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4.0 von 5 Sternen Farbige Beschreibung, aber zu viel Sex
Ein sehr farbig beschriebener Roman, durch die plastische Erzählweise begleitet der Leser die Hauptperson in einem fremden Alltag. Es ist interessant, ohne dass es sehr spannend wird. Die Erzählweise des Autors ist ungewöhnlich und erschwert das Lesen ein wenig, gerade dadurch gewinnt das Buch aber, wie gewöhnlich erzählt würde es...
Vor 10 Monaten von Milchkalender veröffentlicht

versus
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Buchstabenmönchin
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, einen wirklichen Spannungsbogen werden wir hier kaum finden. Im Mittelpunkt steht die Typografin Marleen Schuller, die einen Weg mit der Schrift und ihrer Gestaltung geht, über ihr Studium in Kassel, geht ihr Weg über Paris bis nach New York. Ihre innere Ausgerichtetheit ist der Schrift und ihrer Gestaltung, dem...
Vor 22 Monaten von A. Zanker veröffentlicht


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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Buchstabenmönchin, 10. September 2012
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, einen wirklichen Spannungsbogen werden wir hier kaum finden. Im Mittelpunkt steht die Typografin Marleen Schuller, die einen Weg mit der Schrift und ihrer Gestaltung geht, über ihr Studium in Kassel, geht ihr Weg über Paris bis nach New York. Ihre innere Ausgerichtetheit ist der Schrift und ihrer Gestaltung, dem was Schrift heute ausmacht, auch wenn wir vielleicht gar nicht immer den Hintergrund ihrer Entstehung erahnen. Eine Geschichte, die ein wenig vor sich dahin dümpelt, für meine Auffassung viel zu wenig konkret wird, vieles wird nur angedeutet, der Leser darf sich selbst seinen Reim darauf machen.

Wenn man Sätze liest, wie "Im nächtlichen Garten hört man die Gräser lispeln", kann man dies als Poesie auffassen, oder eben als einen Versuch, der den Leser nur wenig erreichen wird. Da wird von Eltern erzählt, die einst in Poona bei Bhagwan waren, der eigene Partner Franz verkrümmelt sich ins Kloster, sodass Marleen mit ihrer Einsamkeit konfrontiert wird, ihren Sohn wird sie alleinerziehend begleiten. Ein Romanbemühung, wo Gefühle oder Gefühltes auf Diätrationen gesetzt sind, man wird sie hier kaum finden, das Ganze wirkt wie emotionslos geschrieben.

Der Roman macht auch ein paar Schritte zurück, geht bis in die Kindheit von Marleen in den siebziger Jahren, wir begleiten sie Mitte der sechziger Jahre bis in die neunziger Jahre.

Wer sich für die Entstehung und Entwicklung von Schrift interessiert, ihre Geschichte und Weiterführung, dürfte an diesem Roman Interesse bezeugen. Doch setzt die Entwicklung durch das heutige Computerzeitalter auch dem irgendwann ein Ende, spätestens hier, als Marleen in den neunziger Jahren, damit in Amerika konfrontiert wird...Was einst Kunstwerk und Kreativität der Typografin war, scheint hier immer mehr die Softwaretechnologie zu übernehmen...Trotz poesiehaften Ansätzen, eine verblassende Story, die keinen wirklichen bleibenden Eindruck hinterlässt...
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4.0 von 5 Sternen Farbige Beschreibung, aber zu viel Sex, 17. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr farbig beschriebener Roman, durch die plastische Erzählweise begleitet der Leser die Hauptperson in einem fremden Alltag. Es ist interessant, ohne dass es sehr spannend wird. Die Erzählweise des Autors ist ungewöhnlich und erschwert das Lesen ein wenig, gerade dadurch gewinnt das Buch aber, wie gewöhnlich erzählt würde es verflachen.

Nicht ausführlich, aber regelmäßig geht es um Sex. Mir war das zu viel, ich fand es unangenehm, sonst hätte es 5 Sterne gegeben.
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3.0 von 5 Sternen Eine Frau will nach oben, 21. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau will nach oben, und sie weiß auch schon,wie, seit früher Kindheit weiß sie es: Sie möchte eine Schrift entwickeln. Und das ist mal ein neues Thema für einen Roman. Man mag es kaum glauben, aber obwohl jedes Buch, aus gedruckten Buchstaben besteht, gab es bisher noch keinen Roman, jedenfalls kenne ich keinen, der sich explizit mit dem Thema Typografie beschäftigt, jener Kunst, die die meisten gar nicht als solche kennen, Buchstaben zu entwerfen, oder besser gesagt Typen.

Man findet sie bei jedem Word-Programm neben der Schriftgröße, sie heißen Arial, Times, Palatino, Garamond oder wie hier Kosmos und Tempi Novi. Bei diesen beiden handelt es sich um Entwicklungen des Schriften-Gurus Titus Passeraub, bei dem die Frau, die nach oben will, in die Lehre geht. Diese Frau heißt übrigens Marleen Schuller, hat zwei Schwestern, eine jüngere und eine ältere, und einen kleinen Bruder, der wie eine der Figuren aus den "Peanuts" heißt, nämlich Linus. Ihr Vater Petrus Schuller hat in der Werbebranche Karriere gemacht und die Kampagne für den Tampon "o.b." entwickelt - auch einen Tampon als zentrales Motiv eines Romanabschnitts habe ich noch nie gelesen -, sich dann auf dem Gipfel einer Sinnfindungskrise, die aber im Roman nur eine Randnotiz ist, in einen indischen Aschram begeben und Frau und Kinder einfach zurückgelassen. Als er Jahre später nach Deutschland zurückkehrt, ist er für seine Tochter nur noch eine Zeitungsmeldung.

Zu diesem Zeitpunkt hat Marleen bereits zu ihrem großen Karrieresprung angesetzt, der sie schließlich bis nach New York führen wird, Anfangs- und Endpunkt der Romanhandlung.
Während sich Marleens typografische Karriere für Laien dieser besonderen Kunst auf die Dauer ziemlich langatmig liest, wird es ein wenig dramatischer, wenn der Autor einen Blick in ihr Privatleben wirft: Da ist die zum Hedonismus neigende Christina, die kleine Schwester, und die große Johanna, ganz das Gegenteil, eine regelmäßige Kirchgängerin. Da ist ihre Mutter, die sich schließlich auf einen Geistlichen einlässt und diesen zu einem Berufswechsel veranlasst. Da ist aber vor allem Franziskus, Franz genannt, ein Kommilitone aus der Kasseler Uni-Zeit, der Marleens große Liebe wird, ein Zauderer aber, ein Unentschlossener, der ihr viel Kummer machen wird, indem er sich immer dann aus ihrem Leben schleicht, wenn sie beschlossen hat: So ist es gut. Am Ende wird sie - nomen est omen, gerade in Zeiten, wo ein Franziskus die Römisch-Katholische-Kirche anführt, wovon der Autor aber nichts wissen konnte, als er dieses Werk schrieb - am Ende also wird Marleen ihren Franz an die Kirche verlieren, und zwar ausgerechnet in dem Moment, da sie ihre Schwangerschaft bemerkt hat. Marleen entschließt sich schließlich, ihren Sohn, Antoine, leben zu lassen und mit nach Paris zu nehmen, wo sie beim erwähnten Passeraub lernen darf und sich zunächst als Au-pair-Mädchen über Wasser hält.

Autor Ulf Erdmann Ziegler hat sich akribisch in die von termini technici dominierte Materie eingearbeitet und muss ich dieses Werk mit einem anderen vergleichen, so fällt mir als Erstes Kaltenburg von Marcel Beyer ein. Dieselbe Schwäche, die ich dort diagnostiziert habe, fällt auch hier auf: Es ist trotz seiner sprachlichen Souveränität nicht immer fesselnd, mit dem Autor in die Tiefen einer Materie hinabzusteigen, für die man sich als Fachfremder eigentlich nicht interessiert. Die Ethologie der Dohlen dort, die Evolution der Hohlräume von O's, E's und A's hier - irgendwann geht einem das Bad im Fachjargon auf die Nerven, zumal Ziegler wie Beyer auch keinen Funken Interesse daran hat, seine Geschichte in irgendeiner Weise chronologisch und konsequent kohärent zu erzählen. Nichts gegen gelegentliche Zeitsprünge, aber hier wirken sie reichlich willkürlich und die Handlung bricht eigentlich immer gerade dann ab, wenn es spannend wird. Wo Petrus und Franz, die beiden Flüchtlinge dieses Romans hin sind und was sie treibt, interessiert vielleicht den Leser, aber Ulf Erdmann Ziegler augenscheinlich nicht.
An der außerordentlichen Leistung des Autors, Zeitgeschichte auf ziemlich originelle Weise verpackt zu haben, kann trotzdem nicht gezweifelt werden.
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3.0 von 5 Sternen Dingbat, 6. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieser auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2012 stehende neue Roman bietet einen interessanten Einblick in die Welt der Werbung und insbesondere die der Grafik und Typografie in der bedeutsamen Phase des Umbruchs hin zur Digitalisierung, von der Klassik zur Moderne also. Dabei ist nun allerdings ein gewisses Grundwissen und auch Verständnis hilfreich, um nicht zu sagen unabdingbar, sonst gehen doch viele der reichlich aufgetischten fachlichen Details ohne jeden nachwirkenden Effekt am staunenden Leser vorbei.

Gleich zu Anfang der locker erzählten Geschichte wird eine gewisse Spannung aufgebaut durch die erklärte Absicht der Protagonistin Marleen, eine einzigartige, ganz besondere Schrift zu kreieren, die es so noch nicht gibt. Wer sich die vielen Fonts in seinem Computer mal daraufhin anschaut, wird erstaunt nach Notwendigkeit und Sinn dieser kühnen Idee fragen und umso neugieriger sein, was dabei denn herauskommt am Ende. In verschiedenen Erzählsträngen und mit diversen Rückblenden verfolgt man also geduldig die berufliche und personale Entwicklung der Heldin über markante Wegmarken hinweg wie dem Stadtteil Pomona in Neuss, ferner Düsseldorf, Kassel, Paris und New York, und auch Poona in Indien spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle.

Somit ist dies ein typischer Bildungsroman im modernsten Gewand, angesiedelt im Milieu der 68er-Generation, die ganze Familie ein bunter Haufen von Kreativen mit Hang zur Weltläufigkeit, unangepasste Individualisten jedenfalls, selbst die streng katholische Schwester gehört mit ihrem naiven Eigensinn zu diesen Charakteren. Alle diese Figuren wirken auf mich ziemlich labil, insbesondere Marleen erscheint zu keiner tieferen Bindung fähig, denn sogar ihr unehelicher Sohn bleibt eher eine seelenlose Randfigur. Patchwork-Familie und Schwulen-WG scheinen nicht der richtige Nährboden zu sein für innigere menschliche Beziehungen. Nur die Lehrer und Chefs der Protagonistin werden als kantige, skurrile, teils sogar despotische, aber gerade dadurch ja auch liebenswerte Originale der ziemlich durchgeknallten Werbe- und Grafikbranche beschrieben. Ganz am Ende kreiert Marleen dann schließlich die Symbolschrift Dingbat, auf die die Welt so dringend gewartet hat.

Ziemlich offensichtlich ist der Plot nicht das Wichtigste an diesem Roman, denn der Frage, was will der Autor uns damit sagen, stehe ich jedenfalls ratlos gegenüber, da kann ich leider nichts hinein interpretieren, wie andere das so locker tun. Angetan hat es mir da schon eher die flotte Erzählweise, die erfreulich klare Sprache, das stimmig geschilderte zeitgeschichtliche Umfeld dieser Geschichte. Und das, in Verbindung mit dem durchaus interessanten Einblick in ein ziemlich unbekanntes, der Literatur ja unzweifelhaft affines Metier, macht den Roman zwar nicht gleich buchpreiswürdig, aber letztendlich doch lesenswert.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr viel Gutes, 27. September 2012
Von 
Georg-christof Bertsch "GBe" (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Uld Erdmann Ziegler hat einen Roman geschrieben, der wirklich in Bann zieht. Seine Sprache wird von Buch zu Buch souveräner. Kein Wunder, dass er auf die Shortist gekommen ist. NICHTS WEISSES liest sich wie Butter. Ich wollte gestern beim Auspacken meiner Büchersendung nur kurz reinschauen und war - Schwupps! - auf Seite 57. Chapeau! Selbst Enzensbergers Cameo ist bravourös gelöst.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht so bedeutend wie allgemein angekündigt., 7. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Für ein Buch das zu den besten des Jahrganges zählen soll, hätte ich mehr erwartet. Gut die Umgebungen 68er Familie, Typografiescene am Punkt des Umbruches in die digitale Zeit sind interessant beschrieben. Die Eingangs geschilderte Intention der Heldin die Universelle Schrift zu kreieren, baute eine gewisse Spannung auf, die aber irgendwie verpuffte. Denn die universelle Schrift, die Schrift die dann allzeit gültig ist, ist ja fast dem Perpetuum Mobile gleichzusetzen. Hätte vieleicht gelöst werden können, wenn der Text in phantastische Regionen aufgebrochen wäre. Die Beziehungsgeschichte des Paares aus der ein Kind entsteht und doch unerfüllt bleibt ist auch nicht etwas spezielles unserer Zeit, oder zeigt keine besonders originelle Sicht darauf. Beendet wird diese Zeitbeschreibung der 60er bis Anfangs 80er Jahre für mich abrupt mit dem Einschlag von AIDS in die New Yorker Scene. Fazit: Ein lesbares Buch, ich blieb dran, aber das es mir neue Einsichten in die beschriebene Zeit gebracht hätte, ist nicht der Fall.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Poesie der Dinge, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich lese das Buch als ausländische Germanistin und bin völlig in dessen fein konturierte, durchleuchtete Welt hineingezogen. Mit seinem ganz eigenartigen Sinn für konkrete Dinge schafft der Autor eine unwahrscheinliche Poesie der 70er und 80er Jahre.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen kryptisch, hölzern, anders, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir ist nach der Buchlektüre nicht ganz klar geworden, was uns der Autor sagen will. Die Geschichte maändert so ein bisschen scheinbar planlos durch die Gegend. Ein Mädchen mit Legasthenie aus einer kinderreichen alternativen Familie setzt sich beruflich durch. Sie, Marleen, will unbedingt eine Schrift entwerfen. Das schafft sie am Schluss. Ihr Weg führt von einem Praktikum in Nördlingen über die Uni in Kassel zu einem Arbeitgeber nach Paris und dann zu einem in New York. In der Zeit wird sie von ihrer großen Liebe schwanger. Der Junge merkt dann aber, dass er Pfarrer werden will und lässt sie mit dem Kind allein. In New York zieht sie in eine Schwulen-WG. Zwischendurch wird die Geschichte ihres Vaters erzählt, der erfolgreich Werbung für o.b macht und dann in Indien zum "erleuchteten" Werbetexter wird, falls es so etwas überhaupt gibt. Außerdem wird über den Katholizismus berichtet, als ob das heute noch ein Thema wäre. Die Sprache Zieglers ist abgehackt und sehr kryptisch. Die Figuren bleiben ungreifbar. Man weiß kaum wie Marleen aussehen könnte. Vielleicht hat das Buch irgendeine Message. Mir ist sie verborgen geblieben. Trotzdem kein schlechtes Buch. Mal was anderes halt. Das ist immer gut.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch steht zurecht auf der Shortlist, 27. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine Chronik Westdeutschlands, ziemlich witzig, manchmal auch bissig, aber im Prinzip sehr auf Seite der Menschen, die es schildert. Im Zentrum steht die Familie Schuller aus Neuss, die Eltern arbeiten in einer Werbeagentur in Düsseldorf, die zum Teil an „Team“, zum Teil auch an Charles Wilp erinnert. Eine unglaubliche Szene zeigt die Schwestern Christina und Marleen in einer Silvesternacht in der Düsseldorfer Altstadt. Als sie dort schwer betrunken abziehen, heißt es: „Was ihnen zusetzt, ist der plötzliche Entzug von Alt, Alstadt, Älteren, was ihnen fehlt, ist die gewaltige schunkelnde Kohorte, diese Lebensdröhnung, die es so nur dort gibt, das Geldding, das Künstlerding, das Alles-oder-nichts.“ Das ist eine der ganz dichten Stellen in einem Roman, der voll ist von sprachlichen Bildern.
Im Prinzip setzt der Autor, U E Ziegler, auf einen Clash von Tradition und Moderne. Auf der einen Seite die traditionellen Familienstrukturen, der Katholizismus und allgemeine Strebsamkeit, auf der anderen Seite moderne Gedanken, persönliche Freiheit und eine gewisse Freude am Materialismus. Das wird enggeführt in der Schilderung der Werbekampagne für o.b. (den Tampon), wobei der Werbemann, Marleens Vater, sich selbst – als Katholiken – den Auftrag gibt, den „Blutkult“ zu überwinden. Etwas gruselig, aber wahrscheinlich dicht dran an der Wahrheit.
Der Roman ist sehr plastisch, lebhaft und vielperspektivisch. Nichts gegen Martin Walser und andere Chronisten der Bundesrepublik, aber hier geht es wirklich hoch her, ohne dass da ein Autor immer auf die Pauke haut. Subtil und spannend. Muss man gelesen haben.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Etwas daran ist ganz neu, 8. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Nichts Weißes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman ohne Palaver, in dem alles parallel verhandelt wird: Familie, Beruf, Liebe, Ambition und so weiter. In einem Bogen wird die Geschichte der Bundesrepublik erzählt, ohne irgendwelche politischen Klischees zu berühren. Marleen Schuller, die Hauptfigur, ist ein totaler Augenmensch, introvertiert und suchend. Man wird total reingezogen in das Motiv der Suche nach der „richtigen“ Schrift, und es tut einem richtig leid, wenn man am Ende von ihr in einer New Yorker Schwulen-WG - mit Kind und wiederum neuen Lebensplänen! – Abschied nehmen muss. So etwas gibt es selten zu lesen. Etwas daran ist ganz neu.
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Nichts Weißes: Roman
Nichts Weißes: Roman von Ulf Erdmann Ziegler (Gebundene Ausgabe - 13. August 2012)
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