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Der 1932 geborene Alexander Kluge versammelt hier, mit Unterstützung von Reinhard Jirgl, Momentaufnahmen, Sekundenbilder, kurze Erinnerungen zum 30. April 1945, dem "letzten ausgeübten Werktag des Deutschen Reiches" (Zitat). Ein Großteil der Texte ist keine ganze Seite lang.Es gibt jedoch immer wieder Ausflüge in die Gegenwart, die genauso kurz oder lang sind, wie die Vergangenheitsbilder (so z.B. der Obama-Besuch in Berlin im Jahr 2013, ausgehend von einer kurzen Skizze über das Hotel Adlon am 30.04.45: "Hotel im Niemandsland", Seite 42).

Man kann diesen Tag nicht pauschal erfassen, dies ist die Ausgangssituation, jeder hat ihn anders erlebt, überlebt, vielleicht auch nicht überlebt --- Kluge will Schnippsel daraus zeigen, die der Leser zusammenfügen muss. Kurze Bilder, die vielleicht nur in Bruchteilen von Sekunden vor dem inneren Auge des Lesers erscheinen, verschmelzen zu einem Panorama (wenn man sich darauf einläßt).

Alexander Kluge blickt in seinen Texten auch stets ins Ausland: was geschah an jenem Tag in der Schweiz oder in Amerika? Wie muss es sich angefühlt haben, dort, an diesem 30.April, zu leben?

Fazit: der Leser behält (durch diese schnelle textliche Bilderfolge) das Geschilderte besser vor dem inneren Auge und dem inneren Ohr, als wenn er einen rein sachlichen, wissenschaftlichen Text darüber gelesen hätte.

Sehr intensiv !

( J. Fromholzer )
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Der 30. April 1945, häufig als „letzter Werktag des Dritten Reiches“ bezeichnet, ist der Tag, an dem sich Hitler erschoss und sich damit feige seiner Verantwortung als Kriegsverbrecher entzog. In seinem Buch versucht der Autor und Filmemacher Alexander Kluge (unterstützt von seinem Schriftstellerkollegen Reinhard Jirgl), einen Überblick zu geben, was an diesem historischen Tag rund um den Erdball geschah.

In vertrauter Kluge’scher Manier werden kleine Begebenheiten, Ereignisse und Anekdoten von diesem letzten Apriltag des Jahres 1945 erzählt. Die Geschichten beruhen teilweise auf Tatsachen, andere sind Fiktionen. Deutsche Wehrmachtsangehörige und Zivilisten kommen ebenso zu Wort wie alliierte Politiker und Militärs. Von der zusammenbrechenden Front über die zerstörten Städte, die Reichshauptstadt, die neutrale Schweiz bis in die USA reichen die Orte der Prosa-Miniaturen.

Da wird von einem Flüchtlingslager berichtet, vom letzten Meteorologen von Pillau, von einem Scharmützel an einer Berliner S-Bahn-Station, von einer Entbindungsstation im Keller der Charité oder von einer Soldatenhochzeit an diesem Tag. Mitunter sind es abstruse Begebenheiten, die man mit diesem Datum aus heutiger Sicht nicht in Verbindung bringen würde, wenn z.B. ein Bankbeamter im schon von der Roten Armee besetzten Pommern telegrafisch 300.000 Reichsmark nach Westfalen überwies, das schon unter britischer Kontrolle war. Immerhin durchlief die Telegrafenübermittlung dabei siebenmal die Frontlinien. Oder wenn das Zugpersonal eines Güterzuges an der Schweizer Grenze seine Loyalität zum Reich niederlegt und in den schweizerischen Dienst tritt. Alexander Kluge selbst hat diesen Tag als 13jähriger in einer Stadt nördlich des Harzes erlebt, die seit dem 11. April schon von den Amerikanern besetzt war.

Man mag darüber streiten, ob an diesem 30. April 1945, das „zweite Leben der Deutschen“ oder (wie es im Untertitel heißt) „die Westbindung der Deutschen begann“ - immerhin dauerte der Wahnsinn noch acht Tage, in denen noch viele ihr Leben lassen mussten. Kluge zeigt aber, wie für viele schon die Neuorientierung begann, eine „Wandlung in den Köpfen der Überlebenden“. Obwohl jeder einzelne Text für sich steht, ergibt sich auf den reichlich 300 Seiten ein Panorama des Kriegsendes vor siebzig Jahren.
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am 24. Juni 2014
Entspricht meinen Erwartungen, wunderbar. Die Beiträge von Reinhard Jirgl machen für mich allerdings wenig Sinn und haben mich letztendlich im Leserhythmus gestört.
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am 4. Mai 2015
Alexander Kluge beleuchtet mit dieser auf 316 Seiten gefassten, vielschichtigen Aufnahme eines Tages alle möglichen Augenblicke, die dieser geschichtsträchtige Tag mit sich gebracht hat, getreu dem Gedanken "Wo warst du an dem Tag, als sich Hitler erschossen hat?" - so ergibt sich in kurzen Kapiteln, für sich teilweise mühselig zu lesen oder gar inhaltsleer, weil nur eine vage Erinnerung die Grundlage bildet, dennoch ein komplexes Bild, dass diesen Tag nicht nur auf den Kriegsschauplatz Deutschland beleuchtet, sondern einmal die Welt umrundet, von Amerika, nach Australien, nach Japan und wieder zurück nach Deutschland. Der Leser macht hier kleine Entdeckungen in den zahllosen, manchmal nur halbseitigen Berichten und man erhält insgesamt ein komplexes Bildnis von diesen Tagen und den letzten Zügen des 3. Reiches. Wobei nicht ganz fehlerfrei: General Maurice Rose - über dessen Tod am 30. April 1945 im Buch berichtet wird - dieser ist allerdings am 30./31. März 1945 erschossen worden. Dreißig Tage Unterschied in einer geschichtsträchtigen und vom Chaos beseelten Zeit, machen hier wohl wenig aus, da das große Ganze von den meisten wohl betrachtet wird. Dennoch erzeugt es dieses gewisse "Geschmäckle", das einen bei diesem Buch begleitet. Indem der Autor vielleicht doch etwas zu wahllos Informationen zusammengetragen hat, ohne sie zu prüfen, Hauptsache es steht irgendwo 30 und 1945 unter der Quelle.

Aufgelockert wird das Buch, das phasenweise dann schon etwas wirr und hochphilosophisch daherkommt (insbesondere die Gedankengänge von Reinhard Jirgl sorgen inhaltlich, wie auch für den Lesefluss für reichlich würgen), durch einige zeitgenössische Aufnahmen und Farbfotos.

Insgesamt ist es ein lesenswerter Versuch, einen einzigen Tag in ein Buch zu bannen. Die kurzen Kapitel sind teilweise hochinformativ, teilweise inhaltlich sehr dünn und in Form von Herrn Jirgl durchweg nicht lesbar. Daher gibt es drei Sterne für ein Buch, dass man mal gelesen haben darf und der Geschichtsinteressierte wird sicherlich seine Schnipsel einsammeln können, einen nachhaltigen Eindruck hat das Buch von Alexander Kluge bei mir allerdings nicht erzeugen können und ich war am Ende doch froh, dass der Tag vorbei ist.
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am 1. September 2014
Alexander Kluge gelingt es mit diesem Buch über den 30. April 45 einen großen Bogen zu spannen über die fast 100 Jahre Deutscher Geschichte, vom ersten Weltkrieg bis zur Wende. Ein sehr gelungenes Buch, das allerdings teilweise einen etwas schwierigen Sprachstil kultiviert.
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am 26. November 2015
Ein Hörspiel mit ALEXANDER KLUGE, bearbeitet von Karl Bruckmaier, von Bayern-2 produziert, 102 min lang........... das kann natürlich nur einige Momente, Bilder aus dem gesamten Text des Buchs von Kluge zeigen, hörbar machen; man könnte fast sagen, es ist eine Vorschau auf das mehrere hundert Seiten dicke Buch.

Eindrücklich umgesetzt von Bruchmaier, Soundfetzen, O-Töne, Zitate, Einlassungen von Kluge selbst (mit sehr, sehr angenehmer Radiostimme!). Das ist alles aneinandergereiht, irgendwie chronologisch, man hört zu, läßt die einzelnen Bilder wirken. Man hätte aus Kluges textlicher Vorlage auch ein doppelt. oder 3-mal so umfangreiches Hörbuch machen können.

Ein Teil der Hörer wird danach das Buch lesen; aber der Stil von Kluge, dramaturgisch ohne größeren roten Faden (außer das Kriegsende selbst), eignet sich besonders gut für das Hörformat. Hören und Lesen.
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am 8. Mai 2014
... Kluge wil mit dem Buch, wie er sagt, ein Gegengift (Impfung) geben gegen die im nächsten Jahr anstehenden Jubiläen. Er versteht sich als Schreibbank und Filmemacher der kritischen Theorie.

Die Grundidee ist ansich nicht schlecht. Der 30.4. als Wendepunkt, der die Vergangenheit und die Zukunft in sich trägt. Ähnlich wie bei Joyce verdichtet in einem Tag.

Das führt dann in der Durchführung allerdings zu typischen Wirrnissen und - man muss es offen so nennen - letztlich Verlogenheiten: Zunächst einmal produziert der Betrieb in der ersten Phase tonnenweise NS-Devotionalienliteratur und Erbauungsfilme, in der man der letzten Socke mit klagender Musik nachschnüffelt. Und nun, als das allmählich ausgelutscht erscheint, und gegenteilige Reflexe hervorruft, schreibt man neue Erbauungsbücher und Betroffenheitsprosa, wie dieses, die das Ganze noch eine Windung weiterdrehen, damit der Betrieb bloß nicht leerläuft, und in denen man seine kostbaren Erinnerungen aufbewahrt und sich selbst musealisiert. Und furchtbar wichtig ist bei alledem natürlich immer subtil und gleichzeitig hartnäckig vergessen zu machen, dass der NS zu allererst einmal ein fröhlicher Sozialismus war und dann kam alles weitere.

Um das vergessen zu machen, braucht man Feindbilder. Deshalb haut K wieder auf den Heidegger ein, dem er nachträgt, dass er sich mit der Fakultät am 30.4. auf eine Burg zurückgezogen hatte (Freiburg war zerbombt worden) - als ob das nicht Tausende taten und als ob dieses Faktum den Weltgeist interessiert. Das räumt er an anderen Stellen selbst ein, die darum kreisen, dass die deutsche Perspektive im Weltganzen nicht überbewertet werden sollte und das rührt an ein weiteres Grundproblem derartiger Bücher aus der sog. "Schönen Erinnerungskultur": Man nimmt sich furchtbar wichtig und problematisiert überhaupt nicht, dass diese "Erinnerungskultur" schon selbst wieder ein abseitiger, bizarr-schrecklicher Sonderweg ist und eine ganze durch- und durch hysterische Industrie davon lebt (man denke nur an die Gurlit-Hysterie), ja, dass aus dieser Brühe schamlos aktuelle politische Forderungen geköchelt werden (Eurobonds).

Das kommt im Buch in diversen Aktualitätsverweisen zum Ausdruck (Irak, Türkei, Ukraine), so als ob man aus den Geschehnissen von vor 70 Jahren auf einem kleinen Fleckchen Erde noch Weisheiten saugen könne. Wie wirr das alles ist, wird schon klar, wenn man sich nur die Frage stellt, warum man nicht derartig weitreichende Weisheiten aus 1762 oder 1852 zieht.

Und so ist dieses Buch aufbewahrenswert als Ausdruck einer NS-Devotionalienschnüffelei-Kultur, die uns noch viele Jahre begleiten wird, wie ein sinnlos weiterrollendes Rad, ehe sie - irgendwann einmal - ausrollt.
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am 1. Juni 2014
Alexander Kluge, der Sohn eines Schul- und Geschäftsfreundes meines Vaters, wir sind beide Jahrgang 1932. Er ist in Halberstadt ich in Wernigerode groß geworden.
Der 30.April 1945 schildert das Leben als Neubeginn, als Zukunft nach dem Krieg.
Danke für den Bericht über das notwendige Ende des Krieges.
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am 16. Mai 2014
"Der Tag, an dem die Westbindung der Deutschen begann"?

Und wenn Hitler sich nicht erschossen, sondern länger gelebt hätte, was wäre dann passiert?

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Adenauer war doch der Westbindungsfanatiker, dem beim Überqueren der Elbe schlecht wurde, oder?

Hätten wir einen Bundeskanzler namens Kurt Schumacher gehabt, wäre vieles anders gelaufen, aber davon mal abgesehen, begann am 8. Mai 1945 für die Menschen östlich der Oder erst einmal der Vertreibungsterror, Lamsdorf, Reich-Ranitzki und Brünner Todesmarsch inklusive und für Menschen in der SBZ eine 45-jährige "Ostbindung" an Stalin und Nachfolger.

Hier hatte wohl jemand eine flotte Idee nach dem dritten Schnaps und hat sie leider umgesetzt.
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