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4,2 von 5 Sternen
David Copperfield
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. April 2003
Ich glaube, ich war 13, als ich den "David Copperfield" zum ersten Mal las. Nun, fast 40 Jahre später, dürften gut und gern 15 (oder mehr) Lesereisen durch diesen Roman der Weltliteratur (der übrigens auch das Lieblingsbuch von Aristide Briand, Gustav Stresemann und anderen bedeutenden Persönlichekeiten des 20. Jahrhunderts war) hinzugekommen sein. Dickens' Humor, die leise Melancholie, die über der Jugend des Titelhelden liegt, die zahlreichen (bei hundert habe ich es aufgegeben, sie zu zählen) liebevoll gezeichneten Charaktere und Typen, die atmosphärische Schilderung des gar nicht so guten alten London des 19. Jahrhunderts zogen und ziehen mich immer wieder in ihren Bann, und ich bin sicher, dass mich der Zauber dieses Buches auch beim 20. Mal wieder gefangen nehmen wird.
Im Laufe der Jahre sind sie mir zu Freunden geworden: David, Agnes, Traddles, Pegotty, Emily, Tante Betsey, Mr. Micawber. Ein Charakter wie Steerforth faszinert auch noch bei der 50. Lektüre, die Abneigung, die der Erzähler gegenüber Uriah Heep empfindet, überträgt sich immer noch beim Lesen auf mich. Die Geschwister Murdstone hasse ich von Mal zu Mal mehr. Und was wäre das Buch ohne die vielen kleinen Nebenfiguren, die vielfach mehr sind als bloßes Kolorit: Mr. Mell mit seiner Flöte, der geizige Mr. Barkis, Martha, Doras Tanten, Dr. Chillips, der liebenswerte Mr. Dick, der respektable Litimer...
Der Welt eines Karl May entwächst man mit dem Älterwerden - falls man sich je in ihr heimisch gefühlt hat. Dickens' "David Copperfield" kann einen ein Leben lang begleiten, kann einem ein literarisches Zuhause sein, in das man immer wieder gern zurückkehrt, ein Freund fürs Leben.

- Inzwischen hat der Überreuter Verlag eine gekürzte Jugendbuchversion des Romans herausgebracht. Auch dazu möchte ich einige Anmerkungen machen.
Diese Rezension bezieht sich also, wie gesagt, auf die (großenteils geschickt) gekürzte Jugendversion von Charles Dickens` Klassiker, erschienen im Ueberreuter Verlag 2009. Einen ersten positiven Eindruck vermittelt die recht bibliophile Halbleinen-Ausgabe zu einem tollen Preis, gedruckt auf gutem Papier, was der Verlag auch extra vermerkt. Interessanter als die Herkunft des Papiers (Salzer) dürfte für den Leser der Name des Bearbeiters/Übersetzers sein. Der allerdings fehlt.
Ein weiteres Plus dieser Version ist - vor allem für jugendliche Leser - die Anpassung des Textes an die (mittlerweile gar nicht mehr so) neue Rechtschreibung. So weit, so gut. Dem Text dieser Fassung kann man eine weitgehend jugendgerechte Kürzung (es bleiben immerhin noch 547 Seiten übrig) bescheinigen, mit kleinen Ausnahmen.
So wurden beispielsweise gerade die Passagen, die einen jugendlichen Leser interessieren, nämlich Davids Erlebnisse im Internat Salem, ziemlich zusammengestrichen. Dass hingegen Seitenstränge der Handlung weggelassen wurden, die selbst mir als erwachsenem Leser in der Originalfassung immer irgendwie isoliert vom eigentliches Geschehen erschienen sind, macht das Buch für 12 bis 14-jährige Leser sicher lesbarer. Ich denke zum Beispiel an die Episode zwischen Doktor Strongs junger Gattin Annie und ihrem Cousin Jack Maldon. Deren Streichung ist sicher kein Verlust. Andererseits wurden aber die ewigen, weitschweifigen und stilistisch zopfigen Briefe Mr. Micawbers nahezu ungekürzt übernommen.
Alles in allem bleiben die Charaktere, die Dickens hier geschaffen hat, erhalten. Wie in der ungekürzten Originalfassung entwickelt man Sympathien (für den Protagonisten, für Pegotty und ihre Verwandtschaft, für Tante Betsey und ihren verschrobenen Mr. Dick, für Thommy Traddles - und natürlich vor allem für Agnes Wickfield), ebenso Antipathien, wenn nicht gar Hass auf die Murdstones und Uriah Heep. Die Faszination, die von dem ambivalenten Charakter Steerforhts ausgeht, bleibt auch in dieser gekürzten Fassung erhalten. Nicht zu vergessen der unnachahmliche feine Humor Dickens`.
Auch in diesem Jugendbuch begegnet man als Kenner der ungekürzten Originalfassung seinen lieb gewonnenen Freunden wieder. Und vielleicht werden sie auch zu treuen Gefährten der jugendlichen Erstleser. Wenn das erreicht würde, hätte diese Ausgabe ihren Zweck erfüllt. Noch mehr natürlich, wenn sie die Liebe zu großer Literatur wecken könnte. Die Chancen stehen nicht schlecht.
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wenn ein Autor eines seiner Bücher als "Lieblingskind" bezeichnet, will das etwas heißen. Das trifft auch auf David Copperfield von Charles Dickens zu. Das 1849/50 veröffentlichte Mammutwerk des zu jener Zeit bereits meistgelesenen englischen Autors ist zweifellos sein berühmtester und beliebtester Roman. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der eine harte Kindheit zu überstehen hat und sich doch zu einem respektablen Mitglied der Gesellschaft entwickelt. Nach dem Tod seines Vaters verbringt der junge David Copperfield eine furchtbare Zeit im Haus seines Stiefvaters. Den Misshandlungen in der Schule und der demütigenden Kinderarbeit entflieht David zu seiner Tante nach Dover. Hier verändert sich sein Leben: Er geht in die Schule eines gütigen Lehrers, entwickelt sich zum gefeierten Journalisten und Schriftsteller und heiratet schließlich seine Jugendfreundin. Zahlreiche Nebenhandlungen zeichnen ein detailliertes Bild der Zeit: David lernt eine Vielzahl von Menschen kennen, wie den exzentrischen James Steerforth, die freundlichen Peggottys und Micawbers, aber auch intrigante Speichellecker wie Uriah Heep. Dickens' stark autobiographisch gefärbter Roman gehört zu den großartigsten Werken des englischen Realismus.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. April 2006
Großartig!
Eigentlich müsste man das Buch schon aufgrund der Inspiration für andere Künstler lesen. Doch dabei versteckt sich in dem Bildungsroman um den jungen David Copperfield ein Zauberwerk auf allerhöchster Stufe. Es finden sich in dem Lieblingsbuch von Charles Dickens höchstpersönlich auch sehr starke autobiographisch geprägte Situationen.
Das Werk beginnt bei der Geburt und endet erst im Augenblick wo David seine Tugenden, Sorgen, Probleme, zahlreiche Lieben, Berufe und Menschen der Jugend hinter sich gelassen hat und schon dem Zahn der Zeit ausgesetzt ist.
Bücherfreunde haben das Hauptwerk von Dickens wahrscheinlich schon längst in den eigenen Regalen, also an alle die auch nur einen Funken Begeisterung für Bücher aufbringen können: Dieses Buch ist mit bestem Gewissen jedem zu empfehlen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 21. März 2012
Es gibt verschiedene Ausgaben von David Copperfield im Handel, bei denen um mehr als die Hälfte gekürzt wurde. Die Originalausgabe, von Gustav Meyrink ins Deutsche übersetzt, beträgt über 1000 Seiten. Man findet sie im Internet auch gemeinfrei zu lesen. Dies ist das erste Buch, das ich von Charles Dickens gelesen habe. Vorneweg möchte ich gleich sagen, dass das Buch durchaus Längen hat und es sich stellenweise mühsam liest, dass es aber trotzdem zu den besten Büchern gehört, die ich je gelesen habe. Daher vergebe ich fünf Punkte.

Vor allem die Charakterisierungen von Dickens sind genial: vielen ein Begriff sein dürfte Uriah Heep, ein kriecherischer Schleimer, der andere so manipuliert, dass er deren Schwächen für sich nutzen kann. Dieser Uriah Heep ist eine Ausgeburt an Niedertracht, doch damit offensichtlich ein Kind seiner Zeit. Dem Thema Herkunft, Stand und Aufstieg bietet Dickens viel Raum in David Copperfield. Dickens vermutet, dass der Grundstein für diese Art von Bosheit bereits bei der Erziehung Uriahs in einem Knabenstift gelegt wurde. Diese sozialkritischen Töne ziehen sich jedoch nicht durch das ganze Buch. Hauptsächlich geht es bei diesem autobiografisch gefärbten Roman um die Lebensgeschichte des D.C. (kann sowohl für David Copperfield als auch Charles Dickens stehen), der keine leichte Kindheit hatte, der aber später zum bekannten Schriftsteller aufsteigt. Dickens beschreibt die Personen, die seinen Lebensweg begleiten, begonnen bei der Mutter, die früh stirbt, über den allzu strengen Stiefvater (Mr. Murdstone), seine Kindsfrau Clara Peggotty und ihren Bruder Daniel, einen unfähigen Schulleiter (Mr. Creakle), Leute bei denen er unterkommt (die Micawbers), nicht zu vergessen seine Tante Betsey Trotwood, Mr. Dick, ein freundlicher, älterer Herr, der gerne Drachen steigen lässt, und später die Mädchen in die er sich verliebt: Agnes und Dora, um nur die wichtigsten Personen zu nennen. Personen, die D.C. mag, sind mit Liebe und Einfühlungsvermögen geschildert; Personen, die D.C. nicht mag, könnten schlimmer nicht sein: Dickens überspitzt stellenweise bis zur Karikatur. Das Land ist tief gespalten in eine Ober- und eine Unterschicht, ein sog. "Mittelschicht" hat sich noch nicht herausgebildet. Weil sie in England keine Zukunft mehr sehen, werden später einige der auftretenden Personen nach Australien, der frisch gegründeten Sträflingskolonie des British Commonwealth, emigrieren. Offiziell diente die Besiedelung der Kolonie auch zur "Ausdünnung der Unterschicht" in England.

Durch die präzise Beschreibung von Gebäuden in Stadt und Land kann die man sich gut in das England um 1850 hineinversetzen - visualisiert, verniedlicht und vermarktet durch Dickens-Merchandising, wie Dickens-Village, das englische Pendant zu "Käthe Wohlfahrt". Das Buch besticht (abgesehen von den Kindheitskapiteln) nicht unbedingt durch die Handlung, sondern mehr durch die Beschreibung der Bandbreite menschlicher Verfehlungen, Irrungen und Wirrungen. Beispielhaft steht hierfür die Episode von Davids Schulfreund James Steerforth und dem einfachen Mädchen Emily, die nur unglücklich enden kann. Doch was macht das Buch mühsam zu lesen? Den Absonderlichkeiten mancher Personen, wie z.B. von Mr. Wilkins Micawber, der zwar ein wortgewandter Mann, aber ein vermaledeiter Loser ist, räumt Dickens viel Raum ein. Seitenlang lässt er Micawber Briefe rezitieren, dessen Sprache verschwurbelt ist und keiner versteht. Dennoch wird er zu gegebener Zeit eine wichtige Rolle übernehmen, die das Vorgeplänkel wieder entschädigt. Die zweite Sache, die das Buch in die Länge zieht, sind Davids Beziehungen zu seiner besten Freundin Agnes und zu seiner Liebsten Dora. Ich will hier nicht zu viel verraten, doch fragt man sich schon als Frau, warum sich David für das Püppchen entschieden hat, doch diese Frage kann wohl nur ein Mann beantworten. Erst mit der Zeit wird David klar, dass es "kein größeres Unglück in der Ehe geben als Ungleichheit in den Gefühlen und Bestrebungen" kann.

Jeder wird beim Lesen dieses Buches seine Lieblingsfiguren finden. Meine waren Tante Betsey, Mr. Dick und Davids Freund, Thomas Traddles. Doch auch die weniger liebenswürdigen Charaktere, wie Rosa Dartle und Mrs Steerforth sind eine Erwähnung wert - hier wähnte ich mich stellenweise in einem Theaterstück von Shakespeare oder Schiller. Mein Gesamturteil fällt also sehr positiv aus: ich halte das Buch für facettenreich, ausgereift und sehr gut geschrieben. Ein hervorragendes Sittenbild des 19. Jahrhunderts, mit verhaltenen satirischen Zügen. Ich verstehe nun, warum Dickens Ruf auch zu seinem 200. Geburtstag noch nicht verhallt ist und werde weitere Bücher von ihm lesen.
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am 5. Dezember 2009
Charles John Huffam Dickens wurde am 7. Februar 1812, in Landport, Portsmouth, in Hampshire geboren. Er war das zweite von acht Kindern von John Dickens, einem Büroangestellten in Portsmouth und seiner Frau Elizabeth. Als der Vater 1822 beruflich versetzt wurde, ließ sich die Familie Dickens in 16 Bayham Street, Camden Town, in London nieder. Hier konnte der Vater ein Jahr später die Familie aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten nicht mehr ernähren und kam ins städtische Schuldgefängnis. So zug die Mutter mitsamt den Geschwistern ins Gefängnis. Der junge Charles lebte aber ausserhalb, um für die ums finanzielle Überleben kämpfende Familie Geld zu verdienen. Bereits mit zwölf Jahren musste Dickens zwangsmässig als Hilfsarbeiter in einer Fabrik für Schuhpolitur arbeiten. Der regelmässige Schulbesuch blieb ihm so verwehrt. Nachdem sein Vater 1824 aus dem Gefängnis entlassen wurde, ging Charles bis 1826 wieder zur Schule und wurde 1827 als Schreiber bei einem Rechtsanwalt angestellt. Er studierte verschiedenste Menschentypen und betrieb im britischen Museum literarische Studien. Im Jahre 1829 konnte er sich erfolgreich zum Parlamentsstenografen hocharbeiten. Zwei Jahre später arbeitete Dickens für die Zeitung "True Sun" und wurde kurz darauf Journalist bei der Zeitung "Morning Chronicle".

Charles Dickens erlangte als Schriftsteller erste Bekanntheit durch die "Pickwick Papers", die in monatlichen Heften erschienen. Seine folgenden ersten Romane entstanden ebenfalls als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen. Dickens entwickelte in diesem Werk eine ursprüngliche Erzählkraft, diese aus dem reichen Volksleben, besonders der unteren Klassen, ihre Quelle und ihr Muster fand. Dickens lag nicht nur etwas am literarischen Erfolg, er wollte das Gewissen seiner Zeit wachrütteln und den Weg für soziale Reformen ebnen. Seine scharfsichtigen und einfühlsamen Beobachtungen sind gepaart mit skurrilem Humor und schaffen so die von Dickens bekannte "Dicksche Atmosphäre" in seinen Werken. Die Geschichten Dickens`s dürfen für die damalige Zeit sicher nicht überschätzt werden. Dickens schrieb damals für ein englisches Massenpublikum, das ihn über Nacht zum beliebtesten Schriftsteller des Landes werden liess. Die Leser forderten mehr von seinen heiteren und lebendigen Geschichten und dieser schrieb dankbar weiter. Dennoch hat Dickens seine Erzählungen nicht auf dem Reissbrett entworfen. Seine Geschichten sind grossangelegt und komplex. Besitzen ein unnachahmliches Gespür für sensible Stimmungsebenen und die Figuren sind liebevoll und authentisch ausgearbeitet. Nicht ohne Grund ist "David Copperfield" einer der wenigen grossen, englischen Entwicklungs- und Bildungsromane und heute einer der beliebtesten Klassiker der Weltliteratur. In ihm prangerte Dickens nicht nur die sozialen Misstände seiner Zeit an, sondern auch die Missachtung des Kindes. Er ist dazu ein Appell an die Menschheit für kommende Generationen, gesellschaftliche Probleme miteinander zu lösen und dass die Gesellschaft verändert werden müsse. Es ist aber auch eine Kritik an der grausamen und harten Erwachsenenwelt und ein Aufruf für mehr Toleranz und Akzeptanz für die Schwächeren, Kranken, und besonders die sensibleren Menschen, vorallem sensibleren Kinder.

Aus der Ich-Perspektive erzählt der Hauptprotagonist David Copperfield seine Lebensgeschichte, angefangen bei seiner Geburt, bishin ins blütende Alter. Dabei fungiert der Hauptprotagonist gleichen Namens wie die vorliegende Erzählung als Erzähler der zwischenmenschlichen Ereignisse der Protagonisten, schildert ausserdem seine persönlichen Beobachtungen und Gefühle. Seine Erfahrungen, Handlungen und die mit deren einhergehende persönliche Entwicklung. In die persönliche und subjektive Erzählperspektive bindet Dickens regelmässig die direkte Rede ein. Dabei bevorzugt er die einfache erste Person im Präteritum. Charles Dickens selbst bezeichnete dieses Werk als seinen Liebling. Der Autor verband mit der Figur des David Copperfield offensichtlich bedeutende Stationen seines eigenen Lebens. Die Erzählstruktur des Romanes ist stark autobiografisch geprägt. Wie David Copperfield musste der junge Dickens mit anderen Jungen zwangsläufig in einer Fabrik arbeiten, musste erleben, wie ein geliebter Mensch ins Schuldgefängnis gesteckt wurde und wurde wie er im späteren Leben Anwaltsgehilfe, Reporter und schliesslich Schriftsteller. Trotzdem ist es nicht gänzlich die Geschichte seines Charakters. Dickens hat seine Geschichte zu Unterhaltungszwecken ausgeschmückt, autobiografische Elemente mit dichterischer Phantasie gewürzt und Momente in der Handlung geschaffen, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Er war ein Sentimentalist. In seiner Geschichte sind alle Ereignisse, die von grossen Veränderungen zeugen äusserst emotional und einschneidend dargestellt. Oft hat es den Anschein, der naive und sensible Hauptprotagonist würde daran zerbrechen, doch durch seine Klugheit findet er immer wieder aus der Einsamkeit heraus, findet Trost bei geliebten Mitmenschen und Mentorenfiguren, die ihm über den Schmerz hinweghelfen.

Was Dickens`s Qualität als Erzähler bestätigt, ist sein grossartiges Gespür für einfühlsame, mannigfaltige Stimmungsebenen. Schon zu Beginn der Geschichte wird dies eindrucksvoll deutlich, wenn Dickens die Ängste und Sehnsüchte des auf die Mutter angewiesenen Kindes beschreibt. David Copperfield erlebt schon während seiner Kindheit scheinbar unvorstellbare Entbehrungen, Schicksalsschläge, die er nicht verkraften würde, wäre er nicht so stark und klug. Wie es Dickens schafft, diese Stimmungen auf sensible und menschliche Art zu beschreiben, habe ich noch nirgends lesen können. Nicht nur dass der kleine Copperfield auf Geheiss des verhassten Stiefvaters auf eine fremde Schule geschickt wird, er muss auch noch bei seiner Rückkehr feststellen, dass der Stiefvater ein Kind gezeugt hat und nun die Angst in ihm aufkeimt, die Liebe zu seiner Mutter zu verlieren. Was später dann folgt ist der Tod der Mutter an der zuchtvollen Unterwerfungsstrategie des Stiefvaters. Hier folgt eine Phase, in welcher sich David unendlich verlassen und einsam fühlt. Geprägt durch diese frühen Entbehrungen ist er auf das Verständnis seiner Umwelt angewiesen. In diese von Trauer und intensiver Melancholie getragenen Momente mischt sich immer wieder der bekannte heitere Humor, für den Dickens so bekannt ist. Die skurrilen Charaktere, die allesamt sehr realistisch gezeichnet sind und doch zuweilen ihre kurios-menschlichen Eigenheiten besitzen, sorgen für die Wechselbeziehung von melancholischen und heiteren Stimmungsebenen. Obwohl Copperfield schlimme Zeiten erlebt, stösst er doch immer wieder auf Menschen, die ihm zeigen, dass das Leben doch lebenswert ist und es sich nie lohnt aufzugeben.

Fazit: Einmal ausgelesen hat man das Gefühl, dass die Geschichte eines guten Freundes zuende gegangen ist. Das letzte Kapitel des Buches gehört zu den Schönsten, die ich bisher gelesen habe.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. März 2007
Auf eine Hörspielfassung des David Copperfield mußte man sehr lange warten. Die alten Hörspiele der 70er Jahre boten nur Ausschnitte aus dem Roman, hier sind alle wesentlichen Handlungsstränge vorhanden, nur ein paar kleine Nebenhandlungen fehlen, die findet man aber auch in den verschiedenen Verfilmungen nicht, und sie machen auch nicht den Wert des Romans aus. Natürlich ist es nicht ganz einfach, sich durch die Fülle von Handlungssträngen und Personen, die teilweise nur wenig miteinander verknüpft sind, durchzufinden, aber wer sich auf dieses vierstündige Hörspiel richtig einläßt, hat damit ein wirkliches großes Hörvergnügen, in dem sich komische, sentimentale und teilweise tieftraurige Ereignisse miteinander mischen. Die Sprecher sind exzellent, vor allem Markus Meyer , der sehr deutlich macht, dass die "Festigkeit", die David Copperfield immer erreichen soll (und will) denn doch nicht das Ding dieser Figur ist.
Gerade durch die Weichheit seiner Stimme wird das sehr deutlich. Neben ihm gleichwertig Jens Wawrczeck als Uriah Heep und Thomas Hatzmann als Steerforth und natürlich Ingrid Andree als Tante Betsey. Auch die anderen Darsteller sind hervorragend (Sunnyi Melles, Judith Rosmair, Dagmar Laurens, Walter Renneisen, Dietmar Mues). Dass die in Yarmouth spielenden Szenen teilweise in plattdeutsch gesprochen werden, paßt zur Charakterisierung der Rollen sehr gut (Winfried Dziallas, Erkki Hopf). Am schwersten hat es Ulrich Noethen, denn die Rolle des Micawber ist rein akustisch nicht einfach herüberzubringen, aber auch er gibt sein Bestes, und es gelingt
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. März 2004
Durch John Irving bin ich erneut auf die Dickens-Bücher gestossen und ich muß sagen es ist in unserer Zeit sehr erfreulich, dass es so eine Literatur gegeben hat. Ich habe schon sehr viel gelesen, aber die Poesie, der Humor und überhaupt die gesamte Art und Weise, wie Dickens schreibt ist wunderbar. Ich habe bei vielen Stellen, besonders bei den Beschreibung der Juristerei so darüber gelacht und mich gewundert, dass Dickens das vor so lange Zeit geschrieben hat. Es passt mit einigen Abwandlungen heute noch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Dezember 2012
Gewisse Bücher kennt die ganze Welt zu Recht. Dieses hier ist so eines. Man muss es einfach lesen, nicht, weil es zur Allgemeinbildung gehört, sondern weil es enorm unterhalsam, spannend und klug geschrieben ist. Einzelne Sätze möchte man nie mehr vergessen. Und diesen jungen Mann wird man sein Leben lang lieben! Grossartig. Zu Recht liest man dann gleich noch die weiteren Werke dieses sprachgewaltigen Genies. Man kann die Bücher kaum mehr aus den Händen legen. Die Geschichten reissen einen mit, es passiert so viel, die Charaktere werden so unglaublich fassbar beschrieben! Und dabei eine solche Menschenliebe, auch wenn die skurilsten Schrullen beschrieben werden. Einfach ein Wunder!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In diesem Roman geht es um das Leben von David Copperfield. Er wird als Kind einer jungen Witwe Mitte des 19. Jahrhunderts in England geboren, leidet dann unter dem zweiten Mann der Mutter und wird in eine sehr strenge Schule geschickt. Nach dem Tod der Mutter landet er zunächst in einer Londoner Werkstatt, um schließlich von seiner leidlich wohlhabenden Tante unter die Fittiche genommen zu werden und eine Ausbildung in Dover und London zu bekommen. Er lernt die diversen jungen Damen kennen, verliebt sich und heiratet. Hineingewoben sind zwei weitere durchgehende Geschichte: die tragische dreht sich um einen früheren Schulfreund, der ein David nahe stehendes Mädchen ver- und von ihrer Familie entführt; die eher heitere ist die immer wieder folgende Begegnung mit dem etwas skurrilen Mr. Micawber und seiner Familie, dem ständig der Schuldturm droht, dem er sich durch ausgefeilte Eloquenz zu entziehen sucht.

Es ist immer schwer, einen Roman der Weltliteratur zu rezensieren, dessen Qualität eigentlich außer jeder Frage steht. Ich möchte hier daher zunächst betonen, dass man sich auf David Copperfield einlassen kann (und sollte), auch wenn man dem 'düsteren' Charles Dickens sonst nicht so zugetan ist. Bedrückend und beklemmend ist hier nur der erste Teil (ca. 250 Seiten) über Davids Kindheit; später ähnelt es thematisch eher den von Liebe und Tragödie geprägten Gesellschaftsroman, freilich gepaart mit der ungehören literarischen Qualität von Dickens, seiner ausgefeilten Sprache und seiner hohen Präszision in der Beschreibung von Figuren und Konstellationen. Das ist über weite Strecken 'unterhaltsam' zu lesen und bietet ausreichend 'Liebe', ist aber trotzdem auch intelligent und bereichernd.

Besonders besticht der Roman durch sein breites Panoptikum leicht skurriler und kraftvoller Gestalten; neben Mr. Micawber z.B. der intrigante und schleimige Uriah Heep, die resolute Tante (die immer Esel jagt) mit ihrem etwas verwirrten Freund (dem immer King Charles I im Kopf herumspukt) bis hin zum rührigen Kindermädchen Pegotty und ihrem wortkargen Verehrer. Jede Figur ist überzeugend, schillernd und farbenfroh, dass einem der Atem stock vor soviel literarischer Phantasie und einem schier unerschöpflichen Fundus an starken Figuren. Das ist ganz, ganz große Klasse.

Der Roman spannt ein eigenes Universum auf. Er entwickelt eine eigene Welt: die des David Copperfield. Etwas skurril, nicht ganz realistisch, mit viel Menschlichkeit und Sensibilität und immer einem Hauch Naivität. Ein Buch, in dem man versinken kann!

Das lässt einen auch die leichten Schwächen verzeihen: zum einen die gelegentliche Langatmigkeit (man merkt, dass es mal als Fortsetzungsroman geschrieben wurde, der im Laufe von zwei Jahren erschien); zum anderen das gelegentlich zu abstruse Aufeinandertreffen der immer wieder gleichen Gestalten in ganz neuen Zusammenhängen über Jahre hinweg. Auch fand ich die Idee nicht ganz überzeugend, die oben beschriebene tragische Geschichte zwischen Davids Jugendfreund und dem Mädchen nur in Erzählungen Dritter zu präsentieren.

Fazit: Ein Klassiker, den man lesen kann. Durch manche komplizierte Satzkonstruktionen und manche Länge manchmal ein bisschen harter Tobak, aber alles in allem eine unterhaltsame und erhellende Lektüre, die einen Vergleich mit den 'Buddenbrooks' z.b. nicht scheuen muss.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. April 2013
Schon lange hatte ich mir vorgenommen, diesen weltbekannten Klassiker zu lesen, jetzt wo ich fertig bin, kann ich nicht verstehen, warum ich so lange gewartet habe.
Die ersten Seiten haben sich etwas schwer gelesen. Als ich mich an den Erzählstil gewöhnt hatte, konnte mich nichts mehr von dem Roman abhalten.

Jede freie Minute widmete ich David Copperfield, wie er, erst als kleiner Junge, von seinem bösen Stiefvater gemaßregelt wurde und zur Kinderarbeit gezwungen wurde, und später, als er zu seiner Tante flieht, hier endlich in eine ordentliche Schule geht, bis er als Erwachsener auf eigenen Beinen steht.

Was für Charaktere er auf seinen Stationen kennenlernt ist wahrhaftig fantastisch. Erst seine Stiefvater Mr. Murdstone und seine gleichnamige Schwester, sein Schulkamerad und später bester Freund Tommy Traddles, die wundersame Familie Micawber, der anscheinend unterwürfige, jedoch widerliche und eigennützige Uriha Heep, seine drollige Tante Betsey Trotwood, die liebe Familie Peggotty, seine erste Frau Dora und und und.
Auch die Handlungsorte sind so eindrucksvoll beschrieben, dass ich mich manchmal wie an den jeweiligen Ort versetzt fühlte.

Ich denke, es ist nicht das letzte Mal, dass ich die Geschichte um David Copperfield, sie ist teilweise autobiografisch, gelesen habe. Für mich war es purer Lesegenuss!
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