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146 von 156 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterstück eines Autors und Gesellenstück für Leser
Im zweiten Anlauf habe ich geschafft, was ich zeitweise als nahezu unmöglich empfunden habe: James Joyces 'Ulysses' Seite für Seite und Wort für Wort zu lesen. Drei Dinge haben mir dabei geholfen: Ehrgeiz, ein anstehender Irland- und damit Dublin-Besuch und Wikipedia.

Anlässlich meines ersten Irland-Urlaubes im nächsten Monat habe ich...
Veröffentlicht am 30. Mai 2006 von Th. Leibfried

versus
89 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist."
Das Buch ist in jeder Hinsicht eine extreme Herausforderung. Es hat was von einem sehr komplexen Spiel. Ohne umfassende Anleitung ist dieses "Spiel" nicht spielbar. Aus der eigentlichen Lektüre erfährt man nicht einmal (oder habe ich nicht erfahren), dass die Handlung den 16. Juni 1904 abdeckt und es morgens um 8 Uhr an zwei unterschiedlichen Standorten, mit dem...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2011 von jrgela


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146 von 156 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterstück eines Autors und Gesellenstück für Leser, 30. Mai 2006
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Im zweiten Anlauf habe ich geschafft, was ich zeitweise als nahezu unmöglich empfunden habe: James Joyces 'Ulysses' Seite für Seite und Wort für Wort zu lesen. Drei Dinge haben mir dabei geholfen: Ehrgeiz, ein anstehender Irland- und damit Dublin-Besuch und Wikipedia.

Anlässlich meines ersten Irland-Urlaubes im nächsten Monat habe ich mir vor einiger Zeit vorgenommen, das von mir schon einmal begonnene und nicht zuende gelesene Hauptwerk von Joyce noch einmal anzugehen. Die ersten dreihundert Seiten, an die ich mich schwach erinnerte, fielen nicht schwer. An dem Punkt jedoch angelangt, an dem ich Neuland betrat, begannen die Schwierigkeiten, die ich noch gut im Gedächtnis hatte, von Neuem. Allerdings erkannte ich dieses Mal, dass Struktur und Form des Romans einer Logik folgen, die mit der antiken Vorlage Homers enger zusammenhängen mussten als ich dachte. Ich ließ mich von Sprache und Rhythmus des Buches ein Stück weit mitnehmen, bis die Probleme beim Lesen überhand nahmen. Dann unternahm ich das Naheliegende und las bei Wikipedia den entsprechenden und umfangreichen Artikel über das Werk. Und dort bestätigten sich meine Vermutungen, dass der Aufbau äußerst eng der Odyssee folgte. Jedes Kapitel orientiert sich an einem Kapitel von Homers Werk, das ich nicht gelesen habe. Figuren in Joyces Roman haben ihre Entsprechungen bei Homer. Unterstützt durch die interessanten Zusatzinformationen las ich weiter und das mit abnehmenden Anstrengungen.

Anfänglich konnte ich mich Überlegungen anderer Leser nicht entziehen, die Joyce einen großen literarischen Schelmenstreich unterstellen. Nun weiß ich endlich, dass Joyce eines der ganz ungeheuerlichen Werke der Literaturgeschichte geschrieben, konstruiert, entworfen hat.

An dieser Stelle will ich niemandem dieses Buch wirklich empfehlen. Man muss bereit sein, sich daran zu wagen. Und man muss Mut haben, sich dem Sog der Sprache hinzugeben, ohne ständig auf der Suche nach dem Sinn des Textes, nach der Logik des Inhaltes zu sein. Abschließend kann ich sagen, dass es ein großartiges Gefühl ist, nicht nur zu der wohl überschaubaren Zahl der Leser zu gehören, die sich durchgekämpft, ja an der ein oder anderen Passage auch durchgequält haben, sondern über große Strecken (aber nicht auf jeder Seite) auch den Sprachwitz, die Genialität, die Kreativität des Iren genossen zu haben.

PS: Die Übersetzung von Hans Wollschläger halte ich für hervorragend, auch wenn ich das englische Original noch nicht in Händen gehalten habe.
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89 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist.", 16. Oktober 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist in jeder Hinsicht eine extreme Herausforderung. Es hat was von einem sehr komplexen Spiel. Ohne umfassende Anleitung ist dieses "Spiel" nicht spielbar. Aus der eigentlichen Lektüre erfährt man nicht einmal (oder habe ich nicht erfahren), dass die Handlung den 16. Juni 1904 abdeckt und es morgens um 8 Uhr an zwei unterschiedlichen Standorten, mit dem ersten Teil des Buches im Martello Tower von Sandycove, und dann, mit dem zweiten Teil, in Dublin, in der Eccles Street 7, beginnt. Selbst für seine engen Freunde hat Joyce ein Schema, das "Gorman-Gilbert-Schema" angefertigt, um denen das Lesen zu erleichtern. Hierin ordnet er den Kapiteln Organe, wissenschaftliche Disziplinen, Farben, Symbole sowie Techniken zu, und bringt all das in Zusammenhang mit den handelnden Personen.
Ja wirklich in jeder Hinsicht weicht der Roman von einer klassischen Erzählung ab. Es geht um die Abbildung einer Realität, die wahrscheinlich mehr mit der Person James Joyce zu tun hat, als mit der Stadt Dublin und dem zeitlichen Rahmen in dem sie angesiedelt ist. Der schlecht sehende, zeitweilige sogar blinde Joyce orientiert sich in Dublin über Empfindungen, Gedankenfetzen des Augenblicks und über die Sprache. Und gerade die verwendete Sprache, macht es eher nur für den englischsprachigen Raum verständlich. Selbst da muss man wohl noch mit der irischen Idiomatik vertraut sein, um vollends einzutauchen, denke ich. Der Roman spiegelt wider, was sich in der Wahrnehmung, in den Köpfen, im Denken der Hauptdarsteller abspielt. Das Denken ist begrifflich sehr einfach und vor allem sehr schnell. So ist der Text nicht wirklich schwierig, aber hoffnungslos vielfältig und verworren. Hinter diesen Beobachtungen und Gedankenfetzen sind dann Analysen der Sprache, der geschichtlichen Begebenheiten der Zeit, der Religionen und Politik, des menschlichen Verhaltens und zwischenmenschlicher Beziehungen verborgen. Er schildert selten Beobachtungen, alles läuft scheinbar im gelesenen Moment ab. Der Leser ist unmittelbar dabei. Er könnte mitdenken und mithandeln, wenn er sich dazu in der Lage fühlt. Am Ende des Buches wird man dann belohnt, dass man diese "abstruse Denksportaufgaben", wie Joyce seinen Roman selbst bezeichnete, wahrscheinlich nach Wochen und vielen Unterbrechungen (bei mir war jedenfalls so) irgendwie bewältigt hat. Sozusagen im "höchsten Level" angekommen entsteht beim berühmten "inneren Monolog" dann doch noch eine Art Lesegenuss.
Aber, ich gebe ganz ehrlich zu, ich habe diese Denksportaufgabe nicht wirklich bewältigt, ich bin doch eher an ihr gescheitert. Nachdem ich zum Anfang vieles doppelt und nach Internet Recherche dann manchmal auch dreimal gelesen habe, habe ich nach drei-vierhundert Seiten, dann immer öfter nicht mehr zurückgeblättert, um dann sogar einiges zu überspringen.
Zweifellos hat Joyce hier ein literarisches Meisterwerk geschaffen, mit dem er sich, wohl auch verdient, seine erträumte Unsterblichkeit gesichert hat. Zumindest sind wir ihm gehörig auf den Leim gegangen, könnte man mit einem Schmunzeln sagen. Jedenfalls scheint es ein hervorragendes Übungsfeld für Studenten der Literaturwissenschaften, sicher auch noch für andere Wissenschaftsdisziplinen zu sein. Aber, so merkwürdig wie sich das jetzt vielleicht auch anhört, es ist kein gutes Buch, denn man erfährt durch Internet und Sekundärliteratur wesentlich mehr darüber, als durch Lesen des Textes selbst. Auch darüber, welches Potential in diesem Text eigentlich steckt. Und vor allem ist das gesamte Drumherum wesentlich interessanter, als der eigentliche Roman, denn die Struktur ist bekanntermaßen "abgekupfert", wenn auch genial, und die eigentliche Geschichte beschreibt lediglich den banalen Alltag an exakt abgebildeten real existierenden Standorten. Mir fehlt, was die Verbindung zwischen Autor und Leser herstellt. Bezeichnen wir es ruhig gemeinhin als Phantasie. Ich pralle von diesem Buch ab. Vielleicht lassen sich in dieser Abgrenzung ein paar Schlüpflöcher erahnen, aber ich kann nicht eindringen. Auch Joyce' Wunsch: "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist." bringt mir persönlich keine anderen Erkenntnisse.
Größte Hochachtung habe ich vor dem Übersetzer. Ich denke, das war eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe. Wenn es nur darum gehen würde, hätte diese, so weit ich das überhaupt beurteilen kann, wohl fünf Sterne verdient. Es gibt viele Gründe, die sicher meinen Horizont bei weitem übersteigen, warum man wahrscheinlich erstrecht dem Roman fünf Sterne geben müsste. Aus meiner subjektiven Sicht allerdings sind es höchstens drei Sterne, aber meine Beschränktheit sollte keine Maßgabe sein.
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54 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles, schwieriges Buch., 17. Juli 2007
Ja, es ist ein dickes Buch. Und schwierig ist es. Und man versteht sicherlich nicht alles.
Aber: es macht Spaß es zu lesen. Wenn man wirklich Freude an Sprache und dem hat, was man daraus machen kann, dann lohnt sich das Buch. Nirgends steht geschrieben, dass man ein Buch von vorn bis hinten durchlesen muss (womöglich in einem Zug - es müsste schon eine lange Fahrt sein ;-).
Ich lese hin und wieder ein Stückchen, um mich aufzumuntern, weil es einfach Spaß macht.
Man nehme einfach die Szene mit der Katze und mache sich ein eigenes Bild:

"Die sollen nun dumm sein. Dabei verstehn sie besser, was wir sagen, als wir sie verstehn. Die da versteht haarscharf alles, was sie verstehn will. Ist auch nachtragend. Möchte wohl wissen, wie ich so wirke auf sie. Hoch wie ein Turm? Nein, springt mir doch glatt auf die Schulter.
Angst vor den Hühnerchen hat sie, sagte er spottend. Angst vor den kleinen Putputputs. Wer hat schon mal so ein dummes Pussilein gesehen wie unser Pussilein hier!
Grausam auch. Ihre Natur. Komisch, die Mäuse quieken nie. Scheinens wohl gar zu mögen.
Mrkrgnau! machte die Katze laut.
Sie blinzelte empor aus ihren gierigen, beschämt sich schließenden Augen, maunzte klagend und lang, ihm die milchweißen Zähne zeigend."

Oder dies:

"Auf dem Kackstuhl hockend, entfaltete er seine Zeitung und schlug auf den entblößten Knien die Seiten um. Irgendwas Neues und Leichtes. Keine große Eile. Ruhig noch ein bißchen zurückhalten. Unser Preisausschreiben, der Leckerbissen der Woche. Matchams Meisterstreich. Von Mr. Philipp Beaufoy, Playgoers' Club, London. Honorar in Höhe von einer Guinee pro Spalte wurde an den Verfasser überwiesen. Dreieinhalb. Drei Pfund drei. Drei Pfund dreizehn-sechs.
In Ruhe las er, seinen Drang noch unterdrückend, die erste Spalte und begann schon nachgebend, doch mit Widerstreben noch, die Zweite. Auf ihrer Mitte angelangt, gab er seinen letzten Widerstand auf und erlaubte seinen seinen Eingeweiden, sich zu erleichtern, ganz so gemächlich, wie er las, und immer noch geduldig lesend, die leichte Verstopfung von gestern ganz verschwunden. Hoffentlich ists nicht zu groß, geht sonst mit den Hämorrhoiden wieder los. Nein, gerade richtig. So. Ah! Bei Hartleibigkeit eine Tablette Cascara sagrada. Könnte alles im Leben so."

Wenn man dem Gedankenstrom des Erzählers mit dem richtigen! (er muss schon passen - das sei zugegeben, aber das ist doch immer so...) Humor folgt, dann macht die Lektüre viel Spaß, auch wenn man sie in viele kleine Portionen aufteilt.
Ich kann das "Ulysses" nur empfehlen, evtl. kann man sich ja einen Kommentar zulegen, das ist ja auch bei anderen anspruchsvollen Werken (von Homer, Goethe oder Schiller etwa) durchaus anzuraten.
"Ulysses" mit anderen Büchern zu vergleichen oder sogar Rangordnungen aufstellen zu wollen (ist besser/schlechter als "Faust" etc.), halte ich nicht für sinnvoll (aber jeder nach seiner Fasson). Es ist ein Buch, für das man Zeit braucht, man versteht es nicht, wenn man es nur einmal liest. Wem also diese (erhebliche) Anstrengung beim Lesen den Spaß verdirbt, der sollte sich das Buch lieber nicht kaufen, den anderen wünsche ich hiermit denselben!
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71 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend, einmalig, in seiner Form unerreicht, 1. August 2006
Der Ulysses von James Joyce ist wohl einer DER Klassiker der Weltliteratur. Wobei die Handlung hier nicht mal etwas Einmaliges zu bieten hat. Die ist nämlich in wenigen Sätzen erzählt: Es ist der 16. Juni 1904 in Dublin. Wir begleiten kurz den Hilfslehrer Stephen Dedalus, größtenteils aber den Annoncenakquisiteur Leopold Bloom durch einen seiner Tage. Ein ganz normaler Tag wie es scheint. Da wird sich morgens eine kleine Niere gebraten, dann erledigt man die Post, geht zu einer Beerdigung, betrinkt sich, geht ins Bordell u. a., bis er dann schliesslich nach seiner persönliche Odyssee nachts wieder bei seiner Frau ankommt. Was dieses Buch allerdings zu etwas ganz Besonderem macht ist die Art und Weise wie Joyce dem Leser hier diese fast schon banale Geschichte schmackhaft macht. Hier gleicht in seiner Form kein Kapitel dem anderen. Beispielsweise ist hier ein Kapitel in Form von Zeitungsannoncen geschrieben, d.h. es ist eigentlich ein Fließtext den man gut durchgängig lesen könnte. Joyce hat aber kleine Abschnitte daraus gemacht und diese mit Überschriften versehen. Ein anderes Kapitel soll anhand des Wachstums eines Kindes im Bauch der Mutter die Entwicklung der Sprache symbolisieren, soll heissen: Es beginnt in Altenglisch und endet im Dubliner Slang. Oder als 3 junge Mädchen den Mittelpunkt des Kapitels bilden ändert sich sofort die Sprache in die Art eines viktorianischen Trivialromans. Und natürlich nicht zu vergessen das letzte Kapitel: Mollys (Blooms Frau) innerer Monolog, der quasi nur aus einem langen Satz ohne Punkt und Komma besteht.

Sehr eindrucksvoll dies alles. Allerdigs macht es die Lektüre nicht wirklich einfach und ich muss zugeben, dass ich es durchaus verstehe, wenn der ein oder andere dieses grandiose Werk nicht zur Gänze gelesen hat, denn neben den eben erwähnten teils recht schwierig zu lesenden Kapiteln, arbeitet Joyce sehr gern mit dem so genannten "stream of consciousness". Es werden nicht nur die äußeren Geschehnisse beschrieben, sondern auch Gedankenfetzen der Figuren werden immer wieder ohne jegliche Ankündigug eingestreut. Manchmal durcheinander, manchmal überlagernd. Sätze werden desöfteren mittendrin unterbrochen. Oft wird man erst im Laufe einiger Sätze gewahr, was denn nun Realität und was Erdachtes ist. Zur Entspannung abends nach einem womöglich anstrengendem Tag taugt dieses Buch wirklich nicht und man sollte auch nicht aus purer Neugier heraus dazu greifen. Man muss sich wirklich damit intensiv beschäftigen, manche Kapitel sind fast schon anstrengend zu nennen (dies empfand ich z.B. bei dem oben genannten Kapitel in dem sich die Sprache verändert). Was aber meines Erachtens auch dazu führt, dass der Leser eben mittendrin ist, da er alles selbst "zurechtrücken muss". Er muss selbst eine Ordnung in die Dinge bekommen. Das ist fantastisch! Für alle die sich immernoch nicht so recht trauen sei gesagt, dass es einige Quellen in Buchform oder im Internet gibt die die Lektüre des Ulysses erleichtern. Ich kann dieses Meisterwerk jedem nur herzlich empfehlen. Hier wird einem gezeigt, wozu ein Autor fähig sein kann, wieviele Facetten die Sprache, die Literatur zu bieten hat. Es war teils recht anstregend, aber es hat sich gelohnt!
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ulysses als ungekürztes Hörbuch, 4. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. 22 CDs (Modern Classics) (Audio CD)
Was für eine großartige Möglichkeit sich einem der, wenn nicht DEM bekanntesten, und zugleich selten gelesenen Werk der Weltliteratur zu nähern, noch dazu in der Originalsprache!
Seit ich vor einigen Jahren die auf 4 CDs gekürzte Fassung von James Joyce „Ulysses" in der Lesung von Jim Norton und Marcella Riordan kennen und schätzen gelernt habe, fieberte ich einer ungekürzten Version entgegen. Wie schön, dass diese nun, anlässlich der 100. Wiederkehr des 16. Juni 1904, aufgelegt wurde. Sollte man bisher gedacht haben, dieses Buch sei Literaturwissenschaftlern mit fundierter Kenntnis der griechischen Mythologie, irischen Geschichte, klassischen Literatur und verschiedenster Sprachen vorbehalten - hiermit wird man Lügen gestraft. Norton verfügt über ein immenses Repertoire verschiedener Dialekte und Charaktere, mit dem er die Personen der Handlung greifbar macht. Marcella Riordan gestaltet das abschließende „Penelope"-Kapitel, den inneren Monolog der Molly Bloom, als atemberaubende literarische Tour de force.
Roger Marsh hat schon in der Vergangenheit Jim Nortons Hörbuch-Produktionen der Werke von James Joyce als Regisseur betreut: „Dubliners" und „A Portrait of the Artist as a Young Man"; letzteres in einer gekürzten Fassung. Er ist hier unter anderem mit einer klugen Auswahl von Musikstücken der Tatsache gerecht geworden, dass „Ulysses" ein ungemein musikalisches Werk ist. Viele der Opernarien und Lieder, die im Buch angesprochen werden, sind als kleine Zwischenmusiken zu hören. Auf der letzten der 22 CDs ist zudem in einem ansprechenden CD-ROM Teil unter anderem eine Sammlung von MP3-Musikdateien zu finden, ebenfalls Stücke, auf die im Text angespielt wird oder die, zum Beispiel im „Sirenen"-Kapitel, gesungen werden. Ein kleiner Höhepunkt ist ein Ausschnitt einer Lesung aus dem „Aeolus"-Kapitel aus dem Jahr 1924 - vorgetragen von keinem Geringeren als James Joyce selbst!
Neben Kommentaren der beiden Vortragenden zur Produktion finden sich im CD-ROM Teil zudem eine Kurzbiographie und Internet-Links zu James Joyce.
Aber zurück zum eigentlichen Hörbuch: „Ulysses" sollte idealerweise laut vorgelesen werden, um der Musikalität des Textes selbst gerecht zu werden und den verschiedenen Charakteren, die Joyce einführt. Einen besseren Vortrag als den hier vorgelegten kann man sich kaum vorstellen. Selbst wenn man beim ersten Hören die Hälfte oder noch weniger versteht - dem packenden Vortrag von Jim Norton und Marcella Riordan wird sich niemand entziehen können. Zusammen sorgen sie für mehr Klarheit und Verständnis als ein ganzes Regal voll erläuternder Sekundärliteratur über dieses Werk, das als größtes literarisches Werk des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu allen Jahreszeiten, 7. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Monument. Ein Denkmal. Abschreckend. Und doch ein unverzeihlicher Verlust, wenn man nie den Mut aufbringt, den Roman nicht nur zur Hand zu nehmen, sondern ihn auch zu lesen. Es gibt Werke, die reichen über die Bezeichnung Roman weit hinaus. Es genügt nicht, sie nur durchzulesen. Sie bieten einem so viel, dass man leicht manches übersieht. Hinzukommt, dass sie sich je nach Alter unterschiedlich lesen, da einem mit Fünfzig andere Stellen wichtig sind als mit Zwanzig. Und man sollte sich auch nicht dem Trugschluss hingeben, ihn je in all seinen Facetten aufzunehmen. Das ist was für die Epigonen, Analytiker, Literaturwissenschaftler, Hard-Core-Fans. Leser lehnen sich zurück und genießen. James Joyces Ulysses beschäftigt eine Heerschar Interpreten, die sich nur auf eines einigen Können, das Buch spielt in Dublin an einem Tag und der Held heißt Leopold Bloom. Und schon beginnt der Aufschrei, und es heißt: Der Held ist die Sprache, es handelt sich hierbei um einen Stream of Consciousness, einen Bewusstseinsstrom. Bei solchen Festlegungen übersieht man leicht das Vergnügen, dass der Roman einem bereitet. Allerdings nur dann richtig zuteil wird, wenn er in einer Übersetzung wie die von Wollschläger vorliegt. Kongenial wie hier das Deutsche zum Englischen findet. Dieser Tag in Dublin gibt sich geheimnisvoll, er spricht mit verschiedenen Zungen, er sagt uns: kann sein, dass ihr mich nicht sofort versteht, aber das muss nicht sein. In seiner unbändigen Kraft dürfen wir Leopold Bloom auf seiner Odyssee durch Dublin begleiten, durch dessen Sätze ungebremst das Verlangen nach Freiheit weht. James Joyce nimmt uns an die Hand und verlangt von uns, dass wir uns mit ihm treiben lassen, dass wir uns Zeit für sein Dublin nehmen, dass wir womöglich ein weiteres Mal hinreisen wollen, um mit ihm um die Häuser zu ziehen. So wie das mit alten Freunden ist. Man begegnet sich nicht nur einmal.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sprachgewaltiges Epos, das sich dem Verständnis kaum öffnet, 30. Juni 2001
Von Ein Kunde
Ein Werk wie Joyce's kann nur zwiespältige Reaktionen hervorrufen. Auf der einen Seite die faszinierende subjektive "Echt-Zeit"-Perspektive der Wahrnehmung der Welt mit nur wenigen rein narrativen Elementen - auf der anderen Seite die sich dem Leser Seite für Seite mächtiger aufdrängende, für manche übermächtig werdende Frage, was der Autor dem Leser sagen möchte; ich habe den Eindruck gehabt, dass eine Kommunikation zwischen Autor und Leser auf der Basis dieser Erzählperspektive nicht - oder besser: kaum - zustande kommen kann. Jedenfalls zähle ich mich nicht zu den Glücklichen (!?), denen sich das Lesevergnügen und das Verständnis dieses zweifelsohne sprachlich meisterhaften Werks erschlossen hat. Sprache und Orthographie sind - auch in der äußerst gelungenen Übertragung ins Deutsche (mir stand die Übersetzung von Wollschläger zur Verfügung) zum Teil revolutionär, und von diesem Ansatz her ist das Werk sicherlich als bahnbrechend zu bezeichnen. Aber auf den Punkt gebracht: Für die meisten mutigen Leser wird das Lesen eher zu einer Tortur als zu einem Vergnügen werden. Empfehlung: Anfangen, ausprobieren, Mut haben abzubrechen (dann aber auf jeden Fall das letzte Kapitel lesen).
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35 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A modern Odyssey, 14. April 2001
Von Ein Kunde
In his book Ulysses James Joyce has created a modern hero by transforming a classical myth into the parody of a wandering Jew who has to suffer loss and betrayal. Aspects of his two previous books "Dubliners" and "A Portrait of the Artist as a Young Man" were incorporated as well as some of Homer's "The Odyssey. The Greek power is replaced by a human being, touched by banal activities like urination, dementia, alcoholism or voyeurism. He created characters with features of Homer's figures, including Homer's themes, the quest for a father, the intervention of god(s) and other allusions to the original Odyssey. The modern parallel of Homer's epic takes place in Dublin and describes a day in the life of Stephen Dedalus, who is already known from "A Portrait of the Artist as a Young Man" and now reappears, Leopold Bloom and Molly Bloom, his wife, the three central characters that are modern counterparts of Ulysses, Telemachus and Penelope The novel shows us the actions of different Dubliners on June 16, 1904, mainly the day in the life of Leopold Bloom. Although Leopold Bloom is Joyce's major character the author spends considerable time on the protagonist of his first work, Stephen Dedalus, the main character of the first three chapters, who thus enables him to discuss the political and religious topics that now dominate Ulysses. Leopold Bloom, a middle-aged, Jewish advertisement canvasser, is introduced in the second part of the book, beginning the day anew at 8 o'clock and later wandering in the streets of Dublin.
James Joyce's Ulysses is considered as his greatest achievement and gave him one of the greatest influences of novelists in the 20th century. Its main strength is to be found in the variant of the interior monologue, the stream-of-consciousness with its flow of impressions, unfinished thoughts, associations, worries, hesitations and sudden impulses. Joyce uses the interior monologue to reveal the inner thoughts and feelings of his figures and thus gives a deep portrayal of character. Leopold and Molly Bloom are portrayed with a humanity that can hardly be found in another work of literature. The reader is completely united with the book, with its figures and with Dublin. You can nothing but smell, see, hear and feel everything these figures do. All of them seem to become real, as you can immediately identify yourself with them, their success and their failure, describing and discussing problems that are still topical today. Of course there is also another point of view, another group of critics. Some of them described and still describe the book as pornography, written by a lunatic. But I think they are wrong, because pornography, vulgarisms, obscenities and such things are generally simple and easy to understand. And I think Ulysses is not at all easy to read, it takes an enormous effort to reach the end of a chapter. Its various characters, happenings and narrators require so much concentration, which leaves no time to do or think of something else, at least none to arouse sexual excitement. In fact this great book often seems to be rather a mess and leads to confusion as it contains many, partly unknown difficulties, making it necessary to read some passages twice and thrice. One of these is the fact that there are several narrators, some of them not even identified. It is also often difficult to draw the line between fragments of narration and snatches of a person's thoughts, for example in the third chapter, when Stephen Dedalus gives a long description of his visit to his uncle, which first seems to be real, but then reveals to be only an imagined event. Realism and symbolism are mixed together to an extensive diversity of narrative structures that make James Joyce' Ulysses different from other books. And this difference justifies the efforts and the work the reading of Ulysses takes. The extraordinary experience of following the epic voyage of Stephen Dedalus and Leopold Bloom is not impossible.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Viel Lärm um nichts, 20. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin ein anspruchsvoller Leser, oberflächliche Fast-Food-Unterhaltungsliteratur reizt mich nicht. So habe ich vor zehn Jahren Ulysses zur Hand genommen - und es nach zwei Tagen wieder bei Seite gelegt. Vor kurzem dachte ich, ich wäre jetzt reif genug für diese Lektüre und habe wieder zu lesen begonnen. Nach 367 Seiten und einigen mehr oder minder unterdrückten Wutanfällen habe ich beschlossen, mit Ulysses endgültig abzuschließen. Was Joyce sich bei seinem Text gedacht hat, werde ich so wohl nie erfahren, das ist aber auch nicht weiter schlimm. Ich denke, wenn Joyce etwas wichtiges mitzuteilen gehabt hätte, so hätte er es wohl dem geneigten Leser verstädlich machen können. Meine Vermutung geht dahin, dass sich hinter dem manigfaltigen und schwer bis gar nicht zu verdauenden Wortgeklingel (das Könnerschaft voraussetzt, soviel gestehe ich zu) weiter nichts verbirgt. Regelmäßig ging es mir bei der Lektüre so, dass ich nur noch die blanken Worte las, ohne dass ihr Sinn noch bei mir ankam. Und selbst wenn ich meine Aufmerksamkeit zusammennahm und konzentriert den Sprachausschweifungen des Autors folgte, so blies mir vor allem eine Menge heißer Luft entgegen. Nun, vielleicht bin ich einfach zu einfältig, vielleicht wusste oder konnte es Joyce aber auch nicht besser. Für mich ist Ulysses ein Machwerk, dass sich zu sehr um sich selbst dreht, als dass es einen hohen literarischen Rang haben könnte. Es ist ein Werk, das den Leser nicht mitnimmt, sich überhaupt nicht für ihn interessiert, ihn teils gar verhöhnt und quält. Und dass alles ohne tragende Handlung, emotionale Ansprache (außer der oben beschriebenen) und erkenntnisreichen Inhalt (ich kann hier natürlich nur von dem mir bekannten Teil reden). Also was soll das alles? Es bleibt mir ein Rätsel. Literaturakademiker mögen hier ihr Schlaraffenland gefunden haben - alle anderen werden ihre (Lese-)Zeit angenehmer und/oder sinnvoller zu verbringen wissen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Einfach drauf loslesen!" Ein tolles Buch!, 30. Januar 2008
Von 
Alexander Michel (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Dieser Mann hat es geschafft. James Joyce hat einen Charakter erschaffen der ebenso denkt wie der Leser. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Joyce wagte ein literarisches Experiment in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts. Und es gelingt.
Leopold Bloom ist ein realer Mensch, der ebenso denkt, fühlt, handelt wie eine normale Person im Alltag es ebenso machen würde.
Nirgends sonst hat ein Autor derart komplex den Charakter einer Person in einem Werk beschrieben, wie in "Ulysses". Allein schon deshalb lohnt es sich, das Buch aufzuschlagen und einfach anfangen zu lesen.
Der erste Eindruck täuscht. Schon ist klar, dass man es mit komplexer, undurchsichtiger Schreibweise zu tun hat. Doch stören sollte es den Leser nicht. Wie die Gedanken in ihm schnell vorrübergehen und man darüber nicht lange nachdenkt, so sollte man es auch mit "Ulysses" anfangen. "Einfach drauf loslesen!", lautet das Motto.
Und am Ende versteht man mehr über Leopold Bloom als über sich selbst...
Ein tolles Buch zu jeder Zeit.
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Ulysses. Roman
Ulysses. Roman von James Joyce (Gebundene Ausgabe - 30. Oktober 2006)
EUR 14,95
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