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67 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen zu nah, zu fern
Sieben Jahre lang, bis zu seiner Emeritierung, habe ich nahezu jede Vorlesung Hans Blumenbergs (1920-1996) gehört - Blumenberg hielt zu meiner Zeit nur noch Vorlesungen, eine war als "Kolloquium" getarnt, das hieß, im Prinzip war es möglich, Fragen zu stellen, allerdings mußten sie mindestens eine Woche vorher schriftlich eingereicht werden. Ihre...
Veröffentlicht am 11. Oktober 2011 von Dr. Achim Engstler

versus
45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur - mehr nicht!
Der Roman ist teilweise sprachlich furios geschrieben, mit überraschenden Bildern und Synästhesien, aber der lustlose Aufbau und die fehlende Spannung machen ihn mitunter zur mühsamen Kopfarbeit. Da ist jemand auf sein eigenes Können hereingefallen, da will jemand zu spürbar beeindrucken. Die Figuren wirken absolut gekünstelt, da kommt weder...
Veröffentlicht am 4. Juli 2012 von hjg


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67 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen zu nah, zu fern, 11. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sieben Jahre lang, bis zu seiner Emeritierung, habe ich nahezu jede Vorlesung Hans Blumenbergs (1920-1996) gehört - Blumenberg hielt zu meiner Zeit nur noch Vorlesungen, eine war als "Kolloquium" getarnt, das hieß, im Prinzip war es möglich, Fragen zu stellen, allerdings mußten sie mindestens eine Woche vorher schriftlich eingereicht werden. Ihre Beantwortung stand in den Sternen der kopernikanischen Welt, und manches Mal glomm sie auf und erlosch wie ein Meteor. Frage: "Wie ist Ihr Verhältnis zu Habermas?" Blumenberg: "Gut." Sprechstunden hielt er nur "nach Voranmeldung", und es brauchte Mut, sich voranzumelden. Dennoch, an einem dunklen Herbstabend des Jahres 1979 war ich in Blumenbergs Sprechstunde. Er empfahl mir Platon, riet entschieden von Aristoteles ab, band mein Fortkommen als Philosph aber daran, daß ich Kants "Kritik der reinen Vernunft" zu lesen habe. "Seite für Seite, auch die Fußnoten", dazu solle ich Notizen erstellen, diese "in einem Schuhkarton" sammeln und im folgenden Jahr mit ebendiesem Schuhkarton wieder bei ihm erscheinen. Das tat ich, zwei Jahre später. Blumenberg sah am Schuhkarton vorbei und empfahl mir als Anschlußlektüre Georg Simmels "Philosophie des Geldes". Ich las stattdessen Blumenbergs Schriften; heute steht alles, was zu Lebzeiten und nach seinem Tode von ihm und über ihn erschienen ist, hinter mir im Regal.
Und dann, aus solcher Nähe, einen Roman über ihn lesen, geschrieben von einer Autorin, die Hans Blumenberg womöglich gar nicht gekannt, nie gesehen, nie gehört hat? Ich habe ein paar Wochen lang gezögert, das Buch dann aber doch gekauft, aus Sammlertrieb, wie ich gestehe, um meine Blumenbergiana lückenlos zu lassen.
Konzeptionell ist "Blumenberg" kein guter Roman; die selbstreflexiven Autoreinschübe wirken unmotiviert, nach zwei Dritteln des Buches gehen Lewitscharoff die Ideen aus, der Rest ist zusammengestückt. Die Nebenfiguren bleiben weitgehend uninteressant, daß sie allesamt sterben, mag angehen, am Leben bleiben könnten sie auch. Vor allem aber: Lewitscharoff findet nicht den rechten Abstand. Minutiöse biographische Nähe auf der einen Seite, die sich Auskünften von Blumenbergs Tochter Bettina verdankt, erstaunliche Ferne zum Denker Blumenberg auf der anderen. Seine Philosophie, deren zentrale Stücke griffig genug sind - "Säkularisierung als Selbstbehauptung", "Arbeit am Mythos", "der Absolutismus der Wirklichkeit" -, tropft durch die Seiten wie dünner Kaffee durch einen Filter.
Und doch, trotz allem, habe ich das Buch gerne gelesen, weil Lewitscharoff klassisch schöne Prosa schreibt, und weil der Löwe da ist. Ein emblematischer Einfall, der selbst Blumenberg gefallen hätte (vgl. Hans Blumenberg, Löwen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2010).
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78 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Löwe auf dem Teppich, 20. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sibylle Lewitscharoffs Roman "Blumenberg" beginnt im Mai 1982.
Eines Nachts - der Philosoph und Münsteraner Universitätsprofessor Blumenberg geht seiner allabendlichen Arbeitsroutine nach - liegt plötzlich ein Löwe mitten auf dem Teppich seines Arbeitszimmers. Nicht mehr der Jüngste, aber dennoch majestätisch und imposant, wird der Löwe ein ständiger Begleiter Blumenbergs, gibt ihm Kraft, besucht ihn jeden Abend in seinem Arbeitszimmer, fährt auf der Rückbank seines Autos mit und taucht in seiner Vorlesung zum Thema "Trost" auf. Keiner der Studenten kann den Löwen sehen, doch vier scheinen seine Anwesenheit zu spüren.
Isa, die junge Frau aus der ersten Reihe, die sich in einer an Besessenheit heranreichenden Verliebtheit in Phantasien mit ihrem Professor flüchtet, Gerhard, ihr Freund und der wohl begabteste Student Blumenbergs,durch den frühen Tod beider Eltern ein Waise, Richard, der von Südamerika träumt anstatt vom Abschluss seines Studiums und Hansi, ein Poet, den keiner versteht und fast alle für schwachsinnig halten.

Sibylle Lewitscharoff webt in ihrem Roman eine Geschichte um Blumenberg und diese vier Studenten. Schnell wird klar, dass jeder seine Probleme hat und einen Unterstützer wie den Löwen gebrauchen könnte. Der Philisoph Blumenberg ist in seinen biographischen Daten mit dem realen Philosophen Hans Blumenberg identisch, der Romanheld und auch seine Familienmitglieder lassen aber den Vornamen vermissen, die Handlung ist rein fiktiv.

Charmant und melodisch wirkte auf mich der Stil dieses Romans. Die Sprache ist mutig, nicht alltäglich und um keine Neuschöpfung verlegen. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Witz, ein wenig Ernsthaftigkeit in den Schicksalen der Protagonisten und ein fulminantes, der Realität entgültig entflohenes Ende.

Sehr gelungen finde ich auch die Einschübe des "Erzählers", in welchen "er" auf sehr unterhaltsame Weise sein oft grausames Vorgehen mit seinen Figuren rechtfertigt oder seine Wissenslücken und dichterischen Freiheiten eingesteht.

Insgesamt ist "Blumenberg" besonders durch das intelligente Sprachtalent der Autorin für mich ein Roman, der in der heutigen Literatur seinesgleichen sucht.
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45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur - mehr nicht!, 4. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman ist teilweise sprachlich furios geschrieben, mit überraschenden Bildern und Synästhesien, aber der lustlose Aufbau und die fehlende Spannung machen ihn mitunter zur mühsamen Kopfarbeit. Da ist jemand auf sein eigenes Können hereingefallen, da will jemand zu spürbar beeindrucken. Die Figuren wirken absolut gekünstelt, da kommt weder echtes Gefühl noch irgendeine Form von Aha-Erlebnis auf. Null Identifikationsmöglichkeit. Der Roman ist ein gekonntes, aber nutzloses Spiel, und man fragt sich nachher: Was wollte die Autorin mir als Leser damit übermitteln? Ich kann die begeisterten Reaktionen der professionellen Rezensenten überhaupt nicht nachvollziehen. Eine langweilige, gekünstelte Geschichte, von der am Ende nichts übrigbleibt.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nicht jedermanns Sache, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Nicht nur für Blumenberg-Experten" - da muss ich heftigst widersprechen. Ich kannte Blumenberg zuvor nicht, hatte vor dem Kauf keine Rezension gelesen und habe mich durch den, man nennt das Buch unpassenderweise so, Roman gequält. Wenn in vielen Rezensionen die subtilen Anspielungen lobend erwähnt werden, heißt das nichts anderes, als dass nur derjenige etwas damit anfangen kann, der (Achtung, Anspielung!) in den Siebziger Jahren in den Vorlesungen eines Münsteraner Philosophie-Professors gesessen hat. Wer dieses Vorwissen nicht hat, wird sich fragen: Was will die Autorin uns damit sagen? Ich jedenfalls, habe Seite um Seite auf eine Antwort gewartet.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gehirnte Formulierungen, 16. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ja, sie hat Preise gewonnen, ja, sie ist eine große Schriftstellerin, ja, auch originell, aber: Nein, ich mag weder die Sprache, noch die Figuren. Scheint so, als würde Lewitscharoff sich heimlich lustig machen über ihr Personal und der kokette Sprach-Stil ist ermüdend.
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25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über Verweise und Reflexionen und deren bildhafte Eintragung in die Welt., 25. September 2011
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Man geht zu Grunde, wenn man immer zu den Gründen geht."
(Friedrich Nietzsche, KSA 13)

Auf dieser sehr klaren Basis Nietzsches lässt sich Blumenberg verstehen, der selbst einmal schrieb: "Mein Resultat ... ist, daß die Philosophie etwas von ihrem lebensweltlichen Ursprung aus der Nachdenklichkeit zu bewahren, wenn nicht zu erneuern hat. Kultur ist auch Respektierung der Fragen, die wir nicht beantworten können." Ihm, dem großen Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996), eine Hommage zu erweisen, ist das gelungene Anliegen dieser brillanten Autorin. Sie möchte ich einordnen in die moderne Reihe von jungen Schriftstellern, die sich reale Personen als Anlass nehmen, biographische Real-Fiktion zu schreiben. Alissa Walsers Am Anfang war die Nacht Musik ist so ein Beispiel, in dem der Magnetismus Mesmers beleuchtet wird und ebenso die wunderbare Schopenhauer Replik von Poschenrieder: Die Welt ist im Kopf ist hier zu nennen.

So gelingt es auch Sibylle Lewitscharoff (1954- ) mit Sprache, Gefühl und Verstand sich dem Münsteraner Professor zu nähern, dem in seiner Philosophie die "absolute Metapher" von besonderer Bedeutung war. Und tatsächlich scheint hier deutlich zu werden, dass all dem Anschaubaren etwas Begriffliches gegenübersteht, allen Begriffen jedoch nicht immer eine Anschauung, ja nicht einmal eine Imagination zu Hilfe kommt. Diesen Dingen, Begriffen, die sich jeder Anschauung entziehen, ein anschauliches Bild zu geben, ist eben jene absolute Metapher, die auch hier entwickelt wird.

Diesem Blumenberg erscheint ein Löwe, mal ist er da, mal nicht. Sich ihm zu nähern scheint sicher, ihn zu erreichen fast unmöglich. Zumindest ist er so etwas wie ein alter ego, der die Besonderheiten anderer Seiten spiegelt. Dass in der Universität unterschiedliche Studenten ihn "bemerken", ist nicht verwunderlich. Es sind vier, denen es gelingt. Sie sitzen so verstreut im Hörsaal, als wenn sie aus den vier Himmelsrichtungen ihn beobachten, wenn man will aus der Perspektive der Welt. Und so wie Blumenberg aus der Sprache Ideen, Zusammenhängen und Philosophie entwickelt, so auch diese Autorin. Sie verfolgt im Grunde ihre Ideen in der typischen Art Blumenbergs und führt und verführt den Leser so, teilzunehmen an einer bildhaften und ebenso themenhaften Genese seiner Wissenschaft. Die Betrachtung von allen Seiten ist eine Entwicklung, die zu dieser "Lesbarkeit der Welt" führt, in der ein Gedanke den anderen beflügelt; und über sich hinaus in eine höhere Welt wächst.

Und so lesen Sie von Wahrheit, von Trost, von der Tiefe der Fragen und spüren auch den Sarkasmus oder eine sanfte Ironie, wenn mit spitzen Fingern, Flaschen entsorgt werden und dabei das Trostbedürfnis im Verhältnis zur Trostunfähigkeit behandelt wird. Und alles was erzählt wird, ist eben auch endlich. Denn es gilt zu wissen, wo die Zuständigkeiten eben enden und sonstiges beginnt. Es beginnt dieser Roman mit dem Jahre 1982, Blumenberg als Professor in Münster, wohnhaft im beschaulich münsterländischen Altenberge und er endet über die brennenden Fragen nach Wahrheit, Liebe und Tod mit der zweiten Menschwerdung in Poesie: aus der Verwesung des Adam folgt ein geistlich Auferstehen. Für Blumenberg galt dieses jedoch: "Wir leben nicht lange genug, um zu werden, was wir sein können, weil wir zu lange zu lernen haben, was wir sein müssen, um leben zu können."

Es ist eben ohne Metaphysik nichts zu machen, wenn es um die Nachdenklichkeit gut bestellt ist.

Und der Löwe bleibt in der Vielfalt seiner historisch-philosophisch-literarischen Bedeutungen und erhebt doch durch mystische, gar Nonnen bezeugte Anwesenheit Blumenberg anerkennend in den Himmel der letzten großen Philosophen. Blumenberg erhält diese Ehre mit dieser Hommage jedoch so vollendet, dass das Rätsel des Löwen und den Menschen ihr Ergründen bewahrt bleibt.

Intelligente, sprachlich eindrucksvolle Romangestaltung mit Leseempfehlung.
~~
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unterhaltsames Buch, nicht nur für Blumenbergkenner, 25. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Insofern eignet sich Blumenberg nicht als Hommage an den bekannten Philosophen. Der im Roman gezeigt Professor ist an seinen Studierenden wenig interessiert und kreist gehetzt um sich selbst, auch, um aufzuholen, was er an intellektueller Betätigung als Halbjude unter der Nazidiktatur verpassen musste. Selbst den Besuch bei einem sterbenden Freund, mit dem er eine einprägsame Ägyptenreise unternahm, absolviert er als Pflichtübung, die seinen persönlichen Zeitplan unnötig durcheinanderbringt.

Die Rolle des Löwen in Blumenbergs Werk und in der christlichen Mythologie setzt die Autorin als bekannt voraus und spielt mit Anspielungen und Querverweisen. Hier wäre eine allgemeine Erläuterung im Rahmen des Romans wünschenswert gewesen.

Die Randgeschichten der Studierenden helfen dabei, die Haupthandlung im wissenschaftlich-interessierten Milieu anzuordnen und dienen indirekt der (meist unvorteilhaften) Charakterisierung Blumenbergs. Dennoch wirken sie etwas unpassend und eingeschoben, es erschließt sich nicht immer, welchen Beitrag zur Haupthandlung diese beisteuern sollen. Als eigene Nebenhandlung sind sie wiederum zu kompakt. Ein bisschen drängt sich der Eindruck auf, die Autorin hätte einige Ideen, die ihr seit Längerem im Kopf rumschwirrten, endlich mal verarbeiten wollen.

Dennoch entsteht im Gesamtbild ein stimmiger Roman, der das Leben Blumenbergs und die akademische Welt seiner Schaffenszeit interessant beleuchtet.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langweilig, mindestens für Nicht-Philosophen, 13. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Löwe im Arbeitszimmer eines Denkers - ein schönes Motiv, das immer wieder schön ist, wenn es immer wieder neu gestaltret wird. Nur kehrt es leider im Roman immer wieder, ohne neu gestaltet zu werden. Wer Blumenberg kennt und schätzt, ist von diesem Buch sicherlich begeistert. Es geschieht wohl sehr selten, dass ein Professor von so einer fähigen Autorin ein literarisches Denkmal gesetzt bekommt. Und die Blumenbergverehrer werden begeistert und vielleicht sogar dankbar sein. Wer aber mit Blumenbergs Philosophie noch nicht in Berührung gekommen ist, kann damit nicht viel anfangen. Die meisten Bücher lese ich zu Ende, aber dieses habe ich beim besten Willen nicht geschafft. Denn die anderen Figuren des Romans geben leider nicht viel her. Und der Löwe auf die Dauer eben auch nicht.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Achtung: Anspruchsvoll!, 20. Februar 2013
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hans Blumenberg war ein deutscher Philosoph an den Universitäten in Hamburg, Gießen, Bochum und Münster, wo er 1985 emeritierte. Dieser Roman behandelt einen fiktiven Hans Blumenberg und beobachtet diesen in seinem Wirken in häuslicher Umgebung und bei seinen Vorlesungen in Münster. Angelehnt ist das Motiv die Geschichte an seine Betrachtungen "Löwen". Neben ihm stehen vier seiner Studenten im Blickpunkt: Gerhard, ein Verehrer seines Wirkens, Isa, die sich in den ältlichen Professor verliebt, Richard, den Flüchtenden und Hansi, den verstörenden Poeten. Allen vieren ist früher oder später, meistens früher, dasselbe Schicksal beschert.

Sibylle Lewitscharoff macht in diesem Roman weder um Heidegger noch um Husserl, nicht um Nietzsche noch um Beckett einen Bogen, streift Hannah Ahrendt genauso wie Siegmund Freud. Für in der Philosophie gänzlich Unbedarfte könnte das an der einen oder anderen Stelle zu viel des Guten sein. Auch sprachlich ist der Roman eher etwas für Liebhaber der deutschen Sprache als für Leserinnen und Leser auf der Suche nach einer guten Geschichte. Wenn sie Seerosen in Südamerika als "von einer Größe und Stärke, daß ein mageres Knäblein wohlbehalten darin schlummern konnte" beschreibt, dann darf man zwischenzeitlich an der Aktualität und dem Zeitgenössischen des Buches zweifeln.

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2011 hat es der Roman sogar auf die Shortlist geschafft. Empfehlen würde ich einen dem Kauf vorgeschalteten Blick ins Buch, falls sich jemand für das Werk interessiert. Nicht jede und jeder kann mit Sujet und Sprache etwas anfangen. Es handelt sich definitiv nicht um Mainstream-Literatur.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man versteht dieses Buch auch ohne Blumenberg studiert zu haben, 7. Dezember 2011
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieser stilistisch exzellente und hinreißende Roman der Stuttgarter Religionswissenschaftlerin ist eine Hommage an den 1996 verstorbenen Philosophieprofessor. Wenn auch die titelgebende Hauptfigur dieses für den Deutschen Buchpreis vorgeschlagenen Romans der Philosoph Hans Blumenberg ist, der von 1970 an bis zu seiner Emeritierung tatsächlich in Münster lehrte, so handelt es sich hier nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um eine Biographie. Die Autorin macht, in diesem eigentlich literarischen Versuch, den wegen seiner Zurückgezogenheit bekannten Professor zu einer Figur, die mit Metaphern und Mythen darüber reflektiert, wie wir über die anthropologischen Hintergründe unseres Denkens zu "Innenansichten fremder Subjektivität" gelangen, weil die "technisch dauerhaft realisierte Visibilität" schier nicht zu ertragen ist. Einfacher ausgedrückt, wie wir mit Metaphern und Bildern unser Denken durchstrukturieren.

Der Blumenberg des Romans ist sehr erfolgreich in der "Dringlichkeit des Gedankenfernen", so dass der auf dem Cover abgebildete Löwe plötzlich im Arbeitszimmer des Professors auftaucht und ihn mit seiner Präsenz belohnt. Dieser im weiteren Verlauf des Romans immer wieder auftauchende und verschwindende Löwe, hinterlässt keine Spuren und er ist für niemand außer Blumenberg sichtbar. Vielleicht ist es ein Hirngespinst und der Professor blendet den Gedanken aus, sich den Löwen nicht anwesend zu denken. Blumenberg Fans wissen, dass dieser "Die Beschwörung des Abwesenden" für eine Überlebensnotwendigkeit der menschlichen Spezies hielt, um sich schließlich auch angesichts des "Absolutismus der Wirklichkeit" behaupten zu können. So denkt der Professor nun über den Löwen in Natur, Kultur und Religion nach.

In Anlehnung an Blumenbergs "Trostbedürftigkeit" ist der Löwe Kraftquelle und Trostspender zugleich und so fühlt sich der Professor von der Mission zum Realismus befreit, betrachtet den Löwen staunend, ohne ihn zu berühren und versagt ihm auch nicht, ihn in den Vorlesungssaal zu begleiten.

Natürlich finden auch die von Blumenberg faszinierten Studenten und Bewunderer ihren Platz im Erzählkonstrukt von Sibylle Lewitscharoff, aber aus unerfindlichen Gründen ereilt sie, fast unbeachtet von Blumenberg, ein früher und in der Art und Weise unterschiedlich, grausamer Tod.

Das eigentliche Thema dieses komplexen Romans, bei all dem munteren literarischen Fabulieren, ist ein theologisches. Es ist ein großes intellektuelles Vergnügen mit welcher Leichtigkeit und Klugheit die Autorin damit umgeht, denn Blumenberg war immer ein bekennender Atheist, wenn auch eine gewisse Ambivalenz darin zu sehen ist, dass er einerseits die Neuzeit gegen die mittelalterlichen Glaubensgrundsätze vehement verteidigt hat, andererseits aber erstaunlicherweise von den metaphysisch theologischen Fragen jener Zeit so wahnsinnig verzaubert war.

Anspruchsvolle, intelligente Unterhaltungsliteratur die sich der wirklichkeitsgetreuen Darstellungsweise zeitgenössischer Literatur Herz erwärmend versagt. In einer Buchbesprechung heißt es zutreffend, "Blumenberg ist ein königliches Lesevergnügen, weil es im Kontext der Romanwirklichkeit absolut glaubwürdig ist, dass in der Studierstube eines an die Einsamkeit gewöhnten Professors ein Löwe erscheint." Der Roman steckt voller Verweise auf Blumenbergs Werk, doch dass muss man eigentlich gar nicht wissen um an den Buch Gefallen zu finden. Für mich auf jeden Fall ein großartiges Buch und eine gelungene Erzählkonstruktion, bei der einem schon nach den ersten Seiten gemütlich-wuschelige Wollsocken an den Füßen wachsen.
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Blumenberg: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Blumenberg: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Sibylle Lewitscharoff (Taschenbuch - 10. Dezember 2012)
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