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63 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine von schwarzem Humor gekennzeichnete Reise in die Vergangenheit.
Auf einem skurrilen und aberwitzigen Transport begleiten Angehörige ihre verstorbenen Familienmitglieder in ihre Heimat Bulgarien, wo sie ihre letzte Ruhe finden sollen.
Apostoloff ist der ruhige, stille Teilnehmer dieser Reise in die Vergangenheit. Er chauffiert das Auto mit zwei Schwestern, die in das Land ihrer Vorfahren reisen. Der Vater war in den...
Veröffentlicht am 20. Februar 2009 von cl.borries

versus
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn die kleine Tochter dem großen Vater aus der Zeitung vorliest...
Wenn es nur auf die Form ankäme, und wenn ich zu entscheiden hätte, würde ich Apostoloff noch einmal lesen. Weil Frau Lewitscharoff viele kleine und größere sprachliche Leckerbissen in ihre Erzählung eingestreut hat. Darunter die Beschreibung der Zwillinge Wolfi und Marco. Oder "die frisch geschlüpfte Geldgeneration" und...
Vor 16 Monaten von Volker Jentsch veröffentlicht


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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn die kleine Tochter dem großen Vater aus der Zeitung vorliest..., 28. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wenn es nur auf die Form ankäme, und wenn ich zu entscheiden hätte, würde ich Apostoloff noch einmal lesen. Weil Frau Lewitscharoff viele kleine und größere sprachliche Leckerbissen in ihre Erzählung eingestreut hat. Darunter die Beschreibung der Zwillinge Wolfi und Marco. Oder "die frisch geschlüpfte Geldgeneration" und "spatelförmige Nägel der parfümierten Sommerkellnerinnen". Frau Lewitscharoffs Spott ist gnadenlos, aber völlig in Ordnung. In dieser Hinsicht gibt es wenige, die ihr das Wasser reichen können. Auch nicht Eva Menasse, die in ähnlicher Absicht unterwegs ist. Allerdings erliegt auch Frau Lewitscharoff , leider, wie ihre Schriftsteller-Kolleginnen, nicht selten der Krankheit der sinnlosen Wort-Spielereien. "Dreck, Zwingdreck, Kraftdreck, Volldreck" habe ich stellvertretend für viele herausgegriffen, mit der sie die überwiegend monströse Denkmalkultur in Bulgarien zu geißeln versucht. Das sind nichts anderes als Zeilenfüller, in meinen Augen, das hätte sie nicht nötig. Sei's drum, es schmälert nicht den Wert der geglückten Szenen, wohl aber den Wert des Buches im ganzen.

Wenn es nur auf den Inhalt ankäme, und wiederum ich entscheiden dürfte, würde ich Apostoloff keinesfalls ein zweites Mal lesen. Schon beim ersten Mal hatte ich Mühe, bis zum Ende zu kommen. Die Exhumierung der Exilanten, davon betroffen vor allem der Vater, mit dem sie ganz offensichtlich Liebe und Haß verbindet; der sich dahin schleppende Konvoi; die endgültige(?) Bestattung in Bulgarien − all das ist an den Haaren herbeigezogen. Die Erzählung sagt mir wenig, sie bewegt mich nicht. Frau Lewitscharoff hat ihre Geschichte erfunden, um ein Buch zu schreiben. Besser anders herum: sie hätte ein Buch erfunden, um ihre Geschichte zu schreiben.
Aber ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht. Auch wenn ich die Geschichte für mißglückt halte, so enthält sie doch einige schöne Szenen, die ich nicht vergessen werde. Dazu gehört, wenn die kleine Sybille dem Vater die Zeitung vorliest und noch gar nicht lesen kann. Das Bild ist so schön, das läßt sogar das Gift vergessen, das sie von Anfang bis zum Ende über den Vater ausgießt, was nicht völlig abwegig erscheint, wenn er nach der Devise "Bitte mich zu entbehren", wie im Buch angegeben, sich aus dem Leben stiehlt. Angemerkt: die Geschichte mit ihren Eltern ist ganz und gar nicht "erzkomisch", wie das der lächerliche Klappentext des Buches verzeichnet, sondern im Grunde ziemlich ernst und traurig.

Wenn Frau Lewitscharoff ihre Messer an unserer Gegenwart wetzen und dabei auch die Dirigenten nicht verschonen würde, unter denen wir alle leiden, das wäre doch was. Wir brauchen ihre Fantasie, ihren Witz, Ernst und Mut für Kolumnen, die aus der Reihe tanzen. Vielleicht schreibt sie schon daran. Ich jedenfalls wünschte es mir.
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63 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine von schwarzem Humor gekennzeichnete Reise in die Vergangenheit., 20. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Auf einem skurrilen und aberwitzigen Transport begleiten Angehörige ihre verstorbenen Familienmitglieder in ihre Heimat Bulgarien, wo sie ihre letzte Ruhe finden sollen.
Apostoloff ist der ruhige, stille Teilnehmer dieser Reise in die Vergangenheit. Er chauffiert das Auto mit zwei Schwestern, die in das Land ihrer Vorfahren reisen. Der Vater war in den vierziger Jahren nach Schwaben ausgewandert.
Ein geschäftstüchtiger alter Freund des Vaters hat die Rücküberführung ehemals nach Schwaben ausgewanderter und inzwischen verstorbener Bulgaren durchgesetzt. Zu diesen gehört auch der Vater der beiden Schwestern, denn er hatte sich vor langer Zeit erhängt,..... und, wie es geschrieben steht, >der Strick schleifte noch lange in ihrem Gedächtnis!<
In einem endlosen Konvoi werden die Urnen auf der Heimreise von den Angehörigen der Verstorbenen begleitet.

Die beiden Schwestern sind von unterschiedlicher Mentalität: die eine ist kampflustig und hat eine scharfe Zunge. Die ältere ist sanft und scheint immer nur zuzuhören.

Es scheint keine besonders spektakuläre Geschichte zu sein. Doch was die Autorin Sibylle Lewitscharoff daraus gemacht hat, das ist von umwerfender Komik und zeugt von tief schwarzem Humor. Während der Reise spuken die Einfälle aus Vergangenheit und Gegenwart nur so durch den Kopf der älteren der beiden Schwestern. Von Vaterschwärmern und Muttermöbeln ist die Rede, und jede Beschreibung enthält eine Welt von Vorkommnissen! Erinnerungen verbinden sich mit Beobachtungen des Momentes und eine skurrile Familiengeschichte tritt zutage. Die hinreißenden Landschaftsbeschreibungen Bulgariens, die Essgewohnheiten, denkwürdigen Bauten und Charakteristiken des Landes zeigen ein Bild, das voller verrückter Einzelheiten und Merkwürdigkeiten steckt. Über allem schwebt der Geist des toten Vaters Kristo. Er war Arzt, kümmerte sich liebevoll um seine Kinder bis zu deren Eintritt in die Schule. Da war es um den Vater geschehen. Im Frühling jeweils zwei Monate lang umwölkte sich sein Geist, und Depressionen nahmen ihm und damit auch seinen Kindern jede Fröhlichkeit. Der Leichengeruch, der seinem Zimmer entströmte, wenn er sich zurückzog, gibt auf bewegende Weise Kindheitseindrücke preis.
Das Selbstgespräch der jüngeren der beiden Schwestern, die namenlos bleiben, unterhält den Leser mit witzigen, geistreichen, bissigen und makaberen Zwischenbemerkungen über die Vergangenheit und Gegenwart bis zum Schluss. Eine Fülle von Skizzen erzeugen Eindrücke von Familien, Freunden, ihren Taten und Eigenheiten. Kleinste Begebenheiten werden exakt aufgezeichnet.
Es ist eine Reise zwischen Ost und West, zwischen der Mentalität des bulgarischen Volkes und der Schwaben um Stuttgart herum, zwischen Familien in der einen und der anderen Hemisphäre von Politik und Geographie. Sogar zwischen den Schwestern herrscht Rivalität und Bissigkeit um Ansehen, Wertigkeit in der Beliebtheit und um das Auftreten.

Die Autorin nimmt mit ihrer Komik und Ideenvielfalt der Tragik des Lebens den Ernst und die Düsternis. Mit ihrem Humor schafft sie Distanz und verwandelt das Buch in eine nachdenkliche, anregende und anspruchsvolle Unterhaltung. Es ist ein aufs höchste zu lobendes Werk!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Häme und Spott für Bulgarien, 3. Mai 2013
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Zwei Schwestern auf einer Reise durch Bulgarien, das Land ihres Vaters. Gefahren und begleitet werden sie von Rumen Apostoleff, der dem Roman auch als Titelfigur gilt. Warum das so ist, wurde mir nicht so ganz klar. Die Ich-Erzählerin die etwas ältere der beiden in Stuttgart-Degerloch geborenen und aufgewachsenen, ungleichen Schwestern. Nicht auszuschließen, dass sie starke autobiografische Züge der Autorin trägt. Eine zum Sarkasmus neigende Frau, die etwas abschätzig über ihre Schwester erzählt, ohne jedoch punktuell durchaus neidvoll auf die beliebtere, apartere und umgänglichere der beiden zu schauen.

Der Grund ihrer Reise ist ein besonderer: Ein schwerreicher Bulgare, ein Bekannter ihres Vaters, entschließt sich, aus Amerika zurückzukehren, um eine ganze Reihe verstorbener Exilbulgaren in Deutschland zu exhumieren und im Heimatland zu bestatten. Dazu mietet er Luxuskarossen und lässt im Konvoi von Deutschland ins ehemalige Ostblockland fahren. Das ist der Hintergrund, der immer wieder angerissen und um Geschichten aus der Vergangenheit angereichert wird.

Die drei, zwei Schwestern und Apostoleff, reisen von Ort zu Ort, wobei er den Reiseführer gibt und später auch den Liebhaber der jüngeren Schwester. Die Ich-Erzählerin hat für das Land ihrer Wurzeln nur wenig mehr übrig als Spott und Häme, verfallen und korrupt wie alles ist. Ein böse Zunge, die die Autorin ihrer Hauptfigur verleiht.

Sibylle Lewitscharoff erhielt für diesen Roman den Preis der Leipziger Buchmesse im Jahr 2009. Ihr Bücher sind bei der Kritik hochgeschätzt, als massenkompatibel aber nicht zu bezeichnen. Es ist anspruchsvolle Literatur, an die man andere Maßstäbe anlegen muss als an reine Unterhaltungsromane. Sprachlich geschliffen, von Sarkasmus durchsetzt, rabenschwarz.
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ab nach Bulgarien!, 29. Oktober 2010
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Gerade einmal ein paar Tage unterwegs in dem Land ihres Vaters, sagt die Ich-Erzählerin: "Wir haben Bulgarien schon satt, bevor wir es richtig kennengelernt haben". Ja, so ähnlich ging es mir mit diesem Buch auch. Es mag ja sein, dass Bulgarien wirklich eine Art Land des schadhaften Lächelns ist, aber warum kehrt sie dann nicht um? Was treibt sie, mich auf 240 handlungs- und sinnfreien Seiten mit repetitiven Beschreibungen von schlechtem Essen, vergammelten Häusern und unsympathischen Mitreisenden zu langweilen, und noch mehr mit brutalstöden Reminiszenzen aus einer spießigen Kindheit in Stuttgart-Degerloch? Welche Schnittmengen die Autorin mit der Ich-Erzählerin gemeinsam hat - ich vermute einmal, sie sind recht großflächig - spielt wohl kaum eine Rolle. Wenn die Handlung authentisch ist, interessiert mich eine derart belanglose und noch belangloser geschriebene Autobiographie nicht, und wenn sie fiktiv ist, dann hat sich die Autorin vollends disqualifiziert, wenn es ihr nicht einmal gelingt, einem Reiseroman mehr einzuhauchen als eine Mischung aus ödem Geschimpfe, wie man es sonst von angetrunkenen Hartzies auf der Parkbank kennt und gespreizten, gesuchten und verblasenen Wendungen, die "erzkomisch" (so der Klappentext) finden will, wer mag: "Auf hochflorigen Teppichen schliefen die Möbel in scheuer Widersetzlichkeit". Was für ein unerträgliches Geschwurbel!

Ich hätte dieses Buch längst aus der Hand gelegt, wenn ich nicht auf der Suche danach gewesen wäre, was die Juroren dazu bewogen hat, dieses Geschreibsel um des Geschreibsels willen mit Literaturpreisen zu bekränzen. Ich habe es nicht herausgebracht. Vielleicht haben sie in diesem Buch des zahnlosen Grinsens endlich eine Landschaft gefunden, auf die sie mit dem Finger zeigen können, weil es in ihr noch öder zugeht als in ihrem eigenen Hirn.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bulgarien ist schon etwas merkwürdig, 24. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Chronologisch sieht die Handlung des in lauter Rückblicken erzählten Romans etwa so aus: Gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Reihe anderer Nachkommen ehemals in Schwaben ansässiger, inzwischen verstorbener Bulgaren reist die Ich-Erzählerin nach Bulgarien. Nachdem der Termin, dem die Reise diente, absolviert ist, besichtigen die beiden, unter der Führung eines bulgarischen Verwandten, Rumen, noch einige kleinere und größere Städtchen und statten einem Bekannten Rumens, einem örtlichen Mafia-Boss einen Besuch ab. Die Erzählerin mag Bulgarien nicht, schimpft über das Essen, sieht die Reise als Anlass, mit ihrem verstorbenen Vater zu hadern und lässt ihre beiden Begleiter gerne an ihren streitbaren Gedanken teilhaben.

Die mit sich selbst und ihrer Umwelt nur leidlich zufriedene, gleichzeitig Orte, Begegnungen und die Familiengeschichte vorsichtig taxierende Erzählerin wird dem Leser sympathisch. Vielfach hält sie sich an Kleinigkeiten auf, dem Verhältnis der beiden Hunde des Mafia-Bosses untereinander oder der Anbringung des Bidets in einem der Hotels. Die Sprache ist eher überbordend und umfasst Wortschöpfungen wie "körpergenial" und "putzpraktisch". Teilweise entstehen daraus überzeugende Bilder und Charakterisierungen, teilweise wirkt es etwas überdreht. Die Autorin versteht ihr Handwerk jedenfalls außerordentlich, als Leser braucht man etwas Sinn fürs Romantische.

Es ist alles in allem recht unterhaltsam, der Erzählerin auf diese Reise nach Bulgarien und in die Vergangenheit zu folgen, bei der einem sonderliche Orte und Menschen begegnen, die es allemal wert sind, erinnert zu werden. Statt sie als skurril und abgefahren zu charakterisieren, wie es vielleicht gut in die aktuelle Balkan-Mode gepasst hätte, treten sie hier als tendenzielle Zumutung auf, wodurch sie allerdings nur umso ernster genommen werden. Zur Abwechslung jedenfalls ein interessant anderer Roman.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mit de' Schwesta von Dähgaloch nach Bullgahrien (Hörbuch-Rezensíon), 18. September 2009
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff: Gekürzte Lesung (Audio CD)
Nach dem zweiten Weltkrieg fand sich in Stuttgart eine kleine Kolonie von 20 bulgarischen Auswanderern zusammen, die versuchten, in der Fremde ihr Glück zu machen. Nun, nach mehr als 50 Jahren, befinden sich die Nachfahren dieser schwäbischen Bulgaren auf einer sonderbaren Reise. In einem großen Autokonvoi sollen die sterblichen Überreste der Auswanderer in heimatliche Erde überführt werden.
Mit von der Partie ist die Ich-Erzählerin, die gemeinsam mit ihrer Schwester den Sarg des Vaters überführt, der sich mit Mitte 40 das Leben genommen hatte. Sie nutzt die Reise, um sich in der Heimat des Vaters mit ihm auseinanderzusetzen, der sich ihrer Auffassung nach zu früh aus der Verantwortung der Auseinandersetzung gestohlen hat.

Eigentlich ein interessantes Setting, das die Hoffnung auf skurrile Beschreibungen, humorige Anekdoten aus der bulgarisch-deutschen Familiengeschichte und pointierte Szenen der makabren Balkanfahrt verspricht. Doch die so genährte Hoffnung vermag das Hörbuch nicht zu erfüllen. Auch wenn gelegentlich ein wenig Humor aufblitzt, so stellt sich doch zusehends der Eindruck einer verhärmten, verbitterten und einsamen Beobachterin ein, die kaum dazu zu bewegen ist, sich von ihren aus schlichten Vorurteilen erwachsenen Klischees zu lösen. Auch die Auseinandersetzung mit der Vaterfigur, die wie ein Geist ihre Reise begleitet, folgt einem eher assoziativen Schema, das dieser griesgrämigen Grundstimmung unterworfen ist.

Das alles ist noch nicht wirklich schlimm und es gibt hinreichend Bücher, deren hervorstechendstes Merkmal die Abwesenheit von Handlung ist. Und oft sind das nicht die schlechtesten. Was dieses Hörbuch nicht über zwei Sterne kommen lässt die Mischung aus schlichten, unreflektierten Klischees und die Lesung. Der Verlag hat sich, warum auch immer, dazu entschlossen, die Autorin selbst lesen zu lassen und damit niemandem einen Gefallen getan. Weder der Autorin, die dieser Aufgabe zu keinem Zeitpunkt gewachsen ist, noch dem Hörer.

Frau Lewitscharoff liest ihr Buch mit einer überartikulierten Intonation, die stark an eine Grundschullehrerin erinnert, die ihren Kleinen eine Gruselgeschichte zum Besten gibt. Schlimmer aber ist der unentwegt stark durchklingende schwäbische Akzent, der mitunter zu völlig neuen, selten jedoch erfreulichen, Hörerlebnissen führt.

Schade um den Plot.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Milieuschilderung interessant, sprachlich aber nicht souverän, 7. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Nachdem ich eine schreckliche Rezension "Jenseitsästhetik. Sybille Lewitscharoffs prämierte Prosa" im Zeno 2013 gelesen hatte und es nicht glauben konnte, hatte ich mir die Vorlesungen "Vom Guten, Wahren und Schönen" vorgenommen. Leider mußte ich dem Verriß recht geben. Es war banal, oft peinlich. Demgegenüber finde ich die Lewitscharoff-Belletristik nicht ganz so daneben, jedenfalls deutlich potenter als die literaturwissenschaftlichen Auslassungen. Die Handlung ist in der Tat dürftig, und das Motiv eines privaten Abrechnungsbuches schimmert auch leider allzu deutlich durch. Dennoch lernt man durch die Kreuzung zweier Provinzhintergründe - Stuttgart-Degerloch und bulgarische Schwarzmeerküste - doch wenigstens ein paar skurrile Milieus kennen. Was mich aber stört, ist der oft krampfhaft wirkende Versuch, durch altertümelnde, gezierte Sprache den mageren Plot aufzuputzen (das häufige "wohl wahr", "wahrlich" etwa, von penetrant "hochmögenden" Substantiv-Preziosen gar nicht zu reden). Wenig überzeugend auch der Einschub phantastischer Elemente à la magischer Realismus wie in der kurzen Katzenszene S. 32.
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31 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zäh und insgesamt enttäuschend, 4. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mehr erwartet von "Apostoloff" - die Rahmenhandlung lässt auf eine interessante und durchaus ungewöhnliche Geschichte hoffen, beim Lesen starb bei mir die Hoffnung allerdings nicht zuletzt, sondern schon ziemlich schnell.

Erzählt wird der Roman von einer Ich-Erzählerin, Mitte fünfzig, Tochter eines Bulgaren, der gegen Ende des zweiten Weltkriegs aus seiner Heimat nach Stuttgart emigrierte. Es sind insgesamt 20 Bulgaren, die in dieser Zeit nach Stuttgart gelangen und dort miteinander einen lockeren Umgang pflegen.

Mehr als 60 Jahre später organisiert einer der beiden letzten der überlebenden Bulgaren den Rücktransport der sterblichen Überreste seiner Landsleute in die alte Heimat. Diese Rückführung, an der eine Vielzahl der Hinterbliebenen (u.a. auch die Ich-Erzählerin und ihre Schwester) teilnimmt, wird mit großem Pomp über mehrere Tage hinweg zelebriert.

Im Anschluss daran verbringen die Ich-Erzählerin und ihre Schwester noch einige Tage in Bulgarien zusammen mit einem entfernten Verwandten namens Rumen Apostoloff, der mit ihnen eine Rundreise durch das Land macht.

Es stören mich an dem Roman verschiedene Dinge:

* Die unsympathische Ich-Erzählerin - sie ist schrecklich negativ eingestellt, sie hat eine Aversion gegen Bulgarien, gegenüber ihrem bemühten Reiseführer macht sie dessen Heimat ständig schlecht, sie ist immer nur genervt und nimmt es ihrer Schwester übel, dass diese sich besser mit der Situation arrangiert.

* Um was geht es eigentlich? Steht die Aufarbeitung der persönlichen Geschichte der Ich-Erzählerin im Vordergrund? Der Selbstmord des Vaters, als diese erst 11 Jahre alt ist? Die Abneigung gegen Bulgarien? Oder ist es eher die skurril anmutende Aktion der Rückführung der Toten? Oder eine Art Reisebericht von einem Land, das nichts Schönes zu bieten hat ("Molvanien" lässt grüßen...)?
Alles kommt irgendwie vor, aber bleibt insgesamt recht oberflächlich.

* Der abschweifende Erzählstil - viel zu oft gerät die Ich-Erzählerin ins Schwafeln, und der Roman, der eh schon keinen roten Faden hat, schweift in überflüssiges, pseudo-philosophisches Gefasel ab. Das gestaltet die Lektüre streckenweise überaus zäh.

Dennoch gibt es auch die ein oder andere Stelle, an der ich schmunzeln musste. Zwar war ich erst einmal (und das ist dreißig Jahre her) in Bulgarien, bin aber durchaus mit anderen Ländern in Osteuropa vertraut und konnte so manche Situationen nachvollziehen.

Dass der Roman allerdings im Klappentext als "rabenschwarze, erzkomische Abrechnung mit dem Vater" gepriesen wird, ist hahnebüchendes Verlegerlatein.

"Verbittert" und "nörgelig" sind da sicherlich die treffenderen Adjektive - aber mit denen lässt sich natürlich kein Buch verkaufen.
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5.0 von 5 Sternen Apostoloff, 8. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Ein erstaunliches Buch! Es ist die andere Biographie. Lewitscharoff wendet sich ihrer Familiengeschichte zu, jedoch verdeckt, geradezu konspirativ und terroristisch. Kein Verklärung, keine Sentimentalitäten in Sachen Familie, in Sachen Vaterrolle, in Sachen bulgarische "Heimat". Das Buch strotzt von Vatervernichtung und politischer Unkorrektheit. Es ist ein Wechselbad zwischen Satire und Realismus. Das Buch der Lewitscharoff hebt sich wohltuend von sogenannten "Vaterromanen" ab, in den meist männliche Autoren nach ihrer männlichen Identität forschen. Apostoloff ist deshalb auch eine Gegenmodell zu allen langweiligen und humorfreien Vaterbüchern von B. Vesper bis B. Bakker.
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34 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Konzeptlos und langweilig, 23. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Apostoloff (Gebundene Ausgabe)
Ein konzeptloses, schlecht verfaßtes Buch, dessen Lektüre sehr langweilig ist.

Auf der Suche nach einer Abrechnung mit ihrem Vater und seiner bulgarischen Familie, beschreibt die Autorin eine Bulgarienreise". Als Hintergrund dient die makabre Geschichte der Überführung der sterblichen Überreste seines Vaters nach Bulgarien. Die Protagonistin, welche laut der Aussagen der Verfasserin mit ihr selbst zu identifizieren ist, nach der Beschreibung der Ankunft am Flughafen in Sofia Folgendes zu: "wir haben Bulgarien satt, bevor wir es kennengelernt haben". In der Tat, die weitere Reise durch das Land hätte sich die Protagonistin bzw. Frau Lewitscharoff sparen können. Sie hat nichts davon kennengelernt, nicht einmal das, was ein Kenner des balkanischen Raums die "reine Oberflächlichkeit" nennen würde. Das Buch, eine reine Haßtirade auf das Land, entwickelt sich mit jeder weiteren Seite zu einer Karikatur einer Gruppe geistig eingeschränkter durch Europa reisender Schwaben. Der Vergleich zwischen dem für die Autorin unerträglichen Bulgarien und dem Traumort Stuttgart scheint ernst gemeint zu sein und Gleichnisse wie "der schwäbische Ingenieurhimmel" (sic!) sind wahrscheinlich gar nicht ironisch konziepiert. Wenn das Buch überhaupt ein Konzept erkennen läßt, sind das die Komplexe der Verfasserin und ihr Haß auf den eigenen Vater und seine Herkunft. Man fragt sich, wie jemand, der für sich eine intellektuelle Tätigkeit wie die Schriftstellerei beansprucht, nicht in der Lage ist, ein Minimum von der Kultur, Geschichte und Mentalität des Landes wahrzunehmen. Wie sollte aber ein Leser, der über ein Minimum an sprachwissenschaftlichen Kenntnissen verfügt, mit den von der Verfasserin geäußerten Aussagen zur bulgarischen Sprache z.B. umgehen: keine harten Laute" ... Rumänisch klingt besser". Dass jemand, der sein Brot mit Sprache und Schreiben verdienen will, nicht imstande ist, sich über Phonetik korrekt zu äußern, ist peinlich genug. Dass eine solche Person keinen Unterschied zwischen Sprachfamilien kennt, ist noch peinlicher. Noch absurder klingen in diesem Sinne auch Frau Lewitscharoffs Aussagen zum bulgarischen öffentlichen Leben, wenn man bedenkt, dass sie der Sprache offensichtlich nicht mächtig ist. Kennt sie irgendwas von der bulgarischen zeitgenössischen Literatur, ließt sie Presse oder wiederholt sich von irgendwelche von anderen formulierten Klischees? Wäre es für sie nicht angebrachter gewesen, ein Familiendramma zu verfassen, was ihrem emotionalen Zustand und ihrer Absicht entsprochen hätte, anstatt einen Text über ein ihr eigentlich unbekanntes Land auf Papier zu bringen?
Was kann man aber von einer Person erwarten, die sich Schriftstellerin nennen will, die ihre Vatersprache" nicht beherrscht, ihre Muttersprache" (das Deutsche) aber nur mit einem penetranten, unüberhörbaren schwäbischen Akzent auszusprechen vermag? Ich höre mit meinen Anmerkungen an diesem Punkt auf, denn eine Diskussion über andere Fragen, etwa über Frau Lewitscharoffs Äußerungen zu Mode" etc. in ihrem Vaterland" halte ich für äußerst niveaulos. Über die Kompetenz dieser Aussagen kann sich jeder, der Frau Lewitscharoff im Interview erlebt hat, eine Meinung bilden.

Fazit: Apostoloff" ist ein Buch, dessen einziges erkennbares Konzept der Ausdruck der eigenen Komplexen der Verfasserin bezüglich ihrer Abstammung ist. Das Buch kann wohl nicht als provokativ bezeichnet werden, denn Provokation beruht auf ein Konzept und zielt auf konkrete Adressaten (es sei denn, wir verstehen den Text als eine Selbstprovokation von und für Sybille Lewitscharoff). Die Qualitäten" dieses Buches entsprechen gewissermaßen der Etymologie des bulgarischen Nachnamens der Verfasserin: das Substantiv "lewitschar" heißt nämlich "Linkshändler" und daher umgangssprachlich "ein unfähiger Mensch".
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Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Sibylle Lewitscharoff (Taschenbuch - 19. Juli 2010)
EUR 8,99
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