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Kundenrezensionen

15
4,5 von 5 Sternen
Zeilen und Tage: Notizen 2008-2011
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In Zeilen und Tage hat Peter Sloterdijk seine persönlichen Gedanken zu Ereignissen in den drei Jahren ab 2008 nun veröffentlicht. Peter Sloterdijk spricht hier an vielen Stellen oft das aus, was man damals gedacht hat. Sehr gelungen fand ich viele seiner Reflektionen, Gedankensplitter oder geäußerte deutliche oder versteckte Kritik an bestehenden Strukturen, Aktionen und auch an Regierungen.
Die Aufzeichnungen zeigen einen Querdenker und Menschen, der dabei mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist und der sich nicht scheut Dinge mal auf den Punkt zu bringen. Das Buch wird sicherlich nicht jeden Leser ansprechen oder begeistern, für aufgeschlossene Leser ist es eine durchaus unterhaltsame und witzige Lektüre.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eines der unterhaltsamsten Tagebücher / Journale / Arbeitsjournale / Notizbücher überhaupt (oder wie immer man Peter Sloterdijks ZEILEN UND TAGE noch nennen mag) ! Und schon in den Vorbemerkungen ist zu lesen, dass es davon keine Fortsetzungen geben wird: "Weitere Editionen von Notizbüchern sind nicht vorgesehen".

"SPUREN INS POSTHUMIEN" ...................... Sloterdijk lästert, durchschaut, berichtet, rekapituliert immer mit Distanz; sein Lästern ist liebevoll, keine richtig bösen Thomas-Bernhard-Sätze, und kein selbstverliebtes Jammern wie bei Fritz J. Raddatz. Man wird süchtig danach. Stets im schnellen Ortswechsel Wien - Karlsruhe - Berlin, gelegentlich können es auch Salzburg (die Salzburger Festspiele) und Abu Dhabi sein. "Mit der obligat verspäteten Bahn zurück nach Karlsruhe, wo ein dichtes Terminprogramm wartet.", Seite 181. Oder auf Seite 49 : "Ärger mit Lauda Air, nicht zum ersten Mal. Größere Verspätung." Der Leser versucht sich den verärgerten Peter Sloterdijk vorzustellen. Meist gelingt es.

Und noch eine Frage aus einem Publikumsgespräch nach einem Auftritt in Paris (14.Mai 2008): "Seit wann ist Ihr Friseur im Gefängnis?".

Macht sehr großen Spaß ! Vielleicht kann man beim Suhrkamp Verlag Sloterdijk überreden, doch noch MEHR DAVON, mehr von seinen Notizbüchern zu veröffentlichen ???

( J. Fromholzer )
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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. August 2012
Gemeinhin lobt und liebt man ein Buch, in welchem „genau das steht, was ich immer schon sagen wollte, aber nie die rechten Worte dafür fand“. Sloterdijk hingegen liebt und lobt man, weil bei ihm das steht, was man nie gedacht hätte, weil er um ein, zwei, drei Ecken mehr schaut, weil er Zusammenhänge offensichtlich macht, die im persönlichen Horizont unsichtbar schienen, weil er Ideen dort weiterdenkt, wo andere an ihr Limit kommen, weil er eine eigene unerhörte Sprache dafür findet. Sloterdijk ist – wie Nietzsche einst – keine Bestätigung, er ist Verunsicherung und Insult und regelmäßig fühlen sich die entsprechenden Zielgruppen provoziert und auf den Fuß getreten. Fehler, Schnellschüsse, Widersprüche? Na klar! – who cares? Hier geht es nicht nur um richtig und falsch, hier geht es um relevant oder redundant.

Das Feuilleton streitet sich darüber, ob er der bedeutendste oder größte deutsche Denker oder aber nur ein Scharlatan sei. In Wirklichkeit sind das alles Kategorienfehler, sinnleere Reflexvokabeln. Als gälte hier ein quasi-olympischer Maßstab. Man muss stattdessen nach Aufmerksamkeit, Aufgewecktheit, Perspektive fragen, nach Luzidität. Vielleicht ist er primär noch nicht mal ein Denker, sondern eigentlich ein Seher – nicht im prophetischen, nicht im Heideggerschen oder Georgeschen Sinne, sondern im tatsächlich olympischen: weiter, tiefer, höher – treffender. Selbst im Widerspruch – und den gibt es zuhauf – muss man das Originelle anerkennen. Das ist gefährliches Denken par excellence, das auch die Blamage riskiert.

Sloterdijk zwingt den wohlwollenden Leser zu einem makabren Paradox. Man wünscht sich sein langes, produktives Leben, aber indem er seine Kladden nur punktuell veröffentlicht und die Masse zurückhält, hofft man zugleich auf eine posthume Ausgabe der Tagebücher, Briefe, Reden und Manuskripte.

Ganz persönlich: Sloterdijk lesen ist für mich eine Revitalisierungsübung, ein Synapsenfeuerwerk, eine Hirnfrischzellenkur, der ich mich seit langem schon immer wieder unterziehen muss. Und darf!
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. August 2012
Sloterdijk ist grundgelehrt und schreibt amüsant.
Er stammt noch aus einer Zeit, in der 'die Autoren dummerweise dachten,
die Leser müssten sich auf den Weg zu den Bücher machen, nicht die
Verfasser auf den Weg zu den Lesern'. Selbst an Tagen, wo es ihm schlecht
geht, hält er sich an die Moral des Zirkuspferdes: Wenn schon zusammenbrechen,
dann in der Nummer.
Man kommt nicht nur in seiner Lese- und Gedankenwelt herum mit Sloterdijk,
sondern man ist mit zu Gast bei der Beatrix, bei Hans Ulrich Gumbrecht oder fliegt
mit Emirates Airlines sonstwohin:
'Die gelassen vorgestreckte Kopfhaltung der Kamele am Strand neben dem Hotel'.
In England schreibt er: 'Manche großen Bäume stehen da wie vergessene Schatzkanzler.
Man lässt sie in der Illusion, noch im Amt zu sein, und sie berufen die übrigen Gewächse
in ihr Kabinett'.

Und weiter, dass er sich bemüht habe, das Belanglose und das Peinliche wegzulassen
zugunsten des Merkwürdigen und Amüsanten , sich aber nicht sicher sei, nicht dauernd die
Kategorien verwechselt zu haben. Und, dass die Leser nicht befürchten müssten, dass er nun
weitere Notizen veröffentliche. Aber als er an einer Pferde-Messe unter offenem Himmel vorbeikommt,
wo schöne Tiere, Sportzubehör und 'Horse-Care' Artikel verkauft werden, fällt ihm ein Stand auf,
mit dem Schild 'Gebrauchte Hindernisse' : 'Sollte ich jemals Memoiren schreiben, werden sie
so heißen'.

Auf einer Podiumsdiskussion werden die Fragen im Hut eingesammelt und die dritte Frage ist:
'Seit wann ist Ihr Friseur im Gefängnis?' Die Antwort 'Seit 1968', sei ihm leider nicht
gleich eingefallen.

Über die oft beflügelnde Wirkung beim Hören von großen Tenören: 'Die Männerstimme, die nach oben
keine Grenze anerkennt, zeigt an, wie das Unmögliche ins Wirkliche übergeht'. Und über das den Sängern
Gratulieren nach einer Aufführung: ' Eigentlich ein absurder Sprechakt, denn Sänger stehen nach dem
Ende der Vorstellung scheinbar inmitten der Leute, von denen sie sich feiern lassen, in Wirklichkeit
sind sie noch in einem Zwischenreich, in dem sie Gäste und Kollegen als redende Farbflecke wahrnehmen'

Über die Wahl Obamas: 'Die Amerikaner haben den Hauptschalter umgelegt..Er hat die Welt verändert
nur dadurch , dass er gewählt wurde. 'Dieser Mann, über dem die Sterne blinken, bringt etwas mit,
das ihn zu einer historischen Figur machen könnte. Er scheint dazu prädestiniert, nicht nur ein
alter Trottel auf einem Dollarschein zu werden, wenn seine Zeit vorüber ist, sondern eine Gestalt
der neueren Geschichte in der Nachbarschaft von Roosevelt, Churchill oder de Gaulle'.

Und vielleicht dies noch: 'Man staunt über die Unverfrorenheit der Spießer, die von einem philo-
sophischen Buch unserer Tage verlangen, was sie von den Reden Buddhas und vom Neuen Testament
nicht zu fordern wagten: Die unmittelbare Wegweisung für das ganze Leben. Doch wenn du zu schwach
bist für die alten Doktrinen, wie kannst du dir einbilden , eine neue könnte es dir recht machen?
Alle Welt brennt vor Verlangen nach einer neuen verbindlichen Schrift, doch läge sie vor, man würde
an ihr herumnörgeln wie an einer Seminararbeit. Nimm an, es gäbe wider Erwarten ein Buch, das eine
Synthese aus dem Deuteronomium, der Kritik der praktischen Vernunft und Krieg und Frieden böte, würde
man nicht in ihm lustlos herumstochern? Dem Weisungen-Sucher wäre es zu erzählerisch, dem Romanleser
zu argumentativ, dem Ethikfreak zu undeutlich'

'Wer die Mandelhaine in der Provence liebt, wieso sollte der in der Estremadura nicht glücklich sein?'
Das nennt er 'Übertragungsliebe' bei Landschaften. Irgendwie wusste man davon, aber wann wurde es je so
schön gesagt?

Und die Tiefe dieses Statements aus der Hochkultur kann wohl nur der wahre Opernfreund ermessen:
'Sex und Oper haben gemeinsam, dass das eine wie das andere nur so 'gut' sein kann, wie es übertrieben ist'.

Sogar gibt es Neues zu Goethe: 'Permanent macht er das Große Graecum, das Große Persicum,
das Große Sinologicum. Zuletzt ist er ganz Chinese und spielt mit sich selbst Verbotene Stadt'.
Über die etwas hypertrophierte Beerdigung des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk schreibt er, dass
nur Pferde mit Beerdigungs-Erfahrung die Kutsche ziehen durften.
Um dieses welthaltige Buch zu lesen, bedarf es keiner Sloterdijk-Erfahrung.

Als seinen schönsten Rechtschreibfehler nennt er: 'Berufsevolutionär'
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34 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. August 2012
Zeilen und Tage: Notizen 2008-2011 Wir alle, soweit wir als Leser interessiert sind an Aufklärung, Wahrheitssuche, Philosophie, Kultur, Wissenschaftskritik und Kunst, wir alle sollten uns bei Peter Sloterdijk bedanken, weil er uns mit diesem seinen neuen Buch wahrhaft beschenkt hat, denn rund 25 Euro für derart intelligente und hochkonzentrierte Gedanken auf 639 Seiten, mehr kann ein Süchtiger nach gehaltvollen Texten Suchender für sein sauer verdientes Geld tatsächlich nicht erwarten.

Ein Philosoph, also einer seiner gedanklichen Vorgänger, ich glaube, es war Hegel, hat einmal sinngemäss gesagt, Philosophie sei ihre Zeit in Gedanken gefasst. Es war ein Franzose, und zwar Paul Valéry, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, und das dann auch durchhielt, sich jeden Morgen hinzusetzen, weil er das für seine kreativste Tageszeit hielt, und alles aufzuschreiben, was ihm als fragenden Philosophen und Zeitzeugen - hochreflexiv - so in den frisch ausgeschlafenen Sinn gekommen ist. In seiner siebenbändigen Werkausgabe bei Suhrkamp kann man das mit Staunen und sehr nutzbringend nachlesen. Valéry hat nur - für den an Chronologie interessierten Leser - den "Fehler" begangen, diese seine Gedankenmasse nach Feldern, Kategorien und Sachgebieten in großen Zügen zu gliedern: das kann das Suchen leider sowohl erleichtern, aber auch erschweren. Sloterdijk, der - wie Valéry - über einhundert Tagebücher (Hefte = Cahiers) angesammelt hat, indem er ebenfalls jeden Morgen hinsetzte und den vergangenen Tag in allem Erlebten Revue passieren liess, macht das anders: kreativ-bockig, wie er immer ist: Sloterdijk hält die Chronologie bei, und er verspricht (fast feierlich), es sollen NICHt sieben Bände werden, jedenfalls nicht zu seinen Lebzeiten, denn er will - wenn es allein nach ihm gehen wird, (woran ich zweifle), es solle bei diesem einen Band bleiben. Ich, für mein Teil, bedaure dies jetzt schon: denn ich würde als 83jähriger Leser, der bislang alle seine Bücher gekauft und auch gelesen hat, ich bedaure es also jetzt schon, auf diese Weise wohl niemals erfahren zu können, was der 1947 geborene Peter Sloterdijk so alles zu bemerken gehabt hat über die nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg sich unaufhaltsam unter der Ägide der Alliierten sich langsam entwickelnden neuen deutschen Doppelrepublik und ihre vielschichtigen Einwohner, soweit die selber so einiges zu denken und zu sagen hatten. Aber gut, ich alter Sack, geboren am Heiligen Abend des Jahres 1928 bin nun doch über alle Maßen zufrieden mit dem, was uns der Zeitzeuge Sloterdij hier vorlegt.

Sloterdijk lässt hier nicht nur den Zeitgeist antanzen, indem er sich als eigene Texte singender Wahrnehmungsbarde auf die Zeugenbühne begibt, nein, der Ausnahmephilosoph Sloterdijk, geistig aufgewachsen im Trotz gegen die Unhaltbarkeiten der Alten Frankfurter Schule der Horkheimer und Adorno und der Neuen Frankfurter Schule seines liebsten Konkurrenten Jürgen Habermas, dieser Peter Sloterdijk zeigt es uns allen, was es bedeuten kann, und was es für soziale und gesellschaftliche Folgen es haben kann, wenn man entweder mit eigenen Wortschöpfungen die sich stetig wandelnde Zeit begleitet, oder wenn man einfach kritisch und doch wohlwollend aufmerkt und es dann auch notiert und dem möglichen Vergessen entreisst, was seine anderen reflexiv und selbstreflexiv interessierten Zeitgenossen so zu sagen wissen zu dem, was um sie und um uns herum so vor sich geht und sich so evolutionär wandelt im sozialen Verhalten, soweit es sich semantisch und strukturell zeigt in dem, was die Medien aller Art so reden und damit selber zum sozialen Wandel beitragen. All denen, die mir - aus welchen Gründen auch immer - ein wenig vertrauen, kann ich nur empfehlen, sich dieses einmalige Buch so schnell als möglich zu beschaffen, damit sie - im besten Sinne des Wortes - mitreden können in einer schon fast vollkommen durchmedialisierten Welt, in der sich alle gesellschaftlichen Erscheinungen und Ausprägungen wirklich und tatsächlich schneller wandeln und in ihren äusseren und inneren Erscheinungsformen verändern, als es ein mit normalen Aufmerksamkeitsgaben ausgestatteter Bürger, Wähler und Leser überhaupt noch aufnehmen und verarbeiten kann. Ich wünsche allen, die dieser meiner dringenden Leseempfehlung folgen, viel Freude bei neuen Erkenntnissen und viel Genugtuung, sagen zu können, man sei doch aufmerksam dabei gewesen. (Rudi K. Sander, Bad Schwalbach).
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Januar 2014
Vermutlich fällt die Entscheidung, ob jemand ein solches Buch gut findet oder nicht, schon vor bzw. mit dem Kauf: man kann wissen, dass es um die Welt- und Selbstsicht eines einzelnen Menschen geht, im Zweifelsfall vorwiegend Alltägliches und Banales, mit einigen Preziosen (hoffentlich) durchsetzt, die die unvermeidlichen Längen ausgleichen. Wer den sonstigen Gedanken/Büchern des Autors etwas abgewinnt, wird eher eine positive Bilanz ziehen, weil er im besten Falle so manchen Hinter- bzw. Außenrum-Gedanken der "offiziellen" Äußerungen versteht. Wer die Ideen des Autors - noch dazu eines oft polarisierenden wie Sloterdijk - weitgehend ablehnt, braucht erst recht nicht dessen Tagebuch, außer um die eigene "Hasslust" zu befriedigen.
Ich gehöre in diesem Fall der ersten Gruppe an, habe es deshalb gekauft und über weite Strecken genossen.
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am 19. Dezember 2014
Herr Sloterdijk legt "Sechzig verweht" vor. Angenehm. Dickes Buch. Das erste seit längerer Zeit das ich mit einem gewissen Enthusiasmus durchgelesen habe. 7 schöne Abende. Würde jetzt gerne weitere "Zeilen und Tage" bestellen, die es aber leider nicht gibt. Bitte viel mehr davon und gerne auch mehr "Baum und Strauch". Eventuell kommen ja auch noch "Stahlgewitter".
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 19. August 2012
"...Du Morgenmond, du kühler gelassener, voller Mond, du - Ich grüße Dich, den ich wiedererkenne, denn oft schon traf ich dich an, wenn ich die Läden
meines Fensters öffnete zu dieser Stunde, nie derselben und doch immer der gleichen, die für mich die Stunde ist, in der mein Geist seinen Dienst aufnimmt."
(Paul Valery)

Diese reine Stunde, die noch für sich ist, weil die Dinge der Welt sich noch nicht einmischen, - nicht sich in Valery einmischen - ist eine Art von lyrisch betonter Rahmenbedingung, die für Valery gilt und den Peter Sloterdijk (1947-) natürlich bewusst in seine Einleitung einbezieht. Valery unterlag der Ordnung in Kategorien, Sloterdijk unterliegt der Ordnung der Chronik und nun lesen wir hier eine spannende, privat-philosophische Reise durch die Jahre 2008 bis 2011, diesseits von Mensch und Zeit. Nichts oder fast nichts entgeht diesem essayistischen Philosophen, nichts dem philosophischen Essayisten.

Der exakte Beginn ist der 8. Mai 2008 und der letzte Eintrag datiert auf den 8. Mai 2011. Nun ist der 8. Mai ein besonders Datum, für den einen ist es die Kapitulation, für den anderen die Befreiung. Zweimal dieses Datum ist für Sloterdijk kein Zufall, der schon mal den starken Grund, zusammen zu sein als eine Erinnerung an die Erfindung des Volkes festmachte und dieses in einem Essay mit dem 9. November verband.

Diesem Menschen Sloterdijk begleitet man auf seinen interessanten Reisen, seinen Vorträgen, seinen Ideen, Maximen und Reflexionen und findet viel Amüsantes und Aphoristisches zwischen Wissen, Denken und Wein. Dass hier so manch starke These abfällt, muss nicht wundern, sind es doch gerade die Menschen, die Abseits des Stroms sich zu Wort melden und Innovationen und Klarheit betreiben. Zu sagen, was alle sagen, ist pure Tautologie und damit überflüssig.

Seit 40 Jahren unternimmt Sloterdijk dieses Projekt der Selbstreflexion, der Gedankenfokussierung und der Gedankenfreiheit. Lesespaß und -erlebnis kommen auf den Leser zu, weil es Sloterdijk gelingt, ideenreich zu aktuellen Themen Stellung zu beziehen, vorbereitende Passagen zu seinen Büchern zu denken, Ruhe und Abstand zu der Welt mit der Netzkultur in Vergleich zu bringen, mit Ehrlichkeit und Direktheit manchen Mitgenossen zu beschießen und die Politik mit freiwilligen Abgaben in Unruhe zu versetzen.

Was ihn selbst betrifft, so muss er Aufmerksamkeit gegen Indiskretion abwägen und damit wird sein Schreiben zwischen Entblößung und Verbergung oszillieren. Nun, dass er nicht alles sagt, liegt auf der Hand, denn er beginnt mit seinem Schreibheft 100ff und sichert schon heute zu, dieses sei sein einziges Buch hierzu. Inwieweit er die alleinige Hoheit über die Entscheidung hat, mögen wir nicht beurteilen, aber augenfällig wird in Erinnerung an Rousseaus Bekenntnisse, dass Sloterdijk wie damals Rousseau schon die Bitte haben könnte, posthum Weiteres zu veröffentlichen.

Was macht diese datierten Notizen so lesenswert? Sie sind ein Zeitdokument, nicht als rein historische Abhandlung, sondern im Widerstreit mit dem Geist und dem Ungeist der Zeit. Sie zeigen ohne Rücksicht das Talent zur Polemik, sie bewerten die Fragen von Gleichheit und Ungleichheit, sie zeigen die Annäherung von Herr und Knecht mit Hilfe von Rollenkoffern, sie erhellen Gegebenes durch Satire und Ironie und sie dokumentieren, dass Bescheidenheit nicht mehr ist als eine egalitäre Asche über elitärer Glut. Und sie offenbaren eine gewisse Verletzlichkeit des Peter Sloterdijk, insbesonders dann, wenn im Internet seine Werke, Reden ohne Bezug zum Inhalt abgestraft werden. Und auch weiß man nicht nur seit diesen Tagebüchern eine gewisse Freude an der Frivolität des Lebens zu entdecken. All das ortet ihn nah dem Leben, auch wenn er dem Geist so weit entfernt scheint oder er sich soweit enthoben darstellt. In allem steckt selbst-referentiell vielleicht, was in der Replik auf Spaemann und seinem letzten Gottesbeweis deutlich wird: im Futurum exactum das anerkennende gelebt haben werden zu manifestieren, um in die Archive dieser Welt einzugehen. Während Spaemann sich im Archiv GOtt beheimatet, sieht Sloterdijk die Menschen mit gleichem Interesse, nämlich irgendwie unsterblich zu werden, sich der Transparenz des Selbst via Internet hinzugeben. Nichts scheint mehr verheimlicht werden zu müssen, die totale Selbstveröffentlichung sichert digitale und ewige Präsenz.

Wiewohl Sloterdijk den direkten Weg zu sich vermeidet, findet man zwischen den Zeilen die Liebe zu beredten Gesprächspartnern, die Liebe zu exzellenten Weinen und eine mindere Beflissenheit zum Sport, mit Ausnahme des Rades. Was er auch vorführt, zeigt, was für ein Intellektueller er ist. Und hier fühlt er sich auf einem Terrain sicher und mehr als gut, jenseits aller Bescheidenheit. Ihm in seinem Wissen um Fakten und Verbindungen zu widerstehen, ist ein Kraftakt, den wenige können, gar wagen. Sein perfektes Übungsbuch, nach dem letzten Satz aus Rilkes Torsogedicht benannt, ist eines, dass sich hier spiegelt aber dennoch die reine Askese bei Sloterdijk in Frage stellt. Nun, er ist nicht Säulenheiliger, er ist durchaus vom Genuss beraten und vom Witz beseelt. Nicht umsonst ist die Frage, seit wann sein Frisör im Gefängnis sei, zu beantworten mit: seit 1968. Mit dieser Selbstironie liest man diesen großen Philosophen und Essayisten gern, der aufruft zur Selbstgestaltung, aber auch weißt, dass alle zu fett sind für den Aufstand - auch im weitesten Sinne.

Ja, lesen Sie die Reiseerlebnisse und Reisegedanken, lassen Sie sich entführen und begleiten Sie im Geiste diesen "Heute-hier-Morgen-da" Mann, diesen fahrenden Denker, der nicht nur aus den Koffern lebt.
~~
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25 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. August 2012
Liebe Leute,

Peter Sloterdijk war nie ein klarer Denker. Er war immer und ist ein Assoziationskünstler. Nicht selten gleichen seine Assoziationskunststücke bunten Schwaden, die so einzigartig und interessant sind, daß sich der Betrachter denkt: "Darin MUSS sich doch etwas Aufregendes verbergen!". Manchmal findet man wirklich etwas, dessen Bedeutung man dann selbst enträtseln kann. Manchmal genügen die Rauchkringel und Luftschlösser sich selbst, ohne freilich dabei, wie Mörikes (also Heideggers) Lampe, einen erleuchtenden Mehrwert zu schaffen. Die meisten seiner Kunststücke hat man schnell vergessen. Nur das Nachbild sprachlicher Kunstfertigkeit bleibt.
Diese Tagebuchaufzeichnungen kreisen sehr um das Leben des Verfassers. Der biographische Ertrag ist eher dürftig. Seitenlang lesen wir von Auszeichnungen, Ehrungen, Hevorstreichungen, Preisen - und den eher minder selbstironischen Reflexionen Sloterdijks darüber und über sich selbst. Das geht bis zur Peinlichkeit und zum Fremdschämen des Lesers. Es fehlt fast durchgängig an der grimmigen Ironie Thomas Manns oder an der sprachlichen Subtilität Franz Kafkas. Dafür entschädigen leider nicht die verstreuten gelungenen Momente, die hier immerhin drei Sterne retten.
Vor vielen Jahren erhielt ich Einblick in ein handgeschriebenes Buchungsjournal. Auf einer Doppelseite (der amerikanischen Buchführung) waren viele Zahlen aufgelöst und verschmiert. Daneben stand in gestochener Schrift: "Diese Seite habe ich geschrieben, während im Fernsehen die Amtseinführung von Nelson Mandela übertragen wurde. Ich mußte so weinen, daß die Zahlen nicht mehr leserlich sind. Es tut mir leid." Das Sentiment hatte die Aufzeichnung der Wirklichkeit vernichtet, ohne etwas von eigenem Wert an deren Stelle zu setzen. So sehr ich Sloterdijk schätze: diese Hervorbringung ist das Geld nicht wert. Es sei denn, ihr werdet von Pocorn satt.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. November 2012
Ich liebe es, intelligenten Menschen beim Denken zuzuschauen. Wie aus Beobachtungen dieser Menschen schließlich Verallgemeinerungen, Abstraktionen und vielleicht auch Provokationen entstehen.
Sloterdijk muss natürlich etwas Exhibitionistisches in sich tragen, die Notizen, die nie zur Veröffentlichung bestimmt waren, doch schließlich unter das Volk zu bringen. Es gehört schon eine gewisse Eitelkeit dazu, zu glauben, auch beiläufige Morgennotizen könnten von Interesse sein. Wieso glaubt er gerade jetzt, dass er doch veröffentlichen sollte? Geldmangel?
Aber diese Notizen hier sind wirklich relevant. Der Leser bekommt ein anregendes Denktagebuch, eine Fundgrube an Ideen, Reflexionen und Meinungen. Er wird Zeuge einer ernsthaft betriebenen und nicht nur passiv-konsumierenden Zeit-genossenschaft.
Das Buch lohnt sich also in jedem Fall.
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