Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Lücke die der Teufel lässt., 12. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Lücke, die der Teufel läßt: Im Umfeld des neuen Jahrhunderts (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein faszinierendes Konglomerat kurzer, geselliger Erzählungen, eine Zeitmaschine, welche ihren Gast zu den großen Menetekeln" des 20. Jh. führt. Dabei gruppieren sich die Geschichten, die ihrerseits autark sind, zu größeren Verbünden, subsummieren sich unter eine Überschrift und formen die 9 Kapitel dieses Buches. Kluge untersucht Nahtstellen zwischen den Zeitaltern, widmet sich großen Themenkomplexen des letzten Jahrhunderts und stellt sie anhand von Entscheidungen und Lebensläufen von Personen dar, die stets ein Zeitalter in sich bergen, deren Lebensläufe Eigensinn haben und wie ein Lebenslauf eine nicht logisch-stringente Abfolge von Ereignissen umfassen. Er beschränkt sich jedoch nicht auf das ausschließlich Subjektive. Zu Beginn des Buches sieht man ein Bild mit Maultieren, die auf einem kleinen Fleck Erde stehen, von Wasser umschlossen. Kluge schreibt hier, dass alles subjektiv-objektiv" sei, alles aus Tatsachen und einer lebendigen Antwort" bestehe. Die Geschichten beleuchten die Zeit, in der sie spielen eben aus dieser Perspektive. Scheinbare Objektivität, angereichert mit Subjektivität der Menschen, die sich gegen den starren Rahmen des Objektiven stemmen. Kluge nimmt einen kleinen Ausschnitt eines Ereig-nisses, stellt ihn en détail dar, verbindet ihn jedoch mit der Sichtweise der jeweiligen Personen der Geschichte. Teile eines Lebenslaufs. Die Geschichten lassen die Grenzen zwischen Realität und einer Fiktion, die absolut möglich, wäre verschwimmen.

Form: Trotz der relativen Kürze der Geschichten erzählt Kluge nicht linear als auktorialer Erzähler, vielmehr unterbricht er den Erzählfluss durch dialektische Zwiegespräche, setzt Emphasen durch GROSSBUCHSTABEN und verwendet eine Vielzahl von Fußnoten, die teilweise - wie in der Wissenschaft üblich - Quellen referenzieren, teilweise Begriffe definieren oder auch eigene Geschichten erzählen. Die Fußnoten selbst werden auf verschiedene Seiten verteilt, sodass der Leser nie auf einer Seite verweilt, sich die Komplexität der Geschichten auf die Form überträgt. Im Appendix findet man nun noch Bilder und Hinweise, die sich wiederum auf die Geschichten beziehen und somit den Kreis der Informationen schließen, die Erzählung mit Fakten, Literatur, Erklärungen an- und bereichern. Ergründung der Geschichten in hermeneutischen Zirkeln.

Wer Kluge und seine Sendungen News und Stories, 10 vor 11 etc., deren Basis dialektische Gespräche sind, kennt, merkt schnell, dass diese starken Einfluss auf sein Buch haben. Die enorme Bandbreite und das Detailwissen fußt z.T. auf den zahllosen Gesprächen mit seinen Gästen. Dabei erkennt man, dass Kluges besondere Art der Fragestellung nicht immer ganz ernst gemeint ist und teilweise sein Gegenüber provoziert und theoretische Möglichkeiten bis an die Grenzen des Unwahrscheinlichen ausdehnt. Die Themen reichen, wie in seinen nächtlichen Sendungen, von Naturwissenschaft über Kultur, Marx und Eisenstein, Adorno und Krieg bis hin zu Kultur, Macht und Politik. Kluge betätigt sich allzu gern als Goldgräber im Bergwerk der Geschichte. Ein wahrer Meister der Metaphern.
Von Vorteil ist die Kürze und partielle Abgeschlossenheit der Geschichten. Dadurch wird die Möglichkeit zur Reflexion erhöht und der konkrete Inhalt jeder Geschichte tritt durch diese in den Hintergrund, wird auf eine höhere Ebene gehoben und beleuchtet somit nicht mehr den Spezialfall der Möglichkeit (Realität), sondern lässt sich als Muster auf andere Situationen übertragen. Dabei lassen sich manche Geschichten sehr leicht lesen, andere laden zum Mitdenken ein, wieder andere erfordern, neben Kluges Fußnoten ein spezielles Wissen, sei es Kant oder die griechische Mythologie, um den Sinn der Geschichte zu ergründen.
Alles in allem sehr zu empfehlen...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Lücke, die der Teufel läßt: Im Umfeld des neuen Jahrhunderts (suhrkamp taschenbuch)
EUR 15,00
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen