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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kunstvoll und atmosphärisch dicht
Der Inhalt von ‚Moor’ ist in wenigen Sätzen zusammengefasst:

Der 13jährige Dion Katthusen lebt allein mit seiner emotional gestörten Mutter Marga am Rand einer Moorlandschaft. Marga überschreitet die Grenzen einer normalen Eltern-Kind-Beziehung bis hin zum sexuellen Missbrauch. In dieser klaustrophobischen Atmosphäre...
Vor 12 Monaten von Elisa veröffentlicht

versus
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich
"Moor" von Gunther Geltinger, ein schwer zu umreißender Roman. Hauptsächlicher Erzähler ist das Moor, dies hat dem stotternden, wort- und vaterlosen Dion seine Erzählstimme geliehen. Die Handlung dreht sich um Dion, 13 Jahre alt, und seine Mutter Marga/Mira, eine gescheiterte Künstlerin und Mutter, die ihren Sohn alleine im verhassten...
Vor 10 Monaten von jamamashid veröffentlicht


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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kunstvoll und atmosphärisch dicht, 23. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Inhalt von ‚Moor’ ist in wenigen Sätzen zusammengefasst:

Der 13jährige Dion Katthusen lebt allein mit seiner emotional gestörten Mutter Marga am Rand einer Moorlandschaft. Marga überschreitet die Grenzen einer normalen Eltern-Kind-Beziehung bis hin zum sexuellen Missbrauch. In dieser klaustrophobischen Atmosphäre erkämpft sich der Pubertierende dennoch die erste – im wahrsten Wortsinne – zerbrechliche Liebe zur Pfarrerstochter und entdeckt parallel dazu seine homosexuelle Neigung.

Aber auch, wenn eine längere Inhaltsangabe mehr Details anführen würde, wüsste man noch nicht viel über das Buch von Gunther Geltinger, denn er erzählt nicht entlang eines Plots. Seine Geschichte schöpft ihre Kraft aus der Sprache und der kunstfertigen Konstruktion um Erzähler und Erzähltes, aus dem Spiel mit Realität, Erinnerung, Vorstellung und Traum.

Die Ereignisse um Marga und Dion erzählt das Moor, eine Naturgewalt ergreift das Wort. Dieser Kniff ist ungewöhnlich, erscheint aber absolut stimmig, da Dion selber als Stotterer nur über eine innere Sprache verfügt, die er in den seltensten Fällen tatsächlich über die Lippen bringen kann. Das Moor nimmt ihm diese Aufgabe ab, findet die eindrucksvollsten Beschreibungen für seine eigene Schönheit und mäandert assoziativ an den Geschehnissen eines Jahres entlang, wobei der Leser niemals sicher sein kann, was von alledem nun wirklich genauso gewesen ist und was vielleicht ganz anders.

Das wird spätestens dann offenbar, wenn eine vermeintlich „reale“ Marga auftaucht, die das - Jahre später geschriebene - Buch ihres Sohnes liest und sich über die Verzerrungen darin aufregt. Hier schiebt sich Dion als der wahre Wortführer nun doch wieder vor das Moor, dem er nur seine (Schrift-) Sprache geliehen hat, damit es über ihn erzählt.

Das alles ist sehr durchdacht und intelligent gemacht, mit einer Souveränität, der kein perspektivischer Ausrutscher passiert. Vor allem aber ist das Buch atmosphärisch dicht und – trotz oder gerade wegen seiner indirekten Erzählweise – sehr berührend.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit diesem berührenden Buch hat Gunther Geltinger gezeigt, dass er ein großer Schriftsteller werden kann, 13. Januar 2014
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Am Ende meiner Rezension zu Gunther Geltingers Debütroman „Mensch Engel“ im Jahr 2009 schrieb ich:

„Gunther Geltinger ist ein furioser Auftakt gelungen, doch man hat erhebliche Zweifel, ob er noch einmal diese Kraft aufbringen wird für ein Buch, vielleicht auch mal eines außerhalb seiner ghettoartigen Existenz. Er hat viel in Schwulenzeitschriften veröffentlicht, doch ich wünschte mir ein Buch, in dem diese Thematik einmal nicht endlos variiert wird.“

Er hat sich für seinen zweiten Roman viel Zeit genommen und wieder variiert er das Thema Homosexualität, doch er hat es eingebettet in eine Geschichte, die er erzählen lässt vom Moor. An dessen Rand nämlich wächst der 13- jährige Dion Katthusen mit seiner psychisch erheblich gestörten Mutter Marga auf. Immer wieder während der Kindheit von Dion übertritt seine Mutter die Grenzen einer für das Kind gesunden Eltern-Kind-Beziehung, bis hin zum sexuellen Missbrauch.

Dion wächst auf in einer von Geltinger brillant beschriebenen, engen, geradezu gespenstischen Atmosphäre, aus der ihm jedoch erste Schritte eines Ausbruchs gelingen. Er entdeckt sowohl seine Liebe zur Pfarrerstochter als auch seine ersten homosexuellen Neigungen.

Mit einer kräftigen und bildreichen Sprache, in der sich der Erzähler und das Erzählte kunstvoll abwechseln, verknüpft Geltinger immer wieder geschickt die Ebenen von Realität und Traum.

Dion kann, weil er stottert, nur in sich selbst zur Sprache kommen. Deswegen lässt Geltinger das Moor erzählen über den Zeitraum eines ganzen Jahres.

Doch irgendwann kommt der Leser zu einer Stelle, wo es unklar und unsicher wird, ob sich das alles so zugetragen hat, oder alles doch ganz anders war.

Ein Roman voller faszinierender Naturbeschreibungen. Ein Buch über Depression, Sucht und Missbrauch, über erwachende jugendliche Sexualität und um soziale Ausgrenzung von Menschen, die anders sind.

Mit diesem berührenden Buch hat Gunther Geltinger gezeigt, dass er ein großer Schriftsteller werden kann.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich, 21. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Moor" von Gunther Geltinger, ein schwer zu umreißender Roman. Hauptsächlicher Erzähler ist das Moor, dies hat dem stotternden, wort- und vaterlosen Dion seine Erzählstimme geliehen. Die Handlung dreht sich um Dion, 13 Jahre alt, und seine Mutter Marga/Mira, eine gescheiterte Künstlerin und Mutter, die ihren Sohn alleine im verhassten Dörfchen Fenndorf, am Rand des Moores gelegen, aufzuziehen versucht. Ihre Lebensträume sind einer nach dem anderen zerplatzt; als ungeliebtes Heimkind ist und bleibt sie auf der Suche, findet aber immer das Falsche, landet im "Modehaus" als Prostituierte und trifft dort auf Dions Vater ...

Auch Dions Leben besteht aus unüberwindbaren Hürden, einmal die Sprache, an den zackigen Buchstaben zerschellt sein Selbstbewusstsein, alle schwierigen Wortgebilde versucht er mit einem H zu versehen, um sich ausdrücken zu können. Seine Sexualität ist ein weiteres großes schwarzes Etwas, ebenso wie Dions erwachendes Interesse an Männern und Margas krankhaftes Interesse an ihm ...

Die Erzählperspektive ist sehr ungewöhnlich. Der Lebensraum "Moor" nimmt viel Platz ein, wird wortgewaltig und schön beschrieben aber verwirrt und verschlingt den Leser. Auch die von Marga/Mira erzählten Passagen driften immer wieder ab, Rückblenden, Fiktionen, die es schwierig machen, den Faden nicht zu verlieren.

Interessant, aber für meinen Geschmack zu verworren konstruiert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Sprache des Moors, der Blick der Libelle, 2. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer je William Faulkners "Schall und Wahn" las, weiß, wie es ist, wenn man als Leser in eine Sprachsuppe geschmissen wird, die über nahezu einhundert Seiten sich nicht an Chronologie, Zeiten, Zeitabläufe oder auch nur daran hält, wer spricht und zu wem. In Gunther Geltingers Roman MOOR werden wir auf den ersten (und vielleicht doch entscheidenden) Zweihundert Seiten mit genau einer solchen Sprachsuppe konfrontiert. Der dreizehnjährige Dion begegnet uns, der mit seiner Mutter im Moor irgendwo um Hamburg herum lebt, der Vater tot, von den Dorfbewohnern schief angesehen. Dion stottert, und zwar schwer. Er ist ein Kenner des Moores, er ist vor allem ein Kenner der Libellen und ihres Lebens, ihrer Fortpflanzung, ihrer Ernährung, ihres Zyklus, der etwa ein Jahr umfasst, inklusive des Larvenstadiums. Dion weiß um ihre Augen, die als Facettenaugen nicht nur die Welt tausendfach fragmentiert sehen, sondern auch eine vollkommen andere Zeitwahrnehmung suggerieren. Und so wird das Buch formal gestaltet von diesen Parametern: Zeit und Blickwinkel können sich ununterbrochen ändern, neu ausrichten, gedehnt oder verdichtet werden. Dion, so erfahren wir anfangs des Buches, soll ein Referat über diese Insekten halten und er weiß, daß er es nicht wird halten können, aufgrund seiner Sprachstörung. Und als er vor der Klasse Tanja trifft, die unter Osteogenesis imperfecta - also der Glasknochenkrankheit - leidet, weiß diese schon aus seinem Blick, daß er die Schule fliehen wird. Und seine Mutter, die ununterbrochen mit dem eigenen, verpfuschten Leben als nicht anerkannte Künstlerin beschäftigt ist, wird ihm keine Hilfe sein.

Die Unterteilung des Buches verläuft in Herbst - Winter - Frühjahr - Sommer, also etwa einem Libellen-Lebenszyklus folgend, wobei das Auftaktkapitel "Herbst" den Großteil der Erzählung einnimmt, wie auch das Larvenstadium den größten Teil des Lebens einer Libelle einnimmt. Die nachfolgenden Teile - etwas zugänglicher geschrieben - wie Fußnoten, Nachschübe, Epiloge wirken (und der abschließende, nur wenige Seiten umfassende Teil "Sommer", auch wirklich nur noch als Epilog zu lesen ist). Jedes dieser Kapitel wird von einer zentralen Szene bestimmt, wobei es, wie im ersten, lediglich der morgendliche Badegang der Mutter im Moorteich sein kann, den Dion begleitet. Aus der geschilderten Szene leiten sich dann lange Gedankengänge, Reflektionen, Erinnerungen und Beschreibungen ab, die uns weit und tief in das Beziehungsgeflecht dieser beiden - Mutter und Sohn - hineinführen, und je tiefer wir dort hineingezogen werden, desto mehr verlieren wir den Grund unter den Füßen, gerade so, als suchten wir uns einen Weg durch sumpfiges, morastiges Gelände. Und sumpfig-morastig ist das, worauf wir stoßen allemal. Da wird uns berichtet von einer Dorfgemeinschaft, in der Außenseiter wenig zu lachen haben, berichtet wird uns in raunendem Ton von einer Mutter-Sohn-Beziehung, die durchaus bis ans Inzestuöse heranreicht, berichtet wird uns, wie Verletzte und Beschädigte auch in ihrer Verletztheit und der Beschädigung nicht bereit sind, einen menschlichen Blick auf die anderen zu richten. Fast jeder hier schaut auf andere nur aus dem Blickwinkel dessen, der Bestätigung sucht, oder einen Moment der Ablenkung, ein Spiel oder Anerkennung. Und mitten in diesen Dramen der Wirklichkeit, des Alltags, versucht Dion, erwachsen zu werden, versucht zu verstehen, was mit ihm geschieht, versucht seine Träume und Wünsche (einmal richtig sprechen, einmal eine richtige Familie, einmal eine verlässliche Mutter) im Zaum zu halten. Und sich seiner Sexualität bewußt zu werden, die sich einerseits auf die zerbrechliche Tanja fokussiert, andererseits auf seinen Cousin Hannes, der diese Tanja freien darf. Und die eigentlich Besitz seiner Mutter ist, die ihn wieder und wieder malt - nackt, anstelle eines Genitals eine aufragende Libelle - ihn verführt, berührt und damit auch versucht, eine Unschuld wieder zu erlangen, die ihr der Job in einem "besseren" Bordell im Hamburger Rotlichtbezirk aufs Grausamste längst genommen hat.

Dion will uns berichten und wir erfahren lapidar von einer viel älteren Mutter in einem der späteren Kapitel, daß ihm das in einem Buch, also im Schriftlichen, auch gelungen ist. Doch um uns, den Lesern dieses Buchs, von seinem Leben zu erzählen, überantwortet er die Sprache einem vermeintlich "objektiven" Erzähler, einem Erzähler, der daliegt, ewiglich, unbeeindruckt von allem, was um ihn herum oder gar IN ihm passiert - dem Moor. Und das Moor ist ein Erzähler ohne Gnade, Mitgefühl oder zeitlicher Auffassung. Das Moor erzählt alles und alles zugleich, denn in ihm sind die Dinge meist in Sedimenten übereinander gelagert, nicht nach- oder hintereinander. So hat man es als Leser hier mit einem Textkonvolut zu tun, das sperrig ist, wenig Interesse an einer spannenden Geschichte oder einzelnen Szenen, gar Dialogen hätte, sondern das teils assoziativ, springend, teils sich ergänzend in zeitlich weitauseinanderliegenden Begebenheiten berichtet, distanziert gegenüber den geschilderten Schicksalen und letztendlich auf einen Kulminationspunkt hinauslaufend, der wahrscheinlich seit Mitte des Buches feststeht und unumgänglich gewesen sein wird. Doch ist es diesem Textgewinde weniger um Story, Charaktere oder Szenerie zu tun, mehr um Atmosphäre und ein Gespür für die Landschaft, sowohl die des Moors selbst, als auch die inneren Landschaften dieser darin Lebenden, ihr Leben Fristenden.

In diesen Beschreibungen, so der zunehmende Eindruck während der Lektüre, sind das eigentliche Thema dieses Buches. Sprachlich in das scheinbar Un- oder Vorsprachliche vorzudringen, sprachlich das Blubbern des sämigen Moorwassers, das Aufsteigen der Sumpfgase, das Schwirren der Insekten, sprachlich die Stille über der sumpfigen Weite zu erfassen - das sind die Anliegen dieses Buches. Man muß sich einlassen auf diesen Text, er ist schwierig, er ist sperrig, er ist das Erzählte, er offenbart wenig Geheinisse, wenig Plot, keine Spannung. Er legt sich selber offen, Seite für Seite, Zeile für Zeile, Wort für Wort.

Trägt das? In den deutschen Feuilletons tobte im Winter und Frühjahr 2014 ein Streit darüber, wie deutsche Literatur sei - nämlich provinziell, mittelständisch, ohne echte Relevanz - und wie sie sein sollte - nämlich politisch, gegenwartsbezogen und eben dies: relevant. Geltingers Text ist sicherlich ein umfangreiches Argument für jene, wie Maxim Biller, die die Gegenwartsliteratur als selbstverliebt angreifen. Hier ist sich die Sprache genug, hier wird wenig Bezug genommen auf irgendeine Wirklichkeit (anhand einiger Textmarkierungen wissen wir zumindest, daß dies alles VOR der Einführung des Euro spielt, das ist allerdings vollkommen irrelevant für das Verständnis des Textes). Dafür raunt und wispert diese Sprache oft genug und läßt uns natürlich an Droste-Hülshoffs "Knaben im Moor" denken und daran, daß Moor, Sumpf und Heide dem Menschen schon immer eine Heidenangst eingejagt haben. Daß da immer etwas unter der Oberfläche schlummert, das wir nicht greifen können, daß uns immer etwas bedroht, immer und jederzeit an die Oberfläche stoßen und uns mit einer Vergangenheit oder Teilen unserer selbst konfrontieren kann, die wir lieber versteckt gehalten hätten. Das Moor wird uns so oder so zu einer perfekten Metapher, vielleicht gerade für jene Jahre der Adoleszenz, die uns schrecklich und bedrückend anmuten, und in denen wir uns entpuppen, wie Larven im Moor. Doch muß man auch kritisch genug sein und anmerken, daß das alles eben nicht über 440 Seiten trägt. Irgendwann merkt der Leser, daß auch diese Figuren eben Probleme haben, wie wir sie tausendfach kennen, aus unserer Wirklichkeit ebenso, wie aus der Literatur. Und an dem Punkt, an dem der Leser dies gewärtigt, bekommt der Text ein Problem, denn mit einem Mal ist man sich nicht mehr so sicher, ob das hier eine besondere Form des Erzählens ist oder eine besonders raffinierte Form, zu verbergen, daß man eigentlich nicht viel zu erzählen hat? Doch bevor diese Frage zu drängend wird, hat einen schon der nächste Satz, die nächste gewundene Sprachverwicklung tiefer in das Geflecht des Unterholzes, die Stille des Moors, in den gesplitterten Blick der Libelle hineingezogen. Und dafür gibt es dann eben doch 4 Sterne...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metamorphosen im Moor, 13. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit dem Moor verbinden wir Geheimnis und Gefahr. Doch das Moor birgt nicht nur Unheimliches, es bietet Schutz, besonders den Lebewesen, die in der Zivilisation keinen Platz finden.

In diesem Biotop leben die Libellen, die Begleiter Dions, des 13-jährigen stotternden Protagonisten in Gunther Geltingers neuem Roman Moor. Das Moor ist nicht nur Dions Heimat, es ist sein Hüter, sein Element, vielleicht sogar der Erzeuger des sommersprossigen Jungen mit moorbraunem Haar und ebensolchen Augen. Die Landschaft ist der An- und Aussprechpartner des Jungen, dem die wenigen Worte kantig über die Lippen holpern.

Moor erzählt von zwei Außenseitern, Mutter und Sohn, die symbiotisch in distanzloser Beziehung leben. Dion wird als Stotterer und Sohn einer Fremden von seinen Altersgenossen gemieden. Vergeblich sucht er Halt und Orientierung, auch sexuell. Seine Mutter Marga, das heimatlose Heimkind, versucht sich als Künstlerin. Das notwendige Geld besorgt sie beim Hinterzimmerservice eines Herrenausstatters. Dort hatte sie einst Dions Vater kennen gelernt, der sie aus diesem Milieu befreite. Gelandet war sie jedoch nach ihrer Auffassung wieder im Dreck, in Fenndorf, wo das Geld mit Torf oder Schweinen gemacht wird.

Gunther Geltinger schildert in einer Sprache voll beeindruckender Naturbilder das Schicksal von Dion und Marga, zwei labile Personen, die sich gegenseitig kaum Schutz bieten können. Eine Erwachsene, die Depression und Ausgrenzung in die Sucht treiben, und einen Jungen, der in der Dorfgemeinschaft als Sohn der freizügigen Fremden, stotternd und suchend außen vor bleibt. Beide klammern sich in ihrem Überlebenskampf aneinander. Das Moor wendet sich an den Jungen, versucht ihn durch das Du aufzuwecken. So wird ihm die Distanzlosigkeit allmählich bewusst.

Geltinger schildert in seinem Roman das pubertär Drängende, aber auch die brutalen Seiten der Sexualität, überhöht im Paarungsvorgang der Libellen. Die Libellen und ihr Lebenszyklus bilden den Konstruktionsrahmen des Romans. Die durch Erinnerungen, Perspektivwechsel, Vorschau und Assoziationsbilder stark verästelte Handlung unterwirft sich in ihren vier Teilen den Jahreszeiten und folgt damit dem Zyklus eines Libellenlebens.

Eine ausführliche Rezension mit weiterführenden Links finden Sie auf dem Literaturblog „Atalantes Historien“.
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5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll, aber nicht abgehoben, 15. Februar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Endlich wieder ein Roman, der lesbar ist, sich aber nicht in Klischees verliert. Hier hat einer viele, viele Stunden damit zugebracht, allein die richtige Sprache und Perspektive zu entwickeln. Hut ab, auch wenn an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre und eine ökonomischere Erzählweise dem Buch gutgetan hätte.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verwirrend, 19. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das viegelobte Werk hat mich doch sehr verwirrt.Fehlende Dialoge machen es sehr schwierig und die Sprache ist oft sehr lang, man hat den Eindruck von nimmer endenden Sätzen.Die eigentliche Handlung ist wie das Leben der Protagonisten sehr chaotisch, der Kern des Inzest wird auch nur mehr gestreift als thematisiert.Das Ende ist letztendlich auch nur schwer begreiflich.Die dichten Beschreibungen von Moor u. Natur, Flora und Fauna dominieren.Hatte noch mehr erwartet.
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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert!, 16. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was Menschen tun, um der Einsamkeit zu entkommen, wie sie andere verletzen, um die eigene Versehrtheit an Körper und Seele auszuhalten, und was sie dabei der Liebe zumuten und abverlangen, davon erzählt dieser Roman – sprachmächtig, bildmächtig, kühn; und mit einer den Naturgewalten abgelauschten Erzählerstimme, die dem Leser buchstäblich den Boden unter den Füßen entzieht.Besser hätte ich es nicht sagen können!
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1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen völlig verunglücktes konzept, 26. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Moor (Kindle Edition)
dieses buch ist ein ärgernis - trotz guter grundidee misslungen umgesetzt, hier hat wieder einmal ein autor zuviel gewollt und zwischen 2 buchdeckel gepresst. ein rätsel, wie es zu einer positiven besprechung im "spiegel" kommen konnte. wollte da jemand dem autoren einen gefallen tun?
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0 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gunther Geltinger, Moor, habe ich auf Empfehlung einer Freundin bestellt; gefällt mir aber nicht., 6. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Moor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gunther Geltinger, Moor, habe ich auf Empfehlung einer Freundin bestellt; gefällt mir aber nicht. Ist mir zu düster und grausig
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Moor: Roman
Moor: Roman von Gunther Geltinger (Gebundene Ausgabe - 9. September 2013)
EUR 22,95
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