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am 3. Februar 2011
Wunderbar! Über Jahrzehnte ringen Autor und Verleger, Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, miteinander. Es geht um Verträge, Honorare und Darlehen, um Verlagsprogramme, Buchcover und natürlich Buchinhalte. Und der Autor beschimpft, beleidigt, stellt Forderungen, trifft Vereinbarungen, um sie gleich wieder zu brechen. Gleichzeitig wünscht er alle Aufmerksamkeit des Verlegers. Bernhard ist gekränkt, wenn er zu selten von Unseld persönlich angerufen und aufgesucht wird, wenn andere Autoren öffentlichkeitswirksam und auflagensteigernd gefördert werden.

Die Beziehung beider ist ein permanentes Auf und Ab. Momente der perfekten Harmonie, in denen Bernhard Unseld als den besten aller möglichen Verleger preist, wechseln mit Phasen der Kritik und der Entfremdung. Mehr als einmal kündigt Bernhard an, die Beziehung zu Suhrkamp sei beendet.

Dabei ist Bernhard der impulsgebende Part, Unseld ist stets um Ausgleich bemüht. Unseld setzt alle seine Kraft ein. Streckenweise fühlt er sich arg strapaziert. Der Verleger sei auch nur ein Mensch, schreibt er Bernhard einmal. Letztlich geht Bernhard über seine Kräfte.

Der Briefwechsel endet mit einem Brief und dem Hinweis Bernhards, er sei von allen Autoren des Verlages stets der pflegeleichteste gewesen. Eine gelungene Schlusspointe eines unterhaltsamen Buches.
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Thomas Bernhard - ein Genie, ein Wahnsinniger...wahrscheinlich beides zusammen! Auf alle Fälle aber ein Garant für einen Aufreger. Österreicher lieben es, wenn sie sich aufregen können. Thomas Bernhard lieferte früher immer gerne das Thema dazu.
In diesem Buch ist der gesamte (!) Briefwechsel von Suhrkamp-Verlag Chef Siegfried Unseld mit seinem wohl besten "Pferd im Stall" Thomas Bernhard. Die 2 entwickeln eine Hass-"Liebe" zueinander, die von tiefster Überzeugung heraus existiert. Beidseitig.
Bernhard schreibt mal im flehenden, verrückten, unabrückbaren, neidvollen, agressiven, bittenden und von sich selbst überzeugten Ton. Unseld gibt aber nicht nur kontra, sondern bietet Bernhard auch Paroli. Und trotzdem sind die beiden immer höflich und respektvoll und "immer per Sie".

Fazit: Auf über 800 Seiten kann man sich ein Bild von Bernhard machen, wie ich persönlich sogar glaube, intensiver, als je ein Buch von ihm ihn zeigt. Bernhard schenkt seinem Verleger weder eine Zeile, noch eine noch so kurze Antwort, die manchmal Seiten füllen. Unseld hingegen bietet Paroli, weiß aber, was er an Bernhard hat; was der widerum weiß. Ein endlos Spiel. Dieser Briefwechsel zeigt mehr "Biografie", als jede andere und sollte in keiner Bibliothek fehlen. Lesenswert!
Viel Spaß!
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am 4. Mai 2015
Mehr als zwei Jahrzehnte dauerte die Geschäftsbeziehung zwischen Unseld und Bernhard - und sie ist vermutlich einzigartig (von Freundschaft zu sprechen ist schwer, wenn zwei Menschen in so langer Zeit es nicht schaffen, zum "Du" zu wechseln - aber es war sicher auch Freundschaft, jedenfalls eine unbekanntere Form davon). Unseld, guter Geschäftsmann und kulturbeflissener Mensch zugleich, erlaubt Bernhard in dieser Beziehung so einiges: Unstetigkeit, Launenhaftigkeit, Illoyalität - eben nicht nur des Geschäftes willen, sondern vor allem auch, weil ihm an Bernhard und seinen Werken liegt. Stets agiert er deeskalierend, verbindlich, kompromissbereit, gebend: Bernhard weiß das und nutzt das gekonnt aus, sei es um seine Honorarforderungen durchzusetzen, sei es aus dieser Bernhard'schen Grundgrantigkeit heraus, der er nicht zu entkommen mochte.

Dieser Abdruck des Briefwechsels zwischen den beiden dokumentiert dieses Verhältnis genauestens: denn dort, wo Antwortbriefe auf früherer Schreiben fehlen, sei es auf Grund von Verlust oder weil eines der häufigen persönlichen Treffen die Punkte dieses früheren Schreibens klärte, wird in den Kommentaren aus Unselds ausführlicher persönlicher Chronik und Reiseberichten das Fehlende ergänzt. Derart ergibt sich "naturgemäß" ( ;-) ) eine Kontinuität, die man andernfalls vermissen müsste.

Es ist ein wahres Vergnügen und eine unerlässliche Ergänzung zu Bernhards Werk, diesen Briefwechsel zu lesen. 800 Seiten, die wie im Fluge vergehen, denn sie offenbaren weitere Aspekte des bernhardschen Schaffens, interessant bis zur letzten Zeile:

Kurz vor Bernhards Tod provoziert dieser wieder in eigentlich unverzeihlicher Art und Weise durch einen Brief, in dem er eine weitere Veröffentlichung im Residenz-Verlag ankündigt, vielleicht auch, um Unseld den unvermeidlichen, endgültigen Abschied leichter zu machen. Unseld aber sucht wieder das Gespräch und sie treffen einander zum letzten Mal, Bernhard kündigt sein nahes Ende an: "Ich könnte noch so viel schreiben, ich kann es aber nicht." Unseld notiert nach dem Bekanntwerden von Bernhard's Tod in seiner Chronik: "Was für eine Erleichterung, dass man sich noch einmal ausgesöhnt hat." Es fiel mir hier schwer, die Tränen zu unterdrücken.
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am 2. März 2015
Mit der Korrespondenz zwischen dem zu Lebzeiten umstrittenen, mittlerweile zum österreichischen "Kulturheiligtum" (dieser Ausdruck stammt nicht von mir) erklärten Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld ist den Herausgebern ein großes Werk gelungen. Selbst die Taschenbuchausgabe ist noch beeindruckend, auf 800 Seiten finden sich die Texte von 524 längeren und kürzeren Briefen, Postkarten und Telegrammen, ergänzt um teilweise sehr umfangreiche Fußnoten, einer Einleitung von Bernhards Halbbruder Peter Fabjan und einem Nachwort der Herausgeber. Ein paar Abbildungen ergänzen den Inhalt, es hätten ruhig noch mehr sein dürfen.

Kann ein Briefwechsel spannend sein? Dieser ist es auf jeden Fall. Das geistreiche Hin und Her der beiden Schreiber stellt den Leser die immer wieder neue Frage "Was kommt als Nächstes?", weckt Ahnungen und Erwartungen. So liest man weiter, den jeweils folgenden Brief. Das bescherte mir etliche lange Leseabende und -nächte, an denen ich die Uhrzeit vergessen konnte.

Zum Inhalt:
Am 22. Oktober 1961 schreibt der 30-jährige Bernhard dem Verlagschef von Suhrkamp und Insel, Unseld, und drückt seine Wertschätzung für dessen literarische Produkte aus, verbunden mit dem Wunsch, seine Texte ebenfalls bei Suhrkamp verlegen zu lassen. Drei Jahre später beginnt die eigentliche Beziehung zwischen Autor und Verleger. Was nun folgt, ist das Dokument eines künstlerischen, persönlichen, psychologischen und geschäftlichen Dialogs, der ein Teil der deutschsprachigen Literaturgeschichte wird. Dieser Dialog endet mit dem letzten kurzen Brief von Thomas Bernhard am 25. November 1988. Er wirkt endgültig, wie ein abrupter Schlusspunkt. Das könnte jedoch täuschen, denn im Laufe der vorangegangenen 27 Jahre kommt es immer wieder zu Brüchen zwischen den beiden, die jedoch in persönlichen Gesprächen zumindest teilweise gekittet werden können. Im Jahr 1988 ist der Schriftsteller jedoch schon todkrank. Eine letzte Aussprache zwischen Unseld und Bernhard findet Ende Januar 1989 statt, zwei Wochen vor seinem Tod. Eine Zusammenfassung dieses letzten Treffens, niedergeschrieben von Siegfried Unseld, bildet als seitenlange Fußnote den Epilog des Briefwechsels. Es hätte durchaus weitergehen können zwischen den beiden ...

Meine Interpretation:
Der Briefwechsel ist nicht bloß eine Zusammenfassung trockener Bürokorrespondenz. Immer öfter während der mehrwöchigen Lektüre kam mir zu Bewusstsein, dass dieses Buch als mindestens vier verschiedene Bücher gelesen werden kann.

1. Der „Briefwechsel“ gewährt dem literarisch interessierten Leser einen einzigartigen Einblick in das Zusammenspiel zwischen einem Autor und seinem Verlag bzw. seinem Verleger als Person sowie in den Prozess des Bücher-Schreibens, Bücher-Machens und Bücher-Verkaufens. Es geht eben nicht nur um Geist und Kunst, sondern sehr oft um Geld, um Honorare, Kredite, Rechte und um Erpressung. Die Geschäftsbeziehung zwischen Thomas Bernhard und Suhrkamp war durchaus nicht exklusiv. Man spürt geradezu, wie es Siegfried Unseld persönlich trifft, wenn Thomas Bernhard seine Verbindungen zu einem Salzburger Verlag trotz anders lautender Vereinbarungen nie ganz abreissen lässt.

2. Das Buch liest sich wie ein Entwicklungsroman. Zwei Menschen lernen einander kennen. Der eine ein genial-schwieriger „Geistesmensch“, der andere ein Geschäftsmann der Kultur, ein Spieler in seiner Selbsteinschätzung, der sich jedoch um die Werke seines ihm Anvertrauten mit Begeisterung und Engagement bemüht. Geduldig erträgt er die Stimmungsschwankungen des Geistesmenschen, seine Vorwürfe und Beleidigungen. Er weiß, dass er mithilft, Großes zu erschaffen. Immer wieder kommt es zu Zerwürfnissen aber auch zu Annäherungen voller Charme und Liebenswürdigkeit. Diese beiden brauchen einander, obwohl sie so verschieden sind. Nur der Tod kann so etwas beenden.

3. „Der Briefwechsel“ ist auch ein Zwei-Personen-Drama, eine Art überlanges Stück, das Thomas Bernhard mit dem Co-Autor Siegfried Unseld über Jahrzehnte geschrieben und zugleich aufgeführt hat. Es enthält Komödiantisches und Tragisches, große Monologe, aber auch ganz Alltägliches, Beiläufiges. Viele „stumme“ Nebenfiguren liefern fortwährend Impulse für den Dialog. Die beiden Protagonisten beherrschen ihre jeweils ihre ganz eigene Sprache, wenn auch die Figur „Unseld“ manchmal sprachliche Elemente der Figur „Bernhard“ übernimmt. Am Ende bedauert man, dass der Vorhang unwiderruflich fällt.

4. Schließlich: Das Werk behandelt einen bedeutenden Teil deutschsprachiger Literaturgeschichte und ist zugleich ein Dokument der österreichischen Zeitgeschichte. Die öffentlichen Reaktionen auf den schwierigen Autor mit seiner vielzitierten „Hassliebe“ zu Österreich beweisen, dass er mit seinen oft maßlosen, literarisch unübertroffenen Übertreibungen auch dort hintraf, wo es weh tat. Gerade das Theaterstück "Heldenplatz" zeugt davon, wenn es auch im Briefwechsel wenig Raum einnimmt.

Genug geschwafelt: Ich habe den „Briefwechsel“ mit äußerstem Vergnügen gelesen. Er ist eine einzige Anregung, sich mit dem literarischen Werk Thomas Bernhards zu beschäftigen. Ich werde das jedenfalls tun.
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