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Kundenrezensionen

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am 5. Februar 2009
Ich habe selten ein Buch gelesen, das die Widersprüche, Konflikte und Schönheiten des Lebens auf solch überzeugende Art und Weise zu einem Ganzen, Sinngebenden formen konnte.
Der junge hübsche Goldmund verkörpert die Seele eines Sinnesmenschen, der genießt und verschwendet, verführt und liebt, träumt und leidet, ganz und gar die Schöpfung eines Gottes in sich aufnimmt, an den er nicht glaubt.
Der stets beherrschte und streng gläubige Narziß hingegen steht für den Denker, dem sich die Welt in Form von Texten, Sprachen, Gebeten und Formeln erschließt. Alle Lebendigkeit, die sich den Trieben und Sinnen eines Menschen erschließt, verkörpert für ihn die Sünde.

Zwischen den beiden Figuren entsteht trotz oder gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit im Wesen eine tiefe Freundschaft und Liebe füreinander, in der jeder der beiden in der Bewunderung für den jeweils anderen aufgeht.

Goldmund zieht schließlich als Landfahrer in die Welt hinaus, während Narziß seiner Laufbahn im Kloster folgt und es bis zum Stand des Abtes bringt. Es vergehen viele Jahre bis die zwei auf unerwartete Weise und in einer verzwickten Situation wieder aufeinandertreffen und sich eine Menge zu erzählen haben.
Unter den vielen Fragen, die beiden auf der Seele brennen ist auch die alles Entscheidene Frage nach dem Sinn des Lebens, der hier vielmehr in der Überwindung des Vergänglichen gesehen wird. Diese Frage wiederum ist v.a. für den rastlosen Goldmund nur unter Beachtung des Konflikts zwischen dem Denker und dem Künstler zu beantworten, da es dieser Widerspruch ist, der ein ganzes Leben lang in ihm lodert. Er wäre gern beides, der Sinnesmensch, der das Leben in vollen Zügen mit aller Leidenschaft genießt und zugleich der Denker, der sich auf die gesammelten Eindrücke der Wanderschaft in aller Ruhe besinnen kann, um sie der Vergänglichkeit zu entreißen. Goldmund bedient sich hierbei der Bildhauerei und erschafft etliche Figuren, die verschiedenen bewegten Etappen seines Lebens entspringen und somit noch viele Jahre, mindestens sein Leben überdauern werden. Aber mit der Arbeit an seinen Figuren erschöpft sich auch sein Vorrat an Kraft, seine Eindrücke des Lebens und er wird von Neuem in die Welt hinausgezogen.
Narziß hingegen verbringt sein gesamtes Leben im Kloster, widmet es dem Lernen und Lehren von Schülern und entreißt der Vergänglichkeit somit auf ganz andere Art und Weise seinen Geist.

Als Narziß und Goldmund schließlich wieder zusammentreffen, beneidet einer den jeweils anderen, denn beiden wurden Opfer abverlangt. Narziß hat nie die Lebendigkeit der Welt und seiner selbst , Goldmund hingegen nie die Wärme einer Heimat, Sicherheit und Geborgenheit spüren dürfen und doch muss man den beiden zugestehen die jeweils richtige Entscheidung getroffen zu haben. Am Ende steht die Erkenntnis, dass jeder sich entsprechend seines Gemüts und Geistes im Leben und auf Erden verwirklicht hat und es ihnen einzig dadurch gegeben war, ein Stück ihrer selbst und des Lebens der Vergänglichkeit, dem Tod zu entreißen und die Nachwelt mit sinnlicher und wissender Erfüllung zu bereichern.

Fazit:
Dieses Buch ist auch sprachlich meisterhaft geschrieben und ein wirklicher Genuss. Ich kann es nur jedem empfehlen, der nach einem Werk sucht, welches den Geist nicht mit dem Zeigefinger sondern auf liebevolle Art und Weise bereichert und gleichzeitig unterhaltsam ist.
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am 30. März 2004
Auf Empfehlung eines lieben Bekannten hin hab ich "Narziß und Goldmund" gekauft und gelesen - mein erster Hesse.
Ich hätte nie gedacht, dass jemand mit Worten so sehr "malen" kann! Zu jeder Beschreibung entsteht ein genaues Bild vor Augen. Ein Buch, dass so viele versteckte Wahrheiten, Träume und Sehnsüchte in sich hat, ist mir noch nie untergekommen.
Auf der einen Seite ist der kühle, intelligente, wissenschaftlich-denkende Narziß, dem Logik alles bedeutet, und der doch einen Blick dafür hat, was in anderen Menschen vorgeht. Und auf der anderen Seite ist sein Freund Goldmund, der schöne, gefühlvolle, künstlerische, charmante Träumer. Er zieht durch die Welt, von Frauen geliebt, vom Leben gezeichnet, immer auf der Suche nach neuen Zielen und Emotionen. Zwei offensichtlich verschiedene Charaktere, die doch die Zuneigung zueinander gemeinsam haben.
Es ist ein Buch voller Wahr- und Weisheiten. Es regt an, über das Leben nachzudenken, über das Sein, über richtig und falsch...! Wenn man mit dem Buch fertig ist, ist man irgenwie von einer höheren Zufriedenheit erfüllt. - Ein schönes Gefühl!
Es ist ein Buch für jeden, der noch Emotionen in sich hat und wirklich leben will. Nicht nur seichte Ablenkung, sondern eine intensiv fesselnde Wirklichkeit!
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am 5. Dezember 2006
Hermann Hesses "Narziß und Goldmund" ist eine einzige Schönheit, sprachlich wie inhaltlich gesehen. Dabei ist es kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Studie und eine Verbeugung vor der menschlichen Seele und ihrer verschiedenen Charakterzüge. So verschwendet Hesse hier auch nicht viel Zeit mit Zeit- und Umgebungsbeschreibungen, vielmehr konzentrieren sich Hesse und der Leser gleichermaßen auf die beiden Hauptpersonen und somit auf zwei Grundformen des Menschengeschlechts: Narziß ist ein Denker und konzentriert viel Zeit und Mühe auf die Arbeit und seine Taten, anstatt seinen Gefühlen freien Raum zu lassen. Ihm gegenübergestellt wird Goldmund, der ein Träumer ist, also voll von Leidenschaft und Gefühlen, aber auch voll von Lastern.

Diese beiden, der Denker und der Träumer, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick sein mögen, finden bei Hesse zueinander. So finden die beiden vor den Augen Hesses und des Leser heraus, dass zwischen ihnen ein Band geknüpft ist, dass sie sich brauchen und dass sie in ihren Grundzügen verwandt sind, obgleich sie doch das genaue Gegenspiel des anderen sein sollten. Sie finden heraus, dass sie beide Stärken und Schwächen haben, dass sie jedoch auch beide ein "Daseinsrecht" besitzen.

Der Leser ist gefesselt von diesem Blick in die Seele der Schöpfung Mensch und erkennt sich in dem Buch desöfteren wieder. So geht Goldmund auf Wanderschaft, mit dem Ziel ein Bildnis seiner Mutter (die für Liebe, Leidenschaft, Tod, Leben, Trauer, Freude und andere Gefühle und Sehnsüchte des Menschen steht) zu finden und ihre wahre Gestalt zu ergründen. Der Leser folgt ihm, doch nicht durch die Lande, sondern durch die Seele. Dies ist für den Leser keine Reise durch die materielle Welt, sondern wir unternehmen eine Reise durch die Geistes- und die Gedankenwelt. Und so erkennen wir am Schluss, zusammen mit Goldmund und Narziß, das Geheimnis der Mutter und somit das Geheimnis des Lebens und der Suche des Menschen nach einer Lösung für die Komplexivität des Lebens.

Somit ist "Narziß und Goldmund" ein außergewöhnliches Buch, ein Blick in die Menschen, dass ebenso rührt und verzaubert, wie es zum Nachdenken anregt. Ich vergebe fünf Sterne und meine Hochachtung vor diesem literarischen und psychologischen Meisterwerk.
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am 18. Januar 2012
... und das vielleicht schönste, das ich je gelesen habe.

Nach meiner ersten Begegnung mit Hesse während der Schulzeit, bei der mich der "Steppenwolf" so überhaupt nicht begeistern konnte, wagte ich mich vor einigen Jahren an "Narziss und Goldmund" heran. Ein Wagnis, das sich lohnte! Mittlerweile ist es zu meinem absoluten Lieblingsbuch avanciert. Hesse erzählt die Geschichte der beiden ungleichen Freunde so einfühlsam, so tiefgründig - und dennoch so angenehm leicht und bildhaft. Kurzum: ein wunderbares Buch.
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am 9. Juli 2004
Dieses Buch von Hesse ist einfach fantastisch.
Hesse will uns keine Geschichte erzählen. Er will den Leser mitnehmen in die Gedanken- und Gefühlswelt von Narziß und Goldmund. Er will uns zeigen was sie treibt und was sie bewegt. Und dies gelingt ihm mit seiner genialen poetischen Sprache wunderbar.
Und noch etwas versteht Hesse hervorragend. Er zeigt uns die Gefühle der Menschen als Spiegelbild ihrer Umgebung. In dem einen Augenblick ist Goldmund glücklich und um ihn herrum blüht die Stadt, ist voller Leben und der Fluß schimmert golden. Wenig später ist er betrübt und traurig, und um ihn ist alles still und dunkel, und der Fluß ist schwarz. Diese Gefühle nach außen zu transportieren ist genial.
Dieses Buch ist absolut lesenswert. Allein der erste Absatz des Buches über den alten Kastanienbaum. Genial.
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am 13. April 2012
Wie kein zweiter Schriftsteller trifft Hermann Hesse mit seinen Werken bei mir immer wieder einen Nerv.
In "Narziss und Goldmund" erzählt er die Geschichte von zwei aussergewöhnlichen Jungen, die das genaue Gegenteil des jeweils anderen verkörpern, sich dabei gegenseitig ergänzen und einander, trotz ihrer unterschiedlichen Lebensentwürfe, in Liebe verbunden bleiben.
Narziss ist ein junger Gelehrter in einem Kloster. Gebildet, hübsch und verehrt, aber auch hochmütig und unnahbar, verkörpert er das Prinzip von Geist und Pflichterfüllung und steigt schliesslich zum hochgeachteten Abt des Klosters auf.
Goldmund strebt seinem von ihm vergötterten Freund zunächst nach, wird jedoch am Ende seiner Lehrzeit "vom Weibe" in die Welt gelockt. Er geht auf eine mehrjährige Wanderschaft, auf der ihn der Leser begleitet. Seiner jugendlichen Schönheit und seines Charmes wegen fliegen ihm die Frauenherzen förmlich zu, und er kostet das Leben als Vagabund genüsslich aus. Wahre Liebe erfährt er dabei nicht, keine der Frauen bittet ihn zu bleiben, und er leidet mal mehr, mal weniger unter der rasch vergänglichen Liebe seiner Gespielinnen. Neben amourösen Abenteuern erlebt er auch allerhand Schreckliches, das seinen Blick auf die Welt ändert, leidet Hunger, begeht ein, zwei Morde und erfährt das Elend der Pest, ehe er endlich die Bestimmung findet, die ihm sein Freund Narziss vorausgesagt hat: die Liebe zum künstlerischen Gestalten. Doch auch die Kunst vermag Goldmund nicht an einen Ort zu binden, im Gegenteil empfindet er nach einiger Zeit grossen Widerwillen dagegen, dass Kunst zu Kommerz verkommt. So setzt er seine Wanderung fort, bis er erneut einer Frau verfällt, beim Ehebruch ertappt wird und dem Tod am Strick entgegensieht. Ausgerechnet sein alter Freund Narziss rettet ihn vor dem Galgen und lädt ihn als Gast in das Kloster ihrer Jugendjahre ein.
Nun empfinden sich die beiden Freunde als einander ebenbürtig - der eine ein Meister des Geistes, der andere ein Meister der Gefühle - und gestehen sich ihre Liebe. Doch Goldmund zieht es nach einiger Zeit erneut auf Wanderschaft, da er seiner von Zwängen freien Jugend nachtrauert. Der Versuch, sie wieder aufleben zu lassen, misslingt. Er kehrt als schwer kranker Mann zurück, hat in all der desillusionierenden Verzweiflung jedoch seinen inneren Frieden gefunden.
In "Narziss und Goldmund" stellt Hesse die Lebenswege der beiden Protagonisten als unversöhnliche Lebensentwürfe gegenüber: auf der einen Seite das Verlangen nach Freiheit, die Sucht nach Abenteuer, die Suche nach Liebe; auf der anderen das Streben nach Ordnung, nach Wissen und einem geregelten Dasein. In meinen Augen stellt dies den ewigen Konflikt zwischen Jugend und Alter dar. Wer hat nicht in jugendlichem Übermut von der Erstürmung der höchsten Gipfel geträumt, um dann dieses Vorhaben mit zunehmendem Alter aufzugeben und sich mit den Tälern zufrieden zu geben? Hesse ergreift dabei eindeutig Partei für Goldmunds Lebensweise: das Leben mit all seinen Wagnissen leben, um dann zufrieden sterben zu können, anstatt nie wirklich gelebt zu haben - oder prosaischer: "It's better to burn out than to fade away".
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am 15. April 2011
Meine Familie kann meine Begeisterung für Hesse nicht verstehen. Das magische Theater oder das Glasperlenspiel ist wohl eher nicht für den gemütlichen Tagesausklang.
"Narziss und Goldmund" habe ich meinem Neffen geschenkt, der sich entgegen der Familientradition weigert, eine akademische Ausbildung zu beginnen. Er hat es gelesen und war sich danach noch sicherer, dass er seinen eigenen Weg gehen will. Drei Wochen später hat er sogar nach einen weiteren Hesse gefragt.
Das Buch ist aktuell wie nie. Und es ist recht einfach zu lesen. Damit kann man es eben doch auch Weniglesern in die Hand drücken.
Eben ein Hesse für Einsteiger
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am 5. Januar 2008
Dieses Buch hat nicht erst dann Ausstrahlung, wenn man es bis zum Ende gelesen hat. Es hebt sich seine Schönheiten genauso wie seine Weisheiten genauso wie seine Schrecklichkeiten nicht bis zum bitteren Ende auf. Wie das Leben geht hier alles auf und ab und bleibt doch ein ewiger Lauf, in dessen Bahn die einzige Möglichkeit das Weiterlaufen ist. Es ist die Geschichte von Narziß, dem Denker und Gelehrten, und seinem Schützling Goldmund, dem emotionalen Gefühlsmensch und Abenteurer. Von Narziß lernt man viel von der Vernunft-Seite des Lebens, die aber Menschlichkeit und Liebe nicht ausschließt, im Gegenteil, denn aus diesen Quellen wächst Narziß' Beständigkeit - und von Goldmund lernt man zu leben, sich tragen zu lassen und trotzdem selbst aktiv zu sein; im Grunde genommen spiegelt er auch die Unbeständigkeit des Lebens wider.
Das Buch beginnt mit dem außergewöhnlichen Narziß, erzählt die Lebensgeschichte von Goldmund, und endet auch wieder mit Narziß. So spannt dieser Roman einen Bogen, der getragen wird durch die beiden Charaktere und ihre herzliche, nie endende Freundschaft, die aber erst ganz am Schluss ihre größte, deutlichste Erfüllung findet. An diesem Punkt des Buches, als man schon alles miterlebt und miterlitten hatte und mit dem Helden Goldmund weinen und lachen musste, wo sich diese innige Freundschaft erfüllt, da hat mich das Buch dank Hesses Kunst der Geschichtenerzählung sogar zu Tränen gerührt. Alles in allem ist es schon fast ein Märchen.
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am 5. Februar 2006
Uneingeschränkt empfehlenswert!
Das Hörbuch profitiert sehr durch den erfahrenen Schauspieler Ulrich Noethen. Durch seine ruhige, sonore, angenehme Stimme gibt man sich schnell der Geschichte entspannt und gerne hin.
Er liest ruhig, gut artikuliert und verständnisvoll. Er hält sich soweit zurück, um sich selbst in die Geschichte eindenken zu können und artikuliert die einzelnen Personen soweit unterschiedlich, um sie auf Anhieb auseinander zu halten.
Die Aufteilung der einzelnen Titel einer CD ist gleichmäßig und erlabt gut Unterbrechungen zwischendurch.
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am 12. Mai 2008
Ich persönlich bin völlig unbefangen an Hesses 'Narziss und Goldmund' herangegangen. Ich hatte bewusst keinerlei Interpretation gelesen, keine literaturgeschichtliche Einordnung - nichts.
Und fand mich so einfach als naiver, moderner Leser vor dem Buch wieder.
Und es hat mich sehr berührt.
Zwei Menschen stehen da im Zentrum. Zwei wunderbar tief ausgearbeitete Figuren. Narziss, der ältere, unterrichtet den jüngeren Goldmund als Lehrer in einem Kloster. Schon früh erkennt der Ältere aber, dass der Jüngere für dieses Leben nicht geschaffen ist. Mit sensibler Einfühlung und Mut eröffnet er seinem Freund und Schüler, was er meint, dass diesem fehle: nämlich die Erinnerung an Kindheit und Mutter. Wie vom Blitz getroffen werden dem Jüngeren die Augen geöffnet: und er überwindet die fehlgeleitete Lebensplanung, um aufbrechen zu können, hinaus ins pralle Leben. Hier nun beginnt das Buch ein weiteres Mal und lässt uns teilhaben an Goldmunds Fahrten, an seinen Abenteuern mit Frauen und Jahreszeiten, mit Gaunern, Herzögen und Stadthaltern. Ein wenig beginnt das Buch nun an Tiecks Franz Sternbald zu erinnern, das Hesse ein großes Vorbild gewesen sein muss.
Und genauso wie in Hesses 'Siddharta' auch, lernt Goldmund sich durch die Liebe zu vielen Frauen und durch das wilde Erleben langsam selbst kennen: bis er schließlich Jahre verweilt in der Werkstatt eines Malers, um zu lernen, die inneren Bilder zu gestalten.
Um Kunst geht es, um Lebensziele, um den Sinn des Lebens, um das, was überdauert, um das Vereinigen von Leben und Tod, um Psychoanalyse, um das Bild der Mutter, um Geist und Gefühl geht es.
Wenn Goldmund nach Jahren unter widrigen Umständen seinen Freund Narziss wiederfindet, begegnen sie sich, als wäre kein Tag vergangen - und doch als zwei neue Menschen - der eine, voll von Leben, Sünde, Liebe und Tod, der andere vergeistigt und zurückgezogen, auf abstraktes Konzentriert und auf Wesentliches beschränkt.
Ich habe auf jeder Seite viele viele Zeilen angestrichen, so bewegt hat mich das Buch.
Da hat ein neuzeitlicher Autor noch einmal den Mut zu einer romantischen Schwärmerei, die echt wirkt - da hat ein Autor noch einmal die Größe, nicht ironisch sein zu müssen, nicht postmodern, sondern einfach emotional, liebend, weinend, schreiend - und dies ohne Hysterie und mit Würde.
Die Hauptgestalten aber auch die vielen vielen liebenswerten Nebengestalten werden mich weiter begleiten.
Und die beiden Pole, Narziss und Goldmund, stehen mir in ihrem Widerspruch viel lebendiger ins Herz hinein, als alle Thomas Mannschen Tonio Krögers und alle Hauptmannschen Figuren und alle Georg Büchnerschen Woyzecks.
Dasselbe Thema wird bearbeitet wie in den Werken der eben Genannten, derselbe Inhalt, dieselbe Aussage wird erreicht, dasselbe gesagt, dasselbe gewollt - aber auf einem emotional unschlagbaren Niveau.
Hier finde ich den älteren Hesse in seiner Vollendung, hier empfinde ich ihn nicht altväterlich belehrend und doch letztlich unreif, wie es mir manchmal mit ihm ergangen ist - sondern einfach nur weise. Ich habe dann im Umschlag nachgeschlagen: er war über 50 als er dieses Buch schrieb.
Ich zolle ihm meinen Respekt.
Absolut lesenswert.
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