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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Flanieren auf höchstem Niveau
Dieses Buch bringt uns zwei wesentliche geistige Chancen, die eigentlich so nur Literatur uns geben kann: (1) das LANGSAME Entwickeln von Gedanken und Bildern ohne die Hektik einer immer schneller werdenden Bildregie, die das ohnehin viel kürzere 90-Minuten-Vergnügen des Films in immer kleinere Stückchen schneidet, und (2) das Hineindenken in einen anderen...
Vor 18 Monaten von Karl-heinz P. Kohn veröffentlicht

versus
18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es bleibt Leere trotz dichem Stadtgeschehen
Ein bisserl viel des Lobs ist es im Nachhinein. „Ein Buch über das Grundgefühl New Yorks“ sollte es sein, der „moderne Flaneur“ im Geiste von Benjamin und anderen, DER Stadtroman des 21. Jahrhunderts usw. Dazu ist Cole als Autor so eine Art Obama der Literatur; Weltbürger (kommt aus Nigeria, studierte in USA, lebt dort als Autor und...
Vor 16 Monaten von Chris West veröffentlicht


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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Flanieren auf höchstem Niveau, 25. Oktober 2012
Von 
Karl-heinz P. Kohn (Kaiserslautern, Mannheim und Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch bringt uns zwei wesentliche geistige Chancen, die eigentlich so nur Literatur uns geben kann: (1) das LANGSAME Entwickeln von Gedanken und Bildern ohne die Hektik einer immer schneller werdenden Bildregie, die das ohnehin viel kürzere 90-Minuten-Vergnügen des Films in immer kleinere Stückchen schneidet, und (2) das Hineindenken in einen anderen Kopf, das Kennenlernen der Perspektive eines anderen Blicks, die Empathie für ein Ich, das sich von unserem unterscheidet. Beides trainiert unsere Kraft zur Differenzierung, zum Verstehen und damit zum konstruktiven Miteinander. Und dieses Buch macht, was alle echte Kunst macht: es irritiert kräftig unsere eingeschliffenen Wahrnehmungsmuster.
Denn ehrlich: Wer würde erwarten, dass ein noch selbst in Afrika geborener junger Afro-Amerikaner, wiewohl naturwissenschaftlich und psychologisch (als klinischer Psychiater nämlich) ausgebildet, in seinen Assoziationen zu den zahlreichen Orten und Szenen, die er flanierend aufsucht, uns einen Bildungshorizont eröffnet, der einem arrivierten (noch so ein Vorurteil:) europäischen Bildungsbürger alle Ehre machen würde. Ein weiter Horizont von Assoziationen prägt den gesamten Text, der uns in einer seltsamen Leichtigkeit an viele Orte führt: den Kosmos unterschiedlicher Soziotope in der Stadt der Städte - New York, aber (durch autobiographische Erinnerungen) auch nach Nigeria und (durch eine Urlaubsreise) nach Belgien. Und an all diesen Orten gibt uns der Flaneur sinnliche Eindrücke ihrer urbanen Anmutung wieder, begegnet er aber auch unterschiedlichen - meist ebenfalls intellektuell geschulten - Menschen. Denen kommt er empathisch sehr nah, hält aber gleichzeitig auch deutliche Distanz - etwa zum arabischen Studenten in Brüssel, der in so typischer Weise gerechte Kritik am Westen mit unkritischer Selbstgerechtigkeit vermischt oder zum afroamerikanischen Postangestellten, der ihn in ungewollte Bruderschaft vereinnahmen will.
In dieser Distanzierung bleibt der Ich-Erzähler auch ein Einsamer, nicht nur weil es ihm nicht gelingt, sich mit anderen gemein zu machen. Er hat auch keine aktuelle Paarbeziehung, und er erkennt (bei seinem alten Hochschullehrer) die Intimität von Beziehung erst, wenn diese nicht mehr möglich ist.
So können wir als Leser uns nicht mit ihm gemein machen - erst recht nicht, wenn er zum Ende des Buches hin auf einen ungeheuerlichen, wohl berechtigten Vorwurf wieder nur mit kalter Distanz reagiert. Aber wir können ungeheuer viel von diesem universell und kulturell gebildeten Kosmopoliten sehr lernen und ihn auf einer entspannten, aber enorm eindrucksreichen Reise begleiten, die unseren Horizont erweitert.
Dass ein ums andere Mal dabei das enzyklopädisch präsentierte Wissen ein wenig überdosiert erscheint, stört da nur ein wenig. Wer selbst gerne durch Städte flaniert (oder gern mehr flanieren würde) und wer "cross culture" als besonders ertragreiche Perspektive sieht, der sollte sich diesen frischen Text gönnen.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es bleibt Leere trotz dichem Stadtgeschehen, 4. Dezember 2012
Von 
Chris West "karmapilot" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Open City: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein bisserl viel des Lobs ist es im Nachhinein. „Ein Buch über das Grundgefühl New Yorks“ sollte es sein, der „moderne Flaneur“ im Geiste von Benjamin und anderen, DER Stadtroman des 21. Jahrhunderts usw. Dazu ist Cole als Autor so eine Art Obama der Literatur; Weltbürger (kommt aus Nigeria, studierte in USA, lebt dort als Autor und Psychiater, reist und schaut, geprägt aber auch von Old Europe über die Eltern). Alles richtig, aber trotz der sprachlich schönen Momente dann und wann, den scharfsichtigen Blicken auf die heterogene, Multikulti (ganz unromantisch!) Stadt, den Einblicken in „being a black man“ im salat bowl der Kulturen - es fehlt dem Buch an einer Geschichte, selbst wenn man essayhaft, vergeistigte, mit Unter-, Nebensträngen und Rückblicken versehene Bücher mag. Im Grunde läuft ein junger schwarzer Psychiater ohne erkennbaren Grund, leicht melancholisch aber wach durch New York (und eine Weile auch Brüssel) und denkt so nach: Über sich, seine Familie, das Leben als Schwarzer, seinen Beruf, seine Herkunft und die US Gesellschaft in Form von New York. Und das war‘s dann auch.

Ereignisse finden dramaturgisch seltsam auf den letzten Seiten statt, bevor fast am Schluss das Erlebnis eines Mahler Konzerts geschildert wird, bevor der Autor über die Tatsache räsoniert, dass an der Freiheitsstatue (!) Vögel (die freiesten von allen!) sterben.

Hin und wieder eröffnen sich durch Coles Beschreibungen die verschiedenen historischen und kulturellen Ebenen dieser Stadt, ihre Herkunft und hier Heute - aber diese Schichtungen zeichnen ja nicht nur NY aus, sondern so ziemlich jede Stadt dieser Welt: Viel vorher, viele Einzelschicksale, die allermeisten verloren und vergessen. Irgendwo auf diesem ewigen Zeitstrahl ein einsamer Wolf (der Autor), der darüber nachdenkt wie sowas von sowas kommt...

Man könnte an den Invisible Man von Ellison denken, aber Cole bemüht sich jede Form von schwarzer Emanzipation zu vermeiden, ja fremdelt mit den Urformen schwarzer Kultur in den USA wie Jazz. Er ist selbst ein Fremder und bleibt einer. Seine Freundinnen spielen keine Rolle und auch nicht seine Freunde (die man ein einziges Mal trifft als Leser, die dann aber nur in einen Exkurs über die Geschichte seiner Disziplin (Psychologie) als Stichwortgeber zu dienen). Seine Familie wird erwähnt (sein Vater fast gar nicht), seine Mutter, seine Oma - alle bleiben wie Papercuts flach und fern.

Und dann ist das Buch zu Ende. In Erinnerung bleibt nichts. Kein besonderes Gefühl, jedenfalls keine Sehnsucht oder Neugier auf die Stadt, die er erzählen will, auch keine kleine Geschichte in der Großen, die einen über die Komplexität oder Absurdität dieser Welt nachdenken lässt.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig - Ärgerlich, 30. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Open City: Roman (Gebundene Ausgabe)
ich habe dieses Buch aufgrund einer guten Rezension gelesen. Anfangs war ich sehr begeistert, mit welcher sprachlichen Eleganz der Autor einzelne Situationen beschreibt. Je länger ich las, umso ärgerlicher wurde ich, weil es in diesem Buch nicht einen wirklich roten Faden oder eine Entwicklung gibt. Und allein die Aneinanderreihung von Gedanken in Situationen, distanziert geschildert, befriedigt mich nicht. Obwohl der Protagonist über sich selbst und seine Gedankengänge berichtet, bleibt die Schilderung weit gehend blass. Sicher sind einige wirklich interessante Gedankengänge enthalten, die Sichtweise eines Schwarzen in einer weißen Gesellschaft, dazu lohnt es sich aber nicht, die 265 Seiten zu lesen. Wer genug von den durchaus guten Schilderungen hat, bei denen es nicht wirklich eine Entwicklung gibt, kann das Buch durchaus vorher weglegen, ohne aus meiner Sicht etwas versäumt zu haben. Ein Lob an die gute Übersetzerin!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ziemlich großartig, 14. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Open City: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Hier sagt jemand, ohne dass etwas zu passierne scheint, ohne dass eine Handlung um eigentlichen Sinne entwickelt wird, ganz, ganz viel über die Welt, in der wir leben - und das auf eine so grandios sympathische Art, dass es mir die Sprache verschlägt. Bitte lesen.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Stadtspaziergänger, 6. März 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Open City: Roman (Gebundene Ausgabe)
Teju Cole, Jg. 1975, wuchs als Sohn eines Nigerianers und einer deutschen Mutter in Nigeria auf und lebt seit dem Studium als Kunsthistoriker, Schriftsteller und Fotograf in New York. Sein Foto ziert in voller Größe die Rückseite des Buches, was auf ausgeprägtes Selbstbewusstsein schließen lässt.
Und dieses Selbstbewusstsein zeigt sich auch in seinem “Roman”, den der Leseteufel eher als Tagebuch eines Flaneurs bezeichnen würde. Cole hält den Leser mit seinen in erlesene Sprache gegossenen Beobachtungen auf seinen Streifzügen durch New York in Atem. Natürlich geht es dabei auch darum, seine Lebensgeschichte in Assoziationen einzubringen. Wahrscheinlich ist das kleine Buch deshalb so erfolgreich, weil von einem “Schwarzen” solch kultivierte, philosophisch tief schürfende Auseinandersetzung mit der Welt nicht erwartet wird. Und mit dieser Diskrepanz spielt der Autor virtuos.
Er schildert die Geschichte der Stadt anhand der Bauwerke, an denen er auf seinen Wanderungen vorbeikommt. Seine Begegnungen mit anderen Menschen sind geprägt von vordergründiger Empathie, aber eigentlich gilt all seine Empathie sich selbst, die anderen berühren ihn nicht wirklich. So heißt Teil 2 des Buches “Ich habe in mir selbst gesucht.” (S. 194). Passender Weise gibt er seinem Protagonisten den Beruf eines Psychiaters, der ja dafür bekannt ist, Empathie zu zeigen, aber nicht zu empfinden oder nur mit einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne dafür ausgestattet zu sein.

Coles Streifzüge, übrigens auch durch Brüssel, wo er seine Großmutter sucht, aber nicht wirklich finden möchte, könnten jederzeit enden oder auch ewig weitergehen, ein echter Schluss fehlt.
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2 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen die chwarze perspektive, 4. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
hört, hört: ein gebildeter schwarzer (kein gangsta!) spaziert durch n.y. und lässt seinen gedanken und beobachtungen freien lauf. manchmal fand ich (die weisse mit durchschnittsbildung) seine aussagen allzu betont gebildet... die schwarze perspektive ist aber allemal interessant, auch an den schwarz/weissen schnittstellen.
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ARRAY(0xafd99294)

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Open City: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Open City: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Teju Cole (Taschenbuch - 9. Dezember 2013)
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