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61 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blues in Bargfeld, 8. Oktober 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
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1970. Zettels Traum (ZT) erschien nach 6-jähriger Niederschrift. Eine literarische Sensation. 1334 Seiten im Format DIN A 3 als Faksimile veröffentlicht. Die komplette Auflage der Erstausgabe von 2000 handsignierten Exemplaren war innerhalb von 3 Monaten ausverkauft, bei einem Ladenpreis von 295 DM für den Stahlberg Verlag und Arno Schmidt (AS) ein unerwarteter Erfolg. Sicher auch deshalb, weil etliche das Buch aus spekulativen Gründen kauften. ZT - der unsägliche Traum gleich dem des Webers Zettel im Sommernachtstraum - ist der Versuch, in einem einzigen 4-Personen-Gespräch eines Tages und einer Nacht eine ins Universale getriebene POE-Analyse, eine wortschöpferische Sprachtheorie (ETYM-Theorie), die Entdeckung der entwicklungspsychologischen 4. Persönlichkeitsinstanz (in Fortentwicklung der Arbeiten FREUDS) und letztlich ein 4-Personen-Schicksal in einer Einheit zusammenzufassen.
Die Teilnahme an diesem literarischen Höllentrip beginnt für den Leser mit dem Einstieg in das Schauerfeld.
Ein älteres Schriftstellerehepaar, Paul und Wilma Jacobi aus Lünen, besucht mit ihrer 16-jährigen Tochter Franziska an einem Hochsommertag einen Jugendfreund, den Privatgelehrten Daniel Pagenstecher (DÄN), der als Einsiedler zwischen seinen Büchern in einem Dorf der Lüneburger Heide lebt. Grund des Besuchs ist das Ziel Pauls und Wilmas, die an einer Übersetzung von Werken POE's arbeiten, von DÄN nützliche Hinweise zu POE's Quellen, Dichtkunst, Person und Charakter zu erhalten. DÄN, der allwissende Ich-Erzähler, entwickelt auf Spaziergängen und im Haus einen ausufernden Diskurs über POE's Werke und Persönlichkeit. Dabei bedient er sich eines phonetisch-kombinatorischen Verfahrens, das es ermöglicht, dem unterschwelligen Nebensinn von Worten und Bildern beizukommen, sowie der FREUD'schen Psychoanalyse, die er um die 4. Persönlichkeitsinstanz erweitert.
ZT ist ein Essay-Roman, dessen durchgehendes Prinzip die Interdependenz ist. Die Polyphonie des Textes lässt AS in der Dreispaltigkeit sichtbar werden. Den Hauptgang der Erzählung nimmt die Mittelspalte auf, die die Handlung ausführt. Sie weicht nach links aus, wenn sie in thematischen Bezug zu POE tritt (POE-Spalte), nach rechts, wenn sie Exkurse ins Zeitlos-Entlegene bietet. In die freien Räume sind platziert Glossen, Kommentare, Exzerpte, Zitate etc.. Das Ganze ist ein ständiges ,Hineinsprechen' von Nebenstimmen in den Haupttext.
Die Flut von Worten, Sätzen, Verweisen und Zitaten stellt hohe Anforderungen an den Leser und zwingt ihn zur Interaktion, der Hauptgrund, warum man dieses Buch mE nicht in 600 bis 700 Stunden lesen kann. Man muss sich Notizen machen, eigene Gedanken festhalten und Bezüge zwischen den 3 Spalten herstellen. Dies erfordert wie auch die Text- und Zitatrecherche Zeit und Geduld. Wer ZT lesen will, weiss, worauf er sich einlässt.

Für mich ist ZT immer noch ein toffes Buch. Ein Buch der Superlative und vor allem der literarischen Höchstkomik.
Was hab ich gelacht während der Lektüre !!! Total geil von vorne bis hinten (ja, ich hab es ganz gelesen!).
Mein Kurzplädoyer zu AS und ZT: Mein literarischer Hero (neben Thomas Bernhard und Hans Henny Jahnn); zudem:
1 besonders schwerer Phall von lebenslänglicher Ipsation :-) (ZT 931,958). xxx :''-: king ! - xxx (sic !!!).
Blues in Bargfeld. Als Folge lebenslänglicher Knechterei im Dienste von Literatur und Broterwerb weit unter Hartz IV-Niveau.

Für mich ist ZT weniger ein Dialogroman über 4 Personen als vielmehr ein riesiger innerer Monolog von AS, der seine 4 Persönlichkeitsinstanzen sprechen und interagieren lässt. Seine Ausführungen zum PANORAMA kann man vorzüglich auf ZT übertragen: Dies: ä (PAN) DÄNORAMA: könnte doch ooch, als Abbild Deines ,Psychischn Apperats' und seiner Leistungen ,rangezogen werden'?: ...was Ich für DÄN+Franziska, für Paul+Wilma, für POE+Christa gehalten? - das war
1=einzigs großes Haupt! ... (ZT 600)

Das Schöne an ZT ist, dass es nicht entschlüsselbar ist (schöner Gruss ans Sündikat!). Man kann es in unzählige Richtungen deuten. Besonders gut hat mir ein kleines unscheinbares Sätzchen in ZT gefallen, das man auf dieses gesamte Meisterwerk übertragen könnte: (Wörter+Bilder, die wie im Traum zusamm,komm'; eine Weyla mit-einander tandsn: ! - (+ dänn=wieder auseinander laufn: ...)) (ZT 793). Toll !

Als ich ZT 1986 zu lesen begann, trat ich in eine wundersame Welt ein, die mich so fasziniert hat, dass sie mich nachhaltig prägte. Triumphans ars.
Also Leute, die Ihr Euch es leisten könnt: Ran an den Schinken, Ihr werdet Euer blaues Wunder erleben!!!

40 Jahre nach Erstveröffentlichung liegt ZT nunmehr in klassischem Buchsatz vor. Herzlichen Glückwunsch für diese Meisterleistung an den Typographen Friedrich Forssman, die Lektoren und vielen Helfer. Ich schaue mit gemischten Gefühlen auf den Neusatz. In jedem Fall wird es die Lesezeit erheblich verkürzen.

Flügelmann
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tatsächlich ein Glücksfall!, 13. November 2011
Von 
Ulf Evers (Wattenbek) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe IV: Das Spätwerk: Band 1: Zettel's Traum (Taschenbuch)
Ich war sehr skeptisch, ob ich mir die neue, als "Glücksfall für den Leser" gepriesene Ausgabe von Zettels Traum kaufen sollte. Befürchtete ich doch, dass auch diese Ausgabe im Bücherregal verstauben würde ohne dass ich über die ersten Seiten hinaus käme, vielleicht noch ein wenig im Buch herumblättern, aber sonst?

Und wenn überhaupt, dann würde ich die Studienausgabe nehmen. Einerseits, weil sie wenigstens noch halbwegs erschwinglich ist (zumindest zu Subskriptionszeiten war - - - wobei der Begriff Studienausgabe sich nicht an Bafög-Sätzen orientiert), andererseits wollte ich eine "handliche" Ausgabe u. nicht ein ähnliches Ungetüm wie die alte Fischerausgabe immer aus dem Schuber und auf den Küchentisch wuchten müssen.

Vor ein paar Tagen ist es mir nun gelungen, die Studienausgabe zweiter Hand zu erwerben.... und dies gleich vorweg: ich bin in dem ersten Band weitergekommen als jemals zuvor (& lese immer noch)! Und der Schmidt geht mir auf den Wecker wie nie zuvor & er macht Spaß wie lange nicht mehr - - - jede Seite ein Erlebnis.

Etwas zu den Äußerlichkeiten: die vier Bände fassen sich sehr angenehm an, zumindest die "dünneren" lassen sich sogar halbwegs bequem beim Lesen in der Hand halten. Im Block sind sie fest, lassen sich gut blättern, das Papier hat genau die richtige Stärke & Qualität, man muss keine Angst haben, die Seite könnte beim Blättern einreißen.
Die Seiten sind mit ca. 25 x 34 cm deutlich kleiner als die Fischerausgabe und doch steht mehr 'drauf (während ich in der Fischerausgabe immer noch ohne Brille lesen kann, ist dies bei der neuen Ausgabe nicht mehr möglich).
Dafür ist es viel angenehmer in der Suhrkampausgabe zu lesen, keine geschwärzten Stellen mehr, die handschriftlichen Änderungen Schmidts (manchmal durch das Reproduktionsverfahren nur schwer leserlich) sind weg, dafür sind allerdings die Zeichnungen, eingeklebten Zettel usw. kleiner.

Damit geht der "Typoskriptcharme" verloren, aber das "Prinzip der Spaltigkeit" funktioniert viel besser. Es ist für den Leser leichter, die dahinter steckende Grundidee zu begreifen und manchmal auch zu erkennen.
Fehlt mir etwas an der neuen Ausgabe? Nicht viel: auf dem Einband Holbergs Baummensch und ein klitzekleines bisschen stört mich, dass die Seiten nicht mehr "zettel" heißen (ich seh' ja ein, dass es keine mehr sind, sondern soweit ich es beurteilen kann Glanzleistungen der Setzkunst)... aber so ist es nun einmal: am Alten hängt, zum Neuen drängt es...

So lange der Platz im Bücherregal und meine Frau es mitmachen, werde ich die alte Ausgabe behalten. Allen "Neulesern" empfehle ich die Suhrkampausgabe, denn es ist ein tolles Buch (obwohl vieles von Schmidt nur schwer zu ertragen ist, macht es einfach Spaß zu erleben, was er aus + mit Sprache macht!!).
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Sinn der Worte..., 4. August 2011
Die Lektüre eines Buches in Angriff zu nehmen, dass im normal-gesetzten Zustand einem Umfang von ca. 5000 Seiten entsprechen soll und das zu allem Überfluss auch noch als sehr kompliziert gilt, ist vergleichbar mit einer waaghalsigen Expedition in unwirtliche Gegenden. Arno Schmidt selbst hat die oft im Zusammenhang mit Zettels Traum genannten James Joyce'schen Meisterwerke "Ulysses" und "Finnegans Wake" so beschrieben: "Dieses Werk hat zwei Gipfel. Der eine wolkenumhüllt, vergletschert, äußerst schwer ersteigbar, zumal für Anderssprachige: das ist <Finnegans Wake>. Da kommen höchstens ein paar Briten hin, seafaring men; und denen glaubt man kaum, daß sich dort ein solches arktisches Vulkanmonster befindet. Der zweite Gipfel in der Kette der Joyce'schen Werke ist der <Ulysses>: an seinen Hängen, in seinen Steilwänden, kann man alle Linien unterscheiden, jedes Glimmerplättchen blitzen sehen. Weit ist die Aussicht vom Gipfel, zukunftsweisend; (...)" (Arno Schmidt, Ulysses in Deutschland / Zum 75. Geburtstage von James Joyce) (wobei mir zur ersten Beschreibung immer auch noch H.P.Lovecraft (1890-1937) einfällt, "Berge des Wahnsinns"; grüsst durch alle Jahrzehnte noch durch bis mindestens John Carpenters "The Thing").

Zettels Traum entspricht möglicherweise beiden Gipfeln zugleich.

Nun würde niemand, seafaring men schon garnicht, eine Expedition zu einem sagenumwobenen arktischen Vulkanmonster und/oder in schwierige Gebirgsmassive unternehmen, ohne entsprechend vorbereitet zu sein. Begeben wir uns also in das Basislager, zur Aklimatisierung.

Es ist sinnlos, die Tour zu beginnen, ohne die zugrundeliegende Ethym-Theorie Arno Schmidts zumindest ansatzweise zu kennen. Hierbei geht es neben ethymologischen Gesichtspunkten (="Stammbaum" der Worte) -kurzgesagt- darum, dass Worte nicht nur eine geschriebene, sondern auch eine phonetisch bedingte Bedeutung haben, möglicherweise über mehrere Sprachen hinweg (lesen Sie weiter, es klingt komplizierter als es ist). Dadurch lassen sich Texte nicht nur vielschichtig lesen, sondern man kann, bei entsprechender Schreibweise, weitere bzw. gleichzeitig verschiedene Bedeutungsebenen zum Ausdruck bringen, gerne auch (aber natürlich nicht nur, aber hier relativ einfach darstellbar) sexueller Natur. Einfache Beispiele: "Draußen, vorm Fenster trabt der schmutzigere der beiden Hausknechte vorbei, ein altbewährtes Fucktotum, (...)" (AS: Julia, oder die Gemälde, 1.Seite unten), oder, schon im Untertitel von "Abend mit Goldrand": "55 Bilder aus der Lä/endlichkeit": da haben wir es gleich mehrfach: Ländlichkeit, Lenden, Endlichkeit (sog. "Fremdsprachen" noch garnicht berücksichtigt).

Das unabdingbare Basislager sind die Schriften Arno Schmidts zu James Joyce, z.B. "Das Buch Jedermann" (: "Werden wir uns darüber klar: wie sind, im menschlichen Gehirn, die Worte gespeichert?") und "Der Triton mit dem Sonnenschirm" (:"Ja, es läßt sich virtuos <auf der Zunge fantasieren>, die Schreibmaschine wird zum <Flügel>...."). Hier deutet er nicht nur James Joyce und dessen wunderbaren Werke, sondern liefert den Schlüssel für seine eigenen Wort-...: nun ja, Spiele ist nicht der richtige Ausdruck: Wir befinden uns in ganz anderen Gegenden. Nicht weniger spassig, aber anders. Aber nur mit Vorbereitung. Ein paar Stunden, für eine mehrmonatige Expedition. Nicht zuviel, würde ich sagen.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für Weichlinge, 6. Juli 2011
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ein Roman wie ein Gebirgsmassiv", schrieb Literaturkritiker Denis Scheck über Zettel's Traum. Recht hat er. Und wie jede ordentliche Bergexpedition will auch diese gut vorbereitet sein, denn die Verhältnisse auf Arno Schmidts Überberg sind alles andere als gewöhnlich: Bäume werden zu erigierten Penissen, Wasserfälle zu Urinergüssen und Bergkuppen zu Riesenbrüsten. Durch diese verhexte Landschaft streifen ein kannibalischer Drache, ein rammelnder Trinkertrottel und eine scharfe Fee, die sich aus unerfindlichen Gründen in einen impotenten Dichterpriester verliebt. Der Leser indes stolpert bei seiner Wanderung über sperrige Satzklötze, verirrt sich in einem Labyrinth aus literarischen Querverweisen und kämpft sich mühsam durch das unwegsame Gelände eines vollkommen fremden Schriftbilds. Weibliche Leser werden oft genug die Brocken hinschmeißen wollen, wenn sie zum wiederholten Mal auf eine Hütte mit dem Schild Frauen müssen draußen bleiben" treffen. Knapp 400 Menschen hielt Schmidt für fähig, sein Opus magnum zu bewältigen. Wenn endlich der Gipfel in Sicht ist und nur noch wenige Schritte bis zum Panoramablick fehlen, möchte man dem Autor am liebsten eine Nase drehen.
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Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe IV: Das Spätwerk: Band 1: Zettel's Traum
Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe IV: Das Spätwerk: Band 1: Zettel's Traum von Arno Schmidt (Taschenbuch - 11. Oktober 2010)
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