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am 5. Dezember 2013
...mich Romane, in denen sich die Hauptfigur auf einen Selbstfindungstrip begibt, überhaupt nicht. Das ist mir oft zu langatmig, selbstmitleidig, angestrengt. Doch Galeras Flut hat mich gepackt. Der Anfang 30-jährige Protagonist - Typ Sportler, kein Intellektueller - zieht nach dem Selbstmord seines Vaters in den touristischen Küstenort Garopaba. Kurz vor seinem Selbstmord erzählt ihm der Vater, dass Ende der 60er Jahre sein Großvater ebenfalls in Garopaba lebte und dort unter mysteriösen Umständen umgebracht wurde. Galera beschreibt das Leben des Protagonisten im Küstenort von ca. Ende Februar 2008 bis Oktober 2008. Ein Leben zwischen Sport, ein bißchen Arbeiten im Fitnessstudio, neuen Menschen treffen, Sex sowie auf der Spurensuche nach dem Großvater. Aufgrund einer Erkrankung kann sich der Protagonist keine Gesichter merken. Dies macht es für ihn und seinem Umfeld natürlich nicht leicht, im Alltag zurecht zukommen.

Der Roman entwickelt einen tollen Sog zwischen dem Alltag des Schwimmers und absurden Szenen (Zirkus, Walbeobachtung, Bordell). Dabei schreibt Galera teilweise sehr detailliert, aber nie langatmig. Pluspunkt!

Der Autor zeigt den Schwimmer zwischen Alltag und Suche nach dem Leben des Großvaters. So werden nebenbei Fragen nach Familie/ Freunde, Arbeit, Spiritualität/ Religion, Leben in der Stadt vs. Leben auf dem Land (interessant ist, dass die Sommerzeit in diesem brasilianischen Küstenort von November bis Februar im Roman ausgespart wird) behandelt. Auch wenn viele Dinge zufällig passieren, wirkt dies nie kitschig oder konstruiert. Weiterer Pluspunkt!

Der größte Pluspunkt ist die Erzählperspektive des Romans: Der Autor schreibt in der 3ten Person Singular (er) und diese Person bleibt namenlos. Dies liest sich zunächst vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Doch das ist meiner Meinung nach der Kniff, der den Roman vor jeglichem spirituellem Kitsch bewahrt. Der Leser ist dem Schwimmer gleichzeitig nah und fern. In Kombination mit der "Gesichtsamnesie" funktioniert die Erzählperspektive genial!

Fazit: Toller Roman! Ist dies Literatur für Männer? Ein Fänger im Roggen für Erwachsene? Keine Ahnung! Aber der Roman hat das goldene Schwimmabzeichen locker verdient.
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am 4. Oktober 2013
Zwei Dinge sind es, die den Protagonisten dieses sprachlich ausgereiften Romans (der erste von Calera, der in deutscher Sprache erscheint), zunächst überhaupt nur in erkennbarer Weise innerlich berühren.

Da ist zum einen Beta, die alte Hündin seines Vaters (der einen angekündigten Selbstmord begangen hat und selbst bei diesem bleibt der Sohn, aus dessen Perspektive der gesamte Roman erzählt wird, seltsam distanziert innerlich kraftlos).
Für Beta gibt der Triathlet alles an Energie und Geld, was er aufzubringen vermag.

Und da ist zum anderen die Geschichte des eigenen Großvaters, der als „Gaucho“ in Garopaba (an der brasilianischen Atlantikküste gelegen) unter ungeklärten Umständen wohl zu Tode gekommen ist. Oder nur verschwunden?

Dieser Distanz des Protagonisten zu sich selbst und den Menschen gegenüber, korrespondiert wunderbar zutreffend im Buch mit der eigentümlichen Krankheit, die er trägt.
Er kann sich Gesichter nicht merken. Alles verschwimmt, irgendwie, zumindest anfänglich.

Im Roman selbst ist dies das passende Symbol für die Distanz, die „der Trainer“ sich selbst und der Welt gegenüber in sich trägt. Eine Distanz, die nur langsam abschmilzt. Je besser er seine neuen Mitmenschen kennenlernst, desto mehr er an anderen Eigenschaften als die des Gesichtes diese zuordnen kann, desto mehr taut er auf, schließt Kontakte. Ein Prozess, den Calera dem Leser hervorragend näher bringt.

Nach dem Tod des Vaters nun, vielleicht, weil er nicht besseres zu tun hat, vielleicht, weil ihn irgendetwas kaum Greifbares (und das auch eher träge) antreibt, vielleicht auch nur, um dem lange schon schwelenden, harten Streit mit seinem Bruder zu entgehen, begibt er sich ebenfalls nach Carapoba. Mietet ein Haus am Meer, schwimmt, läuft, hat Affären, erlebt Enttäuschungen, bringt sich ein, wird abgestoßen, findet Freunde und spürt, jedes Mal, wenn seine große Ähnlichkeit zum Großvater auffällt oder er direkt nach der alten Geschichte fragt, irgendetwas ist da im Busch, stimmt da nicht in diesem Dorf.

„Die Fischer reden kaum mit ihm. Alle, die er auf den Tod seines Großvaters angesprochen hat, ignorieren ihn seitdem“.

Und je mehr er sich um Beta zu kümmern hat und je mehr er über das Leben, die Ereignisse um seinen Großvater von damals erfährt, desto näher rückt er damit auch sich selbst und spürt: diese Geschichte des Großvaters, diese Art, dem Leben gegenüber zu treten, dass ist auch seine eigene Geschichte und seine Art. Mehr und mehr lebt er nach, was damals war.

„Mein Vater hat mir erzählt, er wurde auf einem Fest ermordet. Das Licht ging aus und mehrer Leute stachen auf ihn ein“.

Aus dem Prolog heraus bereits ahnt der Leser, dass nicht nur die Geschichte dieses Großvaters nicht gut geendet hat. Auch die Geschichte des Enkels wird dramatische Wendungen nehmen. Wendungen, die von der Flut, vom Meer ebenso verschlungen werden, wie es die alte Geschichte wurde.

Wie nun Calera das alles bildkräftig erzählt, wie beiläufig er komplette Lebensarten fließend schildert und einfließen lässt, wie flüssig es ihm gelingt, seinen Protagonisten in seiner inneren Leere vor Augen zu führen und ebenso die langsame Füllung dieser Leere in den Raum zu setzen (auf einer fast psychedelischen Reise zu sich selbst im letzten Teil des Buches), genauso, wie Calera wie nebenbei ganze Persönlichkeiten schon an deren Schwimmstil wunderbar zu beschreiben versteht, dass ist, zusammen mit der intensiven Geschichte selbst, sehr lesenswert und bietet eine dichter und dichter werdende Atmosphäre im Buch. Auch wenn einige Fäden im Buch lose in der Luft verbleiben werden und nicht auf alles runde und erschöpfende Antworten gegeben werden.

Eine intensive Geschichte, die Calera mit literarisch hoher Qualität ebenso intensiv erzählt.
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Der 1979 in São Paulo geborene Autor und Übersetzer Daniel Galera ist ein ungemein fesselnder, bildgewaltiger Erzähler. In Brasilien sind seine literarischen Werke vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera hat unter anderem Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson ins Portugiesische übersetzt. Mit „Flut“ erscheint im Suhrkamp-Verlag erstmals eines seiner Bücher auf Deutsch in der Übersetzung von Nicolai Schweder-Schreiner.

Setting des ungemein kraftvollen, bildreichen Romans ist Garopaba , ein kleines Fischerdorf an der Südküste Brasiliens. Daniel Galera, der heute im südbrasilianischen Porto Alegre lebt, begleitet den Selbstfindungsprozess eines jungen Mannes im Spannungsfeld von Willensfreiheit und Determinismus und stößt dabei existentielle Fragen an.

*

Drei Generationen
___________________

Der 33-jährige Erzähler bleibt namenlos, und er hat ein Problem: Er kann sich keine Gesichter merken, auch sein eigenes nicht. Grund dafür ist eine Prosopagnosie, eine Teilleistungsschwäche des Gehirns, ausgelöst durch Sauerstoffmangel während der Geburt. Zum Wiedererkennen von Menschen ist er auf andere Sinneseindrücke angewiesen oder auf ausgeprägte Einzelheiten wie Narben oder Tätowierungen. Als er seinen Vater Hélio besucht, betrachtet er dessen Gesichtszüge sehr genau, fährt markante Punkte mit den Augen ab, so als suche er unablässig nach Verankerungsmöglichkeiten eines Bildes in seinen Gedanken.

„Er sieht eine knollige Nase, glänzend und porös wie eine Mandarinenschale. Ein seltsam jugendlicher Mund zwischen Kinn und Wangen, die von feinen Falten durchzogen sind, die Haut ein wenig schlaff. Frisch rasiert. Große Ohren mit noch größeren Ohrläppchen, die aussehen, als würden sie von ihrem eigenen Gewicht nach unten gezogen.“

Sein Vater hat ihn nicht ohne Grund hergebeten. Er will sich von seinem Sohn verabschieden. Ein letztes Mal spricht er vom Alter, von seiner sich verschlechternden Gesundheit, von ihrer Familiengeschichte. Neben sich die geladene Pistole auf dem Tisch, die sagt, was geschehen wird, lange bevor er es ausspricht. Er will nicht mehr.

Hélio berichtet seinem Sohn von dessen Großvater, der in einem kleinen Fischerdorf Garopaba bei Laguna 1969 auf einem Fest während eines Stromausfalls mit Hunderten von Messerstichen ermordet worden sein soll. Begegnet sind sie sich nie. Doch die Ähnlichkeit zwischen Großvater und Enkel sei groß: derselbe athletische Körperbau, dieselbe Affinität zum Sport, dieselbe Schweigsamkeit. Allerdings sei der Großvater auch für eine jähzornige, gewalttätige Seite bekannt gewesen.

Am Ende des Gesprächs kündigt Hélio seinen Suizid an. Das Leben sei einfach zu lang, erklärt er, unwillig, sich mit seiner altersbedingten schwindenden Lebensqualität zu arrangieren. Es gibt nur noch eins, was der Sohn für ihn tun kann: Er soll die 15 Jahre alte Australian Sheperd-Hündin Beta nach seinem Tod einschläfern lassen, damit sie nicht leidet.

„Du kannst ein Kind sitzenlassen, einen Bruder, einen Vater und mit Sicherheit eine Frau, all das kann unter gewissen Umständen gerechtfertigt sein, aber nicht einen Hund, um den du dich eine Zeit lang gekümmert hast, dazu hast du nicht das Recht […] Ein treuer Hund ist ein verkrüppeltes Tier. Diesen Pakt können wir nicht lösen.“

Doch Beta ist alles, was dem Erzähler nach dem Tod des Vaters bleibt… Sie und ein ungeklärtes Familiengeheimnis.

*

Der Hund und das Meer
___________________

Er begibt sich auf Spurensuche nach Garopaba. Die treue Hündin nimmt er mit. Relevante Orte markiert er dabei in einer Karte, um sie später wiederfinden zu können; relevante Menschen verankert er mit Hilfe von Details wie Narben, Frisuren, Tätowierungen. Sein Alltag in dem kleinen Fischerdorf wird bestimmt durch Nachforschungen nach dem Verbleib des Großvaters, aber auch durch lange Spaziergänge mit Beta und vor allem durch das Schwimmen im offenen Meer.

„Es ist nicht das erste Mal, dass der Lärm der Wellen ihn im Schlaf begleitet, aber diesmal ist es kein fernes Rauschen, kein Hintergrundgeräusch. Das Meer atmet direkt in sein Ohr. Er hört jede einzelne Welle gegen die Steine schlagen, das Schnaufen der Gischt, das Plätschern. […] Die Fischer brüllen sich unverständliche Dinge zu, so laut und aufgeregt, dass es wie besessen klingt, bis ihre Stimmen zusammen mit dem Lärm der Motoren im Rauschen des Meeres untergehen.“

Ihn treibt die unablässige Suche. Nicht nach seiner Identität; er weiß, wer er ist. Unklar allerdings ist sein Platz im Leben. Wo gehört er hin in diesem verwirrenden Gefüge aus Unbeständigkeit, in dem Beziehungen kommen und gehen, flüchtig sind wie die Gesichter der Menschen, die er sofort wieder vergisst und die doch so tiefe Spuren hinterlassen? Nichts ist von Dauer. Seine Eltern hatten sich vor langer Zeit scheiden lassen; seine Freundin Viv lebt inzwischen mit seinem Bruder zusammen und erwartet ein Kind. Und er?

„Bis vor ein paar Jahren bat er die Menschen jedes Mal um Entschuldigung, wenn er sie nicht erkannte, das war ganz normal, aber dann kam es ihm irgendwann lächerlich vor, und er hörte damit auf. Es war nicht seine Schuld.“

Die anderen sind andere… Kann ein „Erkennen“ überhaupt gelingen?

*

Mensch und Mythos
___________________

Er befragt Polizisten, sucht nach Weggefährten seines Großvaters, studiert Dokumente. Auf Begeisterung bei den konservativen Einheimischen stößt das nicht. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Fremden, dem „Gaucho, der vor zwei Generationen nach Garopaba kam, scheint sie zu erschrecken. Gesteigert wird das zusätzlich, als er sich zudem noch einen Bart wachsen lässt.

Bei dem Versuch, den Mythos um seinen Vorfahren zu ergründen, bringt der Erzähler nicht nur sich selbst, sondern auch seine Hündin in große Gefahr…

Doch schließlich lüftet der Erzähler das Geheimnis und wird selbst zunehmend zu einem Bestandteil desselben. Es ist, als bewege er sich zurück durch Raum und Zeit in die Vergangenheit der Entstehung dieser Legende. Was einmal geschah, beginnt sich zu wiederholen, und er findet das, wonach er vielleicht immer gesucht hat…

„Wenn man zurückschaut“, so das Fazit des Erzählers, ist alles unvermeidlich.“

*

Erwachsener Entwicklungsroman
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Es sind Sprachgewalt Galeras, der kraftvoll und sinnlich das Leben auf Garopaba einfängt, und das unablässige Spiel mit Metaphorik und philosophischen Gedanken, die diesen Roman so ungemein lesenswert machen. „Flut“ überschreitet die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, Folklore und Zeitgeist, Tradition und Moderne. Ein berührender Entwicklungs- und ein Stück weit auch ein Kriminalroman, der uns zeitweise beim Lesen durch seine Bildhaftigkeit ganz nah heranholt, dann wiederum durch die lakonische, beobachtende Erzählweise auch wieder Raum gewährt.

Daniel Galera gelingt es, der menschlichen Suche nach Sinn und Raum eine neue Facette zu verleihen, eine ganz eigene Stimme zu finden. Es geht um den Platz im Leben, auch auch um Beziehungen, um Wünsche, um Verletzungen, die man anderen zufügt und die nicht zurücknehmbar sind. Schon gar nicht durch ein Wort.

„Keiner kann mich von dem Leid befreien, dass ich anderen angetan habe. Man muss es in sich behalten, um ein besserer Mensch zu werden. Verzeihen heißt, so zu tun, als würde es nicht existieren. Aber das Leben ist das Ergebnis unserer Handlungen. Es ist sinnlos, sich so zu verhalten, als wäre etwas nicht geschehen.“

Dreh- und Angelpunkt ist das Meer: Es berührt Sehnsüchte, bietet Weite, Ausblick zu einem weit entfernten Horizont. Es lockt. Doch gleichzeitig macht es uns Menschen mit seiner Wildheit und Unbezähmbarkeit zu Gefangenen des Landes, weist uns in die Schranken und zeigt mit wilden Fingern auf den geringen Bewegungsspielraum, der uns in Wirklichkeit bleibt. Wie viel haben wir letztendlich wirklich in der Hand?

*

Den Zauber erhalten
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Zugleich ist „Flut“ auch ein Roman über das Erzählen selbst, über die Magie alter Legenden, die in unserer globalisierten Welt zunehmend schwerer zu finden sind – und die auch in Brasilien langsam sterben. Sie verschwinden ebenso wie das traditionelle Leben der Fischer. Vielleicht erklärt auch das ein Stück weit die leise Melancholie, die beim Lesen unablässig begleitet.

Für mich ist Daniel Galera eine herausragende Entdeckung und „Flut“ ein Buch, das ich wärmstens weiterempfehle! Wenn man es aufschlägt, spürt man das Meer.
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Manchmal haben es die Männer innerhalb einer Familie nicht leicht miteinander. Da ist der Großvater von dem nicht so genau bekannt ist ob er erstochen wurde oder einfach nur so spurlos verschwunden ist. Der Sohn steht wenige Tage später nach der Beerdigung am Grab seines Vaters und sieht das Gras gut wachsen. Er zweifelt daran, dass tief in der Erde sein Vater ruht.

Nun stehen sich eben dieser Sohn und bereits dessen Sohn gegenüber. Auch wenn Galera ihr Verhältnis distanziert schildert, meine ich doch eine tiefe Liebe der beiden zueinander zu spüren oder bilde ich es mir nur ein? Der Autor lässt dem Leser Freiheiten und dies finde ich gut. Einen moralischen Zeigefinger habe ich in diesem Roman nicht gefunden.

Der Vater kündigt an aus dem Leben gehen zu wollen. Auch wenn sein eigener Sohn ihm den Revolver reicht, versucht er ihm doch mehr als ein Mal Brücken zurück ins Leben zu bauen. Brutal und geschickt zugleich ist es von Daniel Galera diesem Sohn, für mich der Held dieser wunderbaren Story, keinen Namen zu geben. Ist dies der Wink mit dem Zaunpfahl, dass dieser Sohn symbolisch steht?

Der namenlose Sohn hat Schwierigkeiten Gesichter zu erkennen. Ebenso hat er Schwierigkeiten sich selbst zu finden, dabei sollte doch mit Anfang 30 diese Lebensphase abgeschlossen sein, oder liegt es doch am Schicksal der Männer dieser Familie?

Beim Lesen dieses Männerromans stimmt einfach alles. Die Sprache Galeras ist beeindruckend vielschichtig, ohne dabei zu schwer für mich als Leser zu werden. Des Autors gewählte Handlungsorte passen zum Thema wie die Faust aufs Auge, sie sind kalt, tief und stürmisch, haben gelegentlich aber auch etwas archaisches. Galeras Protagonisten haben es nicht einfach miteinander, sie können sich nicht alles sagen, wirft man uns Männern dies nicht ohnehin auch im realen Leben oft vor?

Ich verdächtige Daniel Galera, dass er seine Protagonisten benutzt, um uns Männern einen Spiegel vorzuhalten!

(Christian Döring, "bücherändernleben")
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Daniel Galera erzählt im Stil von Ernest Hemmingway und er verwendet in einigen Fußnoten, die er ziemlich lang und ausführlich ausarbeitet, Parallelgeschichten, die aber fürs Geschehen - für das Verstehen des Geschehens wichtig sind. Sehr schön die Tempovermischungen ab und zu, z.B. aus langsamem Erzählen in die schnellen Entwicklungen oft.
Ein Vater- und Sohnkomplex, ja eine Familiengeschichte, die sich bis hin zum Großvater schiebt, ist der Rahmen dieses großartigen Romans. Die Küste Brasiliens ist der Ort, das Meer das Gegenüber, das Meer, aus dem das Leben kommt.
Der Protagonist und vor allem der geheimnisvolle Großvater werden Gaucho genannt, für Menschen in Brasilien vielleicht eine Bezeichnung für Männer aus dem benachbarten Argentinien?
Und es ist ein Macho, der beschrieben wird. Diese Bezeichnumng des Männlichen ist im spanischen Umfeld nicht mit einem Negativum verbunden wie vielleicht bei uns, erst der "Machismo" wäre es.
Um Liebe geht es, um ein Leben im Leben mit den Zuständen der heutigen Zeit, mit der Suche nach Arbeit, mit der Sehnsucht nach Zusammenhalt und nach Freiheit. Alles spielt sich am Meer ab, an der Küste, unter Fischern, unter rauen Männern und flinken Frauen und auch ein Bruderzwist wird beschrieben.
Doch das Weibliche spielt vielleicht die Hauptrolle im Roman (das salzige Meerwasser als Metapher für die Fruchtblase?) und der Vorschlag zum Frieden kommt von einer Frau (!).
Die Hündin Beta ist ein Fanal für die leidende Kreatur, die beschützt werden muss mit aller Kraft.

Dieser Roman aus Brasilien kommt daher wie das Rollen des Meeres, er ist mit der Feder eines Menschenkenners, aus der Seele eines Dichters geschrieben (köstlich die Lyrik am Ende des 9. Kapitels von Manoel Valentim), der die Welt liebt, wie sie ist, wie wir sie lieben sollten. Hervorragend und motivierend für Kenner des Lebens, die nicht so leicht aufgeben.
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am 11. Februar 2016
Die Hauptfigur Leopoldo begibt sich in diesem Roman auf die Suche nach seiner Identität und seiner Familiengeschichte. Nachdem sein Vater sich das Leben genommen hat, nimmt er dessen Hündin Beta bei sich auf und zieht in einen kleinen Ort direkt ans Meer. Dort soll sein Großvater vor Jahren ermordet worden sein, doch niemals wurde seine Leiche gefunden. Nachdem seine Frau Leopoldo verlassen hatte um mit seinem Bruder zusammenzuleben und sein Vater tot ist, scheint er kaum noch einen Plan für sein Leben zu haben und konzentriert sich jetzt auf die Idee, die Familiengeschichte aufzudecken.
„Flut“ ist ein sehr intensiver Roman, der im heutigen Brasilien spielt. Die Hauptfigur wirkt lange nur wie ein Schatten, der eine Basis fehlt und ein Sinn im Leben. Durch eine Erkrankung kann er sich keine Gesichter merken und gerät immer wieder in seltsame Situationen, weil er nicht einmal seine Freundin oder gute Freunde wieder erkennen kann. Das passt aber sehr gut zu seinem Leben, es verstärkt den Eindruck seiner Einsamkeit und seiner Unsicherheit, die Krankheit ist wie ein Sinnbild seines Daseins. Er ist Schwimmer und trainiert in einem Fitnessstudio verschiedene Schüler, oft wirkte er auf mich jedoch eher wie ein einem Strudel im Meer gefangen, er kämpft und schwimmt in seinem Leben, ohne voran zu kommen.
Obwohl der Protagonist einem gar nicht unbedingt sympathisch ist, schafft der Autor Daniel Galera es, dass er einem ans Herz wächst. Er sucht mit seinem Großvater auch ein wenig seine Identität, was sehr deutlich daran wird, dass wir erst ganz zum Schluss seinen Namen erfahren. Bis dahin ist es immer nur „er“, ein namenloser ohne besondere Bedeutung. Die Geschichte und der Stil des Autors nehmen einen schnell gefangen und ziehen einen in eine fast düstere Welt mit viel Schatten, aber wenig Licht. Das Buch beeindruckt und lässt einen nicht los. Die Suche nach der Vergangenheit, um die Gegenwart zu verstehen, ist kein neues Motiv, wird von Daniel Galera aber auf wunderbare Weise umgesetzt.
„Flut“ von Daniel Galera ist kein Buch, dass man nebenbei liest, man muss sich darauf einlassen, aber dann wird es einen nicht mehr loslassen und mitreißen. Ein großartiges Stück Literatur.
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am 31. Dezember 2013
Der Klappentext:
Sein Vater erschießt sich vor seinen Augen, und was ihm bleibt, sind der alte Schäferhund und eine vage Sehnsucht nach Läuterung. Er bricht auf in den Süden und mietet sich in einem kleinen Ort an der Küste ein. Er findet Arbeit als Sportlehrer, lernt eine Frau kennen, unternimmt lange Wanderungen mit dem Hund, schwimmt Stunden am Stück ins offene Meer hinaus. Vor allem aber versucht er ein Familiengeheimnis zu ergründen sein Großvater hatte in der Gegend gelebt, bis er unter ungeklärten Umständen verschwand. Doch ein empfindliches Handicap erschwert ihm die Suche, eine neurologische Erkrankung, er kann Gesichter nicht wiedererkennen. Seine Nachforschungen jedenfalls scheinen die Anwohner aufzuschrecken, Gerüchte machen die Runde, wird er bedroht? Wem kann er trauen, wenn schon nicht sich selbst und seinen Wahrnehmungen? Allmählich begreift er, dass er das gleiche Schicksal wie sein Großvater zu erleiden droht. Und plötzlich steht ihm das Wasser bis zum Hals. §Mit lichter, hypnotisierender Kraft erzählt "Flut" die epische Geschichte einer Suche über drei Generationen, die an die Grenzen des Menschenmöglichen führt.
Quelle: [...]

Der Autor:
Daniel Galera, geboren 1979 in São Paulo, lebt heute in Porto Alegre. Er hat Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane geschrieben. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera hat u. a. Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson übersetzt. Flut ist sein erstes Buch in deutscher Sprache.
Quelle: www.amazon.de

Meine Rezension:
Auf dieses Buch war ich schon recht lange sehr gespannt. Viele Rezensionen haben es mit Höchstnoten bedacht und so fragte ich mich ob es wirklich so gut ist, ob die Rezensionen tatsächlich diesem Buch entsprechen.
Vorab kann ich sagen sie tun es!
Sprachlich sehr ausgereift schreibt der Autor in der eher ungewöhnlichen, namenlosen „Er“-Form. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig kam man schnell ins Buch hinein und wurde gefesselt. Der Protagonist begibt sich auf die Reise in die Vergangenheit seines Großvaters. Zunächst eher zurückhaltend und ohne viele Kontakte, wird er je länger dort verweilt immer aufgeschlossener und taucht ab in die Gemeinschaft des Ortes, wo er jedoch immer wieder auf Mauern des Schweigens trifft.
Je weiter man im Buch vorankommt, umso schwerer fällt es dem Leser das Buch beiseite zu legen. Das Buch, eigentlich zu Schade, es in einem Zug zu lesen, nimmt einen mit auf die Reise und man kommt nicht zur Ruhe bevor man fertig ist. Für mich ist es garantiert nicht der letzte Titel des Autors, ich freue mich schon heute auf weitere Bücher von Daniel Galera.
In der Summe komme ich hier nicht umhin als ebenfalls die Höchstpunktzahl zu vergeben, also 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung
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am 28. Dezember 2014
Daniel Galeras Roman "Flut" ist eine Mischung aus Aussteiger- und Kriminalroman, der auch Elemente der esoterischen Literatur beinhaltet. Ein junger Mann, dessen Vater Selbstmord begeht, beginnt in der brasilianischen Küstenstadt Garopaba fernab seiner Familie ein neues Leben. Er selbst leidet unter Prosopagnosie, einer Nervenkrankheit, die es ihm verunmöglicht, sich menschliche Gesichter zu merken und sie auch nach nur kurzer Zeit wiederzuerkennen. Auf der Suche nach seinem Großvater (von den Dorfbewohnern einst "der gaucho" genannt), dem er zum Verwechseln ähnlich sieht und der vor Jahrzehnten unter ungeklärten Umständen verschwand, richtet er sich in dem Haus, das vormals sein Großvater bewohnte, ein, um sein Verschwinden aufzuklären. Hiervon ausgehend entspinnt sich eine spannend und stringent erzählte Geschichte um Selbstfindung, das Meer, Identität, Liebe, einen Hund und Wahrhaftigkeit in einer Welt, derer sich der Protagonist infolge seiner Nervenkrankheit immer wieder vergewissern muss. Galera ist ein glänzender Erzähler, der sich in einer einfachen und schönen Sprache ausdrückt. Hervorzuheben ist Galeras Fähigkeit, den Roman auch an Stellen, die Falltüren für Klischees oder Berechenbarkeiten bereithalten, gerade nicht in diese abgleiten zu lassen, sondern die Erzählung offen und wunderbar in der Schwebe zu halten. Ich bin daher von "Flut" restlos begeistert und hoffe, dass bald auch noch andere Werke Daniel Galeras ins Deutsche übersetzt werden.
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am 20. August 2013
„Ich weiß nur, dass wir uns nicht frei ent­schei­den kön­nen, aber trotz­dem so leben müs­sen als könn­ten wir es.“ S. 420

Bestimmt das Schick­sal unser Leben oder hängt sein Ver­lauf von der eige­nen Kraft und Moti­va­tion ab? Diese Fra­gen stellt "Flut", der neue Roman des Bra­si­lia­ners Daniel Galera. Der in sei­ner Hei­mat ange­se­hene Autor hat bereits meh­rere Werke ver­öf­fent­licht, pas­send zum Buchmesse-Auftritt Bra­si­li­ens wurde "Flut" als sein ers­ter Titel ins Deut­sche übertragen.

Der namen­lose Held der Geschichte ist um die Drei­ßig, Tri­ath­let und erfah­re­ner Trai­ner. Er berei­tet sich und andere dar­auf vor, die schwa­chen Momente zu durch­ste­hen und aus einem Down wie­der auf­zu­tau­chen. Doch taugt die­ses Trai­ning auch für das Leben? Vor allem, wenn die­ses als vor­her­be­stimmt ange­se­hen wird? Dem jun­gen Mann nüt­zen Aus­dauer und Zähig­keit auf sei­ner Suche nach sich und sei­nen Wur­zeln, was ihn nicht nur im über­tra­ge­nen Sinne gefähr­li­ches Ter­rain durch­que­ren lässt.

Im Pro­log des drei­tei­li­gen Romans, der genau genom­men ein Epi­log ist, erfährt der Leser, daß der Held sein Leben ver­lie­ren wird. Doch die Bezie­hun­gen der Figu­ren erschei­nen noch unklar. Ihre Geschichte erzählt der Roman, der haupt­säch­lich im Küs­ten­ort Garo­paba spielt, dem per­fek­ten Ort um glück­lich zu sein, wie seine Bewoh­ner behaupten.

Dort lebt der Schwim­mer seit er nach dem Selbst­mord des Vaters aus dem tur­bu­len­ten Porto Ale­gre weg­zog. Der Vater hin­ter­ließ ihm einen Hund mit dem Auf­trag die­sen ein­zu­schlä­fern sowie eine unge­klärte Geschichte. Sie han­delt vom Tod des Groß­va­ters, einem Gaúcho, der einst Taquara in Rio Grande do Sul ver­ließ um in Garo­paba sein Glück zu suchen. Damals konn­ten die Bewoh­ner noch gut von der Fische­rei leben und der Gaúcho hatte als Apnoi­ker bei der Har­pu­n­en­jagd sein Aus­kom­men. Doch er blieb ein Außen­sei­ter. Als seine Aggres­si­vi­tät ihn zuneh­mend unbe­liebt machte, ent­le­dig­ten sich die Alt­ein­ge­ses­se­nen sei­ner. Ob es ein Mord war, wurde nie geklärt. Auch Beweise für sei­nen Tod fan­den sich nie. Ledig­lich einige unglaub­li­che Erzäh­lun­gen kur­sier­ten im loka­len Legen­den­schatz, an die sich jedoch bald nie­mand mehr erin­nern wollte. Der Gaúcho hatte für die Leute aus Garo­paba nie existiert.

Vie­les bleibt in der Schwebe in die­ser gut kon­stru­ier­ten Geschichte, die nach und nach das ver­wo­bene Bezie­hungs­ge­spinst des Pro­logs ent­wirrt. Gespannt bewun­dert man die Durch­hal­te­kraft des Schwim­mers, der trotz aller Rück­schläge beharr­lich ein Ziel ver­folgt, an des­sen Ende Erkennt­nis, aber auch Uner­war­te­tes lie­gen. Im bra­si­lia­ni­schen Ori­gi­nal trägt Flut den hand­fes­ten Titel "Barba ens­op­ada de sangue", was sich mit „Blut­trie­fen­der Bart“ über­set­zen lässt. Kämpfe gibt es in die­ser aben­teu­er­li­chen Sinn­su­che, doch Galera schenkt sei­nem Hel­den auch viel Zeit für Phi­lo­so­phie und Natur­be­trach­tung, die dem Leser ein facet­ten­rei­ches Lek­tü­re­er­leb­nis bie­ten.

Eine ausführliche Rezension finden Sie auf meinem Literaturblog "Atalantes Historien".
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am 25. Februar 2016
Ich habe den Roman vollständig gelesen. Aber es fiel mir schwer. Über lange Strecken scheint der Text schnell herunter geschrieben. Mir sind viele stilistische Fehler aufgefallen – und das nicht, weil ich danach gesucht hätte. Es gibt auch viele liebevolle Bilder, doch sind diese "ungeschliffen".
Unterm Strich wirkt der Roman jedoch auf mich, als wäre er nicht gründlich oder oft genug überarbeitet worden. Die positiven Zitate aus der Buchbeschreibung kann ich nicht nachvollziehen. Gar nicht. (Wobei ich nicht weiß, welche Stolpersteine dem Autor und welche den Übersetzern zuzuschreiben sind.)
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