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Kundenrezensionen

18
3,2 von 5 Sternen
Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes: Erzählungen (suhrkamp taschenbuch)
Format: TaschenbuchÄndern
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57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. April 2011
Wenn man nur einen kleinen Querschnitt all der sich vor Begeisterung überschlagenden Rezensionen seines letzten Erzählbandes liest und in Rechnung stellt, dass für eben dieses Werk der Autor auch noch den Leipziger Buchpreis erhalten hat, dann muß man ja fast danach greifen, um das "Wunderkind" der Gegenwartsliteratur und seine Sprachwelt kennenzulernen. Mit Gewinn? Ich jedenfalls nicht.
Nach der mit der Zeit für mich lähmenden Lektüre dieser einmal sich kryptisch gebenden, dann wieder von Gewalt nur so strotzenden, sich permanent auf große Vorbilder beziehenden und natürlich auch - weils postmodern so modern ist - selbstreferenziellen Erzählungen mit erstaunlich konservativer Erzählhaltung (von angeblich kühner Konstruktion weit und breit nichts zu finden, stattdessen über die Maßen oft gebrauchte Wie-Metaphern) kann ich mich über den Hype, der um Clemens J. Setz gemacht wird, nur wundern. Was fasziniert KritikerInnen und JurorInnen an diesen Texten? All das, was sie in ihren Expertisen lobend hervorheben, suche ich vergeblich. Statt dessen begegnet mir ein typisch postmodernes Schreiben, das sich an diversen Vorbildern anlehnt, diese auch da und dort nennt (damit die Unbedarften unter den LeserInnen auch Bescheid wissen), mit Gewaltexzessen nicht spart, ohne diese auch wirklich plausibel zu machen (wie dies immer wieder von RezensentInnen behauptet wird), Erzählungen, die manchmal abbrechen oder ausrinnen (offenbar fiel dem Autor kein geeigneter Schluß ein oder er wollte die Leserschaft rätseln lassen), bisweilen durchaus gute Plots oder Grundideen aufweisen, aber nicht konsequent und vor allem nicht in einer straffen, von Selbstverliebtheit gereinigten Sprache ausgeführt werden, kurzum: eine vordergründige, glatte Literatur ohne wirklichen Tiefgang. Das soll die vielgepriesene Dichtung der Zukunft sein?
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48 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2011
Ist man in seinen Erwartungen zu einem Produkt enttäuscht worden, gibt es zwei Möglichkeiten, Rache zu nehmen: man gibt es zurück und/oder berichtet von dessen minderer Qualität. Da ersteres bei Literatur nicht wirklich einschlägig ist, begnügt man sich lieber mit letzterem. Schlecht reden kann man entweder über den Autor, dem man den Status als "Wunderkind" abspenstig machen möchte, oder eben über diejenigen Feuilleton-Rezensenten, die Setz ebenjenes Prädikat aufgedrückt haben. Ich entschließe mich zum Angriff auf die Redakteure - es erscheint mir sinnvoller, die Entscheidung der Kritiker zu hinterfragen, die mir den Kauf nahe gelegt haben.

So schreibt die Welt "Sein Erzählungsband 'Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes', mit 18 Stories auf 350 Seiten auch nicht gerade schmal, löst die hohen Erwartungen nun auf phänomenale Weise ein. Hier ist ein Autor zu erleben, der sprachliche Tricks und Kniffe beherrscht, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass es sie gibt."

Okay, Buchverwurste aus dem Hause Springer eben. Eine Mengenangabe bei einer qualitativ verorteten Kulturform zu verwenden finde ich schonmal mäßig sinnvoll. Setz kann zwar interessante Gedanken verpacken und in einer Geschichte verorten, aber hat schlichtweg keinen guten Schreibstil. Die Bilder und Charaktere werden meist uninspiriert eingeführt - dies ist umso riskanter, da die Kernaussagen der Kurzgeschichten eine gewisse Tiefenzeichnung der Figuren benötigen. Schade.

"Dabei macht Setz etwas, das man sehr selten findet in der jungen deutschen Literatur. Er schreibt in aller Direktheit über Körper und Sex."

So konservativ und prüde muss sich die FAZ mitnichten geben, schließlich hat Charlotte Roche den Körper bereits vor zwei Jahren in allen Details durchleuchtet. Es ist auch nicht so, dass Setz etwa über Sex schreibt, nein, er schreibt über Perversion. Eigentlich ist die Perversion das einzig wiederkehrende Element in fast allen Kurzgeschichten. Dies wirkt oftmals so unausgegoren und depressiv-postpubertär, dass ich mich manchmal fragen musste, welches Publikum Setz mit seinem Werk eigentlich adressieren möchte. Oder wen die FAZ damit ködern wollte. Oder warum ich mal um mal dem Charme des Feuilletons erliege.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Juli 2011
Anhänglichkeit eines Pubertierenden zu seinem Kameraden trägt dezent sadistische Züge. Eine junge Frau versucht sich als Sklavin und organisiert einen Käfig, in dem sie von ihrem Partner eingesperrt und gedemütigt werden will. Ein alternder Professor gesteht vor versammelter Gruppe seiner Studentin, dass er sie - Zitat - "..." will (Der Schriftsteller verwendet hierbei ein Schimpfwort bzw. eine Obszönität, dessen bzw. deren Veröffentlichung den Amazon-Rezensions-Richtlinien zuwiderlaufen würde). Die Accessoires einer aufstrebenden Jungangestellten werden eines Tages von eiternden Geschwüren befallen.
Durch gute Feuilleton-Kritik neugierig gemacht, erwartete ich vom Band eine moderne Auflage der Auseinandersetzung mit mystischen Abgründen des Perversen und Bösen auf gute alte österreichische Art (man denke z.B. an "Die Traumnovelle" oder Musils Moosbrugger). Aber ich wurde herb enttäuscht. Obwohl Herr Setz mit literarischen Wirkungshebels theoretisch vertraut zu sein scheint (abstruse Handlung, einige paradoxe Metapher, angedeutete traurige Seufzer über diese ach so unvollkommene Welt), mangelt es ihm an adäquater Teilnahme an den Inhalten seiner Werke. Sein Commitment ist in etwa mit dem eines (mäßig guten) Werbefilm-Regisseurs vergleichbar. Ich hatte den unangenehmen Eindruck, der Autor würde die Themen zu Produktionszwecken ausbeuten. So kommt seine Kafka-Imitation "Die Leiche" an das Niveau des sakralisierten Pragers (zu dessen Verehrern ich mich übrigens nicht zähle) nicht heran. In Kafkas Werk spürt der Leser zumindest seine Verstörtheit, bei Setz - nur Nachahmung.
Dazu lässt sein handwerkliches Können zu wünschen übrig. Die narrative Schicht der Erzählungen ist karg, die Stories muten zum Teil wie ihre eigenen Entwürfe an. Und selbst so, schaffen sie es konstruiert zu wirken. Die Dialoge sind belanglos. Die treibenden Kräfte der Protagonisten, soweit auszumachen, sind nicht überzeugend. Die Menschen in den Stories verhalten sich infantil. Wobei das mitnichten an ihrer Turbo-Abgeklärtheit von wegen "das Ende der Geschichte" läge. Es entsteht nicht wirklich der Eindruck, dass sie je etwas von der Geschichte, geschweige denn von ihrem Ende, gehört haben. Schlicht gestrickte synthetische Figuren, die auf postmodern machen. Ich musste beim Lesen an eine Episode aus Tolstoi denken, in der ein Mann von seinem letzten Geld einen Kanarienvogel kauft, was seine Freunde ums Verrecken nicht verstehen können. Allmählich geht ihnen auf, dass der Typ einfach doof ist.
Dort wo die Erzählungen ins Phantastische abgleiten, geschieht das eher bemüht erfinderisch und reißt einen auch nicht wirklich vom Hocker.
Schwer zu sagen, ob die Unzulänglichkeit der Geschichten am Fehlen des Berichtenswerten beim Autor liegt oder an seinen Unvermögen sich adäquat literarisch mitzuteilen. Oder geht es ihm gar nicht darum? Macht es Herrn Setz womöglich einfach Spaß einen trendigen Schriftsteller zu spielen (was ich nicht hoffen will) und unappetitliche sexuelle Praktiken nach Kräften durchzudeklinieren? (Und falls dies doch zutrifft, inwieweit das ihm selbst wohl bewusst ist?)

Die Rezension basiert auf den ersten zehn von insgesamt achtzehn Geschichten des Bandes.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Februar 2012
Häufig wirkt es, als ob zeitgenössische deutschsprachige Literatur humorlos und vermeintlich tabubrechend sein müsste, um Preise zu gewinnen. Das beste Beispiel dafür in dieser Sammlung ist "Die Blitzableiterin oder Éducation Sentimentale", eine Erzählung, die sich erfolgreich bemüht, so abstoßend wie möglich zu sein. Ebenfalls anführbar: "Das Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel" - mehr oder weniger postmoderne Neuinterpretationen klassischer Texte bieten sehr viel Raum für Spielerei - Setz hingegen wählt den Weg von Sex und Herzlosigkeit.

Im Grunde ist das schade, denn viele der Geschichten sind prinzipiell erst mal interesant, verlieren sich aber an dem, was wahrscheinlich die Ambition der Geschichten ist - "Das Herzstück der Sammlung" oder die recht kafkaesken Texte "Die Visitenkarten" und "Die Leiche" haben Potenzial, und möglicherweise hätte ich auch "Eine sehr kurze Geschichte" mehr gemocht, wenn es von einem anderen Autoren gewesen wäre, weil mir zu dem Zeitpunkt die Objektivität verloren gegangen war.

Zwei Geschichten stechen positiv heraus: "Mütter" erzählt originell von einer Form von Prostitution, während "Das Riesenrad" den titelgebenden Ort als Wohnhaus konstruiert.

Trotzdem gibt es einfach zu viel Ekel in Setz' Erzählungen, sodass es mir unmöglich ist, das Buch weiterzuempfehlen.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. April 2011
Für diesen Erzählungsband hat der junge österreichische Schriftsteller Clemens J. Setz den Leipziger Buchpreis 2011 bekommen und die Jury hat dieses Buch damit über andere Bücher wie etwa Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil" gestellt. Unverständlich für mich, weil die Erzählungen, die Setz hier vorlegt überhaupt nicht berühren, ja, im Gegenteil, ihre Schilderung von Grauen, sexuellen Exzessen eines Ehepaares, Gewaltfantasien von Kindern und den Wahnvorstellungen von Zwangsneurotikern haben mich regelrecht abgestoßen.

Dabei sind die Texte noch nicht einmal psychologisch tiefgängig oder lassen etwa so etwas wie eine sozialkritische Tönung erkennen. Und auch sprachlich hat dieses Schreibtalent, das von vielen Kritikern so hoch gelobt wird, noch einiges zu tun, um den Vergleich mit anderen zu wagen und eines solchen großen Preises würdig zu sein.

Die Düsterheit und die den Erzählungen innewohnende Gewalt und die vielen sexuellen Exzesse beschreiben, wenn überhaupt nur eine Realität, die im Kopf des Autors vor sich geht. Er wird auch sein nächstes Buch so schreiben, denn dieser Stil und diese Themen kommen anscheinend bei der Kritik gut an. Bei mir nicht.
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31 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. April 2011
Gut, dass die einzelnen Geschichten kurz sind. Das mindert die Langeweile. Anfangs hatte ich beim Lesen noch die Erwartung, da komme noch was, eine Pointe, eine Wendung, ein AHA, vielleicht doch noch eine gute Geschichte. Ist aber nicht. Blasen, die auf Visitenkarten entstehen und sich ausbreiten auf Handtaschen und Geldscheinen und dann ist Schluss. Und? Ein Schriftsteller, der in der Totenkammer bei seiner toten Mutter irgendwas macht - der Leser erfährt nicht, was - und dann ist Schluss. Da habe ich das Gefühl, dass Setz nicht recht wusste, was er schreiben sollte. Die Geschichten wirken dilettantisch, so als versuche ein Gymnasiast sich auf lächerliche Weise als Franz Kafka. Ich kenne die anderen Werke von Setz nicht. Nachdem ich dieses gelesen habe, denke ich, Setz sollte erst noch zehn bis fünfzehn Jahre leben und es dann nochmal versuchen mit dem Schreiben.
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34 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die beeindruckenden Stimmen der hochwohlgeborenen Rezensenten von der professionellen Fraktion beeindrucken mich leider überhaupt nicht.
Wenn SchülerInnen der Jahrgangsstufe 12 mir zum Beispiel unausgegorene Albernheiten wie die "Visitenkarten" von Herrn Setz anböten, würde ich ihnen nicht nur das Thema ("Pestverbeulte Visitenkarten") auszureden versuchen, sondern auch den spätpubertären Stil dringend zur Überarbeitung anempfehlen...

Der Rest ist meines Erachtens kaum besser, zumindest nicht des Preise(n)s wert. Zugegebenerweise war für mich allerdings schon nach Seite 123 Schluss, meine Leidensfähigkeit angesichts dergleichen erzählerischer Unbedarftheit erschöpft. Möglicherweise habe ich dadurch beglückende Lese-Erfahrungen verpasst, für immer.
Aber nach sieben Erzählungen weiß man, was man hat - oder nicht.

Fazit: Was für ein grotesk überschätzter epigonaler Schmarrn!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. März 2012
Clemens Setz
Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Der literarische Aufsteiger aus Graz hat mit diesen achtzehn Erzählungen den Leipziger Buchpreis für Belletristik gewonnen. Die Juroren dürften wohl vom Inhalt des Buches ebenso überrascht gewesen sein wie der ahnungslose Leser, der beim Betrachten des Covers mit einem nachdenklich auf dem Bett sitzenden Mädchen und einem Bären im Hintergrund noch nicht ahnen kann, welche Abgründe sich auf den folgenden 350 Seiten auftun. In der Titelgeschichte etwa beteiligen sich die Menschen an einem seltsamen Spiel, indem sie die dauerfeucht gehaltene Lehmskulptur eines Kindes mit Hilfe von Stangen, Rohren und Ketten in eine 'vollkommene Form' bringen. In der Erzählung 'Das Riesenrad' wohnt die einsame Monika im Waggon 21 zur Miete, sieht fern und wartet auf einen Techniker. Wie sie die Zeit bis zum Eintreffen des Mannes noch verbringt, sei an dieser Stelle nicht verraten. In 'Das Herzstück der Sammlung' setzt der Autor auf Selbstironie statt auf abstoßende Sexszenen. Er porträtiert sich darin selbst als Greis in einem Gitterbett, mit der Füllfeder in der Hand auf das Lebensende wartend.
Die von Setz geschilderten Milieus und die darin auftretenden Vorkommnisse sind alles andere als leicht verdaulich. Eklige Details werden seitenweise ausgebreitet, perverse Handlungen von scheinbar normalen Menschen sind an der Tagesordnung.
Trotz der vielen Abartigkeiten, die beim Lesen Irritation hervorrufen, schlägt in jeder der Geschichten der hohe Bildungsgrad des Autors, der virtuose Umgang mit der Sprache und ein gewisses Gespür für unerwartete Plots durch.

Johannes Preßl
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Februar 2014
Leider erklärt es sich mir Null, wieso dieser Erzählband den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, ich bin im Nachhinein hoch dankbar, dass ich damals der Verführung widerstand und mir keine gebunden Ausgabe zulegte. Nun habe ich wenigstens nur einen Taschenbuchpreis, den ich ohne Frage besser hätte anlegen können. Ich möchte, wenn ich ein Buch lese, drin versinken können und eine Freude dran haben, dass erwies sich hier als vollständig unmöglich. Es ist in den Erzählungen ein großes Wuchern irgendwo zwischen belanglos und obszön, da bieten auch die Ideen der Geschichten kaum mal ein Positiverlebnis. Einzig beim "Riesenrad" oder der "Entschuldigung" horchte ich kurz auf, dachte gutes Thema, wenn es gesamt aber nur 2 von 16 sind, ist dies zweifelsfrei dünn. Gewagt oder auch innovativ, das stelle ich mir einfach anders vor; ich habe mich schlicht großteils gelangweilt und bin selbst verwundet, dass ich mich da überhaupt hindurch gequält habe in der Hoffnung auf Besserung. Eines muss man dem Autor allerdings zu Gute halten, sprachlich ist da Potential vorhanden, aber das gute Buch entsteht eben erst durch die Verknüpfung oder vielleicht auch die Sybiose von Sprache und Inhalt.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. November 2012
Der Traum vom Fliegen, gibt es den heute noch? Eine Büroangestellte merkt am Ende eines langen Büroarbeitstages, dass ihr Flügel gewachsen sind. Was soll sie mit den komischen rosa Dingern machen? Sie kann sie unmöglich dort lassen. Wie sieht denn das aus?

Dieser Band von Clemens J. Setz enthält 18 kürzere Erzählungen, die allesamt lesenswert sind, manche mehr, manche weniger. Es sind groteske Geschichten, die "Wirklichkeit" alternativlos aus der Perspektive eines einzelnen Charakters zeigen. In dieser Alternativlosigkeit sind die Geschichten grotesk. Sie sind zum Teil ekelerregend. Ganz alternativlos? Nein, nicht ganz! Da gibt es noch die Wirklichkeitswahrnehmung des Lesers, die sich mit der der Figuren reibt, und zwar ganz erheblich. Manchmal will man eine Figur am Kragen packen und kräftig durchschütteln, dass sie endlich etwas tut, dass sie sich nicht mehr benimmt wie der letzte Idiot, dass sie aufhört eine Perversion als Glück darzustellen. Wenigstens könnte in der Geschichte jemand kommen und ihnen die Meinung sagen. Aber in den Geschichten kommt niemand. Und wenn es jemand zaghaft versucht, führt es zu nichts.

In ihrer grotesken Übersteigerung sind die Geschichten subtil komisch. Meistens bleibt einem dieses Lachen jedoch im Halse stecken.

Die Konsequenz dieser kurzen Texte ist bewunderswert, ihr Einfallsreichtum bemerkenswert. Oft meint man durch die Geschichten hindurch den Einfall zu erkennen, aus dem sie entstanden sind: Wie wäre das, wenn man in der Gondel eines Riesenrads wohnen würde? Was ist der Reiz von alten Prostituierten? Vorhersehen kann man die Geschichten deswegen noch lange nicht. Jede ist anders, jede spielt ein anderes Szenario durch.

Wer etwas Schönes, Lustiges, Erbauliches lesen will, ist bei Setz an der falschen Adresse. Wer mit Groteskem, Absurdem, Hässlichem umgehen kann und möchte, wird diese Geschichten witzig, abwechslungsreich und wunderbar konsequent finden.
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