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44 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oben ist es auch einsam.
Gerbrand Bakker beschreibt einen Ausschnitt im Leben von Helmer, der in der Einsamkeit des Nordens der Niederlande auf einem Hof Vater und Vieh versorgt. Schon auf den ersten Seiten entsteht Spannung, denn Helmer ist nicht unbedingt fürsorglich bei der Pflege des Vaters und natürlich fragt man sich, warum er so ruppig mit ihm umgeht.

In vielen...
Veröffentlicht am 17. Juni 2009 von J. Müller

versus
3.0 von 5 Sternen Eigenheit ist eine Zier -
...und eigen ist dieser stille Roman ganz sicher. Ich kann mich täuschen, aber ich meine, in diesem Text steckt eine für die Niederländer typische Eigenbrötelei, sowohl das Erzählte als auch das Erzählerische betreffend. Und das sage ich mit voller Sympathie!

Helmers Entschluss, den Vater aus dem Erdgeschoss ihres Hauses...
Vor 1 Monat von LaFlamande veröffentlicht


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44 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oben ist es auch einsam., 17. Juni 2009
Von 
J. Müller (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still (Gebundene Ausgabe)
Gerbrand Bakker beschreibt einen Ausschnitt im Leben von Helmer, der in der Einsamkeit des Nordens der Niederlande auf einem Hof Vater und Vieh versorgt. Schon auf den ersten Seiten entsteht Spannung, denn Helmer ist nicht unbedingt fürsorglich bei der Pflege des Vaters und natürlich fragt man sich, warum er so ruppig mit ihm umgeht.

In vielen Rückblicken wird klar, warum Helmer so ist und warum er so einsam und auch unzufrieden ist. Die Rückblicke sind eingebettet in die Schilderung seines aktuellen Lebens, das durch das Auftauchen der früheren Verlobten seines Zwillingsbruders Henk aufgewühlt wird. Zu Henk, der von seinem Vater zu Lebzeiten fast immer vorgezogen wurde, hatte Helmer eine sehr innige Beziehung.

Am Ende hat sich Helmer ein Stück weit befreit aus seiner Starre und ist doch allein.

Ein wunderschönes Buch über das Alleinsein und mit Bildern, die die Atmosphäre so gut schildern, dass ich mich oft selbst fast auf dem Hof stehen sah.
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57 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einsamer Existenzialismus, 19. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still (Gebundene Ausgabe)
Der 1962 in Holland geborene Autor war bisher wenig bekannt, lediglich ein etymologisches Wörterbuch und ein Jugendroman sind von dem studierten Literatur- und Sprachwissenschaftler (der auch ein Diplom als Gärtner hat) greifbar. "Oben ist es still" erschien 2006 und erhielt die zwei wichtigsten Debüt-Preise der Niederlande. Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich habe es in zwei Tagen zu Ende gelesen. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum dies so ist. An der Sprache kann es nicht liegen. Kurze, kantige Sätze und lange Dialoge, die wie Fäden aneinander gereiht sind, ohne Erläuterungen dazwischen - kein herausragender Erzähler also. Was nahm mich dann derart gefangen? Die Gestalt von Helmer, dem Ich-Erzähler, der im Alter von 55 Jahren seinen senilen und immobilen Vater ins Dachzimmer des Bauernhofs verfrachtet, um sich unten alleine einzurichten. Es sind die Reflexionen über sein Leben, die aus der Altersperspektive heraus den grossen Bogen spannen und in denen sich jeder mehr oder weniger wieder erkennen kann. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn die Fragen sind immer die gleichen: Warum bin ich der geworden, der ich bin? Welchen Anteil spielt die Familie, die Erziehung, die Umgebung, die Ausbildung. Das Buch endet mit dem Satz: "Ich bin allein." - Wahrer Existenzialismus, ohne Wenn und Aber.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tragik ohne Komik, 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Helmer bewirtschaftet den Hof allein - sein Vater liegt alt und schwach im Bett.
Er liegt oben im Bett.
Er liegt in der oberen Etage im Bett.
Er liegt oben, damit Helmer unten seine Ruhe hat.

Die Mutter und der Zwillingsbruder Henk sind tot.

Helmer hatte sein Leben anders, ganz anders vorgesehen und geplant.
Es wird in der 1. Person der Alltag beschrieben, das Vergangene, die Familiendramen und die nun fehlenden Optionen.
Sein Leben ist trostlos, hoffnungslos, ruhig und klar.
"Ich hab den Dingen immer ihren Lauf gelassen."
Man kann verstehen, warum sich Helmer seinem Vater gegenüber so roh verhält - man kann sich sogar wundern, dass er ihn nicht schlechter behandelt; sein Vater war nicht gut zu ihm.
"Er brüllte sich durch alles durch."
Man kann verstehen, warum er so wurde wie er nun ist.
Manchmal bricht seine Nüchternheit auf und der Leser kann den Schmerz ahnen, den Helmer versucht in Schach zu halten.

Was z.B. Elke Heidenreich hier tragikomisch fand, erschliesst sich mir nicht.
Ich sehe und spüre hier nur Tragik - das Lachen bleibt im Halse stecken ob des Galgenhumors, der lediglich das Drama erträglicher machen soll.

Helmer ist allein und gesteht sich Einsamkeitsgefühle kaum zu.
"Manchmal begreife ich nicht, wie ich so alt werden konnte."
Helmer war immer ein Denker - sein Bruder der Handelnde.

Zum Ende will Helmer auch handeln.
".... ich glaube, ich kann mich nicht mehr unter den Kühen verstecken, um den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wie der letzte Idiot."

Es ist ein langsames, ein desillusionierendes, ein trostloses, ein trauriges und grossartiges Buch.
Der Protagonist hat mein Mitgefühl und meine Sympathie (sehr viel Sympathie).
Dies ist kein Buch um es mal flott nebenbei zu lesen ' es verlangt Zeit und Aufmerksamkeit und Empathie.
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44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen die Nebelkrähe und der Tod, 30. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still (Gebundene Ausgabe)
Der Name des Autors verrät es schon: Wir befinden uns in den Niederlanden. Oben ist es still" spielt auf dem Land, auf einem Bauernhof, den Helmer van Wonderen, der Ich-Erzähler, ein Mann um die fünfzig, bewohnt. Er lebt ganz alleine mit seinem Vater, einem Landwirt alten Schlages, den Helmer nun pflegen muss. Einst als der Vater noch das sagen hatte, lebte Helmer mit seinem Zwillingsbruder Henk auf diesem Hof. Henk und Helmer gingen eine Symbiose ein, schienen unzertrennlich, auch wenn Henk der Liebling des despotischen Vaters war. Eines Tages lernte Henk in einer Dorfkneipe Riet kennen und die beiden verlobten sich. Da sich unglücklicherweise auch noch Helmer in Riet verliebte, endete die Harmonie zwischen den beiden Brüdern. Dann kam Henk bei einem Autounfall ums Leben, tragischerweise auch noch im Wagen der Verlobten. Alles änderte sich fortan und Helmer fand sich als Landwirt wieder, weil er es nicht wagte, gegen seinen tyrannischen Vater aufzubegehren. So gingen drei Jahrzehnte ins Land und Helmer musste ein Leben führen, dass fremdbestimmt war; denn der Vater hatte ihm ein Leben aufgezwungen, dass Helmer so eigentlich nicht führen wollte, im Laufe der Zeit aber doch sein eigenes geworden ist. Jetzt wo der Vater alt und gebrechlich geworden ist, beschließt Helmer, sich ein Stück Freiheit zurückzuerobern und verfrachtet ihn und das gehasste Vaterbett kurzerhand nach oben ins Dachgeschoß. Nun ist es oben still und Helmer beginnt unten zu renovieren, um sich von der Vergangenheit loszueisen. Doch sie holt ihn schneller ein, als er denkt: er erhält einen Brief von Riet und alte Erinnerungen werden dadurch heraufbeschworen...
Gerbrand Bakker gelingt mit seinem Debut ein komisches und melancholisches Buch, dem eine unbestimmte Sehnsucht innewohnt, die den Leser mit knappen, präzisen und lakonischen Sätzen zu fesseln weiß. Obgleich nichts Sensationelles in diesem Buch geschieht, wird der Leser von Satz zu Satz hineingezogen in den langsamen und ruhigen Alltag des Protagonisten. Doch wenn man glaubt, es könne nichts Wesentliches mehr geschehen, gibt es überraschende Momente, Bedrohungen und Schicksalswendungen, die anfangs so unscheinbar sind, wie der Blick einer Nebelkrähe in den kahlen Ästen, die in diesem Buch immer wieder eine Rolle spielt. Oben ist es still" handelt von der Suche nach Identität, von dem Einswerden des Menschen mit der Natur und der tiefen Begegnung mit der Einsamkeit.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitleiden mit einem Mitleidslosen - ein großes Buch ohne große Worte., 12. November 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Ich habe Vater nach oben geschafft."

Klar und kompromisslos beginnt Gerbrand Bakkers Roman "Oben ist es still". Und es geht auch so weiter...

Helmer und Henk sind Zwillingsbrüder. Obwohl Helmer ein paar Minuten älter ist und somit eigentlich den väterlichen Hof erben müsste, findet er nie Gnade vor den Augen seines Vaters. Irgendetwas an ihm stößt den Vater ab, immer ist er anders als Henk, der Zupackende, der geborene Bauer, der verdiente Erbe.

Völlig zerrüttet ist die Beziehung zum Vater, als Helmer nach Amsterdam auf die Universität geht, um Literatur zu studieren. "Mein Sohn geht jetzt Wörter lernen", sagt der Vater verächtlich.

Doch dann stirbt Henk: Seine Freundin Riet verursacht einen Verkehrsunfall, bei dem Henk ertrinkt. Mit zwei Sätzen regelt der Vater beider Leben: "Ich möchte, dass du weggehst und nie wiederkommst.", sagt er zu Riet. Und zu seinem Sohn: "Und du bist fertig, da unten in Amsterdam." Das ist alles. Keiner widerspricht. Riet verschwindet aus ihrem Leben und Helmer ist von dieser Sekunde an Bauer!

Jetzt rächt er sich. Der Vater ist bettlägerig und kraftlos. Jetzt ist Helmer am Zuge. Der Vater kommt nach oben ins ungeheizte Zimmer (Der Geizkragen wollte schließlich keine moderne Heizung!). Essen und Trinken gibt's nur gelegentlich. Das müsste das Problem doch lösen...

Und Riet taucht wieder auf. Sie will Helmer wiedersehen, aber nur wenn der Vater tot sei. Das ist er, versichert Helmer, etwas voreilig, aber aus seiner Sicht aufrichtig! Was will Riet? Will sie doch noch Bäuerin werden? Nein, wieder steht etwas Unausgesprochenes im Raum, sie will Helmer nicht, hat ihn nie gewollt. Sie möchte, dass ihr Sohn als Knecht zu Helmer kommt, um arbeiten zu lernen. Sein Name: Henk!

Der Junge ist launisch und undiszipliniert, langweilt sich schnell. Aber er versteht sich mit Helmers Vater. Das beirrt Helmer, lässt ihn an seinem Verhalten kurz zweifeln: Ist der Tod des Vaters wirklich die Lösung? Eigentlich will er doch nur wissen woher die Ablehnung kommt, warum er nie vor seinem Vater bestehen konnte? Warum Riet nur Henk wollte, obwohl sie doch Zwillinge sind? Warum nur der wortkarge Knecht Jaap ihm Geborgenheit gibt und der Vater auch ihn, Jaap, undankbar und rücksichtslos behandelte. Das Wort homosexuell würde keine der Personen je aussprechen... Es bleiben nur Überforderung und Verletzlichkeit, wo man einfach geliebt und akzeptiert sein will.

Die Familie, so heißt es häufig, sei die kleinste Zelle eines Gemeinwesens. Manchmal jedoch ist sie offenbar eher eine Art Terrorzelle, deren Mitglieder sich gegenseitig das Leben möglichst schwer machen.

Bakkers Roman zeigt uns einen faszinierenden Anti-Helden: Der Ich-Erzähler Helmer ist kein sympathischer Mensch, der Umgang mit dem Vater entrüstet und nimmt den Leser gegen ihn ein. Dennoch kann man ihn verstehen! Bakker ist ein in seiner Ambivalenz perfekt gezeichneter Protagonist gelungen, der den Leser fesselt. Lakonisch und ausdrucksstark erzählt, eingebettet in bildmächtige Landschaftsbeschreibungen erstehen auch die Seelenlandschaften eines Mannes vor dem Leser, dessen vergebliches Ringen um väterliche Anerkennung tiefe Verletzungen hinterlassen hat. Dieses Pendeln zwischen den Polen von Ablehnung und Mitgefühl berührt beim Lesen tief und macht "Oben ist es still" zu einem im Wortsinne mitreißenden Buch von einem sehr talentierten Autor.

Unbedingt Lesen!

P.S. Vergleichbar-gute Bücher (mit ähnlichem Inhalt):
Per Petterson: "Im Kielwasser", "Pferde stehlen",
Zsuzsa Bánk: "Der Schwimmer",
Norbert Scheuer: "Überm Rauschen: Roman".
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolutes Muss, 29. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Noch nie habe ich so lange über ein Buch nachgedacht wie über dieses. Dieser Roman hat sich zu meinem absoluten Lieblingsbuch gemacht. Es ist ironisch und traurig zugleich, ein völlig neuer Inhalt & nicht die ewig gleiche Story. Anfangs hatte ich kleine Probleme mit dem Sprung zwischen Gegenwart und Vergangenheit aber das hat sich auch schnell getan. Ich bin vollkommen zufrieden mit diesem Kauf und glücklich dieses Buch gelesen zu haben. Es lässt sich also absolut empfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich weiß nicht was es ist..., 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
...aber dieser Autor verzaubert. Er hat einen wundervollen Stil, der einen manchmal zum Schmunzeln bringt, mal Kopf schütteln lässt und auch Verwirrung bleibt nicht aus. Das Buch zeichnet sich, meines Erachtens, nicht so sehr über die durchaus außergewöhnliche Geschichte aus, sondern viel mehr durch diese besondere Art, diese Geschichte zu erzählen. Ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Abwesenheit der Liebe, 27. November 2012
Von 
Dieter Drewitz "didi" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Helmer van Wonderen hat mit 18 Jahren seinen Zwillingsbruder Henk bei einem Unfall verloren. Seitdem Henk im Auto seiner Braut Ried ertrunken ist, fehlt Helmer die Hälfte seiner Selbst. Er musste sein Literaturstudium aufgeben und an Stelle seines Bruders auf dem Bauernhof seines Vaters schuften.
37 Jahre später beschließt er, sich für sein abgestorbenes Leben beim inzwischen kranken und hilfsbedürftigen Vater zu rächen. Er verfrachtet diesen in einen der nicht beheizbaren Räume des Bauernhauses im Obergeschoß und setzt die Betreuung und Ernährung auf Sparflamme, in der Hoffnung, dass der mürrische Alte dort irgendwann stirbt.
Doch ein Brief Rieds durchbricht seine innere und äußere Emigration. Sie schickt ihm den Sohn aus ihrer späteren Ehe zur Arbeit auf dem Hof. Neben den Kühen, Schafen und Eseln hat er plötzlich Verantwortung für den widerspenstigen Jugendlichen Henk.
Der 2002 erschiene Debütroman des niederländischen Autors Gerbrand Bakker (geboren 1962) hat inzwischen Kultstatus.
Er erzählt die Geschichte aus der Sicht Helmers.
Es geht nicht nur um Enttäuschungen, Kränkungen und Ängste sondern um die Abwesenheit von Liebe.
Helmer kann seine Vergangenheit nicht mehr ändern, wird aber in der Gegenwart gezwungen, ihr auf die Spur zu kommen. Es gibt ein Tabu in seiner Jugend, das mit dem plötzliche Abschied des Knechts zu tun hat.
Helmer hat den Alten zur Einsamkeit verdammt, aber er selbst ist nicht weniger allein. Liebe und Zärtlichkeit hat er nie gefunden. Das Zeigen von Gefühlen ist nicht seine Sache.
Zum Schluss reist er in das Land seiner Träume, Dänemark. Doch auch dort findet er sich nicht. Die leise erzählte Trauergeschichte ist eine Tragödie über die Hölle, nie geliebt worden zu sein und dadurch selbst der Liebe unfähig zu sein.
Ein wunderbares, zu mich Tränen rührendes Buch!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitte mehr davon!, 14. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wie fühlt es sich an, ein Leben, das man nicht will, das man nicht selbst bestimmt, das geleitet wurde von anderen, denen man nichts entgegen zu setzen hatte? Wenn man bereut, vorgeschriebene Wege nicht verlassen zu haben?
Oben ist es still ist ein komischer und ein tragischer Roman zugleich, der vorsichtig, von Seite zu Seite, das Leben von Helmer aufblättert. Das Leben, das er jetzt lebt, mit seinem alten, gebrechlichen Vater und mit dem pubertierenden Henk, der plötzlich auftaucht und für Unruhe sorgt.
Durch gezielt gesetzte Rückblicke wird Helmers Beziehung zu seinen Eltern, im Besonderen zu seinem Vater, zu seinem Zwillingsbruder und zu Riet, durch die Helmer seinen Zwillingsbruder verlor, beleuchtet.
Das Cover unterstreicht den Roman, der wie ein feingewobenes Flechtwerk wirkt und in seiner schlichten, zurückhaltenden Sprache auf eine wunderschöne und ergreifende Weise berührt.

Fazit

Bitte mehr davon!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderschönes Buch über die Einsamkeit, 21. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Wie fühlt es sich wohl an, wenn der Zwillingsbruder stirbt? Wenn man plötzlich nur die Hälfte eines Doppelkörpers ist? Wenn man auf einmal alle Erwartungen, die zweien galten, alleine erfüllen muss? Und wenn man sich dabei auch noch wie die zweite Wahl fühlt.

Henk und Helmer, bisher nur im Doppelpack genannt, doch durch einen Unfall verliert Helmer seinen Bruder. All seine Lebenspläne sind damit über den Haufen geworfen, weil der Vater Helmer nun auf einmal zum Bauern machen will, eine Rolle, die ursprünglich Henk ausfüllen sollte. Helmer ordnet sich den Wünschen unter und gibt sein eigenes Leben auf. Und so wundert es nicht, dass Helmer niemand zur Seite steht, weder Frau noch Partner.

Fast vierzig Jahre unterdrückt Helmer seine eigenen Bedürfnisse. Doch eines Tages schiebt er seinen inzwischen bettlägerigen Vater ins Obergeschoss ab und fährt Pflege nur noch auf Sparflamme. Eine späte Rache? Oder doch eher die fortgesetzte Unfähigkeit, miteinander zu sprechen, auszutauschen, was einen bewegt.

Erst als ein junger Bursche zum Arbeiten auf den Hof geschickt wird, deutet sich an, wie Helmer seine Gefühle über Jahrzehnte zurück gehalten hat. Schmerz, Verletzungen, Hoffnungslosigkeit, Aufgabe. Für wen eigentlich? Für einen knorrigen, lieblosen alten Sack von Vater?

Die Geschichte ist sehr schön geschrieben. Die Dialoge sind wortkarg und bringen sehr viel von der bäuerlichen Sturheit rüber. Obwohl Helmer alleine ist, wirkt er in seiner Einsamkeit gefasst. Rückblenden beleuchten die einst besseren Zeiten, die Einigkeit mit dem Zwillingsbruder, die Kraft der Jugend. Doch vieles bleibt auch in Andeutungen, eine gewisse Homoerotik bleibt unaussprochen im Raum. Und der tagtägliche Trott auf dem Bauernhof: Eher ein Quell von Achtsamkeit und Unaufgeregtheit oder doch eher von quälender Eintönigkeit?

Der Roman hat eine Ruhe, die inspirierend ist. Es passiert nicht wirklich etwas aufregendes, oder nein, doch, aber es wird so unaufgeregt beschrieben, dass für mich daraus fast schon eine buddhistische Gelassenheit spricht.

Wirklich schön!
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Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Oben ist es still: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Gerbrand Bakker (Taschenbuch - 25. Januar 2010)
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