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TOP 500 REZENSENTam 21. September 2014
Ein panischer Frühling! Was für ein viel versprechender Titel. Und welche arge Enttäuschung, die sich bei mir während des Lesens schnell eingestellt hat. Zu diesem Buch habe ich keinen Zugang gefunden, nichts in mir hat sich begeistert oder auch nur erwärmt für diesen literarischen Text. Die Erzählung fließt ziellos dahin, ohne Höhepunkte, ohne sprachliche Rafinesse oder Tiefen, die mich zum Nachdenken anregen würden. Die Figuren bleiben seltsam blaß und ihre Geschichten sind fast belanglos.

Die Icherzählerin streift immer wieder durch das quirlige London und begegnet dabei eines Tages einem jungen Mann, der auf einer Gesichtshälfte schrecklich entstellt ist. Beide beginnen sich gegenseitig ihre Geschichten aus der Kindheit zu erzählen. Warum denn eigentlich? Irgendwie scheinen sie sich gegenseitig anzuziehen. Aber dieses menschliche Zueinander-hingezogensein, Zuneigung, Neugier, wirkliches Interesse am Anderen bleibt seltsam unerzählt in diesem Roman. Das Salz in der Suppe, nämlich menschliche Beziehungen, Annäherungen, Gefühle und Sympathien sind in diesem Roman merkwürdig kalt und oberflächlich geschildert.
Das Buch greift immer wieder unvermittelt zurück in die Vergangenheit und in die Träume der Icherzählerin. Die eigene Tochter der Erzählerin, von der man nicht mehr erfährt als das sie im Amazonas unterwegs ist, wird ebenfalls immer wieder kurz erwähnt. Warum eigentlich? Sie spielt für das Buch überhaupt keine Rolle.

Einzelne Geschichten, die sich beide aus ihrer Kindheit erzählen - der junge Mann wuchs bei seiner Großmutter am Meer auf - sind durchaus interessant. Aber sie machen die beiden Figuren des Romans keinen Deut anschaulicher. Irgendwie stehen die Kindheitserinnerungen lose nebeneinander. Sie ergeben kein Bild, sondern nur zusammenhanglose Schnipsel. Sie reichern die beiden Personen, die sich in London getroffen haben, nicht so an, dass man am Ende zwei pralle Lebensgeschichten erfahren hätte. Die Icherzählerin und der junge Mann sind am Ende genauso blutleer wie am Anfang.
Sehr nervend fand ich die exzessive Beschreibung von Bäumen, Hecken, Blüten oder Blumen. Immer wieder werden Dahlien, Schwertlinien, Rittersporne, Gladiolen usw. beschrieben oder das umwerfende Grün, der blühende Duft usw. Für mich: zu viel des Guten.

Am Ende überzeugt mich die Verquickung der Gegenwart Londons im Jahre 2010 mit der Erinnerung an längst Vergangenes nicht. Die Idee, dass zwei Menschen sich ihrer Kindheit erinnern, indem sie sich in der Geschichte des jeweils anderen spiegeln, ist durchaus interessant. Aber worauf zielt das Ganze? Die Erinnerung um der Erinnerung wegen? Wenn die Autorin uns etwas über die Vergänglichkeit des Lebens mitteilen wollte mit diesem Roman, so ist ihr dies nicht gelungen.
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am 14. Januar 2015
Die Schweizer Schriftstellerin Gertrud Leutenegger hat es mit ihrem neuen Roman «Panischer Frühling» auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2014 geschafft, die bisher bedeutendste Ehrung für sie. Als Autorin einem breiteren Lesepublikum bisher zumeist unbekannt, wirkt die Platzierung im Finale des diesjährigen Buchpreises nun wie ein Ritterschlag, der für sie als literarisch längst Anerkannte hauptsächlich finanzielle, sprich Auflage erhöhende Wirkung zeitigen dürfte. Der kurze Roman, mit verschwenderisch bemessenem Blattspiegel, üppiger Schriftgröße und satter Papierstärke vom Suhrkamp-Verlag trickreich zum knapp über 200 Seiten starken, ansehnlichen Buch aufgepeppt, wirkt von seinem Inhalt her ganz im Gegenteil eher bescheiden zurückhaltend mit seinen stillen Tönen.

Nach dem Ausbruch des Gletschervulkans auf Island mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull musste Mitte April 2010 der Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas eingestellt werden. Eine namenlos bleibende Ich-Erzählerin hält sich während dieser Zeit vorübergehend in London auf, man erfährt im Übrigen nichts von ihren sonstigen Lebensumständen, «Die Frau ohne Eigenschaften» gewissermaßen. Dauernd unterwegs auf ziellosen Streifzügen durch die Stadt, trifft sie auf der London Bridge einen Mann, der dort eine Obdachlosenzeitung verkauft. Dieser zufälligen Begegnung folgen weitere, sie kehrt seltsam zwanghaft immer wieder dorthin zurück. Aus der anfangs kurzen Unterhaltung mit dem Zeitungsverkäufer, dessen halbes Gesicht von einem schlimmen Feuermal entstellt ist, werden mit der Zeit längere Gespräche, beide, deren Gemeinsamkeit der frühe Tod des Vaters ist, erzählen sich Geschichten aus ihrer Kindheit. Ihr Kontakt bleibt aber distanziert, es gibt keine weiteren Verbindungen zwischen ihnen außer den - lediglich durch das unangekündigte Erscheinen der Frau auf der Brücke - initiierten Begegnungen, lange kennt sie nicht mal seinen Namen. Bis Jonathan eines Tages spurlos verschwunden ist, sie trifft ihn mit seinem Zeitungsbündel nie mehr an auf seinem abgestammten Platze. Geradezu als kryptisch zu bezeichnen ist auch ihre Beziehung zur mutmaßlichen Tochter, über die es lapidar heißt: «Nachrichten vom Amazonas waren eingetroffen. Ich bin wirklich auf der anderen Seite der Welt, schrieb die junge Frau, das Kind von einst, immer mehr wird mir die Distanz bewusst, aber ich mag sie»! Mehr erfährt der Leser nicht, es gibt zusätzlich nur ein paar wenige und zudem noch deutlich kürzere Textstellen hierzu.

Gertrud Leutenegger benutzt für ihre assoziative Prosa einen sehr spezifischen Stil, der vermutlich zurückzuführen ist auf ihre Arbeit am Theater, findet sich doch auffallend häufig die Form des dramatischen Poems in ihrem Werkverzeichnis. Ihr meditativer Roman erinnert, nicht nur topografisch, an ein Kammerspiel durch seinen äußerst reduzierten erzählerischen Blickwinkel und seine lyrisch wirkende Sprache, die sehr bildhaft ist und zugleich durch große Sensibilität gekennzeichnet. Einen weiten Raum nehmen liebevolle Beschreibungen der großstädtischen Flora ein, ihre Protagonistin, in der manche die Autorin selbst zu erkennen glauben, besucht immerfort die Parks von London auf ihren Streifzügen durch die Stadt.

Ein nahezu handlungsloser Roman wie dieser ist von vornherein nicht jedermanns Sache, er wirft zudem durch seine nicht zu einem Ende hin führende, fragmentarische Erzählweise so viele Fragen auf, dass vielschichtiger Deutung und kühner Spekulation Tür und Tor geöffnet sind. Von dieser wahrscheinlich bewusst herbeigeführten Verwirrung der Leser zeugen offensichtliche Fehler in etlichen Inhaltsangaben bei deren Kritiken, ja sogar in solchen des Feuilletons. Wer Rätsel mag, wird hier also fündig, und wer gerne spintisiert, wer Anspielungen liebt, um selbst weiter zu fabulieren, kommt erst recht auf seine Kosten. Wer aber stringente Handlung sucht, der wird zutiefst enttäuscht sein. Fazit also: Wer’s mag!
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am 14. November 2015
Noch nie war ich bei einer Rezension so unschlüssig bezüglich der Punkte. Die vergebenen drei sind eigentlich nur eine Notlösung, denn mir hat das Buch nicht gefallen. Und damit stehe ich nicht alleine, denn von einer Gruppe von 8 Personen der ich angehöre, die das Buch gelesen haben, haben sich sechs damit gequält und zwei fanden es gut. Ich habe mich entschlossen, das Buch auf zwei Ebenen zu beurteilen:

Literarisch ist es hervorragend. Die Sprache ist beeindruckend, aber auch sehr komplex und die Sätze sind teilweise sehr lang. Mich hat diese Sprache beeindruckt, aber es macht das Buch auch komplex und es verhindert den Zugang zu den Protagonisten. Das Buch ist eine Ansammlung von Bildern und Metaphern. Lässt man sich darauf ein, dann ist das beeindruckend, was die Autorin einem alles mitteilt oder was man glaubt, was sie einem mitteilt. Hier kommt sicherlich zum Tragen, dass die Autorin auch Gedichte und Theaterstücke schreibt. Es ist weniger ein Roman und eher Lyrik oder sogar ein Theaterstück.

betrachte ich es nun aus der Sicht, ob ich Freude beim Lesen hatte, dann muss ich das verneinen. Ich habe mich zwar nicht durch gequält wie andere in meiner Gruppe, aber ich fand es doch mühsam und langweilig. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich den Menschen in Büchern näher kommen möchte. ich möchte mit Ihnen fühlen und mit ihnen erleben. Das habe ich in diesem Buch nicht gekonnt. die Figuren blieben mir fern und abstrakt, was alle in unserer Gruppe so empfanden.

Die ständige Suche und Interpretation von Metaphern und Bildern, auch wenn viele der Bilder und Metaphern, die die Autorin nutzt, sehr beeindruckend sind, ist nicht meine Sache. Das macht mir keinen Spaß. Ich frage mich dann auch, ob ich der Autorin oder dem Autor nicht zu viel quasi in den Mund lege, was er gar nicht gemeint hat. Dieser verdacht ist kürzlich insofern bestätigt worden. Wir hatten in unserer Gruppe die Autorin eines derzeit recht erfolgreichen und anerkannten Buchs zu Gast, das wir gelesen hatten und nachdem sie sich 1,5 Stunden unsere Gedanken zu dem Buch angehört hat sagte sie, sie wäre überrascht, was wir alles interpretiert hätten, woran sie überhaupt nicht gedacht habe.
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Der schmale, im Suhrkamp Verlag 2014 erschienene 221 Seiten unfassende Roman „Panischer Frühling“ der Schweizer Autorin Gertrud Leutenegger stand dieses Jahr sowohl auf der Shortlist des Deutschen, als auch auf der des Schweizer Buchpreises. Das hat es eigentlich, so meine ich zu wissen, noch nie gegeben. Gertrud Leutenegger hat bisher für ihre Romane viele Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Ingeborg Bachmann Preis. Dieser atmosphärisch durchgängig dichte neue Roman hat facettenreich viele Erzählebenen, Erinnerungen, Beschreibungen und Rückblicke. Alles findet in unterschiedlichen Zeiten statt und es fasziniert, wie die Autorin diese Überblendungen der Zeit in einer bezaubernden poetischen Weise assoziativ umsetzt. Es ist eine zarte Liebesgeschichte, angereichert von leuchtenden Erinnerungsbildern und vielen kunstvoll miteinander verwobenen Momentaufnahmen.

Zum Plot, bei dem auch die Zeit eine nicht unwesentliche Rolle spielt: Ausgangspunkt der Handlung ist der Vulkanausbruch auf Island, der bekanntlich vor vier Jahren den gesamten europäischen Luftverkehr zum Erliegen brachte. Die Ich Erzählerin spaziert unter einem blauen Frühlingshimmel durch London, erkundet in dieser ihr fremden Stadt Parks, Einwohner, Sehenswürdigkeiten und lässt dabei neben ethnologischen Fokussierungen auch historische Ereignisse vor ihrem inneren Auge ablaufen. Durch den Vulkanausbruch ist nun ein Moment des Stillstands entstanden. Am Himmel waren während dieser „Lebenspause“ keine Flugzeuge mehr zu sehen, nur noch Wolken, die wie Erinnerungen daher kamen und von der Autorin nun genutzt werden, um in Zeitüberblendungen umgesetzt zu werden, denn die Erzählerin lernt auf einem ihrer Spaziergänge auf der Südseite der London Bridge einen kuriosen Obdachlosen kennen. Dieser Jonathan ist mit einem Feuermal im Gesicht gezeichnet. Der Verkauf der Obdachlosenzeitung bringt nicht viel ein, umso mehr liebt er die Rolle als Erzähler. Nach dem ersten Treffen wünscht er sich ein Wiedersehen mit der Erzählerin an seinem Brücken Stammplatz.

Zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich fortan eine exzentrische Beziehung, die bei beiden unterschiedlichste Erinnerungsmomente auslöst. Die Erzählerin erinnert sich an eine glückliche Kindheit, an das Pfarrhaus ihres Onkels in den Bergen, wo sie wunderschöne Ferien verbracht hat. Jonathan erinnert sich eine nicht so glückliche, idyllische Kindheit in Cornwall. Er ist von dort vor den Gefahren des Meeres geflüchtet. Unter diesem Aspekt ist „Panischer Frühling“ vielleicht auch als Wasserroman angelegt, denn die Themse in der sich die Wolken spiegeln, in der zwischen Ebbe und Flut auch der Stillstand vorherrscht, ist die heimliche Hauptfigur, eine Art Protagonist dieses Romans über „Zeit Erfahrung“. Für Jonathan der seinen Vater als Fischer im Wasser verloren hat, hat das Meer etwas Beunruhigendes, weil es sich immer mehr holt als erwartet

Die Erinnerungen, das Erzählen über Vergangenes, führt auch dazu, dass die beiden Protagonisten sich überhaupt nicht näher kommen, sich nicht ansatzweise einmal berühren. Sie lassen die Erinnerungsmomente des einen in die des anderen fließen, und in dieser subtilen Kunst des Beiläufigen nähert man sich als Leser dem Kern der Geschichte. Und als Jonathan plötzlich verschwunden ist, begibt sich die Erzählerin bei der Suche nach ihm auf eine Suche nach sich selbst.

Die Themse ist eine Metapher für diese nicht scharf konturierte Erzählung, sie hat einerseits das lineare Fließen das sich je nach Ebbe und Flut in verschiedene Richtungen bewegt. Als Leser stellt sich der Eindruck der Befindlichkeit ein und die Erkenntnis, dass dieser Romanplot näher an unserem wolkigen Dasein angesiedelt ist, welches von unterschiedlichen Gemütszuständen durchwoben ist, als ein starker durchgehender Plot, der eher in der Literatur als im wirklichen Leben zu finden ist.

Zwischen den beiden Protagonisten gibt es zwei Ebenen, die Gegenwartsebene der Begegnung, in der sich die beiden nicht berühren wollen und folglich geschieht da nicht viel, und die Ebene der Erinnerung, wo sich beide ohne Rückfragen einander mitteilen möchten. Jeder entwickelt dabei einen Erinnerungsreichtum, mit dem sie sich gegenseitig helfen die Verlorenheit, die sie in der Gegenwart haben mit der Innenwelt der Erinnerungen des anderen zu verbinden.

Es sind wunderbare poetische Erzählkonstrukte zwischen realen und imaginären Welten, zwischen Traum und Wirklichkeit.
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am 20. Juli 2015
Das ist lyrische Prosa, kein Roman. Es passiert rein gar nichts: Keine direkte Rede, fast nur Beschreibungen der Natur und Umgebung, fast keine Handlung. Es zog mir dauernd die Augen zu. Leider geht mir das mit vielen Büchern so, die, wie dieses 2014, auf der Shortlist Deutscher Buchpreis standen. Diesbezüglich bin ich vielleicht zu dumm oder einfach zu naiv oder auch zu ungebildet. Vielleicht kann ich mich aber auch mit der Erklärung trösten, dass ich möglicher Weise zu den Menschen gehöre, die ‚des Kaisers neue Kleider‘ nicht sehen können und sich nicht scheuen, das auch einzugestehen.
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am 26. Oktober 2014
Warum ich es gelesen habe?

Obgleich dieses Buch war den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert war und es sogar auf die offizielle Shortlist schaffte, verpasste es den Einzug auf meine persönliche Shortlist denn knapp. Zwar war das Buch bei mir in der engeren Wahl; letzten Endes war es mir dann aber doch zu „britisch“.

Gelesen habe ich es nun trotzdem, weil es auch für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde, was mich dann doch neugierig machte, zu erfahren, was das besondere an diesem Buch ist.

Wie war mein erster Eindruck?

Mir fiel es schwer, in die Geschichte hineinzufinden und dieser zu folgen.

Die Handlung springt sehr stark. Aktuelle Erlebnisse und Wahrnehmungen der Erzählerin rufen immer wieder deren Assoziationen und Erinnerungen zu Dingen aus der Vergangenheit wach. Diese sind zum Teil selbst erlebt, zum Teil aber auch rein historisch. Diese Wechsel kommen dabei vollkommen unvermittelt und ohne jede Ankündigung, was mich des Öftern orien­tier­ungs­­­los machte. Auch verstand ich nicht alle Gedankensprünge der Erzählerin wie etwa die­jenigen an die Anschläge auf die Londoner U-Bahn.

Hinzu kommt, dass es sich wieder einmal um einen dieser mich so nervenden Romane handelt, in dem es auch bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen gibt. Auch das trägt nicht gerade zu einem flüssigen Lesekomfort bei.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Über diese Frage habe ich lange nachgedacht, ohne sie wirklich beantworten zu können. Ich dachte, manches wird vielleicht klarer, wenn sich die Geschichte erst einmal „gesetzt“ hat. Bis jetzt ist das aber nicht geschehen.

Ich gebe zu, dass ich mir unter diesem Roman etwas anderes vorgestellt hatte. Ich dachte, es ginge mehr um den Vulkanausbruch und die Sperrung des europäischen Luftraums. Leutenegger benutzt diese Ausnahmesituation in „Panischer Frühling“ aber nur dazu, eine ganz besondere Atmosphäre des Abgeschnitten-seins der Briten vom europäischen Festland zu kreieren. – Für mich persönlich war das eine kleine Enttäuschung.

Die Geschichte, die Leutenegger stattdessen erzählt, ist einerseits anrührend, machte mich andererseits aber auch etwas ratlos.
Anrührend, weil in der Erzählung sehr gut deutlich wird, dass Zeitungsverkäufer Jonathan und die Erzählerin trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft in gewisser Weise ein ähnliches Schicksal – nämlich den frühen Tod des Vaters – teilen. Sie erkennen in den Geschichten des An–deren sich selbst wieder. Dies lässt zwischen beiden über alle offensichtlichen äußeren Unter–schiede hinweg eine tiefe Verbundenheit entstehen, die beide zwar nicht benennen aber sehr wohl spüren können.
Leider bleibt die Erzählung jedoch auf dieser Ebene stehen, ohne sich in irgendeiner Form weiterzuentwickeln, was mich etwas ratlos zurückließ. Weder erlebt der Leser eine innere Veränderung bei der Erzählerin bzw. Jonathan, noch gelingt es den beiden, dieses diffuse, für beide nicht recht greif- oder beschreibbare Gefühl der Nähe und des gegenseitigen Erkennens weiter mit Leben zu füllen und zu nähren. Stattdessen belassen es beide dabei, sich Geschichte aus ihrer Vergangenheit zu erzählen und die Gegenwart zur Gänze auszusparen.

Der Roman endet dann ausgerechnet an der Stelle, an der es für mich sehr richtig interessant geworden wäre, nämlich als die Erzählerin nach Jonathans Verschwinden beschließt, in an der Südküste Englands, wo er aufwuchs, zu suchen.
Wie sieht diese Suche aus?
Findet sie Jonathan?
Wie reagiert er hierauf?
Wie geht es mit den beiden weiter?
Was verspricht sie sich von dieser Suche?
Was erwartet sie von Jonathan, sollte sie ihn tatsächlichen finden?
Keine dieser Fragen wird beantwortet. Die Einleitung des Romans nimmt so tatsächlich die gesamte Handlung bereits vorweg.

Auch blieb es mir bis zum Schluss ein Rätsel, weshalb die einzelnen Kapitel abwechselnd mit „low water“ und „high water“ überschrieben sind. Zwar findet sich auf Seite 69 der Hinweis, dass „die Flut zurückbringe, was die Ebbe nimmt“. Es ist aber keineswegs so, dass nur in den „high water“-Kapiteln Erinnerungen ausgetauscht und beschrieben würden, während in den „low water“-Kapiteln die Gegenwart geschildert wird.

Außerdem taucht immer wieder eine junge Frau im Amazonas auf -scheinbar die Tochter der Erzählerin. Aber auch dieser Charakter wird weder weiter entwickelt; noch ist die junge Frau in irgend einer Form relevant für das, was hier erzählt werden soll. Ein Streichen der Passagen hätte m.E. keinen Unterschied gemacht.

Diese Kritikpunkte sind vor allem deshalb so schade, weil Leutenegger einen sehr feinen Um–gang mit Sprache pflegt. Dies beweist sie vor allem bei ihren bildreichen Schilderungen des Frühlings in den Londoner Parks, wo z.B. „Wellen von lichtem Grün über die Welt flossen“ (Seite 65).

Auch an Medienkritik wird nicht gespart. So heißt es beispielsweise auf Seite 62: „Doch der Flugverkehr hatte sich restlos normalisiert. Kein Wort mehr von den verendeten Tiere, den Kindern mit Atemnot, dem mühseligen Ascheräumen von Feldern und Gehöften. Die Tagesschau war längst zu neueren Sensationen übergegangen.“

kerstin-scheuer.de
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am 30. Juli 2015
War ein Wunschgeschenk, von daher kann ich wenig dazu sagen ! Lieferzeit TOP ! Inhalt kann ich nicht sagen , da nie gelesen
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am 23. April 2014
Das neueste Buch der Autorin gefällt mir gut,besonders ihre Schreibweise,die den Leser weiter ans Ende interessiert. Und es hat hin und her bezaubernde eiigne Poesie.
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am 30. Mai 2014
...und wenn man dann auch noch die Herkunft der Autorin und ihr Jugend-Umfeld etwas kennt, dann wird es auch noch zu einem amüsanten Rückblick. Danke!
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