Kundenrezensionen


178 Rezensionen
5 Sterne:
 (115)
4 Sterne:
 (23)
3 Sterne:
 (11)
2 Sterne:
 (17)
1 Sterne:
 (12)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klaustrophobisch
Wer sich auf die Geschichten von Kafka einlässt wird sein blaues Wunder erleben. In klaren unscheinbaren Sätzen verbirgt sich immer ein unheimliches, unglaubliches Horrorszenarium.
Josef K. wird am Morgen seines 30. Geb. verhaftet. Das -Wer- und -Warum- ist unbekannt. Es tut es auch gar nichts zur Sache. Denn alles hat schon seine Richtigkeit, daran...
Veröffentlicht am 5. August 2002 von Klang, Ronny

versus
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Prozess auf dem Prüfstand
Wer sich ein Version von Franz Kafkas "Der Prozess" erhofft, die dem genauen Text der Lektüre entspricht, ist bei diesem Produkt an der falschen Adresse, da hier hauptsächlich aus der Perspektive der Hauptperson gesprochen wird und somit wichtige Details verloren gehen.
Meines erachtens ist das Hörbuch für die Leute geeignet die Fans von...
Veröffentlicht am 10. September 2008 von Lindinger


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beängstigend, 8. März 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess: Berlin 1925 (Taschenbuch)
Vielleicht der beste der drei Kafka-Romane.
Eine der besten Abhandlungen zum Thema Angst. Angst vor dem Unbekannten, vor dem Allmächtigen, vor der Kontrolle. Aber vor allem existenzielle Angst: die Angst davor, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens in der Formulierung "es gibt keinen" zu finden. Joseph K lebt in einem Labyrinth, dessen Eingang er nicht kennt und das keinen Ausgang hat. Jede Tür führt in einen neuen Gang, jede Bekanntschaft vermittelt ihm nur die Illusion, Hilfe zu erhalten. Er wird angeklagt, erfährt aber bis zum Ende nicht, wofür.
Kafka sagte: "Die Fesseln der gequälten Menschheit sind aus Kanzleipapier gemacht". Eine der großen Wahrheiten des 20. Jahrhunderts, aber viel mehr noch ist "Der Prozess" mit seiner erschreckend hoffnungslosen Grundstimmung eine große Wahrheit der Menschheit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen äähh...ja! Das stimmt!, 19. Januar 2003
Nun, was soll man sagen...ich komme mir schon sehr anmaßend vor, als abgehalfterter Student so ein Werk überhaupt zu "bewerten". Es ist wirklich, wie ein anderer Rezensent hier schreibt: Kafka kann das Leben des Lesers verändern. Und meines hat er ganz definitiv verändert, hat Fenster zur Welt aufgestoßen, von deren Existenz ich vorher überhaupt nicht wußte. Nach der Lektüre mancher Bücher denkt man, nun viel schlauer und wissender zu sein. Bei der Kafka-Lektüre läuft es umgekehrt: danach ist alles offener, unermeßlicher, geheimnisvoller, als man es für möglich gehalten hätte. Sicher liegt das an Kafkas offenem Stil, der den Leser quasi Schritt für Schritt in dessen Inneres lockt, so dass jeder Kafka-Roman für einen jeden Menschen wohl eine ganz und gar einzigartige Erfahrung ist auf Grund der weit reichenden individuellen Melodie, die Kafka den Leser geradezu zu komponieren zwingt. Der wahre Inhalt steht hier nicht in, sondern zwischen den Sätzen, zwischen den Wörtern, die einem so schön im Kopf klingen, zwischen dem, was Sagbar ist. Und das ist wirklich...sehr groß.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eigentlich, 27. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess. (Taschenbuch)
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt Franz Kafkas Meisterwerk. Die Geschichte des Prozesses des Josef K. Nachdem die Überraschung etwas überstanden ist, macht sich der Verhaftete daran aus dieser Misere zu kommen. Doch etwas ist anders: Er weiß nicht wessen er beschuldigt wird, er weiß nicht wer ihn anklagt - und muss erkennen, dass er um so tiefer in die Sache hineingezogen wird, je mehr er sich bemüht herauszukommen.
Kafka schildert diese unglaubliche Geschichte mit seiner kühlpräzisen, abstrahierenden Sprache und erweißt sich als Meister der Stimmung. Trotz genauester Beschreibung gelingt es ihm, die Spannung zu halten. Um K. herum zieht sich die Schlinge unaufhaltsam enger...
Die enorme Verständlichkeit der Sprache, steht dabei in krassem Gegensatz zur Geschichte: Schon viele Interpreten haben sich an Deutungen des Werks versucht, allein der Roman steht nach wie vor und gibt dem Leser Rätsel auf, da er gegen jede Deutung oder Interpretation resistent zu sein scheint.
Das beste ist: Man macht sich selber ein Bild.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Suhrkamp BasisBibliothek Ausgabe - Super, 12. Januar 2006
Von den mehreren Ausgaben Kafkas "Der Prozeß" ist die Ausgabe von "Suhrkamp BasisBibliothek" sicherlich die weitaus Beste!
Man findet Erläuterungen zu Wörtern des ostereichischen Dialektes direkt am Text. Sehr hilfreich!
Weiter gibt es diese Ausgabe Hintergrundinformationen über Kafka, Deutungsanzätze und direkte Verweise im Text zu Hinweisen, die einen tieferen Einblick in das Werk ermöglichen.
Im Anhang finden sich außerdem von Kafka gestrichene Textpasagen.
Klasse Ausgabe!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man braucht niemand zu blenden in einer Welt, die ohnehin ohne Licht ist., 18. September 2010
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
"Der Türhüter hat also den Mann getäuscht", sagte K. sofort, von der Geschichte stark angezogen.
"Sei nicht übereilt", sagte der Geistliche, "übernimm nicht die fremde Meinung ungeprüft. Ich
habe Dir die Geschichte im Wortlaut der Schrift erzählt. Von Täuschung steht darin nichts."
(Franz Kafka, Der Prozeß)

Im Jahre 1999 veröffentlichte Cynthia Ozick (1928-) ein Essay im 'The New Yorker' mit dem bedeutsamen Titel: "Die Unmöglichkeit, Kafka zu sein." Allein diese Überschrift verblüfft zunächst und dann verleitet sie in jenes vertraute Porträt, wie Reiner Stach es ausmalte, eines "neurotischen, hypochondrischen in jeder Hinsicht schwierigen und empfindlichen Menschen, der ewig um sich kreist und dem schlechthin alles zum Problem wird". Franz Kafka (1883-1924) scheint so zum Urbild der sich selbst verzehrenden Innerlichkeit zu werden und doch zeigt er sich durchaus pragmatisch, ebenso sehr ironisch zum Unmöglichen. "...man darf sich vor den kleinen Unmöglichkeiten nicht hinwerfen, man bekäme ja dann die großen Unmöglichkeiten gar nicht zu Gesicht" schrieb er im Jahre 1912 an Felice Bauer. Dieses vorausgeschickt, führt uns dieser Prozeß in vermeintliche Unmöglichkeiten, in die Fragen von Gesetz und Interpretation und in eine Binnengeschichte unendlichen Ausmaßes.

Der Prozeß ist in der Folge der beiden brillanten Erzählungen: "Das Urteil" und "Die Verwandlung" geschrieben. Sind diese beiden Essays von einer überpointierten Subjektivität, von einem perspektivischen Rundgang um Vater und Sohn und von einer tragikomischen Art in der Verwandlung, in dem der Tod durch den Stock und das belanglose Zusammenfegen der Reste von Samsa zur Erlösung und neuer Gemeinschaft der Restfamilie nahezu religiös anmutet, ist der Prozeß eine Anverwandlung subjektiver Motive auf die gesellschaftliche Ebene.

"Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines morgens verhaftet." Dieser unumwundene und berüchtigte Einstieg in eine Welt der entsetzlichen Willkür fordert den Leser auf, sich tief in den Roman zu begeben. Der Leser trifft auf Kafka selbst, der seine Suche nach Wahrheit in der Tiefe suchte, dass Sichtbare verlassen will, um in das Vermutete, dass hinter den Grenzen liegende Unsichtbare einzusteigen, jene Tiefe, die Erkenntnis wird. So wie Josef K. nun sein Leben zu Ende bringt, in all den Ratschlägen, Denken und Eifern um den Gedanken der Unschuld, vergißt er, die umrankenden Tiefen zu entdecken, wobei Kafka ihm noch eine Hilfe anbietet. Nämlich genau jene Binnengeschichte "Vor dem Gesetz", die Kafka als Legende bezeichnet, zeigt den Mann vom Lande, jenen Am-ha-Arez, jenen Mann in der einfachen natürlichen Struktur fernab einer geistigen Bildung, der sich beugt vor dem Türsteher, jenem damit eine Macht verleiht, die er nicht hatte, der wartet und wartet und im Warten jene Belanglosigkeiten des Türstehers beobachtet wie Kragen und Flöhe und Kafka nur erzählerisch darauf hinweist, zu sehen, zu denken zu verstehen, was die Schrift sagt. Jene talmudische Erklärung in den zentralen Begriffen von Gesetz und Studium folgt dieser Legende in den verschiedenen Auslegungen ohne Ergebnis. Eben hier jene jüdische Tradition der immerwährenden Auslegung, der Verzweigung von Meinung zu Meinung, von Erklärung zu Erklärung, die niemals endet, außer in der Überzeugung des Einzelnen zum Zeitpunkt seines Todes.

"Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen der leben will, widersteht sie nicht." Dieses ist eine von Kafkas Unmöglichkeiten im Roman, in dem Sprache dann die Erkenntnis offenbart, wo sie nichts mehr nützt. Auf der letzten Seite wird nur das Unmögliche für Josef K. transformiert in die Möglichkeit des Lesers.

Kafkas Roman durchzieht die Ambivalenz der jüdischen Tradition, die Tora als unerschütterliches Gesetz, den Talmud als die bis ins Subjekt hineinreichende Interpretation zu begreifen. Er schreibt in das unmögliche Ende, damit es in der Interpretation des Einzelnen zu einer Vollendung kommen kann. Josef K. hat dieses nicht begriffen, sondern für ihn ist wie einst für Jesus der Tod ohne Richterspruch die Erlösung. Die Schuld bestand ohne Gesetz, muss man mutmaßen in diesem Ende. Subjektiv sind alle Sichten und alle Bemühungen, diese zu vereinheitlichen, müssen fehlschlagen. Weil der Am-ha-Arez Kafkas erst da, wo Licht vom Gesetz her kommt, die Worte des Türstehers wirklich versteht: "dieser Eingang war nur für Dich bestimmt" oder das Gesetz bist du selbst. Dieser Mann vom Lande sieht im Zeitpunkt des Todes. Er erreicht nicht sein Gesetz, so wie Moses starb, bevor er ins gelobte Land kommen konnte. Für Josef K. hätte somit gegolten, sich nicht den Täuschungen aller Ratschläge hinzugeben, sich nicht an deren Deutungen zu halten, sondern sich selbst zu versuchen im Studium des Gesetzes, um in das eigene Leben einzutreten.
~~
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Paradebeispiel für die Literatur der Hermeneutik, 6. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess. (Taschenbuch)
Real - irreal - Phantasie oder Wirklichkeit - Einbildung oder Fiktion - wo liegt die Wahrheit?
Ein Wunderwerk und Paradebeispiel für das Wesen der Literatur, die sich mit der Methode der Auslegung u. Deutung von Texten auseinandersetzt.
Literatur - Poesie - Psychologie und Kunst fließen ineinander über und verschmelzen. Gedanken und surreale Konstrukte machen es dem Leser fast unmöglich, eine eindeutige Interpretation zu finden. Und immer gelingt es Kafka - in diesem "Prozess" auch den seinen und den des Lesers einzuflechten - so entsteht ein Geflecht aus schier unlösbaren Knoten, die nur durch die Breite des Bewusstseins eine Deutung finden kann.
Meine Assoziationen und Gedanken liefen beim Lesen in Richtung „Sinn des Lebens“ – ich selbst suchte nach einer „inneren Überschrift“ und fand in mir folgende Vorschläge:
1. „Das jüngste Gericht“
2. „Bilanz des Lebens“
3. „Die Tür zu Gott ist immer offen“
4. „Du stehst dir selbst im Weg“
5. „Das Leben ist nur ein Trugbild deiner Persönlichkeit“
6. „Die Erkenntnis kommt immer erst im Tod“
Nach diesem inneren Resümee für mich, stelle ich fest, dass meine eigenen Überlegungen spiritueller Natur waren, da mich der Text vermehrt veranlasste, über den Sinn des Lebens zu reflektieren. Ich ging sehr schnell davon ab, mir konkrete Personen vorzustellen, die sich hier unterhielten. Vielmehr hörte ich eine innere Stimme zu mir sprechen, die mir aus dem innersten meiner Seele versuchte, neue Türen auf meinem Lebensweg zu öffnen.
Der Text sprach gleichsam einer Parabel oder einer Allegorie zu mir.
Unabhängig von allen möglichen Deutungsansätzen empfand ich den Text komisch, grotesk, tragisch, ernst und mitfühlend zugleich. Die Denkweise des Autors lässt sich nur schwer herausarbeiten, denn den Text lädt zu vielen unterschiedlichen Spekulationen ein.
Ich vermute deshalb, dass es hier nicht um Denkweisen oder Weltanschauungen geht, sondern vielmehr um eine Reflektion eines inneren Lebenszustandes, die als Symbol für das Leben an sich – einer Generation oder Minderheitengruppierung zu ihrer Zeit oder auch autobiographisch zu deuten ist.
So könnte „der arme Mann“ ein Sinnbild für eine verlorene Generation, für ein frustriertes Individuum oder aber auch das Leben selbst sein. Der Türsteher kann ebenfalls auf unterschiedlichen Ebenen eine Deutung finden. Ist er ein Symbol für die Ungerechtigkeit, die Machtinstanzen, das Schicksal – oder aber soll er die Insuffizienz und Schwächen der Persönlichkeit des Menschen symbolisieren?
Das begehrte Objekt in dieser Geschichte – das Gesetz – bewegt den Leser dazu, sich einen Gerichtssaal vorzustellen, wo zum Schluss ein Urteil gesprochen werden muss. Doch zu keinem Zeitpunkt erfahren wir, wo, wie und wer an dieser Verhandlung teilnimmt, da der eigentliche Prozess „vor der Tür“ stattfindet.
Hier gibt es Parallelen zum gesellschaftspolitischen Leben – aber auch starke Ähnlichkeiten zum religiösen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, zwischen Wirklichkeit und Phantasie entscheiden zu müssen. Zum Schluss bin ich zu der Auffassung gekommen, dass jeder Mensch, diese Geschichte für sich so interpretieren wird, wie er selbst in der Lage ist, seinen Blickwinkel zu wechseln. Jeder andere Fokus lässt wieder eine komplett andere Interpretationsweise zu – und das ist das Geniale an diesem Buch. Man könnte es geschichtlich, gesellschaftspolitisch, psychologisch und auch theologisch deuten.
Der Text lebt durch die Differenz der Darstellung des Widersinnigen und Unstimmigen in einer scheinbar geordneten äußeren Welt im Gegensatz zu einer vernünftigen inneren Moral- und Wertvorstellung.
Letztlich bleibt die Frage: Wer ist der Schuldige im ganzen Spiel – gibt es überhaupt einen Täter – und wer ist das Opfer? Wer kann und sollte urteilen – gibt es eine Kompetenz außer der Göttlichen, die urteilen dürfte – und wenn ja, gibt es das Göttliche überhaupt, wenn der Einlass das Leben kostet?
Fazit: Alle Versuche, den Text aus dem Verstand heraus deuten zu wollen, müssen fehlschlagen, weil das Wesentliche selbst nicht über das Wort ausgedrückt werden kann. Alle Versuche, mittels Logik und Vernunft einen Sinnzusammenhang zu erkennen, müssen in den wichtigsten Fragen des Lebens scheitern. So steht der Mensch doch in den entscheiden Fragen des Lebens mit sich allein vor Gericht und muss sich der Unmöglichkeit, einer logisch-stimmigen Aussage geschlagen geben. Vielleicht ist das Geschriebene daher selbst ein Versuch, die Verzweiflung über die menschliche Insuffizienz auszudrücken.
Das menschliche Zusammenleben soll in Form von Gesetzen geregelt werden – und muss doch immer wieder deutlich ihre Lücken erkennen – wie auch das religiöse, welches nicht allein über die zehn Gebote geregelt werden kann.
Wenn der Mensch das verloren hat, was ihm zum Menschen gemacht hat, dann hat er auf allen Ebenen sein Menschsein verloren. Ob er nun im Gerichtssaal sitzt – ob er arbeitet, ob er liebt oder stirbt – ob er vor der ersten oder letzten Tür steht – wenn er den Zugang zu seinem Herzen nicht gefunden hat, dann wird er die inneren Türen seines Wesens und auch die Türen zu Gott und der Menschlichkeit nicht öffnen können. Die letzte Instanz ist nicht das Gericht – auch kein jüngstes Gericht, wenn es das überhaupt gibt – die letzte Instanz liegt im Menschen selbst verborgen und sollte von ihm verantwortlich erkannt werden.
Dieser Text hat mich deshalb eines sehr gut gelehrt: Nämlich meine eigene Erkenntnisfähigkeit zu untersuchen und das Wesen des Verstehens genauer unter die Lupe zu nehmen. Bestimmt nun das Sein das Bewusstsein oder das Bewusstsein das Sein? Ist diese Frage aus unserer Sicht überhaupt zu beantworten oder IST das Sein ein Spiegelbild des Bewusstseins? Ich denke, ein jeder von uns hat allein durch diesen kleinen Textauszug genügend „Material“, über diese wichtigen Fragen zu reflektieren.
Anmerkung: Meine Interpretation angesichts der Breite dieses Textes hat hier selbstverständlich nur den Stellenwert meines persönlichen Blickwinkels und sollte deshalb auch nur den Versuch darstellen, etwas Unmögliches möglich zu machen. Ein Blickwinkel kann nie vollständig sein – bleibt immer nur ein Ausschnitt vom Ganzen.
Kurz gesagt: Ich fand diesen Textausschnitt einfach genial, weil er zwischen den Zeilen viel in mir bewegt hat. Dies können nur Texte großartiger Schriftsteller, die selbst während des Schreibens einen innerlichen Prozess durchlaufen, der im Leser auf ein Echo stößt.
Ist ja doch ganz schön lang geworden - sorry, vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit - das Buch hat es verdient!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartig!, 31. März 2005
Von 
Michael Pietrucha (Forchheim Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess. (Taschenbuch)
Dieser berühmte Roman Kafkas sollte von jedem gelesen werden!
In manchen Schulen gehören immerhim Fragmente daraus in den Unterricht als Pflicht-oder Klausurlektüre, was mich persönlich einst von Kafka ferngehalten hat, weil er anders, als viele Schriftsteller vor und während seiner Zeit, nicht im Geringsten eindeutig und wertend geschrieben hat. Das macht seine Werke so anziehend in der Freizeit! Die äußere Sprache ist einfach strukturiert und verständlich, aber die innere Sprache wird wohl jeder individuell anders verstehen, weil Kafka doch recht wenige Anhaltspunkte vorgibt. Nach jedem gelesenen Abschnitt und dem Beginn des nächsten brach für mich jedesmal ein neuer Interpretationsansatz zusammen; ich bin dann zwar zu einer Art "Gesamtergebnis" gekommen, werde es allerdings unterlassen, hier darüber zu schreiben, sondern empfehle den "Proceß" noch einmal wärmstens!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Prozess, 25. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess (Gebundene Ausgabe)
Es findet eine Hetz- und Treibjagd nach Herrn K. statt, der dieser hilfslos gegenübersteht und sich nicht wehrt. Er fragt kein einziges mal warum ein Prozess gegen ihn anhängig ist. Die symbolische Schlinge um seinen Hals wird immer enger gezogen, er wird gesellschaftlich und beruflich beschädigt bis ihm schliesslich ein Messer ins Herz gestossen wird. Die Exekution lässt er auch fraglos über sich ergehen. Bei den surrealen Begegnungen, die Herr K. durchlebt, hat man den Eindruck alle Agierenden wissen worum es geht nur Herr K. (der Protagonist) versteht nicht.

Das Buch ist fesselnd geschrieben und keinen Moment langatmig. Deshalb ist es leicht sich auf die Handlung (oder Nichthandlung) zu konzentrieren. Ich habe das Buch vor fünf Tagen ausgelesen und es ist mir immer noch nicht aus dem Kopf gegangen.

Kafka hat das Buch (oder das Fragment) in der Zeit von 1914 bis 1924 geschrieben. An Aktualität hat es dennoch nicht verloren. Nach meinem Empfinden symbolisiert Herr K. den Menschen in einer undurchschaubaren Welt, der er hilflos gegenübersteht. Wer versteht schon die Finanzkrise ? Elfriede Jelinek hat geschrieben den Sparern wird ihr Erspartes erspart bleiben (Lehman-Anleger haben es erlebt, andere werden folgen). Ich würde Herrn K. als Mainstream bezeichnen. Herr K. ist Täter und Opfer in einem, er ist sowohl Biedermann als auch Brandstifter. Das interessanteste ist, dass Kafka den Leser kein Mitleid mit Herrn K. empfinden lässt. Aber auch keine Schadenfreude. Herr K. lässt sich ohne Widerstand in den Untergang führen. Es könnte sogar möglich sein, dass Herr K. froh ist, dass die ein Jahr dauernde Treibjagd auf ihn, nämlich von seinem 30. bis zu seinem 31. Geburtstag, beendet ist. Das Buch ist spannend und empfehlenswert. Kafka hat die juristischen Spitzfindigkeiten professionell beschrieben, kein Wunder er hat ja Jura studiert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlos grandios beklemmene Mühle der Justiz, 22. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess (Gebundene Ausgabe)
"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." Schöner, als mit dem Anfangssatz von Kafkas Roman "Der Prozess" könnte man die Handlung nicht zusammenfassen. Ein Unbescholtener gerät in die Mühlen der Justiz, weiß noch nicht mal, wessen er überhaupt angeklagt wird. Es ist K.s 30. Geburtstag, als zwei Wächter ihn aus dem Bett holen und mitteilen, er sei verhaftet, dürfe sich aber weiter frei bewegen. Einige Tage später wird er vor Gericht geladen, verspottet dort in denkwürdigen Worten den lethargischen Untersuchungsrichter und die grauen Herren, die diesem beisitzen. K. versucht, das Wesen dieser seltsamen Justiz zu ergründen, trifft u.a. die Frau eines Gerichtsdieners, die mit mehreren Gerichtseminenzen ein Verhältnis hat, einen einflussreichen Maler, einen Advokaten, den ihm sein Onkel vermittelt und dessen Angestellte, mit der er eine Affäre beginnt. Der Advokat erklärt ihm, er könne entweder einen echten Freispruch wegen erwiesener Unschuld, einen unechten Freispruch, mit dem allerdings Ansehensverlust einhergehe, oder eine ewige Prozessverschleppung anstreben. Doch K. misstraut dem Anwalt, will die Sache selbst in die Hand nehmen. Soviel Mühe er sich dabei gibt, er findet nicht den Kern, das Zentrum dieses beklemmenden Systems, in dem die Advokaten nicht besser zu sein scheinen als die Richter.

Im Gegensatz zu Kafkas anderen beiden unfertigen Romanen "Amerika" und "Das Schloss" besitzt "Der Prozess" einen Schluss. Einen konsequenten, sehr eindringlichen Schluss, bei dem allerdings der Übergang zu den vorigen Kapiteln fehlt. Aus dem Roman selbst ist nicht zu verstehen, warum Kafka ihn neun Jahre lang vor seinem Tod 1924 unvollendet beiseite legte, denn es hätten nicht mehr als zwanzig oder dreißig Seiten gefehlt, um ihn zu vollenden. Was hier wieder auffällt und worin eine der größten Leistungen Kafkas liegt, ist wie glaubwürdig er das Absurde, hier eine völlig haltlose, ja nicht mal begründete, Anklage, beschreibt, so dass man beim Lesen schon nach ein paar Sätzen nicht mehr an der Handlung zweifelt und tief in sie hineingezogen wird. Dem untergangsgeweihten Helden fehlt es an nichts, und er tut alles Erdenkliche, um sich gegen das zu Unvermeintliche zu wehren. Bei Kafka wohnt dem ein unheimlich subtiler Humor inne, denn die Strukturen sind dann doch nicht so weit von dem entfernt, was man bis heute an Bürokratie und menschenfeindlichem Staatsapparat kennt. Wie Kafka sein generelles Schema auch sprachlich umsetzt, ist zeitlos grandios.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unter dem Gesetz, 6. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Prozeß: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Nicht nur wer einmal vor Gericht erleben mußte, wie sein Gerechtigkeitssinn davon abhängt, ob ein Richter denselben empfindet und aus dem Gesetz herauszufiltern versteht, wird in Der Prozeß von Franz Kafka ein Stück Realität entdecken. Hilflos ist K seinen Richtern ausgeliefert, deren Bemächtigung im Dunklen bleibt. Vor allem sucht er den Grund zu ermitteln, weswegen er angeklagt wird, und muss je tiefer er in die Maschinerie vordringt, feststellen, dass diese vor allem um ihrer selbst Willen besteht. Die Handlung mit einer Parabel abzuschmettern, die viele sie vor allem im Gleichnis beim Torwächter gegen Ende der Handlung entdecken, drängt Kafka in die Ecke des Klassikers ab. Wohl analysiert, mit Deutungen behaftet und unschädlich gemacht. Dem Prozeß gelingt es, jedoch hochaktuell zu bleiben. Sei es als Beschreibung eines totalitären Systems, sei es in der religiösen Auseinandersetzung mit Schuld und Sühne, sei es als absurdes Spiel, als existentialistisches Nichts, fast jede geistige Strömung, Philosophie ist an dem Text haftbar gemacht worden. Der Leser wird sich in dem Labyrinth zurechtfinden, wenn er sich selbst darin spiegelt, eigene Erfahrungen einbringt, sie zulässt. Die Angst, die Enge, die Hilflosigkeit ist schleichend. Was Allgemeingültig dargestellt erscheint, erlaubt den direkten Zugriff auf Fragen, die die Menschheit sich sowieso stellt: Wieso bin ich auf der Welt? Um Gesetze zu befolgen, um sie zu missachten, um mich bestrafen, aburteilen zu lassen? Was geschieht mit mir, wenn ich zwischen die Räder falle? Kafka bietet uns einen faszinierenden Einblick in K’s Innenleben. Wer das Buch liest oder hört, bleibt nicht unbeschadet zurück.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Prozeß: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der Prozeß: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Franz Kafka (Taschenbuch - 31. Januar 2005)
EUR 8,00
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen