Bismarck, Fontane, Engels (?!), Wilhelm II. und den vielen weniger bekannten Borusso-Sozialisten Niekisch. Das macht zusammen rund 260 Seiten journalistisch abgefasster Preußen-PR der beiden Berliner. Wobei Haffner im Gegensatz zu Venohr eigentlich der Rechtstümelei nie nahestand und auch nicht in der Leibstandarte war. Venohr schreibt - ein zufällig herausgegriffenes Beispiel - "Nach den Erfahrungen zweier Weltkriege wird man daran zweifeln, ob die Angloamerikaner überhaupt durch irgendetwas von ihrem blindwütigen Unterwerfungswillen gegenüber Deutschland abzubringen waren". Hätte er die Verhandlungen von Versailles oder Potsdam doch auch nur oberflächlich studiert - wenn, dann war es die französische Regierung! Oder es ging Venohr einfach die alte Propaganda durch.
Nebenbei: Engels kam bekanntlich aus dem gerade preußisch besetzten Rheinland und musste den Großteil seines Lebens in England verbringen: Nix Preuße, höchstens auf dem Papier.

Ich hätte mir mehr Haffner und weniger Venohr gewünscht. Doch wird bei beiden in Preußisch Blau auch schöngefärbt. Der Glaube an den weisen allvernünftigen Staat, den man nur brav machen lassen soll, schimmert durch - die gefährliche und immer wieder erscheinende Seuche Deutschlands und Preußens.
Gleichzeitig ist das Buch sehr lesbar und pointiert geschrieben. Wenn Sie (wie ich) großes Interesse am Thema haben, lesen Sie es, jedoch mit besonders kritischer Distanz. - Drei Sterne.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wortgewaltige Verteidigungsschrift auf Preußen, 26. August 2001
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Für jeden Liebhaber guter Bücher ein absolutes Muss! Das Buch lässt sich ausgezeichnet lesen, was zu großteil ein Verdienst der verwendeten Sprache beider Autoren ist. Leider bleibt die historische Wirklichkeit teilweise auf der Strecke. Preußen und seine Tugenden werden ohne Kritik und Selbsterkenntnis verteidigt. Hierbei schrecken beide Autoren, besonders Venohr auch vor äusserst Fragwürdigen Thesen nicht zurück. Kritische Aspekt der preußischen Seele wie Untertanengeist und Obrigkeitshörigkeit werden hier als erstrebenswerte Tugenden angepriesen. Na ja,...jeder Interessierte sollte sich selbst ein Bild davon machen und ein kritisches Auge beweisen. Trotz allem aber, sehr lesenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Preußens wahre Stärke, 27. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Weder Sebastian Haffner, noch Wolfgang Venohr, sind den Eingeweihten als lobhudelnde Fürsprecher des längst untergegangen Preußen bekannt. Trotzdem sind hier von beiden wahre Hymnen über die von ihnen vorgestellten Profile zu lesen. Für manchen Leser /Leserin mag das zuviel des Rühmens sein. Haben wir doch nach der großen Niederlage 1945 immer mal wieder erfahren können und sollen (!?), dass ein Gutteil des deutschen Unglücks auch in jenem Preußen seine Ursache haben könnte. Obwohl doch wohl klar sein sollte, dass der Ver-Führer" der Deutschen in den 30er Jahren gewiss ein begnadeter Demagoge doch ganz gewiss kein Preuße war. Nein, ja doppelt Nein". Adolf Hitler war sogar das genaue Gegenteil von all dem, was Preußen einst groß gemacht hatte.
Das dies so war, wird an fast allen preußischen Profilen deutlich, die hier in oft großer Meisterschaft von Haffner und Venohr gezeichnet wurden. Und mehr: Wer heutzutage seinen Kindern oder Enkeln ein Beispiel geben möchten über das, was Preußens wahre Stärke" einst ausmachte, sollte ihnen diese Profile zur Lektüre empfehlen. Mit einem Wort: Begeisternde Geschichtsschreibung: Kenntnisreich und spannend. Und kurzweilig dazu!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Preußen - der deutsche Sonderweg ins sozialistische Paradies, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
In diesem Buch stellen zwei Autoren in kurzen Essays 12 Persönlichkeiten der preußischen Geschichte vor, unter anderem Friedrich den Großen, Otto von Bismarck, Friedrich Engels und Wilhelm II. Wer jedoch zu den "Preußischen Profilen" greift und eine vielleicht wohlwollende, aber dennoch einigermaßen sachlich-objektive Darstellung erwartet, der lasse alle Hoffnung fahren und mache sich auf eine geballte Ladung ideologiesierender Heldenverehrung und haarsträubenden Schwachsinns gefasst.

Haffners Preußen-Porträts sind eindeutig preußophil und das mitunter bis zur Lächerlichkeit, etwa wenn er allen Ernstes behauptet, Kaiser Wilhelm II. habe seine blutrünstig-pathetischen Reden nur deshalb gehalten, weil er so empfänglich für Stimmungen war und diese Gefühle "damals nur allzu sehr in der Luft, in der deutschen Luft [lagen]. Der Kaiser mit seiner medialen Begabung fing es auf, strahlte es zurück (...)." (S. 250) Der arme Mann konnte also schlicht nicht anders.

Venohrs Texte aber sind mehr als nur einseitig und beschönigend. Aus seinen Essays spricht ein Weltbild, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Das beginnt schon in der von ihm verfassten Einleitung, in der er wie selbstverständlich feststellt, dass das alte feudal-agraische Preußen die moralisch überlegene, einzig wahre deutsche Nation gewesen sei, die jedoch mit der Gründung des bürgerlich-industriellen Deutschen Reiches 1871 auf perfide Weise vernichtet wurde. (S. 11 ff)

Schuld daran ist für Venohr eine kosmopolitisch-liberal-bourgoise Verschwörung samt marxistischer Kollaboranten. (S. 16) Diese hat damit auch die folgenden zwei Weltkriege zu verantworten, in denen das unnachahmliche preußische Offizierkorps gezwungen war, im Namen zuerst des bürgerlichen Imperialismus und dann des Faschismus verlorene Schlachten zu schlagen. (S. 14 und 15) Für den Autor jedoch "nähert sich der Tag, an dem man den gigantischen Irrtum des bourgoisen Fortschritts erkennen und sodann auch begreifen wird, daß das Wirken des aufgeklärten Abolutismus preußischer Provenienz in Richtung einer volksfreundlichen Arbeitsmonarchie für die niederen Volksschichten ungleich segensreicher war als jede Spielart bürgerlicher Klassenherrschaft, wie sie sich in Westeuropa oder Nordamerika verwirklichte." (S. 62)

Das ist Venohrs fixe Idee: Dass Preußen eine Art idealen, deutsch-nationalen Sozialismus vorgelebt habe und darum von seinen in- und ausländischen "Feinden" zerstört wurde. Der einzige Weg aus dem gegenwärtigen Jammertal der deutschen Machtlosigkeit führt für ihn folgerichtig über die Rückkehr zur "preußischen Façon" (S. 21), unter der sich Venohr eine preußische DDR vorzustellen scheint, in der ein absolutistischer König bei seinem deutschen Volk mit harter, aber väterlicher Hand für Zucht, Ordnung, Arbeit und Brot sorgt.

Ganz abgesehen davon, dass Venohr den Beweis für seine steile These schuldig bleibt, vermischt er typisch marxistische Phrasen von liberaler Bourgoise, Proletariat und Klassenkampf mit tiefbraunem Vokabular von Verausländerung, Überfremdung und alliierter Umerziehung und Gleichschaltung. (S. 61, 72 und 15) Die übrigen europäischen Länder, charmant als "Randvölker" bezeichnet (S. 21), sind für ihn ohnehin eine einzige Ansammmlung feindlicher Mächte, denen es "ein tiefes inneres, offenbar unwiderstehliches Bedürfnis [ist], an Deutschland und an Mitteleuropa herumzuschneiden, zu teilen und zu halbieren, zu gängeln und zu manipulieren." (S. 21)

Es hat mich schließlich kaum gewundert zu erfahren, dass Wolfgang Venohr als 16-Jähriger freiwillig in die Waffen-SS eintrat. Das Muster ist ganz deutlich: Hier hat sich ein von Hitler Enttäuschter einen neuen Götzen gesucht und seine nationalistischen Großmachtsfantasien vom Führer und dem Dritten Reich auf Preußen und seine Könige übertragen. Das Objekt der Anbetung ist ein anderes, aber Geist und Ton sind exakt dieselben. Armes Preußen. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde. Und arme Leser, die mit diesem rot-braunen Schwachsinn traktiert werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!, 15. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
Mein Bild von Preußen war bisher von einseitigen, aus der Sicht von Siegermächten geprägten Darstellungen preußischer Geschichte bestimmt. Nach der Lektüre dieses Buches mit seinen sachlich überzeugenden, vorurteilsfreien Darstellungen glaube ich, preußische und deutsche Geschichte besser zu verstehen und habe es schon mehrfach verschenkt und verliehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Preußische Profile
Preußische Profile von Wolfgang Venohr (Taschenbuch - 1. März 2001)
EUR 12,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen