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Kundenrezensionen

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am 5. April 2010
Manche Bücher sind ein etwas schwierig zu rezensieren, weil sie einem viel abverlangen, oder weil man durch sie mehr von sich preisgeben könnte, als man eigentlich möchte. "Die Glasglocke" ist ein solches Buch. Ich versuche es dennoch.

Die "Geschichte" (eigentlich ist es in großen Teilen eine Autobiographie) spielt im spießigen Amerika der 50er Jahre, das unserer Zeit an manchen Stellen allerdings erschreckend ähnlich ist, und handelt von der Studentin Esther Greenwood, die ein Stipendium an einem angesehenen College hat. Zu Beginn des Buches weilt sie in New York und arbeitet dort für eine Zeitung. Als sie für den Sommer zurück nach Hause kommt, erwartet sie dort ein Brief; sie wurde für einen Sommerkurs nicht angenommen. Kurze Zeit später versucht sie sich das Leben zu nehmen und kommt in die Psychiatrie.

Esthers Lebensweg scheint vorherbestimmt: College, nebenbei Steno und Maschineschreiben lernen, damit sie als Sekretärin arbeiten kann und dann ein Leben als brave Hausfrau und Mutter. Doch sie kann sich damit nicht anfreunden, überhaupt geht sie eher teilnahmslos durchs Leben. Sie schildert ihre Zeit in New York kühl und distanziert bis angeekelt. Die Partys, die anderen Mädchen mit denen sie von einem gesellschaftlichen Ereignis zum nächsten gejagt wird, all das ist nicht ihre Welt, all das erfüllt sie nicht. Die Frage was sie eigentlich will stellt sich häufiger, die Antwort findet sich eher zwischen den Zeilen. Sie will Wahlfreiheit, sie will sich nicht entscheiden müssen und sie will selbstbestimmt leben, auch wenn das bedeutet eben keine eindeutige Entscheidung zu treffen. Ihre Wahl ist die Nicht-Wahl, das gleichzeitige Nutzen zweier Alternativen. Buddy Willard, der Medizinstudent und All-American-Boy, der ihr Mann werden sollte, nannte sie deswegen neurotisch. Esther gab dies bereitwillig zu, einer der wenigen Moment im Buch, in denen ein bisschen Emotion durch ihre Fassade zu erkennen war.

Als sie schließlich über den Sommer zu Hause festsitzt, verschlechtert sich ihr Zustand sehr. Sie kann nicht mehr schlafen, ihre Verweigerungshaltung, die vorher nur in Ansätzen zu erkennen war, ist auf dem Höhepunkt. Sie sucht sich keine anderen Sommerkurse, sie ruft sogar im College an und hört sich selbst sagen, dass sie keine weiteren Kurse belegen wird. Sie versucht einen Roman zu schreiben, kommt aber nicht über die ersten Zeilen hinaus. Ihre Mutter will ihr Stenographie beibringen, doch Esther weiß keinen Beruf den sie ausüben wollte bei dem man das bräuchte. Sie überdenkt alle Möglichkeiten die sie hat und verzweifelt daran dass sie scheinbar nichts kann. In ihre Gedanken mischen sich immer öfter Überlegungen wie sie sich selbst töten kann, sie versucht sich zu ertränken, kauft sich Rasierklingen, schafft den entscheidenden Schritt allerdings erst als sie Schlaftabletten nimmt und sich in einer Nische im Keller versteckt.

Esther kommt schließlich durch ihre Gönnerin in eine private psychiatrische Anstalt, wo sie erstmalig von einer Frau behandelt wird. Die Behandlung durch einen männlichen Psychiater vorher, hatte ihr außer einer traumatischen Elektroschockbehandlung nicht weiterhelfen können.
In der Klinik werden ihre Depressionen langsam weniger, die Glasglocke, die sie von der Außenwelt abtrennt und sie gleichzeitig zum Forschungsobjekt für andere macht, hat sich angehoben und lässt einen "Luftzug" zu ihr herein. So seltsam wie es auch klingen mag, letztendlich erreicht Esther Selbstbestimmung durch Empfängnisverhütung. So kann sie Erfahrungen machen, ohne direkt befürchten zu müssen ein Baby zu bekommen. Sie muss Buddy Willard nicht heiraten, der so bigott ist und von ihr erwartet Jungfrau zu sein, während er selbst jede Menge Erfahrungen gesammelt hat. Sie muss das Bild der Frau als unterstützendes Anhängsel eines Mannes nicht erfüllen, die zu Hause bleibt, während ihr Mann Karriere macht und sich Geliebte hält. Ihr stehen alle Wege offen.
Das mehr oder weniger positive Ende wird allerdings dadurch getrübt, dass sich Esthers reales Alter Ego Sylvia Plath letztendlich doch das Leben genommen hat.

Plaths Glasglocke ist ein wahres Meisterwerk! Sie versteht es mit ihre wunderschönen Sprache Bilder zu malen die eindrücklich sind und gleichzeitig sehr unaufdringlich. Man muss allerdings ebenso zwischen den Zeilen lesen können, denn vieles erschließt sich auch aus dem was sie nicht schreibt. Wer sich jemals in einer emotional ähnlichen Situation befunden hat, wird sicher vieles von Esther in sich wiedererkennen. Es ist eine wirkliche Schande, dass diese Plaths einziger Roman ist, mit ihr ist ein großes Talent verloren gegangen!
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am 29. April 2015
Sylvia Plath klingt majestätisch, ja, sogar ein bisschen wie die englische Königin wenn sie ihre Gedichte rezitiert. Während sie vom emotionalen Mord am Vater berichtet oder von der Kunst des Sterbens erzählt, macht ihre Stimme nicht einen einzigen zittrigen Schlenker. Es scheint als verhöhne ihr würdevolles Vibrato die Intimität ihrer sehr persönlichen Texte.
In Wirklichkeit schafft sie Distanz zu ihrer Lyrik, die zwar immer von eigenen Erfahrungen handelt, aber gleichzeitig in einem engen metrischen Korsett steckt. Ganz genau wie ihre Stimme.
Anfang der 1960er Jahre hat sich Sylvia Plath längst einen Namen als Dichterin gemacht und lebt gemeinsam mit dem Autor Ted Hughes zusammen. Nach vielen gescheiterten Versuchen ihren ersten Roman zu schreiben, gelingt es ihr 1962 endlich „Die Glasglocke“ fertig zu stellen. Auch hier dient – wie sollte es anders sein – ihr eigenes Leben als Inspiration.
Es ist der Sommer des Jahres 1953 als die junge Collegestudentin Esther Greenwood die ländliche Idylle ihrer Heimat hinter sich lässt und nach New York geht. Zuvor hatte sie bei einem Schreibwettbewerb einer Modezeitschrift gewonnen und wurde mit elf anderen Mädchen eingeladen, einen Monat lang in der Redaktion zu hospitieren. Was sich anfangs wie die antiquierte Variante einer Sex and the city-Kolumne liest – es geht um Glamour, Männer und, ein bisschen gediegener, um Sex – entpuppt sich Seite für Seite als ironische Entzauberung des Luxus-Mythos und der Existenzkrise einer jungen Frau, die eigentlich alles hat um glücklich zu sein. Oder zumindest erfolgreich. Der Bruch folgt jedoch keineswegs abrupt, die Tragik der Ich-Erzählerin Esther Greenwood offenbart sich nur in beinahe hilflosen selbstreflexiven Momenten, und wird in den meisten Fällen mit viel Humor verschleiert. Erst nach der Rückkehr aus New York in das Haus ihrer Mutter und der nun drängenden Zukunftsfrage werden die psychischen Abgründe durchsichtiger. Esther ist sich nun bewusst, dass sie sich weder an ihre gesellschaftliche Rolle anpassen kann, noch ihre selbstgesteckten Ziele verfolgen will. Was Sylvia Plath besonders gut beherrscht, ist die schonungslose Thematisierung eines menschlichen Phänomens, das heute und auch in Zukunft noch von Bedeutung ist: Zugehörigkeit. Oder aber Anders-Sein. Die große Depression all jener, die von innerer Leere und Überfülle geplagt sind, den Ambivalenten, die sich zu beiden Polen hingezogen fühlen. Die Protagonistin Esther erklärt ihren Zustand anhand der Titelmetapher, einem Leben „unter der Glasglocke in meinem eigenen sauren Dunst“. Ihre Umwelt wird immer bedeutungsloser, die Gedanken kreisen nur noch um die Sinnlosigkeit ihres Daseins und gipfeln schließlich in einem Suizidversuch. Was darauf folgt, ist ein mühsamer Kampf mit den eigenen Dämonen und die Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Besonders hier, in den düsteren Momenten, während auch die Ironie versagt, beweist Plath ihr außergewöhnliches Schreibtalent mittels atemberaubenden Metaphern und einer gleichsam ehrlichen wie angsteinflößenden Fragilität.
Der Tod im Allgemeinen ist ein wiederkehrendes Motiv von Sylvia Plath, ein Stigma ihrer Arbeit – und auch das ihres Lebens. Für ihre Titelfigur entwarf sie ein hoffnungsvolles Ende, das zu den wenigen fiktionalen Elementen ihres Werkes gehört. Sie selbst beendete ihr Leben wenige Wochen nach Veröffentlichung ihres Romans. Den großen und anhaltenden Erfolg verdankt die Glasglocke der Frauenbewegung in den 70er Jahren, dank der Plath posthum zu einer Ikone aufstieg. Trotz der teils feministisch geprägten Haltung einer Frau in den biederen 50er Jahren, ist die „Glasglocke“ vielmehr eine manchmal witzige, oft traurige, aber immer brillant verfasste Charakterstudie. Sylvia Plath selbst beschrieb den Roman gern als „Brotarbeit“ und „nur zur Übung“. Dabei hatte sie ihre Stimme bestimmt völlig unter Kontrolle. Wie immer also, wenn sie unter ihrer Glasglocke saß und mit den Außenstehenden sprach.
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am 3. Februar 2005
Schleichend gerät das Empfinden, Wahrnehmen und Denken der neunzehnjährigen Esther Greenwood in den Bann einer schweren Depression. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.
In "Die Glasglocke" erforscht Sylvia Plath nicht die Ursachen der Depression, sondern sie beschreibt den Krankheitsverlauf, und zwar auf eine außergewöhnlich anschauliche und beklemmende Weise, in einer eleganten Sprache mit zahlreichen gelungenen Vergleichen und Metaphern. Ungeachtet des bedrückenden Inhalts sind einige der Szenen komisch, aber das wirkt nicht humorvoll, sondern sarkastisch.
Mit diesem Roman beweist Sylvia Plath, dass sie nicht nur eine bedeutende Lyrikerin ist, sondern auch eine geniale Erzählerin. Bedauerlicherweise hat die amerikanische Schriftstellerin nur diesen einzigen Roman geschrieben.
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am 27. Oktober 2013
Es gibt Bücher, in die man sich bereits beim Lesen des ersten Satzes verliebt. Verlieben muss. Auch wenn sie eher bedrücken, diese ersten Worte, als das Herz leichter zu machen. Und das Lieben nachfolgend schwer und schwerer lastet, besonders wenn die Haut zwischen Glasglocke und Leser hauchdünn ist. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb bleiben der erste Satz und all die Beklommenheit der anderen fast verfolgend erhalten. Auch lange danach. Verstehen, was nicht zu verstehen und fühlen, was nicht fühlbar ist. Weil es ja aufhört, das Fühlen. Unter der Glocke. Und doch ist da ein Begreifen. Und das ist die eigentliche Leistung dieses Buches. Abgesehen von einer unaussprechlichen Poesie der Sätze. Die, wie in Stein gemeißelt, nachwirken. Und diese Episoden um das immer sichtbare Ende ohne jeden Anfang. Die so schwer zu verdauen und dabei doch so leicht zu ergründen sind. Meistens jedenfalls. Alles, was man der Heldin am Ende wünschen möchte: Ist ihre Befreiung. Und eine andere Zeit.

"Er würde sich in seinem Sessel zurücklehnen, würde die Fingerspitzen zu einem kleinen Kirchturm zusammenlegen und mir sagen, warum ich nicht schlafen, nicht lesen, nicht essen konnte und warum mir alles, was die Leute taten, so albern vorkam, da sie zuletzt ja doch nur starben. Und dann, so stellte ich mir vor, würde er mir helfen, Schritt für Schritt wieder ich selbst zu werden."
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am 7. Januar 2013
Inhalt:
Die 19-jährige Collegestudentin Esther Greenwood , die für ein Praktikum im New York der 50er Jahre wohnt, versucht sich selbst zu finden und gleitet bei dieser Suche in eine schwere Depression ab. Sie will nicht, wie es zu der Zeit Regel war, die nette Ehefrau eines Mannes werden, ihre Karriere hinten anstellen, für Haushalt und Kinder leben. Jedoch fühlt sie sich auch unsicher, eigene feste Schritt zu wagen, wirklich in die andere Richtung zu steuern, ihre innerliche Zerrissenheit, die Ablehnung an einem College und eine tiefe Verlorenheit gipfeln letztlich in einem Selbstmordversuch, der sie in eine Nervenheilanstalt bringt.

Meine Meinung:
Es ist wirklich schwer, einen hochgelobten Klassiker zu kritisieren, aber ich persönlich muss einfach feststellen, dass nichts was ich über das Buch gelesen habe, wirklich zutrifft.

Der Beginn ist, wenn man so sagen möchte, langatmig, allerdings aber auch eine Art ausführliche Einleitung. Man lernt Esther Greenwood und ihre Arbeit in New York kennen. Liest von Parties, zu denen sie sich ihrer Arbeitskolleginnen wegen hinreißen lässt, von Liebe, die von Esthers Seite ziemlich blockiert wird und lebt sich einfach mal in die Welt des Mädchens ein. Mit diesen Schilderung ist die Hälfte des Buches befüllt, die psychische Erkrankung tritt erst in der anderen Hälfte auf.

In Rezensionen las ich von Worten wie: destruktiv, wahnsinnig, bedrückend, niederschmetternd – nicht bei Depressionen zu lesen! Die Worte klingen schön reißerisch, anschließen kann ich mich ihnen nicht. Darin sehe ich nämlich den großen Minuspunkt des Buches – es berührt nicht. Die Gefühle, sie sind irgendwo oberflächlich eingeflechtet und haben bei mir keinerlei emotionale Regung ausgelöst. Sylvia Plath hat, wie viele vielleicht wissen, sich selbst das Leben genommen, weshalb sie vermutlich wusste, worüber sie schrieb, aber alleine durch diesen Aspekt wurden die Worte für mich nicht eindringlicher.

Die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit sind furchtbar (Elektroschocks), zu dieser Einsicht kommt der Leser relativ schnell, allerdings ist da eine Distanziertheit und Kühle an Esther, dass ich da nicht mitleiden konnte. Mein Verstand sagte mir: schreckliche Dinge, aber im Herzen, da kam die Botschaft nicht an. Finde auch, dass die Beschreibung der Depression keinen Informationscharakter besitzt. Würde das Buch jetzt niemanden empfehlen, wenn er wissen wollen würde, wie Menschen eine Depression erleben, dafür ist es für mich zu aussagelos.

Für mich der ausdrucksstärkste Satz im ganzen Buch:
Aber als es so weit war, sah die Haut an meinem Handgelenk so weiß und wehrlos aus, daß ich es nicht fertigbrachte. Es kam mir vor, als wäre das, was ich töten wollte, nicht in dieser Haut oder in diesem schwachen blauen Puls, der unter meinem Daumen pochte, sondern woanders, tiefer, versteckter und viel schwerer zu erreichen. (Seite 156)

Sylvia Plath ist eine interessante Persönlichkeit, weshalb ich schon eine Biografie von ihr gelesen und geliebt habe, aber „Die Glasglocke“ ist, wenn ich es so dreist sagen darf, für mich überbewertet. Es ist eine interessante Geschichte, aber ihr fehlt es eindeutig an emotionaler Tiefe, da hat mich das Buch einfach nicht erreichen können. Schriftstellerisch braucht man nicht diskutieren, da ist es ein grundsolides Werk und man merkt, dass die Autorin ihr Handwerk verstand.

Fazit:
Mich hat das Buch leider emotional überhaupt nicht erreicht und ich kann die Faszination gegenüber dem Werk nicht verstehen.
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am 21. November 2007
Ich weiß nicht, wem es gelingen könnte, das Verzweifeln am Leben intensiver und eindrücklicher zu beschreiben als Sylvia Plath.

Dieser Roman ließ mich nicht nur nachdenklich, sondern hochgradig aufgewühlt, bedrückt, zitternd und mit klopfendem Herzen zurück.
Ein geniales Meisterwerk!
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Es gibt so Bücher, die verpasst man, weil man sie nicht kennt. Klingt banal, ist aber ein trauriges Übel. So wurde ich auch auf "Die Glasglocke" von Sylvia Plath erst aufmerksam, als ich von dem Kinofilm über das Leben der (mir bis dato ebenso unbekannten) Dichterin las. Investigativerweise suchte ich im Netz nach Infos und fand unter anderem ihr Gedicht "Daddy", das mich sehr beeindruckte- und von dort war es nur ein kurzer Schritt zu Plaths einzigem Roman. In der "Glasglocke" liest man über ein junges Mädchen, Esther Greenwood (Zufall, dass man den Namen so schnell vergisst?), die erst in New York, dann zu Hause in der Provinz allmählich am Leben erstickt, oder am Nicht-Leben, oder am Verkehrt-Leben oder an Anderem. Die Ursache ist weniger wichtig, Wert legt die Autorin in dem semi-autobiographischen Werk vor allem darauf, Esthers Gefühlszustände auszuarbeiten und durch die Sprache nach außen dringen zu lassen. Und das gelingt ihr- vor allem im zweiten Teil- schmerzhaft gut. Man spürt förmlich die "Glasglocke", die sich über Esther herabsenkt, die Dumpfheit, durch die sie nur noch die Umgebung fühlen kann, die Gleichgültigkeit, in der sie ertränkt und die nur von dem fast automatisierten Bemühen durchbrochen wird, eine sanfte Suizidmethode zu finden. Geradezu beklemmend sind die Stellen, an denen eine solch elementare Hoffnungslosigkeit durchschimmert- wobei dieses Wort fast schon zu aktivisch gewählt ist. Es ist mehr eine Lähmung, die sie befallen hat. Auch wenn Plath ihre Erzählung nicht ganz von Klischees freihalten kann (die verständnislose Mutter, der inkompetente Arzt)- doch sind nicht alle Motive mittlerweile zum Klischee verkommen?- so wirkt ihre Geschichte fast immer authentisch, fühlbar und furchtbar. Hinzu tritt die immense Sprachgewalt der Dichterin, die sie in wunderbaren Bildern ausschöpft.
Auch wenn manches an der "Glasglocke" ein wenig überlebt wirkt- immerhin ist der Roman schon vierzig Jahre alt- so ist doch sein Thema vielleicht gerade heute ungebrochen akut, auch wenn ich das nicht auf die bloße Orientierungslosigkeit einer Generation reduzieren möchte. Hinter diesem Symptom steckt bei Plath und auch im Leben viel mehr, und "Die Glasglocke" bietet eine gute Gelegenheit, sich in diese Welt hineinzufühlen.
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am 19. Juli 2005
Für mich ist Sylvia Plath eine unter den wichtigsten Frauenfiguren der Literatur.
Ich habe dieses Buch für die Uni gelesen, ohne Vorwissen. Und war von der ersten Seite an gefesselt!
Ich würde jedem Leser der Glasglocke raten, erst nach der Lektüre des Romans eine Biographie, Monographie über Sylvia Plath zu lesen. Dann wirds unheimlich...
In der Glasglocke schreibt Sylvia Plath (ich darf es andeuten, autobiographisch) über Esther Greenwood, eine fleißige, hübsche Collegestudentin und ihren seelischen und psychischen Zusammenbruch mit 19 Jahren.
Grandios schildert Plath, wie sich der Zustand in der Glasglocke (das Eingesperrt sein, keine Luft zu bekommen, abgeschnitten von der Welt zu sein) langsam in Esthers Leben hineinschleicht.
Als Leser versucht man dahinter zu kommen, wo denn die Wurzeln für dieses Unglück liegen und wird auch bald fündig.
Nach einem Aufenthalt in einer Klinik (mit abstrusen Behandlungen, wie Insulin-Schocks und noch schlimmer Elektro-Schocks!!!!!) wird Esther als geheilt entlassen.
Das ist die spannende Rahmenhandlung. Doch viel mehr interessieren uns Esthers Gefühle, Gedanken, ihre Umgebung, ihre Familie, ihre Freunde.
Wir merken, dass sie ein sehr intelligentes und begabtes Mädchen ist, doch sie hadert mit dem anscheinend vorprogrammierten Frauenschicksal in den 1950er Jahren in den USA.
Scharf kritisiert sie Geschlechterunterschiede, die gesellschaftlich gemacht sind.
Ohne es zu wissen, wird Plath zu einer Feministin nach heutiger Definition.
Auch Esther will leben, lieben wie es ein Mann tut. Sie will studieren, einen Beruf ausüben, lieben, eine Familie haben, aber nicht ihre Identität verlieren.
Dieser Roman ist nicht sehr geeignet für Personen, die keine stabile Psyche haben, bzw. selbst Erfahrungen mit Suizidversuch, Tabletten, Kliniken... haben.
Generell sage ich aber, dass dieser Roman (übrigens Plath einziger) sehr empfehlenswert ist.
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am 20. August 2008
"Die Glasglocke" ist mein absolutes Lieblingsbuch. Ich habe es in Einem durchgelesen und war danach selbst entsetzt und deprimiert. Gut, das klingt jetzt nicht gerade positiv, aber ich will damit nur andeuten, dass die Stimmung und die Gefühle so fesselnd und anschaulich beschrieben sind und dermaßen gut rüber kommen, dass ich mich selbst hinein versetzt fühlte. Dieses Buch regt zum Nachdenken an, der Stil ist großartig, die Geschichte schockierend und atemberaubend.
Ich kann "Die Glasglocke" besten Gewissens jedem empfehlen, der sich nicht nur auf der eher seichten Seite der Literatur befindet.
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am 22. Juni 2013
In dem schillernden Roman 'Die Glasglocke', von Sylvia Plath, geht es um das Junge Mädchen, Ester Greenwood, und um das Martyrium, das sich in ihrem eigenen Körper, in ihrem eigenen Kopf, abspielt. Ein dünner roter Faden, in Form der Zeit, zieht sich durch die Geschichte, an dessen Anfang die junge Esther vorgestellt wird - die wirkliche Ester, bevor sie sich verliert -. Überhäuft mit Stipendien und Preisen, steht ihr eine Zukunft es intellektuellen Erfolgs bevor. Und - den Lesern - wird sie vorgestellt, nachdem sie einen Wettbewerb gewinnt, der es ihr ermöglicht, einen Monat in New York für eine Frauenzeitschrift zu arbeiten. Konfrontiert mit einer Welt, in die sie nicht hineinzupassen scheint, bildet die Zeit in New York den Ausgangspunkt für ihren späteren Niedergang.

Anhand ihrer bildhaften Sprache beschreibt Sylvia Plath, die Endgültigkeit der eigenen Entscheidungen. Die Metapher des Feigenbaums taucht an dieser Stelle auf und erklärt, dass die Leben, die wir führen könnten vor uns hängen wie reife Feigen an einem Baum, alle makellos und reif, wir brauchen lediglich zuzugreifen und eine zu nehmen. Aber wie sollte man sich entscheiden, wenn man doch genau weiß, dass sobald wir nach einer greifen, die anderen verschwinden?

In der Geschäftigkeit New Yorks wird dieser Konflikt um so deutlicher. Esther, die Protagonisten, wird mit zahlreichen Rollenbildern der damals wie heute modernen Frau konfrontiert. Doreen, die sinnliche Frau, die sich im Liebesspiel findet, Jay Cee, die Karrieristin und die anderen Mädchen, die sie dort trifft hängen zusammen mit ihrer Mutter und den Mädchen, die sie aus ihrer Heimat kennt, wie die vom Wind umwehten Feigen am Baum und bitten sie nach ihnen zu greifen - Das Leben, welches man als Frau zu dieser Zeit führen kann wir ihr vor Augen gehalten, doch in keinem der Rollenvorbilder, die sie kennenlernt, scheint sie sich zu finden. Und als würde das nicht reichen, sind da auch noch die Männer, denen sie versucht gerecht zu werden. Mehr noch, sie versucht ihnen gleich zu werden. 'Sie will auch ihren Spaß' Sie will nicht einfach nur geheiratet werden. Sie will nicht bis ans Ende ihrer Tage wichtige Briefe für aufstrebende Geschäftsmänner abtippen. Sie will auch wichtige Briefe schreiben. Schließlich sind es auch die Erwartungen, ihre Eigenen und die der Welt, die das labile Kartenhaus ihrer geistigen Gesundheit zum Einsturz bringen. Dabei geht es nicht nur ihr so. Das Bild der Frau, dass sie in diesem Buch zeichnet, wirkt krank, vor sich hinrottend von Kopf bis Fuß.
Es kommt, wie es kommen muss und das innere Drama manifestiert sich in einem Suizidversuch. Das Vorhaben scheitert und sie wird in eine Klinik eingeliefert. Der lange Weg der Besserung wird geschildert und die Zähne des Lesers knirschen in flammender Empathie, bei der Schilderung der damaligen Methoden, zu denen auch Elektroschocks gehören. Dabei ist es unglaublich zynisch, traurig und herzzerreißend, wie Esther, die sich vor der Entmachtung durch einen Mann gefürchtet hat, nun durch ihre eigene geistige Verfassung und die Menschen, die behaupten sie könnten diese lindern, entmachten wird.

Sylvia Plath ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen. Die Ich-Erzählung befasst sich nicht wie so viele andere mit der Ausweidung der Seele durch genauste Beschreibungen der inneren Vorgänge, es wird vielmehr mit einer Sprache geschildert, die mit ihren zahlreichen Metaphern und Vergleichen so schwer auf der Brust liegt, dass das Atmen während des Lesens schwer fällt, ohne das dabei auf jeden Gedanken von Esther eingegangen wird. Man wird eingesogen in eine kalte, raue Welt, die farbenfroh und schrill strahlt, aber so bedrohlich scheint, wie eine neongelbe Wand. Schwerelos bewegt sie sich dabei in ihrer eigenen Erzählung in Zeit und Raum, was ein erhebliches Maß an Konzentration beim Lesen erfordert. Dennoch ist es ein Abenteuer, eine Reise, in diesen absolut einzigartigen Geist der Esther Greenwood einzutauchen.
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