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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dem Selbst kann man sich auch denkend nähern, 1. Mai 2013
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Selbst im Spiegel: Die soziale Konstruktion von Subjektivität (Gebundene Ausgabe)
Was der menschliche Geist ist und wie Denken funktioniert beschäftigt natürlich nicht nur die Philosophen und Psychologen. Aber nur wenige nähern sich dem, was wir „Selbst“ nennen, so spannend wie Wolfgang Prinz. Allerdings wird der Leser nicht durch ein rasantes Geschehen mitgerissen, sondern durch die faszinierenden Gedankengänge des emeritierten Direktors am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Obwohl in der Abteilung Experimentelle Psychologie Hirnscanner stehen, setzt Wolfgang Prinz mehr auf kluge psychologische Fragestellungen als auf Computerbilder. Denn er glaubt, dass Hirnscans wenig hergeben, um der Willensfreiheit und geistigen Prozessen auf die Spur zu kommen. In einem Interview in der Zeit meinte der Autor, die kognitive Forschung müsse herausfinden, wie Hirne intentionale Zustände ausbilden und Bezüge zur Welt herstellen. Die Idee, dass die Hirnforschung menschliches Verhalten und Erleben erklären könne, hält Wolfgang Prinz für verfehlt. Trotzdem baut auch er auf neue hilfreiche Untersuchungsmethoden, ohne diese unkritisch zu glorifizieren.

Nach einem ebenso erhellenden wie überraschendem Prolog steigt Wolfgang Prinz mit dem Kapitel „Geistbegabte Wesen“ in die Materie ein. Und nachdem er die beiden Gesichter des Geistes erläuterte, nähert er sich der Subjektivität und beginnt mit der Suche nach der Wirklichkeit. Das zweite Kapitel wird von der bekannten Spiegelmetapher beherrscht, die Wolfgang Prinz jedoch neu deutet und so überraschende Zusammenhänge aufzeigt.

Im dritten Kapitel „Volition“ geht es um die Willensfreiheit und damit auch um Handlungssteuerung. Und unter der Überschrift „Kognition“ erläutert Prinz im vierten Kapitel seinen Lesern, was unser Selbst mit den Wurzeln der Intentionalität, der Sprache und Systemen zu tun hat.
Die Hauptthese des Buches lautet: Der individuelle menschliche Geist ist ein radikal offenes System, das keineswegs fertig auf die Welt kommt. Daher lohnt es sich, seine Architektur und zentralen Funktionen kennen zu lernen. Wolfgang Prinz schließt aufgrund seiner Gedankengänge und Untersuchungen, dass wir erst im Spiegel der anderen sehen und verstehen, was Denken und Handeln ist.

Im umfassenden Anhang findet sich ein Literaturverzeichnis, das gut fünfzig Seiten umfasst. Namens- und Sachregister erleichtern das Nachschlagen von Stellen, die man gerne nochmals lesen möchte.

Mein Fazit: Keine leichte, aber lohnende Lektüre für alle, die sich vertieft mit der Frage auseinandersetzen wollen, was der menschliche Geist ist und wie unser Selbst zustande kommt. Ohne eine gewisse Vertrautheit mit dem philosophischen Denken wird man den Ausführungen des Autors nicht immer folgen können. Aber wer nach differenzierten Antworten auf die Frage sucht, ob der Mensch einen freien Willen hat, wird bei Wolfgang Prinz fündig.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lehnstuhl-Psychologie im guten Sinne, 25. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Selbst im Spiegel: Die soziale Konstruktion von Subjektivität (Gebundene Ausgabe)
Wolfgang Prinz hat Psychologie, Philosophie und Zoologie studiert. Das merkt man dem Buch sofort an. Wenn Prinz schreibt, das Gehirn und der Geist einen besonderen Beitrag zur evolutionären Fitness leisten", erinnert mich das an die Evolutionäre Erkenntnistheorie. Wenn Prinz über das Rätsel der Subjektivität" schreibt, über Intentionalität, Qualia, Willensfreiheit, dann könnte einiges davon auch in einem Buch über die Philosophie des Geistes stehen. Auf die Hirnforschung verzichtet Prinz weitestgehend. Auf die Entdeckung der Spiegelneurone wird in einer Fußnote hingewiesen. Am Temporal- und Frontallappen kommt auch Prinz nicht vorbei, die bunten Bilder aus der der Tomographie werden natürlich auch einbezogen, aber das alles scheint für Prinz nicht übermäßig wichtig zu sein. Prinz zeigt sich in diesem Buch als Lehnstuhl-Psychologe. Aber genau das fasziniert.
Prinz hat, wie er selber schreibt, seine Gedanken für dieses Buch über 2 Jahrzehnte hinweg aus Gesprächen mit Kognitionswissenschaftlern entwickelt. Und dann am Manuskript über ein Jahrzehnt gearbeitet. Meine Befürchtung, dem Niveau des Werkes nicht folgen zu können, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Man muss es konzentriert lesen, etwas Vorwissen darf vorhanden sein, aber es liest sich dann doch ganz gut. Auch wenn der Text ins deutsche übersetzt wurde (zuverlässig wie immer von Jürgen Schröter).
Prinz weist auch selber darauf hin, dass die meisten seiner Kollegen eher verständnislos auf seine Vorstellungen reagiert haben. Seine Hauptidee, der menschliche Geist als offenes System, dass sich selber erschafft in Interaktion mit anderen geistigen Wesen, quasi sich darin spiegelt, ist zunächst einmal ein Vorschlag, einer unter vielen.
Aber die Ontologie, die daraus folgt, ist en vogue. Man findet ähnliche Gedanken bei den Philosophen Markus Gabriel, Thomas Nagel, John Searle oder sogar David Hume. Prinz als sozialen Konstruktivisten einzuordnen wäre übereilt, ich finde, nichts spricht dagegen, ihn als einen Naturalisten zu bezeichnen. Da fällt nichts vom Himmel, , da schwebt nichts frei herum, da wird aber auch nicht alles auf die Physik reduziert. Menschliche Subjektivität und Willensfreiheit sind reale (kulturelle) Konstrukte, Produkte menschlicher Interaktion. Das Buch gewährt sehr intime Einblicke in das Denken von Wolfgang Prinz. Man muss nicht immer seiner Meinung sein, aber es lohnt sich die Auseinandersetzung.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der freie Wille konstruiert sich im Handeln, 3. Juli 2013
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Selbst im Spiegel: Die soziale Konstruktion von Subjektivität (Gebundene Ausgabe)
Als 2006 elf führende Neurowissenschaftler in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" ihre Leitthesen zum menschlichen Bewußtsein, mithin zu philosophischen Kernbegriffen wie Ich, Persönlichkeit und freiem Willen verfaßten, nannten sie diesen Beitrag in revolutionärem Gestus bewußt "Das Manifest", da dank neuer Methoden der bildgebenden Verfahren zur Hirnphysiologie fortan klar sein müsse, daß der für das Menschenbild das Abendlandes von Platon bis Descartes kennzeichnende Leib-Seele-Dualismus ausgespielt hätte: Stattdessen wäre alles reduktionistisch-naturalistisch anzuschauen; und was der Mensch sich an freiem Willens einbilde, seien Akte reiner Kausalität – mit all den harten Konsequenzen im ethischen und rechtsphilosophischen Bereich. Es sollte so aussehen, als hätten die Hirnmediziner nach der kopernikanischen, darwinistischen und freudianischen Kränkung jetzt die vierte, alles entscheidende zu bieten – passend zur Profanisierung von Gesellschaft und Politik. Julien de La Mettrie und der Laplacesche Dämon als Gewinner in einem wichtigen Streit. Zu dieser Position hatte die Philosophie allerdings längst viele Fußnoten hinterlassen und neue anzufügen: John R. Searle, Franz von Kutschera, Thomas Nagel, Günter Schulte seien genannt, Thomas Metzinger mit seiner Vorstellung des Ichs als Selbstmodell des Gehirns unterstrichen, auf den Epiphänomenalismus wenigstens verwiesen.
Jetzt Wolfgang Prinz: Die bislang mit den reduktionistischen oder dualistischen Modellen des Selbst eng zusammenhängende Frage nach der Willensfreiheit sieht er nicht als reine Naturtatsache an, sondern stellt das Erleben dessen in den Zusammenhang mit dem sozialen Sein des Menschen. Indem der nicht nur als rein biologisches Wesen anzusehen wäre, schafft er sich als geistiges Agens, als Persönlichkeit, selbst. Sich seiner selbst und somit der Konsequenzen im Denken, Fühlen und Handeln bewußt zu sein, ist keine Vor-Leistung des Gehirns, sondern eine sich in der Beziehung zu anderen herausbildende sekundäre, dabei aber einzigartige Qualität. Es bedarf dazu der permanenten Interaktion im Kollektiven. Was dort in bezug auf die Vorstellungen von Selbst, Welt und anderen geschieht, beschreibe am treffendsten die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus, der – mit Ernst von Glaserfelds Rückgriff auf Giambattista Vico – Wahrheit durch den Begriff des Viablen, des Passenden, ersetzt. Denken läßt sich, so Prinz, nicht vom Handeln scheiden. Zur Steuerung des Eigenen ist es erforderlich, die Handlungen der andern zu antizipieren. Wir spiegeln sie permanent, ebenso wie sie uns. Die generiere Vorstellungen vom jeweils umrissenen Selbst. Das Gehirn an sich ist Organ und als solches weder eine Person noch ein Ich. Letzteres konstruieren wir in Vorstellungs- und Handlungsakten. Darin liegt die notwendige Voraussetzung des spezifisch Menschlichen, also auch Gesellschaftlichen.
Die Lektüre von Wolfgang Prinz erspart eine Menge an philosophiegeschichtlicher Herleitung. Der Autor ist auf dem neuesten Stand und faßt insofern viele Diskurse zusammen – mit einem insgesamt optimistischen Schluß. Doch, der freie Wille hat eine Chance, indem er nun mal, gerade in Konflikten, er-lebt wird. Wer an dieser Stelle philosophisch weiter vordringen will, dem sein ergänzend Peter Bieris Das Handwerk der Freiheit: Über die Entdeckung des eigenen Willens empfohlenen.
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Selbst im Spiegel: Die soziale Konstruktion von Subjektivität
Selbst im Spiegel: Die soziale Konstruktion von Subjektivität von Wolfgang Prinz (Gebundene Ausgabe - 11. März 2013)
EUR 39,95
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