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5.0 von 5 Sternen Wozu noch Zeitungen?, 15. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Wozu noch Zeitungen?: Wie das Internet die Presse revolutioniert (Taschenbuch)
Als ich vor einigen Wochen in der Bahn nach Bergisch Gladbach saß, lag eine Ausgabe einer großen deutschen Zeitung besitzerlos und unordentlich zusammengefaltet auf dem Tisch. Ich falte meine eigene Tageszeitung auseinander und muss aufpassen, dass ich meinen Mitreisenden nicht behindere. Der Wunsch nach einer kleinformatigen Zeitung steigt in mir auf.
Oder wäre ein Laptop mit der Online-Zeitung die bessere Lösung?
Auf der Rückfahrt sitzt ein Jugendlicher mit einem Laptop neben mir und ein Herr mit einem ebensolchen mir gegenüber. Auch alles recht sperrig und ein schnelles Zusammenpacken ist sicherlich nicht möglich. Dies kann dann also auch nicht die bahnfreundlichere Form des Zeitungslesens sein. Wäre es denn jetzt nicht viel schöner, die Zeitung auf dem Handy oder dem BlackBerry zu lesen?
Behindern würde ich damit niemanden, aber wenn man so jenseits der 50 (J) ist, dann verlangen die Augen nach einer Lesebrille und Großbuchstaben. Das wiederum erhöht auch nicht gerade den Genuss, die Zeitung elektronisch zu lesen...

Werden Zeitungen als Printausgabe überhaupt noch gebraucht? Kommentare aus Zeitungsartikeln kann man heutzutage doch schon im Radio hören. Klasse wäre jetzt ein iPod mit Radiofunktion. Neidvoll sehe ich auf den jungen Mann auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges. Musik tönt aus seinen Kopfhörern. Bumm, bumm. Das wiederum bringt den ihm gegenüber sitzenden Fahrgast auf den Plan: Können Sie Ihr Gerät leiser stellen?".
Ich widme mich nun wieder meinem Nachrichtenmagazin in handlicher DIN A4 Größe.

Als das Buch Wozu noch Zeitungen?" von Stephan Weichert u.a. erschien, war mir klar: Das muss ich unbedingt lesen". Auch der Untertitel: Wie das Internet die Presse revolutioniert", klingt verheißungsvoll.

Es überrascht mich positiv, dass den 24 Interviewpartnern nicht immer dieselben Fragen gestellt werden. Jeder der hochkarätigen Experten (aus den USA, England und Frankreich) aus der Zeitungswelt wird mit seinem beruflichen Werdegang und einem Foto vorgestellt.
Angenehm ist, dass die Hauptaussagen übersichtlich mit Zwischenüberschriften versehen sind.
Einig sind sich alle Befragten darüber, dass es guten Journalismus weiterhin geben wird und dieser auch nötig ist. Ob dies allerdings als Printausgabe oder nur als Online-Zeitung sein wird, weiß keiner so recht zu beantworten. Manch einer gibt der gedruckten Zeitung aufgrund der immer mehr zurückgehenden Auflagen nur noch 10-20 Jahre eine Überlebenschance. Wieder andere sind der Meinung, dass uns Qualitäts- und Lokalzeitungen erhalten bleiben werden. Auch der völlige Tod der Printausgabe wird vorausgesagt.

Befürchtet wird, dass die Bürger weniger informiert werden. Der sogenannte Bürgerjournalismus in Form von Blogs liefere zwar jede Menge Informationen, aber die Qualität der Berichterstattung nehme ab. Blogger würden nur reagieren, kopieren und kommentieren. Ein Qualitätsjournalismus sei dies nicht. Weiterhin müsse gut recherchiert, enthüllt und über die Hintergründe informiert werden. Würde der Journalismus geschwächt, ginge dies zu Lasten der Demokratie.
Die technischen Anforderungen an Journalisten würden steigen, da die Online-Zeitungen Fotos, Videos, Podcasts und Links integrieren werden.

Google News und Yahoo News seien Suchmaschinen, die Nachrichten zusammenstellen, aber nicht selbst produzieren. Die Zeitungsverlage hätten den Zeitpunkt verpasst sich, sich die Produktion der Nachrichten im Internet bezahlen zulassen.
Auch die Formen der zukünftigen Finanzierung von Zeitungen (Print und Online) seien noch nicht ganz klar. Während einige erwarten Gewinne durch Werbung zu machen, weisen andere darauf hin, dass die Werbung nicht die Kosten für die Nachrichtenbeschaffung und Verbreitung decken könne.
Denkbar wäre auch eine Quersubventionierung durch andere Geschäftsmodelle (z.B. Weiterbildungsangebote). Dies sei aber nur möglich, wenn Zeitungen einen Traditionsverlag im Rücken hätten, der dafür geringe Gewinne im Zeitungsgeschäft in Kauf nähme.
Eine Subventionierung durch den Staat wird eher mit Skepsis betrachtet, obwohl Steuervergünstigungen gern gesehen würden. Befürchtet wird die politische Einflussnahme.
Auch gäbe es die Möglichkeit der Förderung durch Stiftungen und Privatpersonen. Abgelehnt würden auch hier reiche Leute, die Zeitungen kaufen, um die Meinung zu manipulieren.
Kooperationen zwischen Zeitungsverlagen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern wären denkbar.

Ich bin auf die künftige Form der Zeitungsverbreitung gespannt. Mir persönlich würde meine Wochenendzeitung sehr fehlen, da dies auch etwas mit sich wohlfühlen" und entspannen" zutun hat. Allerdings, ich hätte nichts dagegen, wenn das Zeitungsformat etwas kleiner wäre.
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Wozu noch Zeitungen?: Wie das Internet die Presse revolutioniert
Wozu noch Zeitungen?: Wie das Internet die Presse revolutioniert von Leif Kramp (Taschenbuch - 18. März 2009)
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