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121 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein wirklicher Erzähler ist er nicht
Uwe Tellkamp. Der Turm

Trotz des enormen Umfangs habe ich das Buch ganz (mit ein paar Ausnahmen, wo die mir zu anspruchsvolle Syntax mich vor die Wahl stellte, eine Passage dreimal zu lesen oder zu überspringen) und meist auch gerne gelesen, teile aber dennoch die Meinung einiger Kritiker, dass einige Kürzungen gutgetan hätten. Tellkamp ist...
Veröffentlicht am 23. August 2009 von Dr. Jochen Menge

versus
389 von 440 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tellkamps großes Selbstgespräch
Ich war auf diesen Roman gespannt - nicht nur, weil ich in der Nähe von Dresden aufgewachsen bin und den sozialen Rahmen der Handlung zumindest oberflächlich kenne. Dazu war ich in der beschriebenen Zeit so alt wie Christian, eine der Hauptfiguren, und habe so viele seiner Stationen zeitlich parallel erlebt: EOS, Abitur, dreijährige Armeezeit, Ende der DDR...
Veröffentlicht am 2. März 2009 von blackandblue


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121 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein wirklicher Erzähler ist er nicht, 23. August 2009
Uwe Tellkamp. Der Turm

Trotz des enormen Umfangs habe ich das Buch ganz (mit ein paar Ausnahmen, wo die mir zu anspruchsvolle Syntax mich vor die Wahl stellte, eine Passage dreimal zu lesen oder zu überspringen) und meist auch gerne gelesen, teile aber dennoch die Meinung einiger Kritiker, dass einige Kürzungen gutgetan hätten. Tellkamp ist gelegentlich der Versuchung erlegen, zu viele Anekdoten und Ereignisse, die ihm für sein Thema relevant erschienen (es für sich genommen auch sind) in seinen Roman einzubauen, ohne sie jedoch handlungsmäßig integrieren zu können. Ich denke z.B. an den Verteidigungsminister und sein urologisches Problem, an die Wiedereröffnung der Semperoper, an die Episoden mit Arbogast und seinem Institut oder auch an die Besuche Menos bei Schriftstellern und Mitgliedern der Nomenklatur, wo der Lesegenuss wohl doch eher auf Insider beschränkt ist, die die realen Vorbilder kennen und hier ihre Freude an der manchmal satirisch zugespitzten Darstellung haben.
Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass Tellkamps Talent nicht wirklich das eines genuinen Romanschriftstellers ist. Konstitutive Elemente eines Romans wie Figurendarstellung und Handlungsentwicklung sind oft erstaunlich schwach. Die an Christian interessierte Reina hat plötzlich eine Affäre mit dessen Vater? Christians Mutter schläft mit Rechtsanwalt Sperber, damit dieser sich Christians Sache annimmt? Wie unmotiviert! Zu viele der eingeführten Figuren bleiben ganz blass; selbst Meno, nach Christian die andere Zentralfigur im Roman, ein Mann, dessen in auch Tagebucheinträgen und Gedankenfragmenten vermittelte Sicht der Dinge wir doch offensichtlich teilen sollen, wird insgesamt nicht plausibel entwickelt. What makes him tick? Über das Scheitern seiner Ehe (ein totes Motiv) oder über die Entwicklung seiner (und der seiner Schwester) Abwendung vom Kommunismus hätte ich mehr erfahren wollen.
Ein letzter Kritikpunkt: Die Sprache in den die Handlung vorantreibenden Dialogen erscheint mir oft platt, banal, hölzern. Ganz im Gegensatz dazu stehen dann aber die Beschreibungen, in denen die Sprache treffend und vielschichtig, außerordentlich assoziations- und bilderreich, gelegentlich freilich auch etwas mythisch raunend und gewollt schwierig daherkommt, z.B. in den Passagen, in denen eine quasi halluzinatorische Phantasie das Fließen des Flusses und der Zeit mit Bedeutsamkeit aufladen und auf eine höhere Ebene transportieren will.
Was mich für diese Schwächen entschädigt hat, war die überaus konkrete, durch Detailkenntnisse beglaubigte, absolut authentische wirkende Schilderung einer Epoche, die gewiss zukünftigen Historikern als Fundgrube dienen wird. Viele Schwächen im Leben der DDR waren mir zwar bewusst, in dieser Krassheit haben sie mich aber doch überrascht. Die allgegenwärtige Zerstörung der Umwelt, der durchgängige Verfall der Dinge, der Institutionen, aber auch der moralischen Beziehungen waren wohl viel weiter fortgeschritten, als es den meisten im Westen klar war. Obwohl ich z.B. von der desolaten Situation im Bitterfelder Chemiegebiet gehört und gelesen hatte, kam für mich die Beschreibung der Zustände in der Karbidfabrik als Schock. Allen, die in den 60er Jahren im Westen aufgewachsen sind, waren die Widersprüche des Kapitalismus nur zu offensichtlich; dass die (ganz anders gearteten) Widersprüche des Kommunismus so viel stärker waren, haben wir nicht gewusst. Wer den Turm gelesen hat, versteht, warum die DDR so (scheinbar) schnell und für uns unerwartet nicht nur untergehen konnte, sondern untergehen musste. Wo gäbe es ein ähnlich aufschlussreiches Werk über die NS ' Zeit?

Jochen Menge, 17.8.2009
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389 von 440 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tellkamps großes Selbstgespräch, 2. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich war auf diesen Roman gespannt - nicht nur, weil ich in der Nähe von Dresden aufgewachsen bin und den sozialen Rahmen der Handlung zumindest oberflächlich kenne. Dazu war ich in der beschriebenen Zeit so alt wie Christian, eine der Hauptfiguren, und habe so viele seiner Stationen zeitlich parallel erlebt: EOS, Abitur, dreijährige Armeezeit, Ende der DDR. Nach einer anstrengenden bis quälenden Lektüre bin ich mit Uwe Tellkamps "Der Turm" eher unzufrieden. Dieses Buch ist nicht der erwartete Gesellschaftsroman sondern leider nur eine starre, schrullige und gelegentlich größenwahnsinnige Beschreibung eines bestimmten Dresdener Kleinbürgermilieus. Mir kommt es vor wie eine Art gigantisches Selbstgespräch, mit dem der Autor seine Jugendjahre reproduziert.

Dieser "Turm" ist trotz seiner Detailverliebtheit abweisend; er erzählt keine große Geschichte, an deren Handlung und Figuren man Anteil nimmt. Das liegt vor allem an den drei Hauptfiguren des Romans: neben Christian (offensichtlich Tellkamps alter ego) sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Jeder hat auf seine Weise bestimmte Konventionen extrem verinnerlicht, erscheint borniert und unbeweglich. Man kann als Leser zu ihnen kein Verhältnis aufbauen; sie bleiben während der gesamten Handlung stets distanzierte Fremde. Speziell die Figur des Christian wirkt so blass, verklemmt und unverständlich. Sie erzeugt keine Neugier und kann einen nicht durch den Roman führen. Ähnlich ergeht es mir mit Meno, diesem zwanghaften Nischen-Intellektuellen, der seine Unfähigkeit zu leidenschaftlichen Gefühlen im Buch immer wieder mit seitenlangem Gesülze kompensieren muss. (Durch die Kursivschrift kann man jeweils leicht weiterblättern).

Andere Mängel des Romans wiegen bei dieser unglücklichen Struktur der Hauptfiguren fast weniger schwer: die hölzernen Dialoge, die durchweg seltsam erscheinenden Frauenfiguren, der Mangel an Sexualität in und zwischen den Figuren, schließlich die langweilende und häufig funktionslose Detailversessenheit. Natürlich gibt es auch Szenen und Episoden, die ich gelungen fand: die Darstellung der Dichtermilieus etwa, des Hauses Arbogast oder des Beginns von Christians Armeezeit. Aber das bleibt für mich zu wenig, um den "Turm" als großen, nachhaltig wirkenden Roman zu bewerten.

Bleibt die Frage, ob das Buch zumindest als wahrhaftige Chronik der späten DDR taugt. Auf jeden Fall zeichnet Tellkamp die kleine Welt seines Romans sehr treffend und realistisch. Ein breites Gesellschaftspanorama sollte man allerdings nicht erwarten. Sicher konnte man in Dresden und anderswo auf den materiellen Mangel und die staatliche Repression so reagieren und sein Leben so gestalten wie die Figuren im Turm". Man musste es aber nicht, ohne dadurch gleich ein Anhänger des Systems gewesen zu sein. Vielleicht wäre aus diesem Buch ein großartiger Roman geworden, hätte Uwe Tellkamp vorher seinen "Turm" tatsächlich verlassen...
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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Turm - eine vertane Chance, 29. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Um es vorweg zu sagen: das ist er nicht, DER Wenderoman. Und einem Vergleich mit den Buddenbrooks, obwohl naheliegend und von manchen Rezensenten so gesehen, kann er auch nicht standhalten. Aber zunächst kurz zum Inhalt. Der fast tausendseitige Roman beginnt Anfang der 1980er Jahre in Dresden und endet mit dem 9. November 1989. Die handelnden Personen sind in erster Linie Bewohner eines Dresdner Villenviertels welches, von Christian, der Hauptperson, der "Turm" genannt wird. Zu Beginn des Romans steht Christian kurz vor dem Abitur, am Ende steht er nach 5 Jahren Militärdienst- und Haftzeit just am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Dazwischen erleben wir wie Christian bereits als pubertierender Abiturient in seiner Schulzeit Schwierigkeiten mit dem herrschenden System bekommt. Das Wunschstudium der Medizin ist gefährdet. Später als Panzerkommandant bei der NVA erlebt er den tragischen Tod eines Kameraden bei einer Militärübung in der Elbe. Das läßt ihn aufbegehren gegen seine Vorgesetzten und bringt ihm eine Haftstrafe in einschlägigen DDR-Gefängnissen und Arbeitsanstalten ein. Aber Christian ist kein aktiver Widerständler gegen das politische System sondern sein Protest ist eher der spontane Ausbruch eines lang angestauten Unmuts und Mißtrauens gegenüber staatlicher Deckelung und Unterdrückung. Das macht die Handlung vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse im Herbst 1989 glaubwürdig und Christian sympathisch. Am Ende dieser fünf für Christian verlorenen Jahre ist auch das Ende der DDR gekommen und man fragt sich, wozu das Ganze? Das verleiht dem Roman eine tragische Komponente.
Neben Christian sind weitere Personen, an denen der Leser Anteil hat, vor allem sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Richard, ein Arzt, der sich im familiären Kreis durchaus gegen das System äußert, hat ein Verhältnis mit einer Angestellten seines Krankenhauses und wird daraufhin von der Stasi erpresst. Das ist gut nachvollziehbar und verleiht dieser Figur Fleisch und Blut. Die Gestalt des Onkel Meno dagegen, ein Lektor in einem Verlag mit Kontakten zu einflußreichen Repräsentanten des Systems, wirkt eher hölzern. Seltsam unwirklich und blutarm wirken auch die Vertreter des sogenannten "Ostrom", einem politischen Sperrbezirk zu dem Meno mit besonderen Passagierscheinen Zugang hat. Mit Meno und diesen Vertretern aus der politischen und künstlerischen Mittelschicht der DDR verbinden sich für mich die langweiligsten Passagen des Romans, die leider nicht gerade kurz geraten sind. Glücklicherweise lassen sich gerade die schöngeistigen Auslassungen Menos anhand des Kursivdrucks schnell ausfindig machen und sind leicht zu überfliegen.

Warum es sich bei "Der Turm" nun nicht um ein rund um gelungenes Werk handelt, liegt meines Erachtens in den doch ernormen Längen, die der Roman aufweist. Gerade die Tagebucheintragungen des Onkel Meno gehören für mich zum Langweiligsten, was Literatur zu bieten hat. Auch die große Detailverliebtheit des Autors sowie Abschweifungen in diverse Nebenhandlungen ohne Zusammenhang zur Haupthandlung sind sehr störend. Und leider sind nicht alle wichtigen Personen so genau gezeichnet wie Christian oder sein Vater. Kein Vergleich auch mit den Buddenbrooks an deren Ende der Leser doch mitfühlt. Im "Turm" ist das nur ansatzweise in Gestalt Christians gelungen. Schade, ein interessanter Stoff wurde hier etwas verschenkt. Auf DEN Wenderoman, geschweige denn DEN DDR-Roman müssen wir noch warten.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Turm - ein langer aber kein großer Wenderoman, 24. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Fast 1000 Seiten Wenderoman. Ich, geboren 1963 und bis zu deren Ende in der DDR gelebt, also 5 Jahre älter als der Autor, war richtig gespannt auf dieses Buch. Empfohlen von einem Literatur besessenen ehemaligen Klassenkameraden, der auf schwierige Längen" des Werkes hinwies, dem es grundsätzlich jedoch die Tiefe, das Detailwissen und Erinnerungsvermögen des Autors und die vielfältig vorhandene Parallelität zwischen der Hauptfigur Christian und seinem eigenen Leben angetan hatten. Dazu kamen noch ein Klappentext, der zum Inhalt des Romans meint, dass es wirklich so gewesen sei in der späten DDR, die Tatsache, dass der Stoff jetzt gar hochkarätig verfilmt wird und schließlich ein Vergleiche des Romans mit den Buddenbrooks" und anderen Klassikern weckten meine Vorfreude auf das Werk.

Meine Erwartungshaltung war also sehr hoch. Und sie wurde enttäuscht. Ich habe mich durch dieses Werk gekämpft und war froh, dass es zu Ende war. Zum einen liegt es tatsächlich an den Längen, an seitenlangen epischen Passagen. Diese fielen mir außerordentlich schwer, zumal sich dabei weder die Handlung entwickelte noch inhaltliche Vertiefungen erfolgten, die für das Handlungsverständnis notwendig gewesen wären. Dann spielt das Buch vorwiegende in einer intellektuellen, hochgeistigen Sphäre, also in einem sehr speziellen Milieu. Sicher werden dort die Achtziger so abgelaufen sein; ich habe sie anders erlebt. Und ich bin überzeugt, dass viele derer, die diese Zeit bewusst und aktiv erlebt haben, diese Milieuschilderung im "Turm" nicht nachvollziehen können, da sie diese anders erlebt haben und ihnen auch deswegen, da ihnen der Umgang mit bzw. Zugang zu dieser elitären Umgebung fehlte. Insofern halte ich das Werk für nicht repräsentativ, was vielleicht auch gar nicht möglich und nötig ist. In jedem Fall ist aber die Einschätzung von Jens Bisky falsch, dass, "wenn einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, man ihm rasch und entschlossen diesen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken sollte".

Was im Buch als eine Ursache für die Wende viel zu kurz kam, war der Einfluss des "Neuen Denkens" der Sowjetunion unter Gorbatschow in breiten Teilen der Bevölkerung der DDR in seiner Wechselwirkung mit der brüsken Zurückweisung dieser Politik durch die SED-Führung. Die Perestroika und vor allem die Glasnost entfalteten eine für die DDR-Führung verheerende Wirkung in breiten Teilen der Bevölkerung. Die von Honecker so ironisch bezeichneten "neuen Freundchen der Sowjetunion" brachten mit den Glasnost-Inhalten die Verantwortlichen im Staat (und "der" Partei) mächtig in Schwierigkeiten. Reaktion der SED-Führung: Unkommentierte Glasnost kritische Leserbriefe aus der Prawda übernommen im Neuen Deutschland abgedruckt, unkommentierte Meldungen über steigende Kriminalität, Armut und schwere Produktionsunfälle in der Sowjetunion und schließlich - das auch im Buch kurz erwähnt - das Verbot diverser Publikationen der Sowjetunion in der DDR, am bekanntesten des "Sputnik". Dieses wiederum führte zu einer stillen Protestwelle in Form von Massenaustritten aus der DSF oder Eingaben an diese oder andere Massenorganisationen. Das alles findet bei Tellkamp nicht statt; ich habe es so schon erlebt.

Eine sehr schön beschriebene Episode, die das generell Neue Ende der späten achtziger darstellt, ist (im Kapitel 69 "Wetterleuchten") zu finden, als Pfarrer Magenstock den Aufruf einer Umweltgruppe im Schaukasten der Kirche anbringt. Der ABV legt ihm nahe, dieses wieder abzunehmen während weitere Passanten stehen bleiben. Eine Gruppe Uniformierter nähert sich, woraus ein Offizier "Auseinander!" befiehlt. Und nicht nur, dass die Menschen stehen blieben, andere Passanten gesellen sich dazu. Und bieten der Staatsmacht durch Ihre gemeinsames Auftreten die Stirn. Der Offizier schwieg." Und noch nie wurde ein ähnlich einsamer Mann gesehen wie" der ABV, der in der Mitte des freien Raumes zwischen beiden Gruppen stand.
Das (!) war es eigentlich, was ganz wesentlich und ursächlich die Situation der DDR zu Ende der achtziger widerspiegelt und die Basis für die friedliche Revolution darstellt. Leider findet man solche Episoden im Buch zu wenig.

Die Einzelschicksale, insbesondere von Christian und Richard, wie eindrucksvoll, detailliert und nachvollziehbar auch dargestellt, münden nicht logisch in die Notwendigkeit einer Wende. Sie verlaufen im Roman merkwürdig parallel zu den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen Ende der achtziger Jahre.

Positiv, ohne Frage, die Detailkenntnisse vieler Bereiche, wie des Gesundheitswesens, EOS, NVA, die vieles auch bei mir in Erinnerung riefen, während einiges für mich auch neu war, so Strafkompanie Schwedt oder Einsatz der NVA-Soldaten in der Produktion.

Zusammenfassend ein Roman, den man gelesen haben sollte um das Verständnis für diesen historisch wichtigen Zeitabschnitt im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung zu vertiefen.
Ein Werk, das ich nicht als Schulliteratur empfehlen würde, da die Handlung die Breite und Tiefe dieser Zeit zu wenig repräsentiert und die Längen des Buches den Nachwuchs statt für Literatur zu öffnen und für Geschichte zu interessieren, diesen eher verstören werden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pro und Contra, 16. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Dresden in den 80ern. Dass die DDR nicht mehr lange existieren würde, das konnte damals noch keiner wissen.
Der Staat verfällt zusehens, selbst das Villenviertel in Elbflorenz verkommt mehr und mehr.
Richard ist Arzt in einer Klinik und muss mit der Mangelwirtschaft klarkommen - und mit einer Lebenslüge. Er hat seit vielen Jahren eine Affäre und Kinder und der fremden Frau. Sein Sohn Christian lernt unterdessen das Innenleben der NVA kennen - in seiner vollen Härte. Dabei möchte er eigentlich Arzt werden, aber für das Studium muss er für drei Jahre zur Armee. Meno ist Lektor in einem Verlag und lernt dabei auch die Reicheren und Schöneren kennen, verfängt sich jedoch auch immer mehr im System.

Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" gilt als der Schlüsselroman über die DDR. Er erhielt dafür diverse Preise. Und in der Tat gelingt es ihm auf nicht ganz 1000 Seiten die letzten Jahre des SED-Staates in vielen seiner Facetten offenzulegen. Was passierte in der Gesellschaft? Das Gesundheitssystem. Die Armee. Die Infrastruktur. Die Wohnungswirtschaft. Städtebau. Politik und Repressionen, natürlich die Stasi und der Polizeiapparat.
Inhaltlich ein hervorragender Stoff. Die Art, wie das aufgeschrieben ist, ist extrem unterschiedlich. Da gibt es mitreißende Kapitel mit spannenden Dialogen und Begegebenheiten. An anderen Stellen doziert Tellkamp seitenlang und nahezu absatzfrei. Man möchte fast sagen: blabla. Rauscht am Leser vorbei. Schon die Ouvertüre auf den ersten Seiten ist harter Tobak, den man gern mal überblättert.
Das Buch ist schwere Kost, und nicht nur, weil es so dick ist. Ein Roman zwischen Spannung und Qual, nicht nur inhaltlich. Schade, für mich ist "Der Turm" lange nicht <em>der</em> Roman.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bedauerlich., 9. September 2013
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Geschafft! Ich habe es tatsächlich geschafft, die knapp 1000 Turm-Seiten durchzuackern, und komme damit auch gleich zu meinem Hauptkritikpunkt: Tellkamp legt meiner Ansicht nach einen wichtigen und bereichernden Roman vor, der mir, die ich im sogenannten Westen aufgewachsen bin und nun im sogenannten Osten lebe, wertvolle Einblicke in ein "versunkenes Land" gewährt hat, mich erschüttert, nachdenklich, vielleicht sogar klüger zurücklässt. Die Umsetzung dessen schmälert jedoch den Lesegenuss erheblich. Tellkamp strapaziert den Leser mit einer derart anspruchsvollen Sprache, dass es auf Dauer ermüdet. Kaum ein Satz ohne stilistisches Highlight, ohne beeindruckende Sprachbilder, ohne originellen Satzbau und dergleichen mehr, wobei mir insbesondere Menos Tagebuchaufzeichnungen mit zunehmender Textlänge nahezu unerträglich, in ihrer Großartigkeit fast langweilig wurden. Der tiefere Sinn dieses seitenlangen, selbstverliebt anmutenden Zelebrierens der Sprach-, Stil- und Ausdrucksversessenheit eines Autoren erschließt sich mir nicht, zumal sich wahrscheinlich mancher Leser davon wird abschrecken lassen. Das ist bedauerlich und unnötig.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hat mich gefesselt, 1. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Egal, was andere Leser vor mir geschrieben haben - das Buch hat mich gefesselt. Ich wollte es trotz der gemischten Kritiken unbedingt lesen und hatte mich auf schwere Kost eingestellt. War es aber wirklich nicht. Na klar, der Roman liest sich nicht wie ein Thriller aus Skandinavien, aber dafür hat man länger was von.
Die Sprache ist Geschmackssache, aber meiner Meinung nach wird dadurch die Geschichte nicht unlesbar. Sie ist ausschweifend, aber sie langweilte mich nicht, sondern im Gegenteil: bei mir gab's Kopfkino. Die Figuren sind ebenso zerrissen, wie die DDR am Ende ihrer Tage selbst. Ich glaube, keine der Hauptfiguren war darauf angelegt sympathisch zu wirken. Glaubwürdigkeit statt Identifikation. Alles in allem ein epischer Roman, eine der besten deutschen Bücher, die ich bisher gelesen habe. Mein Tipp: lesen und wenn's nicht geht, dann kann keiner behaupten, dass man's nicht versucht hätte. Nicht von den schlechten Rezensionen hier abschrecken lassen. Die sind wirklich nicht gerechtfertigt.
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69 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Äußerst zähes Machwerk, 30. Juni 2009
Mit großer Spannung und Vorfreude habe ich das Buch nach mehreren guten Rezensionen begonnen, leider wurde ich sehr schnell enttäuscht. Die Geschickte entwickelt sich äußerst mühsam, lange ist dem Leser überhaupt nicht klar worum es sich handelt, wer die handelnden Personen sind etc. Dem Roman fehlt ein einigermassen stringeter Handlungsstrang. Ich habe mich wirklich mühsam durch das Buch gequält und fast ein halbes Jahr gebraucht um es zu beenden. Der Grund, dass ich nicht aufgegeben habe ist wohl der, dass es trotz der seitenlangen abschweifenden Ergüsse dennoch immer wieder Passagen gibt, die ein interessantes und sicher stimmiges Bild des DDR-Alltages zeichnen, das mich als West-Leser schon gefesselt hat. Leider gelingt es dem Autor nicht, den Leser mittels der Geschichte zu bannen sondern im Gegenteil, wird es ihm durch übermäßiges methaphorisieren und zusammenhanglos erscheinende Gedankensprünge sehr schwer gemacht, der Geschichte zu folgen. Oftmals konnte ich nicht mehr als 4-5 Seiten am Stück lesen was das Lesevergnügen deutlich schmälerte. Geradezu unerträglich und unleserlich sind die ständigen, scheinbar sinnlosen Gedankenstränge von Meno Rohde - ich gestehe, dass ich diese gegen Ende einfach nur noch quergelesen habe.
Fazit: Schade. Es hätte ein großartiges Buch werden können, hätte der Autor sich an das alte Motto "Weniger ist oft mehr" gehalten und mindestens auf die Hälfte der Metaphern und Gedankensprünge verzichtet. Nur zu empfehlen für Leute, die zuviel Zeit haben und sich gerne durch anstrengende Texte quälen.
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Turm, 4. Januar 2009
Der Anfang des Romans verlangt vom Leser die Umstellung auf Endlossätze mit gewaltigen bildträchtigen Wortschöpfungen. Hat er sich darauf eingelassen, kämpft er sich zunächst optimistisch durch den Dschungel der einzelnen Schauplätze und bemüht sich, die zahlreichen Gestalten kennenzulernen. Dann beginnt das große Warten auf einen Handlungsstrang.
Immer neue Momentaufnahmen reihen sich hintereinander, aber wo bleibt der rote Faden? Hin und wieder keimt vergeblich Hoffnung auf, einen zu entdecken, aber dann reißt er wieder und macht neuen Bildern Platz, die wie aus dem Zusammenhang gerissen auftauchen. Vergeblich blättert man ein paar Seiten zurück, um sicher zu sein, nichts überlesen zu haben. Schließlich wird der Leser ärgerlich und geht zum Diagonallesen über.
Wer sich ein Bild der untergehenden DDR machen will, ist hier im falschen
Buch. Mag sein, dass einige Intellektuelle die DDR so erlebt haben, für den "normalen Sterblichen" ist das kaum nachvollziehbar. Als Informationsquelle kann dieses Buch also kaum dienen.
Als Roman eigentlich auch nicht. Anerkennen muss man allerdings das besondere Talent des Autors, bildreiche Worte in kunstvollen Satzgefügen niederzuschreiben. Vielleicht versucht er es ja eines Tages noch mal mit einem "richtigen" Roman.
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253 von 321 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen großartige Geschichtsschreibung, literarisches Versagen, 13. November 2008
Das Erinnerungsvermögen des Autors an eine längst vergangene Zeit ist geradezu überwältigend beeindruckend - toll für all die Leser, die ein historisches Interesse an diesem speziellen Sujet haben. Mir hat "Der Turm" als Geschichtsbuch und Erinnerungshilfe jedenfalls einige Freude bereitet...
Wer aber einen Roman von Format erwartet, wird enttäuscht. Wenn Sie "Die Korrekturen" mögen oder die Arbeiten von Siri Hustvedt oder die Erzählungen von Raymond Carver, kurz: Bücher, die einem eine ganze Welt schenken, werden Sie diesen Roman wahrscheinlich hassen.
"Der Turm" schenkt dem Leser keine Welt, weil gar nicht klar wird, was er überhaupt erzählen möchte (mal abgesehen vom chronistischen Anspruch des So-war-es-in-der-DDR). Vergeblich kämpft man sich durch die 973 Seiten auf der Suche nach Handlung oder gar Spannung. Zwischen obsessiven Beschreibungen von Orten in einer Sprachgewalt, die anstrengend ist und dennoch kraftlos bleibt, stößt man auf lahme Dialoge, die manchmal sogar zum Fremdschämen einladen. Die Figuren bleiben leblos und holzschnittartig. Es bedeutet mir nichts, daß diese Welt, diese Figuren, diese Dialoge womöglich historisch verbrieft sind - ein Roman braucht mehr. Ich schließe mich gerne der Empfehlung eines Vorrezensenten an: "Die Insel" von Matthias Wegehaupt leistet da deutlich mehr.
Für den geschichtlich interessierten Leser wird "Der Turm" dennoch eine interessante Lektüre sein.
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Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch)
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