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5.0 von 5 Sternen Gut flankiert und begleitet, 15. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Flankieren und Begleiten: Geschlechterreflexive Perspektiven in einer diversitätsbewussten Sozialarbeit (Taschenbuch)
Die Autorin
Corinna Voigt-Kehlenbeck, Jg. 1957, studierte Erziehungswissenschaften u.a. mit Spezialisierungen in Sonderschulpädagogik für lern- und verhaltensbeeinträchtigte Kinder. Sie war von 1995 bis 2000 Hochschulassistentin an der Freie Universität Berlin (Institut für Sozialpädagogik und Kleinkindforschung) mit dem Schwerpunkt geschlechtsspezifischer Forschung in der Sozialpädagogik. Von 2000 bis 2004 übernahm sie die pädagogische Leitung einer Bildungseinrichtung (Landesbildungsakademie im Jugendhof Steinkimmen) und entwickelte dort innovative Angebote der genderreflexiven Fort- und Weiterbildung in der Kinder- und Jugendhilfe. Zurzeit ist sie Geschäftsführerin des Gender Instituts Hamburg und lehrt an diversen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, u.a. an der HAWK in Emden, Hildesheim und Holzminden (Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit). Weiters sind von ihr erschienen: Auf der Suche nach der Abenteuerlichen Heldin (2003), sowie zahlreiche Beiträge, Aufsätze und Expertisen.

Inhalt:
Dieses Buch will aufklären. Dies wird nicht nur an der Kategorisierung als Lehrbuch ersichtlich, sondern auch wenn man sich seine inhaltliche Struktur näher betrachtet. Ausgehend von den historischen Entwicklungen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik wird nach und nach die Grundlage für das Einnehmen einer genderreflexiven bzw. diversitätsbewussten Perspektive geschaffen (S. 15ff). Voigt-Kehlenbeck schildert anhand des Entstehens der Frauenbewegungen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, welche Entwicklungen sich innerhalb der Sozialarbeit/Sozialpädagogik abzeichneten. Dabei werden sowohl die Methodenskepsis der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den 1970er Jahren wie auch die sich in den 1990er Jahren teilweise parallel entwickelnden Konzepte der Alltags- bzw. Lebensweltorientierung" nach Thiersch, das Konzept der Lebensbewältigung nach Böhnisch sowie die zunehmende Tendenz zur subjektorientierten Adressat/-innenforschung und Reflexivität innerhalb der Sozialarbeit/Sozialpädagogik im Überblick dargestellt.
Das zweite Kapitel des Buches widmet sich eingehender den Grundlagen bzw. Entwicklungen innerhalb der Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Am Beginn stehen auch hier die beiden Frauenbewegungen des ausgehenden 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhunderts und der 1970er Jahre. Teil für Teil stellt die Autorin ein Mosaik an Entwicklungslinien zusammen, die die Basis der gegenwärtigen Gender- bzw. Diversitäts-Diskussionen besser verstehen lassen. Es ist unbestritten und wird in diesem Kapitel dargestellt, dass sich die aus den Frauenbewegungen entstandenen Perspektiven auf die Kategorien Geschlecht" bzw. das Verhältnis der Geschlechter in einer ständigen Entwicklung befinden. Grenzte frau sich zunächst von den in den 1950er und 1960er Jahre entstandenen patriachalen Deutungsmustern in den 1970er Jahren radikal ab, schien man zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu verstehen, dass eine zukünftige fruchtbringende Entwicklung innerhalb der Sozialen Arbeit nur in einem Dialog der Geschlechter" zu finden sein würde (S. 100). Ergebnisse aus Studien zeigen darüber hinaus auf, welchen (sozial geschaffenen) Konstruktionsprozessen die Kategorien männlich" und weiblich" unterliegen. Die Jungenforschung bildet das notwendige Gegengewicht zur Mädchenarbeit und Frauenforschung und beide Perspektiven führen in den darin gemachten Schilderungen zur Behandlung des Dialogs der Geschlechter und zur Darstellung des Geschlechterverhältnisses in einer globalisierten, entstrukturierten und entgrenzten Welt (S. 120).
Der Hauptteil des Buches, der sich mit Flankieren und Begleiten - genderreflexive Perspektiven in der Sozialpädagogik" ähnlich lautend wie das Buch selbst betitelt, umfasst eine fundierte Darstellung der in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik auftretenden Verdeckungszusammenhänge und Überlagerungen in punkto Geschlechterverhältnis, die sich auf alle Lebensbereiche der Menschen auswirken. Voigt-Kehlenbeck stellt anhand ausgewählter Bereiche (Geschlechterbefindlichkeit, Partnerschaft, Sexualität, Privatleben bzw. Familie) dar, wie sich in den einzelnen Bereichen die beschriebenen Konstruktionsprinzipien auswirken bzw. äußern. In einem abschließenden Fazit gibt die Autorin zu bedenken, dass es sich bei einer genderreflexiven und sozialpädagogischen Perspektive um komplexe Qualifikationsanforderungen an die Fachkräfte handelt (S. 213). Voigt-Kehlenbeck bleibt der interessierten Leserin und dem interessierten Leser auch die sich daraus ableitenden Schlussfolgerungen für die Profession und Disziplin der Sozialarbeit/Sozialpädagogik nicht schuldig. Dabei stehen nicht die Methoden und Konzepte des Gender Mainstream im Vordergrund. Voigt-Kehlenbeck will genderreflexives Arbeiten als eine Querschnittsmaterie verstanden wissen, die eine erweiterte Betrachtungsweise zu den Handlungskompetenzen und Methoden der Sozialarbeit/Sozialpädagogik ermöglicht. Das abschließende Fazit ist überblicksmäßig und im Sinne einer beschreibenden Auflistung angelegt und ermöglicht dadurch Anknüpfungspunkte zur Praxis, Forschung und konkreten Umsetzungsmöglichkeiten.

Fazit
Das Buch bildet einen weiteren Bestandteil in einer Reihe von Werken, die sich dem Thema doing gender" in der Sozialen Arbeit widmen, und das ist gut so. Viel zu oft wird die Perspektive des Anders-Sein" hinter vermeintlich wichtigere Probleme der Sozialarbeit/Sozialpädagogik gedrängt. Bei der Durchsicht des Buches erwartet die Leserin/den Leser keinerlei geschlechtsspezifische Seitenhiebe oder eine (tw. angebrachte) Demontage paternalistischer Denkmuster und Theoriegebilde, die durch einen feministischen Zugang ersetzt werden sollten. Stattdessen werden Themen in sachlicher Nüchternheit und großer Sorgfalt argumentiert und mit Forschungsergebnissen aus Projekten und Studien untermauert. Flankieren und Begleiten" wird auch seinem Anspruch als Lehrbuch durchaus gerecht: Es richtet sich sowohl an Fachleute als auch an Studierende in bzw. der Sozialarbeit/Sozialpädagogik, dient aber in erster Linie dem Einstieg in das genderreflexive Arbeiten. Dies äußert sich vor allem an einer am Überblick orientierten Gliederung sowie der eingehende Erläuterung der Theorien und Konzepte. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu umfangreich gegliedert und gut verdaulich" proportioniert. Dieses Buch eignet sich also durchaus auch als Grundlagenmaterial für eine einführende Lehrveranstaltung an der Universität bzw. Fachhochschule. Der Text ist inhaltlich sowie stilistisch gut gelungen, erfordert jedoch zumindest Grundkenntnisse der Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialarbeit/Sozialpädagogik. Fachtermini werden ausführlich und anschaulich erklärt. In diesem Sinne wird das Buch durchaus dem Anspruch der Autorin gerecht, die abschließend anmerkt Diese Buch will ermutigen zum Nachdenken, will Diskussionen anregen und vor allem auch Studierende und angehende Fachkräfte der Sozialarbeit/Sozialpädagogik einladen, sich an dieser bis heute nicht abgeschlossenen Frage, wie (Geschlechter-) Gerechtigkeit möglich werden kann, zu beteiligen". (S. 228).

Autor der Rezension:
Wolfgang Laskowski, Soziologe, wiss. Mitarbeiter, SOS-Kinderdorf, Colleg für FamilienPädagogik, Gabelsbergerstraße 14, 4600 Wels, Österreich;
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Flankieren und Begleiten: Geschlechterreflexive Perspektiven in einer diversitätsbewussten Sozialarbeit
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