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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berlin in den 30ern - zum Verlieben, 12. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Leb' wohl Berlin (Broschiert)
Wer mehr über die „Berliner Republik" erfahren will, ist mit aktuellen Buchangeboten ja hinreichend bedient. Und nicht wenige davon widmen sich ja dem fast schon mythischen Berlin der Zwanziger: Swing, Dekadenz, Sex, Drogen, Kunst und Straßenschlachten. Einer der Klassiker zu diesem Thema ist sicher Christopher Isherwoods Tagebuch seiner Jahre in Berlin. Zu Hause bei wechselnden Wirtinnen zur Untermiete, streift er durch die Stadt und begegnet dem Großbürgertum ebenso wie dem Proletariat, den Starlets ebenso wie den Halbseidenen Geschäftemachern. „Herr Issyvoo" ist zwar mittendrin, bewahrt sich aber seine staunende Distanz zu den Geschehnissen. Und trifft in seinen kurzen Portraits und Beschreibungen den Ton so gut, daß sich Berlin und der Tanz auf dem Vulkan sehr anschaulich und atmosphärisch dicht vor den Augen des Lesers aus den Ruinen der Geschichte erhebt. Dabei passiert eigentlich gar nichts aufregendes, aber der alltägliche Wahnsinn der Zwanziger sorgt auch schon für eine sehr unterhaltsame Lektüre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitreise ins Berlin der 30iger Jahre, 13. Dezember 1998
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Leb wohl, Berlin (Taschenbuch)
Christopher Isherwood lebt als Student Anfang der Dreißiger Jahre in Berlin. Er genießt das glitzernde Nachtleben Berlins mit seinen Bars und Kneipen. Er lernt Sally Bowles kennen, eine Schauspielerin, die sich ihren Lebensunterhalt auch durch ihr "freizügiges" Leben finanziert. Er wohnt erst bei Frau Schröder, seiner neugierigen aber rührenden Hauswirtin, die sich immer den gesellschaftlichen Umständen anzupassen weiß, dann bei den Nowaks, einer Arbeiterfamilie, die in einer ärmlichen Dachgeschoßwohnung haust. Er hat Kontakt zu Bernhard, der aus einer jüdischen Unternehmerfamilie stammt. Und er beschreibt das Hin und Her in der Beziehung zwischen Otto und Peter auf Rügen.
Christopher ist meist mit anderen jungen Männern zusammen. Am Ende des Romans wird er beiläufig als "andersrum" beschimpft; er widerspricht nicht.
Der Leser lebt über 200 Seiten hinweg im Berlin der Weimarer Republik. Er trifft auf Straßen und Plätze, die er vielleicht von seinem letzten Berlin-Besuch her kennt und kann vergleichen, was sich in fast siebzig Jahren verändert hat und was geblieben ist. Isherwood beschreibt im Detail das Alltagsleben in verschiedenen sozialen Szenen und gesellschaftlichen Schichten. Die dramatischen politischen Ereignisse am Ende der Weimarer Republik fließen erst am Rande und dann immer stärker in seinen episodischen Roman mit ein. Bis er Anfang 1933 plötzlich selbst abreisen muß aus Berlin ...
Ein sehr offener Roman für alle, die für ein paar Jahre in ein Berlin reisen möchten, das es so nicht mehr gibt.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorsicht bei Öffnen: Liza Minelli springt raus als Sally Bowles, 27. Juni 2009
Von 
Uwe-Jens Has (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Leb' wohl Berlin (Broschiert)
Ein schwuler junger Engländer kommt am Vorabend des Dritten Reichs nach
Berlin-Schöneberg, Motzstrasse. Das ist am Nollendorfplatz und ist das
Epizentrum der damals noch verbotenen Homosexuellen. Wohnt bei Frau Schröder
und das praktische daran ist: Die Frauen sprechen mit ihm von Frau zu Frau.
Und mit den Männern kann er von Mann zu Mann reden. Als Frau Schröder gehört
hat, dass er mal Medizin studiert hat, erzählt sie ihm sofort von ihren Sorgen
mit ihrem umfangreichen Busen und wie sie den verkleinern möchte.

Es wohnen noch weitere Leute in der Pension Schröder und eine , die immer ganz
züchtig die Augen niederschlägt, wenn er ihr auf dem Weg zum Bad begegnet,
aus dem sie gerade kommt, geht auf 'n Strich. Er gibt Englischunterricht bei
reichen Damen in Grunewald. Eine Schülerin schildert er so:
'Sie ist mir gegenüber neugierig, aber nur wie eine Kuh, die ihren Kopf durch
ein Gattertor steckt. Es liegt ihr im Grunde nichts daran, dass das Tor geöffnet werde.'

Es ist ein Episodenroman und die Kapitel heissen:

I Berliner Tagebuch
II Sally Bowles
III Auf Rügen
IV Die Nowaks
V Die Landauers
VI Berliner Tagebuch

Durch seinen unvoreingenommenen Blick als Engländer, seine Beobachtungsgabe als
Schriftsteller, seine intellektuellen Freunde, darunter W.H.Auden und Stephen
Spender und last but not least durch seine schwulen Kontakte, und seine Englisch-
stunden bekommt er ein gutes Bild vom Berlin am Vorabend des grossen Unglücks.
Wie, welches Unglück ?

Er fährt nach Rügen:
'Neulich sah ich ein splitternacktes etwa fünfjähriges Kind , das mit geschulterter
Hakenkreuzfahne mutterseelenallein vor sich hinmarschierte und ' Deutschland Deutschland
über alles' sang.'

Er zieht öfter um und wie die soziale Wirklichkeit in Kreuzberg am Kottbusser Tor aussah,
zeigt der Weg zum Klo den man abends zu bewältigen hatte:

Auf vier Wohnungen kam eine Toilette und seine lag einen Stock tiefer:
' Wenn ich vor dem Schlafgengehen ein Bedürfnis hatte, musste ich eine wahre Reise unternehmen :
durch das dunkle Wohnzimmer zur Küche, um den Tisch herum, ohne gegen das Kopfende von Nowaks
Bett anzurennen oder gegen das Bett zu stossen, in dem Lothar und Grete schliefen. Wie vorsich-
tig ich mich auch bewegte, - Frau Nowak wachte immer auf;
sie schien mich im Dunkeln zu sehen und brachte mich durch höfliche Anweisungen in Verlegenheit:
'Nein, Herr Christoph, nicht da, - bitte. Links in den Eimer am Herd.'

Er hat einen Freund, Peter, der durch Europa reist, um sich psychoanalytisch behandeln zu lassen.
Und er hat ' seinen' Freund, Otto, ein echtes berliner Proletarierkind.

Peter: 'Otto war ganz entsetzt, als ich ihm von dem Analytiker erzählte.
'Was?', sagte er, 'Sie geben dem Mann fünfzehn Mark am Tag, damit er sich von Ihnen was erzählen
lässt? Geben Sie mir zehn, und ich erzähl' Ihnen den ganzen Tag was und die Nacht noch dazu!'
Peter schüttelte sich vor Lachen, lief puterrot an und rang die Hände.

So merkwürdig es klingt: Es war garnicht so töricht von Otto , an Stelle des Analytikers
sich anzubieten. Wie viele durchaus sinnliche Menschen verfügt er über eine beträchtliche
instinktive Heilfähigkeit- sofern er sich dazu entschliesst, sie zu gebrauchen. Dann be-
handelt er Peter unfehlbar richtig.

Sitzt Peter zum Beispiel zusammengekrümmt am Tisch, den herabgezogenen Mund von kindlicher
Angst verzerrt, ein vollendetes Abbild seiner verdrehten, kostspieligen Erziehung, dann
kommt Otto herein, grinst, macht seine Grübchen, stolpert über einen Stuhl, gibt Peter
einen Klaps auf den Rücken, reibt sich die Hände und sagt albern:
' Ja, ja... so ist die Sache!'.

Im Nu ist Peter wie verwandelt. Er entspannt sich, nimmt wieder eine natürliche Haltung an;
sein Mund ist nicht mehr so verkniffen, seine Augen verlieren den gehetzten Blick . Solange
der Zauber wirksam ist, macht er durchaus den Eindruck eines normalen Menschen.'

So, jetzt erstmal wieder den Soundtrack von 'Cabaret'
reinziehen. Ladies & Gents, I beg Your Pardon.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, den man immer wieder lesen kann., 4. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leb wohl, Berlin (Taschenbuch)
Nach der Verfilmung seines letzten Romans "A single man" war Isherwood wieder in aller Munde. Zum Glück! Sein Schreibstil ist einfach unnachahmlich. Jedes Kapitel hat einen anderen Grundton zwischen Witz und aufziehenden Katastrophen. Die Verfilmung "Cabaret" tut seinen Berlin-Romanen unrecht, finde ich. Vieles wurde verfälscht. Besser: lesen!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Isherwood, die Zweite, 3. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Leb wohl, Berlin (Taschenbuch)
Hier nun der 2. Teil der berühmten
Berlin Erinnerungen von Isherwood. Interessant für den Leser des 1. Teils ist der Umstand, dass besagter 2. Teil offenbar von Anfang an für eine Veröffentlichung bestimmt war. Man begegnet z.T. Personen, denen man bereits in "Willkommen in Berlin" begegnet ist, nun aber von einer mehr verobjektivierten, analysierenden, "seriösen" Warte aus. Der erste Teil ist natürlich unterhaltsamer, da er das Privat- und Libesleben des Autors reichlich unverblümt und höchst amüsant schildert. Jetzt werden diese Versatzstücke "unter die Lupe genommen" und neue Personen eingeführt. Der Blick geht über das Privatleben des Autors hinaus, weitert sich und beschreibt nun auch deutlicher das politische und soziale Umfeld Berlins Anfang der 30er bis zur Machtergreifung.

Der 1. Teil ist m.E. dennoch interessanter, weil er einen ziemlich einmaligen Einblick in die Berliner Subkultur kurz vor der Machtergreifung gibt, das alles garniert mit dem illustren Umfeld Isherwoods (W.H. Auden, Steven Spender,um nur einige zu nennen). Dennoch ist auch "Leb Wohl, Berlin" absolut lesenswert und zu empfehlen; gerade für einen Leser, dem nur der viele Jahrzehnte später entstandene Kinofilm Cabaret bekannt ist bietet das Buch die Möglichkeit, diesen brillianten Autor zu entdecken, der in Deutschland leider kaum bekannt ist.

In diesem Zusammenhang ebenfalls zu empfehlen ist seine Erzählung "a single man", unlängst kongenial verfilmt durch Tom Ford. Hier erkennt man die schriftstellerische Brillanz Isherwoods ganz deutlich.
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Leb wohl, Berlin
Leb wohl, Berlin von Christopher Isherwood (Taschenbuch - 1. November 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 8,89
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