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46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lakonisch und locker
Daniel Kehlmann, spätestens seit der "Vermessung der Welt" ein etablierter Romancier, hat schon davor einige bemerkenswerte Werke vorgelegt. Eine besonders elegante Etüde ist "Ich und Kaminski".
Die hier bereits hinlänglich beschriebene Geschichte vom überheblichen Journalisten, der den alten Maler Kaminski interviewen möchte und dabei an...
Veröffentlicht am 25. Februar 2006 von Wolfgang Stroebl

versus
48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Raffinierte Schaumschlägerei
Das neueste Buch von Daniel Kehlmann verrät seine Pointe bereits im Titel: Erst kommt der Ich-Erzähler, und dann der Rest der Welt. Dieses schwadronierende, über weite Strecken bis zum Anschlag selbstsichere Ich hat für die Umwelt nur Verachtung übrig und gelangt zu seiner Rolle als Biograph eines einst berühmten Malers eher zufällig. Es...
Am 17. März 2003 veröffentlicht


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46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lakonisch und locker, 25. Februar 2006
Von 
Wolfgang Stroebl (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Daniel Kehlmann, spätestens seit der "Vermessung der Welt" ein etablierter Romancier, hat schon davor einige bemerkenswerte Werke vorgelegt. Eine besonders elegante Etüde ist "Ich und Kaminski".
Die hier bereits hinlänglich beschriebene Geschichte vom überheblichen Journalisten, der den alten Maler Kaminski interviewen möchte und dabei an verschiedene Grenzen stößt (eigene und fremde), ist originell und flüssig erzählt. Der schon erwähnte Vergleich mit Martin Suter ist durchaus passend, wenn auch der Schweizer Autor die vergleichsweise kompaktere Dramaturgie bietet. "Ich und Kaminski" ist großteils linear erzählt und in einem lakonischen, lockeren Ton gehalten. Unterstützt von unangestrengt skizzierten Dialogen, schwingt sich sich die Handlung immer wieder zu Glanzlichtern auf, wie z.B. der Beschreibung der "Partygespräche" bei einer Vernissage: ein Text von nahezu absurder Komik.
"Ich und Kaminski" setzt keine kunstwissenschaftlichen Kenntnisse voraus: es ist angenehme, gut gemachte Lektüre für Leute, die sich nicht unter Niveau unterhalten wollen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intelligente Prosa, 5. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Manuel Kaminski ist in diesem Roman von Daniel Kehlmann ein blinder Maler, der als Surrealist in seiner frühen Zeit noch mit Matisse und Picasso zusammenarbeitete. Der Ich-Erzähler, Sebastian Zöllner, ein junger Journalist und Kunsthistoriker, möchte über den alten Mann eine Biographie verfassen, in der Hoffnung, bei dessen baldigem Ableben reich und berühmt zu werden.
Die Dualität der Protagonisten ist damit konstruiert: auf der einen Seite der selbstsüchtige, zynische Zöllner, auf der anderen Seite der alte, berühmte Künstler. Was am Anfang wie ein ungleiches Duell zwischen jung und alt aussieht, verkehrt sich im Laufe des Romans. Kaminski instrumentalisiert zunehmend Zöllner für seine Zwecke - für einen Ausbruch aus seiner Isolation in den Bergen. Zöllner braucht lange, bis er dies merkt.
Was fasziniert an diesem Buch, wenn man zuvor die "Vermessung der Welt" gelesen hat?
Zunächst einmal der spannende, bizarre Plot, dann die überraschenden Dialoge und schließlich die Poesie der Sprache, die Kehlmann zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der aktuellen deutschen Literaturszene macht. Vor allem aber liest sich das Buch als Verspottung des aktuellen Kunstmarktes, der Bewertung und Vermarktung von moderner Kunst.
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48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Raffinierte Schaumschlägerei, 17. März 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das neueste Buch von Daniel Kehlmann verrät seine Pointe bereits im Titel: Erst kommt der Ich-Erzähler, und dann der Rest der Welt. Dieses schwadronierende, über weite Strecken bis zum Anschlag selbstsichere Ich hat für die Umwelt nur Verachtung übrig und gelangt zu seiner Rolle als Biograph eines einst berühmten Malers eher zufällig. Es könnte auch ein ganz anderes Objekt der Beschreibung geben. Sebastian Zöllner, so heißt der Ich-Erzähler, hat soeben eine gescheiterte Beziehung hinter sich, die wohl auch an seiner Gefühlskälte zugrundegegangen ist, und deren Wert er zu spät erkennt. Es gelingt ihm zwar, den Maler aus dessen Alpenrefugium zu entführen, doch entzieht sich der Alte den schablonenhaften Fragen seines potentiellen Lebenschronisten. "Ich und Kaminski" hat Züge eines Roadmovies, macht sich genüßlich über die Eitelkeiten der Galeristen-Szene lustig und gelangt schließlich zu einem recht gewaltsam herbeigeführten (wenn auch nicht gewalttätigen) Ende, das freilich aufgesetzt erscheint.
Kehlmann hat die Geschichte eines Künstler-Biographen schon vor ein paar Jahren als Kurzerzählung vorweggenommen und damals meisterhaft konstruiert: "In der Sonne" war zugleich die Titelerzählung des immer noch sehr empfehlenswerten Erstlingsbuches. "Ich und Kaminski" kommt da nicht heran, selbst wenn man dem Autor zugestehen muß, daß die stilistischen Fehlgriffe und Mängel vor allem dem ERZÄHLER und nicht etwa Daniel Kehlmann selbst zuzuschreiben sind. Immerhin geht es darum, ein im höchsten Grade narzißtisch-kaltes Ich zu entlarven. Der Leser wird gezwungen, bis zu einem gewissen Grad die Perspektive dieses Unsympathen einzunehmen, und es ist vor allem dieses Konzept, welches den knapp bemessenen, in großen Schrifttypen gedruckten "Roman" interessant erscheinen läßt. Dennoch: Kehlmanns frühere Bücher, vor allem "Unter der Sonne" und "Mahlers Zeit" besitzen weitaus mehr Substanz.
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40 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intelligentes Spiel um Selbstüberschätzung, 11. Januar 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Dieses Buch wurde von Reich-Ranitzki empfohlen ...aha. Schon öfters war ich danach enttäuscht, diesmal ganz und gar nicht. Die Hauptfigur ist ein Kind unserer Zeit. Ein Narziß, der sein Scheitern zu bemänteln versucht, indem er andere benutzt und abwertet. Ihm steht ein greiser Künstler gegenüber, der am Ende seines Lebens die Auflösung von Ruhm, aber auch der Jugendliebe und ihrer Bedeutung erleben muss. Selten habe ich Dialoge gelesen, die das Surreale der ganzen Situation so treffend spiegeln. Ein witziges, aber auch intelektuelles Buch und damit nichts für jeden. Für manches Detail bedarf es eigener Erfahrungen, um sie verstehen zu können. Man sieht es auch in der Widersprüchlichkeit der Rezensionen. Beeindruckend auch, da der Autor gerade erst dreißig wird. Vier verdiente Sterne (fünf gebe ich nur für ganz außergewöhnliche Werke) und diesmal Dank an Reich-Ranitzki für den Tipp.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vorsicht, Kotzbrocken!, 3. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Als Leser ist man ja geneigt, sich mit einem Ich-Erzähler anzufreunden, vielleicht sogar völlig zu identifizieren. Was da in sehr persönlicher Form vermittelt wird, muß ja stimmen, der Erzähler wird oft allein dadurch schon sympathisch, daß er einem so nahe ist und so viel von sich preisgibt.

Genau diese Falle hat Daniel Kehlmann erkannt und zum Thema seines Buches gemacht. Er läßt einen hartnäckigen, zynischen Headhunter-Typen namens Sebastian Zöllner auf einen zurückgezogen lebenden, mittlerweile alten aber auch sehr berühmten, ja quasi zur Ikone gewordenen Künstler los, dessen Lebensgeschichte im Verlauf der Erzählung noch einmal aufgerollt wird. Als Ich-Erzähler tritt eben dieser Zöllner auf, ein Kunstkritiker, der auf nichts als auf Karriere aus ist und dem alternden Genie Kaminski so nah wie möglich kommen will.

Dabei erinnert er in seiner Vorgehensweise durchaus an widerliche Hollywood-Paparazzi. Er ist KEINER dieser Ich-Erzähler, in die man sich als Leser leicht hineinversetzt, nein, dieser Typ ist ein Idiot, das wird gleich zu Anfang klar. Seine Ansichten und Aktivitäten beißen sich dermaßen mit denen normaler Menschen, daß es schon nicht mehr allein krankhaft und abstoßend, sondern auch sehr, sehr komisch ist. Das Schmunzelgefühl des Lesers steigert sich bis zum Finale noch um einiges, denn der alte Kaminski erkennt die gemeine Yuppie-Persönlichkeit seines neuesten selbsternannten Biographen und nötigt ihn zu einer langen, sinnlosen Reise, während der er Zöllner ständig piesackt, austrickst und unfaßbar nervt.

Das vermeintliche Opfer des aufdringlichen Kunstjägers dreht den Spieß um und verpaßt diesem zutiefst unsympathischen Menschen eine volle Breitseite. Das macht das Buch zu etwas absolut herrlichem: Die Pervertierung der Ich-Erzähler-Rolle, der Paparazzo-Opfer-Rollen, die ärgerlichen geistigen Memos Zöllners und die Art, wie Kaminski ihn fertigmacht. Super!
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen und in dieser Reihenfolge!, 10. Mai 2009
Von 
basssopran - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Was, das hat Reich-Ranicki empfohlen? Das ist für meinen persönlichen Geschmack nicht unbedingt eine Empfehlung, aber, mein Gott, wie recht der Mann hat! Der Ich-Erzähler, Sebastian Zöllner, ist ein blöder Sack. Rücksichtslos, selbstverliebt, ein Schmarotzer, wie er im besagten Buch steht. Er will eine Biographie über Manuel Kaminski schreiben, einen Maler und Zeitgenossen von Matisse, und bringt dafür die Leben und Erinnerungen einiger Weggefährten dieses Mannes durcheinander. Er dringt fast buchstäblich in das Haus des Malers ein und drängt sich der anwesenden Gesellschaft auf. So unangenehm dieser Mensch auch ist, so amüsant ist zu lesen, wie er sich seine Welt zurechtstutzt, so dass sie ihm in den Kram passt. Wenn ihm eine schöne Frau im Zugabteil gegenübersitzt, lächelt er sie für seine Begriffe verführerisch an. Wenn sie, sich sichtlich unwohl fühlend, ihre Sachen packt und das Abteil verlässt, bringt ihn das nur zu der Annahme, sie würde jetzt wohl im Speisewagen auf ihn warten. Sein unterschütterliches Selbstbewusstsein spiegelt ihm vor, er sei immer Herr der Lage und habe die Dinge in der Hand, und jede noch so katastrophale Situation wird in seiner Wahrnehmung ins Gegenteil verkehrt. Erst zum Schluss wird ihm klar, dass auch er nur Opfer eines Schlaueren geworden ist.

Wunderbar! Knapp, präzise, bösartig und sehr viel amüsanter, als ich es mir jemals vorgestellt hätte.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich und Kaminski, 16. Juli 2003
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein flüssig geschriebener, kurzweiliger Roman über die Untiefen der Kunstszene!
Der junge Journalist Sebastian Zöllner möchte eine Biographie über den fast schon in Vergessenheit geratenen, betagten Maler Kaminski schreiben. Zu diesem Zweck sucht er den Künstler an seinem Alterswohnsitz auf; fernab vom Kunstbetrieb, irgendwo in den Bergen...!
Aufgrund seines blinden Ehrgeizes und seiner maßlosen Selbstbezogenheit schafft Zöllner es nicht, die Nähe zu Kaminski herzustellen, welche notwendig wäre, um ein wirklich treffendes Bild von dem Maler zu entwerfen.
Der Autor zeigt anhand seines Protagonisten und verschiedener Nebenfiguren die fatale Egozentrik der vermeintlichen Akteure des Kulturbetriebes auf. In diesem Zirkus sind die Künstler bloße Plattform für die karrieristischen Ambitionen der Schreiberlinge, Moderatoren und Galeristen; als Menschen finden sie allerdings keine Beachtung.
Vielleicht haben Künstler, wie der von Daniel Kehlmann beschriebene Kaminski, sich deshalb bereits schon früh einen exzentrischen Habitus zugelegt.....!
Ein gelungener Seitenhieb auf alle Trittbrettfahrer der Kreativen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geeigneter Einstieg in die Welt des Daniel Kehlmann, 10. September 2012
Von 
Sebastian Zöllner, ein von Freunden und Freundin verlassener, erfolgloser Journalist, setzt kurz vor seiner endgültigen Pleite alles auf eine Karte, um einen guten Job in der Kunstszene zu ergattern. Er will ein Buch, ein bleibendes Quellenwerk, über einen uralten, zurückgezogen lebenden Maler schreiben, der als einer der Großen seiner Zunft gilt: Manuel Kaminski, ein von Picasso und Matisse gelobter Malerfürst.

Der Boulevardschreiber interessiert sich einen Dreck für Kunst, er hat im Vorfeld lediglich oberflächlich recherchiert. Gleichwohl bläst er sich zu einem affektierten Kenner auf, der sein Fähnlein je nach Gesprächspartner in den Wind hängt, um voranzukommen. Er rechnet mit dem baldigen Ableben Kaminskis und sieht sich bereits als dessen gefeierter Biograf in Talkshows sitzen. Konsequent wird er im Romantitel »Ich und Kaminski« auch an erster Stelle genannt.

Durch Bestechung des Hauspersonals dringt er in das Refugium des Künstlers ein. Er durchsucht heimlich das Haus nach interessantem Material und versucht, die weitgehende Hilflosigkeit des angeblich blinden Greises auszunutzen, um pikante Details aus dessen Leben zu erfahren.

Doch Kaminski dreht den Spieß um und führt den Schmarotzer vor. Obwohl er so wirkt, als tue er jeden Augenblick den letzten Schnaufer, bestimmt er den Fortgang des Geschehens und veranlasst den Biografen, mit ihm eine Reise zu seiner Jugendliebe Therese Lessing zu unternehmen. Während er die letzten finanziellen Reserven des Unsympathen verzehrt, verwickelt der alte Meister Zoellner in immer neue Geschichten über sein Leben, täuscht Vergesslichkeit vor und verwirrt ihn zunehmend.

Am Ende scheitert der selbsternannte Kunstkritiker, der sich als selbstverliebter und in seiner Vorgehensweise entsprechend rücksichtsloser Kerl entpuppt und damit in gewisser Weise auch dem Objekt seiner Begierde ähnelt. Als er schließlich erfährt, dass längst ein anderer, prominenter Autor vertraglich als Kaminski-Biograf verpflichtet ist, wirft er seine Aufzeichnungen Blatt für Blatt ins Meer.

In seinem Kurzroman, mit dem ihm noch vor »Die Vermessung der Welt« der Durchbruch gelang, karikiert der Autor sowohl die Rolle des Künstlerbiografen wie die des Künstlers selbst. Er erweist sich als exakter Beobachter und unterhält, ohne bekehren oder belehren zu wollen. Aufgrund der Kürze des Textes ist »Ich und Kaminski« ein geeigneter Einstieg in die Welt des Daniel Kehlmann.

Taschenbuch und E-Book kosten identisch € 7,99. Ein klassisches Beispiel dafür, dass Suhrkamp nicht das leiseste Interesse zeigt, sich neuen Medien und einem jungen Markt zu öffnen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Vermessenheit der Welt - anders als die "Vermessung" - Kurzroman über Selbstüberschätzung eines Jungspunds, 10. Januar 2009
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der Ich-Erzähler Sebastian Zöllner ist egozentrisch bis hin zur Verblendung und will den alten Maler Kaminski für seine Karriere einspannen. Der Erzählstil spiegelt dies bitterböse wider. Eine Freundin erzählte, sie habe dies laut weggelacht. Doch schmerzt das Buch an einigen Stellen eher geradezu physisch.
Der Inhalt und die Entwicklung des knapp 170 Seiten währenden Romans gehören nicht hierhin: eigene Lesefreude darf und muss sein. "Ich und Kaminski" (in dieser Reihenfolge natürlich) ist jedoch eine gute Studie über den dümmlichen Narzissmus eines Aufstrebers und Aufschneiders der jungen Generation. Dies ist durchaus selbstkritisch zu sehen, 2003 war Kehlmann selbst 28 Jahre alt. Durch die Literaturhäuser der Republik wurde der Wiener ab diesem Buch gereicht, um zwei Jahre später seinen großen Erfolg mit der "Vermessung" zu feiern.

Weil viele dieses sein Werk "Vermessung ..." bereits kennen und überlegen könnten, ob sie nicht mehr von Kehlmann lesen wollen: ... sicher, aber man akzeptiere, dass Daniel Kehlmann in "Ich und Kaminski" gut, aber einfach deutlich noch nicht so weit war wie dann 2005. Auch geht es hier um Vermessenheit eines Einzelnen, nicht um die Vermessung der Welt. Viel Lesefreude!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Lebensfarce..., 16. Oktober 2010
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
"Herr Zöllner, dass alles sind doch abgeschlossene Geschichten! In Wirklichkeit gibt es uns nicht mehr. Alter ist etwas Absurdes. Man ist da und auch nicht, wie ein Geist." (Zitat)

Trotz dieser Feststellung möchte Sebastian Zöllner, ein ehrgeiziger Journalist, den greisen Maler Kaminski interviewen, für ein Buch, was dann kurz nach seinem (hoffentlich baldigen) Tod erscheinen soll, damit es einschlagen kann in den Fokus des dann aufblitzenden öffentlichen Interesses, um seinen Autor zu einem reichen und berühmten Mann zu machen. Zöllner will alles aufbieten, um auch noch die letzte unveröffentlichte Wahrheit, das letzte Wissen und die letzte wertvolle Erinnerung aus dem alten Maler herauszutricksen - und stößt auf eine Persönlichkeit voller merkwürdiger, martialischer und genialer Züge, die ihm genau diese Informationen verweigert...

Kehlmann hat ein gleichsam interessantes und vor allem völlig in der Harmonie seines Stils auflebendes kleines Buch geschrieben, das durch kleine Wahrheiten, Witz und intellektuelle Schönheit zum Lesensvergnügen wird, aber auch durch einen trefflichen Blickwinkel auf den Geist der Zeit besticht. Man spürt die Verwirrung und die Heiterkeit, Orte und Worte wechseln sich schnell und doch sehr gekonnt Gesprächen aufgebaut, locker und launisch treibt sich der ganze Text um die Fragen: Wo leben wir hin? Und was bleibt? Ziele?
Wir erbauen uns selbst und doch kann uns alles entgleiten ...

Am Ende von Kehlmanns Roman stehen wir verblüfft vor dem Nichts und wundern uns freudig, dass wir etwas erleben durften und von etwas befreit sind - von einer Kleinigkeit vielleicht, die uns nicht mehr gehören kann.
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Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ich und Kaminski: Roman (suhrkamp taschenbuch) von Daniel Kehlmann (Taschenbuch - 29. November 2004)
EUR 7,99
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