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HALL OF FAMEam 23. Oktober 2002
Was bringt einen in Köln lebenden deutsch-iranischen Islam-Wissenschaftler dazu, zwei augenscheinlich weit voneinander abgelegene Forschungsgebiete wie Neil Young und islamische Mystik miteinander zu vergleichen? Die Antwort ist einfach: Die Geburt seiner Tochter bzw. die sich kurz danach einstellenden Blähungen, von Medizinern harmlos als frühkindliche "Drei-Monats-Koliken" bezeichnet, die dem Autor (und seiner Frau!) das Leben zur Hölle machten und ihn auf der verzweifelten Suche nach Erleichterung zum CD-Player greifen und seine Lieblingsscheibe einlegen ließen, eben Neil Youngs 1969 erschienenes "Last Trip to Tulsa". Die trotz des Gitarrenlärms vernehmbare, schlagartige Stille seiner Tochter war für den Autor ebenso überraschend wie das Phänomen, dass sich das Baby eben nur mit Neil Young besänftigen ließ - weder Mahlers Vierte noch Pop aus Afrika vermochten da weiter zu helfen - so wurde zur Not dasselbe Stück eben bis zu 16-mal hintereinander abgespielt.
Auch vom Lärm, der zunächst "viel zu laut für ein Baby" aus den Boxen dröhnt, lässt sich das Neugeborene keinesfalls beeindrucken, im Gegenteil, scheint es doch vollkommen in der Musik aufzugehen, und das, obwohl "Last Trip to Tulsa" nicht etwa eines der "vielen harmonischen, selbst Frauen und Kindern zugänglichen, mitunter zugegeben seichten, vereinzelt ... peinlichen Lieder" ist, sondern vielmehr eines, das die Liedstruktur "von innen zertrümmert". Während Kernani in schweren Ausfallschritten schwankend stolziert und seine Tochter wie ein "betrunkenes Kamel" herumschwenkt, kommen ihm über die Jahre die haarsträubendsten Assoziationen und die kuriosesten Welterklärungsmodelle, von Heidegger über Adorno, von der ersten Nassrasur bis zu dem Gefühl, einen "euphorischen, kosmischen Orgasmus" erlebt zu haben.
Kernani ist ein Young-Fan erster Güte, der früher vielleicht geglaubt haben mag, "dass man Neil Young immer braucht, aber inzwischen denkt, man kommt die ersten paar Tage auch ohne ihn über die Runden". Seine Liebe zu Young gipfelt im Lob der sprachschöpferischen Raffinesse einer fünfzeiligen Strophe, die aus nichts als dem 15-maligen tantra-artigen Wiederholen des Wortes "Helpless" besteht. Trotz seiner witzigen Selbstironie ist Kernani objektiv genug, Young einige Schwächen zu attestieren, so z.B. im Gitarrenspiel, seinen Bibel-Kenntnissen oder seinem schwer verständlichen Gebrabbel in Jim Jarmuschs Film "The Year of the Horse" - doch, sind wir ehrlich, wissen wir alle, dass das akustische Verständnis der Texte Neil Youngs ohnehin nicht wichtig ist, weiß man doch sowieso, worum es geht. Dadurch bleibt das Buch lesbar, ohne sich in Fachsimpeleien oder gar Verklärungen des Idols zu ergehen und sogar der musikalische Laie erhält einen gründlichen Einblick in das Werk des Kanadiers.
Gleichzeitig gibt Kernani in seinen Interpretationen immer auch ein großes Stück von sich selber preis. Dadurch stellen sich seltsame Deja-vu-Erlebnisse beim Lesen ein, ja man ist vielfach versucht, Kernani sofort zu schreiben, so sehr spricht er einem von der Seele. Vor allem wenn er die Erklärung für den skurrilen Titel gibt, den er von einer Handschrift, dem „Buch der vom Koran Getöteten", ableitet, worin von Mystikern die Rede ist, die den Koran gehört haben und darüber gestorben sind, was für Kernani keineswegs kurios oder unglaubwürdig ist, da er selbst all seine Wünsche und Erfahrungen der letzten Jahre auf einen einzigen, flüchtigen Moment ausrichtet, nämlich auf den, wenn Neil Young das abschließende "Dead" von "Down by the River" ruft. So ist das "Buch der von Neil Young Getöteten" ein leidenschaftliches, ein fesselndes Buch, aus dem man am liebsten seitenweise zitieren möchte. Es ist voller Enthusiasmus für das Werk eines der größten Gitarristen, es ist das Beste, was je über Neil Young geschrieben worden ist und es ist sicherlich einer der besten Wegweiser über die Leidenschaft zur Rockmusik und ihren Auswirkungen auf das Leben.
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Es geht mir gemeinhin mächtig auf den Senkel, wenn ein Schreiber in seiner Rezension lediglich den Klapptext der Rückseite des zu rezensierenden Buches abschreibt und das ganze dann nur noch mehr oder minder talentiert mit ein paar Worthülsen aus dem Phrasen-Baukasten für Hobbykritiker aufhübscht; noch mehr auf den Senkel geht mir, wenn dabei der Eindruck entsteht, mehr hat der Schreiber vom Buch auch gar nicht gelesen; ganz gleich ob Feuilleton-Profi oder Freizeitaktivist.

Nun hat aber ein Feuilleton-Profi der Frankfurter Rundschau vor Jahren einen so trefflichen Kommentar hinterlassen, den der Verlag völlig verständlich werbewirksam auf der Rückseite des Buches platzierte (leider neben ein paar weiteren Satzkreaturen, die man dank lobender Allgemeingültigkeit auch auf jedes andere Buch hätte drucken können), dass ich hier nun selbst einmal etwas vom Klapptext abschreiben muss; einen Satz nämlich, der so zutreffend die aufkommende Stimmung beim lesen beschreibt, dass er einfach zitiert werden muss (ich würde ja an dieser Stelle gern den Namen des Schreibers erwähnen, nur leider wird bei derlei Zitaten immer so getan, als schrieben die Blätter sich selbst - "Wichtiges Buch" (New York Times), "zu viele Buchstaben, zu wenig Fotos" (Bild), sei es drum), also ein Kommentar aus der Frankfurter Rundschau: "Man möchte, noch im Pyjama, den nächsten Plattenladen aufsuchen und sich mit Neil Young eindecken. Mit allem, was es je von ihm gab!"

So ist es! Nun besitze ich zwar keinen Pyjama und trage demzufolge auch keinen, nenne dafür aber alle offiziellen Alben Neil Youngs mein eigen (inklusive der von ihm seit einigen Jahren in der "Neil Young Archive Series" veröffentlichten offiziellen Bootlegs) und dennoch kann ich den Impuls des Schreibers aus Frankfurt nur zu gut nachvollziehen. Navid Kermani beschreibt persönliche Lebenssituationen in einer intelligenten Hemdsärmligkeit, dass auch Neil Young sich darin erkennen würde, und streut subtil einen feinen, oberflächlich betrachtet nicht unbedingt Menschenfreundlichen Humor ein. Das ganze auf einem wohltuend hohen Sprachniveau, was leider in Literatur über Rockmusiker eher nicht die Regel ist. "Das Buch der von Neil Young getöteten" ist auch weniger ein Buch über den kauzigen Kanadier (und Navid Kermani ist als Publizist auf keinem Feld weniger anzutreffen, als auf dem des Musikjournalismus), sondern viel mehr ein autobiographisches Buch des Autoren mit Fokus auf die Rolle Neil Youngs in seinem Leben; besser der Songs und Platten von Neil Young.

Es beginnt mit den Blähungen seiner damals gerade einwöchigen Tochter und mündet über 140 Seiten, nach vielen Lebensbegebenheiten des damals 35jährigen Kermani, immer öfter in nahezu philosophischen Gedankengängen (und das keinesfalls, weil auch Philosophen zuweilen Blähungen haben, wenn vielleicht auch bedachter als unsereins und dann wohl auch eher mit bedeutungsschwerem Gesichtsausdruck vorgetragen). Neil Young ist immer präsent, irgendein Lied spielt zumindest in Gedanken, meist aber ganz konkret mit hinein; hilft verstehen, begleitet, unterstützt auf wundersame Weise, untermalt als Soundtrack eine Lebenssituation, tröstet, ermuntert, lässt genießen u.s.w.
Und natürlich geht Kermani auf etliche der Songs ein, auf ganze Alben hie und da, und man unterbricht das Lesen immer und immer wieder, läuft zum Plattenschrank, sucht das entsprechende Album heraus, legt es ein oder auf, tippt den gerade beschriebenen Song an und überprüft die Wirkung.

Doch selbst wenn man die Alben nicht griffbereit hat (und dann womöglich das dringende Bedürfnis des zitierten Schreibers oben verspürt), kann einen die beschriebene Zuneigung Kermanis und die kaum überzubewertende Bedeutung der konkreten Songs und letztlich des gesamten Werks von Neil Young für ihn, einfach fesseln und begeistern - und es könnte sein, so man Neil Young nicht schon vor der Lektüre dieses Buches für sich entdeckt hat, dass man dem Autor in einem Gedankengang, den er recht früh im Buch artikuliert, plötzlich trotzdem innerlich zustimmt:
"... aber das gehört eigentlich nicht hierhin, weil ich ein Buch über Neil Young schreibe und dieser erst in das Leben meiner Tochter trat, als sie ihn brauchte (früher glaubte ich, dass man Neil Young immer braucht, aber inzwischen denke ich, man kommt die ersten paar Tage (im Leben) auch ohne ihn über die Runden)..."
Youngs Songs werden von Seite zu Seite mehr zur selbstverständlichsten Lebenszutat, zum Schlüssel für beinah jede denkbare Lebenssituation. Und Situationen, zu denen tatsächlich kein Neil Young Song passen würde, erscheinen einem plötzlich unwert angestrebt zu werden.

Ein wirklich wunderbares Stück Literatur für Neil Young Hörer und wohl auch für jene, für die sich das Gepolter, Geschepper und Gejaule des mürrischen Anti-Rockstars bisher nicht erschloss. Nach dem Buch könnte sich das ändern.

Auch wenn ich nun nicht nochmal loslaufen muss, um mir alle Neil Young Platten ins Haus zu holen, hat das Buch erreicht, dass ich selbiges Bedürfnis verspüre, um mir weitere Bücher von Navid Kermani zuzulegen, auch wenn diese thematisch ganz anders orientiert sind; wenn auch nicht im Pyjama.
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TOP 500 REZENSENTam 19. Juni 2012
"Well i woke up in the morning
with an arrow throw my nose.
there was an indian in the corner
trying on my clothes."

Es gibt Musiker und Dichter, denen wird eine ganz besondere Verehrung zuteil, die über sie hinaus, auf den Mythos von Kunst und deren Erleben selbst zuweisen scheint. Diese Kübstler sind nicht alle signifikant, erfolgreich oder allgemein bekannt - überhaupt eint ihre Kategorie eigentlich nur die Tatsache, dass sie einzigartig und verehrt sind. Wenn etwas sie verbindet, dann ist es die gewaltige, die imposante, eigentlich nicht zu bewältigende Aufgabe, ihr Werk zu erklären, zu beschreiben, es anderen, außerhalb des Verehrerkreise nahezubringen; oder anders gesagt: Es verbindet sie, dass bei jedem das ganze Werk schon so groß ist, wie eine in einem Leben zusammengetragene einzig zu erfahrende Welt.

"Mir kommt es wie Magie vor, was Neil Young mit seiner Gitarre treibt; als verliefen deren Seiten quer durch meine Seele, bringt mich nach einer kurzen Weile jeder Ton, den er anschlägt, zum Beben."

Neil Young ist so etwas wie der Urkünstler, der Mann, der in seinem Leben alles ausprobiert hat, jede Musikrichtung, jeden Stil, jede metakünstlerische Improvisation der Welt - als solcher zumindest war er mir bekannt, bevor ich dieses Buch las. Im Nachhinein habe ich also nur die "außenweltliche" Vorstellung von ihm gekannt; seine Musik hat mich nie so bewegt wie die von anderen Künstlern wie Springsteen oder Dylan, auch wenn einige wirklich enorme Kompositionen doch den Weg in meine Sampler gefunden haben. Was dieses Buch mir nahegebracht hat, sind vor allem seine Texte und die herausragende Kraft einiger mir noch unbekannter Stücke, unter deren Einfluss ich diese Rezension jetzt schreibe.

"If I hold on just one thought
For long enough to know
Why my mind is moving so fast
And the conversation is slow
Burn off all the fog
And let the sun through the snow
Let me see your face again
Before I have to go"

Ich denke - und damit überwinde ich mich, endlich auch richtig über das Buch zu schreiben, was mir schwerfällt, weil es so gering im Ausdruck, aber so groß im Eindruck ist, dass man wenig über das genau Potential sagen kann -, dass dieses Buch nicht nur etwas für Fans, bereits oder zukünftig, von Neil Young ist. Es ist ein Buch für alle, die die Geschichte einer Liebe hören wollen, nur nicht die einer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, sondern die lange, lebenserklärende Liebe zwischen einem Mann und der Musik eines Künstlers, der Kunst eines Künstlers. "Das Buch der von Neil Young getöteten" hat viele Komponenten, eine davon sicherlich die interessanten Vergleiche und Einbringungen des Sufismus, des weiteren die Teile über Vaterschaft und wie immer diverse Fragen des Lebens. Doch letztendlich ist Neil Young der Grund dieses Meeres aus verschiedensten Strömungen und das Buch einfach eine Analyse, eine Annäherung an das Gefühl, da zu sein. Hier zu sein und danach die Erkenntnis, dass es etwas wie Neil Young hier gibt. Dass es Liebe gibt, Glück und Neil Young. Und dass so etwas wie Neil Young, abseits der Dinge, die uns verbinden, etwas ist, was uns außerhalb der Zeit hält, für einige Augenblicke.

"Pardon my heart
If I showed that i cared
But I love you more than moments
We have or have not shared."

Viele werden jetzt meinen und sie meinen richtig, ich hätte zu wenig über das Buch geschrieben. Zu wenig über den Inhalt und dass ich besser gar keine Rezension geschrieben hätte. Vielleicht stimmt das ebenfalls. Und dass es mir ein tiefes Bedürfnis war, über dieses Buch eine Rezension zu schreiben, dass kann ich nicht als Verteidigung anführen, denn es stimmt nicht. Aber dieses Buch hat mich, mit seinem gelungenen Versuch (diese beiden Wörter sagen eigentlich schon alle), so sehr berührt, dass ich selbst versuchen wollte, ihm auf gewisse Weise in einer Rezension noch einmal nahe zu sein.

Man lese dieses Buch, wenn man wirklich einmal etwas lesen will, was einen unvorbereitet mit einer neuen Welt zusammenbringt; und das einem von etwas erzählt, über das man auch in vielen anderen Büchern viel lesen kann, aber sicherlich nicht auf so unvergleichlich verwirrende und besondere Weise.
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am 19. August 2002
und ich dachte, ich wäre der einzig bekennende Neil Young Fan des zentralen Rheinlands, und dann schreibt N. Kermani das Buch, das man immer schon selber schreiben wollte! Ich habe das Buch aufgeschlagen, angelesen, aufgelesen und versucht, meiner Partnerin, die in 2 Monaten mein erstes Kind zur Welt bringt (der geneigte Leser wird wissen, was ich meine)zu erklären, das alles gut wird.
Das Buch ist ein Muß für alle Neil Young Fans, und damit kommen wir zum Problem: Für nicht Neil Young Fans hat das Buch zwar einiges zu bieten (Leidenschaft zur Musik zum Fußball zur Frankfurter Schule zur Mystik etc.), aber es ist nun mal ein Buch, was trotz der oben erwähnten Kriterien den Musiker und Menschen Neil Young beschreibt.
Wenn man allerdings Zeit seines Lebens versucht hat, seinem Partner zu erklären, warum gerade jetzt dieses oder jenes Stück Musik gespielt werden MUSS, wenn man es endlich schaffen möchte, diese Zwangsläufigkeit zu erläutern und nicht mit Unverständnis konfrontiert werden möchte, dann hat das Buch auch für nicht Neil Young Fans seinen Zweck erfüllt.
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am 23. Juni 2015
Diese Buch habe ich förmlich verschlungen. Es steckt voller Weisheiten und Poesie, typisch Kermani. Dass er offenbar großer Neil Young Fan ist, macht ihn mir noch sympatischer. Obwohl ich Neil Young auch sehr mag und auch viel von ihm hab, kannte ich allerdings sehr viele Stücke, auf die er sich im Buch bezieht nicht. Das tut dem Buch aber überhaupt keinen Abbruch.
Anhand von Liedtexten und der Beschreibung der Musikalität der Stücke erklärt Kermani seine Sicht auf die Welt, das ist sehr faszinierend. Beeindruckend ist auch, wie er allein durch gedruckte Worte schafft, im Leser eine Vorstellung vom Klang der Musik zu erwecken.
Eine richtige Handlung hat das Buch nicht, es lebt von der wundervollen Sprache und den glücklich machenden Gedanken, die sich still im Bewusstsein absetzen und dort noch lange nachklingen.
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am 1. September 2009
Dieses Büchlein ist ein Knaller! Das ungewöhnlichste Werk, das ich je gelesen habe. Für Normalsterbliche eine Offenbarung - für Neil-Young-Fans ein Muss! Der Autor mit dem orientalischen Namen schafft das, wozu ich tumber Tor nie in der Lage war: die Begeisterung für Neils sehr spezielle, unvergleichliche Musik in Worte zu fassen. Treffsicher auch die Charakterisierung des Meisters selbst und seiner bevorzugten Kumpane (Crazy Horse) - einschließlich der dazugehörigen Fans!

Was dieses Werk weit über das Niveau sonstiger Musikbücher hebt ist die Leichtigkeit der Schreibweise mit einem hintergründigem Humor (geradezu genial die Idee, als Aufhänger die Schreigewohnheiten seiner neugeborenen Tochter heranzuziehen, die sich ausschließlich mittels N.Y.-Musik in den Schlaf wiegen lässt) und gelegentlichen tiefsinnigen Ausflügen ins Metaphysische.

Letzteres fällt dem Autor auch nicht schwer, handelt es sich bei ihm doch - ich traute meinen Augen kaum - um einen (leibhaftigen) Islamwissenschaftler! Das erklärt den unerwarteten Namen des Schreibers aber auch den Titel des Büchleins (Originalvorlage: Die vom Islam Getöteten).

Nun weiß ich, dass es möglich ist, in beiden Kulturen zu Hause zu sein. Und die Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Verleihung des hessischen Kulturpreises, in dessen Mittelpunkt unser Neil-Young-Fan steht (!), betrachte ich nun mit ganz anderen Augen.

Die Lektüre des Büchleins blieb bei mir übrigens nicht ohne Folgewirkung. Ich fragte mich: Wer solch tiefgründige Betrachtungen über den Godfather of Grunge anstellen kann, was mag der wohl auf seinem eigentlichen Fachgebiet mitzuteilen haben? Und so begab es sich, dass ich - was ich als ein der Spiritualität und speziell dem Islam nicht besonders zugewandter Erdenwurm - sonst nie getan hätte: Ich habe mir ein Kermani-Werk mit dem Titel Dynamit des Geistes - Martyrium, Islam und Nihilismus" reingezogen!

Dennoch lautet der Leitsatz meiner Weltanschauung auch künftig unverdrossen: Rock n Roll will never die!
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am 14. September 2015
Sie kennen und mögen die Musik von Neil Young ? Sie wissen, wie anstrengend Dreimonatskoliken für die Eltern sind ? Sie sind an religiösen und philosophischen Fragen nicht völlig uninteressiert ? Dann sind Sie bei diesem Buch richtig.
Navid Kermani stellte fest, dass seiner Tochter während der Dreimonatskoliken durch mauersprengend laute Musik von Neil Young geholfen werden konnte (glücklicherweise war es nicht Slayer oder Megadeth).
Zugegeben, meiner Tochter hätte ich damals nicht unbedingt Neil Young in voller Lautstärke zugemutet (auch sonst keinen Musiker), eher habe ich ihr selbst vorgesungen, und ja, es war natürlich auch etwas von Neil Young dabei. Allerdings wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein Buch darüber zu schreiben.
Für echte Neil Young Fans bringt dieses Buch wahrscheinlich kaum etwas Neues, für Philosophie- und Religionsfreaks ebensowenig. Warum also lesen ? Weil das, was der Mann hier schreibt, einfach liebenswert geschrieben ist. Die Stärke hat das Buch durch den persönlichen Bezug des Autors zu den genannten Themen. Eine gelehrte Abhandlung wäre für die jeweiligen Freaks wahrscheinlich interessanter, aber das macht ja auch den so reizvoll menschlichen Aspekt dieses Buches aus. Ein liebender Vater schreibt über seine Tochter, seine musikalische Initiation, seine Lieblingssongs und seine Gedanken zu diesen, scheut sich auch nicht, seine Unzulänglichkeiten hinsichtlich Textverständnis oder Interpretation einzugestehen...es menschelt also an allen Ecken und Enden, und über einen durchaus lesenswerten Schreibstil verfügt der Autor auch. Mir hat es ein paar wirkilich nette Stunden bereitet, und in meinem Auto läuft seit langer Zeit mal wieder Live Rust.
Sie kennen oder mögen Neil Young nicht ? Dreimonatskoliken sind Ihnen kein Begriff ? Religion und Philosophie sind für Sie Zeitverschwendung für Spinner ? Dann lesen Sie dieses Buch lieber nicht.
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am 15. August 2002
Ein wunderbares, kleines Büchlein eines jungen Islam-Wissenschaftlers über seine und seiner neugeborenen Tochter Beziehung zu Neil Young und dessen Musik, Stimme, Werk und Wirken auf Erden... Sehr persönlich, sehr gut zu lesen, ÄUSSERST WERTVOLL!!! --- In der Tat spricht mir der Autor in vielen seiner Worte so sehr aus dem Herzen und aus der Seele, dass ich kaum glauben kann, dass das jemand anderes, ein mir persönlich völlig Unbekannter ist! Und zu erfahren, dass ein neugeborenes Mädchen intuitiv mehr als positiv auf Neil Young (und nur auf ihn) reagiert, bestätigt meine eigenen Erfahrungen mit meinem (mittlerweile allerding schon fast fünfjährigen) Sohn, der seit Jahren schon hartgesottener Neil Young-Fan ist (mit einer der jüngsten wahrscheinlich, die Neil auf der EUROTOUR 2001 mit Crazy Horse live erlebt haben!), der ebenfalls niemand anderes als Neil Young als Musikerlebnis akzeptiert...
Wie gesagt, ein wunderbares Buch... Danke, Navid!
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am 26. Mai 2015
Obwohl ich kein ausgesprochener Neil Young Fan bin - das Buch hat mich von Seite 1 an gefesselt. Lesen und immer mal wieder die Songs auf dem Tablett suchen . . . . . . Navid Kermani ist ein begnadeter Schriftsteller.
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am 6. September 2015
Die positiven Rezensionen kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Ich empfand dieses Buch als extrem langweilig und in seiner Zielsetzung unklar. Selbst für jemanden, der sehr sehr viele Neil Young-Platten besitzt, aber zugegebenermaßen nicht alle, also für jemanden, der vielleicht kein Fan im Sinne von Fanatiker ist, aber doch ein "Freund" des Neil Young'schen Schaffens, bleibt wenig, was das Interesse weckt. Am Erhellendsten noch das Gespräch zwischen Young und Jim Jarmusch über das alte und das neue Testament.
Kermani macht den Fehler, finde ich, dass er sich nicht entscheiden kann, ob er einen Essay über das Werk Neil Youngs schreiben, den mystischen Islam, insbesondere den Sufismus vorstellen oder seine Vaterrolle und sein Privatleben auszubreiten soll. Sicher, für den Autor gehört dies alles zusammen, für den Ausenstehenden, d.h. den Leser, bleibt das Buch aber genauso spannend wie wenn ein x-beliebiger Fan über seine Lieblingsband schreibt und ein paar philosophische Ideen dabei einstreut. Ein Fan-Buch eines Fans, der nur um seine persönlichen Vorlieben kreist (Young, Islam, Tochter).

Ich möchte daher die drei Themen Kermais trennen, auch wenn sie für ihn unlösbar zusammen gehören, aber eben nicht für mich als Außenstehenden, was ja mein Problem mit diesem Buch ausmacht.
1. Neil Young: Kermani überinterpretiert die Texte Youngs am laufenden Band, versucht sie mit Adorno. Heidegger und Hegel sowie islamischen Gelehrten auf eine Ebene zu stellen, ohne je in die Tiefe zu gehen und zu begründen, weshalb Neil Young und z.B. Adorno etwas gemeinsam haben sollten. Ich glaube nicht, dass sich Neil auch nur ansatzweise solch tiefschürfenden Gedanken über seine Texte gemacht hat wie Kermani. Die Interpretation ist mir außerdem oft zu subjektiv. Und dann tauchen auch noch Wissenslücken Kermanis auf, z.B. in seiner Fehlinterpretation der Rolle Marlon Brandos im Lied Pocahontas.
Die Analyse von Neil Youngs Musik ist für beinharte Fans sicher interessant, über die lange Strecke fand ich sie aber langweilig. Zudem bietet Kermani wenig, was für mich neu gewesen wäre, ein Song wie Powderfinger wird gar nicht angesprochen.
Klingt jetzt widersprüchlich, aber: zu viel fehlt bei der Betrachtung Youngs als Mensch und als Musiker mit so einer langen Laufbahn. Hätte Kermani lieber nur ein Buch über Neil Young geschrieben, ohne die anderen Themen in diesem Buch, eine Biographie oder was weiß ich, und dann ausführlich. So bleibt es eben Gesabbel eines Fans.

2. Sufismus: ich hätte es vorgezogen, wenn Kermai eine sicher kluge Abhandlung über den Mystizismus im Islam verfasst hätte, wenn er die philosophischen und, wie ich finde, sehr esoterischen Denkansätze z.B. den christlichen Auffassungen, die sich teils stark von den hier angedachten islamischen unterscheiden, gegenübergestellt hätte. (Im Christentum geht es nicht um einen Gott, der seine Schöpfung straft, weil sie ihm misslungen ist - wie kann einem allmächtigen Gott etwas misslingen? - , und daher muss der Mensch im Islam alles tun, um Gott zu gefallen - und dieses Gefallen ist ja dann Auslegungssache -, sondern es geht im Neuen Testatment um Freiheit: der Mensch kann wählen - das scheint mir ein entscheidender Unterschied zu sein. Genauso entscheidend wie der Unterschied zwischen Vergebung im Christentum und Rache im Islam.)
Ja, eine Abhandlung über den Sufismus wäre sicher lesenswert, aber doch nicht mit Neil Young verwurstelt und dann letztlich so oberflächlich. Wie auch immer, diese schwierigen theologischen Gedanken in den Neil Young-Rahmen einzubetten, halte ich für vollkommen misslungen und im Bezug auf Young überzogen.

3. die private Seite: leider erzählt Kermani hier absolut nicht spannend. Hätte er sich auf eine Erzählung konzentriert, in der ein Jugendlicher seine Liebe zu Musik entdeckt, hätte er ein Bild Deutschlands von den 70ern bis heute in einer coming of age-Geschichte entwicklet, in der der Protagonist dann vor die Probleme und Freuden des Vaterseins gestellt wird, um am Ende mit dem Tod konfrontiert zu werden, wäre das vielleicht mit manch einer philosophischen Überlegung dazu toll geworden, denn schreiben kann er ja. So aber pendelt er zwischen privater Befindlichkeit, seiner Beschäftigung mit dem Islam und Neil Young, ohne dass es je befriedigend wird.
Die ganze Geschichte an seiner kleinen Tochter aufzuhängen, scheint mir unglaubwürdig und bietet einen schlechten, weil zu privaten und für andere als den Vater langweiligen Rahmen.

Kurz: Neil Young wird überinterpretiert und zu Tode gequatscht, der mystische Islam nur an der Oberfläche angekratzt, die private Seite gibt nichts her. Da ergibt sich einer nur seinen privaten Vorlieben und Befindlichkeiten. Da könnte ja jeder kommen....
Definitiv auch für Neil Young-Fans gilt die Finger von diesem Buch zu lassen!
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