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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was es bedeutet, soziologisch zu denken
Wer das Buch kauft, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum Liebe weh tut, wird enttäuscht werden. Vielmehr zeigt Illouz auf, dass das, was wir unter "Liebe" verstehen, keine anthropologische Konstante ist, sondern vielmehr das Ergebnis gesellschaftlicher Bedingungen. Da sich diese Bedingungen im Zusammenspiel der Entfaltung des Kapitalismus, der Entfaltung...
Vor 22 Monaten von Fred Moreau veröffentlicht

versus
40 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nichts für einfach denkende Menschen
Obwohl dieses Buch die deutsche Sprache benutzt, möchte ich meinen, ist es in einer Sprache formuliert, die ich nicht verstehe. Ich erkenne nicht, was mir die Autorin erzählen möchte. Es ist über und über mit Fremdwörter bestückt. Auch die vielen Zitate anderer Autoren, stören mich sehr. So daß ich mich frage, hat die verehrte...
Veröffentlicht am 28. November 2011 von Franzl


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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was es bedeutet, soziologisch zu denken, 28. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wer das Buch kauft, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, warum Liebe weh tut, wird enttäuscht werden. Vielmehr zeigt Illouz auf, dass das, was wir unter "Liebe" verstehen, keine anthropologische Konstante ist, sondern vielmehr das Ergebnis gesellschaftlicher Bedingungen. Da sich diese Bedingungen im Zusammenspiel der Entfaltung des Kapitalismus, der Entfaltung der Massermedien, des Verhältnisses der Geschlechter (usw.), kurz: im Prozess der Moderne beständig modifizierten, hat sich die Problemlage der Liebe und ihrer Erfüllung auch kontinuierlich verschoben. Zuletzt durch das Aufkommen von Partnervermittlungsplattformen im Internet. Das alles und noch viel mehr beschreibt Illouz sehr konkret und mit vielen nachvollziehbaren Beispielen (u.a. Interviews). Wer soziologisch denken lernen möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Für Leser und Leserinnen mit Liebeskummer wird "Warum Liebe weh tut" möglicherweise ein Ein-Stern-Buch sein. Ich selbst fand es ausgesprochen instruktiv und musste teilweise lachen, weil Illouz' Beschreibungen Liebender in der Gegenwart grotesk zutreffend sind.
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63 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Qual der Freiheit, 12. Oktober 2011
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Der Buchtitel klingt fast so, als wäre Liebe etwas Schmerzhaftes, was man eher meiden sollte. So ist es natürlich nicht gemeint. Sondern mehr so, dass es schmerzhaft sein kann, sich von sorgsam gehüteten Illusionen über das Thema Liebe zu trennen.

Eine Illusion, der die Autorin im Buch zu Leibe rückt, ist z.B. die Vorstellung, dass die Liebe zwischen zwei Menschen ein romatisches Refugium ist, eine Konstante, auf die die Aussenwelt keinen Einfluss hat. Frau Illouz These ist statt dessen, dass die Liebe, wie alle anderen Dinge auch, dem gesellschaftlichen Wandel unterliegt und von Kultur, techn. Fortschritt und dem Wirtschaftssystem beeinflusst wird.

Unser System ist ja auf Märkten aufgebaut, also dem Zusammenkommen von Angebot und Nachfrage. Und das gilt in immer stärkeren Maße auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Zehn Millionen Singles leben in Deutschland. Fast zwei Drittel von Ihnen suchen ihr Glück mittlerweile auch im Internet.

In dieser Welt der unzähligen Möglichkeiten wird es immer schwerer, sich zu entscheiden, sich zu binden. Jeder glaubt, den perfekten Partner finden zu können, statt sich mit dem Zufälligen zufrieden zu geben. Warum jemanden akzeptieren, den man zufällig auf einer Party kennen gelernt hat, oder mit dem man zufällig in einen Kurs zusammengewürfelt wurde, wenn doch vielleicht schon im Internet nur wenige Mausklicks entfernt der ideale Partner wartet? Und so wird gesucht und verworfen, sich getroffen, sich geliebt - und dann wieder getrennt. Zurück bleiben oft enttäuschte, von den eigenen Erwartungen betrogene Menschen.

Doch was folgt aus alledem? Die Autorin plädiert dafür, sich wieder mehr auf das eigene Gefühl, die eigene Intuition zu verlassen, und nicht auf Matchingspoints und wissenschaftliche Profilanalysen. Denn die Idee der Liebe ist deshalb so kostbar für uns, weil sie nicht eigennützig ist und nicht mathematisch berechnet werden kann. Sie ist absichtslos, und genau das macht die Schönheit der Liebe aus.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selber schuld, 21. November 2011
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Die Vorstellung, das romantische Elend sei hausgemacht, begann ihren unheimlichen Siegeszug wohl nicht ganz zufällig dann, als die Psychologie das tröstende Versprechen abgab, schmerzvolle Liebeserlebnisse könnten überwunden werden. Denn ein Angebot braucht auch eine Nachfrage. Dass die in Marokko geborene Eva Illouz mit ihren Thesen zu provozieren weiß, ist spätestens seit ihren Büchern "Der Konsum der Romantik. Gefühle in Zeiten des Kapitalismus" und "Die Errettung der modernen Seele" bekannt. Aber Illouz ist alles andere als ein weiblicher Bohlen der Soziologie. Ihre kritischen Bestandsaufnahmen sind fundiert und basieren auf zahlreichen anerkannten Studien verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Und dass sie Wesentliches in ebenso prägnanter wie verständlicher Form auf den Punkt bringt, wird dem Leser schon bei der Lektüre der 30seitigen Einleitung klar.

Die Krisenresistenz der Selbsthilfeindustrie basiert auf der Idee, jeder sei für sein Schicksal selber verantwortlich. Doch Eva Illouz will mit ihrem Buch erreichen, dass die Analyse zeitgenössischer Beziehungsprobleme aus neuen Perspektiven in Angriff genommen wird. Die These, dass das moderne Selbst und seine Identität durch ein Bündel sozialen und kultureller Spannungen und Widersprüche strukturiert werden, ist an sich nicht neu. Aber Eva Illouz befreit sie von ideologischem Ballast und populärwissenschaftlichem Unsinn. Das heißt aber auch, dass am Fundament der feministischen Liebeskritik gerüttelt wird. Wörtlich schreibt sie: "Ein Gutteil der feministischen Theorie lebt von der Voraussetzung, dass Macht der grundlegende Baustein von Liebes- und anderen sozialen Beziehungen ist. Folglich muss sie die überwältigende Fülle an empirischen Belegen ignorieren, deren zufolge Liebe nicht weniger grundlegend ist als Macht und darüber hinaus eine starke unsichtbare Triebfeder für soziale Beziehungen darstellt."

Bereits in der Einleitung fragt Eva Illouz nach den institutionellen Gründen für das Elend der Liebe. Und wo die Antworten zu suchen sind, beschreibt sie folgendermaßen: "Wie der Wille strukturiert ist, wie Anerkennung konstituiert und wie Begehren ausgelöst wird, dies sind die drei Hauptachsen, entlang deren ich die Transformation der Liebe in der Moderne analysiere." Damit aber auch alle von den gleichen Voraussetzungen ausgehen, erklärt sie zunächst, was unter Moderne zu verstehen ist. Zur Nüchternheit ihrer Ausführungen gehört auch die Einsicht, dass die Moderne zwar Zerstörung und Elend im großen Stil verursacht habe, gegenwärtig aber keine überlegene Alternative in Sicht sei.

Die Resultate ihrer unaufgeregten Betrachtungen leiert Eva Illouz nicht wie die Protokollführerin eines karitativ tätigen Häckselclubs herunter. Weil sie offenbar an ihre Publikum denkt verwebt die Autorin verschiedene Textsorten zu einer abwechslungsreichen Geschichte. Sie zitiert aus bekannten Liebesromanen, philosophischen Werken und Internetforen. Zudem lässt sie ihre Leser an den aufschlussreichsten Passagen ihrer Interviews teilhaben. Nur ein Register, das punktuelle Interessen entgegenkäme, verwehrt sie ihnen. Und eine genauere Definition, was Soziologen unter freier Wahl verstehen.

Falls man vor der Lektüre dieses Buches noch Zweifel hatte, ob Soziologen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Liebe und den von ihr ausgelösten Schmerzen liefern könnten, dann werden diese von Eva Illouz auf überzeugende Art ausgeräumt. Das heißt auch, dass der Praxisbezug gegeben ist. Vor allem für Leser, die sich in den Bereichen Psychologie, Therapie und Lebenshilfe zu Hause fühlen oder in diesen Themenbereichen journalistisch tätig sind. Doch wie fasst man 400 Seiten zusammen, die uns spannende Zusammenhänge, überraschende Erkenntnisse und unterhaltsame Ausflüge in die Geschichte der Menschheit liefern? Da ich keine akzeptable Lösung weiß, zähle im Folgenden wenigstens die Kapitelüberschriften aus dem Inhaltsverzeichnis auf: Die große Transformation der Liebe oder die Entstehung von Heiratsmärkten - Die Angst sich zu binden, und die neue Architektur der romantischen Wahl - Das Verlangen nach Anerkennung: Liebe und die Verletzlichkeit des Selbst - Liebe, Vernunft, Ironie - Von der romantischen Phantasie zur Enttäuschung.

Mein Fazit: Hätte es überhaupt noch einen Beweis gebraucht, dass Eva Illouz zu den bedeutendsten Soziologinnen der Gegenwart gehört, würde allein dieses Buch genügen. Mit angenehmer Nüchternheit, wissenschaftlicher Sorgfalt und hoher sprachlicher Kompetenz widmet sie sich einer Bühne, auf der täglich menschliche Dramen aufgeführt werden. Und damit das Publikum in den Genuss einer zeitgemäßen Inszenierung kommt, schreibt Eva Illouz Rollen um, bricht altbekannte Täter-Opfer-Schemata auf, entwirft neue Kulissen und bringt ungewohnte Requisiten ins Spiel. Wenn in den geschickt gesetzten Pausen einige Zuschauer den Saal verlassen, liegt dies nicht am Stück, sondern wahrscheinlich am Schmerz, den das Loslassen lieb gewonnener Vorstellungen mit sich bringt.
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52 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von der Modernität des Liebesleids..., 6. November 2011
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Schon lange nicht mehr, habe ich soviel Zeit mit einem Buch verbracht, wie mit diesem. Die 50-jährige Wissenschaftlerin ist Professorin für Soziologie, stammt ursprünglich aus Marokko, lebt seit 10 Jahren mit ihrer Familie in Jerusalem, gibt europaweit Vorträge und Seminare, hat ursprünglich in Frankreich, den USA und Deutschland gelebt. Eva Illouz gehört zu den bekanntesten Soziologen unserer heutigen Zeit, die sogar zu den "zwölf Intellektuellen, die das Denken der Zukunft entscheidend verändern" gezählt wird. Die Tatsache, dass weithin heute Beziehungen, wir reden hier von der Romantischen und der Se*uellen, sich im Grunde chaotisch zeigen, eine Entwicklung, die die Autorin vor Fragen, aber auch eine gewisse Ratlosigkeit stellte, und sie zu Fragen führt wie: Warum ist unser Selbstwertgefühl so eng mit der Liebe verbunden? Litten die Menschen in der Vergangenheit die gleichen Liebesqualen wie die heutigen modernen Menschen? Wohin führen uns die Fragen auf den Einfluss unserer heutigen Kultur, oder auch unser eigener Ursprung, wo der Blick auf beschädigte Kindheiten geht, dem man auf den Grund gehen will. Welche Rolle spielt dabei der psychologische und sozialen Kontakt, in dem sich heute Männer und Frauen begegnen und kennen lernen.

Ehrlich gesagt, finde ich den Buchtitel nicht wirklich zutreffend und geht nur teilweise darauf ein. Ausserdem haben wir es hier mit einer anspruchsvollen, wissenschaftlichen Abhandlung zu tun, die einen soziologischen Ansatz vertritt. Vermutlich trifft der Titel das Leserbedürfnis mehr, als der eigentliche Inhalt, der nur langsam und Fremdwörterlexikon in der Nähe zu bewältigen ist. Eva Illouz, die schon vorausgehend Der Konsum der Romantik: Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus (Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie) (2003), die auf viel Resonanz gestossen ist, dann Gefühle in Zeiten des Kapitalismus: Adorno-Vorlesungen 2004: Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2004 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (2006) und Die Errettung der modernen Seele: Therapien, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe (2009) veröffentlicht hat, beruft sich in ihrem neuen Buch, auf Interviews, einer Auswahl von Selbsthilfegruppen im Internet, zeitgenössischer Romane sowie jene des 19. Jahrhunderts, Ratgebern zur Liebesaffären, zu Partnersuche, zu Ehe und Scheidung, Internet-Kontaktbörsen, diversen Websites und Internetforen zum Austausch von Beziehungsthemen und Diskussionen, sowie einer Analyse, die sie unter dem Namen "Modern Love" in der New York Times durchgeführt hat.

Ihre Fragen drehen sich darum, wie sich die heutige Partnerwahl verändert hat und an welchen Werten sie sich heute orientiert. Diese versucht sie dann mit dem 19. und 18. Jhd. zu vergleichen, ob dabei die bspw. verwendeten Romane einer Jane Austen oder eines Gustav Flaubert (um nur einige zu nennen) genügend ausreichend sind, überlasse ich gerne dem Leser. Wir erfahren wie bspw. Mark Twain um seine damalige Frau, und damaligen Vorzeichen geworben hat.Eva Illouz geht auf Themen ein wie, Liebeswerben, die Bedeutung von Versprechen, die heutige verse*ualisierte Schönheit bei Frauen, der generellen Se*ualisierung des Körpers, die Bedeutung von Schönheit, Se*yness und soziale Schicht, der emotionalisierten Se*ualität, Se*yness als Bewertungsmodus, die heutigen Bedingungen die an den modernen Heiratsmarkt gestellt werden, Se*yness und Attraktivität, die po*nofizierte heutige Kultur, der heutige Paarbildungsprozess, die se*uelle Attraktivität als Statussymbol, ero*isches Kapital, se*uelle Kapitalisten, Se*uelle Attraktivität und Ero*ische Wertigkeit, der Architektur der romantischen Wahl, Freiheit als Markenzeichen der Moderne, der Bedeutungswandel in Ehe und Se*ualität, der Bindungsangst/Bindungsbereitschaft vor allem bei Männern, Archetypen der Moral, der Männlichkeit im 19. Jhd., der Se*ualität als Statussymbol, der Bedeutung von Schönheit und Jugendlichkeit bei Frauen contra Bewusstsein des Alterns, den heutigen Fallstricken der Ehe, die innere Architektur der Liebeswahl, Ausdruck von Moral in gegebenen Versprechen, Rendezvous ohne Liebe und Verbindlichkeit- die Liebe wird auf Eis gelegt, der Wert des Selbst im Kontext von Liebe und Beziehung, ob Liebe demütig macht, Attraktivität als das heutige Hauptkriterium für die heutige Partnersuche, die Erfahrung des Selbstwerts über die romantische Anerkennung, Austauschbarkeit der Partner im Internet, Bewertung + Vergleich mit anderen Pot. Partnern, bis hin zu fiktionalen Gefühlen, die von Tagträumereien und Vorstellungskraft durchdrungen ist. (Beziehungen die vielmehr in der Vorstellung gelebt werden).

Fazit: Aus meiner Sicht wirft diese Studie zwar ein neues Licht, auf den modernen Kontext von Paarbildung und Anspruchsdenken, was die Attraktivität bei der Partnerwahl anbelangt und erlaubt sicherlich auf eine neue Weise darüber nachzudenken. Jedoch, gibt aus meiner Sicht dieses Buch viel zu wenig Antwort, warum heute so viele Beziehungen vom Scheitern gezeichnet sind, oder chaotischen Verläufen unterworfen sind. Illouz zeigt jedoch überdeutlich, die Geschlechteridentitätenbildung im Kontext der modernen Paarbildungsprozess, wo körperliche Attraktivität zu einer Überbetonung mutiert, und Verbindlichkeit und Verantwortung tendenziell eher abnimmt. Wohin der Einfluss des Internets in Punkto Partnersuche und Partnerwahl führen wird, ist nur in den Ansätzen sichtbar aber nicht absehbar. Klar ist auch, dass der Zugang ins Netz vor der Paarbildung nicht halt macht, und sich mittlerweile auch herumgesprochens hat, dass es sich um ein lukratives Metier handelt, zu dem immer mehr Menschen Zugriff nehmen.

Vor allem Männern, schreibt die Autorin eine zunehmende Se*ualisierung zu, mit einer abnehmenden Bereitschaft sich in verbindliche Partnerschaften zu begeben. Aus der Sicht der Autorin sind Männer auf serielle Se*ualität ausgerichtet, dessen Hintergrund Autonomie und Unabhängigkeit sind, der weibliche Selbstwert im Gegenzug jedoch abhängiger ist. Das hier ein gewisses "Konsumdenken" sich abzeichnet, ist wohl nicht ganz zu verleugnen. Illouz versucht in ihrer Neuveröffentlichung, mehr Licht auf Beziehungen zu werfen, die zwar natürlich erscheinen, aber aus ihrer Sicht dann doch soziale Ursachen haben. Eine Liberalisierung der Liebesmärkte, hat zu mehr Austauschbarkeit und der damit verbundenen Verunsicherung geführt. Die Frage ist nur, wohin sich unsere Gesellschaft diesbezüglich entwickelt? "Männer können dem Gebot der Autonomie konsequenter und für einen längeren Teil ihres Lebens folgen und dadurch das weibliche Begehren nach Verbundenheit emotional einfordern" schreibt sie.

Auch wenn ich diese Studie mit Interesse gelesen habe, bleibt sie für mich rationalistisch, theoretisch, verkopft, intellektuell, irgendwo da oben in höheren Sphären. Leider bin ich nie den Gedanken los geworden, dass sich das hier veröffentlichte Gedankengut doch sehr am amerikanischen Denken und Verhalten orientiert. Wer jedoch sich einmal eine Buchlänge soziologischen Gedankenguts in Sachen Liebeswahl und Liebeskultur geben möchte, ist hier sicher gut beraten. Ob die Quellen, aus denen die Autorin schöpft, für solche Thesen und Gedankenansätze hierfür ausreichen, muss wohl der Leser selbst entscheiden, ich halte es jedoch für dürftig. Immerhin hat die Autorin, ihr Werk jenen Lesern gewidmet, denen sie ihre Liebe ausdrückt und das, so Illouz, Männern und Frauen mit und ohne Schmerz!
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anregend, aber etwas pauschalisierend, 27. April 2012
Fundierte soziologische Bücher zum Thema 'persönliche Beziehungen' sind relativ selten. Eva Illouz macht hier eine Ausnahme. Sehr erhellend arbeitet sie die Unterschiede zwischen vormodernen und modernen Beziehungsformen heraus. Die spätmoderne Beziehung sieht sie durch eine Asymmetrie zwischen männlicher 'Beziehungsabneigung' und sexuellem Varianzinteresse und weiblicher Beziehungsorientierung geprägt. Das ist gut geschrieben und mit vielen Beispielen erläutert. Allerdings neigt Illouz zur Pauschalisierung, indem sie nur einen einzigen männlichen und einen weiblichen Typus kennt. Auch die empirische Fundierung ihres Buches bleibt etwas vage. Die Lektüre lohnt sich in jedem Fall, aber hin und wieder wird man ein Fragezeichen setzen müssen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch einer Intellektuellen, 23. November 2011
Ich kann mich den guten und sehr guten Rezensionen nur anschließen und verzichte daher darauf, den Inhalt des Buches wiederzugeben. Mir gefällt es insbesondere deshalb gut, weil es sich gleich zu Beginn mit der zum Teil doch eher platten Freud'schen Annahme auseinandersetzt, nach der eine - vor allem unglückliche - Liebe immer die Beziehung zu den Eltern widerspiegelt und ein Wiederholungszwang einsetzt, dem man nicht entrinnen kann. Das mag auf manche - eher kranke - Beziehungsmuster durchaus zutreffen, ist mir aber immer schon zu undifferenziert gewesen. Frau Illouz hingegen ist eine Meisterin des intellektuellen Diskurses und der Differenzierung. Sie erläutert zu Beginn genau, wie sich der soziologische Blick auf die Liebe vom psychologischen Blick unterscheidet und betrachtet die Liebe in ihrer jeweiligen Ausprägung unter gesellschaftlichen Aspekten. Es fehlt mir ein wenig ein Blick auf das Wilde der leidenschaftlichen Liebe, das Frau Illouz schlicht nicht wirklich in Worte zu fassen vermag. Aber dafür kann man ja auch einen Roman zur Hand nehmen.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die romantische Liebe ist eine APORIE, 28. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Autorin, die Soziologin Eva Illouz, ist in den vorigen Rezensionen hier schon ausgezeichnet vorgestellt worden, so dass ich mich hier darauf konzentrieren kann, die Erkenntnis wieder zu geben, die ich aus dieser wertvollen soziologischen Abhandlung bislang gezogen habe.

Das erst 2011 erschienene Buch ist meiner Lesart nach eine Vervollkommnung ihres Buches : Der Konsum der Romantik.

Es ist ein soziologisches Sachbuch; anders als das persönlicher gehaltene Buch von Christiane Rösinger zu dem ähnlichen Themenkreis " Liebe wird oft überbewertet", die es -ein Sachbuch- nennt, meiner Ansicht nach jedoch, ohne das wörtlich zu meinen.

Illouz ist daher nicht zu konsumieren wie ein Roman.
Ich habe mir Zeit genommen und werde es auch künftig immer einmal wieder zur Hand nehmen, was bei Sachbüchern anzuraten ist.
Wer eine leichtere Kost möchte, ist bei Frau Rösinger besser bedient.

Meine neue, durch dieses Buch gewonnene Erkenntnis ist, dass die Liebe in der Moderne eine andere Aufgabe hat als in früheren Zeiten, eine umfassendere und eine so schwierige- nämlich die, ein zuverlässiges SelbstwertGEFÜHL zu verschaffen - dass sie darin versagen muss, weshalb sie meistens eben WEH TUT.

Sie ist eine APORIE geworden ( Ausweglosigkeit und Unmöglichkeit, eine Frage oder ein Problem zu lösen, da in der Sache selbst oder in den Begriffen Widersprüche enthalten sind ) die ständig über ihre eigenen Füße stolpert.

Früher hatte die romantische Liebe auch schon die Funktion, dem Menschen als sozialem Wesen Wohlgefühl und Sicherheit zu geben, aber da konnte sie das sogar dann tun, wenn sie nicht erwidert, nicht erfüllt wurde. Der Mensch sah sich selbst in der Zurückweisung noch veredelt, und stellte nicht gleich seinen gesamten Selbstwert in Frage.

Das Selbstwertgefühl hing früher noch von vielen weiteren Quellen ab, von denen die meisten sogar wichtiger waren als die Liebe, besser gesagt : das Sich-Geliebt-Wissen.

In den heutigen Zeiten haben die Kriterien zur Beurteilung des Menschen aufgehört, objektiv zu sein, unterliegen also nicht länger der Prüfung durch verschiedene soziale Aspekte mit gemeinsamen sozialen Kodes, sondern sind zum Resultat einer privaten und subjektiven Geschmacksdynamik verkommen.

Hierzu mag ICH eben mal die Juroren der immer mehr werdenden Castingshows erwähnen, von denen sich Heerscharen besonders junger Menschen ebenfalls eine Aufwertung ihres Egos erhoffen, oder wenigstens einmal eine Zeitlang SICHTBAR werden zu können glauben.
Wer nicht Superstar wird, bleibt auf die romantische Liebe angewiesen.

Denn diese ist heutzutage fast die einzige Produzentin von umfassendem Selbstwertgefühl.

Vor allen Dingen für Frauen, die immer noch mehr an ihrem dokumentierten Geliebtsein gemessen werden, als an ihren Fähigkeiten, ihrem Status, ihrer Geisteskraft, ihrer Kreativität.
Und leider definieren sie sich auch meist selber noch mehr über ihre Sichtbarkeit als Frau, als z.B. über ihre beruflichen Erfolge oder ihr jenseits der romantischen Liebe erfolgreiches Sozialleben.

Nach Illouz ( Seite 224) ist " die Liebe ein zentrales Bindeglied- für manche vielleicht DAS zentrale Bindeglied - in der langen Kette der Interaktionsrituale. Das heißt, die romantische Liebe nimmt eine Schlüsselstellung in der Anerkennungsordnung ein, durch die in der Moderne einer Person in Ketten von Interaktionsritualen soziale Geltung zuwächst. Der Grund hierfür ist, dass die Liebe die intensivste und totalste Weise ist, emotionale Energie zu erzeugen, eine Folge der durch sie bedingten Aufwertung des Ich."

Gegen alles das wäre ja nichts zu sagen, wenn jede/r spürbar geliebt würde, und wenn die Liebe nicht eine Schimäre wäre, hinter der mensch täglich erneut 24 Stunden lang her jagen - oder, schlimmer noch, daran ARBEITEN - muss, da sie nie ein zuverlässiger Dauerzustand ist. Nicht nur bei der seriellen Monogamie nicht, sondern ebenso so wenig in den Ehen, die hohen Scheidungsraten unterliegen.
Denn: sie ist nur ein Gefühl.
Also Sand, auf dem nun mal keine Häuser gebaut werden können.

Was heute Anerkennung durch das Geliebtwerden ist - vermeintlich oder tatsächlich - kann sich schon morgen ins Gegenteil verwandeln, und jede/r kennt den Song "Yesterday", oder "Don`t let me down" von den Beatles.

Der Totalverlust des von der Liebe abhängenden Selbstwertes hängt wie ein Damoklesschwert über allen gegenwärtigen Häuptern; die Verlustangst ( Angst vor dem Entzug der Aufwertung des Ich) ist auch in Honeymoonphasen schon immer mit dabei.

Ewig währen kann nur die Liebe von und zu einer Gottheit, die physisch nie präsent ist und für positive Unterstellungen mehr Raum lässt als Männer und Frauen aus Fleisch und Blut.

Hinzu kommt - so Illouz- dass die Liebe in Konkurrenz zu einem zweiten menschlichen Grundbedürfnis liegt, das in der Moderne ebenfalls sehr stark ist : das Bedürfnis nach Autonomie.
Die romantische Liebe ist also, selbst wenn sie - schon oder noch - DA ist, Quelle eines permanenten Konflikts.

Und so kann sie halt nicht anders als hauptsächlich WEH ZU TUN.
Denen, die sich ihrer Unzuverlässigkeit fast immer bewusst sind, schon während der Beziehungen, und den narzisstischen Träumer/innen nach ihrem Entzug; dann um so heftiger.

Das alles schließt natürlich nicht aus, dass die romantische Liebe phasenweise auch sehr gut tut, das Gegenteil von weh.

Das alles wurde mir in diesem Buch erklärt und leuchtet mir ein.
Ein herzliches Dankeschön an Frau Illouz.

Ich kann die Lektüre dieses Werkes nun dringendst empfehlen.

Also, 5 Sterne von mir.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kompass, 21. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Warum Liebe weh tut, ist Kompass und Weg zugleich. Wer den Irritierungen, dem Scheitern, dem nie enden wollenden Fluss des Sehnens nachspüren will, der wird an diesem Buch nicht vorbeikommen.
Mit faszinierender Dichte wird die Linie des Buches in einer modernen Recherche unserer aktuellen Welt eingebunden und löst sich zugleich in die zukünftige Welt im Leser auf.
Abgeholt, bei den Klassikern, entlassen ins Eigene. Eben anspruchsvoll.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges, überaus reflektiertes Buch, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Das Buch von Eva Illouz zeigt explizit, klar und stringent, dass Soziologie mehr Erklärung bietet für ein Phänomen wie "Liebe" als (bio-)psychologische Erklärungsansätze. Sie zeigt, wie mit der Moderne den Einzelnen die Verantwortung für ihr Handeln zugeschrieben wird, wie dieses Handeln aber nur verstehbar wird als ein Handeln zusammen mit anderen unter spezifischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (z. B. durch Medien erweiterte Heiratsmärkte, Ansprüche der Arbeitsmärkte). Eva Illouz leistet eine fundamentale Kritik an kurzschlüssigen Ratgebern und simplifizierenden Therapien, die Autonomie eines wie immer gearteten "Selbst" ins Zentrum stellen, statt zu zeigen, dass Liebesglück wie Liebesunglück aus zwischenmenschlichen Beziehungen resultiert, die unter konkreten kulturellen Bedingungen ausgehandelt werden.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das neue Buch von Eva Illouz, 18. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das neue Buch von Eva Illouz, übertrifft alle Erwartungen. Anhand von hinlänglich bekannten Beispielen erklärt die bekannte Soziologin aus Israel, Beziehungsmythen und Phänomene wie Bindungsangst oder neue Lebensformen wie 'living apart togehter'. Dies tut sie sehr klug und dennoch bleibt sie immer für den Leser interessant und nahbar.
Lediglich der Titel hätte anders gewählt werden, können erscheint das Buch doch zunächst als Selbsthilfelektüre, was es aber nicht ist, vielmehr klärt es auf, warum Liebe in Zeiten des Kapitalismus, in denen die persönliche Autonomie weit über allem steht, immer schwerer zu realisieren ist, da der Glaube an sie eigentlich seit vielen Jahren beerdigt worden ist.
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Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung (suhrkamp taschenbuch)
Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung (suhrkamp taschenbuch) von Eva Illouz (Taschenbuch - 17. September 2012)
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