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5.0 von 5 Sternen Intelligent und kraftvoll
Barthes Büchlein lag lange Zeit nur als Teilübersetzung vor. Es besteht aus 24 Glossen und einem theoretischen Anhang. In der ersten Ausgabe haben zwölf Glossen gefehlt. Hier findet man alle versammelt.
Worüber schreibt Barthes? Eigentlich über hochaktuelle Sachen. Die Glosse "Afrikanische Grammatik" etwa beginnt er mit den Worten: "Das...
Veröffentlicht am 18. November 2012 von Frederik Weitz

versus
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3.0 von 5 Sternen Eine Kritik des gesellschaftlichen Gebrauchs von Zeichen
Barthes beabsichtigt in der vorliegenden Monographie zugleich eine auf die Sprache der sogenannten Massenkultur gerichtete Ideologiekritik und eine semiologische Demontage dieser Sprache. Seine Methoden sind die des Strukturalismus, der Semiotik und der Dekonstruktion.

Dabei legt er einen sehr weiten Mythos-Begriff zugrunde: Ganz allgemein ist der Mythos eine...
Veröffentlicht am 9. Mai 2011 von Knöppler, Andreas


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligent und kraftvoll, 18. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Mythen des Alltags: Erste vollständige deutsche Ausgabe (Gebundene Ausgabe)
Barthes Büchlein lag lange Zeit nur als Teilübersetzung vor. Es besteht aus 24 Glossen und einem theoretischen Anhang. In der ersten Ausgabe haben zwölf Glossen gefehlt. Hier findet man alle versammelt.
Worüber schreibt Barthes? Eigentlich über hochaktuelle Sachen. Die Glosse "Afrikanische Grammatik" etwa beginnt er mit den Worten: "Das offizielle Vokabular der Afrikapolitik ist, man ahnt es, rein axiomatisch. Das heißt, es hat keinen Informations-, sondern nur Einschüchterungswert." (178) Es ist nicht mehr Afrika. Es sind heute Finanzkrise, Afghanistankrieg, Altersabsicherung. Sie werden mit Mana-Wörtern belegt; Mana-Wörter, das sind Worthülsen. Die Inhalte haben sich verändert, nicht aber die Strategien.
Barthes schreibt über die mythologischen Strukturen im Striptease ebenso, wie im Catchen, über Schockphotos (heute würde man auf youtube-Videos verweisen), usw.
Die Glossen sind zwar ironisch, aber selten amüsant. Sie denunzieren nicht das Thema, sondern analysieren es geistreich. Das macht diese Texte dann allerdings auch wieder so vergnüglich.

Der theoretische Teil ist eine brillante, kurze Betrachtung über die Semiologie des Mythos. Er wird als Zeichen behandelt, als Zeichen für soziale Vorgänge. Der andere Rezensent hat schon recht, wenn er diesen sehr eingeschränkten Mythos-Begriff beklagt. Wenn man nicht genau dies von Barthes erwarten muss: ein Semiologe untersucht soziale Phänomene von der Semiologie aus. Denn tatsächlich ist die knappe Darstellung durchaus explosiv in ihrer intellektuellen Kraft und eine gute Einführung in die Kritik der Massenkultur. Insofern ist mir die Kritik des anderen Rezensenten zwar aus ethnologischer Perspektive nachvollziehbar: aber dort ist der Mythos etwas ganz anderes und die Ethnologie spricht deshalb nicht vom gleichen Objekt. Sie ist aber hinfällig, was das Buch von Barthes betrifft.

Fazit:
Man könnte dieses Buch noch immer als eine sehr aktuelle Medien- und Medienkonsumentenschelte betrachten. Die Glossen sind toll geschrieben und lehrreich, manchmal sogar witzig. Interessant ist das Buch aber auf jeden Fall auch deshalb, weil seit seinem Erscheinen 1959 sich wenig geändert hat: die Politiker sprechen immer noch so, die Waren entwickeln weiterhin ein scheinhaftes Eigenleben, die Schauspieler werden weiterhin zu antiken Göttern stilisiert.
Vor allem weiß Barthes aber um das, was er schreibt. Seine Glossen sind lehrreich, aber nicht theoretisch. Die Theorie wirkt im Hintergrund. Das gibt seinen Texten eine große Kraft. Und macht sie so vergnüglich.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Kritik des gesellschaftlichen Gebrauchs von Zeichen, 9. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Mythen des Alltags: Erste vollständige deutsche Ausgabe (Gebundene Ausgabe)
Barthes beabsichtigt in der vorliegenden Monographie zugleich eine auf die Sprache der sogenannten Massenkultur gerichtete Ideologiekritik und eine semiologische Demontage dieser Sprache. Seine Methoden sind die des Strukturalismus, der Semiotik und der Dekonstruktion.

Dabei legt er einen sehr weiten Mythos-Begriff zugrunde: Ganz allgemein ist der Mythos eine Rede, ein Kommunikationssystem, eine Botschaft, eine Weise des Bedeutens, eine Form. Alles, was in einen Diskurs eingeht, kann Mythos werden: Sprache, Photographie, Gemälde, Plakat, Ritus, Objekt. Strukturell handelt es sich um ein sekundäres semiologisches System. Der Mythos umfaßt also zwei semiologische Systeme: die Objektsprache und die zweite Sprache, die Metasprache des Mythos selbst. In Barthes' semiologischem System verbinden sich das Bedeutende (Signifikant) mit dem Bedeuteten (Signifikat) zum Zeichen. Der dritte Term der Objektsprache, das Zeichen, wird zum bloßen Signifikanten des Mythos. Dieser verbindet sich mit einem Signifikat (Begriff) erneut zu einem dritten Term, der im Mythos Bedeutung heißt.

Nach Barthes hat der Mythos eine Doppelfunktion: Er bezeichnet und deutet an, er gibt zu verstehen und schreibt vor. Das im Mythos enthaltene Wissen ist wirr, es besteht aus unscharfen, unbegrenzten Assoziationen. Im Mythos kann sich ein Begriff über einen sehr großen Bereich von Signifikanten erstrecken, aber er verbirgt nichts. Seine Funktion ist es, zu deformieren, nicht verschwinden zu lassen. Im Mythos deformiert der Begriff den Sinn, transformiert ihn in Gesten, in eine Form. Barthes Hauptkritik richtet sich gegen die Funktion des Mythos als entpolitisierter Rede. Die Welt liefert dem Mythos ein historisch Reales, und der Mythos gibt ein natürliches Bild dieses Realen zurück. Es ist der Verlust der Historizität der Dinge, der den Mythos ausmacht! Der eigentliche Zweck der Mythen ist es, die Welt unveränderlich zu machen!

Kurz: "Mythen" sind für Barthes "massenpsychologisch wirksame Vorstellungen". Betonen wir dagegen (etwa mit Bronislav Malinowski) den normativen Charakter von Mythen, dann handelt es sich bei den von Barthes untersuchten Phänomenen nicht um Mythen, denn sie sind nicht verbindlich und können zurückgewiesen werden, ohne daß der Ausschluß aus der Gemeinschaft befürchtet werden muß. Sie sind nur Zeichensysteme zur Wirklichkeitsbewältigung. Ihren interessengeleiteten Manipulationscharakter aufzuzeigen, wie Barthes dies in mehr als fünfzig Einzelfällen tut, bleibt durchaus verdienstvoll. Doch leider kultiviert er dabei penetrant die Attitüde des Ressentiments gegenüber dem "Kleinbürgertum", was seine wissenschaftliche Reputation beschädigt. Zusätzlich beeinträchtigt ein schwer zugänglicher Stil die Lesbarkeit des Werkes. Insgesamt enttäuschend!

Für eine Auseinandersetzung mit dem Mythos empfehle ich besonders: HÜBNER, Kurt: "Die Wahrheit des Mythos" (1985) und ELIADE, Mircea: "Mythos und Wirklichkeit" (1988, 1963¹). Empfehlenswerte metatheoretische Arbeiten sind: JAMME, Christoph: "Gott an hat ein Gewand. Grenzen und Perspektiven philosophischer Mythos-Theorien der Gegenwart" (1991); GRABNER-HAIDER, Anton: "Strukturen des Mythos. Theorie einer Lebenswelt" (1989) sowie GEYER, Carl-Friedrich: "Mythos - Formen, Beispiele, Deutungen" (1996). Eine Ideologiekritische Weltanschauungsanalyse findet sich z.B. bei: TOPITSCH, Ernst: "Erkenntnis und Illusion. Grundstrukturen unserer Weltauffassung" (1988²), eine evolutionäre Erkenntnislehre z.B. bei: EIBL, Karl: "Animal Poeta. Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie" (2004) Sämtliche Werke sind den Bemühungen von Roland Barthes um Größenordnungen überlegen!
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Mythen des Alltags: Erste vollständige deutsche Ausgabe
Mythen des Alltags: Erste vollständige deutsche Ausgabe von Roland Barthes (Gebundene Ausgabe - 16. August 2010)
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