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78 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein wunderbares Buch!
Auf 765 Seiten breitet Amos Oz ein Panorama von "Liebe und Finsternis" aus, und keinen Moment wird es langweilig. Das vielleicht zentrale Zitat steht auf S. 126: "Wenn du keine Tränen mehr zum Weinen hast, dann weine nicht. Lache."
So hält diese Beschreibung von Amos Oz' Jugend, deren Wurzeln er bis zu seinen Großeltern...
Veröffentlicht am 24. April 2005 von HCWerthern

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55 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber spröde
Der große israelische Romancier legt mit diesem wirklich dicken Buch eine Art Biographie vor, bleibt aber fiktional. Die Geschichte der eigenen Familie ist dicht verwoben mit der Geschichte Israels, beginnend am Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum späten zwanzigsten.
Oz erzählt hauptsächlich davon, was Israel ist und was es bedeutet, auch...
Veröffentlicht am 16. Februar 2006 von Thomas Liehr


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78 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein wunderbares Buch!, 24. April 2005
Auf 765 Seiten breitet Amos Oz ein Panorama von "Liebe und Finsternis" aus, und keinen Moment wird es langweilig. Das vielleicht zentrale Zitat steht auf S. 126: "Wenn du keine Tränen mehr zum Weinen hast, dann weine nicht. Lache."
So hält diese Beschreibung von Amos Oz' Jugend, deren Wurzeln er bis zu seinen Großeltern zurückverfolgt, über den gesamten Spannungsbogen die Balance zwischen Weinen und Lachen. Bei all dem Traurigen, das der junge Amos in Jerusalem zur Zeit der Staatsgründung Israels erlebt, von der Erschießung eines Nachbarjungen durch einen jordanischen Scharfschützen bis hin zur größten Katastrophe, dem Selbstmord seiner Mutter, schildert er immer auch das Komische, das Absurde, das Skurrile, das er bei seinen Mitschülern, seinen Nachbarn, seinen Eltern und Großeltern erlebt. Nebenbei erfährt man viel über die hebräische Sprache, über israelische Schriftsteller aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und über die Lebensumstände in Jerusalem zur Zeit des ersten Nahostkriegs.
Oz bindet alle diese Ebenen seines Romans, der eher eine Tatsachenerzählung ist, mit großer Kunstfertigkeit zusammen, so dass der Leser nie verwirrt wird, obwohl Oz in den Zeiten und in den Themen beständig hin und her springt. Über den Selbstmord seiner Mutter äußert er sich zum ersten Mal - nie hat er mit seinem Vater, seinen Großeltern, seiner Frau oder irgendjemandem anders darüber gesprochen. Aus jeder Zeile sprechen sein Entsetzen darüber und seine große Liebe, die er für seine Mutter empfand. Von vielen Seiten nähert sich dieser eigentlich unbeschreiblichen Tat, aber immer wieder schweift er ab, als bringe er es nicht über sich, sie hinzuschreiben. Erst auf der letzten Seite überwindet er sich.
Hoch zu loben ist auch Ruth Achlama, die die Übersetzung aus dem Hebräischen besorgt hat. Auch wenn ich das Original nicht kenne und auch gar nicht verstehen würde, merke ich doch, wie sie sich in Oz' Werk hineinversetzt hat und mit welcher scheinbaren Leichtigkeit sie die verschiedenen Stimmen der vielen Menschen, die hier zu Wort kommen und die sich deutlich in Diktion und Sprachfärbung unterscheiden, ins Deutsche überträgt.
Die knapp 800 Seiten sind keine leichte Kost, aber ihre Lektüre ist ohne jeden Abstrich zu empfehlen.
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43 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mir fehlen die Worte, 11. August 2007
Von 
Jeden Satz, den man zur Beurteilung von "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" niederschreibt, empfindet man als profan.
Ich versuche es dennoch, da ich mich geradezu verpflichtet fühle fünf Sterne zu vergeben.
Regelrecht benommen war ich als ich das Buch nach der letzten Seite zuschlug. Benommen und ergriffen.
Selten ist ein Romantitel so treffend gewählt: "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis". Ein vielschichtiger Roman bei dessen Lektüre man wünscht er möge nie enden.
So atmosphärisch beschreibt er in einer Leichtigkeit als würde Amos Oz neben einem sitzen und die Geschichte seiner Jugend erzählen. Springt von Anekdote zu Anekdote, macht einen kurzen Rückgriff oder Sprung in die Zukunft um dann wieder den Faden aufzunehmen. Immer wieder muss man innehalten und die Sätze nachklingen lassen. Sei es wegen des meisterhaften Erzählstils, sei es wegen einer empathisch geschilderten kleinen oder großen Tragödie, sei es wegen einer weiteren Lebensweisheit.
Die "Geschichte von Liebe und Finsternis" ist humorvoll, ist traurig, ist amüsant, manchmal bedrückend, subtil, intelligent und vor allem - voller Liebe.
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96 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz großer Erzähler!, 17. Oktober 2004
Amos Oz Eine Geschichte von Liebe und Finsternis Suhrkamp Verlag
ISBN 3518416162
Hier beschreibt ein Autor seine wunderbare, anrührende und in einem langen Lebensprozess zur Vollendung gereifte Geschiche.
In differenzierten, feinen Beobachtungen, mit denen er als Kind die Welt und die Erwachsenen um sich herum wahrgenommen hat, läßt uns Amos Oz teilnehmen an dem, was Juden mit der Vertreibung aus ihren Heimatländern widerfahren ist.
Beide Großeltern stammen aus Odessa und Rowno, von wo sie um 1930 herum aufgebrochen sind, um in Israel eine neue Heimat zu finden, geflohen vor Progromen und den heranrückenden Nazis.
Es waren wohlhabende, gebildete Familien, die aus allen Bezügen bürgerlichen Wohlstands und der Teilhabe am kulturellen und wissenschaftlichen Leben herausgerissen wurden. Der Aufbruch in ein neues Land, der nicht gewollt war, vollzog sich unter widrigsten Umständen. In Jerusalem brauchte man Handwerker und benötigte Landwirtschaft, um überhaupt zu einem Aufbau des Landes beitragen zu können. Über beide Fertigkeiten verfügten viele eingewanderte Familien nicht. So blieben Träume und Hoffnungen auf wissenschaftliche Karrieren auf der Strecke, mußte nach dem gewohnten begüterten Leben mit primitivsten Unterkünften Vorlieb genommen werden, galt es, Verzicht auf gewohnten Lebensstandard zu leisten. Nur Bücher bleiben eine unerschöpfliche Quelle des Glücks in der Familie.
Der Junge wird ein liebevoller Beobachter, der seinen Eltern mit Empathie die Unbilden der Einwanderung zu erleichtern versucht. Daß er damit überfordert war, ist nur zu begreiflich.
So ahnt er die Tragödie der Eltern: eines klugen, pedantischen und mühsam das Leben meisternden Vaters, der sich als Bibliothekar den Broterwerb sichert, und einer an schweren Depressionen erkrankten, ebenfalls begabten und klugen Mutter.
In wunderbaren Szenen bekommen wir ein Bild von der frühen Phantasiewelt, mit der der Autor sich eine Welt zusammenspielt, in der er bestehen kann.
Der übergroße Vater, der viel zu viel spricht, weil er das Schweigen nicht erträgt, die stumme und bedrückend kränkelnde Mutter begleiten seine frühesten Kindheitsphasen. Später ertragen Vater und Sohn den Freitod der Mutter nur stumm miteinander. Sie gehen auseinander, als Amos beschließt, sich in einen Kibbuz zu begeben und sein Leben selber in die Hand zu nehmen.

Man bekommt tiefe Einsichten in die Unerschütterlichkeit, mit der Juden ihr Leben in der fremden Umgebung zu meistern versuchten, um endlich eine Heimat zu finden.
Die beschriebenen Charaktere sind vielfältig wie das Leben.
Die Schilderungen sind getragen von liebevoller Mitmenschlichkeit, voller Verständnis, kritischer Selbstreflexion und Dankbarkeit für die Menschen, die dem Erzähler im Leben begegnet sind und ihm weitergeholfen haben. Dazu gehört auch die spätere Ehefrau. Schöner und anrührender kann man eine solche Liebe und Freundschaft nicht beschreiben.
Traditionen in den Familien bleiben das bindende Glied über alle Hürden und Widrigkeiten hinweg. Es gibt aber auch Zerrüttungen, die eine Begegnung zwischen einstmaligen Familienmitgliedern für immer unmöglich werden läßt.
In einer zugleich poetischen und realistischen Sprache wird hier ein Leben zwischen Vergangenheit und Aufbruch beschrieben, voller Lebensweisheit, Weltklugheit und Versöhnlichkeit, ohne daß die bestehende Realität verleugnet wird.
Ich habe lange nicht ein so wunderbares Buch wie dieses gelesen.
Cl.B.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen LESEN! Ein wunderbares Buch!, 26. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Dieses Buch hätte auch mehr als 5 Sterne verdient, wenn man denn mehr vergeben könnte.....Ich gehöre nicht zu den regelmäßigen Rezensenten, aber nachdem ich dieses Buch vor zwei Tagen fertig gelesen hatte, muss ich ausnahmsweise mal einen Kommentar schreiben. Ich habe schon lange kein so faszinierendes Buch mehr gelesen, an keiner Stelle langweilig, die vielen genauen Beschreibungen auch von Straßen, die "KleinerEngel777" so gestört haben, haben mich bewogen, mir einen Stadtplan von Jerusalem zu besorgen, damit ich besser mitlesen kann......
Es ist wie ein Eintauchen in andere Welt, voll von Wissen, Leben, Ideen, Menschen, einfach das Leben, wie es ist. Über den Inhalt möchte ich gar nichts mehr schreiben, das haben andere schon getan.
Aber unbedingt betonen möchte ich noch die wunderbare Sprache des Buches, die Übersetzung ist hervorragend, ich muß herausfinden, was Ruth Achlama sonst noch übersetzt hat. Ich habe viele Stellen mehr als einmal gelesen, um die Ausdrucksweise wirken zu lassen. Große Übersetzungsleistung.
Auch die vielen anderen Schriftsteller, die im Buch erwähnt werden, fordern meine Neugier heraus, ich werde in der "Nacharbeit" mich weiter mit dem einen oder anderen aus der faszinierenden Menge beschäftigen.
Es war das erste Buch, das ich von Amos Oz gelesen habe und gerade habe ich "Mein Michel" bei Amazon bestellt.....
Wie man dieses Buch lesen kann, ohne davon begeistert zu sein, wird mir unverständlich bleiben....Unbedingte Lese-Empfehlung.
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55 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber spröde, 16. Februar 2006
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Der große israelische Romancier legt mit diesem wirklich dicken Buch eine Art Biographie vor, bleibt aber fiktional. Die Geschichte der eigenen Familie ist dicht verwoben mit der Geschichte Israels, beginnend am Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum späten zwanzigsten.
Oz erzählt hauptsächlich davon, was Israel ist und was es bedeutet, auch davon, was es bedeutet, daß dieses Land existiert und wie es ist, ein Mensch in Israel zu sein, damals wie heute. Insofern ist „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ ein sehr nahes Zeugnis eines sehr wichtigen Teils der jüngeren Vergangenheit, die längst nicht abgeschlossen ist. Es vermittelt viel Verständnis für die Situation und die Lebenssicht der Israelis, der Diaspora-Juden, der israelischen Kultur und für die Position des Landes in der Welt und seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Der Eindruck, der entsteht, ist der eines fortwährenden Kampfes, der philosophischer Natur ist, aber auch sehr handgreifliche Komponenten hat, wenn man so will.
Das Buch ist allerdings weniger ein Roman als vielmehr eine Aneinanderreihung von zuweilen sehr weitschweifigen Episoden, vermischt mit essayistischen Abhandlungen etwa darüber, was ein „guter“ und was ein „schlechter“ Leser ist – Oz schreibt viel über das Lesen und das Schreiben, über das Dasein als Schriftsteller und dessen Bedeutung.
Ich habe mit sehr viel Interesse angefangen, weil ich Oz’ vorherige Bücher mit großem Vergnügen und großem Respekt gelesen habe, aber ausgerechnet dieses, das dichteste von allen, wenn man so will, verlangt dem Leser außerordentliche Konzentration und großen Durchhaltewillen ab. Die Detailverliebtheit und Genauigkeit des Erzählens machen es zu einer streckenweise recht quälenden Lektüre, bis hin zur Ermüdung. Die vielen Wiederholungen, akribischen Beschreibungen und eher lapidaren Episoden lassen echtes Lesevergnügen kaum aufkommen, aber das mag immanent und beabsichtigt sein.
Fazit: Ein faszinierendes und lehrreiches Buch, aber ein eher trockener und manchmal recht langatmiger Roman.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konzentration notwendig, 5. Februar 2005
In diesem Roman fügt Oz Familien- und Weltgeschichte und Autobiographisches zu einem Roman zusammen. Zeitlich umspannt die Geshichte gut 80 Jahre: beginnend mit der Beschreibung des Lebens und der Lebensumstände seiner Großeltern als junge Menschen, schließend mit Oz selbst als jungem Mann und Kibbuzbewohner.
Im Verlauf des Romans wechseln verschieden Erzählstränge einander ab, schachteln sich ineinander, verweisen aufeinander. Familienmitglieder der verschiedenen Generationen und ihre Sicht der Dinge werden vorgestellt. Immer wieder findet, vorausnehmend oder im Rückblick, der Selbstmord der Mutter Erwähnung. Mit diesem Ereignis als eigentlich zentralem Thema des Buches findet Der Roman auch seinen Abschluß. Mit versuchten Erklärungen, Erinnerungen, Einfühlungen nähert Oz sich diesem Ereignis.
In den Verlauf des Romans sind alltägliche und weltpolitische Informationen über den Niedergang Europas zur Zeit des Dritten Reiches und über das konfliktreiche Entstehen und Wachsen Israels eingeflochten. Kleine Sprachspiele und Erläuterungen zur Herkunft hebräischer Worte scheinen ein Hobby Oz' und seines Vaters zu sein - schade, daß ich diese nicht in der Originalsprache genießen kann.
Besonders im späteren Verlauf des Romans gibt der Autor etliche Hinweise auf autobiographische Bezüge in seinen früheren Romanen. Das hat mich persönlich ein wenig aus der "eigenen Welt" dieses Buches gerissen. Nichtsdestotrotz gibt Oz dadurch weitere interessante Informationen.
Sprachlich reich und differenziert, wegen der wechselnden Erzählebenen nicht ganz einfach zu lesen - ich hatte viel Freude an diesem Buch.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwieriger Acker aber es lohnt sich, 19. Januar 2005
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Vier Geschichten sind es vor allem, die das vorliegende Buch erzählt. Zuerst die Geschichte des modernen Judentums, angefangen in den zionistischen oder konservativen Kreisen von Odessa, Wilna und Rowno über die Flucht aus Russland, den Holocaust und die Gründung des Staates Israel. Antisemitische Osteuropäer, Nazis, Bolschewiken und arabische Extremisten - schier unendlich scheint die Zahl der Plagen zu sein, mit denen das Volk Israel zu kämpfen hat. Vor diesem historischen Hintergrund wird auf einer zweiten Ebene die Familiengeschichte der Klausners und der Mussmanns über drei Generationen entfaltet, ehe sich Ariel Jehuda Klausner und Fanny Mussman, die Eltern des Autors, finden und heiraten und der Roman schließlich drittens in die Biographie des kleinen Amos mündet, der seine Kindheit im britischen Mandatsgebiet Palästina durchlebt, ehe er zum Zeugen der Teilung des Landes, der Entstehung des Staates Israel und des ersten Nahostkrieges wird. Der kleine Amos wird aber nicht nur Bürger eines neuen Staates sondern immer mehr auch zum Novizen und Mitglied in einer viel größeren Welt, dem Reich der Literatur. Wie aus dem sensiblen Einzelkind ein Schriftsteller wird, das ist die vierte und intimste Geschichte und zugleich auch Therapie, aus "Liebe und Finsternis" wieder herauszufinden.
Als wäre all das nicht schon anspruchsvoll genug, springt der Autor nicht nur zwischen diesen vier Ebenen hin und her sondern noch zwischen den Zeiten vor und zurück - gerade war man noch im Kibbuz nach dem ersten Nahostkrieg, dann geht es zurück in den Salon von Odessa, auf der einen Seite wird der polnische Antisemitismus der Dreißiger Jahre beschrieben, auf der nächsten folgen Reflektionen, wie man am besten Stoff für Kurzgeschichten erhält. Die Erzählhaltung folgt keiner anderen Regel als der der frei assoziierenden Erinnerung, und wie diese geht sie vor und zurück, wechselt die Kategorien und die Protagonisten, bis sich schließlich, nach etwa der Hälfte des Buches beim Leser das Gefühl einstellt, man sei der Zeuge eines ganzen Lebens geworden. Plötzlich empfindet der Leser einen Anhauch jenes Staunens, das den kleinen Amos der Jahre 1946 bis 1951 erfüllte, als er in dem noch ungeteilten Jerusalem aufwuchs und schrittweise seine Schneisen in Vergangenheit und Gegenwart schlug- er spürt das Entsetzen, das sich in den jüdischen Siedlungen ausbreitete, als sich die arabischen Armeen anschickten den jungen Staat zu vernichten - und er wird Teilhaber des unbändigen Schmerzes, den der Freitod der Mutter schlug. Es steckt also auch viel Melancholie in dem Roman, gebändigt jedoch durch Humor und Liebe, die der Autor auch dem scheinbar nebensächlichsten Detail zugute kommen lässt. Manche Erzählpassagen wie die Katzenminatur (S. 412f.) und die Spinoza-Matinee mit Ben Gurion ( 631-8) gleichen literarichen Juwelen, die jedes Buch schmücken würden.
Amoz Oz hat also viel zu bieten, aber wahr ist auch, dass er den Leser mit seinem Werk bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit fordert. Wenn Eco das Kunstwerk mit einer "trägen Maschine" vergleicht, die der Mitarbeit des Rezipienten bedarf, um in Schwung zu kommen, so droht der Leser, vor allem auf den ersten zweihundertfünfzig Seiten, immer wieder stecken zu bleiben, weil die epische Spannung, die der Autor mühelos entfaltet, sich durch seine asynchrone Erzähltechnik kaum, dass sie sich aufgebaut hat, schon wieder verflüchtigt. Es ist fast so, als wolle der Autor durch die ambitionierte Form, die er seinem Roman gegeben hat, alle Gelegenheitsschmöerer verscheuchen und nur die wirklichen Leser bei der Stange halten, um sie mit einem ganzen Kosmos von Weisheit, Humor und Liebe zu belohnen.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbarer Lesegenuss für den anspruchsvolle Leser..., 4. März 2008
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
... ist diese Familiengeschichte, die zugleich die Entstehung des israelischen Staates und die Entwicklung der hebräischen Sprache erzählt. Auf über 800 Seiten fließen viele wunderbar beobachtete Szenen und genau beobachtete Details aus dem Alltagsleben in Jerusalem in den vierziger Jahren zu einem breiten Strom der Zeitgeschichte zusammen. Darum empfehle ich, dem Buch einen Platz in der Hausbibliothek einzuräumen, und auch weil man die heutigen Konflikte um den Staat Israel so besser verstehen kann.

Man sollte sich Zeit nehmen, und das Buch langsam lesen, weil seine Sprache so schön ist. Zwar sind die letzten Nuancen und die präzisesten Einzelheiten wohl nur im hebräischen Originaltext zu verstehen, doch was die großartige Übersetzung ins Deutsche möglich macht, genügt immer noch für den Lese-Rausch. Es finden sich auch wunderbare Gedichte im Text und Querverweise auf klassische Literatur. Jeder Vielleser und auch wer intellektuelle Literatur schätzt, wird dieses Buch lieben. Es gibt viele packende Stellen in dieser Geschichte, aber es ist kein Reißer, der einen diktatorisch an sich fesselt. Eher ein einfühlsamer Erzähler der kleinen, miteinander verwobenen Einzelgeschichten, der geduldige Verführer zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt.

Das Gefühlsleben des kleinen Amos Klausner und seiner Familie ist in dem Buch so beschrieben, dass man hier von einem Entwicklungsroman sprechen kann, aber es gibt auch immer wieder literarische, philosophische und politische Betrachtungen des erwachsenen Erzählers aus seiner heutigen Perspektive - der des inzwischen über sechzig Jahre alten und mittlerweile erfolgreichen Autors. Wer das Schreiben guter Literatur lernen will, kann dadurch von diesem Buch profitieren. Es ist eine wahre Fundgrube von weiteren Leseempfehlungen.

Wie großartig und qualitativ hochwertig geschrieben dieser autobiographische Roman ist, habe ich zuletzt daran gemerkt, dass er mir den Geschmack an einem netten aber etwas seichten Kriminalroman verdarb, den ich danach anfangen wollte.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen zum Weinen und zum Lachen, 5. November 2006
Wer Israel kennt und liebt, muss dieses Buch lesen und lieben. Zugegeben ist einiges Vorwissen hilfreich und auch eine Affinität zur Sprachgeschichte des modernen Hebräisch, jedoch erschliesst sich auch in dieser Übersetzung die Tiefe des Hebräischen. Amos Oz ist auch in dieser seiner Familiengeschichte selbst-kritisch, die Ironie ist aber immer gepaart mit Liebe und Mit-leidenschaft. Beim Lesen kam ich nie umhin, meiner Umwelt immer wieder einige Passagen vorzulesen, die so voller Poesie und Geschichtsverständnis über die 40er Jahre in Israel erzählen. Mir war vorher nicht klar, wie hart diese Jahre für die Neueinwanderer in Jerusalem waren, - das gelobte Land erwiess sich schon damals als schwierige Wirklichkeit. Hoffentlich schreibt Amos Oz eine Fortsetzung.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wundervolles Buch zum Nachdenken und Nacherleben, 26. November 2006
Von 
Dieses Buch hat mich wie wenige andere fasziniert; die Sprache (obwohl es sich "nur" um eine Übersetzung handelt) ist betörend. Eines ist sicher: ich habe Zeit gebraucht, um dieses Buch zu lesen; denn es nimmt mich fort aus meinem Alltag und nimmt mich mit in längst vergangene - oder besser formuliert: in die von Nazi-Deutschland zerstörten - Weltern des osteuropäischen Judentums, lässt einen Teilhaben an den Wünschen, Ängsten, Träumen der Zionisten, die teils als Überzeugungstäter, teils als Vertriebene aus Europa - an den jüdischen Staat glauben und ihn wieder aufbauen. Dieses Buch hat zahlreiche Facetten: es nimmt einen mit in die Gedankenwelt eines kleinen Jungen, beschreibt dessen Gefühle und Gedanken in der beginnenden Pubertät, es ist gleichzeitig ein Geschichtsbuch für die ersten Jahre des Staates Israels, es beschreibt die Hintergründe für den heut noch aktuellen Konflikt (Krieg?) im Nahen Osten, man einen vertraut mit der Gedankenwelt der hebräischen Welt, es birgt philosophische Ideen (wie schon die Frage am Anfang des Buches: was ist fiktional, was biographisch in einem Roman), es ist eine Familiengeschichte mit tragischem Ausgang, es schildert die Depression einer jungen Frau aus der Sicht ihres 12-jährigen Sohnes und des sprachlosen Mannes, der trotz seiner Redegewandtheit unfähig bleibt, über sich zu sprechen. Es ist ein wundervolles Buch mit tausenden von Anregungen, Gedanken, Gefühlen - es hat mich das letzte halbe Jahr begleitet - und ich habe immer wieder auch anderen ein Stück aus ihm vorgelesen, weil es eine Schatztruhe von Gedanken und Gefühlen ist. Ich kann es nicht nur uneingeschränkt empfehlen sondern denke, es wird jeden oder jede, die Sprache liebt, fesseln und faszinieren.
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