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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Bernhard, lustig
Der geübte Thomas-Bernhard-Leser - zu dem der Schreiber dieser Zeilen seit Jahrzehnten zählt - hatte nicht unbedingt immer sehr viel zu lachen (am ehesten in manchen seiner Theaterstücke).
Nun taucht aus dem Nachlass ein schmaler Band auf, den man mit uneingeschränktem Vergnügen liest. Einerseits fehlen natürlich nicht die typischen...
Veröffentlicht am 8. Februar 2009 von Amazon Kundenrezensionen

versus
7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Interessant...
...ist dieses Buch vor allem in Hinsicht auf die Biographie und Psychologoie von Thomas Bernhard. Man sollte nicht den Fehler machen, die Aussagen des Autors für bare Münze zu nehmen; er neigte bekanntlich dazu, seine Biographie literarisch nicht nur zu ver-, sondern zu bearbeiten; siehe etwa seine (angebliche) Tätigkeit als Bibliothekar in London. Selbst...
Veröffentlicht am 12. September 2010 von Heinrich


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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Bernhard, lustig, 8. Februar 2009
Von 
Amazon Kundenrezensionen "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Der geübte Thomas-Bernhard-Leser - zu dem der Schreiber dieser Zeilen seit Jahrzehnten zählt - hatte nicht unbedingt immer sehr viel zu lachen (am ehesten in manchen seiner Theaterstücke).
Nun taucht aus dem Nachlass ein schmaler Band auf, den man mit uneingeschränktem Vergnügen liest. Einerseits fehlen natürlich nicht die typischen Bernhardschen Übertreibungen (Bremen sei eine "kleinbürgerliche, unzumutbar sterile Stadt"; im österreichischen Unterrichtsministerium herrschten nur "Stumpfsinn und Heuchelei"; im österreichischen Kunstsenat säßen nur "Arschlöcher" usw.); andererseits lernen wir einen völlig anderen Thomas Berhard kennen: Er braucht einfach die diversen Preisgelder, "outet" er sich; von einem kauft er sich eine Ruine, nämlich einen alten Bauernhof, den er zu einem Schmuckkästchen ausbaut ("Nathal").
Eine wichtige Rolle spielt dabei immer wieder seine Tante, "sein Lebensmensch", auf deren Rat er aber gerade beim oben erwähnten Kauf nicht hört...
Der Leser erfährt bei der Lektüre so einiges Interessantes: über die österreichische Kulturpolitik der 60er Jahre (die weitgehend wirklich katastrophal war - vor allem, was die moderne Literatur betraf); über die Flucht eines Unterrichtsministers, als Berhard in seiner Festrede (nachzulesen!) den Staat angreift usw.
Ein höchst vergnügliches, höchst menschliches Buch eines ganz großen österreichischen Poeten!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der singende Misanthrop, 21. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
"Meine Preise", herausgegeben aus dem Nachlass des 1989 gestorbenen Schriftstellers, berichtet in kurzen Abschnitten über Bernhards Erfahrungen mit Literaturpreisen. Der Autor, der in seinen späteren Jahren keine Preise mehr annahm, interessierte sich in der Hauptsache für die Preisgelder jener Auszeichnungen, die er ansonsten zunehmend als demütigend und lächerlich empfand.
Und so packt der vielfach Geehrte einiges aus an Anekdotischem und spart dabei auch nicht an Selbstironie und -kritik.
Die Einblicke in den Literaturbetrieb sind erhellend und bissig. Als Jurymitglied für den Bremer Literaturpreis schlägt Bernhard Elias Canetti vor, der aber mit der Erklärung "Der ist aber auch Jude!" von den Juroren abgelehnt wird. Der geschockte Bernhard beteiligt sich nicht mehr an der Diskussion, verfolgt aber mit diebischer Freude, wie sich die völlig Ahnungslosen schließlich auf Wolfgang Hildesheimer einigen, ohne zu wissen, dass auch dieser Jude ist.
Auffällig ist, dass "Meine Preise" weniger streng in der Form gestaltet ist als die bekannten Bernhard-Werke. Der Dichter verlässt hier einmal seine hermetischen, hochmusikalischen Sprachwelten und wirkt in diesen autobiographischen Betrachtungen gelöster und auch menschlicher. So berichtet er von seiner geradezu kindlichen Freude über sein erstes eigenes Auto (ein weißer Herald mit roten Ledersitzen und Holzarmaturen)- wer hätte sich den lungenkranken Misanthropen lachend und singend über jugoslawische Felsen kletternd vorstellen können?
"Meine Preise" ist ein schönes Buch, welches künstlerisch vielleicht nicht an die großen Werke des Dichters heranreicht, dabei aber den Menschen Thomas Bernhard näher bringen kann.
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42 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Köstlich!, 14. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Neunzehnhunderteinundneunzig, ich kann mich noch gut erinnern, habe ich als Zwanzigjähriger in einer Buchhandlung am Münchner Marienplatz Thomas Bernhards "Wittgensteins Neffe" gekauft, weil der Name 'Wittgenstein' auf dem Titel stand und das Taschenbuch so schöne Farben hatte, dunkelgrün mit hellblauer Schrift. Vom Autor Thomas Bernhard hatte ich bis dahin keinen blanken Schimmer. Bereits am nächsten Tag hatte ich einen kleinen Schimmer und habe mir in derselben Buchhandlung "Holzfällen" und "Alte Meister" besorgt. Seit dieser Zeit ist Bernhard mein Lieblingsschriftsteller, zumindest was die Belletristik betrifft.
Zum zwanzigsten Todestag Bernhards wird nun mit "Meine Preise" das erste längere Werk aus seinem Nachlass veröffentlicht. Entstanden ist es in der Zeit, in der auch "Wittgensteins Neffe" geschrieben wurde, mit dem es auch sehr viel gemein hat. Das merkt man auf jeder Seite. "Meine Preise" könnte deshalb mit vollem Recht auch "Meine Tante. Eine Freundschaft" betitelt sein. Denn Bernhards Tante, sein Lebensmensch Hedwig Stavianicek, steht auf den knapp 120 Seiten ähnlich im Mittelpunkt, wie Paul Wittgenstein in "Wittgensteins Neffe".
"Meine Preise" ist nicht so perfekt durchgearbeitet wie die zu Bernhards Lebzeiten veröffentlichte Prosa. Trotzdem halte ich es für das beste Stück deutscher Literatur seit "Alte Meister", also seit 1985. Besonders die Erzählungen zum Grillparzerpreis, zum Julius-Campe-Preis und zum Kleinen Österreichischen Literaturpreis sind köstlich und haben mir Tränen in die Augen getrieben. Sehr schön ist auch die Episode bei der Verleihung des Büchnerpreises. Thomas Bernhard sitzt zwischen Werner Heisenberg und Joachim Kaiser, dem Kritiker der Süddeutschen Zeitung, die beide auch einen Preis entgegennehmen durften. Bernhards Preisurkunde war aber um ein Drittel größer und damit auch ein wenig schwerer als die Joachim Kaisers. Das verleitete ihn dazu, sich zu Joachim Kaiser zu wenden und ihm -' wahrscheinlich mit seinem typisch Bernhardischen Schmunzeln -' zu sagen, dass er, Thomas Bernhard, offenbar den gewichtigeren Preis in Händen halte. Joachim Kaiser blieb stumm. Er hat den Witz offenbar nicht verstanden. So wie viele bis heute Thomas Bernhard nicht verstanden haben und ihn als großmäuligen, arroganten Nestbeschmutzer sehen. Schade eigentlich. Denn Bernhard ist vor allem eins. Sehr sehr witzig.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach unwiderstehlich, 13. Januar 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Eine Trouvaille erster Güte. Ein echter Bernhard, 1980 geschrieben und heute gelesen, als wäre alles eben erst geschehen. Diese Bilanz seines "Preis-Lebens" ist einfach ein Glanzstück: bösartig, ironisch und selbstironisch und unwiderstehlich.
In neun Kapiteln und ein Anhang erzählt der Autor in echt Bernhardscher Manier und Diktion über Preise und Preisverleihungen und was sich daraus entwickelte. Da ist der Grillparzer-Preis und die problematische Kleiderordnung sowie die so wichtige Sitzordnung festzuhalten. Der Preis der Hansestadt Bremen rettet den Autor "aus meinem Stimmungs-, ja aus meiner Existenzkatastrophe". Schließlich geht es um 10.000 Mark, die in den Kauf des - Thomas-Bernhard-Kenner wissen Bescheid - "Verkanthofes" investiert werden. Ein Luxuswagen wurde vom Julius-Campe-Preis angeschafft, den Thomas Bernhard sehr schnell dann zu Schrott fuhr.
Ohne Skandale und daraus resultierende Komödien kein Thomas Bernhard. Alle Preise waren irgendwie "skandalös" - ob die Preisvergabe, die Preisgeber, der Wert des Preises - Bernhard konnte sich herrlich aufregen, lustig machen, schimpfen und beschimpfen, dass es eine wahre Lust ist. Und so ist dieses kleine Buch nicht nur ein entlarvendes Buch, sondern auch ein höchst vergnügliches.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Leute reden von Ehre..., 19. Januar 2009
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
..und es handelt sich um eine Gemeinheit." (S.73) Auf das Buch habe ich mich richtig gefreut, ist Thomas Bernhard ja als giftig bekannt und außerdem reale Erlebnisse..das klingt mal spannend. "Meine Preise" ist ein eher kleines Buch geworden, das man schnell, leider zu schnell, durchgelesen hat. Es ist kurz aber meist bitterböse und mit feinem oder auch mal gröberem Sprachwitz geschrieben. Na, manchmal vielleicht sogar ein bisschen ungeschliffen, fast kantig, kein Wunder, das Buch wurde aus dem Nachlass zwar nicht erst zusammengestellt, aber über manche Stellen kann man mit dem Autor eben nicht mehr diskutieren - (naja, ich weiß nicht ob er das überhaupt gemacht hätte, hihi). Das Buch entlarvt ganz gut den Zauber, der um sog. Hochkultur, die dann eben von Politikern und sonstigen Honratioren mit vorgefertigten Reden (Und nicht zu vergessen: saftigen Preisgeldern) gemacht wird, nur haben diese Leute eben nicht immer die meiste Ahnung von dem was sie da überhaupt ehren wollen. Putzig zu lesen, ist immer was Bernhard dann mit dem Geld angefangen hat. Einmal braucht er neue Fenster, die Sache mit dem Sportwagen ging ja nicht so gut aus, oder die Klamottenbeschaffung vor Vergabe eines Preises, sehr schön. Außerdem ist seine Tante immer mit dabei..Interessant ist auch noch dass im Anhang die (kurzen) Reden Bernhards anlässlich einger Preise versammelt sind. Die Aufregung, die sie teilweise hervorgerufen haben, ist vielleicht heute nicht mehr so ganz leicht nachzuvollziehen.. Schönes bitterböses Buch und manchmal ganz schön witzig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Meister beliebt zu scherzen, 24. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Wahrscheinlich eines der lustigstebn Werke des Autors. Man erfährt viel über dessen Befindlichkeiten, finanziellen Schwierigkeiten der Frühphase, aber eben auch über dessen Widersprüchlichkeit und inneren Zerrissenheit. Man könnte dem Autor an vielen Stellen die Doppelmoral und einen niederen Charakter attestieren,(- so wie es der Autor selbst gerne tut) aber es ist gerade diese Widersprüchlichkeit die in "Meine Preise" zu Tage und Grabe getragen wird. Bernhard geht, wie in vielen seiner Bücher philosophisch gegen sich selbst vor, benutzt (-ungewohnt für ihn) sogar das A-Wort und rechnet mal wieder schonungslos mit sich und dem Kulturbetrieb ab. Ein großartiges, aber gleichzeitig ungewohntes Buch von Thomas Bernhard und leider ist es auch viel zu schnell vorbei. Doch man wird nicht müde die Büchnerpreisrede einige Male zu lesen. Diese Reden und damit verbundenen Erzählungen zeichnen ein sehr persönliches Bild vom österreichischen "Nestbeschmutzer" und sind ein Muss für jeden Thomas Bernhardfan uns ebenso ein guter Einstieg für all diejenigen, welche sich von den dicken Romanen und der recht elaborierten Sprache bislang abschrecken ließen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hors catégorie, 10. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Bitte um Entschuldigung, wenn ich mich hier inhaltlich nur an Bernhard-Leser wende.
Dieses Buch ist einfach wunderbar. Die Frage, warum es, obwohl um 1980 entstanden, erst jetzt erscheint, hat vermutlich mit juristischen Spitzfindigkeiten zu tun (u.a. werden einige historische Personen in Bernhardscher Manier beleuchtet).
Wer Bernhards Stil mag, wird beglueckt sein. Man erfaehrt ausserdem einiges aus seinem Leben aus erster Hand. Fuer mich ist das Buch trotz teilweise (gewohnt) bissiger Kritik am "Kulturbetrieb" (hier insbesondere die Preisspiele, enthalten ist z. B.auch die deftige Begruendung seines Austritts aus der Deutschen Akademie fuer Sprache und Dichtung)) mit "Wittgensteins Neffe" assoziiert: TB gelingen einige "warme" Passagen.
Also, eine Muss fuer TBs Gemeinde (hier wuerde ich mehr als 5 * vergeben wollen), ein Lehrstueck an Sprachmaechtigkeit und Stilgenauigkeit fuer jedermann.
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5.0 von 5 Sternen Ist es eine Komödie, ist es eine Tragödie?, 20. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Diese bernhard'sche Satz lässt sich angeblich auf das ganze Werk des Thomas Bernhard anwenden. Aber selbst wenn diese Feststellung keine allgemeine Gültigkeit haben sollte, so gilt dieser Satz sicherlich für das vorliegende Buch:

Darin werden die Preisverleihungen geschildert, deren Empfänger und Opfer Bernhard gewesen war.
Die innere Zerrissenheit des Autors wird auf höchst nachvollziehbare Weise geschildert:
Auf der einen Seite steht das Geld, das ihm für die Aufrechterhaltung seiner Existenz notwendig ist, sowie die unabstreitbare Tatsache, dass eine Preisverleihung den eigenen Namen einem weiteren Kreis von Menschen ins Bewusstsein hievt – das ist der Pragmatismus des Autors. Auf der anderen Seite steht das Geltungsbedürfnis der Verleihenden, ihr pompöses Auftreten und ihr Missbrauch eines Autors zu den eigenen selbstverherrlichenden Zwecken, gepaart mit einer schreckenerregenden Inkompetenz in Sachen Kunst, über die sie sich dennoch äußern zu müssen meinen – das ist der Egoismus der Institution.
Mit großem Humor wird das Auftreten der Großen und das innere Hin und Her des nicht eben charakterfesten Bernhard rücksichtslos dargestellt, sodass der Leser auf jeder Seite herzlich mitlachen kann – das ist die Komödie.
Und wie immer gilt: Wenn man beginnt sich darüber Gedanken zu machen, was in einer so belustigenden Form dargestellt wird, kann man sich auch das Ohnmachtsgefühl des durch einen Preis gesellschaftlich vereinnahmten Autors vorstellen – das ist die Tragödie.

Dieses Buch ist nicht so komplex konstruiert, wie man es von Bernhard gewohnt ist, es gehört auch eher zu den biographischen Schriften und wurde erst posthum herausgegeben. Es ist eines der wenigen Bücher Bernhards, die tatsächlich im Verlauf eines Tages gelesen werden können. Und es ist – wie fast immer bei diesem Autor – ein hoher Lesegenuss für den Leser.
Meine Empfehlung kann ich hier bedenkenlos geben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Morbider Wortwitz und grandioser Humor, 15. Juni 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wer Thomas Bernhard von seiner witzigen Seite kennenlernen möchte, der ist mit dieser Sammlung von den Verleihungen diverser Literaturpreise an den schreibenden Genius aus Gmunden bestens bedient.

25 Jahre seines Lebens stiefelte Bernhard in denselben Klamotten durch die Gegend. Er trug sie daheim, unterwegs und auch bei gesellschaftlichen Ereignissen: Dies waren ein knallroter Schafswollpullover, den ihm ein gut gelaunter Amerikaner nach dem Krieg geschenkt und der schon fast alle Städte der Welt gesehen hatte sowie eine graue Hose aus Wolle. Doch am Tag, an dem ihm in der Akademie der Wissenschaften der Grillparzer-Preis verliehen werden soll, entschließt sich der Meister wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung, seine Lieblingsboutique 'Sir Anthony' aufzusuchen und einen Reinwollanzug in anthrazit anzuschaffen. Er wählt dazu passende Socken, ein graublau gestreiftes Hemd und eine Krawatte und behält die Neuerwerbungen gleich an. Die dienstbaren Geister der Kleiderstube packen seine alten Klamotten in eine Tüte mit Werbeaufdruck und Bernhard zieht fein ausgestattet von dannen.

Im Foyer der Akademie, in der ihm der Preis verliehen werden soll, hält er Ausschau nach einer Persönlichkeit, die ihn begrüßt ' doch niemand beachtet ihn. Er geht in Begleitung seiner Tante in den Festsaal, in dem die Musiker bereits ihre Instrumente stimmen. Niemand kommt, ihn in Empfang zu nehmen und zu seinem Platz zu begleiten. Schließlich quetscht er sich in eine hintere Sitzreihe und beobachtet amüsiert die wachsende Unruhe, die Festkomitee und Veranstalter befallen. Alle scheinen jemand zu suchen. Bernhard weiß auch, wer das ist.

Endlich wird man auf ihn aufmerksam, stürzt herbei und bittet ihn in die erste Reihe. Bernhard besteht nun darauf, vom Festpräsidenten persönlich gebeten zu werden. Der platziert ihn neben die Kultusministerin, die ob der folgenden Elogen auf Grillparzer bald einschläft und 'das bekannte Ministerschnarchen' anstimmt. Bernhard nimmt die Auszeichnung entgegen, sagt aber einfach nur 'Danke' statt große Reden zu schwingen und verlässt die Veranstaltung, ohne dass es jemand bemerkt. Selbstbewusst geht der frisch gekürte Preisträger zu 'Sir Anthony' zurück und gibt den Anzug, der ihm plötzlich viel zu klein zu sein scheint, wieder zurück.

Andere Preisverleihungen an Thomas Bernhard gingen weniger glimpflich ab und motivierten ihn zu Schmähreden über die österreichische Ministerialbürokratie, unfähige Kulturbeamte und großkopferte Literaturfunktionäre. Er schaffte es mit seiner unvergleichlich trockenen Art, Preise und Auszeichnungen abzuräumen und gleichzeitig mit seinen Reden die offiziellen Gäste zum fluchtartigen Verlassen der Feststätten zu bewegen. In seiner Prosa liest sich das alles wie eine große Posse, wie Realsatire, die einem phantasiebegabten Hirn entspringt. Doch weit gefehlt: Bernhard erzählt nur unbekümmert, wie es zu dem ein oder anderen Eklat kam und stellt gerade damit sein unvergleichliches Talent unter Beweis. Spannend ist es schließlich, zu den Prosatexten die zugehörigen Festreden zu lesen, die dem Bändchen beigefügt sind.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrlich boshaft!, 3. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Preise (Gebundene Ausgabe)
Was kann man zu diesem Buch sagen? Nicht viel, ausser: alles liegen und stehen lassen, es sofort kaufen und in einem Zug auslesen. Da liegt also ein posthumer Th. Bernhard vor uns, ein Nachtrag sozusagen, etwas, dass zu Lebzeiten nicht den Weg zwischen die Buchdeckel gefunden hat. Und man darf dies als eine Art posthumes Geschenk auffassen.

Denn der Aufmarsch an Mittelmässigkeit, der mit Kulturveranstaltungen üblicherweise einhergeht, ist selten so treffend, so unterhaltsam und mit der bitterbösen Selbstironie dessen, der in diesen Betrieb eingebunden ist, beschrieben worden. Ein Säurebad für die unentbehrlichen Polit- und Kulturhofschranzen, all die wichtigen Leute, ohne die derartige Veranstaltungen nicht sein können, und der Dichter selbst bekommt natürlich auch was ab. Wer kann heut noch so schön boshaft schreiben, ohne plump ausfallend zu werden, diese unterschwellige Wut spüren lassen, und doch so klar bei der Sache bleiben? Wer kann heute das Welttheater der Idiotien noch so schön vorführen? Karl Kraus hätts gefreut.

Also, nicht lang Rezensionen lesen, sondern gleich das Buch kaufen, und hoffen, dass von derartigen Schätzen noch mehr in irgendwelchen Winkeln verborgen liegt.
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Meine Preise (suhrkamp taschenbuch)
Meine Preise (suhrkamp taschenbuch) von Thomas Bernhard (Taschenbuch - 16. August 2010)
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