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Kundenrezensionen

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am 11. Mai 2009
Was unterscheidet gute von mittelmäßger Literatur? Eine Frage, auf die es hunderte Antworten gibt. Meine ist die: Wenn es der Autor beherrscht die Gefühle des Menschen in all ihrer Vielschichtigkeit darzustellen, auch Erotisches nicht auszusparen - ohne in den Kitsch oder in die Pornografie zu verfallen. Genau das ist hier gelungen.
Als Leser liebt und leidet man gemeinsam mit dem Protagonisten Erneste, kann sich aber auch den jungen Jacob sehr gut vorstellen, einen hübschen, berechnenden Jungen, den wohl jeder lieben würde. Die Ernüchterung ist natürlich nicht weit, aber so ist das nun mal das Leben, man teilt eben auch den Schmerz mit Erneste. Wer von beiden ist nun der perfekte Kellner? Nicht einfach zu sagen, schließlich arbeiten beide im Grandhotel - der Leser wird dies selbst herausfinden müssen. Nicht zu vergessen ist aber die dritte Hauptfigur des Romans, der berühmte Schriftsteller Julius Klinger, der tatsächlich ein wenig an Thomas Mann erinnert. Seine Rolle im Roman ist die des älteren, liebenden, reichen Mannes, der nicht zu seiner Homosexualität steht und dadurch nicht nur für Verwirrung der Gefühle sorgt, sondern andere Menschen ins Unglück stürzt. All das, was heute immer noch so oder ähnlich passiert, viel mit Jugend und Alter zu tun hat, aber auch mit Ehrlichkeit zu sich selbst.
Eine tragische Geschichte, die einen dennoch nicht nur traurig zurücklässt, sondern auch für glückliche Momente sorgt. Bis zum Schluss bleiben auch Überraschungen. Die doppelte Erzählstruktur sorgt für zusätzliche Spannung. In einem Roman der Spitzenklasse, für alle Menschen, denen große Gefühle am Herzen liegen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. März 2006
„Ein perfekter Kellner“ ist genau das Buch, das ich mir als Tipp von einer Sendung wie „Lesen“ wünschen würde: atmosphärisch, spannend, melancholisch, schön. Und anspruchsvoll, ohne sich verkrampft darum zu bemühen. Soweit ich weiß, ist dieses Buch aber nie auf der Leseliste von Frau Heidenreich gelandet. Ein Grund mehr, es in diesem Forum möglichst vielen Lesern ans Herz zu legen.
Alain Claude Sulzer erzählt vom Kellner Monsieur Erneste, der 1966 zu seiner großen Überraschung einen Brief erhält – ein Lebenszeichen von der großen (und natürlich unglücklich verlaufenen) Liebe seines Lebens, einem anderen Kellner, mit dem er vor 35 Jahren in einem Grandhotel gearbeitet hat. Ein Lebenszeichen und Hilferuf zugleich, denn Jakob braucht die Hilfe des alten Freundes. Aber ist der in der Lage, sein gleichsam schlichtes wie überorganisiertes Leben für so etwas zu unterbrechen? In Rückblicken lässt uns der Autor an Monsieur Ernestes Erinnerungen an den Sommer vor so vielen Jahren teilhaben. Das alte Grandhotel, die straffe Organisation desselben, die noblen Gäste, alles wird zu neuem Leben entdeckt, ohne dabei aber unpassend frisch zu wirken. Es ist, als würde Sulzer uns schöne, sepiastichige Fotographien betrachten lassen, die Platz für eigene Gedanken lassen (so darf man bei einem der Gäste sicher bewusst gesetzte Anklänge an Thomas Mann finden – muss es aber nicht). Und man kann gar nicht anders, als sich zu verlieben – natürlich in den unglücklichen Monsieur Erneste, der so in sich und den Konventionen gefangen ist, aber auch in Jakob, der für Erneste das Tor zur Welt sein könnte, letztendlich aber doch nur der Riegel ist, der jede Möglichkeit, das Glück zu finden, auf immer abschottet.
215 Seiten reichen für einen langen, vielleicht auch zwei gemütliche Lesenachmittage – doch die Geschichte, die Sulzer auf ihnen erzählt, wird noch lange im Kopf widerhallen. „Ein perfekter Kellner“ hat die seltene Gabe, unendlich traurig zu sein, aber ebenso glücklich zu machen. Deswegen sollte man dieses Buch unbedingt gelesen haben. (Und eine kleine Nachbemerkung, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die davon abhalten könnten, jetzt auf „Bestellen“ zu klicken: Auch, wenn sich Monsieur Erneste in einen Mann verliebt, ist dies kein „schwuler“ Roman. Wenn man unbedingt ein Adjektiv gebrauchen möchte, dann sollte es „guter“ sein, oder „besonderer“.)
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VINE-PRODUKTTESTERam 4. November 2011
Erneste ist seit Jahrzehnten Kellner und in allem was er tut korrekt und tadellos. Der unauffällige Mann arbeitet schnell und dienstbeflissen und geht vollkommen in seiner Berufung auf. Als er jedoch 1966 einen Brief von seinem ehemaligen Freund und Geliebten Jakob bekommt, der ihn um Hilfe bittet, wird Ernest aus seinem einfachen Leben gerissen und seine perfekte Fassade bekommt Risse. Zuerst muss er sich einer Vergangenheit stellen, die er bisher verborgen hielt.
Zunächst ignoriert Erneste den Brief, kann jedoch nicht verhindern, dass er noch einmal sein Leben mit Jakob durchlebt und von seinen Erinnerungen geradezu überwältigt wird. Die beiden Männer lernten sich kennen und lieben, als sie kurz vor dem zweiten Weltkrieg in einem Schweizer Hotel angestellt waren und sich eine Kammer unter dem Dach teilten. Erneste verliebte sich Hals über Kopf in Jakob, der seine Gefühle ebenso feurig erwiderte. Als jedoch der Schriftsteller Klinger mit seiner Familie in das Schweizer Hotel kommt, beginnt es zu kriseln und ein Schatten fällt die Beziehung der beiden ungleichen Männer.

Als ein weiterer Brief ankommt, in dem Jakob einmal mehr Erneste um Hilfe als Freund ersucht, ist dieser Hin und Her gerissen. Er soll den greisen Schriftsteller Klinger aufsuchen und diesen um Geld bitten, damit Jakob aus den USA fliehen kann. Zunächst will Erneste seinem ehemaligen Geliebten diesen Freundschaftsdienst verweigern, ist er doch selbst Jahrzehnte nach ihrer Trennung noch immer verletzt und enttäuscht von Jakob. Immerhin hat dieser Erneste vor fast dreißig Jahren verlassen, um den Schriftsteller nach Amerika zu begleiten. Dennoch entscheidet sich Erneste dafür, Klinger aufzusuchen, um endlich mit der Sache abschließen zu können. Bei diesem wird Erneste allerdings mit einer Wahrheit konfrontiert, die alle Geschehnisse in ein neues Licht rückt. Denn nicht nur Erneste wurde von Jakob enttäuscht - auch in Klingers Familie sorgte der neue Angestellte für eine wahre Tragödie. Zudem erfahren sowohl Erneste als auch Klinger zum Schluss, was es wirklich mit Jakobs Hilfesuche auf sich hat...

Mit Ein perfekter Kellner" gelingt dem Autoren Alain Claude Sulzer ein intensiver und stilistisch hervorragender Roman, der von sehr ausgefeilten Charakteren und eine mitreißend Sprache lebt. Erneste ist dabei Perspektivträger und der Leser erlebt sein Leben in zwei verschiedenen Zeiteben mit - einmal im Jahre 1966, nachdem er den Brief von Jakob erhalten hat und einmal kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Die Geschichte selbst ist sehr tiefgründig und logisch aufgebaut. Mit der Wahl zweier Zeitebenen, die sich immer wider abwechseln und ausgefeilten, interessanten Charakteren gelingt Alain Claude Sulzer ein sehr vielschichtiges, dramatisches Werk.
Erneste ist ein recht schlichter Charakter, der ein einfaches Leben lebt und der sich selten aus seinem alltäglichen Trott herausbewegt. Erst als Jakobs Brief auftaucht, erfährt man mehr über den Protagonisten, seine Gedanken und Gefühle und was er immer noch für seinen ehemaligen Geliebten empfindet. Mit dem alten Schriftsteller Klinger gelingt Alain Claude Sulzer jedoch eine wirklich interessante Persönlichkeit, da er auf Thomas Mann beruht und einen Teil aus Manns Leben wiederspiegelt, der fast die Grundlage für Ein perfekter Kellner" sein könnte. Klinger ist der passende Gegenpol für Erneste, da er nahezu das komplette Gegenteil zu dem stillen, ruhigen Mann ist. Jakob hingegen wird als sprunghafter, junger Mann dargestellt, der sich nach mehr sehnt, als nur Kellner zu sein. Indem er zwischen den Männern steht, verbindet er ihre gesellschaftlichen und geistigen Welten miteinander.

Alain Claud Sulzer hat einen wunderbar feinen und ausgereiften Stil. Er weiß genau, wie er die Geschichte zu Papier bringen muss und welche Hinweise er zu welchem Zeitpunkt streuen muss, um den Leser zu fesseln. Es gelingt ihm durch den Wechsel zwischen Ernestes Gegenwart und Vergangenheit den Leser niemals zu langweilen, auch wenn Ernestes Leben an und für sich sehr langweilig und eintönig ist. Mit dem Ende und der Aufklärung von Jakobs Briefen kann Sulzer ebenfalls verblüffen und zeigt, wie gut durchdacht und logisch der Roman im Grunde ist.
Die Homosexualität Ernestes wird dabei nie so sehr in den Vordergrund gestellt, dass sie platt und aufgesetzt wirkt, sondern ist einfach ein Teil von Ernestes Persönlichkeit. Sulzer nimmt auch die Probleme von Ernestes Lebensstil mit auf und zeigt auf, wie schwer ein Homosexueller es in der damalige Zeit gehabt hatte.

Insgesamt ist Ein perfekter Kellner" ein wunderbares Buch, das jedem zu empfehlen ist. Es ist ein wahres Meisterwerk der homoerotischen Literatur, tiefgründig, bewegend und stilistisch sehr gut umgesetzt. Die Geschichte ist interessant, man erhält einem guten Einblick in die damalige Zeit und die Charaktere sind sehr tiefgründig und nachvollziehbar. Wer einen sehr guten homoerotischen Roman lesen möchte, sollte unbedingt einen Blick in Sulzers Werk werfen. Wer zudem noch ein bisschen Zeit für Recherche mitbringt, dem offenbaren sich versteckte Andeutungen...
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Erneste geht mit Leib und Seele in seinem Beruf als Kellner auf. Er weist sich im Hintergrund zu halten und trotzdem immer zur Stelle zu sein, wenn seine Dienste erforderlich sind. Nur einmal in seinem Leben drehte sich sein außerdienstlicher Mittelpunkt um einen anderen Menschen. Doch das war bereits in der Vorkriegszeit, als Jakob, ein junger Mann aus Deutschland in das Grandhotel in der Schweiz kam, in dem er diente. Er lernt ihn ein, sie sind Zimmergefährten und nach einer Weile ein Liebespaar. Doch Jakob bleibt nicht treu und Erneste muss tiefes Leid erfahren. Schlussendlich folgt Jakob dem berühmten Schriftsteller Julius Klinger in die USA und ist ihm mehr als nur ein Sekretär.

30 Jahren später erhält Erneste Post von Jakob, der sich verfolgt fühlt und offensichtlich in großen Geldnöten steckt. Er bittet ihn, bei Klinger, der schon lange wieder in der Schweiz wohnt, nach Hilfe für ihn zu ersuchen. Erneste wird mit einem Teil seiner Vergangenheit konfrontiert, die ihm plötzlich wieder so nahe ist, wie der gestrige Tag. Doch kann und möchte er seinem ehemaligen unaufrichtigem Geliebten helfen? Die aufflammenden schmerzlichen Gefühle lassen sich jedenfalls nicht so einfach wieder unter Verschluss bekommen......

Obgleich kein Krimi fesselte mich der Roman von Beginn an, so dass ich gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören wollte. Sulzer gelingt es in eine fremde Welt in einer fremden Zeit einzutauchen und Vergangenes erlebbar zu machen. Darüber hinaus fiel es mir nicht schwer, Mitgefühl für die Hauptperson zu entwickeln. Seine inneren Kämpfe sind nachvollziehbar beschrieben.
Und auch die Zeitsprünge im Handlungsverlauf werden wunderbar ineinander verwoben. So entwickelt sich eine außergewöhnliche Geschichte über das sich Selbst aufgebende Verliebtsein und das lange Leiden im Anschluss.

Fazit: Mir hat vor allem der Schreibstil von Sulzer sehr gut gefallen. Mein erster Roman, den ich von ihm gelesen habe, sicherlich nicht mein letzter.
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am 24. September 2007
Nein, keine Hommage an Thomas Mann! Wie kommt man denn darauf? Alle Biographen sind sich einig: TM hat seine homoerotischen Neigungen nie ausgelebt, hat sich auch in Tagebüchern und gegenüber seinem hemmungslosen Sohn Klaus explizit dagegen ausgesprochen, den Trieben freien Lauf zu lassen (nicht ohne die Schmerzen zu notieren, die in ihm solche Askese bis ins hohe Alter hervorrief).

Es gab zwar den Kellner im Schweizer Grand Hotel, der später nach Amerika ging und sich nach der Veröffentlichung seiner Erwähnung in TMs Tagebuch zu Wort meldete. Aber der konnte nur Nobles und Ehrenhaftes über die Zeit des Umgangs mit dem berühmten Gast bezeugen.

Umso peinlicher ist es, die drastische Szene bei Sulzer zu lesen und dabei an den berühmten Schriftsteller denken zu müssen. Aber das ist das Problem des Lesers, nicht des Autors. Zum Glück gleitet wenigstens die Sprache Sulzers stilistisch dabei nicht zu sehr ab.

Am besten haben mir die Beschreibungen des Arbeitsalltags des Kellners Erneste gefallen, und die Ausführungen darüber, welche Eigenschaften ihn zum perfekten Kellner machen. Ein Lese-Genuss auch die Szene in der Kleiderkammer.

Insgesamt eine fast runde Geschichte, spannend und vergnüglich die ersten zwei Drittel des Buches. Die Skinhead-Episode war vielleicht dramaturgisch nötig, störte mich aber auch in der Grundstimmung der Erzählung. Und die Handlung in Amerika hätte, um glaubwürdig zu gelingen, ausführlicher, episch breiter geschildert werden müssen. In der Kürze wirkte das leider alles etwas zu plump.

Trotzdem ist Sulzer ein großartiger Erzähler und kann seiner Inspirationsquelle, dem großen Thomas, nicht nur das Wasser reichen. ;-)
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am 27. Mai 2011
Der einsame Kellner Erneste erhält nach 30 Jahren einen Brief seiner großen Liebe Jakob, in dem dieser ein unverschämtes Ansinnen äußert, welches als Hilferuf getarnt daherkommt. Der Brief führt ihn zurück in die 30er Jahre, seit Jakob gab es keine nennenswerte Beziehung in seinem Leben und keine weitere Liebe hat die Erinnerung und Bedeutung dieser Beziehung je schmälern können. Der Brief versetzt den pflichtbewussten Kellner in Aufruhr, er erhält einen zweiten Brief und nach einem einschneidenden Erlebnis beschließt er der Bitte Folge zu leisten und den greisen Schriftsteller aufzusuchen, für den Jakob ihn einst verließ ...
Zunächst sehr betulich entspinnt sich die Geschichte. Erneste - irgendwie blass, aber dienstbeflissen und pflichtbewusst und keineswegs unsympathisch - wird in seinem täglichen Dasein geschildert, was in der Tat nicht sonderlich interessant ist. Es braucht etwas Zeit, um in diese Geschichte einzusteigen, auch die Entwicklung der Liebesgeschichte mit Jakob lässt des Lesers Herz nicht gerade vor Aufregung erbeben. Eine große Stärke dieser Erzählung ist die ausgefeilte Sprache und das sich langsam aber stetig steigernde Geschehen im Buch. Wie bei einer Zwiebel muss man Schicht um Schicht entblättern, um schließlich zum Kern des Geschehens und zu dem eigentlichen Drama vorzudringen - verursacht durch den verführerischen und selbstbezogenen Jakob. Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto besser gefällt es mir. Und auch der Titel hätte nicht treffender sein können: Erneste hat in seinem Leben den perfekten Kellner so sehr verinnerlicht, dass er sich eigene Wünsche und Bedürfnisse im Prinzip vollkommen versagt. Damit steht er deutlich und stark im Gegensatz zu den anderen Protagonisten - im wesentlichen Geliebter und Schriftsteller, die ihre egoistischen Motive rücksichtslos verfolgen. Interessante Charakterstudie und nach anfänglichen Einstiegsschwierigkeiten absolut lesenswert.
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am 7. Januar 2005
Der Autor versteht es, die Geschichte mit der Wortgewandtheit deutschsprachiger Ikonen einer scheinbar vergangenen Aera zu erzählen. Dabei kann man genüsslich die Zeit der großen Grand Hotels noch einmal miterleben, die dezente Aufmerksamkeit des Personals und die Freundschaft zweier Kellner, beginnend im klassischen Lehrer-Schüler Verhältnis, welche sich zu einer dramatischen Liebe entwickelt.
Beeindruckend ist vor allem, wie der Autor Thomas Mann in der Figur des Schriftstellers Klinger auftreten lässt, vor allem, wenn man sich mit der Geschichte der Fam. Mann etwas auseinandergesetzt hat. Es ist genau die Episode, in der Fam. Mann in einem Schweizer Hotel residiert, und bei Th. Mann, schwer beeindruckt von einem jungen Kellner aus Deutschland, seine immer unterdrückte und höchstens dem Tagebuch preisgegebene Zuneigung zu jungen Männern wieder aufblüht.
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am 9. Juli 2007
Der seltene Fall eines Buches, dessen Handlung, obwohl ihr Ende von Anfang an geahnt werden muss, keinen Augenblick langweilig wird; vielmehr vermag sie es, den Leser zu fesseln und ihn immer noch hoffen zu machen, dass die Liebe zwischen Erneste und Jakob kein trauriges Ende nimmt - eine Hoffnung, die natürlich vergeblich ist. Es ist ein Buch, dass man lesen kann, so dass man bei jeder Unterbrechung den Eindruck hat, aus einem Traum aufgewacht zu sein, dem man wehmütig nachsinnt. Es ist ein leichtes, kein schwerfälliges Buch. Und man darf über den Unterschied zwischen Perfektion und Vollkommenheit nachdenken

Zwei Dinge stören das Lesevergnügen dennoch - oder fallen, im Nachhinein, unangenehm auf:
Da ist zum einen der Charakter des Julius Klinger, der als Reminiszenz an Thomas Mann jedem auffallen wird, der sich nur ein wenig mit der Mann-Familie auskennt. Dass ich beim Lesen ständig Symmetrien und Abweichungen zwischen den Familien Mann und Klinger im Geiste überprüft habe (wobei diese Konstellation durchaus artifiziell und komplex gestaltet ist: die Familie Klinger ist nicht bloß eine plumpe Kopie der Familie Mann, ganz im Gegenteil), dafür kann ich zwar nicht den Autor Sulzer verantwortlich machen, trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob diese schriftstellerische Annäherung notwendig ist. Zumal sind dort jene Passagen, in denen Klinger über seine homoerotischen Offenbarungen monologisiert, die das Buch stellenweise in Richtung einer schwülstigen Coming-Out-Story tendieren lassen (üble Erfahrungen mit Homophobie werden übrigens auch in Hinsicht auf Erneste thematisiert - Erfahrungen, die Erneste in der Romanhandlung immerhin den Freiraum gewähren, Klinger zu besuchen, an sich jedoch eher stören: ein Bruch mit der Leichtigkeit des Buches).
Zum anderen ist dort Sulzers Neigung zu manirierten Formulierungen: seine Neigung, möglichst viele Details in langen Satzkonstruktionen zu behandeln, die mal angebracht sein mag, häufig aber auch irritiert, wenn der Schilderung eines Erlebnisses der Hauptfigur oder eines Dialogs eine Reflexion dieses Stils folgt. Diese Stellen fallen jedoch mehr als schriftstellerische Schwäche auf, denn als eine, die den Roman und seine Handlung beinträchtigten.

Abgesehen von diesen Aspekten daher nur Lob von meiner Seite: vier Sterne.
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am 13. Februar 2008
Auch wenn es sich um eine homosexuelle Liebesgeschichte handelt, so ist dies doch kein "schwuler Roman" im herkömmlichen Sinne. Die Liebe mit ihren Freuden, Sehnsüchten, Schmerzen, Abhängigkeiten und Machtverhältnissen die hier beschrieben ist, ist zeitlos und nicht an eine sexuelle Orientierung gebunden.

Die Geschichte ist sehr einfühlsam und spannend. Wenn auch der Verlauf teilweise vorhersehbar, so bleibt das Ende doch eine Überraschung. Die Sprünge zwischen den Zeitebenen sind hervorragend gelungen und beim Aufbau des Spannungsbogens sehr hilfreich.
Erneste ist ein trauriger Mann, dessen Lebensinhalt darin besteht ein perfekter Kellner zu sein und der glaubt sich mit seinem Schicksal arrangiert zu haben; doch die im Keller versteckte Vergangenheit kommt zurück. Erneste weckt kein Mitleid sondern durch seine Gradlinigkeit und grenzenlose Liebe eine herzliche Sympathie.
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am 3. Juli 2015
Ich fand das Buch durchaus gut geschrieben und spannend, so dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe: die Geschichte des perfekten Kellners, der durch einen Brief seines früheren Geliebten aus seinem wohl geordneten, aber gefühlsleeren Leben gerissen wird. Gleichzeitig hat die Lektüre bei mir kaum Nachklang erzeugt und ich denke, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte, wäre mir nicht zu viel entgangen. Ich würde sagen; das ist wirklich gehobene literarische Unterhaltung mit der Thematik unglückliche, aber lebenbestimmende Liebe eines Mannes zu einem anderen Mann in einer Welt, in der Liebe zwischen Männern nicht angesagt war. Wen ein solches Thema psychologisch facettenreich dargestellt interessiert, für den ist das Buch was.
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